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Hintergründe zum Konflikt um die Beratungsstelle BackUp, Claudia Luzar und Dierk Borstel

backup

Seit 2011 existiert mit Backup in Dortmund eine Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt. Deren wissenschaftliche Leiterin, die Diplom-Politologin Claudia Luzar, wurde Ende April entlassen. Das hat zu Diskussionen und Spekulationen geführt – auch auf diesem Blog. Ich finde, es wird Zeit, die Entwicklung der Opferberatung und ihre bisherige Leitung einmal ausführlich kritisch zu betrachten. Zum Text: Der Text wurde von einer Person, die sich intensiv mit den Verhältnissen in Dortmund befasst hat, die anonym bleiben möchte. Mehrere Autoren dieses Blog haben etwaige sprachliche Eigenheiten überarbeitet. Der Text ist von der betreffenden Person in dieser Form freigegeben worden.

Für viele kam die Entlassung Luzars überraschend. Nach der Nazi-Demonstration am 1. Mai in Dortmund wurde bekannt, dass der Trägerverein der Dortmunder Opferberatung seine wissenschaftliche Leitung zum 30. April gekündigt hatte. Gründe dafür hat Hartmut Anders-Heopgen, der Vereinsvorsitzende und Arbeitgeber Luzars, bislang nicht bekannt gegeben. Deutlich wurde, dass der Verein mit Namen „BackUp-ComeBack – westfälischer Verein für die offensive Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus e.V.“ und Luzar offenbar unterschiedliche Auffassungen über die inhaltliche Ausrichtung von Opfer- und Aussteigerberatung haben. Wer die Entwicklung der Beratungsstelle schon seit Längerem verfolgt, etwas zwischen den Zeilen lesen kann und sich bei Vertrauten Luzars und Kooperationspartnern umhört, dem wird jedoch schnell klar, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Auch wird schnell klar, dass eine Analyse zu kurz greift, die lediglich den Blickwinkel auf eine Auseinandersetzung „Trägerverein vs. Luzar“ richtet, denn auch andere Akteure sind an der Auseinandersetzung beteiligt. Doch der Reihe nach.

Im November 2011 eröffnete unter großer Beachtung durch die Medien Beratungsstelle Backup, die ins Leben gerufen wurde, um Opfer rechter Gewalt zu beraten und zu unterstützen. Auf der Homepage heißt es: „BACK UP bietet den Opfern rechter Gewalt einen sicheren Raum, um über ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen. Gemeinsam entwickeln wir neue Perspektiven und eröffnen neue Horizonte wie der/die Betroffene mit der Situation umgehen kann.“ Das ist ohne jeden Zweifel eine sinnvolle und gute Sache – gerade auch weil die nordrhein-westfälische Landesregierung noch wenige Jahren zuvor die Notwendigkeit solcher Beratungsstellen nicht gesehen hat. Gefördert wurde das Dortmunder Beratungsprojekt von Beginn an jährlich vom Land NRW mit 250.000 Euro und der Stadt Dortmund mit 50.000 Euro. Anders als diespezialisierten Beratungsstellen in den neuen Bundesländern, die sich zu ihrer Verwurzelung in sozialen Bewegungen bekennen, wurde Backup – ebenso wie die Beratungseinrichtung im Rheinland – jedoch nicht “von unten” etabliert, sondern von der offiziellen Politik gegründet. Das könnte ein Grund sein, warum es der Dortmunder Opferberatungsstelle schwer fällt, sich öffentlich-parteiisch auf die Seite der Opfer zu stellen, gerade weil dies häufig erfordert, auch gegen Kommunen und Behörden Stellung zu beziehen.

Mit der Beratungsstelle ist in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem die Person Claudia Luzar verbunden. Luzar hat während ihrer Arbeit für Dortmund schon immer polarisiert. Einige lobten sie für ihre Fachkenntnisse, andere meinten, eher auswendig gelernte Phrasen zu erkennen. Bei dem Namen Claudia Luzar stellen sich aber nicht nur in Dortmund bei einigen die Nackenhaare zu Berge. Schaut man sich die Vita von Frau Luzar an, fällt auf, dass sie es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt. Nicht nur, dass sie entgegen ihrer eigenen Darstellung schon längst nicht mehr am Heitmeyer-Institut der Universität-Bielefeld angestellt ist. Wie von verschiedenen Stellen berichtet wird, gab sie darüber hinaus gegenüber der Stadt Dortmund, der Presse und weiteren Akteuren stets an, dass sie 1998 die Brandenburger „Opferperspektive“, die erste Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, aufgebaut hat. Ihre einstigen Wegbegleiter wissen es indes besser. In einem kürzlich erschienen Band zum 15-jährigen Bestehen der Beratungsstelle, in dem auch die Gründungsphase beschrieben wird, wird sie mit keinem einzigen Wort erwähnt.

Nach Auskünften von früheren Weggefährten fing sie lediglich als Praktikantin in der „Opferperspektive“ an und verließ das Projekt nach diversen, ähnlich wie jetzt in Dortmund gelagerten Streitigkeiten, auch wieder relativ bald. Trotzdem konnte sie im weit entfernten NRW ihr anfängliches Praktikum bei der Beratungsstelle, das erst später in eine reguläre Stelle überging, als große Leistung verkaufen. Auch aufgrund weiterer Auseinandersetzungen, die sie in Berlin mit ehemaligen Mitstreitern hatte, kehrte sie Berliner Strukturen schließlich den Rücken. Im Ruhrgebiet konnte sie sich dann, vor allem über die personifizierte Präsentation der Opferberatungsstelle einen Ruf als „Extremismusexpertin“ aufbauen. In einem am 7. Mai erschienen
Artikel in den „Ruhr-Nachrichten“ wird sie sogar als „Aushängeschild“ und als „Frontfrau im Kampf gegen Rechts“ bezeichnet. Eine Rolle, in der sie sich sichtlich wohlfühlt.

Umso verwunderlicher war es für zahlreiche Kooperationspartner der Beratungsstelle, dass Luzar seit einigen Monaten nicht mehr in den Medien präsent war. Von einer „plötzlichen Trennung”, wie die „Ruhr-Nachrichten“ schrieben, kann daher keine Rede sein. Es ist kein Zufall sein, dass Claudia Luzar seit Ende letzten Jahres kein Interview mehr im Namen der Beratungsstelle gegeben hat und sowohl auf der Homepage der Opferorganisation als auch auf deren Facebook-Seite – spätestens seit dem Winter 2013 – keine einzige Meldung mehr veröffentlicht wurde. Viel wahrscheinlicher ist daher, dass es sich um einen internen Streit handelt, der nun schon seit Monaten hinter den Kulissen ausgetragen wird und der am 30. April mit ihrer Kündigung – vorerst – ein Ende gefunden hat.

Dabei wurde schon ein paar Wochen zuvor der Konflikt im Trägerverein öffentlich ausgetragen – ein weiteres Anzeichen für einen bereits länger anhaltenden Richtungsstreit. In einem Artikel in den „Ruhr-Nachrichten“ vom 20. März bezog Dierk Borstel gegen den Verein, in dessen Vorstand er zu dieser Zeit noch Mitglied war, und die Stadt Dortmund öffentlich Stellung – damit deutete sich ein Bruch an. Borstel gab an, dass er im September 2013 erkannt haben will, dass sich vor allem die Konzepte zur Ausstiegsberatung grundsätzlich unterscheiden würden. Weil Borstel ebenso wie Claudia Luzar weiterhin mit Nazis per Du sein wollte und kritisch-professionelle Distanz dabei als hinderlich empfunden wird, der Verein nach dem Anerkennen der massiven Kritik von anderen Experten diesen Kurs aber nicht mehr fahren wollte, trat er nach Medienberichten im März als Besitzer des Vorstands zurück – ein Schlag ins Gesicht der im Verein organisierten oberen Zivilgesellschaft und in das der Stadt Dortmund. Allerdings veröffentlichte er erst zwei Monate später auf Facebook eine Erklärung zu seinem Vereinaustritt.

Ob dies im Zusammenhang mit Luzars Kündigung steht, die erst wenige Tage zuvor wirksam wurde, wird nicht ganz klar. Ein Zusammenhang darf aber vermutet werden. Kurz darauf veröffentlicht auch der Vorstand des Vereins eine Erklärung zu Borstels Äußerungen und bezog Stellung .
Der Vorstand bedaure, dass „nach anfänglich vertrauensvoller und guter Zusammenarbeit“, Dierk Borstel aus dem Verein und dessen Vorstand ausgetreten sei und widerspricht sodann Borstels Darstellungen in allen Punkten. Zu der Kündigung von Frau Luzar wurde indes kein Wort verloren. Sie wird nur indirekt erwähnt, als es um die Fortführung der Beratungstätigkeit von Backup ging: Diese laufe „unabhängig von personellen Entscheidungen fachkompetent, Opfer-orientiert und aufsuchend weiter.“

Wie konnte es soweit kommen? Sowohl Borstel als auch Luzar stehen ideologisch dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Uni Bielefeld) um Wilhelm Heitmeyer nahe, bei dem Claudia Luzar nach eigenen Angaben noch bis Ende 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt war. An diesem Institut intensivierte sich damals auch ihre Freundschaft zu Dierk Borstel, der fortan in Dortmund ihre politisch-ideologische Stütze wurde und ihren Weg stets begleitete. Wie einstige Wegbegleiter hinter vorgehaltener Hand erklären, entwickelten beide dann spätestens 2009
, während einer Studie über den Rechtsextremismus in der Stadt Dortmund, eine Idee, wie sie sich Beide als “Extremismusexperten” in Dortmund festsetzen und hierüber ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Borstel kam karrieretechnisch offensichtlich schneller voran und bekam Anfang 2012 eine Professur für praxisorientierte Politikwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund. Claudia Luzar muss sich nach wie vor lediglich mit einem Lehrauftrag an der FH Dortmund begnügen. Für die Professur arbeitet sie aber schon seit einigen Jahren fleißig an ihrer Doktorarbeit mit dem Titel „Viktimisierung durch rechtsextreme Gewalt – Analyse zur Entwicklung eines sozialräumlichen und intervenierenden Ansatzes der Opferberatung“.Eigentlich wollten Dierk Borstel und Claudia Luzar den später zu gründenden Verein zu ihrem “Kompetenzzentrum Rechtsextremismus Westfalen” (KZW) ausbauen. Hierfür schrieben sie eigens ein Konzept und Borstel gab im Januar 2013 für das Land NRW sogar eine Stellungnahme ab, in der er die Struktur und Arbeit der hiesigen Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus als überholt darstellte.

Kritiker vermuteten dahinter eine Strategie, um die Landesregierung dazu zu bewegen, eher das KZW zu finanzieren anstatt die Mobilen Beratungsteams. Kritik hagelte es vor allem von antifaschistischen Initiativen, die das Konzept als inhaltlich flach klassifizierten, unter anderem, weil die gesellschaftliche Dimension von Rassismus und anderen Ungleichwertigkeitsideologien völlig ausgeklammert würde  und es vielmehr um einen „Wohlfühlantifaschismus für Bürgermeister“ gehe, anstatt um echte Problemlösungen.

Borstel und Luzar wollten offenbar selbst alles aus einer Hand anbieten. Da musste gegen die etablierte Konkurrenz Stellung bezogen werden. Ein Muster, dass sich derzeit zu wiederholen scheint.
Die Umsetzung des KZW, zumindest wie Borstel und Luzar es vorhatten, ist jedoch gescheitert. Der Schock sitzt bei den Beiden anscheinend tief.
In ihrer Verzweiflung bemühen die Beiden nun alle möglichen Leute, sie im Kampf gegen die missliebige Ausrichtung des Vereins zu unterstützen. Mit Bianca Schmolze – Bochumer Ratsfrau der Linken, und eine enge Freundin von Luzar und ehemaliges Vorstandsmitglied – und einigen Grünen aus Dortmund haben sie dann tatsächlich auch ein paar Fürsprecher finden können. Mit weitgehend inhaltlosen Erklärungen und Beiträgen versuchen jene nun gegen den Verein und die dort angesiedelten Beratungsstellen zu wettern – zum Teil aus politischem Kalkül heraus, zum Teil, weil eine enge Freundschaft zu den beiden “Extremismusexperten” besteht. Auch in den Kommentarspalten dieses Blogs findet eine Auseinandersetzung um die Deutungshoheit statt.
Doch Luzars und Borstels mediale Präsenz steht im völligen Missverhältnis zu den realen Personen, die den beiden selbsternannten menschenrechtlichen Nazi-Beratern kritisch gegenüberstehen. Eine Kritik an tatsächlicher oder vermuteter Einflussnahme von Stadt- und Parteipolitik auf die Arbeit einer Opferberatungsstelle muss gewiss schonungslos artikuliert werden. Schließlich gehört es zu deren selbstauferlegten Prinzipien, weisungsunabhängig zu sein. Liest man sich die zahlreichen Stellungnahmen von Dierk Borstel und Claudia Luzar bei Facebook durch, gewinnt man jedoch schnell den Eindruck, dass dies lediglich ein vorgeschobenes und willkommenes Argument ist, um dem Verein nachträglich zu schaden. Denn dass mindestens Dierk Borstel Sympathien für die SPD hegt, ist kein Geheimnis und das Postulat der wissenschaftlichen Unabhängigkeit hat er spätestens dann über Bord geworfen, als er im Jahr 2012 für den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau und die Polizei zentrale Argumente lieferte, die letztlich das Verbot eines antifaschistisches Camps in Dorstfeld begründeten.

Man gewinnt den Eindruck, das ein kleiner Kreis von Leuten gegen ihr ehemaliges Alibi- und Imageaufbesserungsprojekt bzw. ihren ehemaligen Arbeitgeber zu Felde zieht, weil die andere Seite nicht mit angeblich guten Argumenten von der KZW-Idee überzeugt werden konnte. Der Widerstand gegen das KZW-Konzept der beiden “Extremismusexperten” kam offenbar nicht nur durch verschiedener Fachleute von außen, sondern auch innerhalb des im Juni 2013 in Hamm gegründeten Vereins, schien das Konzept nicht (mehr?) zu überzeugen. Die Frage ist, ob das dann eher gegen den Verein spricht oder gegen Luzar und Borstel.

Der Eindruck, den Luzar in Dortmund hinterlassen hat, war mindestens zwiespältig: Für Aufsehen sorgte ihre Neujahrsansprache im Jahr 2013 in Form eines offenen Briefes, der sich gleichberechtigt „an Neonazis, deren Gegner, Politiker, Polizei, Justiz und Medien“ wandte.

In diesem Appell gab sie nicht nur den Neonazis gute Ratschläge, wie sie ihren „politischen Protest“ ausdrücken können, sondern wollte auch Neonazi-Gegnern vorschreiben, wie sie auf rechte Angriffe zu reagieren haben. Sachliche und fundierte Kritik wurde bereits von antifaschistischen Initiativen und Bündnissen geäußert und soll deshalb hier nicht näher rekapituliert werden – siehe dazu Artikel auf Akduell IndymediaAlerta und Ruhrbarone.

Potenzielle Opfer von Neonazi-Gewalt fühlten sich damals genötigt, sich von dem Beratungsprojekt zu distanzieren, das eigentlich angetreten war, um ihnen zu helfen und eine Stimme zu geben. Diese erschreckende Erkenntnis muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Das Luzar während ihrer Arbeit für die Beratungsstelle durch eine, wie Kritiker anmerken,
äußerst distanzlose und freundlich-offene Haltung gegenüber Neonazis auffiel – wohlgemerkt als Leiterin der Opferberatungsstelle, die sich konsequent an den Belangen und Interessen der Betroffenen rechter Gewalt orientieren sollte- sorgte weiter dafür, dass kein Vertrauen entstehen konnte. Zumindest für Außenstehende zeiget Luzar wenig Distanz zu Nazi-Tätern.
Absurd wäre es sicherlich ihr politische Sympathie für Nazis zu unterstellen, aber mangelnde Distanz und Empathie darf man ihr ruhig zum Vorwurf machen. Sieht so Luzars parteiliche Streitbarkeit für die Opfer aus?

Doch nun ist die Frage interessant, wie es mit dem Verein und der Beratungsarbeit für Opfer und Ausstiegswillige weitergeht. Denn bei all der Kritik darf nicht vergessen werden, dass Rat und Unterstützung für beide Zielgruppen nach wie vor notwendig ist. Bisher haben Backup und Comeback zu der geäußerten Kritik an der Leitung keine Stellungnahme abgegeben.
Seit Beginn der Auseinandersetzung liegen zwar Stellungnahmen von vielen Akteuren (Luzar, Borstel, Schmolze, Anders-Hoepgen, Verein) vor, aber die entscheidenden Projekte, um die es letztlich geht und an die sich die Kritik auch richtet – nämlich Backup und Comeback -, haben sich bisher nicht geäußert. Liegt das an professioneller Zurückhaltung oder an einem Maulkorb, den der Verein den Projekten und seinen Mitarbeitern auferlegt hat? Ist die von Borstel kritisierte städtische Einflussnahme auf die Einrichtungen vielleicht doch ein Problem? Oder gibt es andere Gründe, warum die Beratungsprojekte derzeit schweigen? Um solche Spekulationen zu vermeiden, täten die Beratungsstellen gut daran, sich endlich zu äußern.
Gerade jetzt hätten sie die Chance zu beweisen, dass sie auch ohne die „Extremismusexperten“ souverän und professionell arbeiten können.

Aber auch der Verein „Backup-Comeback“ ist in der Verantwortung darzulegen, was genau sein Konzept ist und wie es in Zukunft mit seiner Arbeit weiter gehen soll. Wie passt es zusammen, dass Claudia Luzar auf Facebook erklärt, dass sie als Leiterin der Opferberatung gebeten wurde, sich um drei Aussteiger zu kümmern, der Verein in seiner Stellungnahme aber von den „voneinander getrennten Einrichtungen BackUp und ComeBack“ spricht? Wie sieht diese Trennung nun genau aus? Und was bedeutet denn, wie der Titel des Vereins ankündigt, die „offensive Auseinandersetzung“ mit dem Rechtsextremismus konkret? Und wo liegen die hier die Unterschiede zu den Ansätzen von Claudia Luzar und Dierk Borstel? Der Verein hat hierauf bislang keine klare Antwort gegeben. Eine inhaltliche Positionierung und Erläuterung der Ausrichtung sollte nun zügig erfolgen.

Es ist auch interessant, wie sich die Stadt bei Themen wie der Analyse des Rechtsextremismus verhält. Nachdem sich die ehemaligen städtischen Haus- und Hof-Wissenschaftler Borstel und Luzar aus Sicht der Stadt offenkundig ins politische Aus gedrängt haben, bleibt offen, wer ihre Nachfolge antritt. Denn das Problem mit Nazis ist in Dortmund nicht vom Tisch. Eine wissenschaftliche Expertise zum Rechtsextremismus ist daher eigentlich weiterhin nötig und wünschenswert. Die Stadt Dortmund ist wahrscheinlich schon auf der Suche nach neuen Experten. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Experten ihrer wissenschaftlichen Unabhängigkeit treu bleiben und auch keine Anhänger extremismustheoretischem Unsinns sind.

BackUp auf den Ruhrbaronen:

BackUp: “Es kam zu keiner Zeit zu einer Einflussnahme auf die Arbeit der Beratungsstelle”

Dortmund: Ärger um Beratungsstelle – Borstel erklärt Gründe für seinen BackUp-Austritt

Update: Aussteigerberatung BackUp wirft Claudia Luzar raus

Sieraus westfälische Antifa

BackUp: Offener Brief gegen rechte Gewalt in NRW im Bettina Wulff-Style

 

 

 

RuhrBarone-Logo

34 Kommentare zu “Hintergründe zum Konflikt um die Beratungsstelle BackUp, Claudia Luzar und Dierk Borstel

  • #1
    Andreas Seier

    Ein Artikel voller Diffamierungen, Spekulationen und persönlicher Angriffe. Da würde ich als Autor auch anonym bleiben wollen.

  • #2
    Sebastian

    Die Redaktion hätte gut daran getan, die inhaltlichen Widersprüche im Text vor Veröffentlichung zu prüfen. Das offensichtlichste Beispiel ist dabei nur die Frage: Praktikum oder reguläre Stelle bei der OP-Brandenburg. Wobei alle wissen das in diesem Bereich viel zu viel über Ehrenamt und Praktikum gemacht werden muss! Das als Argument ins Feld zu führen ist zum einen diffamierend und zum anderen Ausdruck affektierter Betroffenheit.

    Erst behauptet der Autor sie war “nur” Praktikantin um dann zu schreiben das sie eine reguläre Stelle – nach dem Praktikum – bekleidet hat. Was denn nun? Aber mit Vermutungen und Spekulationen geht so ein Text ja schneller von der Hand. Und davon mal abgesehen, kenne ich die Strukturen und Anstellungsverhältnisse, bei dem sich neu gegründeten Verein OP-Brandenburg nicht. Aber es scheint mir nicht unüblich vom Praktikum in eine Festanstellung zu gelangen. Gerade bei Vereinen die sich zu ihren “Verwurzelungen in sozialen Bewegungen” bekennen. Aber gut, dass wird jemand bei dem sich die “Nackenhaare” hochstellen sicherlich besser wissen. Ohne die Umstände genauer zu kennen erzeugt sich hier das Bild, das da jemand aus der Anonymität heraus, endlich mal richtig abrechnen will. Das ist ganz großes Kino. Hey, und wer freut sich am meisten? Na?

    seb

  • #3
    Fab

    Habe gerade in einem anderen Artikel gelesen das die aktuellen Zahlen von Betreuungsfällen nicht veröffentlicht werden. Warum? Wer soll damit geschützt werden? Die Stadt? Das Image? Die Täter? Die Opfer sicher nicht!

    Das wäre doch mal eine “Kleine Anfrage” wert.

  • #4
    Sebastian

    Ist das die Alternative? #Ausstiegsbiographiebereinigerhelfer

    Toll, so geht Aussteigerarbeit. Ironie off.

    http://waz.m.derwesten.de/dw/staedte/bochum/ex-npd-aktivist-muss-nicht-in-haft-aimp-id9322825.html?service=mobile

    seb

  • #5
    Thorsten Stumm

    Nachdem ich nun sämtliche bei den Ruhrbaronen eingestellt Artikel gelesen habe, habe ich immer mehr den Eindruck, dass jenseits einiger ernster inhaltlich begründeter Differnenzen, es sich im ein Gemisch aus persönlichen Eitelkeiten und privaten Animositäten handelt.

    Sowas legt eine Beratungsstelle sehr effektiv lahm….wenn die handelnden Personen so offenkundig nicht mehr miteinander können, aus welchen Gründen auch immer, muss sich Backup personell komplett neu aufstellen…denn Opfer gibt es immer noch…und die sollten doch an erster Stelle stehen.

  • #6
    Ricardo

    Anscheinend ist die Stadt Dortmund – endlich und zu Recht – auf Konfrontationskurs mit Borstel und Luzar gegangen. Vermutlich werden die genauen Hintergründe für immer im Dunkeln bleiben. Aber was immer auch hinter den Kulissen abgegangen sein mag, es bleibt zu hoffen, dass sich der Trägerverein bald zu einer Neuausrichtung äussert.

    Der Artikel bietet bislang die geschlossenste Darstellung der Vorgänge und wirft zielführende Fragen für eine Neuaufstellung von Backup/Comeback auf.

  • #7
    Kerstin Sischka

    Aus meiner Sicht gibt dieser Artikel einen Einblick in einen Teil der Dynamik, die zur Eskalation überhaupt erst geführt hat. Ich nehme mir heraus, diese Einschätzung zu treffen, weil ich Frau Luzar und Herrn Borstel seit längerem kenne. Die beiden haben sicherlich nicht alles richtig gemacht, aber was die Ruhrbarone mit dem obigen Beitrag veröffentlicht haben, ist wirklich von jedem ernst zu nehmenden Journalismus weit entfernt. Es geht vor allem um persönliche Demontage und Diffamierung. Ich hoffe, dass dem Autor irgendwann mal klar wird, was er damit überhaupt anrichtet. (Und meistens fällt das ja doch auf einen selbst zurück!)

    Es ist ja noch nicht mal auszuschließen, dass da oben ein ehemaliger Kollege von C. Luzar schreibt, der ihr im persönlichen Leben in miesester Manier hinterher recherchiert hat, und sich einfach auch persönlich an ihr rächen möchten. (Für was eigentlich? Eine Frage, auf die man ja dann irgendwie keine Antwort bekommt).

    Gerade die ANONYMEN Angriffe sowohl von der rechtsextremen wie auch von der linksautonomen Seite waren für die beiden immer ein großes Ärgernis. Man kann sich damit nicht auseinandersetzen, die Schreiber können sich gut verstecken, und so ihre Diffamierungen in die Welt streuen. Borstel und Luzar haben immer höchsten Wert darauf gelegt, mit ihrem GEsicht und Namen aufzutreten und haben das auch von ihren Kollegen und Gegnern erwartet, weil man sich anders eben nicht auseinandersetzen kann. Dass dabei auch Dinge passieren, die Kritik verdienen und manche Diskussion aus meiner Sicht bisher viel zu oberflächlich geführt wurde (z.B. um das WEchselspiel von Aussteiger- und Opferarbeit), sei mal dahingestellt.

    Ich kann es den beiden wirklich nicht verdenken, dass sie über die Zeit hinweg bei dem oben ja immer wieder erlebten “Stil” der Auseinandersetzung, ein stückweit die Kooperationsbereitschaft schlichtweg verloren haben. Das wird lange dauern, dies überhaupt wieder herzustellen, wenn es denn je gelingt.
    Ich bin wirklich bestürzt!

  • #8
    Hans Meyer

    So geht Stimmungsmache. Dieser Artikel hätte nicht veröffentlicht werden sollen, weil er im Kern aus Raunen und Andeutungen besteht. Damit soll nicht gesagt sein, dass es keinen Anlass zur inhaltlichen Auseinandersetzung gäbe – der öffentliche Brief von Frau Luzar mit den freundlichen Ratschlägen an die Neonazis etwa war peinlich.

    Aber hier wird es persönlich, und stillos. Es entsteht der Eindruck dass 1. jemand eine persönliche offene Rechnung mit Frau Luzar begleichen wollte und dass 2. jemand es nicht leiden konnte, wenn auch nur ein Hauch von Kritik in Richtung Antifa geäußert wird, die, wir wir ja alle wissen, über jegliche Kritik erhaben ist, auch dann, wenn es mal wieder ein wenig gewalttätiger war.

    Dass eine sozialdemokratisch regierte Stadt sich mit solchen Leuten gemein macht, ist eine Schande. Das Gegenteil von Neonazi ist nicht Antifa, sondern Demokrat.

  • #9
    Stefan Laurin

    @Hans Meyer: Sie meinen mit “Demokraten” sicher diejenigen, die am 1. Mai nicht gegen die Nazis demonstrierten sondern im Westfalenpark in die Bratwurst gebissen haben? Es ist gut, dass Borstel weg ist und nicht mehr Nazigegner denunzieren kann.

  • #10
    Hans Meyer

    Ich meine keine Bratwurstesser (warum immer diese Polemik?) sondern genau Leute wie Borstel, die über viele Jahre hinweg, geduldig und beständig am Thema dran waren, oft auch unter beträchtlichen persönlichen Risiken. Die immer wieder das Gespräch mit Provinzbürgermeistern und Polizei gesucht, Lehrer fortgebildet haben, die mühsame und langwierige Recherchen durchgeführt haben und die dabei einiges an Wirkung erzielt haben. Wenn Sie das nicht glauben: Vergleichen Sie die Situation in ostdeutschen Kleinstädten 1995 mit der von heute, und sie erkennen die Wirkung.

    Und diese Leute haben dabei konsequent und zu jedem Zeitpunkt darauf verzichtet, Autos von Neonazifunktionären anzuzünden oder diese brutal zusammenzuschlagen. Lesen Sie mal nach, was mit Björn Wild passiert ist – finden Sie das in Ordnung? “Nazigegner”, die sowas machen oder auch nur gutheißen, *sollte* man – nein, nicht denunzieren, das ist Ihr Sprachgebrauch – sondern kritisieren.

  • #11
    Stefan Laurin

    @Hans Meyer: Sie denunzieren und kriminalisieren alle, die nicht in ihr schlichtes Weltbild passen und ersparen sich die Mühe, zu differenzieren. Bei BlockaDo waren viele von denen dabei, die Borstel als “Reisekader” denunziert hat. Polizeipräsident Lange hat die Aktivitäten BlockaDo gelobt und ich entsinne mich auch nicht daran, dass es am 1. Mai zu Ausschreitungen kam – von Brandanschlägen ganz zu schweigen. Und kritisieren sollte man immer jeden und alles. Das ist eine Binse.

  • #12
    SteLu

    # 8 ” Das Gegenteil von Neonazi ist nicht Antifa, sondern Demokrat” Womit dann klar gestellt sein dürfte, dass sich ein Mensch, der sich in “der Antifa” engagiert, auf keinen Fall ein Demokrat sein kann. Erinnert mich an das Geseier der hiesigen “Demokraten” (Soest), die die Aufmärsche der Partei Die Rechte am liebsten wegignoriert hätten, und diejenigen, die dazu aufgerufen haben sich den Nazis lautstark entgegenzustellen, als “Ideologen” diffamiert haben. Und nur um das mal klar zustellen. Diejenigen, die kontinuierlich und jenseits von Betroffenheits- und Sonntagsreden gegen Nazis und Rassismus (oft unter Gefährdung der eigenenen Gesundheit und Sicherheit) einsetzen, sind häufig Menschen, die sich in “der” Antifa engagieren, während die hochgelobten “Demokraten” besseres zu tun haben (Bratwurstbeißen, oder was auch immer.)

  • #13
    Hans Meyer

    Ich “kriminalisiere” niemanden. Wie sollte ich das auch schaffen? Ich schreibe nur Kommentare zu einem Artikel in einem Blog. Das ist alberne Polemik, mit Verlaub.

    Sie weichen meiner Frage aus: Finden Sie *alles* in Ordnung, was aus Antifa-Kreisen kommt? Und ja, mir ist bekannt, dass “Antifa” nicht homogen ist, dass es da sehr unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Ansätzen gibt.

    Ich finde aber die Immunisierung gegen jegliche Kritik, die schwarz-weiß-Rhetorik, bemerkenswert. Warum muss man jemandem, der andeutet, dass nicht alles, was Antifa heißt, supi-dupi ist, gleich unterstellen, – wie SteLu das tut – Naziaufmärsche wegignorieren zu wollen?

    Ich unterstelle ja auch nicht Leuten, die von “extremismustheoretischem Unfug” schreiben, dass sie Backes und Jesse Patronenkugeln zuschicken oder das auch nur gutheißen. Hier mehr, falls Sie nicht wissen, worum es geht: https://linksunten.indymedia.org/de/node/36702

  • #14
    Stefan Laurin

    @Hans Meyer: Ich finde nie “alles in Ordnung” was jemand macht. Eine blinde Solidarität ist mir fremd. Selbst gegenüber dem ADAC, dem ich seit 30 Jahren angehöre…

  • #15
    Ricardo

    Was interessiert gerade “die Antifa”? Spannende Fragen sind:

    “Wie passt es zusammen, dass Claudia Luzar auf Facebook erklärt, dass sie als Leiterin der Opferberatung gebeten wurde, sich um drei Aussteiger zu kümmern, der Verein in seiner Stellungnahme aber von den „voneinander getrennten Einrichtungen BackUp und ComeBack“ spricht?”

    “Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Experten ihrer wissenschaftlichen Unabhängigkeit treu bleiben und auch keine Anhänger extremismustheoretischem Unsinns sind.”

    “Und was bedeutet denn, wie der Titel des Vereins ankündigt, die „offensive Auseinandersetzung“ mit dem Rechtsextremismus konkret? Und wo liegen die hier die Unterschiede zu den Ansätzen von Claudia Luzar und Dierk Borstel? Der Verein hat hierauf bislang keine klare Antwort gegeben.”

  • #16
    SteLu

    @ # 13 Ich unterstelle Ihnen nicht, dass Sie Naziaufmärsche wegignorieren wollen. Ich habe lediglich geschrieben, dass mich die Gegenüberstellung Antifa – Demokraten an die Soester “Argumentation” erinnert hat. Bei der ging es nämlich auch um gute Demokraten vs. Antifa. Das wegignorieren bezog sich ausschließlich auf Soest.

  • #17
    Kerstin Sischka

    @6 und @15. Das sind ja wichtige Fragen, auf die Sie aufmerksam machen, Ricardo. Nur: Finden Sie es nicht beschämend, dass der Gastautor nur auf diese diffamierende Weise in der Lage gewesen ist, ein paar inhaltliche Fragen aufzuwerfen? Der Schaden und die Verletzungen, die dadurch angerichtet wurden, lassen sich nun leider nicht mehr aus der Welt schaffen. Und das alleinige Insistieren auf (vielleicht relevanten) inhaltlichen Fragen, bringt uns auch nicht weiter, wenn die politisch-psychologische Gruppendynamik und Motive der Einzelnen bei dem Ganzen ausgeblendet werden. Es wird immer Menschen geben, die sich die Frage nach den “Hintergründen” stellen.

  • #18
    Ricardo

    @Kerstin Sischka:

    Den Schaden haben Luzar und Borstel angerichtet. Die Freude war groß, als es in Dortmund endlich eine Opferberatung gab. Die Enttäuschung dann aber ebenso, als klar war, wie die tickt. Und Borstels Angriff auf das Antifacamp (bundesweit das einzige Interventionscamp jemals, das überhaupt nicht stattfinden konnte!): was nützt ein Extremismusexperte “gegen Rechts”, der soziale Bewegungen torpediert?

    Ich erkenne in dem Text auch weniger Diffamierungen. An den Stellen, an denen ich die Anwürfe nachvollziehen kann, finde ich Sie auch treffend und relevant um das Scheitern zu verstehen. Luzar und Borstel sind keine harmlosen, armen Opfer einer “Diffamierungskampagne”: die haben ordentlich ausgeteilt und bekommen nun auch was ab. Und das nicht von der anoymen Autor_in hier, sondern auch von der Stadt und dem Trägerverein.

  • #19
    Hans Meyer

    @Ricardo #15: Was interessiert gerade die Antifa? Sie interessiert, weil nach allem, was man hier so sehen kann, der Bruch von Luzar und Borstel mit Menschen aus Antifa-Kreisen – durch die Frage nach Aussteigerarbeit, durch die Beurteilung des Dortmunder Antifacamps, durch die Rede von “Reisekadern” – ziemlich wichtig in dieser Geschichte ist.

    Und der Artikel, über den wir hier diskutieren, sagt das ja in verklausulierter Form auch. Und zwar in der Formulierung “Potenzielle Opfer von Neonazi-Gewalt fühlten sich damals genötigt, sich von dem Beratungsprojekt zu distanzieren, das eigentlich angetreten war, um ihnen zu helfen und eine Stimme zu geben.” Gemeint sind die Antifa-Gruppen und linke-Szene-Grüppchen, die öffentlich die Zusammenarbeit mit Frau Luzar aufgekündigt hatten. Die Umschreibung “potentielle Opfer” ist bewusst irreführend, die Betonung des Opferstatus soll dem Gesagten mehr moralisches Gewicht verschaffen. Das ist ebenso durchsichtig wie demagogisch.

    Der Punkt von all dem? Gruppen, die ausdrücklich das staatliche Gewaltmonopol nicht akzeptieren, haben hier auf die Personalpolitik eines staatlich finanzierten Vereins deutlich Einfluss nehmen können.

    Ein seriöses Blog ist bereit, einen anonymen Artikel voller Diffamierungen zu publizieren, der die beschriebene Kampagne unterstützt, und der mutmaßlich aus den beschriebenen Kreisen kommt. Kreisen, die sehr viel Wert darauf legen, dass Antifa ja nicht homogen ist, dass es da solche und solche gibt (was zutreffend ist) – die aber NIEMALS bereit sind, sich zu distanzieren von denjenigen, die für den Schädelbasisbruch von Björn Wild verantwortlich sind, oder für die Morddrohungen an die Antifa-Kritiker Jesse und Backes.

  • #20
    RG

    Wie das Verhältnis von Frau L zu den Nazis war und ist, konnte man oft genug am Rande von Naziaufmärschen sehen. Wenn sie freudestrahlend und nahezu freundschaftlich die Kader einer menschenverachtenden und oftmals tödlichen Politik begrüßte, war nichts von einer professioneller Distanz zwischen ihr und den per Du begrüßten Nazis zu spüren.

  • #21
    Kerstin Sischka

    @18, Ricardo
    Die persönliche Enttäuschung und Kränkung will ich bei denjenigen von Euch (die sich mit freiheitlich-menschenrechtlichen Intentionen gegen die Neonazis-Szene stellen) ja gar nicht weg reden.

    Aber politisch finde ich es schon sehr bemerkenswert, dass D. Borstel und C.Luzar jetzt etwas “abbekommen”, weil sie nicht so “getickt” haben, wie man es von ihnen (seitens bspw. der Antifa etc.) erwartet hätte. Da scheint ja zwischen die Szene und die Beratungsstelle kein Blatt zwischen passen zu dürfen.

    Und wenn die beiden, wie Sie schreiben, auch “austeilt” haben, dann wäre mir nicht bekannt, dass das jemals so persönlich angreifend und zerstörerisch geworden wären. Das ist schon ein deutlicher Unterschied.

    Und das Prinzip “Wie du mir, so ich dir” finde ich im Übrigen wirklich nicht sehr überzeugend.

  • #22
    Sebastian

    Die Kommentare machen eins sehr deutlich – es geht um Schadenfreude, Neid und nachtreten.

    @fab stimme dir da zu. Es wäre doch mal Zeit, die Frage / Anfrage zu stellen. Dieses verheimlichen von Zahlen ist meiner Meinung nach falsch, politisch unklug und mit Blick auf Opfer und potentielle Opfer eine Frecheit. Außerdem ist es auch völlig unüblich, wenn ich mir dazu im Vergleich andere Opfervereine anschaue. Aber da man ja eine Sau hat die es durchs Dorf zu treiben gilt, die man kennt und nicht mag, muss man ja nicht beim Bauern nach den Ursachen suchen.

    Und eins noch zur Anonymität – es geht hier um die Anonymität des Autoren! Die sich, wenn ich es böse unterstellen möchte – aber dafür fehlt mir der Einblick – vlt. gerade, wenn auch indirekt, von der Stadt Instrumentalisten lassen. seb

  • #23
    Ricardo

    @Hans Meyer

    “Demagogisch” ist ihr Kommentar. Sie wollen die berechtigte Kritik an Borstel und Luzar in eine “Schmuddelecke” stellen.

    Kennen Sie die Bedrohungslage im Alltag von Linken in Dortmund? Warum lassen Sie die Verhältnisse unter den Tisch fallen: wieviele Nazis sind von Antifas angegriffen worden? Muss ich die zweite Wange hinhalten, wenn ich angegriffen werde? Muss ich auf den nächsten Angriff warten? Was würden Antifas tun, wenn es keine Nazis gäbe? Können Leute, die nicht staatstragend sind, keine richtige Kritik formulieren? Wo sind denn in Dortmund “all die Gruppen die ausdrücklich das staatliche Gewaltmonopol nicht akzeptieren”? Wie extrem ist das Gewaltmonopol des Staates in Dortmund gerade am wanken? Soll es keine Opferberatung für Antifas geben?

    Dieses Psychosozial-Geseier, die verhärmte Leidensnummer, der pädagogische-erzieherische Auftrag in Richtung staatstragender Bürger: darin klingt die eigene Verfassheit und die Weltsicht der akademischen Sozialarbeiter durch, die leider den Blick trübt. Das muss endlich ein Ende haben.

    Zur Gewaltfrage:

    Neulich in der Nordstadt: der Stadteilnazi läuft an einer telefonierenden Person vorbei und raunt “Scheiß Türke”. Die Person dreht sich um, haut dem Nazi in die Schnauze und geht dann telefonierend weiter.

    Was nun? Problem-Problem?

  • #24
    Ricardo

    @kerstin schischka

    Die Neujahrsansprache von Claudia Luzar war keine “persönliche Enttäuschung und Kränkung”, sondern damit wurde letztendlich klar, welche Politik in der Opferberatung verfolgt wird. Das Schweigen nach der Kritik tat sein übriges.

    Die Opferberatung kann vieles tun, Sie muss aber auf jeden Fall auf die spezifische Verfassheit der “Opfergruppe Antifa” eingehen, (wie bei jeder anderen auch). Und das ohne erzieherischen Auftrag und die pauschale Empfehlung doch zur Polizei zu gehen. Wenn kein Vertrauen besteht, dann geht da auch niemand hin. Darauf wurde Claudia Luzar damals hingewiesen. Es gab keine Reaktion, damit war das Vertrauen der linken Szene endgültig den Bach runter. Das kam ja auch nicht nur von Antifas, sondern auch von sozialen Zentren.

  • #25
    Carsten

    @ Sebastian (2#):
    Ich kann in dem Text keinen Widerspruch herauslesen. Frau Luzar schreibt in ihrem Lebenslauf dass sie die Opferperspektive aufgebaut habe und lässt – ohne es richtigzustellen – über sich schreiben: “Claudia Luzar ist in Hamm aufgewachsen. Nach dem Studium der Politikwissenschaft in Berlin (Freie Universität) hat sie den Verein „Opferperspektive Brandenburg“ (Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer Gewalt) gegründet.” (http://www.hamm.de/index.php?id=6293). Sie kommt offenbar nicht mal auf die Idee zu erwähnen, dass es auch andere Leute gab. Frau Luzar, die Frontkämpferin. Logisch. Dass ihre ehemaligen Kolleg_innen ihren Anteil dann offensichtlich so gering schätzen, dass sie sie noch nicht mal in ihrer Jubiläumsausgabe als Gründerin ausweisen, spricht doch Bände über ihre tatsächlichen Leistungen.

    Der Autor kritisiert doch nur, das sie anschließend nicht klar damit umgegangen ist, wie ihre Leistungen tatsächlich waren. Hier im Pott erzählt sie allen, dass sie den Laden hochgezogen hat. In Wirklichkeit waren es dann doch aber wohl andere und sie ist als Praktikantin (vielleicht zu einem viel späteren Zeitpunkt, keine Ahnung) erst dazugestoßen und schlachtet das hier aber so groß aus. Und das nur, um in ihrem Lebenslauf schreiben zu können, dass sie zwei Beratungsstellen aufgebaut (und nicht MITaufgebaut hat). Selbstdarstellung par excellence.

    @ Kerstin (#7, #17, #21):
    Was für ein kleinbürgerliches Argument ist es denn bitte, dass Kritik nur dann greift, wenn sie von einer ansprechbaren Person geäußert wird? Es kommt doch auf den Inhalt des Arguments an. Zudem ist es ja nicht so, dass verschiedene Bündnisse, Zeitschriften und Initiativen ihre Kritik an Borstel/Luzar nicht im Namen ihres jeweiligen Projekts geäußert hätten und darüber ansprechbar gewesen wären. Und trotzdem gab es von Borstel/Luzar keine Reaktion darauf. Also daran kann es nicht gescheitert sein.

    Du schreibst, dass du den Beiden nicht verübeln kannst, wie sie unterwegs sind, weil das nur eine Reaktion auf das Verhalten der anderen sei. Wie kannst du denn beurteilen, was zuerst da war, Henne oder Ei? Und kann es nicht auch sein, dass Beide immer schon so drauf waren und das jetzt nur öffentlich zum Tragen kommt? Und dabei geht es nicht um “anders ticken”, sondern um wesentliche Punkte wie eine absolut anti-linke und autoritäre Gängelung verschiedenster Akteure (von Antifas, über Zentren, über mobile Beratungsteams und und und); das sich selbst nach oben Boxen auf Kosten anderer; das Lügen ; das Anbiedern an Geldgeber; ein eigenes kritisierbares Verständnis vom Rechtsextremismus etc. Ich bin nicht “enttäuscht” von den Beiden weil sie mir meinen Schnuller weggenommen haben oder ich andere Erwartungen an sie hatte. Schon als Beide sich das erste Mal mit ihrer Studie zu Dortmund öffentlich geäußert hatten, war klar, aus welchem Stall sie kommen und was man von ihnen zu halten hat. Und zum politischen Gegner muss ich nicht nett sein, ich muss ihn (argumentativ) zu Boden ringen. Punkt.

    Ich finde es echt entlarvend wie du alles auf die affektive und psychische Ebene abschiebst (“Ent-täuschung, Gruppendynamik etc.”). Mag sein, dass Einzelne auch persönlich verärgert sind, dennoch gibt es auch handfeste inhaltliche Differenzen, die dann halt auf den Tisch kommen und diskutiert werden müssen. Aber „ideologisch” sind und „emotional” sind immer nur die anderen. Man selbst hat den Verblendungsschleier abgelegt und argumentiert ideologiefrei. Wie auch immer das mit einer Argumentation zusammengehen soll, die auf einem spezifischen Verständnis von Gewalt, Menschenrechten und rechter Theorie und Gewalt fußt… Das hat selbstverständlich alles nichts mit einer gefärbten und verzerrten Sicht auf die Geschehnisse der Welt zu tun.

  • #26
    Hans Meyer

    @#23: Danke für eine erfrischende Klarstellung. Genau um diese Fragen geht es. Ist es ok, Nazis zusammenzuschlagen? Aus Ihren Worten entnehme ich – korrigieren Sie mich bitte, wenn ich da falsch liegen sollte – dass Sie *mindestens* diese Fragen nicht entschieden verneinen würden. Ich schon. Damit ist der Unterschied markiert, und das Verhältnis zum staatlichen Gewaltmonopol auch.

    Ich finde es stattdessen richtig – wo möglich – Nazis konsequent anzuzeigen, und ich halte es auch für richtig, dass Opferberatungsstellen mit der Polizei kooperieren. Auch das scheint mir eine wichtige Frage in dieser Kontroverse zu sein, in der ein Dissens besteht zwischen Ihnen und Frau Luzar.

    Und damit bloß keine falschen Verdächtigungen aufkommen: Ich weiß genau, wie gefährlich Nazis sind, auch in Dortmund, und auch aus eigener Erfahrung. Ich weiß auch, dass lange Zeit sich zu viele Polizisten für die Nazibedrohung einen Dreck interessierten. Das ist aber, und ich denke, Sie wissen das auch, gerade in Dortmund in den letzten Jahren sehr viel besser geworden, auch wenn es weiterhin noch besser werden könnte.

    Mich würde interessieren, wo Sie mit ihren offenen Fragen, wann Gewalt legitim sei, die Grenze ziehen würden. Ich nehme aufmerksam zur Kenntnis, dass weiterhin niemand hier bereit ist, sich auch nur einen Millimeter weit von gewissen linken Aktionen zu distanzieren. Nicht bei den Morddrohungen gegen Backes/Jesse, nicht bei Björn Wild.

    Solche Dinge haben die unangenehme Eigenschaft, sich zu verselbständigen. Und man kennt das ja, mit welcher Selbstgerechtigkeit gewisse Leute glauben und glaubten, als Richter und als Vollstrecker auftreten zu können, wenn ihnen was nicht passt, und wenn der vermeintlich guten linken Sache dient. Wo ist die Grenze? Beim Anzünden des Autos eines BZ-Journalisten? http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/anschlag-auf-auto-von-bz-journalist-schupelius-spd-chef-jan-stoess-das-sind-sa-methoden/9636324.html Oder erst bei so alten, längst vergessenen Vorfällen wie dem brutalen Überfall auf den Journalisten Horst Rieck? => http://www.zeit.de/1970/32/rauch-zeichen

    Oder vielleicht schon bei der Bedrohung und Nötigung von Rechtspopulisten wie unlängst in Bochum?

    Ich glaube nicht, dass die diversen Vorwürfe gegen Frau Luzar ein solches Gewicht hätten, wenn es an der Gewaltfrage nicht einen Dissens gegeben hätte.

  • #27
    Ricardo

    Herr Mayer, sie verallgemeinern auf merkwürdige Weise. Lassen sie uns doch bei den Dortmunder Verhältnissen bleiben. Was interessieren mich irgendwelche Durchgeknallten, die Kugeln verschicken?

    Die Antifa ist vermutlich im Vergleich zu anderen Opfergruppen von Backup am ehesten in der Lage zur Bewertung einer sinnvollen Opferunterstützung eine Meinung abzugeben. Als Betroffene, wie als diejenigen, die im Thema stecken und weil sie selbst auf allen möglichen Ebenen gegen Nazis unterwegs sind. Darum geht es hier.

    Bei dem Dissens von Seiten der Antifa mit Frau Luzar geht es nicht um die “Gewaltfrage”, sondern im konkreten Fall um den *pauschalen* Ratschlag, bei der Polizei Anzeige zu stellen. Eben jener Ratschlag plus die dümmlich naive Ansprache an die Adresse der Nazis haben tief blicken lassen.
    Wenn sie die Situation in Dortmund so genau kennen, dann dürfte ihnen klar sein, dass man so nicht vorgehen kann. Erinnert sei an den (grünen) Stadtteilbürgermeister von Dorstfeld, der davon abgeraten hat, Gesicht gegen Rechts zu zeigen. Eine Konsequenz aus dem Wegzug der Familie aus Dorstfeld, den weder Polizei noch Schaubesuche der Politik verhindern konnten.
    Es gibt auf der anderen Seite reihenweise Antifas, die Nazis angezeigt haben. Das ist aber immer eine Frage des Einzelfalls und kann nicht pauschal jeder Person abverlangt werden. Sprechen sie mit der Gewerkschaftsjugendlichen, die aufpassen muss, wo sie auf dem Nachhauseweg langläuft, etc.. Offensiver/öffentlicher Umgang ist da nicht immer das Richtige.

    Und wie gesagt, wo gibts es die Gewalt gegen Nazis in Dortmund? Warum sollte das Verhältnis zur Legitimität von (in der Regel) Gegengewalt eine Rolle spielen, ob man von der Opferberatung vertreten wird? Sie müssen damit klarkommen: Opfer sind nicht die besseren Menschen, und Backup muss die nicht irgendwie toll finden. Noch müssen die Betroffenen von Nazigewalt die Maßstäben gewaltfreier Kommunikation erfüllen. Die politische Meinung geht Backup auch erstmal nichts an. Es geht auch nicht darum, dass die Opferberatung den politischen Auftrag hat, eine staatsbürgerliche Konformität herzustellen. Das verlangen Sie auch von keinem Zahnarzt oder Rechtsanwalt.

    Zur Gewalt: ich persönlich finde der Telefonierer hat richtig gehandelt. Das Problem hat er zumindest nicht nach Hause genommen und kriegt Schlafstörungen, weil er sich über sein duckmäuserisches Verhalten im nachhinein ärgert, wie unsereins so oft. Noch muss er mit Personalienüberprüfung, Gegenanzeige, und Adresstransfer per Akteneinsicht an die kleinen Nachwuchs-SAler rechnen. Kurze und schmerzvolle Lösung. Leider ist es manchmal notwendig, dass das Klima der Angst, welches Nazi verbreiten wollen, durchbrochen wird. Und die Polizei steht (glücklicherweise) nicht an jeder Straßenecke.

  • #28
    SteLu

    @ Hans Meyer natürlich distanziere ich mich von denjenigen, die die Patronen verschickt haben und zu Björn Wild kann ich nur sagen, dass ich es grundsätzlich unerträglich finde, wenn vier Menschen auf einen anderen einprügeln – auch ohne Schädelbasisbruch. Trotzdem werden Sie von mir kein grundlegendes Bekenntnis zum Gewaltverzicht bekommen und das hat ne ganze Menge mit eigenen Erfahrungen zu tun. Wie Ricardo schon geschrieben hat, manchmal ist es leider notwendig das Klima der Angst zu durchbrechen.

  • #29
    R. Ettich

    Auch wenn Frau Luzar und Herr Borstel jetzt hier die Fanbusse ankarren: Der Ruhrbarone-Artikel spricht mir aus der Seele.
    In der Tat: Wer so austeilt wie die beiden, muss auch einstecken können. Borstel und Luzar haben sich in der Trägerlandschaft gegen die extreme Rechte in NRW in einer vorher nicht gekannten Weise verhalten – unsolidarisch, egoistisch und anmaßend. Belassen wir es an dieser Stelle mal bei den öffentlich zugänglichen Dokumenten, von denen einige bereits genannt oder verlinkt wurden.
    Borstels Stellungnahme zum Entwurf des Landeshaushalts für das Jahr 2013 etwa spricht Bände. Sie ist im Dokumentenarchiv des Landtags abrufbar: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument?Id=MMST16%2F333|1|0
    Hier ging es einzig darum, schon seit Jahren arbeitende Träger von Fördergeldern abzuschneiden, sich selbst ein Monopol aufzubauen und die Deutungshoheit im Bundesland zu erringen. Dazu hat man das Wohlwollen der Dortmunder Sozialdemokratie und ihres Umfelds gut auszunutzen gewusst: Fördermittel, Vereinsgründung, paternalistische Förderung im Gegenzug für freundliche Statements, Expertisen und Handlungsvorschläge.
    Kritik jedenfalls konnten Borstel und Luzar von Anfang an schlecht vertragen, wie diverse Gremienberatungen – auch über den Dortmunder Raum hinaus – mehrfach zeigten.
    Die “Antifa-Gewalt”-Nebendebatten kann man hier führen, muss es aber auch nicht. Vermutlich bedient der Fanclub damit eher ein Weltbild, das auch Angebote gegen “Linksextremismus” zu Tage bringt (http://www.dierk-borstel.de/5.html); die Welt ist wohl ein Hufeisen, rinks und lechts sind ganz nah bei einander…

  • #30
    bonbon

    Wenn das mit diesen Kommentarspalten-Battles so weitergeht, sieht es so aus, als ob sich die Antifa bald schämen und dafür rechtfertigen werden muss, dass sie Nazis scheiße findet.

  • #31
    Andreas Richter

    Danke für den informativen Artikel. Das Claudia Luzar behauptet 1998 die Opferperspektive aufgebaut, wahlweise gegründet zu haben erstaunt selbst damalige Kollegen und Kolleginnen. Sie versucht doch mit dieser Darstellung zu suggerieren, sie wäre Gründungsmitglied der ersten Beratungsstelle für Betroffen rechter Gewalt in Deutschland und hätte entsprechen das Konzept (mit) entwickelt. Das war aber nicht der Fall und entsprechend ist das sich schmücken mit den Verdiensten Anderer zumindest schäbig. Das Projekt Opferperspektive wurde 1998 gegründet. Frau Luzar kam im Laufe des Jahres 1999 dazu. Das sie am Anfang offiziell im Rahmen ihres Studiumpraktikums anfing tut eigentlich nichts zur Sache. (Das ist im Artikel nicht richtig dargestellt und lässt zu viele Interpretationsspielräume offen) Die politische Initiative befand sich im Aufbau, alle Lernten jeden Tag dazu, trotzdem war die Opferperspektive schon geboren und das Konzept ohne Frau Luzar erdacht. 2004 trennten sich Opferperspektive und Luzar, zur Erleichterung ihrer Kollegen die ihre intrigante und oft überheblich Art unerträglich fanden. Auch in diesem Fall war ihre Taktik andere gegen den Verein aufzuhetzen. In politischen Projekten in Berlin hatte sie vorher ähnlich agiert.
    Festzuhalten ist: Es ist sehr positiv dass sich Back Up von Frau Luzar getrennt hat. Anzunehmen man könne in einer Person Opfer UND ihre (potenziellen) Täter beraten zeugt von maßloser Selbstüberschätzung, Distanzlosigkeit und Unprofessionalität. In einer Opferberatungsstelle ständig eigenmächtig und am Kollegenteam vorbei zu agieren ist außerdem unkollegial und geltungssüchtig. Das als Aufopferung und einzigartiges Engagement für die Opfer zu interpretieren ist leider ziemlich blauäugig. Trotzdem muss gesagt werden Frau Luzar hat sich immer für die Menschen eingesetzt die sie beraten hat.
    Die Kritik am Gesamtkonzept des Trägerverein bleibt trotzdem bestehen. Opfer und Aussteigerberatung , die häufig auch Täterberatung ist, MUSS in der Trägerschaft getrennt werden. Andernfalls ist es nicht möglich den berechtigten Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe gerecht zu werden. Opferarbeit ist Vertrauensarbeit. Vertrauen was leicht zu erschüttern ist. Wenn Opfer erfahren, dass auch (ehemalige) Nazischläger beim gleichen Verein mit viel Verständnis und Empathie beraten werden, werden sie kein Vertrauen fassen.
    Das Argument Aussteiger können auch Opfer rechter Gewalt werden und durch die Beratung bei einem Träger entstehen Synergien die zu einer effektiveren Arbeit beitragen sind jedoch kurzsichtig. Vielmehr ist eine gute Kooperation zwischen verschiedenen Trägern zentrale. Sei es die mobilen Beratungsteams, migrantische Communities, Migrationsberatung, politische Gruppen wie bürgerliche Bündnisse, antifa- und antira-Gruppen, dazu gehört auch die Aussteigerberatung. Die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt in Ostdeutschland beraten auch Naziaussteiger ie glaubhaft ausgestiegen sind und deshalb von ihren ehemaligen Kameraden angegriffen worden sind. Die Kollegen dort berichten, dass das Einzelfälle sind und keine Konzeption wie in NRW begründen.
    Auf die in NRW immer lauter erhobene Forderung Opfer- und Aussteigerberatung zu trennen, weisen auch die spezialisierten Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt in ihren Qualitätsstandards hin. Der Trägerverein von Back Up sollte endlich dazu eine qualifiziert begründete Antwort geben.

  • #32
    Sebastian

    Zur Diffusion von Opfer- und Ausstiegsbegleitung bleibt in der gesamten Diskussion unerwähnt, dass es bis 2012, von dem Verein exit ein spezielles Ausstiegsangebot für Dortmund gab! Das lässt sich eigentlich leicht recherchieren. Es war demnach konzeptionell angedacht die Beratungsangebote zu trennen. Wie auch immer man zu exit steht. Mit dem Weggang von exit, der von denen mit konzeptionellen Differenzen mit der Stadt beschrieben wird (FB Seite von exit), gab es kein sichtbares, akzeptiertes und externes Angebot mehr. Jetzt stellt sich die Frage was diese konzeptionellen Differenzen waren. Keine Ahnung. Aber offensichtlich funktioniert die Bewertung der aktuellen Lage nicht digital, im Sinne von gut und böse, sondern fußt auf mehrere Linien. Das Problem ist also nicht so eindimensional wie hier gern unterstellt wird. Die Rollendiffusion hat offensichtlich klare strukturelle Ursachen, an denen die dann Stadt – so wie es scheint – auch ihre Aktien hat. Seb

  • #33
    Gertrud

    @ Andreas Richter,
    Ich kann Ihren Einschätzungen nur zustimmen.

    Generell finde ich den obigen Artikel an vielen Stellen noch zu unpointiert und im Ton mäßigend. Schaut man sich z.B. die Veröffentlichung “Rechtsextremismus in der Weitlingstraße” vom Berliner ZDK aus dem Jahr 2006 an, so fallen dem Leser die Namen der Autoren Bernd Wagner, Dierk Borstel, Claudia Luzar und Gabriel Landgraf auf. Für diese Veröffentlichung zeichnete Frau Luzar verantwortlich. Sind die ersten drei Namen aus dem Bereich der Exit-Arbeit hinreichend bekannt und steht das Wirken der in Dortmund gelandeten Personen hier zur Diskussion, so dürfte der letzte Namen den wenigsten Lesern etwas sagen.
    Bei Gabriel Landgraf handelte es sich um den ehemaligen Sektionsleiter des Märkischen Heimatschutzes Berlin, den Frau Luzar damals als Klienten betreute und der ihr Liebhaber wurde. Ein No-Go in der sozialpädagogischen Arbeit. Der Ausstieg wurde dem Lebensabschnittsgefährten bescheinigt und die Erkenntnisse aus der “Feldbettstudie” konnten gewinnbringend für den “Projektbereich Zentrum Demokratische Kultur „Community Coaching“” aufgegriffen werden. Eine wahrlich nutzbringende Distanzlosigkeit, die von den genannten Kollegen aus wohl eben diesem Grund gedeckt wurde.

    Das sich die SPD aus NRW, und vor allem aus Dortmund, gerade diese opportunistischen Schmalspur-Akademiker und praxisfernen Karrieristen für ihre Anti-Nazi-Arbeit in Dortmund ausgesucht haben ist leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und so ist zu befürchten, dass demnächst ein weiterer Bock zum Dortmunder Gärtner bestimmt wird.

  • #34
    Erwin Krümmel

    Schön zu sehen, dass sich die Brandenburger und Berliner auch endlich mal in die Debatte einschalten. Das war längst überfällig! Vielleicht wäre es ratsam, wenn von euch auch mal alle Infos zu dem ganzen Luzar-Komplex zusammengetragen würden. Rund um die Hauptstadt soll sie sich ja so einige Dinger geleistet haben. Wenn man das mal alles in einem gut recherchierten und übersichtlichen Artikel zusammenfassen würde, dann könnte man vielleicht das ganze Ausmaß der Luzar/Borstel-Affäre besser erfassen, Vergleiche zur Situation in NRW ziehen und daraus für die Zukunft lernen. Außerdem lägen dann endlich mal Fakten vor und nicht immer nur Gerüchte “aus dem Norden”, was denn da alles passiert sein soll. Ich würde das zumindest begrüßen. Denn so wie man das insbesondere auch aus den letzten Kommentaren herauslesen kann, scheinen sich da doch einige Parallelen und Kontinuitäten zu offenbaren. Schade, dass das jetzt erst so wenig beachtet ab Kommentar Nummer 30 geäußert wurde…

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