Das Ende der Dortmunder Innenstadt ist nah

Das Karstadt-Haus am Westenhellweg in Dortmund. Foto: Robin Patzwaldt

Die Entwicklung unsere Innenstädte hier im Ruhrgebiet macht mir schon länger Sorgen. Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich mich hier an dieser Stelle deshalb auch schon häufiger damit beschäftigt und zu Diskussionen angeregt.

Als am Montag die offizielle Nachricht von der angedachten Schließung des großen Dortmunder Karstadt-Hauses am Westenhellweg, was seit ein paar Jahren unter dem sperrigen Namen ‚Galeria Karstadt Kaufhof‘ firmiert, verkündet wurde, war ich trotzdem noch irgendwie geschockt.

Als gebürtigem Dortmunder liegt mir das Wohl meiner Heimatstadt schon Zeit meines Lebens besonders am Herzen. Als Jugendlicher und junger Erwachsener bedeutete mir die Innenstad in Dortmund sehr viel. Jede Woche bin ich von meinem Wohnort Waltrop dorthin gefahren und habe dort fast alle Dinge, die über den Bereich der Lebensmittel hinausgingen, eingekauft.

Im Laufe der Zeit wurden meine Besuche dort immer weniger. Das hatte verschiedene Ursachen. Einerseits kam das Internet auf, was viel auch meiner persönlichen Kaufkraft an sich zog, andererseits entdeckte ich für mich ‚die große weite Welt‘. Dortmund schien mir infolge dessen immer weniger interessant.

Bei Karstadt in Dortmund kaufe ich inzwischen schon seit Jahren so gut wie gar nichts mehr. Der Schrumpfungsprozess des Konzerns, der in der Heimatstadt des BVB unter anderem das ‚Sporthaus‘ und das ‚Einrichtungshaus‘ gekostet hat, war ein Grund dafür.

Ein Gang in das verbliebene große Karstadt-Haus am Westenhellweg reizt mich kaum noch. Ganz ohne diese Institution kann und will ich mir Dortmund trotzdem irgendwie nicht vorstellen. Die Konsequenzen, wenn das Haus tatsächlich Ende Januar 2024 aus der Fußgängerzone verschwinden wird, werden dramatisch sein.

Die verbliebene Anziehungskraft der City wird durch das Ende des letzten Karstadt-Hauses einen weiteren, vielleicht einen tödlichen Schlag erleiden. Wenn man bedenkt, dass inzwischen offenbar auch die einst mit viel Euphorie begrüßte Thier-Galerie mit Attraktivitätsproblemen zu kämpfen hat, wie kürzlich ein Sprecher in der WDR-Lokalzeit Dortmund hatte durchblicken lassen, als die Kollegen von einem Rollschuhevent in der Mall berichteten, was wieder mehr junge Leute anlocken soll, ein beängstigender Gedanke.

Wenn jetzt Diskussionen über Zukunft solcher Kaufhäuser geführt werden, steht zu befürchten, dass es dafür längst zu spät ist. Der Gedanke an die Zukunft der Dortmunder Innenstadt ist schlicht beängstigend. Die Anziehungskraft der verbliebenen Geschäfte hatte zuletzt schon massiv nachgelassen.

Ohne Karstadt dürfte es noch einmal deutlich schwieriger, wenn nicht gar unmöglich werden die Innenstadt zu beleben. Wenn man dazu bedenkt, dass Dortmund früher einmal zusammen mit München, die einzige deutsche Großstadt war, in der alle führenden Kaufhausketten präsent waren, und wir dann in Zukunft nahezu ohne dastehen dürften, wird einem Angst und Bange. Wer erinnert sich heute schon noch an Namen wie Hertie und Horten?

Ein Ausweg? Ich kenne keinen. Und die Verantwortlichen offenbar auch nicht, denn sonst hätten sie ihn längst beschritten. Die in diesen Stunden geäußerten Durchhalteparolen einiger Protagonisten sollten darüber nicht hinwegtäuschen. Das ‚Ende‘ der einst vertrauten und in der ganzen Region beliebten Innenstadt in Dortmund ist nah. Spätestens seit dem gestrigen Montag kann man das wohl kaum noch leugnen….

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