Kasparow über Trump und Putin: klare Kante statt Diplomatie

Der russische Oppositionspolitiker Garri Kasparow übt gewohnt scharfe Kritik an Putin und Trump | Foto: wikipedia / Golos Ameriki / gemeinfrei

Garri Kasparow wurde 1963 in Baku geboren und prägte über Jahre die internationale Schachszene. Er galt als einer der stärksten Spieler seiner Zeit und gewann zahlreiche Titel. Nach dem Ende seiner Profikarriere wandte er sich der Politik zu und trat als Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf. Seit mehreren Jahren lebt Kasparow im Exil und äußert sich regelmäßig zu politischen Entwicklungen in Russland – sowie zum Krieg gegen die Ukraine. In einem aktuellen Interview beim youtube-Kanal „Chodorkowski LIVE“ äußert er sich betont kritisch über Trump, Putin und die Nato.

Garri Kasparow hat in diesem Gespräch US-Präsident Donald Trump wiederholt scharf attackiert und ihm im Kontext des Ukraine-Kriegs eine klare Eigeninteressen-Politik vorgeworfen. „Trump handle vor allem für sich selbst“, sagt Kasparow im Interview – und er sei getrieben von Geld, Einfluss und persönlichem Ruhm. In der aktuellen Lage bedeute das faktisch, dass Trump immer mit einem Bein „auf Putins Seite“ stehe. Seine Entscheidungen hätten Russland indirekt gestärkt, indem er die Unterstützung für Kiew zeitweise ausgebremst und damit Moskau zusätzlichen Handlungsspielraum verschafft habe. Auffällig sei zudem, dass Trump autoritäre Staatschefs deutlich milder behandle als demokratische Politiker.

Der Oppositionsaktivist relativierte zugleich, dass Trump in den USA keineswegs frei schalten und walten könne: „Die Institutionen wirkten als klare Begrenzung, schließlich sei das Land keine Diktatur“, sagte der Putin-Kritiker. Gleichzeitig äußerte er Spekulationen über mögliche Verbindungen Trumps nach Russland – stellte aber ausdrücklich klar, dass es dafür keine gesicherten Beweise gebe. Es gebe lediglich Indizien, die solche Vermutungen begünstigten, etwa Trumps finanzielle Entwicklung nach mehreren Insolvenzen. Auch eine mögliche russische Einflussnahme auf US-Wahlen nannte er „offensichtlich“, ohne dies im Detail zu belegen. „Die endgültige Bewertung von Trump“, so Kasparow, „liege bei den amerikanischen Institutionen selbst.“

Trumps Einfluss zeigt erstmals deutliche Risse

Kritik richtete er außerdem an die Demokratische Partei in den USA: Diese habe Trump in der Vergangenheit als politisch schwachen Gegner unterschätzt und ihn bewusst als „leicht zu schlagende Figur“ im Wahlkampf mitgedacht. Diese strategische Fehleinschätzung habe langfristig zur heutigen politischen Lage beigetragen. Der ehemalige Schachweltmeister blickt zugleich auf die kommenden Jahre und sieht erste Verschiebungen im politischen Kräfteverhältnis. Trumps Einfluss wirke nicht mehr ungebrochen, im Senat und auch durch Entscheidungen des Supreme Court formiere sich zunehmend Widerstand gegen seine Politik nach globaler Gutsherrenart. Gleichzeitig warnt er davor, dass manipulative Versuche der Einflussnahme auf künftige Wahlen „nicht auszuschließen“ seien.

Für die nächsten Kongresswahlen rechnet Kasparow mit Vorteilen für die Demokraten – allerdings nur unter einer klaren Bedingung: „Sie müssen ihre internen Machtkämpfe in den Griff bekommen und sich auf einen moderaten, geschlossenen Kurs einigen. Nur dann“, so seine Einschätzung, „sei auch ein Sieg bei der Präsidentschaftswahl realistisch.“

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