Israel erleben – Teil 3: Schabbat Schalom – ein Samstag in Tel Aviv

Der Rothschild-Boulevard in Tel Aviv (Foto: Peter Ansmann)
Der Rothschild-Boulevard in Tel Aviv (Foto: Peter Ansmann)

Der dritte Teil zum Thema „Israel erleben“ – wir sind immer noch in Tel Aviv. Wer glaubt, dass an einem Sabbat alles in eher Tel Aviv ruht, der irrt. Was einem an einem Samstagmorgen in der israelischen, eher säkular geprägten, Küstenmetropole zuerst auffällt, sobald man auf die Straße kommt, ist der wesentlich ruhige Straßenverkehr und die fehlenden Busse.

Was uns an diesen Tag nicht stört: Unser erstes Ziel des Tages, die Dizengoffstraße, ist fußläufig innerhalb von wenigen Minuten zu erreichen. Zumindest theoretisch.

21. Januar 2023

Die 15 Minuten Fußweg schaffen wir nicht ganz: Der Nordau-Boulevard, der auf die Dizengoffstraße zuläuft, lädt zum Flanieren ein. Wir laufen in der Mitte auf dem Weg, der für Fußgänger und – getrennt davon – Radfahrer reserviert ist, unter Palmen.

Der Nordau-Boulevard, mit Blick auf die HaYarkon-Street (Foto: Peter Ansmann)
Der Nordau-Boulevard, mit Blick auf die HaYarkon-Street (Foto: Peter Ansmann)

Es gibt viel zu sehen und gegen 10.45 Uhr erreichen wir die Dizengoffstraße. Alle Läden sind geschlossen, es ist Sabbat, die meisten Cafés und Restaurants haben aber geöffnet: Zu unserem Glück! Ein Frühstück wird – seit der Corona-Pandemie – in unserem Hotel nicht mehr angeboten. Über zahlreiche Informationsflyer im Hotelfoyer wissen wir aber, wo man in der Umgebung des Hotels frühstücken kann.

Aktuell werden in Tel Aviv auch Schutzräume angezeigt (Screenshot Google Maps)
Aktuell werden in Tel Aviv auch Schutzräume angezeigt (Screenshot Google Maps)

Wir haben uns, nach einem Gespräch mit einem Hotel-Angestellten, das Café Dizengoff ausgesucht: Am Abend zuvor waren wir in unmittelbarer Nähe in einer Weinbar. Das Café, zumindest der Außenbereich, in den wir wollten, ist an diesem Vormittag zu 100% mit Gästen ausgelastet. Wir lassen uns auf die Warteliste setzen, warten auf einer Bank vor dem Café.

Nach etwa zehn Minuten können wir einen Tisch im Außenbereich, mit Blick auf die Straße, einnehmen. Ein paar Augenblicke später bekommen wir einen Krug mit Wasser und können bestellen: Der „iced Americano“ verscheucht meine Restmüdigkeit, das kurze Zeit später verzehrte Shakshuka (MUSS MAN PROBIEREN!) vertreibt den Hunger. Und das ordentlich: Ich habe das Gefühl, den Rest des Tages, oder der Woche, nichts mehr essen zu müssen. Drei Americanos später machen wir uns auf den Weg und flanieren die Dizengoffstraße entlang, wechseln zwischendurch die Straßenseiten, und kommen am Kikar Dizengoff, dem Dizengoff-Platz, an. An diesem Samstag ist viel los auf dem Platz: Viele Menschen sitzen am Brunnen, der mich spontan an den Averdunk-Brunnen in Duisburg erinnert: Schön, wenn man sich heimisch fühlt.

Der Dizengoff-Platz: Einer der zentralen Plätze in Tel Aviv! (Foto: Peter Ansmann)
Der Dizengoff-Platz: Einer der zentralen Plätze in Tel Aviv! (Foto: Peter Ansmann)

Wir verweilen hier einen Moment, setzen uns in ein Café gegenüber des Brunnens und bringen unser Blut-Koffein-Verhältnis mit einem kalten Kaffee ins gesunde Gleichgewicht. Unser nächstes Ziel ist die „Weiße Stadt“. Fußläufig prima vom Dizengoff-Square zu erreichen.

Wir kommen, danke Google-Maps und freundlichen Menschen, gegen 13:00 Uhr in der weißen Stadt an. Führungen gibt es an diesem Samstag allerdings nicht. Wir nutzen die Zeit für einen Spaziergang zum Rothschild-Boulevard. Nach einem längeren Fußweg erreichen wir diesen. An diesem frühen Nachmittag ist dort einiges los: Diverse Gruppen von Jugendlichen und Kindern, mit Erwachsenen die irgendwas erklären oder beaufsichtigen, sind auf dem Grünstreifen des Boulevards zu sehen. Was mir an diesem Nachmittag auffällt, sind viele gleichgeschlechtliche Paare, die Hand in Hand über den Boulevard laufen. Etwas über 80 km entfernt, im Gazastreifen, würde man dafür vom Hochhaus geworfen oder – festgebunden an einem Auto – zu Tode geschliffen werden. Wir erreichen irgendwann das Gründer-Monument, zu Ehren der 66 Familien, die Tel Aviv gründeten. Es ist früher Nachmittag, wir sind viel gelaufen: Zeit für den Rückweg zum Hotel.

Weiße Stadt Tel Aviv

Wie im ersten Teil geschrieben: Dieser Blick auf Tel Aviv und Israel ist nicht chronologisch. Unsere Erkundung der weißen Stadt war, wie man gerade lesen konnte, im Januar nicht wirklich erfolgreich. Unsere Tour haben wir trotzdem gemacht: Am Sonntag, den 4. Juni 2023, fanden wir uns kurz vor 10.00 Uhr vor dem Bauhaus-Center in Tel Aviv ein. Gebucht haben wir die Tour, für 90 NIS (Neue israelische Schekel) pro Person, über die Website des Bauhaus-Centers (Dizengoff Str. 77) in Tel Aviv. Das Geld war prima investiert: Diese Tour ist absolut zu empfehlen!

Nach einer kleinen einführenden Doku über die Vergangenheit Tel Avivs im Bauhaus-Center, ging es dann auch durch die weiße Stadt: Wir werden diese Tour, beim nächsten Trip nach Tel Aviv, auf jeden Fall nochmals machen. Die Informationen des Guides sind, zumindest für mich, etwas viel für einen Sonntagvormittag. Unser Guide ging auf die Schicksale einiger immigrierter Juden, wie z.B. Oskar Kaufmann, ein und man erfährt einiges zum Haavara-Abkommen: Durch dieses kamen, laut Guide, nicht nur aus Deutschland vertriebene Juden mit Kapital, sondern auch mit Baustoffen, nach Tel Aviv. Spuren dieses deutschen Einflusses findet man an vielen Stellen in der Weißen Stadt.

Imperial Crafts Cocktail Bar

Wir sind wieder im Januar 2023: 20 Kilometer haben wir, laut Fitness-Tracker, an diesem ersten Tag zu Fuß zurückgelegt. Nach einem kurzen Mittagsschlaf und einem späteren Abendessen auf der Dizengoff-Straße bemühen wir Google, um eine coole Bar zu finden. An der Adresse, zu der Google uns navigiert, finden wir nur ein Eiscafé. Die Bar, in die wir eigentlich wollten, hat wohl bereits seit Monaten geschlossen. Die nächste Location, die interessant klingt, ist gut 20 Minuten entfernt. Wir entschließen uns, den Weg zu gehen, am Strand entlang: Eine gute Entscheidung.

Kurz hinter dem US-Konsulat auf der HaYarkon, der Straße, auf der auch unser Hotel liegt, sind wir am Ziel. Ein Hotel (Wie wir später erfahren: Ein früheres Hotel!), in dem sich eine Bar befinden soll. Diese ist, an diesem Abend, gut besucht. Wir haben nicht vorbestellt und müssen ein paar Minuten warten.

Als wir endlich den Raum betreten dürfen, finden wir uns in einer anderen Welt wieder: Klassiker der Rock- und Popmusik laufen hier in einer eher dezenten Lautstärke, die Barkeeper tragen schwarze Hosen, schwarze Westen und weiße Hemden mit Krawatte. Das Licht ist eher gedämpft.

Willkommen in der Imperial Crafts Cocktail Bar! Das Interieur stammt aus einer komplett anderen Zeit:

Bilder von Königin Victoria und anderen britischen Monarchen hängen an der Wand. Der Fernsprecher aus der Wand stammt aus Zeiten von Anno Tobak. Eine Getränkekarte gibt es nicht: Man muss einen QR-Code mit dem Smartphone scannen, um sich einen Überblick über die Drinks holen zu können.

Sogar die Gläser sind passend zum Ambiente: Selten hat man sich so schnell in einen Laden verliebt, wie hier.

Das vorhandene WLAN in der Bar ist ein Glück, ich hätte sonst vermutlich alle paar Minuten zur Tür geblickt, um zu sehen, ob eventuell Thomas Edward Lawrence – aka Lawrence von Arabien – oder General Edmund Allenby in den Laden reitet.

Wahlweise auf einem Kamel oder hoch zu Ross.

Ella in der Imperial Crafts Cocktail Bar in Tel Aviv! (Foto: Peter Ansmann)
Ella in der Imperial Crafts Cocktail Bar in Tel Aviv! (Foto: Peter Ansmann)

Mit anderen Gästen ist man – fast zwangsläufig – schnell im Gespräch: Der Platz ist begrenzt, der Andrang ist groß, aber nicht zu groß: Wenn ein Ort auf diesem Planeten die Beschreibung „perfekte Entspannung mit Spirituosen in gepflegter Atmosphäre“ verdient, dann vermutlich diese Bar. Mit dem Chef-Barkeeper, der aus Südafrika stammt, kommen wir ins Gespräch. Sein Vater ist Deutscher. Aus Hamburg. Wir sprechen über Musik, ihm fällt der Name eines bekannten Sängers nicht ein. Ich zeige Fotos der Flippers, von Tony Marshall und von Howard Carpendale.

Nein, die meint er nicht.

Er geht aus der Bar und kommt ein paar Minuten später zurück:

Zeigt auf seinem Smartphone ein Video – in dem Herbert Grönemeyer „Bochum“ singt.

Auch in Tel Aviv kann man wohl dem Ruhrgebiet nah sein.

Bei unserem späteren Besuchen im Juni, ist der Barkeeper nicht mehr dort angestellt.

Ella hält die Bar inzwischen am laufen. Sie interessiert sich für unsere bisherigen Aktivitäten in Israel, gibt Tips. Und sorgt dafür, dass wir eine weitere Spezialität des Landes, aus Jerusalem, kennenlernen: Thinkers Jerusalem Dry Gin!

L’Chaim!

Hier im Blog  geht es demnächst weiter mit Israel erleben – Teil 4: Jerusalem!

Weitere Informationen:
Die offizielle Facebook Seite des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro – Besuch Israel!

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