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Israel-Gegner beim Steiger-Award: Henning Mankell hält Laudatio in Bochum

Mag Selbstmordattentäter: Henning Mankell - Foto by Dr. Jost Hindersmann

Mag Selbstmordattentäter: Henning Mankell - Foto by Dr. Jost Hindersmann

Am 17. März erstarrt Bochum in Ehrfurcht. Zum 8. Mal werden in der Jahrhunderthalle Menschen für ihr Engagement ausgezeichnet – der „Steiger-Award“ möchte diejenigen ehren, die sich für „Offenheit, Menschlichkeit, Geradlinigkeit, Toleranz“ einsetzen. Jüngst standen vor allem die teils mehr als fragwürdigen Preisträger in spe im Fokus der Berichterstattung.

So erhält etwa „Königin Silvia von Schweden (…) den Steiger Award in der Kategorie ‚Charity‘, für ihr Engagement für Kinder und Jugendliche.“ Hierbei dürfte es allerdings eher um den dekorativen Effekt blauen Blutes gehen. Diesen Eindruck jedenfalls erweckt der sich anbiedernde Infotext auf der Award-Website, untertänigst rapportiert dieser: „Ihre Majestät, selbst Mutter von drei Kindern, engagiert sich u.a. in der World Childhood Foundation, die in über 15 Ländern der Erde aktiv ist sowie im Projekt ‚Mento‘, einer globalen Kampagne im Kampf gegen Drogen.“

Seltsame Gäste

Neben „ihrer Majestät“ sorgte ein anderer Preisträger im Vorfeld für weit größere Irritationen. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan wird in der Kategorie „Europa“ ausgezeichnet. Dagegen regt sich nun Kritik, widerspricht Erdogan den ausgewiesenen Fixpunkten für eine Nominierung, „Offenheit, Menschlichkeit, Geradlinigkeit und Toleranz“, doch in eklatanter Weise. Unvergessen sein mittlerweile geflügeltes Wort „Assimilation ist eine Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ von 2008, als er auf Deutschlandbesuch war. Während sich die Lokalpolitik, allen voran die FDP, alamiert zeigt, erklärt  der Veranstalter der Preisverleihung, Sascha Hellen, es gehe ja nicht um einzelne Personen. Erdogan erhalte den Award vielmehr „stellvertretend für die 50-jährige deutsch-türkische Freundschaft“. Bemerkenswert: In der „offiziellen Pressemitteilung des Steiger Awards“ taucht Erdogan nicht mehr auf, eine Distanzierung von seiner Person ist bislang nicht verkündet worden.

Fernab der Strahlkraft der Erdogan-Episode, tummeln sich in den Reihen der Laudatoren Kaliber, die es ebenfalls in sich haben. Die Rede ist hier nicht vom Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder, der im Zuge der offensichtlich manipulierten russischen Präsidentschaftswahl vor einigen Tagen seinen alten Standpunkt bekräftigte, bei Putin handele es sich um einen „lupenreinen Demokraten“.

Nein, der Gastredner, dessen Berufung den eigentlichen Skandal darstellt, ist der schwedische Bestseller-Autor Henning Mankell (der auf der Steiger-Award-Website fälschlicherweise mit nur einem „L“ geschrieben wird). Der Erfinder der Wallander-Krimis, Alt-68er und Maoist, fällt immer wieder durch israelfeindliche, zum Teil als antisemitisch bezeichnete Ausfälle negativ auf.

Mankell und die Juden

2009 bereiste Mankell die Palästinensergebiete. In seinem Reisebericht nannte er Israel ein „Aphartheidssystem“, die israelische Sperranlage, die die Zahl palästinensischer Selbstmordattentäter radikal reduzierte, verglich er mit der Berliner Mauer. Apropos Selbstmordattentäter: Für diese hatte Mankell schon immer eine Schwäche. Die Neue Züricher Zeitung zitiert:

Angesichts der verzweifelten Lebensumstände der Palästinenser sei es nicht verwunderlich, «dass sie sich entscheiden, sich in einen Selbstmordbomber zu verwandeln. (. . .) Verwunderlich ist nur, dass es nicht mehr tun.»

Israel spricht er das Existenzrecht ab, auch ist er Gegner der Zwei-Staaten-Lösung. Mankell:

„Jene, die eine Zwei-Staaten-Lösung vertreten, denken falsch … Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist.“

Auch sehe er „keinerlei Gründe dafür, dass [die israelische Staatsgründung] eine völkerrechtlich legitime Handlung war.“ Israel ist für ihn das Äquivalent zu Südafrika unter der Apartheid. Am liebsten würde er den Juden eigenhändig Vernunft einbläuen, zumindest suggeriert er dies, wenn er sagt:

„Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird. Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise.“

Wen wundert es da, dass Hennig Mankell mit an Bord der antizionistischen Propaganda-Flotte „Marvi Marmara“ war? Das „Solidaritätsschiff“, welches Ende Mai 2010 von der Türkei Richtung Gaza aufbrach, machte keinen Hehl aus ihrer Mission. Man wolle „die Blockade brechen“, hieß es. An Bord befanden sich neben Mankell, Mitglieder der türkischen Partei Büyük Birli Partisi (BBP), welche vom deutschen Verfassungsschutz als rechtsradikal eingestuft werden. Die BBP war mutmaßlich an der Ermordung des armenischen Publizisten Hrant Dink im Jahre 2007 beteiligt. Auch Hamas-Unterstützer waren auf dem Schiff, so etwa der Verein „Al-Aqsa e.V.“, der unter anderem Angehörige von Selbstmordattentätern finanziell unterstützt.

Zeugen zufolge soll bei der Abfahrt des Schiffes „Tod den Juden!“ und „Intifada bis zum Sieg!“ skandiert worden sein. Auch ein Klassiker des antisemitischen Hassgesangs wurde zum Besten gegeben. In Anspielung auf einen überlieferten Feldzug des Propheten Mohammed gegen die Juden Chaibars im Jahr 628, rief die Menge:

Chaibar, Chaibar, ya yahud, dschaisch Mohammed saya’ud”  (Chaibar, Chaibar, oh ihr Juden! Mohammeds Heer kommt bald wieder!“)

Erdogan und Mankell: Brüder im Geiste

Es ging also von Anfang an nicht um die Übersendung von Hilfsgütern, welche auch an Bord waren. Das wird dadurch deutlich, dass die vorgeblichen Gaza-Unterstützer sich weigerten, ihre Hilfsgüter nach dem Aufhalten der Marvi Marmara den israelischen Behörden zu übergeben. Diese hatten angeboten, die Fracht zu prüfen und anschließend in den Gaza-Streifen zu transportieren. Es ging um die pure Provokation, um die Inszenierung eines Skandals. Mit Erfolg: Nachdem sie mit Messern, Eisenstangen und sonstigen Nahkampfwaffen angegriffen und teils über Bord geworfen wurden, töteten IDF-Soldaten neun Gotteskrieger an Bord des Schiffes – der Propaganda-Coup war perfekt.

Die eigentliche Skandal-Besetzung ist also nicht Erdogan, obgleich er sich mit Mankell in bester Gesellschaft wähnen kann. Erdogan lässt kaum eine Gelegenheit aus, sich antiisraelisch zu gebärden, wenn es ihm opportun erscheint. Und Mankell? Ihm werden die Preise nur so hinterhergeschmissen, in den letzten 20 Jahren erhielt er ganze 15 Preise, zuletzt 2009 den „Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis“ der Stadt Osnabrück. Die Veranstaltung am 17. März, bei der die Eintrittskarte stolze 175 Euro kostet, kann also nach hinten losgehen. Gerade vor dem Hintergrund aktueller israelischer Präventivschlagsdrohungen gegen den atomaren Aggressor Iran, haben die Herren Erdogan und Mankell sicher Interessantes zu erzählen.

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14 Kommentare zu “Israel-Gegner beim Steiger-Award: Henning Mankell hält Laudatio in Bochum

  • #1
    Klaus

    „Erdogan und Mankell“

    Hier wäre doch mal eine Stellungnahme des Zentralrats der Juden wichtig.

  • #2
  • #3
    Henk

    @ Klaus: Warum soll der Zentralrat der Juden Stellung nehmen? Was soll der anderes feststellen als jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand? Gegen Antisemitismus muss ja nicht immer nur der ZdJ auf die Barrikaden gehen, das können wir alle tun.

    Irre, diese Awards…

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  • #6
    DerBöse

    Zum Ende des Jahres [2011] sind 30 Schriftsteller zu Gefängnisstrafen verurteilt, mehr als siebzig befinden sich in Untersuchungshaft und harren ihres Prozesses, 25 wurden ins jüngster Vergangenheit verhaftet. Die einzelnen Fälle sowie ihre große Zahl werfen ein trauriges Licht auf das Vorgehen der Justiz in der Türkei[…]

    http://www.pen-deutschland.de/htm/aktuelles/presse/pm_2011-12-30.php

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  • #8
    rasim

    Ich habe mich überrascht als ich gelesen habe dass man erdogan mit ein steiger award krönen das angeblich weil der ist tolerant,demokrat und tut für europa was.Ich denke das ist nicht das grund für diese zeichnung,viel mehr der bekommt diese zeichnung wegen seine antisemitische also antiisraileische haltung.Wenn ich Orhan PAMUK denke der ist auch mit Nobel gekrönt weil der , sein volk mit armenische völkermord beschuldigt hatte.Das meine meinung nach was in der türkei passiert wollen europäer nicht sehen nicht hören nicht lesen die spielen drei schimpanzen.In der türkei zur zeit hundert journalistin sitzen in gefängnis,studenten,akademiker,offiziere weil sie gegen erdogan und gegen ABD sind das passte erdogan nicht weil der will in der türkei eine neu-osmanische reich haben.Ich denke diejenigen erdogan als demokrat bezeichnen die müssen zuerst an spiegel schauen dann überlegen.

  • #9
    Yehudit Bracha Bachman

    Ich verwundere mich über nichts, was den Antisemitismus angeht, das ist eh sehr „in“ gegen Israel zu sein, egal weshalb, warum und wozu. Es gehört beinahe zum guten Ton gegen Israel die Säbeln zu rasseln! Eigentlich sollte ich mich nicht darüber aufregen aber ich tue es immer wieder, leider! Die Menschen die hier im sicheren Europa leben, haben keine Ahnung vor allem was den Islam betrifft der Israel nichht haben will im Nahen Osten, aber hier wird edinfach stur und dumm nachgeplappert wenn es gegen Israel geht. Hatten wir das nicht schon lam in Europa??? habt ihr nichts gelernt daraus??? es geht doch hier nicht um den Zionismus wie ständig behauptet wird, sondern um das Existenzrecht Israels und dem Jüdischen Volk als Ganzes. Das sollte ihnen abgesprochen werden! Die 1 Mio. Jüdischer Kinder die abgeschlachtet worden waren in der Schoah,wussten nämlich nichts von Zionismus! Es ist nur Hass da gegen die Juden überhaupt und dieser Hass ist zwar unerklärlich aber er hört nie auf bis der Maschiach kommt!!!

  • #10
    Muharrem Kürtbagi

    Ich wundere mich immer wieder mal warum die Deutsche Nachrichtengebung Türkei mit Sanft Handschuhe anfassen tut. Ich höre nie in den Nachrichten was mit den Kurden Passiert, ich höre nie in den Nachrichten über Menschen die Jahrelang ohne Urteil in den Gefängnissen sitzen. Warum ??? Weil Sie Türkei brauche, gegen Irak und Syrien. Der Kommentator vergisst hier was ganz wichtiges Erdogan und Netanjahu sind Gleichberechtigte Vorsitzender der Grosen Nahost Projekts.

  • #11
    Gast

    Fürs nächste Jahr sollte der Steiger-Award dem syrischen Präsidenten Assad verliehen werden. Wie Recep Tayyip Erdogan hat sich auch Bashar al-Assad unter schwierigsten Bedingungen für Demokratie, Meinungsfreiheit und Reformen eingesetzt – trotz terroristischer Angriffe durch von ausländischen Kräften finanzierte Rebellen, trotz Anfeindungen durch das traditionell anti-arabisch eingestellte Israel, das noch immer Teile des syrischen Staatsgebiets völkerrechtswidrig besetzt hält, und trotz schwierigster wirtschaftlicher Bedingungen, hervorgerufen durch fehlgeleitete Boykott-Entscheidungen der EU und der USA, die in Wahrheit den Iran treffen sollen.

    Dennoch hat er – buchstäblich unter Beschuss von Terroristen – ein Referendum durchgeführt, hunderte von Gefangenen begnadigt, den Dialog mit der Opposition gesucht und internationalen Pressevertretern – beispielhaft sei hier nur die deutsche Korrespondentin der Jungen Welt, Karin Leukefeld genannt – freien Zugang und Schutz gewährt, damit sie vorurteilslos aus den von Terroristen schwer in Mitleidenschaft gezogenen Gebieten berichten konnten.

    Diese Bemühungen um Demokratie, Freiheit und Reform, die leider von den meisten deutschen Massenmedien verzerrt bzw. in ihr Gegenteil verkehrt dargestellt worden sind, sind m. E. absolut preiswürdig. Sollte das auf Unverständnis stoßen, sollte man erklären, dass Assad den Preis stellvertretend für das syrische Volk erhält, das in den schweren Zeit zu ihm gehalten hat, damit er den arabischen Frühling auch in Syrien durchsetzen konnte.

    Für die Laudatio schlage ich den nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz vor, der sich als ausgezeichneter Kenner der nahöstlichen Verhältnisse seit Jahren um einen gerechten Ausgleich zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn und den Frieden im Nahen Osten verdient gemacht hat.

  • #12
    Peter Zangerl

    Zitat: „In der ‚offiziellen Pressemitteilung des Steiger Awards“ taucht Erdogan nicht mehr auf,..'“

    Na ja, so ganz stimmt das nicht. Diese Seite mit ihrem herrlichen Kitschfoto ist nach wie vor aufrufbar:

    http://www.der-steiger-award.de/de/aktuelles/55-preistraeger-2

  • #13
    Martin Niewendick

    @Peter, Das ist inzwischen richtig, bevor die Stellungnahme allerdings unter „Aktuelles“ (und auf der Hauptseite) geparkt wurde, befand sich dort eine Pressemitteilung – in der fehlte Erdogan.

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