Völlig abgehängt: Niedergang der Innenstadt von Recklinghausen setzt sich ungebremst fort

Im März 2022 in der Recklinghäuser Innenstadt. Foto(s): Robin Patzwaldt

Die Innenstadt von Recklinghausen gehörte früher einmal zu den schönsten ihrer Art im Ruhrgebiet. Im Gegensatz zu den führenden Metropolen Dortmund und Essen, war es in der Kreisstadt im Norden des Reviers vergleichsweise anheimelnd und charmant. Viele kleine Gassen, schier unzählige inhabergeführte Geschäfte, nette Gaststätten und auch eine im Vergleich zu anderen Städten der Region schöne Architektur gab es dort.

Recklinghausen bot zwar nie die große Auswahl an Kaufhäusern und echten Attraktionen wie die benachbarten Mitbewerber, hatte dafür aber seine eigenen Vorzüge zu bieten. Das erscheint inzwischen eine kleine Ewigkeit weit entfernt.

In meiner Jugend reichten diese Vorzüge für mich aus, der dortigen City regelmäßig einen Besuch abzustatten. In den 1980er- und 1990er-Jahren war ich fast jede Woche in Recklinghausen zu Gast.

Als Waltroper lag das auch nahe, war die Entfernung in die Kreisstadt mit rund 16 Kilometern doch ähnlich weit, wie die nach Dortmund, meiner Geburtsstadt. Ich wechselte also zwischen den beiden Großstädten stets hin und her, wenn es um Shoppingtouren an den Wochenenden, um Kneipen- oder auch um Kinobesuche ging.

Das ist lange vorbei. Ich fahre seit dem Aufstieg des Internets grundsätzlich deutlich weniger zum Einkaufen in die Nachbarstädte. Doch während ich der Dortmunder Innenstadt auch aktuell zumindest noch mehrmals im Jahr einen Besuch abstatte, komme ich inzwischen so gut wie gar nicht mehr nach Recklinghausen.

Zuletzt war ich im vergangenen Frühjahr zur Corona-Impfung im Impfzentrum von Recklinghausen. In die benachbarte City bin ich damals gar nicht erst gegangen, obwohl mich nur ein paar hundert Meter von den Geschäften dort getrennt hatten.

Zuletzt war mir die Recklinghäuser Innenstadt im Jahre 2019 einen Besuch wert. Damals hatte ich mich über den schlechten Zustand der Shoppingmeile dort sehr geärgert. Viel Leerstand und Tristesse gab es dort zu sehen.

Jetzt, knapp drei Jahre später, war es bei idealem Wetter und angenehmen, frühlingshaften Temperaturen an einem Montagmittag wieder einmal Zeit für einen Besuch in der Stadt, die in meiner Jugend für mich ein Stück Heimat, die zu besuchen für mich stets ein Vergnügen war.

Und was soll ich sagen? Eine Verbesserung der Situation von 2019 konnte ich nicht erkennen. Ganz im Gegenteil. Selbst in das vor einigen Jahren neu errichtete ‚Palais Vest‘, eine Shopping Mall, die das früher etablierte Löhrhof Center ersetzt hatte, sind die Leerstände jetzt schon vorgedrungen. Corona, das fortschreitende Internetshopping und der Abfluss der Kunden in andere Städte der Region haben Recklinghausen inzwischen an einen Punkt kommen lassen, wo es bis zu meinem nächsten Besuch wahrscheinlich noch länger dauern könnte, als zuletzt.

Mir fällt inzwischen kein einziger Grund für einen Besuch unserer einst so schönen Kreisstadt mehr ein, außer vielleicht purer Nostalgie und die Gedanken an frühere, an viel bessere Zeiten…

 

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10 Kommentare

  1. #1 | Susanne Scheidle sagt am 21. März 2022 um 15:11 Uhr

    Es tut mir weh, das zu hören über meine alte Heimatstadt – aber ich kann nicht behaupten, dass ich überrascht wäre…
    Mit dem Leerstand und dem Tod der kleinen Geschäfte begann es, als dieses völlig überdimensionierte Einkaufscenter in die Innenstadt geklotzt wurde (natürlich unter den üblichen Versprechungen von Synergieeffekten und was noch).
    Es ist ein Elend.

  2. #2 | Harald sagt am 22. März 2022 um 11:56 Uhr

    Der Niedergang ist meiner Meinung nach durch das Palais Vest begründet.

  3. #3 | Joachim Jürgens sagt am 22. März 2022 um 12:22 Uhr

    Und die Nachbar-Stadt Herten folgt nun:
    http://www.pro-herten.de/?p=4261

  4. #5 | Der Phoenix See in Dortmund: Ohne Charakter und dennoch ein Besucherhotspot des Ruhrgebiets | Ruhrbarone sagt am 22. März 2022 um 16:44 Uhr

    […] Phoenix See erfreut sich also offenbar, ganz im Gegensatz zu der kürzlich hier vorgestellten Innenstadt von Recklinghausen, die sich seit Jahren in einem dramatischen Niedergang befindet,  einer steigenden Beliebtheit, […]

  5. #6 | Ludger Linneborn sagt am 23. März 2022 um 19:49 Uhr

    Den Text und die Bilder kann ich nicht nachvollziehen. Sowas könnte man über jede Stadt in NRW veröffentlichen. Herr Patzwaldt: Den Neubau an der Musikschule nicht gesehen? Den Umbau von Karstadt am Markt nicht zur Kenntnis genommen? Selbst die FAZ verfolgt dieses Projekt mit Interesse, nämlich wie man der überall grassierenden Verödung der Innenstädte begegnet. Die „Krim“ nicht besucht? usw. Schreiben Sie weiter alles schlecht!

  6. #7 | Hermann Böckmann sagt am 23. März 2022 um 21:58 Uhr

    Der Artikel zeugt leider von wenig Sachkenntnis. Der Niedergang der Innenstadt von Recklinghausen setzt sich nicht fort, sondern die Recklinghäuser Altstadt ist vielmehr in Begriff, sich für die Zukunft neu aufzustellen. Das hätte Robin Patzwaldt auch erfahren, wenn er das getan hätte, was ein Journalist normalerweise tut, bevor er einen Artikel schreibt. Er recherchiert, spricht mit verschiedenen Akteuren, um sich so ein fundiertes Bild von der Situation vor Ort machen zu können, statt mit einer Kamera auf der Suche nach möglichst hässlichen Fotomotiven durch eine Stadt zu laufen.
    Was hätte Herr Patzwaldt erfahren? Zum Beispiel, dass das ehemalige Karstadt-Kaufhaus zum neuen MarktQuartier wird, mit einer Mischung aus Gastronomie, Einzelhandel, Wohnen, Hotel, Zahnklinik und Kindertagesstätte. Ein Konzept, dass bundesweit auf riesiges Interesse gestoßen ist und um das uns andere Städte beneiden. Sogar den Tagesthemen war dieses Projekt ein Beitrag wert. Das in dem Artikel abgebildete Baustellenfoto ist also eher ein Symbol für Aufbruch und Erneuerung als für Niedergang. Manchmal kommt es eben darauf an, die richtige Perspektive einzunehmen.
    Hätte Herr Patzwaldt recherchiert, er hätte auch erfahren, dass es auch für das ehemalige SinnLeffers-Haus längst einen Investor gibt, der dort ein innovatives Konzept aus Wohnen, Gastronomie, Co-Working-Space-Flächen etc. umsetzen wird. Die Pläne sind bereits öffentlich vorgestellt worden. In unmittelbarer Nachbarschaft ist außerdem auch für den ehemaligen Kinokomplex (Studio 63) längst ein Projektentwickler mit innovativem Konzept gefunden, der demnächst einen Bauantrag einreichen wird.
    Die Liste mit Positivbeispielen ließe sich weiter fortsetzen. Nicht zuletzt ist es der Stadt mit Hilfe des Landesprogramms zur Revitalisierung der Innenstädte gelungen, in kurzer Zeit mehr als 20 Leerstände zu beseitigen. Auch dabei kommen neben Einzelhandelsmietern innovative Konzepte zum Tragen. Bestes Beispiel ist die neue Anlaufstelle für Klima und Mobilität.
    Klar ist, Einzelhandelsflächen werden vor allem mit Blick auf den Onlinehandel in der bisherigen Größenordnung in den Innenstädten nicht mehr benötigt, deshalb müssen wir andere Nutzungen realisieren. Die Stadt hat schon in den vergangenen Jahren auf ehemalige Einzelhandelsflächen öffentliche Infrastruktur gebracht. Ein gelungenes Beispiel ist die moderne Stadtbibliothek im ehemaligen C & A-Gebäude. Die Bibliothek ist längst mehr als eine reine Bücherausleihe, sondern ein Ort und Treffpunkt der Kommunikation.
    Die Verbraucherberatung ist ins Stadtzentrum umgezogen. Ein Familienbüro an zentraler Stelle in der Innenstadt ist in Planung. Die Umgestaltung des Kirchplatzes mit dem privaten Museum Jerke ist auch städtebaulich ein Gewinn. Dort wo früher Autos parkten, präsentiert sich der Platz heute als multifunktionale Veranstaltungsfläche mit einer attraktiven Außengastronomie. Und gemeinsam mit dem Altstadtquartieren wurde mit verschiedenen Bausteinen an der Verbesserung der Aufenthaltsqualität gearbeitet. Stichworte: Ambientebeleuchtung, Stadtmobiliar, Fontänenfeld, Mobile Bäume, Neugestaltung der Sterngasse etc.
    Und anders als von Herrn Patzwaldt dargestellt, gibt es sie natürlich noch, die gemütlichen Gassen in unserer „Guten Stube“. Ziemlich abwegig ist die Kritik am gastronomischen Angebot in der Altstadt. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene neue, innovative Konzepte neu am Markt platziert. Das modernisierte Kolpinghaus mit einer neuen Betreiberin, die sanierte Alte Feuerwache, das JoJa (Sushi und mehr) im Museum Jerke, the italian, 17achtzig, Noah‘s Place im Palais Vest, Monrive Brasserie und Interior Design und das NERO im alten Bürgermeisterhaus sind nur einige Beispiele moderner Gastronomie, für die tatsächlich Menschen aus der ganzen Region in unsere Stadt kommen.
    Klassiker wie das Drübbelken, die Osteria Pronto, das Café S.Presso, das La dolce Vita oder Carmello sowie die Hausbrauerei Suberg’s bei Boente erfreuen sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit, haben an Attraktivität nichts eingebüßt. Auch das hätte der Journalist erfahren können, wenn er sich zum Beispiel mit den sehr aktiven Gastronomen unterhalten hätte.
    Auch wenn der Autor das Gegenteil behauptet, es gibt eine ganze Reihe von guten Gründen nach Recklinghausen zu kommen. Das sehen auch Jahr für Jahr Zigtausende Besucher so, die in unsere „Gute Stube“ strömen, wenn es wieder heißt „Recklinghausen leuchtet“.

  7. #8 | Robin Patzwaldt sagt am 24. März 2022 um 06:36 Uhr

    @Hermann Böckmann: Es freut mich, dass der Artikel inzwischen offenbar auch die Pressestelle bzw. Stadtverwaltung von Recklinghausen erreicht hat. Es wäre schön (und ehrlicher) gewesen, wenn Sie es hier auch mit erwähnt hätten, dass sie dort arbeiten, Herr Böckmann. Dann könnten die Leser nämlich sofort einordnen, wer diese ungewöhnlich positive Meinung zur Entwicklung der Recklinghäuser Innenstadt hier im Blog einbringt.

    Die Leute, die ich kenne, die früher gerne und häufig nach RE fuhren, sehen das leider alle völlig anders. 😉 Dass die zuständige Stadtverwaltung vieles lieber positiv sieht, ist ja klar. Es wäre ja auch ein Eingeständnis der Fehlentwicklungen und der eigenen Versäumnisse, wenn das anders wäre 😉 Die Leute stimmen mit den Füssen ab, Herr Böckmann, und kehren der Innenstadt von Recklinghausen in Scharen den Rücken. Und das ja schon vor Corona…. Denken sie doch mal drüber nach, warum das wohl so ist, warum inzwischen nicht nur unzählige Ladenlokale in der Altstadt leer stehen, sondern auch im einst als Heilsbringer gepriesenen Palais Vest…

  8. #9 | Ruhrpottexilant sagt am 24. März 2022 um 15:03 Uhr

    Auf die Antwort des Herrn Böckmann bin ich, als "Exil-Marler", ja mal gespannt.

  9. #10 | FINO sagt am 21. April 2022 um 16:16 Uhr

    Ich habe 2013 ein Ladenlokal in RE eröffnet,was ich 2017 wieder geschlossen habe.Die City wurde immer unattraktiver (leere Ladenlokale usw).Das Palais Vest hat sein übriges dazu beigetragen!Die Kaufkraft der Kunden liess auch sehr zu wünschen übrig,obwohl das Ladenlokal in einer guten Lage präsentiert werden konnte.

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