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Hausbesetzung in Duisburg: Video zeigt Verhandlungen zwischen Besetzern, Polizei und Stadt

Wie gestern auf der Pressekonferenz im Djäzz angekündigt haben die Besetzer der ehemaligen Hauptschule in Duisburg Laar nun ein Video veröffentlicht, das die Verhandlungen zwischen den Besetzern, der Polizei und Uwe Rohde von der Duisburger Immobilienverwaltung zeigt. 

Auch wenn die Sprachqualität zum Teil schlecht ist wird deutlich, das Rohde den Besetzern Gespräche über passende Räume angeboten hat. Und dass es zu keinem Zeitpunkt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Besetzern gab. Die Stadt versteckte sich hinter dem Ordnungsrecht.

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17 Kommentare zu “Hausbesetzung in Duisburg: Video zeigt Verhandlungen zwischen Besetzern, Polizei und Stadt

  • #1
    OeterOeter

    Völlig nachvollziehbare Entscheidung weiterhin. Allein die Angabe der selbsternannten Besetzer zur Anzahl der Partyteilnehmer zeigt deren Ernsthaftigkeit.
    Warum ein Immobilienverwalter inhaltliche Auseinandersetzung mit einem schreienden Mob annehmen sollte bleibt auch schleierhaft. Für ihn ging es schlicht darum, genehmige ich die Feier und habe dann dafür die Verantwortung, oder handel ich mir den Volkszorn einiger postadoleszenter Linker und Internetblogs ein, hafte dafür jedoch nicht für eventuelle Auswüchse der Feier.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @OeterOeter: Niemand konnte sagen wie viele Besucher zu der Party kommen – es gab keine Erfahrungswerte. Den schreienden Mob hab ich auch nicht mitbekommen. Was ich mitbekomme ist ein Immobilienverwalter der Millionenwerte vergammeln lässt, nicht in der Lage ist die Immobilie zu vermarkten oder wenigstens das Grundstück zu verkaufen und der bei diesen ausbleibenden Erfolgen wahrscheinlich in der Privatwirtschaft nicht an leitender Stelle in der Immobilienwirtschaft arbeiten würde.

  • #3
    OeterOeter

    All diese ja durchaus richtigen Kritikpunkte an der Immobilienverwaltung der Stadt Duisburg haben jedoch nicht das geringste mit der Entscheidung von Samstagabend zu tun.
    Den schreienden Mob entnehme ich dem Video. Die „Besetzer“ waren ja wohl nicht mal in der Lage, einen oder mehrere Sprecher oder gerne auch Sprecher_innen zu finden, stattdessen wird der junge Herr desöfteren unterbrochen, lautes Gelächter, rhetorische Fragen („Was sollen wir denn machen?“), alles dabei.

    Da es ja wohl nicht die erste „Freiraum“party in Duisburg war (immerhin wird sie bei Facebook als No.4 beworben), gab sehr wohl Erfahrungswerte von Seiten der Besetzer.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @OeterOeter: Die Besetzer hatten zwei Sprecher bestimmt. Aber stimmt schon, die Seniorengruppe eines SPD-Orstvereins ist natürlich disziplinierter. Zur Party: Es wäre die erste in dieser Location gewesen – da kann niemand sagen, wie viele Besucher kommen. Die mittlerweile zum Teil vorgeschrieben genau Festlegung auf eine bestimmte Besucherzahl macht übrigens auch einer Menge erfahrene, kommerzieller Anbieter große Probleme. Denn nur weil Sauerland und Lopavent versagt haben werden jetzt überall die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft. Und der politische Verantwortliche ist immer noch im Amt und wird vom Steuerzahler durchgefüttert.

  • #5
    OeterOeter

    Der politisch Verantwortliche wäre in diesem Fall der Herr vor Ort gewesen. Sicher auch seine evtl. vorhandenen Vorgesetzten, aber er wäre Bauernopfer Nummer 1 gewesen.

    Wer nach 3 Partys und einsehbarer Facebook Veranstaltung es nicht schafft, seine Gästezahl wenigstens in einem Bereich von 100-200 Leuten genau vorherzusagen, sollte genau wie Sauerland und co. keine Party machen dürfen.

    Von 2 Sprechern ist in dem Video jedenfalls nichts zu erkennen, und wenn selbst ein SPD Ortsverein mit seinen wütenden Rentnern eine angemessenere Gesprächskultur hat, ist das doch sehr traurig.

  • #6
    Jan

    Love-Parade-Vergleich hin oder her: es ist naiv zu glauben, man könne Mitarbeiter einer Stadtverwaltung dazu überreden, ein Auge zuzudrücken, deren Kollegen demnächst vor Gericht stehen, weil sie ein Auge zugedrückt haben.
    Das ist ein Selbstschutz-Reflex – und auf den hinzuweisen, ist nicht makaber!

    Ansonsten steht hier durchaus der Verdacht im Raum, dass hier Schlösser geknackt wurden, um erst Zugang zum Gebäude zu bekommen – auch wenn natürlich bei solchen Aktionen immer behauptet wird, man sei durch offene Türen gekommen, aber das lässt sich ja sicherlich noch nachprüfen. Ich habe aber auch von den Besetzern keine Argumente jenseits des eigenen Bedarfs gehört.

    Und zum Thema Nutzung gegen Übernahme der Nebenkosten: warum müssen andere dann schlechtere Konditionen akzeptieren? Wieso verlangt man vom Mieter einer kommunalen Wohnung dann überhaupt mehr als Wassergeld und Heizkosten, obwohl es hier doch um viel elementarere Bedürfnisse geht?
    Natürlich gibt es bei der Immobilienverwaltung offenbar Versäumnisse, aber vielleicht sollte dann mal intensiver auf einen Verkauf hingearbeitet werden …

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jan: Das Gebäude steht leer und ist nicht zu vermarkten. Wird es genutzt entfallen für die Stadt die Sicherungskosten, die in den nächsten Monaten oder Jahren massiv fällig werden. Die Turnhalle nebenan ist schon schwer beschädigt. Wenn da drin Kinder spielen und es passiert was, ist die Kommune dran. Und das „Auge zudrücken“ heißt Ausnahmegenehmigung und kann erteilt werden. Ich war in der Schule – hätte es Probleme gegeben hätte man sie mit gutem Willen lösen können.

  • #8
    Arnold Voss

    In Duisburg will zur Zeit niemand der Regierenden , geschweige denn die verantwortlichen Verwaltungsleute, eine inhaltliche Auseinandersetzung. Die warten alle den Abwahltag von Sauerland und/oder die Urteile im Loveparadeprozess ab. Die Stadt steht quasi still, während ein paar junge engagierte Leute schwer in Bewegung sind.

    Da fällt einem dann einfach nichts Besseres ein als das Ordungsrecht und alle wundern sich, dass die Mehrheit der Besetzer damit nicht professionell umzugehen weiß. Da stehen sich Welten gegenüber, die miteinander rein garnichts zu tun haben, geschweige denn was miteinander anfangen können.

  • #9
    OeterOeter

    Aber auch bei der Ausnahmegenehmigung ist er haftbar, Stefan. Und man kann jawohl soviel Empathie für den Einzelnen seitens der Besetzer erwarten (das haben sie im Normalfall ja sogar für sogenannte „nicht menschliche Tiere“). Es geht ja nicht darum das Anliegen der Besetzer schlecht zu machen, aber ein wenig Realismus und Selbstkritik wären doch angebracht. Und ich möchte jetzt keine hohlen anarchistischen Phrasen zum Thema Realismus hören.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @OeterOeter: Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Sagen wir es so: Mitarbeiter, die nur Probleme sehen und keine Lösungen finden, sind nicht gerade die erste Wahl.

  • #11
    Jan

    @Stefan Laurin
    Inwiefern entlässt eine Ausnahmegenehmigung denn denjenigen, der sie erteilt aus der Verantwortung?
    In Sachen Loveparade konnten Sie sich ja nicht gerade mit einer „flexiblen Handhabung“ angefreundet.

    Ich weiß nicht, ob Sie sich in Sachen Brandschutz auskennen, ich tu es nicht, aber ich habe im Bekanntenkreis mitbekommen, wie langwierig, teuer und nervtötend es sein kann, eine solche Abnahme zu bekommen – und in Essen macht ein Einzelhandelsfilialist auch gerade vor, dass so etwas nicht trivial ist (trotz Vornutzung) … und guter Wille löscht kein wildes Matrazenlager.

    @Arnold Voss
    Weisungsgebundene Verwaltungsbeamte müssten nicht inhaltlichen Auseinandersetzungen stellen – sie müssen ihren Weisungen folgen. Und die kommen letztlich von den gewählten Vertretern im Rat – und die kann man sicherlich wegen einer politischen Lösung ansprechen.
    Gleichzeitig muss man aber auch nicht mit jedem Straftäter – und Hausfriedensbruch ist eine Straftat und der Sachverhalt wird ja auch nicht geleugnet – diskutieren, geschweige denn sich auf dessen Forderungen einlassen.

    Übrigens ist das Ordnungsrecht am Samstag niemandem „eingefallen“ – ob es was „Besseres“ gibt, kann man diskutieren, aber es hat Rechtskraft, die Forderungen der Besetzer haben das nicht. Es ist also zumindest hinreichend gut.

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jan: Wenn die Gesetze so sind wie Sie sagen müssen sie eben geändert werden. Und ja: Es ist schon peinlich das dort kein politischer Beamter war sondern nur ein gut bezahlter Hausmeister. Meiner Ansicht nach wird hier Ordnungsrecht instrumentalisiert um sich politische Auseinandersetzungen zu ersparen. Davon ab: Maximal 200-300 Leute im Parterre einer Schule feiern zu lassen ist etwas anderes als ein paar 100.000 Leute in einen engen Tunnel zu schicken.

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  • #14
    Jan

    @Stefan Laurin
    Also rein formell fällt sowas eigentlich in die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft! Da ist der „gut bezahlte Hausmeister“, der den Besetzern erklärt, dass die Stadt von einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs absieht, doch eindeutig ein Zeichen guten Willens. Aber es spricht schon gegen Sie, dass es Ihrer Meinung nach unterhalb der Dezernentenebene nur noch Hausmeister gibt.
    Übrigens konnte doch eine konkrete Teilnehmerzahl gar nicht genannt werden! Und natürlich haben Versammlungsstätten Auflagen und das ist auch unterm Strich gut so: deshalb gibt es in Ländern mit weniger strengen Auflagen auch immer wieder Unglücksfälle und in Deutschland nur sehr sehr selten.
    In der Planungsphase der Loveparade kursierten immer wieder Sprachregelungen, die Veranstaltung sei „politisch gewollt“ und deshalb seien Auflagen „flexibel zu handhaben“: jetzt formulieren Sie einen politischen Willen und sehen Auflagen als Hindernis, das mehr Flexibilität erfordert.

    Natürlich sind nie zwei Fälle identisch, aber zum beklemmenden Tunnelszenario hätte ich eine Anmerkung: wo sind die 21 Menschen verstorben? War das nicht ausschließlich/überwiegend unter freiem Himmel auf der Rampe? Ich kenne dazu keine Details, aber mir sind nur die Fernsehbilder mit abgedeckten Leichen aus dem Rampenbereich in Erinnerung.
    Mulmige Gefühle im Vorfeld dagegen, konzentrierten sich eher auf die Tunnel selbst … Schluss daraus: der eigentliche Knackpunkt wird selbst bei vorherigen Bedenken meist nicht oder nicht exakt entdeckt.

  • #15
    Mielke

    „Was ich mitbekomme ist ein Immobilienverwalter der Millionenwerte vergammeln lässt, nicht in der Lage ist die Immobilie zu vermarkten oder wenigstens das Grundstück zu verkaufen und der bei diesen ausbleibenden Erfolgen wahrscheinlich in der Privatwirtschaft nicht an leitender Stelle in der Immobilienwirtschaft arbeiten würde.“
    Genau das ist der Punkt, der, ordentlich in Euro der Verschwendung (vorsätzlich) umgerechnet der Regierungspräsidentin zu übergeben wäre, damit vielleicht nochmal am kommenden Ruhrsoli anchgebessert wird: Wer nicht Sparemühungen vorweisen kann, kriegt eben auch kein Geld. Die Schule, steuerfinanziert, ist letztlich steuerzahlers, nicht städtisches Eigentum. Insofern doppelt skandalös, sowas nicht zu nutzen und für „Postadoleszenten“ zur Verfügung zu stellen. Die Skills, die man sich partykulturell aneignen kann, sind – länge mal Breite in Büchern über die Techno-Subkultur aufgearbeitet – insofern eine Zusatzqualifikation zum Studium, ebenso organisatorische Erfahrungen. Das kann man sich nicht auf dem Weihnachtsmarkt oder besoffen im Stadion aneignen.
    Last but not least: Solche Zentren, die Off-Kultur anziehen, können vielleicht sogar in Duisburg urbanes Flair erzeugen, denn nciht an den Erinnerungsalben zur Ruhr2010-Marketingmaßnahme, sondern an tatsächlicher Lebensqualität vor Ort werden eigentlich wohlüberlegte Zuzugsentscheidungen getroffen, wenn das berufliche Feld bestellt ist. Ansonsten wollte man Ruhrort udn Homberg vielleicht doch zugunsten eiens Autobahnzubringers zu Haniel abreissen, denn es wird niemals über das Einpendeln zum Schreibtisch hinausgehen und nach Feierabend dann rasch in die suburbanen oder suburbanisiert-ländlichen Wohngebiete der Mittelschichten, denen Duisburg unzumutbar ist. Und die gleichwohl als Bewohner herzulocken einnahmeseitig fpr die Stadt kriegsentscheidend wäre.

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