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Jako: Der Anfang vom Ende der Abmahnanwälte?

Horn & Kollegen und die Anwältin Iris Sanguinette. Abmahnen war für viele Anwälte bislang ein einfacher Weg Geld zu verdienen. Das könnte sich jetzt ändern.

Ausriss: Horn.biz Die Kontaktdaten wurden entfernt

Die Sache zwischen Trainer Baade und Jako hätte so schön geregelt werden können: Trainer Baade lästert ein wenig über das neue Logo von Jako, Jako kommentiert im Blog von Trainer Baade und beschwert sich meinetwegen auch über den Vergleich mit Aldi und Lidl, ein paar andere Leser diskutieren und die Sache wäre für alle gut ausgegangen: Trainer Baade hätte auf seinem Blog eine interessante Diskussion gehabt, Jako wäre mit Kunden in Kontakt gekommen und hätte gezeigt, wie dass so geht mit der Streitkultur im Internet. 

Dumm nur, dass das Unternehmen eine Kanzlei beauftragte und die Kanzlei Baade nicht nur einmal abmahnte, sondern immer mehr Geld von ihm wollte. Das hat weniger mit den Interessen des Kunden zu tun, wie Jako im Augenblick  schmerzhaft erfahren muss, sondern mit den Interessen der  Kanzlei: Mit Abmahnungen können Anwälte einfach und schnell Geld verdienen: Ein paar hundert Euro für einen Brief der aus ein paar Textbausteinen besteht und eine Briefmarke lohnen sich - zumindet früher. Die Betroffennen, häufig in Rechtsfragen unsicher und vielleicht auch knapp bei Kasse, wehrten sich nicht oft. Ein schönes Geschäftsmodell. Das geht langsam aber sicher dem Ende entgegen: Unternehmen werden es sich künftig dreimal überlegen, ob sie Blogs auch künftig so schnell abmahnen wie bislang oder nicht eher den Dialog suchen. Sollte es nicht nicht um harte Rechtverstöße wie die Verbreitung plumper Lügen etc. handeln allemal der bessere Weg.

Für einige Anwälte könnte so allerdings ein Geschäftsmodell wegbrechen - Abmahnungen sind um so ein Vielfaches attraktiver als Prozesse, auf die man sich vorbereiten muß und die man dann trotzdem verlieren kann. Und Frau Sanguinette wird irgendwann einmal vieleicht einem neuen  Arbeitgeber erklären müssen, was sie denn so unter der Wahrung des Mandanteninteresses versteht - sollte der Google kennen, wird sie eventuell ein Problem haben. Jako aber kann, wenn es das Unternehmen will, einfach aus der Sache raus: Kanzlei wechseln, Sanguinette wird das Bauernopfer, gütliche Einigung mit Trainer Baade und  das Schlimmste ist vorbei.

Horn & Kollegen und die Anwältin Iris Sanguinette. Abmahnen war für viele Anwälte bislang ein einfacher Weg Geld zu verdienen. Das könnte sich jetzt ändern.

Ausriss: Horn.biz Die Kontaktdaten wurden entfernt

Die Sache zwischen Trainer Baade und Jako hätte so schön geregelt werden können: Trainer Baade lästert ein wenig über das neue Logo von Jako, Jako kommentiert im Blog von Trainer Baade und beschwert sich meinetwegen auch über den Vergleich mit Aldi und Lidl, ein paar andere Leser diskutieren und die Sache wäre für alle gut ausgegangen: Trainer Baade hätte auf seinem Blog eine interessante Diskussion gehabt, Jako wäre mit Kunden in Kontakt gekommen und hätte gezeigt, wie dass so geht mit der Streitkultur im Internet. 

Dumm nur, dass das Unternehmen eine Kanzlei beauftragte und die Kanzlei Baade nicht nur einmal abmahnte, sondern immer mehr Geld von ihm wollte. Das hat weniger mit den Interessen des Kunden zu tun, wie Jako im Augenblick  schmerzhaft erfahren muss, sondern mit den Interessen der  Kanzlei: Mit Abmahnungen können Anwälte einfach und schnell Geld verdienen: Ein paar hundert Euro für einen Brief der aus ein paar Textbausteinen besteht und eine Briefmarke lohnen sich – zumindet früher. Die Betroffennen, häufig in Rechtsfragen unsicher und vielleicht auch knapp bei Kasse, wehrten sich nicht oft. Ein schönes Geschäftsmodell. Das geht langsam aber sicher dem Ende entgegen: Unternehmen werden es sich künftig dreimal überlegen, ob sie Blogs auch künftig so schnell abmahnen wie bislang oder nicht eher den Dialog suchen. Sollte es nicht nicht um harte Rechtverstöße wie die Verbreitung plumper Lügen etc. handeln allemal der bessere Weg.

Für einige Anwälte könnte so allerdings ein Geschäftsmodell wegbrechen – Abmahnungen sind um so ein Vielfaches attraktiver als Prozesse, auf die man sich vorbereiten muß und die man dann trotzdem verlieren kann. Und Frau Sanguinette wird irgendwann einmal vieleicht einem neuen  Arbeitgeber erklären müssen, was sie denn so unter der Wahrung des Mandanteninteresses versteht – sollte der Google kennen, wird sie eventuell ein Problem haben. Jako aber kann, wenn es das Unternehmen will, einfach aus der Sache raus: Kanzlei wechseln, Sanguinette wird das Bauernopfer, gütliche Einigung mit Trainer Baade und  das Schlimmste ist vorbei.

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19 Kommentare zu “Jako: Der Anfang vom Ende der Abmahnanwälte?

  • #1
    Consigliere

    „Prozesse, auf die man sich vorbereiten muß und die man dann trotzdem verlieren kann“ – ja genau, als ob der RA dann nicht bezahlt werden müsste und umsonst gearbeitet hätte.

    So lange es das -an sich durchaus sinvolle< Instrument der Abmahnung gibt, werden RAe auch ihren Mandanten raten, es zu nutzen, statt kostenträchtig gleich vor Gericht zu gehen.

    Hinsichtlich der „Wahrung des Mandanteninteresses“ kann hier keiner beurteilen, ob das nicht alles erst nach Rücksprache/Freigabe durch die Mandantin in die Wege geleitet wurde.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Consigliere: Im Falle von Trainer Baade wäre Kommunikation für Jako besser gewesen als der Rechtsweg. Und der Fall „Jako“ ist kein Einzelfall. Das Feld der Auseinandersetzung könnte sich verlagern – weg von der juristischen Auseinandersetzung hin zur Kommunikation. Anwälte würden von dieser Entwicklung nicht profitieren.

  • #3
    McP

    Merkwürdige Kanzlei, die treten unter etlichen Webadressen auf, jeweils mit modifizierten Design und Inhalten.

    Nach oberflächlicher Recherche:

    http://www.rechtsanwalt.biz
    http://www.erbrecht.biz/
    http://www.einkommensteuer.de/
    http://wirtschaftsrecht.org/
    http://www.zollfahndung.com/
    http://www.steuerfahndung.de

  • #4
    Karl Keule

    Also ich sage mal, wenn das wirklich so kommen würde, wie beschrieben, dann hat es eins gezeigt:

    Ein Hoch auf die BloggerGemeinde in Deutschalnd, das ist richtige Bloggersolidarität.

    Und ein alter Spruch kommt wieder zu neuen Ehren: Gemeinsam sind wir stark!

    Hausmeisterlichen Gruß
    Karl Keule

  • #5
    Klaus

    Der GAU für Jako ist da: Spiegel online berichtet:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,646524,00.html

    Schön ins eigene Knie geschossen 🙂

  • #6
    Paellamixta

    Hallo ihr alle dort

    Ich finde ja TOLL das ihr Baader helft entlich
    aber denkt mal an die vielen anderen die schon
    Abgemahnt wurden und auch nicht das Geld haben es zu bezahlen die für mich legale Abzocke. Weil doch nur jemand eine Banane oder Apfel oder Torte mit in sein Boot genommen hat für seine Geburtstagsfeier oder seinen Verein
    oder sonst welche wichtigen Angelegenheiten oder ein Auszug aus Strassenkarten als Wegweisewr für seine Freunde oder auch Kunden und die Anwälte sind immer dabei und halte die Hände auf und Taschen.
    Schlimm ist nur das der Staat da zusieht was da so getrieben wird und Richter dadurch auch was davon haben
    mehr Arbeit ( ??? ) oder verdient dadurch das Finazamt auch noch mit? Das sind alles Fragen und Antworten und ion Staat Deutschland kümmer sich keiner mal drum, das nun entlch ENDE damit ist der Abzocke von Rechtsanwälten und und und …….. Frau Kanzlerin ich würde da schnell mal was Positives machen bringt bestimmt mehr Stimmen.

    Also weiter und drauf dem Jako die Hörmner nehmen und den Rechstanwälten die lust am Geldspass verderben.

    DIE WELT EINSCHMIEREN THEATER LEIDER UND SCHADE??????

  • Pingback: mediaclinique | ralf schwartz

  • #8
    Fritz

    Was sagen eigentlich Aldi und Lidl dazu, dass der Vergleich mit ihnen als Schmähkritik abgemahnt wird ?

    Ist das nicht eine gegen Aldi und Lidl gerichtete Schmähkritik ?

  • #9
    ali baba

    Erst gestern habe ich und ein Kumpel mehrere Trikots (T-Shirts) von Eintracht Frankfurt gekauft werde es morgen sofort zurück gebe ohne mist. Solche Firmen darf man nicht unterstützen.
    Ich frage mich wiso deren Internet Seite nicht geht haben die Angst ????

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @ali baba: Gestern ging sie noch. Ich denke die Site ist nicht auf den aktuellen Besucherandrang eingerichtet.
    @Fritz: Frag ich mich auch. An Stelle von Aldi und Lidl wäre ich verschnupft.
    @McP: Ich glaube der Satz „Je mehr Internetseiten umso besser der Anwalt“ hält nicht jeder Überprüfung stand. 🙂

  • #11
    Michael

    Ich wurde auch schon wegen einem Comic Bild von U. S. abgemahnt. Hatte unterschrieben und das Bild gelöscht. Nach langem hin und her (Vorderung von ca. 5000 Euro) habe ich gesagt (nach Beratung mit einer Kanzlei) dass wir nichts zahlen und uns eine Rechtsprüfung derer Tätigkeit überlegen. Seit dem ist nichts mehr von den Banditen gekommen… Ich würde ja gerne Namen nennen…

  • Pingback: sofastar » News about JAKO | sit down relax

  • #13
    lebowski

    Auf welcher rechtlichen Grundlage operieren denn solche Abmahnanwälte eigentlich? Mir wurde schon eine wegen Abmahnung eines fehlenden Impressums geschickt.
    Ich erhalte ein Abmahnschreiben und soll Strafe zahlen. Kann ich demnächst auch einen Falschparker, der vor meiner Bude sein Auto regelwidrig parkt, eine Abmahnung schicken und 1000 ? Strafe fordern? Das wäre gut, denn dann wäre ich innerhalb weniger Tage reich und könnte mir das lästige Arbeiten sparen.
    Ist diese ganze Abmahnsoße nicht eine elaborierte Form der Schutzgelderpressung?

  • Pingback: Abmahnung gegen Blogger Frank Baade als Negativ-Viralwerbung - datensicherheit.de Informationen zu Datenschutz und Datensicherheit

  • #15
    Eva

    Ob wir in Deutschland überhaupt in einem Rechtsstaat leben, bezweifele ich schon seit langem. Nicht nur Abmahnungen sind ein lohnenswertes Geschäft für Anwälte, es werden auch Klagen eingereicht, nur damit der Anwalt ein Honorar bekommt. Dies habe ich am eigenen Leib erfahren müssen. Ein Bochumer Möbelhaus hatte es in einer ersten Verhandlung geschafft, mich über ein Gerichtsurteil dazu zu zwingen, den vollen Kaufpreis für ein Bett zahlen zu müssen, obwohl dieses mit zahlreichen Mängeln und ohne die im Verkaufsgespräch ausgewiesene Eigenschaft „Massivholz“ geliefert worden war. Dieser unerwartete Erfolg beflügelte die Gegenseite offenbar derartig, dass sie sich angespornt sah, eine weitere Klage auf 250 000 ? Schadenersatz oder ein halbes Jahr Haft wegen angeblicher Rufschädigung einzureichen. Die Richter beugten sich diesen absurden Forderungen nicht mehr ungeteilt, kamen den Wünschen der Gegenseite aber dennoch entgegen, da sie dem gegnerischen Anwalt ein Honorar in Höhe von 1500 ? auf meine Kosten zusprachen. Diese Art von Klagen, so klärte mich eine rechtskundige Person nachher auf, bezeichnen die Insider als „Gebührenklagen“. Es geht dabei nur darum, dass der Anwalt und evtl. das Gericht was verdienen.
    Ob Recht gesprochen wird oder nicht, scheint vielen der damit beschäftigten Personen weitgehend egal zu sein. Sie entfesseln ein um sich selbst drehendes, weitgehend sinnfreies Treiben, das nur dem Zweck dient, das eigene Portemonnaie zu füllen.

  • #16
    John Dean

    Oh, oh, die diversen Internet-Adressen dieser Kanzlei. Das könnte ein Problem werden, ein standesrechtliches Problem wäre denkbar, und – was für ein Treppenwitz – diverse Abmahnungen von Kollegen ebenso.

    Gottlob gehöre ich zu den Laien (nicht: Leyen), und insofern haben meine Mutmaßungen nur geringes Gewicht. Nunja. Ich denke, die Kanzlei würde ganz gut damit fahren, wenn sie sich ebenfalls entschuldigen würde.

  • #17
    Till E.

    Autor: taz.de – Startseite
    Betreff: Abmahnung fallen gelassen: Jako entschuldigt sich

    Der Sportartikelhersteller Jako entschuldigt sich bei Frank Baade und verzichtet auf weitere Forderungen an den bloggenden Fußballtrainer. mehr…
    Mehr zum Thema: http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/jako-probt-streisand-effekt/
    Abmahnwahn gegen Blogger: Jako und die „Schlurchmarke“

    🙂 Bloggen macht Spaß

  • #18
    Fritz

    Wie funktioniert das Abmahngeschäft ?

    Ich vermute, dass jemand per Suchmaschinen nach der Namensnennung der Firma sucht und bei Nichtgefallen der Fundstelle Meldung macht. Gibt es dafür externe Dienstleister, oder geschieht das Haus-intern, evtl auch in der Anwaltskanzlei?

    Wenn nun so ein unerwünschtes Posting gefunden worden ist, wer entscheidet, ob abgemahnt wird ? Braucht es für jede Abmahnung einen eigenen Auftrag, oder hat die Anwaltskanzlei Generalvollmacht, nach eigenem Gutdünken abzumahnen ?

    Im zweiten Fall sehe ich einen möglichen Interessenkonflikt zwischen der Wahrung des guten Rufs der Firma und der Einnahmensteigerung der Anwaltskanzlei.

  • #19
    Christoph

    Kleine Randnotiz: Sehr amüsant finde ich die Tatsache, dass die Frau Sanguinette als Spezialtätigkeit „Mediatorin“ im Profil stehen hat. Ich hätte ja gesagt es geht dabei um die Herbeiführung von gütlichen Einigungen bei 2 oder mehr streitenden Parteien. Aber scheinbar ist das dann doch das Synonym für „Chefabmahnerin“, um privat Personen hohe Anwaltskosten aufzuzwingen…

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