Schalke hat Glück gehabt – und zwar öfter als man zugibt

Die Fans auf Schalke sind jetzt schon erstklassig. Foto: Michael Kamps

Beim FC Schalke 04 gehört Understatement traditionell eher nicht zum Repertoire. Malocher-Pathos, große Worte, große Emotionen – alles da. Nur: In dieser Zweitligasaison 2025/26 war „groß“ auf dem Platz erstaunlich selten zu sehen. Stattdessen hangelte man sich sehr häufig durch Spiele, die oft mehr Stückwerk als Fußball waren. Und trotzdem: Punkte fielen auf Schalke-Seite wie Kleingeld aus einer kaputten Parkuhr.

Der Sieg beim SC Paderborn vom vergangenen Wochenende ist dafür das perfekte Symbol. 0:2 hinten, defensiv wacklig wie ein Jenga-Turm kurz vor dem Kollaps – und am Ende steht ein 3:2. Comeback-Qualitäten? Sicher. Aber auch eine gehörige Portion Spielglück, das man sich zwar irgendwie erarbeitet, aber eben nicht jedes Wochenende gepachtet hat.

Aufstieg zum richtigen Zeitpunkt – nicht zwingend verdient

Jetzt also Matchball. Ein Sieg gegen Düsseldorf, und Schalke ist zurück in der Fußball-Bundesliga. Zack, erledigt, abgehakt, Aufstieg perfekt. Und nein: Sollte das passieren, muss sich in Gelsenkirchen niemand entschuldigen. Fußball ist kein Schönheitspreis. Punkte zählen, nicht ästhetische Feinschliffe.

Aber man darf trotzdem die unbequeme Frage stellen: Ist das wirklich eine Aufstiegsmannschaft – oder einfach nur ein Team, das im richtigen Moment weniger Fehler gemacht hat als die Konkurrenz? Hat man nicht allzu häufig auch von der Schwäche der Konkurrenz profitiert? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Schalke hatte in dieser Saison tatsächlich viele Spiele, die auch ganz anders hätten ausgehen können. Sehr viele.

Der Mythos Schalke trägt – aber wie lange noch?

Dass Schalke „nach oben gehört“, ist eine dieser Aussagen, die sich wunderbar anhören und gleichzeitig wenig über die Realität aussagen. Ja, die Strahlkraft ist da. Ja, die Fans sind ein Faktor. Und ja, gerade auch das darbende Ruhrgebiet braucht solche Geschichten.

Aber seit der Vizemeisterschaft 2018 ist beim Klub so viel Substanz verloren gegangen – sportlich wie wirtschaftlich –, dass man sich ernsthaft fragen muss, wie dieses Gerüst in der Bundesliga halten soll. Der Kader wirkt aktuell eher wie ein solides Zweitliga-Konstrukt als wie eine Mannschaft, die sich oben etabliert.

Der Aufstieg wäre also weniger die Rückkehr eines Giganten – sondern eher das Wiederauftauchen eines Traditionsklubs, der sich erst neu erfinden muss. Zumal dann, wenn Starstürmer Edin Dzeko nicht mehr in Königsblau spielt.

Feiern erlaubt – Euphorie eher nicht

Natürlich: Wenn Schalke aufsteigt, wird gefeiert. Und das völlig zu Recht. Diese Fans haben genug gelitten, genug Chaos gesehen, genug Abstürze erlebt. Da darf man auch mal die Nacht zum Tag machen.

Aber Euphorie? Die wäre fehl am Platz. Denn die Probleme verschwinden nicht mit einem Aufstieg. Sie werden höchstens kaschiert – und dann spätestens in der Bundesliga garantiert wieder gnadenlos offengelegt.

Die bessere Haltung wäre also: Bier in der Hand, aber beide Füße auf dem Boden. Schalke ist nah dran am Ziel – doch was danach kommt, wird deutlich härter als alles, was diese Zweitligasaison zu bieten hatte.

Werbung

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
4 Comments
Älteste
Neueste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Marcus
Gast
Marcus
1 Tag vor

Ich frage mich wirklich, ob der Autor diese Zweitligasaison tatsächlich aufmerksam verfolgt hat:

Fußball ist kein Schönheitspreis? Stimmt vielleicht für die Hinrunde, aber in der Rückrunde hat Schalke sehr attraktiven Fußball gespielt.
Gegen Paderborn wackelig wie ein Jenga Turm? Paderborn hatte 4 Schüsse aufs Tor!
Aufstieg nicht zwingend verdient? Bei 6 Punkten Vorsprung auf den 2.? Und das 3 Spieltage vor Schluss? Wahrscheinlich hat auch Bayern die Meisterschaft nicht verdient.
Abhängig von Dzeko? Schalke war Herbstmeister OHNE Dzeko und er hat in der Rückrunde gerade mal 8 Spiele gemacht.

Die Aussagen zu den strukturellen Problemen bei Schalke sind ja sicher richtig, aber die Bewertung der aktuellen Saison hat der Autor doch sehr exklusiv. Aber vielleicht hat auch die schwarz-gelbe Brille den Blick etwas getrübt.

Glück auf!
Marcus

Daniel
Gast
Daniel
1 Tag vor

In den letzten 2 Jahen hatte man 120 Gegentore kassiert. Da ist es logisch, worauf der Fokus am Anfang gelegt wurde. Und als die ersten Experten gegen Ende der Hinrunde davon sprachen, dass unter Muslic nicht mehr viel kommen wird, werden passende Wintertransfers (Adil Aouchiche inzwischen wichtiger als Džeko) gemacht und das System umgestellt. Schalke spielt jetzt offensiver, aber auf einmal „wackelt“ die Abwehr.
Sorry, Kritik ist völlig in Ordnung, aber dann sollte die auch passen.
Nebenbei, wenn man nur die Punktausbeute der Top5 untereinander sieht, sieht man, dass Schalke 20 Punkte geholt hat. Hannover (als zweitplatzierter dieser Auswertung) kommt auf 10.

4
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x