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In Wendezeiten

Agrar- und Verkehrswende in einem Bild


Wende wohin man auch blickt. Anstatt Ideen für die Zukunft zu entwickeln, wollen Politiker nahezu jeder Couleur zurück in die Vergangenheit. Das Reaktionäre war noch nie so modern wie heute.

Als der damals frisch gewählte Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) 1982 eine Wende versprach, klang das für alle, die sich irgendwie modern und links verorteten wie eine ziemlich üble Bedrohung. „Die Wende“, das stand für Sozialabbau, Anpassungsdruck und dem Mief der 50er Jahre.

Vergangen, vergessen, vorbei.

Die Zukunft ist abgeschafft. Wer Visionen hat, kann immerhin noch auf Kosten der Krankenkassen zum Arzt gehen. Wir leben in Wendezeiten.

CDU und FDP haben die Energiewende eingeläutet, die Grünen wollen gleich noch eine Agrarwende hinterher schieben, die SPD hechelt all dem panisch hinterher und eigentlich wollen fast alle auch noch eine Verkehrswende.

Auf das Ideal des braven, deutschen Landmanns, der hinter seinem treuen Kaltblüter den Pflug durch die schwere, regengetränkte Erde zieht, um spät am Abend mit seiner Frau und den Kindern, welche die Behandlung durch einen Homöopathen überlebt haben, bei Kerzenschein die Lieder singt, die der Nachwuchs am Tage auf der Waldorfschule gelernt hat, werden sich alle irgendwann absehbar einigen können.

Die Umdeutung des Begriffs Wende in den vergangenen Jahren ist noch beeindruckender als die des Begriffs „Alternativ“. Waren Alternative noch in den 80er und 90er Jahren sich als links empfindende Menschen mit langen Haaren und einer oft bedenklichen Ablehnung bürgerlicher Hygienestandards, wie man sie heute nur noch auf Baumhäuser im Hambacher Forst findet, steht „Alternativ“ heute für Rechtsradikale mit einem Hang zu Vorstrafen.

Auch die Wende machte eine solche Entwicklung durch. Galt sie in Zeiten von Helmut Kohl noch als so reaktionär, dass außer dem schon damals irrlichternden Erhard Eppler (SPD) den Begriff kaum jemand in den Mund nahm, gilt die Wende nun als das non plus Ultra. Die wohlige Strickjacke Kohls, sie ist mittlerweile aus Biowolle gewebt.

Die Energiewende treibt die Strompreise auf Rekordniveau, gefährdet Mittelstand und Handwerk, hunderttausende Menschen leben in Energiearmut, die Mieter zahlen die Gewinner der Besitzer von Solar- und Windanlagen, aber diese Rückkehr zu einer ungesteuerten, teuren und von der Willkür der Natur abhängigen Art der Energieerzeugung gilt als moderner denn die Optimierung von Gaskraftwerken und Kernenergie.

Seitdem der Mensch sich niederließ und Bauer wurde, war der Hunger sein Begleiter. Das hat sich erst in den vergangenen gut 150 Jahren verändert. Chemischer Dünger, neue Züchtungen, Unkraut- und Insektenvertilgungsmittel machten es möglich, dass heute nur noch wenige auf Welt hungern – was lange die Regel war, ist zum Glück die Ausnahme geworden.

Die industrielle Landwirtschaft ist ein Segen für die Menschheit und Dank Gentechnik steht sie vor einem, weiteren Entwicklungsschub. Wer eine Agrarwende hin zur bäuerlichen Landwirtschaft will, spielt mit dem Leben von Milliarden Menschen. Der Biobauer taugt als Ideal für die Bewohner der grünbürgerlichen Quartiere, die Ernährung der Menschheit wird er nicht gewährleisten können. Aus gutem Grund wurde er im 19. Jahrhundert zum Auslaufmodell. Mit ihm ging der Hunger. Das eine Politik, die den Tod so vieler Menschen in Kauf nimmt als modern gilt, ist einer der zynischsten Treppenwitze der Menschheitsgeschichte.

Seit dem Beginn ihrer Sesshaftigkeit waren die Menschen an einem Ort gefesselt. Die Welt war für die meist überschaubar und eng. Das änderte sich erst mit den großen Erfindungen der letzten 200 Jahre: Eisenbahn, Auto und Flugzeug gaben den Menschen die Möglichkeit, sich die Orte an denen sie lebten und arbeiteten auszusuchen. Reisen erweiterten ihren Horizont. Freundschaften und Verwandtschaftsbeziehungen konnten immer einfacher und preiswerter auch über große Distanzen hinweg gepflegt werden. Ein wunderbarer Fortschritt. Auch er soll bekämpft werden, Reisen teurer werden, den Menschen die individuelle Mobilität genommen werden.

In den Umfragen zeigen sich die Bürger brav wendefreudig. Sie sagen, was sozial erwartet wird. Sie verleugnen ihre eigenen Lebensstile und Arbeitsplätze, aber wenn sich bald die Auswirkungen der ganzen Wenderei zeigen, dürfte es mit der zum Teil vorgespielten Begeisterung schnell vorbei sein. Vielleicht kann man dann endlich mal wieder über die Zukunft reden.

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14 Kommentare zu “In Wendezeiten

  • #1
    ke

    Wenn die Gleichstellungsbeauftragte ihren Job verliert und nach Sonnenaufgang auf dem Feld Unkraut jätet, weil Arbeitskräfte nur noch in der alternativen Nach-Wende-Bio-Landwirtschaft benötigt werden, wird auch die Alternativ-Vision ihre Attraktivität verlieren.

    Ist doch blöd, wenn man sich bewegt und im Dreck arbeiten muss, ohne dass man sich die Maniküre, Massage und Sauna nach 1h Aktivität leisten kann. Den Spezial-Kaffee zur Entspannung bringt auch keiner aufs Feld.

    Bio-Landwirtschaft ist für die meisten Freunde doch nur attraktiv, solange man selber nicht an der Produktion beteiligt ist.

    BTW: Wie kommen wir eigentlich an die benötigten Flächen? Oder ist die Sterberate einfach so hoch, weil alle nur noch Zucker mit "Gedächtnis" als Medizin nutzen.

    Die, die eine moderne Zukunft wollen, können ja auswandern. Andere Länder machen den Schwachsinn mit Sicherheit nicht mit.

  • #2
  • #3
    Thomas Weigle

    Diese bösen Alternativen, die wollen, dass wir alle hungern. Das ist doch Schwachsinn hoch3. Dass wir sehr viel weniger Landwirtschaft, weniger Erzeugnisse von der lamdwirtschaftlichen Industrie brauchen, kann man jeden Abend hinter den Supermärkten besichtigen. Aber auch die Verbraucher werfen ebenfalls viel zu viel weg.
    Also auf dem Teppich bleiben. Die Biolandswirte sind auf dem Vormarsch las ich dieser Tage im HALLER KREISBLATT. Aber sicher kann man die Biol-Landwirtschaf und ihre Arbeitt aus dem Pott herausbesser einschätzen als ein Provinzblatt aus einer Gegend, in der es schon einiges an Bio-und nachhaltiger Landwirtschaft gibt.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Weigle: Wikipedia: "Laut dem IFOAM-Jahrbuch The World of Organic Agriculture 2015 ist die ökologisch bewirtschaftete Nutzfläche (Organic agricultural land) im Zeitraum 1999 bis 2013 von 11 auf 43,1 Mio Hektar angestiegen. 2013 wurden 1 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche von 2 Millionen Erzeugern ökologisch bewirtschaftet." Es ist nur eine Mode in ein paar reichen Städten.

  • #5
    Arnold Voss

    @ Thomas Weigle
    Ich habe nichts gegen Biolandwirtschaft. Aber um alle Menschen diese Erde damit zu ernähren würde die bewirtschaftbaren Flächen dieser Welt nicht ausreichen. Selbst dann nicht, wenn wir alle kein Fleisch mehr essen. Obendrein könnten sich jetzt schon selbst die Armen in den entwickelten Ländern diese Ernährung schlicht nicht leisten. Selbst dann nicht, wenn der Mindestlohn, und das zu Recht, erheblich erhöht würde.

    Und ja, bei der Biolandwirtschaft wird auch viel weggeworfen. Nur, dass das schon auf den Feldern geschieht und nicht erst beim Konsum. Wer möglichst wenig Schädlingsbekämpfungsmittel, bzw. nur organische, verwendet, hat schon bei der Produktion mehr Ausschuss, bzw. produziert er/sie deswegen weniger, wenn auch angeblich mit besserer Qualität. Aber selbst das ist keineswegs in jedem Fall gesichert.

    Es gilt dagegen mittlerweile als gesichert, dass der höhere Verbrauchspreis keinesweg die organische Qualitätsverbesserung 1:1 wiedergibt. Man kann stattdessen von einer systematischen Überteuerung sprechen, die nur die zu zahlen bereit und in der Lage sind, die sich diesen Glauben an das ökologische bessere Produkt auch leisten können.Alle anderen sind nach wie vor auf die industielle Landwirtschaft angewiesen.

    Ich halte nichtsdestoweniger diese Art der Landwirtschaft für wichtig. Ohne sie hätte es die Kritik an und die Verbesserungen in der industriellen Landwirtschaft wahrscheinlich nicht gegeben. Sie ist Impulsgeber und Experimentiertfeld, aber eben nicht die einzige, geschweige denn die einzig wirksame Problemlösung für die Welternährung. Genauswenig wie die deutsche Energiewende und das E-Automobil die ultimative Lösung für die Weltenergieversorgung bedeuten.

  • #6
    Thomas Weigle

    @ Stefan Laurin,@ Arnold Voss. Ich bin kein reicher Städter, aber ich versuche bewusst und weniger Fleisch zu essen,dann muss ich auch nicht reich sein, um nachhaltig und weniger tierquälerisch erzeugtes Fleisch zu essen. Dies übrigens schon seit dem Kälbermastskandal 88. Es werden bis zu einem Drittel aller Lebensmittel vernichtet. Das fängt schon auf dem Acker an, wo manche Früchte schon gar nicht mehr geerntet werden, weil sie nicht den Vorgaben entsprechen. Beim Transport geht die Vernichtung weiter, dann bei Supermärkten und Verbrauchern landet viel im Müll. Da ist also noch viel Müll, Quatsch, viel Luft nach oben in Sachen Veränderung.
    Ach ja, um eine Kalorie Fleisch zu erzeugen, braucht`s das Vielfache an pflanzlicher Kalorien. Abgesehen davon sind unsere Ernährungsarten nicht unbedingt gesundheitsfördernd.
    Ein gewisses Umdenkenund daraus folgendes Handeln, würde also auf vielen Ebenen positive Folgen haben.
    Wenn wir also sorgsamer mit unseren Lebensmitteln umgehen, bewusster essen, ist einiges möglich, auch wenn dann noch nicht alles Bio sein wird, Nachhaltigkeit und weniger Tierelend wird ebenfalls leichter möglich sein.
    Apropos sorgsam: Die NEUE WESTFÄLISCHE hat heute folgenden Aufmacher: JEDEN TAG VERENDEN IN DER TIERHALTUNG 37000 SCHWEINE! Wie viele Menschen können von diesen 37000 gequälten Tieren satt werden? 37000 Tag für Tag, macht in der Summe mehr als 24 Millionen im Jahr. Natürlich zahlen wir alle an der Supermarkttheke für dieses Fleisch mit, ohne dass es auf unseren Tellern landet. Wie viele Rinder und Milchkühe mögen täglich qualvoll verenden?
    Eine Änderung unserer Lebensmittelerzeugung ist also dringend notwendig, ebenso wie in unserem Konsum, auch wenn`s so vielen so unendlich schwer fällt.

  • #7
    ke

    @6 T Weigle
    Ja, einfach weniger und eher klimafreundlicheres Fleisch essen. Die Unterschiede sind bei den versch. Tierarten enorm.

    Bzgl. der nicht genutzten Lebensmittel bin ich skeptischer und dass in der Tiermast Tiere verenden ist schon alleine wg. der Menge normal. Insgesamt gibt es dann noch die Frage, ob Tiere auf dem Bilderbuch Biohof wirklich in solchen Statistiken auch positiv fürs Tierwohl ist.

    Dann haben wir noch den bösen Wolf. Während wir den Entwicklungsländern erklären, dass Tiere Räume benötigen, ist bei uns sofort Panik. wenn ein Wolf eine Schafsherde angreift.

    Die Welt ist komplex. Und vieles aus dem Bilderbuch-Öko-Buch entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als großer Quatsch. Besonderen Quatsch sehe ich bspw. in der Trinkhalmverordnung, mit der angeblich das Plastik in den Weltmeeren reduziert werden soll. Für wie blöd halten diese Verordner das Volk?

  • #8
    Thomas Weigle

    @ke Natürlich ist nicht alles grün im Biobereich. Bio ist aber ein notwendiger Schritt in die Richtung Nachhaltigkeit. Ein großer Fleischhersteller hier aus der Nachbarscht, die Fa Reinert aus Versmold, wird bei ihrer Wurstproduktion nur noch auf Fleisch von Schweinen zurückgreifen, die ohne Antibiotika aufgezogen werden. Das ist nicht Bio, aber dennoch gut Ob es diese Produktänderung der Fa. Reinert auch ohne die Diskussion um Bio und Nachhaltigkeit gegeben hätte?

    Es sind übrigens "nur" rund 13,5 Millionen Schweine, die jährlich verenden, das Kopfrechnen funktioniert nicht mehr so gut wie früher, die tägliche Übung im Unterricht fehlt halt.

  • #9
    nussknacker56

    Insgesamt möchte ich noch am ehesten Thomas Weigle zustimmen. Unabhängig davon, dass eine ökologische Bewirtschaftung nicht die Lösung für den Bedarf einer wachsenden Weltbevölkerung sein kann, müssen wir uns zwingend Gedanken machen, welche anderen Wege der Nahrungserzeugung noch möglich sind. Es ist nicht sinnvoll und bringt uns keinen Schritt weiter, das Eine gegen das Andere auszuspielen.

    Dass sogenannte ökologisch erzeugte Lebensmittel nur für eine betucht Mittelklasse leistbar ist, heißt nicht, dass das Grundkonzept schlecht ist. Stellen wir ganze elitäre Brimborium mal auf die Seite. Wer die heutigen Fleischpreise studiert muss wissen: Das geht nur, wenn ethische Maßstäbe und Minimalstandards möglichst klein gehalten werden. Und das muss sich ändern! Auch die sog. „Unterschicht“ hat keineswegs ein Menschenrecht auf ein halbes Kilo Fleisch pro Tag.

    Das Problem ist zweifellos komplex. Doch nur weil sich die Oberschicht mit dem SUV auf Einkaufstour begibt und die eigene Verstricktheit in das gerne kritisierte Ganze penetrant kleinredet, scheint es mir keine Lösung zu sein, deswegen auf ein schrankenloses „Weiter so!“ zu setzen und gegenseitig anklagend mit dem Finger aufeinander zu zeigen.

    Ich möchte, dass weder die „Oberklasse“ noch die „Unterklasse“ sich bequem zurücklehnen und jeweils die andere Seite auffordern: „Mach du mal!“.

  • #10
    Thomas Weigle

    Mir geht es weniger um Bio als um Nachhaltigkeit und v.a. erheblich weniger Tierelend.
    Die Argumentation hinsichtlich bezahlbarer Agrarprodukte kann aber schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn bspw. Obstbäume per Hand bestäubt werden müssen, weil es die industrielle Agrarlandwirtschaft geschafft hat bestäubende Insekten weitgehend auszurotten. Wie teuer wird dann ein Apfel bzw. mehrere sein.
    Was unsre Essgewohnheiten angeht, kann man es sich natürlich einfach machen, ständig Alarm machen und über Verbieten schwadronieren. So einfach ist es nicht. Nach meiner Bypass-OP war ich natürlich in der Reha und habe viel gelernt.Dass eine Herzklinik für gesundes Essen "wirbt", ist aus wirtschaftlicher Hinsicht für die Klinik kontraproduktiv. Je ungesünder wir uns ernähren, desto besser sind diese Kliniken ja ausgelastet. Es geht denenalso weiß Gott nicht ums Verbieten, sondern um das Wohl wenn nicht der Bevölkerung , zuumindest aber um das ihrer Patienten.
    Gesunde Ernährung ist mindestens so schwierig wie mit dem Rauchen aufzuhören, sweil Kalorien schmecken fein, auch in flüssiger Form.

  • #11
    Thomas Weigle

    Schön finde ich, dass große Discounter in Sachen Bio erheblich weiter sind als der eine oder andere hier auf diesen Seiten. Es tut sich was, dies wird auf jeden Fall Auswirkungen in Sachen Nachhaltigkeit in der ganzen Branche haben.
    Egal was sich weltweit tut, hierzulande ist einiges in Bewegung geraten. Gefällt mir außerordentlich.

  • #12
    Helmut Junge

    Stefan Laurin, der letzte Absatz " …. aber wenn sich bald die Auswirkungen der ganzen Wenderei zeigen, dürfte es mit der zum Teil vorgespielten Begeisterung schnell vorbei sein. Vielleicht kann man dann endlich mal wieder über die Zukunft reden," erinnert mich an ein Plakat von Trotzkisten aus den 70igern. Da stand "Der Arbeiter muß erst wieder hungern, damit er revolutionär wird."
    Gemeinsam ist beiden Aussagen, daß sie die Hoffnung auf den Zusammenbruch des angenehmen Lebens zur Voraussetzung für einen Erkenntnisewinn machen.
    Wer aber so denkt, braucht gar nicht mehr überzeugen, muß nur abwarten.
    Ich weiß nicht, ob ich mit meinen Argumenten jemals jemanden wirklich überzeugt habe, aber solange ich Luft habe, werde ich es versuchen.
    Was die moderne Gentechnologie betrifft, hat ja der Eurpäische Gerichtshof vor einigen Wochen Produktion und Verkauf gentechnischer Produkte für den Bereich der EU verboten. Aber wir essen diese Produkte als Importware aus USA und Brasilien. Niemand findet das abträglich! Absurd?
    Klar, da sind die Ökowender noch nicht drauf gekommen, und niemand ist daran gestorben. Eigentlich müßten wir bereits alle tot sein. Wir essen das Zeug doch täglich.
    Andererseits hat ein chinesischer Genforschen jetzt Reis gentechnisch verändert, daß er 27% mehr Ertrag bringt. Das ist für die Ökoexperten vermutlich nicht schlimm, weil sie es noch nicht wissen, und weil sie auf dem Stimmenfangmarkt niemand davor ängstigen können. Denn China ist uns ja so was von egal. Und wenn es dann als Importware bei uns auf den Tisch kommt, schlucken sie es auch. Es gibt nichts anderes. Es ist nur dann giftig, wenn es aus UNSERER Produktion kommt.
    Also, wir essen solch gefährliches Zeug seit Jahrzehnten, und alle sind gesund. Aber wenn sie das rauskriegen, fühlen sich vielleicht genügend Leute elend genug, um Kampagnen zu machen.
    Man muß Kampagnen machen können.

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Helmut Junge: Schon August Bebel erwartete den "Kladderadatsch". Dafür braucht es keine Eispickel 😀 Ich variere mal Thomas Müntzer: „Die grünen Herren machen das selber, daß ihnen der einfache Mann feind wird“

  • #14
    Helmut Junge

    (@Laurin 13), ja du hast Recht. Hatte ich nicht gewußt, oder vergessen. Bebel erhoffte sich von einem Krieg die erhoffte Revolution. Ich bin da deutlich auf der Seite von Bernstein, der dafür als Revisionist gilt. Aber er hatte unter heutigem Blickwinkel Recht, und das alleine zählt.

    Wikipedia:
    " Bernstein stellte das Prinzip eines Zusammenbruchs infrage, meinte progressive Tendenzen in der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft zu erkennen und wollte die SPD zu einer aktiven Reformpolitik drängen. Diese Theorien schlossen eine Absage an die Notwendigkeit einer bestimmten geschichtlichen Entwicklung und damit eine Absage an den „großen Kladderadatsch“ ein.[2] In Bernsteins umstrittensten Werk Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie betonte er, dass er zwar eine gewisse Vorbestimmung des Ganges der Geschichte annehme, also die Überwindung des Kapitalismus, es aber ungewiss und unvorhersehbar sei, wann bestimmte Ereignisse eintreten würden. Mit Karl Marx argumentiert Bernstein, dass es bei der materialistischen Geschichtsauffassung vor allem darauf ankäme, welche Kräfteverhältnisse Veränderungen bewirken würden. Neben die Entwicklung der Produktivkräfte stellte Bernstein verstärkend auch nicht-ökonomische Faktoren und verwies dabei auf späte Schriften Engels’.[3]
    Wenn ich daraus ein Fazit ziehen wollte, wäre es wichtig zu wissen, welche Kräfte sich nach einem Kladderadatsch durchsetzen werden. Welche das waren, kann man in guten Geschichtsbüchern nachlesen. Die waren von Land zu Land ganz unterschiedlich. Der Kladderadatsch ist fast allen Beteiligten ins Auge gegangen.
    Also warte nicht darauf.

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