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Hört auf zu jammern, dass das Finale der UEFA Champions League ’nur‘ im ‚Pay-TV‘ lief!

Der Bezahlsender Sky übertrug das Champions League Finale 2019. Foto: Sky

Rund acht Millionen Zuschauer weniger im Vergleich zum Vorjahr hatte das gestrige Finale der UEFA Champions League nach entsprechenden Medienberichten. Der Grund ist einfach: In Deutschland war die Königsklasse des Fußballs in dieser Saison ausschließlich im Pay-TV zu sehen. Sky und der Streaming-Anbieter DAZN zeigten das Finale zwischen dem FC Liverpool und den Tottenham Hotspur, welches am Ende mit 2:0 an die von Jürgen Klopp betreuten ‚Reds‘ ging, für ihre Abonnenten erstmals exklusiv.

1,67 Millionen Zuschauer sahen den Kickern auf ‚Sky Sport‘ zu. Hinzu kamen noch rund 230.000 auf ‚Sky1‘. Wie viele Fans bei DAZN dabei waren ist unbekannt. Der Streamingdienst gibt seine Zahlen nicht heraus. Wie dem auch sei, das sind natürlich deutlich weniger Zuschauer, als es der Fall gewesen wäre, wenn die Partie zeitgleich auch im sogenannten ‚Free TV‘ zu sehen gewesen wäre.

Zuletzt hatte es Bemühungen gegeben, das Finale aus Madrid in Deutschland auch frei empfangbar auszustrahlen. Diese waren dem Vernehmen nach jedoch am Widerstand von DAZN gescheitert.

Das Gejammer unter den Fußballfans darüber war und ist groß. Nachzuvollziehen ist diese Haltung jedoch nicht.

Die Fußballrechte sind bekanntlich teuer (geworden). Die UEFA möchte mit der Champions League, ebenso wie die DFL in Sachen Bundesliga, finanziell das Maximum herausholen. Seit Jahren schon freuen sich die Vereine deshalb über die stetig steigenden Umsätze in Sachen TV-Vermarktung.

Soll sich der Kauf der Übertragungsrechte auch für den Käufer lohnen, dann ist Exklusivität natürlich gefragt. Das Gleiche gilt aber auch für die Abonnenten eines solchen Angebots. Kaum jemand wäre noch bereit zusätzlich etliche Euros im Monat für ein entsprechendes (Pay-TV-)Abo auszugeben, wenn am Ende die Highlights doch z.B. bei ARD oder ZDF frei zu empfangen sind.

Vor diesem Hintergrund ist das aktuelle Gejammer über die eingeschränkte Reichweite des Champions League Endspiels unverständlich. Wem der Wettbewerb in der Königsklasse entsprechend wichtig ist, der hat ohnehin längst ein entsprechendes Abo. (Dieses kostet monatlich schließlich kaum mehr als ein Kinobesuch.) Und gegenüber diesen Leuten wäre es unfair, wenn ausgerechnet die entscheidenden Spiele plötzlich für alle zu sehen wären.

Das gilt auf ähnliche Art und Weise natürlich genau so für die Fußball-Bundesliga. Auch hier käme ja niemand auf die Idee ausgerechnet die entscheidenden Spiele der Saison plötzlich live frei empfangbar für alle zu zeigen.

Und wer diese Entwicklung nicht mag, der hätte schon vor Jahren verhindern müssen, dass die Übertragungsrechte immer wieder meistbietend versteigert werden. Jetzt über die absehbaren Auswirkungen dieser Vorgehensweise zu jammern, das ist schlicht kurzsichtig und naiv.

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10 Kommentare zu “Hört auf zu jammern, dass das Finale der UEFA Champions League ’nur‘ im ‚Pay-TV‘ lief!

  • #1
    thomas weigle

    Der TV-Zuschauer, der da jammert, hatte nie Einfluss auf den Übertragungspoker. Schon in den 60ern wurde gerne gejammert, weil damals die ÖR nicht immer bereit waren, nach heutigen Maßstäben bestenfalls knausrige Trinkgelder, für EC-Spiele zu zahlen. So wurde BVB`s bis dato größter Sieg nur zeitversetzt oder nur die 2.Halbzeit gezeigt. BMG`s 7:1 gegen Inter lief auch nicht live. Insofern hat er sich damals zu recht geärgert. Und heute auch.
    Und ganz nebenbei: es soll nicht wenige Leute geben, die sich einen Kinobesuch nicht leisten können, ergo auch kein pay tv.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Angebot und Nachfrage. Im Kino genau so wie bei einem Pay-TV-Abo. Es gibt kein Anrecht auf Gratis-Livespiele von Profikickern im TV. Warum sollte es auch?

  • #3
    Holger Schubert

    "Angebot und Nachfrage." Nein, genau eben NICHT – Der Anbieter hat ein Monopol, oder gibt es einen anderen europäische Fußballverband, der einen ähnlichen Wettbewerb organisiert?
    Die UEFA weiß um ihre Macht, und könnte als gemeinnütziger Verein das Finale generell im Free-TV verfügbar machen. Und man darf schon die Frage stellen, ob es der Förderung des Sport dient (ich nehme an, dass die Gemeinnützigkeit dafür vergeben wurde), wenn das wichtigste Ereignis im europäischen Vereinsfußball ein Verkaufsargument für Pay-TV-Abos ist – Es gibt immer noch 124 Spiele für die Abonnenten des Pay-TV, die dann exklusiv wären. Dann muss der Luxussportwagen der Funktionäre und der kickenden Elite und deren Entourage halt doch noch mal über den nächsten TÜV gebracht werden – Der Würstchenverkäufer im Stadion bekommt doch sowieso nichts davon ab.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Holger Schubert: "Angebot und Nachfrage." Nein, genau eben NICHT "

    Doch, natürlich. Man muss das Abo doch nicht abschliessen. Ist es mir als Kunde die Sache nicht wert, dann verzichte ich eben. Es wird doch niemand gezwungen. Ist wie beim Fußballverein um die Ecke. Da kostet der Stehplatz auch 10 Euro in der Kreisklasse. Ist mir das zu viel, dann bleibe ich weg. Ganz einfach. Und ich finde die Abokosten im Pay-TV im Vergleich zu den Eintrittskarten bei Fußball und Konzerten noch immer relativ moderat.

  • #5
    Bernie

    Ich sag´ mal so: für Übertragungsrechte in der Gastronomie verlangen Sky & Co. ja nun mal horrende Preise und werben mit Exclusivität!

    Wenn dann plötzlich, kurz vor dem Spieltermin, wie zB im April oder so, ein Spiel wie Dortmund – Bayern oder Dortmund Schalke, ich weiß nicht mehr, im Free-TV gezeigt wird, ist das meines Erachtens sehr sehr nahe am Betrug!

  • #6
    Ke

    Es ist Unterhaltung.
    Ich habe andere Präferenzen und kann prima ohne Fussball im Fernsehen leben.
    Warum interessiert mich der Sport nur nicht mehr so?

    Liegt es an den absurden Gehälter ? Sicherlich. Außerdem habe ich auch genügend andere Hobbys.

  • #7
    Thommy

    @Beitragsautor
    Naja, das finde ich sehr kurzfristig gedacht und den Ansatz vollkommen falsch.

    Ohne den Einsatz erheblicher Steuermittel für Sportentwicklung oder Infrastruktur -bspw. Fussballplätze in der Breite-gäbe es keinen Spitzenfussball.

    Auch der Großteil der die Stadien umgebenden Infrastruktur wird ebenfalls aus Steuermitteln bezahlt – ganz zu schweigen von den hohen Kosten für Polizeieinsätze von der ersten bis mindestens zur dritten Liga.

    Der Steuerzahler finanziert letztlich den gesamten notwendigen infrastrukturellen Unterbau und die Vereine und die DFL wie die UEFA verhökern die Übertragungsrechte an Private und diejenigen, die das erst möglich machen, sollen dann fürs Fernsehgucken -zum Teil in schlechter Bild-und miserabler Kommentatorenqualität wie bei dazn – auch noch bezahlen ?

    Das finden Sie in Ordnung?

    Ich nicht.

  • #8
    Holger Schubert

    "Man muss das Abo doch nicht abschliessen."
    Und gerade sind wir bei der Preis-Absatz-Funktion eines Monopolunternehmens und beim Cournotscher Punkt (https://de.wikipedia.org/wiki/Cournotscher_Punkt) – Eine Besonderheit (Zitat aus dem Wiki-Artikel): "Mit anderen Worten: im Gewinnmaximum wird eine geringere Menge des Gutes abgesetzt, als dies im Erlösmaximum der Fall wäre." Über die möglichen Substitutionsgüter will ich auch gar nicht diskutieren – Genau so wenig, wie darüber, ob ein Markt mit einem Monopol im eigentlichen Sinne ein Markt ist. Und das ich in der Kreisliga Eintritt bezahle, ist mir auch klar (hier in Hessen sind es in der Kreisoberliga übrigens 3 Euro – Für 10 Euro/Stehplatz war 2018/19 laut dieser Aufstellung: https://cdn1.manager-magazin.de/images/image-1360120-galleryV9-bbxv-1360120.jpg schon fast 2. Liga drin (13,… im Schnitt)).
    Aber: Genau bei diesem Monopol fängt es ja an. Ich hatte mich auch dafür interessiert, das Spiel zu schauen – Und lande bei DAZN, die mir anboten, das Spiel zu schauen (es gibt ein Angebot mit 1 Monat Gratis, und man kann auch sofort kündigen, soweit habe ich geschaut habe) – Aber ich möchte eben kein Abo abschließen, und mir das Spiel anschauen und das Abo sofort kündigen ist mir auch zu blöd – Ich will es ja nicht umsonst, und wenn ich bei den Privaten 1 Stunde Produktinformationen präsentiert bekomme, habe ich mein Soll ja auch erfüllt – Und ehrlich gesagt, ist mir meine GEZ zu schade für Fußball, den auch die Privaten senden können.
    Trotzdem bleibe ich bei meinem Standpunkt (auf den du nicht eingegangen bist): Die UEFA ist ein gemeinnütziger Verein, der aber als Monopolist seinen Gewinn optimiert – Beides zusammen geht nicht.

    Übrigens: Sky usw.: "Die Bewerberstädte mussten zudem Verpflichtungserklärungen gegenüber der UEFA abgeben, bspw. dass innerhalb der „kommerziellen Zone“ im Umkreis von 500 Meter um die Stadien politische und religiöse Demonstrationen generell unterbunden werden. Auch sollen die Städte Gesetze zum Schutz der UEFA-Vermarktungsrechte erlassen. Kneipen in der Nähe von Stadien sollen keine Großbildleinwände aufstellen dürfen."
    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergabe_der_Fu%C3%9Fball-Europameisterschaft_2024
    Nochmal: Die UEFA ist ein gemeinnütziger Verein, der aber als Monopolist seinen Gewinn optimiert – Beides zusammen geht nicht.

  • #9
    Holger Schubert

    Nachtrag: Ich meinte mit "Aber ich möchte eben kein Abo abschließen" das ich Geld bezahlen wollte aber (erst mal) nur für dieses eine Spiel, und kein Abo wollte.

  • #10
    thomas weigle

    @Thommy #7 Genau!! Es sind die Steuerzahler, die einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Milliardengeschäft Fußball leisten. Von den Stadien über die verkehrliche Infrastruktur bis zu den Polizeieinsätzen. Der Steuerzahler zahlt auf allen Ebenen, auch als Besucher. Und es ist der Fußball der auch in kleinen Kommunen in der Regel bevorzugt wird. Ein neuer Kunstrasenplatz für einen sechsstelligen Betrag für den örtlichen Fußballverein? In der Regel abgenickt. Hallenzeiten für die Volley-oder Handballer? Oder noch kleinere Sportarten? Wer soll die Überstunden für den Hausmeister bezahlen? Das kann man dem Steuerzahler nicht zumuten, wird dann gerne gesagt.
    Und dann heißt es, wie im Falle Peter Fischers, der keine "Armselige aus Deutschland" bei der SGE sehen will, Politik habe im Sport nichts zu suchen. Es ist die Politik, die den Sport bis in die Spitze erst möglich macht. Und damit der Steuerzahler. Aber der hat es ja.
    Von einem Wettbewerb könnte man doch nur sprechen, wenn ich als Konsument zwischen verschiedenen TV-Angeboten auswählen könnte, die sich qualitativ und preislich unterscheiden. Ich brauch keinen besserwisserischen Kommentar, da ich sowie so alles besser weiß. Und die unzähligen Wiederholungen von Spielszenen jeglicher Art aus x-Perspektiven gehen mir mittlerweile am Ar… vorbei. Auf Interviews von Spielern und sog. Experten vor, während und nach den Spielen kann ich ebenfalls gut verzichten. Habe ich ja beim Besuch vor Ort auch nicht.
    Es geht also nicht um Wettbewerb, sondern um Extraprofite aus einer Monopolstellung.

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