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Kippt Duisburger Bauwagenplatz durch grünen Bezirksvertreter?

In Duisburg soll von Seiten der Stadtverwaltung ein seit Jahrzehnten bestehender Bauwagenplatz geräumt werden. Darüber wird heute nachmittag die Bezirksvertretung Homberg beschliessen. Doch ausgerechnet CDU und FDP sind nun dagegen. Während die SPD-Bezirksvertreter für die Räumung eintreten. Und ein grüner Architekt ist das Zünglein an der Waage. Neigt er den Genossen in Sachen Räumung zu? 

Bauwagenplatz in Duisburg-Homberg. Bild: DIY

Bauwagenplatz in Duisburg-Homberg. Bild: DIY

Alternative Lebensformen in Duisburg? Vergesst es: Aus besetzten Häusern wurden Räumungen. Soziokulturellen Zentren wurden Steine in den Weg gelegt. Unabhängige Kulturveranstaltungen werden ordnungsamtlich behindert.

All das ein Ritual, bar jeder Ratio: Der spiessige Facharbeiter-Lebenswandel und seine erträumten Alternativen verhalten sich in der sterbenden Eisenhüttenstadt seit Generationen schon wie Wasser und Feuer.

Das neueste Kapitel der Schlacht von Goliath gegen David ist das vom Bauwagenplatz in Duisburg-Homberg.

Der wurde einst von Barfuss-Hippies auf dem Gelände des jetzigen Innenhafens aufgezogen und durfte nach massiver Intervention von grünen Jugend- und Kulturpolitikern auf eine linksrheinische Brachfläche der Kommune in Duisburg-Homberg umziehen.

Niemanden hat die Wagenburg dort gestört. Im Gegenteil: Die wechselnden Siedler, durchgängig hippieeske junge Leute haben sich in der Nachbarschaft viele Freunde gemacht. Weil sie mitanpackten.

Dann kamen kommunale Liegenschaftsverwalter zu der Einschätzung: Die Wagenburg wäre fehl am Platze, sie störe, sie müsse weg.

Verbunden war dies mit einer Diskreditierungskampagne der Bewohner durch die Stadtverwalter; so hiess es schon 2013 in einer Vorlage der Stadtverwaltung an die zuständige Bezirksvertretung Homberg:

„Nach Mitteilung der Bauordnung ist eine Besichtigung nicht möglich, ohne dass die Nutzer Fragen aufwerfen und – so die Erfahrung der Bauordnung – für unerwünschte Presse sorgen.“

Den Wagenburgbewohnern wurde also verwaltungsseitig ein Strick daraus gedreht, dass sie sich wegen der Kündigung ihres von der gepachteten Stadt Geländes mit Öffentlichkeitsarbeit zur Wehr setzten.

Natürlich ohne den Pachtzins säumig zu sein, wie auch die Stadtverwaltung in ihrer Unterrichtung einräumen musste:

„Am Zahlungsverhalten des Wagenburg-Vereins war bislang nicht zu beanstanden.“

Mittlerweile sind die Wagenburgler von einer Räumungsklage bedroht.

Und heute Nachmittag tagt die Bezirksvertretung in der Sache.

Dort soll auf Antrag von CDU und FDP entschieden werden, „die Kündigung des Mietvertrages sowie die Klage unverzüglich zurückzunehmen“ sowie „einen neuen Mietvertrag mit den Betreibern der Wagenburg zu erarbeiten und abzuschließen“.

Dies zu fordern haben sich CDU und FDP gewiss nicht leicht gemacht.

Beide Parteien sind summarisch in der Minderheit in der Bezirksvertretung, aber bestens im Bilde im gutbürgerlichen linksrheinischen Bezirk Homberg.

Im Einzelnen erklären die beiden bürgerlichen Parteien:

„CDU und FDP haben sich in der Zwischenzeit eingehend mit der Wagenburg befasst. Sie haben festgestellt, dass die Wagenordnung rechtlich korrekt betrieben wird und von ihr keinerlei Belästigungen ausgehen. Das betrifft ausdrücklich auch den Personenkreis, der in der Wagenburg wohnt.

Mit den Verantwortlichen der Wohnungsgenossenschaft Rheinpreußensiedlung wurde die Situation erörtert. Dort wurde bestätigt, dass keinerlei Beschwerden gegen die Bewohner der Wagenburg vorlägen. Es wurde ausdrücklich betont, dass es der Wunsch sei, dass die Wagenburg in der bestehenden Form erhalten bleibe.“

Verkehrte Welt in Duisburg-Homberg: Bürgerparteien unterstützen ein stadtteilprägendes alternatives Wohnprojekt. Gegen SPD und Stadtverwaltung.

Nun gibt es in der Homberger Bezirksvertretung eine rot-grüne Mehrheit.

Mit einem Zünglein an der Waage, einem Grünen.

Den grünen Bezirksvertreter Dietmar Beckmann, einen renommierten Architekten, habe ich gestern Nachmittag gefragt, wie er abzustimmen gedenke: Mit FDP und CDU für die Wagenburg? Oder mit der SPD gegen die Wagenburg?

Bislang hat er nicht geantwortet – seine Ratsfraktionsvorsitzende Claudia Leisse spricht sich für die Wagenburg aus.

Reiner Neumann, ein früheres langjähriges Kreisvorstandsmitglied der Duisburger Grünen, setzt sich ebenfalls schon lange für die Homberger Wagenburg ein.

Er sieht es öffentlich so:

„Der grüne Bezirksvertreter Dietmar Beckmann hat angekündigt, dem Antrag die Zustimmung zu verweigern und ihm damit jede Chance auf eine Mehrheit zu nehmen. Ich als Grüner fordere Dietmar Beckmann hiermit auf, sein Mandat niederzulegen, wenn er dem Bauwagenplatz die letzte Chance zum Überleben nimmt.“

Verspricht ein interessanter Showdown zu werden, heute nachmittag. In mancherlei Aspekten.

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5 Kommentare zu “Kippt Duisburger Bauwagenplatz durch grünen Bezirksvertreter?

  • #1
    Arnold Voss

    Architekten haben aus nachvollziehbaren Gründen Probleme mit der gewollten gestalterischen Unordnung. Dabei ist das eines der spannendsten architektonischen Themen überhaupt. Aber vielleicht springt der Mann ja über seinen beruflichen Schatten und öffnet sich einer ihm bislang suspekten, eher sozialräumlichen Perspektive des Städtebaus. Es würde sowohl der Stadt Duisburg als auch ihm selbst gut tun.

  • #2
    volki

    In Zeiten fehlender Wohnungen…….sollte man mehr Freiraum dieser Art schaffen…..wir brauchen viel mehr alternative Wohnformen……Tiny Häuser, Campingplätze die als 1. Wohnsitz genutzt werden können etc. gerade wenn der Staat sich zurück zieht und den Wohnungsmarkt nur dem Kapital überlässt……

    Architekten….sollen mal wieder an Menschen denken die keine 300-400 € im Monat für`s wohnen übrig haben….die Architekten haben in den letzten Jahren ihre Kernaufgabe sowieso vernachlässigt……Wohnraum für die breite Masse zu planen! Und was sie planen….kann nicht gepflegt werden…..und bröselt nach 15 Jahren in Richtung Totalsanierung oder Abriss…..diese Künstler haben fertig!

  • #3
    Klaus Lohmann

    Was möchte denn die Kommune zusammen mit diesem grünen Architekten dort – natürlich erstmal im Geheimen – dort bauen???

  • #4
    Thomas

    #3 Klaus.

    Die Liegenschaft der Wagenburg ist nicht mal als Bauerwartungsland ausgewiesen, nebenan ist ein Abenteuerspielplatz:

    http://www.tempoli.de/

    Als ein weiteres irrsinniges Argument zur Begründung der Räumungsklage durch das Duisburger Immobilienmanagement wurde auch vorgetragen, dass die dort ansässigen Kleintiere durch die Bauwagensiedlung gestresst würden.

    Was die pädagogischen Mitarbeiter des Abenteuerspielplatzes natürlich ins Reich der Phantasie wiesen.

    Mittlerweile ist aber ne neue Lage eingetreten, sie stellt sich so dar:

    Grüner Kreisvorstand und grüne Ratsfraktion hätten gestern bis spät in die Nacht beraten. Linie lt Teilnehmenden: ‚Fest an der Seite der Wagenburgler, für Platz für alternative Lebensformen.‘ Vermutlich Krisenmanagement, heisslaufende Telefone bis zur Nachmittagssitzung der BV. Wegen verschiedener Versäumnisse auf Seiten der Verwaltung bestünde möglicherweise noch Beratungsbedarf bei SPD und Linken.

  • #5
    Reiner Neumann

    Neues aus Homberg – Entscheidung zum Bauwagenplatz vertagt!

    In der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung Homberg haben SPD und GRÜNE "Beratungsbedarf" zum CDU/FDP-Antrag zum Erhalt des Bauwagenplatzes angemeldet. Der Punkt wurde auf die nächste Sitzung am 22.10.15 vertagt.
    Die Räumungsklage bleibt also bestehen und die Wagen-Bewohner*innen müssen weiter um ihren Wohnraum bangen. Dank Rot-Grün!
    Nun muss Druck aufgebaut werden auf die Bezirksvertreter*innen von SPD, GRÜNEN und auch LINKEN (!). Denn auch die sind noch nicht auf Kurs.
    Bei der SPD sehe ich schwarz, aber bei GRÜNEN und LINKEN sollte was gehen!
    Hier die Namen:
    Dietmar Beckmann (GRÜNE)
    Dilan Aydin (GRÜNE)
    Karl-Heinz Trzaskaz (LINKE)
    Übrigens: Bezirksamtsleiter Carsten Alberts war der Meinung, die Bezirksvertretung Homberg sei gar nicht zuständig für die Rückname der Kündung. Eine merkwürdige Haltung, hatte die BV doch auch die Kündigung beschlossen! Bis zur nächsten Sitzung bleibt nun genug Zeit, eine Stellungnahme des Rechtsamtes einzuholen, anstatt Nebelkerzen zu zünden.

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