KI & Singularität: Heute ist der wahrscheinlichste Tag, am Leben zu sein – Mathematik schlägt Schicksal.

Bild: OpenAI / DALL·E

Philosophische Debatten über KI haben häufig eine gewisse Parallele zu Debatten über Gott. Wie kann es sein, dass der Mensch, Sie, als Leser, gerade jetzt, in diesem Augenblick, Bewusstsein haben, am Leben sind und die Entwicklungen mitbekommen, die Sie mitbekommen.

Dahinter muss Gott stehen, so unwahrscheinlich ist es, genau jetzt am Leben zu sein. Sie müssen Teil einer Simulation sein, so unwahrscheinlich ist es, genau jetzt am Leben zu sein. Gerade jetzt, in diesem Zeitpunkt, an dem mit der KI Nahe der Singularität ist, also jenem Punkt, an dem künstliche Intelligenz jede Aufgabe des Menschen wenigstens in gleicher Güte übernehmen kann.

In den vergangenen Wochen wurde eine ganze Reihe an wissenschaftlichen Durchbrüchen, beispielsweise in der Medizin vermeldet. Alle jetzt, in so kurzer Zeit?

Zugegeben, die Geschwindigkeit der Entwicklung kann die Frage aufwerfen, ob das alles Zufall ist. Die Antwort darauf ist nein: Es war nie wahrscheinlicher am Leben zu sein, als jetzt. Und das lässt sich mathematisch sauber begründen. Der moderne Mensch existiert seit etwa 300.000 Jahren. Ein Menschenleben dauert grob 80 Jahre – es ist uns also vergönnt, dass unsere, hoffentlich, mehr als 80 Jahre genau in den Zeitraum fallen, in den sie fallen. Wir erleben etwa 0,0267 % der gesamten Existenzspanne des Menschen – und erleben all das.

Und: Das ist unausweichliche Folge einfacher statistischer Zusammenhänge. Der häufige Denkfehler ist: Wie wahrscheinlich ist es, in genau diese 0,03 % zu leben?

Das ist aber überhaupt nicht die Frage. Die Anzahl an Menschen über die Zeit ist keine Normalverteilung. Es ist eine exponentielle Funktion. Der Anteil lebender Menschen an der Gesamtmenge an Menschen, die jemals gelebt haben, steigt jeden Tag. Bisher gab es etwa 117 Milliarden Menschen. Dies bedeutet aber auch: Aktuell leben etwa 7 % aller Menschen, die jemals gelebt haben. 7 % der Gesamtmenge Mensch in 0,03 % des Gesamtzeitraums Mensch. Unsere Lebenswahrscheinlichkeit korreliert aber alleine mit der Anzahl an Menschen, die dazu geführt hat, dass unsere Eltern sich gepaart haben – sie ist dabei völlig unkorreliert mit der Zeit.

Daraus folgt logisch: Aktuell leben mehr Menschen und ein größerer Prozentsatz der Gesamtheit Mensch, als je zuvor. Entsprechend ist heute, jetzt gerade, exakt der Zeitpunkt, an dem es am wahrscheinlichsten war, in der Geschichte der gesamten Menschheit, zu leben. Heute, der 27.02.2026, ist der wahrscheinlichste Tage, an dem ein Mensch überhaupt am Leben sein kann. Ab Morgen ist es der 28.02.2026.

Menschheit ist kein Solowettbewerb, es ist Teamplay. Wir stehen auf den Schultern von Giganten, all unser Denken, unser Wissen, beruht darauf, dass es uns andere überliefert haben. Universitäten werden daher gerne als „alma mater“, die nährende Mutter, bezeichnet.

Wenn man die Menge an Menschen als monoton steigende, stetig positiv differenzierbare Funktion, also mit der ersten Ableitung größer 0, betrachtet, und anzunehmen ist, dass der Anteil an Entwicklungen mit der Anzahl an Menschen die entwickeln korreliert, dann gilt, dass das Auftreten von Entwicklungen wahrscheinlicher ist, je mehr Menschen leben.

Und dieser Zeitpunkt ist, wie gerade gezeigt, exakt jetzt. Der aktuelle „Informations-Tsunami“ (KI, Medizin, Quantencomputing) ist die zwingende mathematische Konsequenz. Wir erleben keinen „Zufall“, sondern die Zinseszins-Phase der menschlichen Intelligenz.

Die Gegenwartsverzerrung folgt also daraus, zwei miteinander korrelierte Funktionen zu übersehen, aus denen direkt abzuleiten ist:

Für jeden Menschen, der jemals gelebt hat, galt, dass es zu exakt dem Zeitpunkt seines Lebens immer am wahrscheinlichsten war, zu leben. Und das Erreichen jeder akademischen und technischen Entwicklung war immer zu exakt jenem Zeitpunkt am wahrscheinlichsten, an dem diese auftrat.

Ist es nicht wunderbar, dass wir so eine absolut faszinierende Entwicklung wie KI mitbekommen? Und, wenn wir die KI mitbekommen, was erleben wir erst in 5, 10 oder 15 Jahren?

Das Leben ist faszinierend. Wie großartig, dass wir über die akademischen Möglichkeiten verfügen, diese Faszination zu beschreiben und zu analysieren.

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