Muslic „passt wie die Faust aufs Auge zum S04“

Michael Kamps feiert den Aufstieg seiner Schalker im Stadion. Foto: privat

Der FC Schalke 04 ist zurück in der Bundesliga – und für Millionen Anhänger im Ruhrgebiet dürfte dieser Moment weit mehr bedeuten als nur einen sportlichen Erfolg. Nach Jahren voller Abstürze, Führungschaos, wirtschaftlicher Sorgen und sportlicher Enttäuschungen schafft einer der traditionsreichsten Vereine Deutschlands die Rückkehr ins Oberhaus. Entsprechend groß ist die Erleichterung rund um Gelsenkirchen.

Einer, der all das hautnah erlebt hat, ist Michael Kamps aus Waltrop, der uns bei den Ruhrbaronen seit Jahren dankenswerterweise mit seinen aktuellen Fotos rund um den Verein versorgt. Als Dauerkarteninhaber, Fanclub-Mitglied bei „Blau Weißes GEsocks Waltrop“ und regelmäßiger Beobachter der königsblauen Achterbahnfahrt blickt er auf eine Saison 2025/26 zurück, die selbst treue Optimisten überraschte.

Zwischen Skepsis und Hoffnung: „Mit dem Aufstieg hätte ich im Leben nicht gerechnet“

Dass Schalke am Ende bereits am 32. Spieltag den Aufstieg perfekt machen würde, war für Kamps zu Saisonbeginn kaum vorstellbar. „Nach den letzten beiden Jahren hätte ich im Leben nicht damit gerechnet“, erklärt er offen. Vielmehr sei seine Hoffnung gewesen, „dass mal Ruhe in den Verein kommt, sich konsolidiert und über einen Platz im Mittelfeld hätte ich mich schon gefreut.“

Umso bemerkenswerter erscheint rückblickend die Entwicklung. Kamps sieht vor allem die strukturellen Veränderungen als Basis des Erfolgs: „Ich kann nur sagen, was für eine gute Entscheidung es war, Frank Baumann in den Vorstand zu holen.“ Danach seien im Verein „an vielen Stellschrauben im positiven Sinn geschraubt“ worden. Mit der Verpflichtung von Miron Muslic begann schließlich auch sportlich die Wende.

Die ersten Saisonspiele beschreibt Kamps noch als „rumpelig und ein auf und ab“. Doch spätestens mit der Konstanz ab dem achten Spieltag wuchs die Hoffnung. „Ab der Winterpause keimte so langsam Hoffnung auf. Aber es war klar, dass dies noch ein schwerer Gang wird.“

Muslic als Glücksgriff: „Er passt wie die Faust aufs Auge zum S04“

Besonders Trainer Miron Muslic avancierte für Kamps zur Symbolfigur des Aufschwungs. „Muslic ist der absolute Traum. Er passt wie die Faust aufs Auge zum S04.“ Was zunächst vielerorts skeptisch betrachtet wurde, entwickelte sich schnell zum Erfolgsmodell.

Kamps hebt insbesondere Muslics Fähigkeit hervor, aus einem begrenzten Kader eine funktionierende Einheit geformt zu haben: „Endlich keine Einzelkämpfer mehr, sondern eine echte Mannschaft, wo jeder um jeden Ball kämpft.“ Genau diese Mentalität sei auf Schalke und im gesamten Ruhrgebiet von zentraler Bedeutung.

Auch die positive Ausstrahlung des Trainers bewertet er als entscheidend: „Seine Positivität überträgt sich auf die Spieler und auch aufs Umfeld, das ja bekanntlich auf Schalke nicht so einfach ist.“ Für Kamps steht fest: „Man merkt bei ihm wirklich, dass er richtig Bock auf Schalke hat.“

Dzeko, Karius und Wintertransfers: Schalke fand plötzlich Qualität

Neben Muslic hebt Kamps mehrere Personalien hervor, die entscheidend zum Aufstieg beitrugen. Torhüter Loris Karius etwa habe sich „wieder zu einer absoluten Granate zwischen den Pfosten entwickelt“. Nach schwierigen Jahren habe er auf Schalke sichtbar zu alter Stärke zurückgefunden.

Besonders euphorisch spricht Kamps jedoch über Edin Dzeko: „Mit Dzeko ging natürlich ein Ruck durch die Mannschaft und auch die Fans.“ Seine Bedeutung gehe dabei weit über Tore und Vorlagen hinaus: „Er hat sofort auf dem Platz geholfen, besonders aber auch mit seiner Präsenz.“

Die Wintertransfers insgesamt bezeichnet Kamps als außergewöhnlich erfolgreich: „Das gab es auch schon lange nicht mehr auf Schalke, dass sämtliche Neuzugänge einschlagen.“ Durch die personellen Verstärkungen wandelte sich Schalke von einem defensiv geprägten Team zu einer offensiveren Mannschaft – mit allen Risiken, aber letztlich großem Ertrag.

Bundesliga-Rückkehr mit Bodenhaftung: „Feiern ja, aber Ruhe bewahren“

Trotz aller Euphorie mahnt Kamps zur Vernunft. Für die Bundesliga brauche Schalke weiterhin kluge Entscheidungen. „Ich hoffe, dass Baumann und der Vorstand wieder ein gutes Händchen bei den Transfers haben.“ Gute Spieler halten, Talente entwickeln und gezielt verstärken – das bleibe angesichts wirtschaftlicher Zwänge ein schwieriger Balanceakt.

Sein Wunsch für die kommende Saison ist klar formuliert: „Ich wünsche mir, dass wir möglichst einige Vereine hinter uns lassen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben – und besonders Ruhe.“

Langfristig denkt Kamps jedoch größer: „Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft die Finanzen wieder in den Griff bekommen, weniger Störungen von außen, viele gute Ergebnisse und dass wir irgendwann wieder oben angreifen können.“

Und natürlich gibt es auch sportlich bereits ein absolutes Highlight, auf das er sich besonders freut: „Am meisten natürlich auf das Spiel der Spiele, das Revierderby. Schalke gegen Dortmund elektrisiert nicht nur das Revier, sondern ganz Fußball-Deutschland.“

Michael Kamps bringt damit wohl genau jene Mischung auf den Punkt, die derzeit viele Schalke-Fans empfinden: grenzenlose Freude über die Rückkehr, gepaart mit der Hoffnung, dass diesmal nachhaltigere Strukturen entstehen. Schalke ist wieder erstklassig – doch damit aus dem Comeback auch eine dauerhafte Rückkehr wird, braucht es nun vor allem eines: Vernunft.

Der Erfolgs-Coach der Schalker verlängerte sein Arbeitspapier bis 2028. Foto: Michael Kamps

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