‚Hannes Wader – Trotz alledem‘: Wie mich ein Buch mit Teilen meiner Kindheit versöhnte

Der Name Hannes Wader war für mich früher stark negativ belastet. Der Grund dafür war einfach: Als Kind musste ich bei gemeinsamen Autofahrten mit meinen Eltern die Musik des Liedermachers stundenlang ertragen und habe sie seinerzeit wirklich gehasst.

Diese leiernde Stimme, der nervige Sound. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wiederholt auf der Rückbank unseres Familien-PKWs lautstark gegen die Zwangsberieselung mit den Ergüssen Waders protestiert zu haben. Fast immer vergeblich.

Nun, ich räume ein, je älter ich wurde, umso mehr entspannte sich mein einst stark vorbelastetes Verhältnis zum Namen und zur Person Hannes Wader.

Irgendwann entdeckte ich die häufig nachdenkenswerten, kritischen Inhalte in den vorgetragenen Texten, die mir gar nicht so unsympathisch waren. Und auch die handgemachte Musik Waders lernte ich nach und nach mehr zu respektieren, ohne sie je wirklich ausgesprochen liebgewonnen zu haben.

Doch handwerklich gut gemachte, deutschsprachige Musik gibt es eben bis zum heutigen Tage nicht in unübersehbaren Mengen. Fast zwangsläufig wird man dann, wenn man sich einmal intensiver damit beschäftigt, auch auf das Werk Waders aufmerksam gemacht, auch wenn dieser seine aktive Karriere auf den Bühnen des Landes vor wenigen Jahren bereits offiziell beendet hat.

Im vergangenen Herbst erschien auch die Biografie von Hannes Wader im Penguin Verlag. Nicht unbedingt ein Buch, welches auf meiner Prioritätenliste bisher ganz oben stand, und doch habe ich einen Teil meiner zusätzlichen Freizeit in Corona-Zeiten jetzt darin investiert und das Buch einmal in Augenschein genommen.

Und was soll ich sagen? Es hat sich wirklich gelohnt!

Nach der Lektüre habe ich tatsächlich so etwas wie echte Sympathie für den Liedermacher entwickelt, der mich früher als Kind noch so sehr genervt hatte.

Die Lebensgeschichte Waders ist faszinierend und kurzweilig erzählt, von Wader selbst, der durch seinen angenehm zu lesenden Schreibstil für viele Stunden Kurzweil beim Leser seiner knapp 600 Seiten sorgt.

Wader erklärt darin nicht nur was ihn und seine Musik geprägt hat. Er berichtet von der Nachkriegszeit auf dem Land, den 68er-Jahre in Berlin, dem Deutscher Herbst, seiner Zeit bei der Friedensbewegung und im engagierten Kampf für eine gerechtere Welt.

Der heute in Kassel lebende Autor und Texter berichtet in seiner Biografie davon, wie er Abschied von Illusionen nehmen musste und weiß damit durchaus auch Nicht-Fans wie mich zu faszinieren.

Ich glaube, ich werde mir einige der alten LPs und CDs meiner Eltern bald noch einmal ganz freiwillig heraussuchen und mir mit einem gänzlich neuen Verständnis für den Macher intensiv anhören.

Tja, manche Dinge im Leben begreift man eben erst später und lernt sie dann auch demensprechend mehr zu schätzen. Dieses Buch ist daher zu empfehlen! Nicht nur für alte Wader-Anhänger…. 😉

 

Gebundene Ausgabe: 592 Seiten

Verlag: Penguin Verlag

ISBN-13: 978-3328600497

Preis: 28 Euro

 

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Leander
Leander
4 Jahre zuvor

Hallo,
schade, dass Deine Eltern nicht Franz-Josef Degenhart im Auto gehört haben……. Der hatte wenigstens eine angenehmere Stimme und, meiner Meinung nach, auch mehr zu sagen. Obwohl Wader auch inhaltlich ein Muss war. Aber die Stimme und die vollkommen monotone musikalische Inzenierung waren für mich anfangs auch immer ein Gräuel……. Trotzdem werde ich das Buch gerne lesen. Übrigens hat Degenhart sogar Romane geschrieben.

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[…] in meinem Leben eine ganz ähnliche Rolle einnimmt, wie es Hannes Wader tut, dessen Buch ich hier im Blog ja kürzlich auch schon einmal kurz vorgestellt […]

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