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Kein Platz für das Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg

Das Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg wollte für eine Veranstaltung zum Thema Antisemitismus einen Raum im Internationalen Zentrum haben. Die Stadt sagte nein. Wir dokumentieren hier den offenen Brief des Bündnisses an den Leiter des Internationalen Zentrums,Wolfgang Esch. 

 Sehr geehrter Herr Esch,

in ihrer Funktion als Leiter des Internationalen Zentrums der VHS Duisburg baten wir Sie im Juni telefonisch um die Vermittlung eines Veranstaltungsraumes für eine von uns geplante Diskussionsveranstaltung im Oktober. Zu unserer Freude sagten sie spontan einen Raum zu, baten lediglich um „einige erklärende Sätze via E-Mail“. In unserer Mail vom neunten Juni informierten wir sie dementsprechend über den geplanten Charakter unserer Veranstaltung: Auf Impulsvorträge der Referenten aus den Bereichen Wissenschaft und Publizistik soll ein Podium zum Thema Antisemitismus und Israelfeindschaft folgen. Das ist auch das Schwerpunkthema der diesjährigen Aktionswochen gegen Antisemitismus, in deren Rahmen unsere Veranstaltung stattfinden wird. Diese Aktionswochen rund um den 9. November sind seit 2003 die bundesweit größte Kampagne gegen Antisemitismus und werden von der Amadeu Antonio Stiftung getragen und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Ihre Antwort auf unser Schreiben war überraschend: Da wir „nichts über das Thema“ der Veranstaltung geschrieben hätten, könnten sie „nicht prüfen, ob es sich um ein Thema des internationalen oder interkulturellen Bereichs mit einem Bezug zu Duisburg handelt“, und „nur dafür“ könnten sie „einen Raum für ein öffentliche Veranstaltung zur Verfügung stellen“. Außerdem bezweifelten sie, das wir uns „zu Recht“ auf die Universität berufen würden und kündigten an, sich sowohl beim Rektorat der Uni, als auch bei der Amadeu Antonio Stiftung über uns erkundigen zu wollen. Ein Raum könne uns nun doch nicht zur Verfügung gestellt werden.

Diese Reaktion auf unsere Raumanfrage hat uns, offen gesagt, sehr gewundert. Es ist nicht nachzuvollziehen, wie denn Antisemitismus kein „Thema des internationalen oder interkulturellen Bereichs“ sein kann. Und dass „Israelfeindschaft“ durchaus ein Thema mit Bezug zu Duisburg ist, weiss man ja nicht erst seit dem jüngsten Skandal um den Duisburger Kreisverband der Partei Die Linke in ganz Deutschland und darüber hinaus. Auch Hermann Dierkes sieht das so, wenn er sich in seiner Eigenschaft als Lokalpolitiker seit Jahren fast ausschließlich mit Israelfeindschaft und Antisemitismus befasst. Und als Dierkes 2010 sein Buch, natürlich zum Thema Israel, in den Räumen des Internationalen Zentrums promoten durfte, hatten sie offenbar keine Bedenken, dass es sich bei dem Event nicht um ein „Thema des interkulturellen Bereichs“ handeln könnte. Regelmäßige Treffen des „Duisburger Netzwerk gegen Rechts“, dem auch der islamistische, vom Verfassungsschutz beobachtete Verein „HDR“ angehört, dürfen im Zentrum selbstredend ebenfalls stattfinden. Auch an einer öffentlichen Veranstaltung der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung Duisburg“ im Jahr 2006 scheint sich niemand gestört zu haben. Und als es am 15. Juli 2011 schließlich hieß „Wer hat Angst vorm Kopftuchmädchen? Veranstaltung zu Islamfeindlichkeit“, bestritt niemand, dass an diesem Abend der interkulturellen Bildung genüge getan worden war.

Nach ihrer Absage gehen wir daher davon aus, dass sie eine Veranstaltung zum Thema Antisemitismus in den Räumen des IZ schlicht nicht wünschen, obwohl – und das nehmen wir zu ihren Gunsten an – sie durchaus in der Lage sind, den interkulturellen Charakter des Themas zu erkennen, und das somit ihre persönliche, höchst bedenkliche politische Ideologie der Raumvergabe im Internationalen Zentrum der Volkshochschule Duisburg zu Grunde liegt. Den traurigen Höhepunkt bildete dann ihr Schreiben vom 12. Juli, in dem sie uns mitteilten, eine Zusage könne onehin nur dann erfolgen, wenn wir einen bestimmten Artikel von unserem Blog löschen würden. Spätestens an dieser Stelle ist für uns nicht mehr erkennbar, ob sie als Fachbereichsleiter für interkulturelle und politische Bildung geeignet sind einen öffentlichen Raum wie das Internationale Zentrum zu gestalten.

Der Stadt Duisburg stehen sie nicht gut zu Gesicht. Dieser Stadt sollte es ein Anliegen sein, im Kampf gegen Antisemitismus und Antizionismus nach Kräften mitzuwirken, spätestens seit dass internationale Image Duisburgs vorwiegend von Polizisten geprägt ist, die, angefeuert vom johlenden antisemitischen Mob, die Türen von vermeintlich von Juden bewohnten Wohnungen eintreten, um Fahnen des Staates Israel herunter zu reißen.

Hochachtungvoll,

Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg im August 2011.

Postskriptum: Natürlich sind Sie, Herr Esch, ebenso wie alle Mitlesenden herzlich zu unserer Veranstaltung am Mittwoch, den 5. Oktober 2011 eingeladen. Thema: „Das Problem heißt Antisemitismus. Duisburg, die Linke und die Israelkritik“. Aus bekanntem Grunde kann der genaue Ort noch nicht bekannt gegeben werden. Aktuelle Informationen finden Sie auf unserem Blog: www.campuswatchude.wordpress.com.

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20 Kommentare zu “Kein Platz für das Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg

  • #1
    Caro

    Typisch Duisburger Politik (hat mit „dem“ Duisburger nichts zu tun). Jede islamistische Demo wird genehmigt, jeder Antisemit darf irgendwelche Referate gegen Israel halten, israelische Fahnen werden aus Privatwohnungen gewaltsam entfernt, Graue Wölfe sind gern gesehene „Tiere“ etc…
    Duisburg ist schon weltweit durch negative Ereignisse bekannt und jetzt das.
    Da kann man nur jedem hochqualifizierten Menschen raten einen großen, aber wirklich ganz großen, Bogen um diese Stadt zu machen. Arbeitsort Duisburg würde im Lebenslauf zum Ende einer erfolgversprechende Karriere führen.

  • #2
    Caro

    Der letzte Satz sollte natürlich wie folgt lauten:
    „Arbeitsort Duisburg im Lebenslauf würde zum Ende einer erfolgversprechenden Karriere führen.“

  • #3
    Krämer

    Nimt das denn nie ein Ende? Wenn man glaubt noch mehr Peinlichkeiten kann Duisburg nicht mehr zu bieten haben, kommt prompt die nächste Hässlichkeit!

  • #4
    Fabian Henders

    Offenbar fühlt sich dieser Herr in seinem Duisburger Umfeld – Politik, Verwaltung, Öffentlichkeit – so sicher und geborgen, dass es kein Problem für ihn ist seine Position so schamlos zu mißbrauchen. Bitter für Duisburg.

  • #5
    Thomas

    Eschs Entscheidung ist äußerst erstaunlich.

    Oder halt nicht.

    Ich hatte ja seinerzeit das zweifelhafte Vergnügen, gemeinsam mit Werner Jurga, jeweils unabhängig voneinander als Berichterstatter, die von Esch genehmigte Lesung des international als Antisemiten bekannten Hermann Dierkes im Internationalen Zentrum besuchen zu müssen.

    http://haolam.de/?id=1342&site=artikeldetail

    http://www.xtranews.de/2010/03/23/ruhrbarone-enthuellen-verbindung-zwischen-duisburger-flaggenskandal-und-dierkes-anti-israelischer-hetze/

    Eine Randnotiz dabei war, daß Dr. Jurga und ich von einem kommunalen Linkspartei-Funktionär während der Veranstaltung als unerwünschte Personen gebrandmarkt wurden, ohne das der anwesende Esch intervenierte.

    Einer der institutionellen Lesungsveranstalter war der verfassungsschutzbekannte Verein Human Dignity And Rights (HDR).

    http://www.ruhrbarone.de/duisburg-nachste-ant-israel-demo-am-samstag/

    Im Nachgang zu der unter Ausschreitungen verlaufenden Dierkes-Lesung sprach ich Wolfgang Esch zum Mitveranstalter HDR an, der zeitweilig in unmittelbarer Nähe des Duisburger Internationalen Zentrums (IZ) residierte.

    IZ-Leiter Esch gab sich in Bezug auf meine Vorhalte in Bezug auf die islamistische, hamasfreundliche Ausrichtung des HDR völlig ahnunglos.

    Was in Eschs Äußerung gipfelte, er könne leider kein Türkisch, insoweit könne er deren Flugblätter nicht lesen.

    Ich hab‘ selten ne blödere Schutzbehauptung gehört.

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  • #7
    teekay

    Ich versuche mir gerade vorzustellen, was fuer Resourcen in der Kommunalpolitik freigestellt wuerden, wenn es Frieden im Nahen Osten gaebe…

  • Pingback: zoom » Umleitung: Aufräumen nach den Ferien - nicht uninteressant. «

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  • #10
    Helmut Junge

    Ich denke, daß die Angelegenheit bald vom Tisch ist. Die WAZ berichtete heute, daß der Leiter der VHS, dem auch das IZ unterstellt ist, sich der Sache angenommen hat, weil Herr Esch im Urlaub ist.

  • #11
    Freidenker

    Diese Machenschaften in DUI nehmen langsam beängstigende Zustände an. Schaut diesen ideologisch Verklemmten niemand auf die Finger??? Unfassbar…

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Helmut: Esch ist nicht im Urlaub. Ich habe gerade mit ihm telefoniert, er will aber nicht mit mir reden und hat mich an die Pressestelle verwiesen. Die hat jetzt eine Anfrage von mir vorliegen.

  • #13
    Thomas

    Dann ist ja auch die Frage, warum die Stadtpressesprechin Frau Hundgeburth Herrn Esch gestern als im Urlaub befindlich erklärte.

    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Schwere-Vorwuerfe-gegen-Leiter-des-Internationalen-Zentrums-Duisburg-id4992681.html

    Aber ich werde jetzt nicht über die seit der Loveparade geläufigen Krisenreaktionsprozeduren des Duisburger Amtes für Kommunikation lästern.

    (-:

  • #14
    Helmut Junge

    @Stefan, da der Artikel nicht im Natz steht, habe ich ihn als speziellen Service extra für Dich abgeschrieben.
    hier der Artikel:

    Kritik am Internationalen Zentrum
    Bündnis gegen Antisemitismus: Bitte um Raum wurde abgelehnt. Stadt: es gab keine Absage
    Alfons Winterseel

    in einem offenen Brief beklagt sich das „Bündnis gegen Antisemitismus“ über das mangelnde Entgegenkommen des Leiters des Internationalen Zentrums, Wolfgang Esch, für eine im Oktober geplante Veranstaltung. Im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus rund um den Gedenktag am 9. November wollte das Bündnis nach eigenen Angaben dort einen Raum für eine Veranstaltung zum Thema Antisemitismus und Israelfeindschaft mieten. Esch habe vor einer Entscheidung weitere Details zur Veranstaltung selbst gefordert, ohne die er nicht entscheiden könne, heißt es in dem offenen Brief. Die Veranstaltung müsse zudem mit Duisburg zu tun haben. Weiter heißt es, Esch habe geschrieben, dass man einen Raum nicht zur Verfügung stellen könne. Auf Anfrage erklärte Pressesprecherin Anja Huntgeburth von der Stadtverwaltung, dass man nicht abgesagt habe. Da aber Wolfgang Esch zur Zeit in Urlaub sei, habe sich nun der Leiter der Volkshochschule, zu der das internationale Zentrum gehört, der Sache angenommen. Huntgeburth: „die Kommunikation ist etwas schwierig, weil das Bündnis stets nur per E-Mail zu erreichen ist. Wir haben leider keine Möglichkeit, telefonischen Kontakt aufzunehmen.“

    Also: meine Meinung ist die, daß ich verstehen kann, dass Herr Esch unter diesen Umständen nicht mit Dir sprechen möchte. Mach Dir also deswegen keine Sorgen.

  • #15
    Helmut Junge

    Thomas, konntest du nicht etwas schneller sein?
    Jetzt habe ich mir die ganze Mühe gemacht!

  • #16
    Helmut Junge

    @Thomas,
    Du hast ja noch einen 2. Artikel gefunden. Den kannte ich gar nicht.
    Schön, das heißt ja, dass die WAZ hart am Thema ist.

  • #17
  • Pingback: Duisburg: Ein Raum für das Bündnis gegen Antisemitismus | Ruhrbarone

  • #19
    Helmut Junge

    in der WAZ von heute, aber auch online bei „der Westen“
    findet sich ein Artikel mit der Überschrift:

    „Bündnis kann Veranstaltung durchführen“

    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Buendnis-kann-Veranstaltung-durchfuehren-id4997888.html

  • Pingback: Schaschlik « abseits vom mainstream – heplev

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