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Hamburg: AfD-Wähler stehen außerhalb aller gesellschaftlichen Debatten

Alexander Gauland Foto: Metropolico.org Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die Morde in Hanau, das Erstarken des rechtsradikalen Flügels, Streit der in der Partei, dubiose Finanzierungen – was einen großen Teil der Bürger an der AfD abschreckt und zu einer immer stärkeren Ablehnung führt, interessiert die AfD-Wähler nicht: Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg erhielt die AfD gestern  211 327 Stimmen – nur gut 3000 weniger als fünf Jahre zuvor. Der moderate Verlust von 0,8 Prozentpunkten hatte nur mit der höheren Wahlbeteiligung zu tun, von der die AfD erstmals nicht profitierte.

Alle gesellschaftlichen Debatten gehen an den AfD-Anhängern vorbei. Im Gegenteil: Sie werten sie offenbar als Beleg dafür, dass die AfD sich konsequent gegen das politische System der Bundesrepublik stellt, das sie ablehnen. Für die bürgerlichen Parteien, auch das zeigt die Wahl in Hamburg, ist jede Annäherung an die AfD toxisch. Vor allem die FDP wurde wegen Thüringen, aber auch wegen ihres Verhaltens in Hamburg, wo sie häufig AfD-Anträgen zustimmte abgestraft. Und auch bei der CDU wäre der Sturz auf elf Prozent wohlmöglich ohne Thürungen etwas milder ausgefallen. Die AfD ist eine systemdestabilisierende Partei, die alle Parteien destabilisiert, die sich nicht deutlich und konsequent gegen sie stellen.

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20 Kommentare zu “Hamburg: AfD-Wähler stehen außerhalb aller gesellschaftlichen Debatten

  • #1
    Arnold Voss

    Eine Erklärung dafür wäre, dass sich um die AfD eine ganz eigene Weltsicht etabliert hat, deren Ausdruck diese Partei ist. Eine Art Grundparanoia, die insgesamt wie eine große zusammenhängende Verschwörungstheorie funktioniert. Der große Bevölkerungsaustausch, der Islam als antieuropäische Gefahr, die Juden als superreiche Weltverschwörer, der nur scheinbar demokratische Staat als undurchschaubarer Großkontrolleur, die "Systemmedien" als Megamanipulierer.

    Als politische Basis dahinter ein seit Jahrzehnten stabiler Bevölkerungsanteil von eher autoritätsfixierten und permanent nach starker Führung suchenden Menschen aller Schichten, die hier endlich eine neue und stabile politische Heimat gefunden haben, die auch öffentlich sichtbar in allen Parlament ihr Wort erheben kann, d.h. politisch real und stabil geworden ist. Die vor allem aber auch bürgerliche Anerkennung gefunden hat und sich deswegen auch selbst offensiv als bürgerlich defniert, obwohl ihre rechtsextremen Anteile unübersehbar zunehmen.

  • #2
    Gerd

    Zuerst einmal sei die Frage erlaubt, was die AfD mit der Wahnsinnstat eines geisteskranken Einzeltäters zu tun hat.

    Dann sollte man eine alternative Erklärung nicht ausschließlich. CDU und FDP haben verloren, weil sie mit der Linkspartei gemeinsame Sache machen.

  • #3
    Berthold Grabe

    @Voss, sie beschreiben die Sicht und die Erklärmuster derjenigen, die den Zuspruch zur AfD nicht anders deuten wollen und können.
    Es ist dabei unzweifelhaft, dass der Bodensatz an Menschen die tatsächlich diesem Erklämuster folgen in der AfD eine Gelegenheit sehen sich vertreten zu fühlen oder aktiv sich zu beteiligen.
    auch wäre möglich, das der Anteil der Menschen die eine gewisse Sicherheit suchen zunimmt, aber je nach Präferenz finden die sich auch bei Grünen oder Linkspartei wieder.

    Aber es ist ein kompletter Selbstbetrug damit den relativen Erfolg der AfD zu erklären.
    Der basiert fast ausschließlich auf das andauernde Versagen der Regierung Merkel bei der Migrationskrise, der Untätigkeit bei kriminellen Clanstrukturen und deren langjährigen Verfestigungen und Wachstum ebenso wie unzureichenden Reaktionen auf kriminelle Minderheiten bei den Migranten und der Weigerung dem öffentlich Rechnung zu tragen.
    Hinzu kommen fehlende Strategien und Perspektiven bezogen auf grundlegende gesellschaftliche Probleme durch Globalisierung und Demographie, die weiter als bis zum nächsten Jahr reichen.
    Der Vertrauensverlust ist signifikant und und kontinuierlich gewachsen über die letzten 40 Jahre.
    Das kann man mit ihrem Erklärungsmuster nicht sinnvoll wegstigmatisieren.
    Ist also auch in keiner Weise hilfreich oder zielführend beim Abbau der vorurteilsbezogenen Erklärmuster, solange keine nachvollziehbaren Perspektiven angeboten werden, die geeignet sind konstruktive Aktivität zur Bewältigung der Sorgen zu schaffen.

  • #4
    Joe

    Aha, alle gesellschaftlichen Debatten gehen an den tumben AfD-Wählern in ihrer rechtsnationalen Filterblase vorbei…
    Vielleicht liegt es ganz einfach auch daran, dass viele mittlerweile überzeugt sind, aus der politischen Debatte ausgeschlossen zu sein, also nur noch über sie, nicht mehr mit ihnen diskutiert wird.
    Wer ständig irgendwelche „Brandmauern“, „Abgrenzungsbeschlüsse“ und Sonstiges aufbaut und mit dem Wort „Faschist“ und „Nazi“ inflationär um sich schmeißt, trifft damit eben nicht nur die Höckes und Gaulands dieser Welt, sondern häufig gefühlt eben auch viele andere Menschen, die nicht konform gehen mit dem linksliberalen Mainstream unserer Tage in Wirtschaft, Kultur und Politik.
    Wenn sich bei diesen Menschen der Eindruck verfestigt, dass ihre Anliegen (Stärkere Kontrolle der Migration, starker Staat, Leitkultur etc.) aus einem fairen Wettbewerb der Ideen (was die Demokratie idealerweise sein sollte) mittlerweile ausgeschlossen werden bzw. bestenfalls ins Lächerliche gezogen werden, dann kommt es zwangsläufig irgendwann zu Verhärtungen und Solidarisierungseffekten (auch wenn davon dann teilweise die Falschen profitieren).

  • #5
    Thommy

    @Laurin da haben Sie recht

    5.3% ist bedauerlich, hört sich aber noch besser -weil schlechter- als 212 000 ( Zweihundertzwölftausend !) Stimmen der AFD an .

    Die absoluten Zahlen schockieren und verwundern bei 1.3 Mio Wahlberechtigten und da 800000 tatsächlichen Wählern , liegen aber auch am Hamburger Wahlsystem (insgesamt 10 Stimmen pro Wöhler, fünf für die Bezirksverzretungn und 5 für die Bürgerschaft, die auch alle für einen Kandidaten bzw. eine Partei abgegeben werden können).

    Es waren lt.SPIEGEL um die 42.000 Wähler , die wohl dann alle fünf Stimmen der AFD gaben

    .Immer noch viel zu viel. Und immer noch angesichts des Rechtsextremismus und Rassismus dieser Partei schockietend .

  • #6
    Arnold Voss

    @ Berthold Grabe # 3

    Es gibt natürlich immer politische Auslöser für die Gründung, das Wachsen und die wahlpolitische Konsolidierung einer solchen Partei. Insofern ist die Etablierung einer rechtsextremen Partei immer auch durch die gesamte Politik der anderen Parteien mitbegründet. Ich habe mich dazu hier schon reichlich geäußert.

    Um eine dauerhafte Wählerbasis zu Verankern braucht sie dazu aber auch ein Grundnarrativ und um das ging es mir hier. Die AfD wird deswegen nach dieser soziokulturellen Verfestigung nicht einfach durch eine andere Politik der anderen Parteien verschwinden, auch wenn sich das viele, mich eingeschlossen, wünschen. Aber sie kann dadurch vielleicht auf 10% und weniger zurück gedrückt werden.

  • #7
    Arnold Voss

    @ Berthold Grabe # 3

    https://www.ruhrbarone.de/demokratie-ist-kein-ponyhof-der-zukuenftige-umgang-mit-der-afd/147698

  • #8
    Thomas Weigle

    #4 Wer A sagt, also die Höcke-Faschisten wählt, muss dann auch B in Kauf nehmen, dass man ihn beim Namen nennt, also Faschist, Nazi, Rechtsextremist, usw nennt. Mit "das habe ich nicht gewusst", kann sich keiner, der die Armseligen gewählt hat, rausschwätzen.

  • #9
    Ricardo Sanchis

    "Aha, alle gesellschaftlichen Debatten gehen an den tumben AfD-Wählern in ihrer rechtsnationalen Filterblase vorbei…
    Die recht einseitige politische Bildungspogramm der Öfis , die Diffamierung der Opposition , die Verhetzung der Bevölkerung als gesellschaftliche Debatte zu bezeichnen, ist schon recht süßes framing.
    Die AfD ist keine faschistische, demokratie- oder gar verfassungsfeindliche Partei ( sonst wäre sie längst verboten ). Das zu behaupten ist schlicht unredliches mit Schmutz um sich werfen in der Hoffnung das etwas hängen bleibt.
    Klar gibt es in der AfD Rechte, aber deutlich weniger als in der CDU/SPD bei denen zahlreiche Mitglieder der NSDAP ihre Heimat gefunden hatten und haben. Auch die Grünen werden ja nicht bei jeder Gelegenheit als Kinderfickerpartei bezeichnet obwohl das sogar Teil ihrer programmatischen Forderungen war…

  • #10
    Thomas Weigle

    #9 Aus welchem Kaffeesatz beziehen sie ihre ""Erkenntnisse"? Wer eine Partei wählt, die nicht nur offen (Neo)Nazis in ihren Reihen duldet sondern auch in "Führerpositionen" beruft, muss es sich gefallen lassen, dass man seine Wahlentscheidung als das benennt, was sie ist: Eine Entscheidung für faschistische "Lösungen". Immer diese rechtsradikale Wehleidigkeit, wenn man Rechte als das bezeichnet, was sie sind: RECHTE , die mit Demokratie nix am Hut haben.

  • #11
    Klaus Lohmann

    @Ricardo Sanchis: Man muss hierzulande keine nach außen verfassungsfeindliche Partei bilden, um mit Nazis gemeinsame Sache zu machen oder sie in ihrer "Mitte" zu hegen und zu pflegen. NPD, Republikaner, "Der III. Weg", "Die Rechte", ProKöln/ProNRW etc., um nur die bekanntesten dieser Parteien zu listen, die nicht als verfassungsfeindlich verboten wurden – neben den vielen anderen, bei denen das gottseidank gelang.
    Trotzdem – oder gerade deswegen – arbeiten *alle* dieser Gruppen daran, mit potemkinscher Fassade der Bürgerlichkeit und der Verfassungstreue unsere Demokratie nachhaltig zu zersetzen, um die Macht zu übernehmen.

  • #12
    bob hope

    #9 Ricardo Sanchis:
    Ihre Argumente sind allesamt nicht haltbar: Dass eine Partei nicht verboten ist, bedeutet nicht, dass sie in nicht weiten Teilen demokratie- oder verfassungsfeindlich ist. Siehe NPD und Kameraden.

    CDU, SPD und FDP haben nach dem Krieg zwar ehemalige Mitglieder der NSDAP oder der SS aufgenommen, programmatisch gab es aber kaum Kontinuitäten. Der Stahlhelm-Flügel der Union oder der Naumann-Kreis in der FDP waren nicht mehrheitsfähig, was nicht bedeuten soll, dass es inhaltlich Anknüpfungspunkte nach Rechtsaußen gab: Globke und das Klima der Verdrängung, Ostpolitik 1972, Asylkompromiss 1993.

    Die Grünen haben das Thema Pädophilie früh aus ihrem Progeamm gestrichen, sich davon distanziert und die Geschichte mittlerweile wissenschaftlich aufarbeiten lassen.

    Die AfD hingegen besteht zu einem nicht geringen Teil aus Leuten, die man als Rechtsradikale oder Nazis bezeinen kann, einer ist sogar Vorsitzender eines Landesverbandes. Das Programm ist in Teilen völkisch, nationalistisch, rassistisch. Höcke, Gauland, Weidel, Brandner, Storch, Kalbitz, Tillschneider und Co (um nur die Prominentesten zu nennen) haben den Tabubruch zum Programm gemacht. Bei den Wählern – vom Nationalkonservativen bis zum Neonazi – kommt das an.

    Das Programm der AfD lässt sich zusammenfassen mit: Deutschland den Deutschen, Ausländer raus! und: Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen! Wer oder was „deutsch“ ist, bestimmen sie. Adressaten sind auch die Mörder von Kassel, Halle und Hanau.

  • #13
    Thomas Weigle

    @bob hope So ist es, wobei viele von denen, die "Deutschland den Deutschen" brüllen, sich in einem permanenten Kriegszustand mit der deutschen Sprache befinden. Ein Friedensschluss ist nach Lage der Dinge in absehbarer Zukunft nicht zu erwarten.

  • #14
    Thomas Weigle

    "Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden des Volkes träufelt. Da steht der Feind. Und es gibt keinen Zweifel: Dieser Feind steht rechts!"
    Joseph Wirth, Reichskanzler (Zentrum,später CDU) im Juno 22 im Reichstag nach der Ermordung von Walther Rathenau durch rechtsradikale Gangster.

  • #15
    Berthold Grabe

    @12,13 und14
    Sie werden Recht behalten, weil ihre Überzeugung längst den Input bildet für ihre Schlussfolgerungen.
    Aber sie werden mit absoluter Sicherheit auch keinen Erfolg haben, gefährliche Tendenzen zu bekämpfen.
    Das fängt schon mit mangelnder Rechtsstaatlichkeit in Gedanken an, beider jemand so lange als unschuldig zu gelten hat, bis das Gegenteil bewiesen ist.
    Sie gehen den anderen Weg und halten Beweise gar nicht für nötig, es reicht die die dreiste Ausdrucksweise, des politischen Gegners, die man im eigenen Sinne interpretiert, in der Überzeugung man könne sie nur so interpretieren.
    Auch wenn sie sicher in Teilen Recht haben, ist das der sichere Weg, nie Recht zu bekommen ohne Beschneidung der liberalen Grundordnung. "Deutschland den Deutschen" brüllen zu dem extrem Wenige und nicht mal die AfD formuliert das.
    Für die meisten sind Deutsche, wer legitim die deutsche Staatsangehörigkeit erhält und sich zu diesem Staat bekennt.
    Man kann das natürlich ausschließlich rassistisch interpretieren und sitzt damit der eignen Vorurteilsstruktur auf, bevor das Wort "Differenzierung" die Radikalenaussortieren könnte.
    Meiner Meinung nach ist ihre kategorische Haltung Teil des Problems, mitursächlich und auf keinen Fall hilfreich.
    Jedenfalls nicht geeignet die gefährlichen Ränder wieder dorthin zurückzutreiben, wo sie hingehören.

  • #16
    Thomas Weigle

    #15"Für die meisten", genau, aber eben nicht für viele Mitglieder und Wähler der AfD. Diese bilden das pöbelnde und tw. Gewalt bereite Publikum, dass eben nur den Biodeutschen als Deutschen anerkennt.

  • #17
    Gertrud H.

    @ Berthold Grabe

    jetzt haben ich zum letzten mal den Kommentar eines rechten AFDlers gelesen, Ihren. Mehr ertrage ich nicht, ich kann nicht 24/7 kotzen.

  • #18
    Arnold Voss

    Berthold Grabe # 15

    "Jedenfalls nicht geeignet die gefährlichen Ränder wieder dorthin zurückzutreiben, wo sie hingehören."

    Und wo genau gehören die nach ihrer Ansicht hin?

  • #19
  • Pingback: Mit W wie Wahnsinn: Widerstand2020 | Ruhrbarone

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