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Kirchenkritik unerwünscht – Moderator Jürgen Domian von Facebook exkommuniziert

Heute ein skurriler Nachklapp zur Ruhrbarone-Diskussion zum Beitrag “Echter Teufelskerl! 76-jähriger Casting-Gewinner warnt vor „Weltlichkeit des Dämons“!
Wenn Facebook und religiös Strenggläubige ihre Mitglieder oder ihren Nächsten lieben wie sich selbst, dann kann’s eng werden für den so unerbittlich Geliebten.
Das erfuhr jetzt auch der für seine praktizierte Toleranz oft gerühmte Moderator Jürgen Domian.

Auf seiner Facebook-Seite – https://www.facebook.com/Domian.Juergen –  schreibt Domian:
“Ihr Lieben, ich bin äußerst verärgert und fassungslos:
Facebook hat meine Beiträge und ebenso eure Kommentare gelöscht.
Stein des Anstoßes ist wohl mein kritischer Beitrag zu dem Auftritt des erzkonservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch. Diesen Beitrag haben immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen. Auch mein völlig harmloser (und durchaus wohlwollender) Text zum neuen Papst entspricht nicht den Richtlinien von Facebook (so wurde es mir heute mitgeteilt). Das ist ungeheuerlich. Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun.”

Mehr dazu auf Domians Facebook-Seite.  Mehr aber auch zu Facebooks lauen Entschuldigungen unter
http://www.fr-online.de/medien/domian-facebook-zensur-facebook-entschuldigt-sich-bei-domian,1473342,22151530.html .

Bleiben die Fragen: Wer hat warum die kirchenkritischen Anmerkungen auf Domians Facebook-Seite gelöscht? Wer zensiert da nach welchen Kriterien und wer hat Facebook auf die Diskussion bei Domian aufmerksam gemacht und ggf. die Löschung empfohlen?  Und wenn es nicht Domian wäre, den Facebook & Co. da mit ihren kirchenkritischen Äußerungen/Diskussion zensiert hätten, wäre man dann auch öffentlich zurückgerudert?

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14 Kommentare zu “Kirchenkritik unerwünscht – Moderator Jürgen Domian von Facebook exkommuniziert

  • #1
    Helmut Junge

    @Gerd Herholz,
    Vielleicht ist die Entwicklung bereits so weit fortgeschritten, dass heftige Polemik der Art, wie ich sie Dir gestern noch vorgeworfen habe, und wie ich sie (bei Anderen) nicht mag, jetzt doch erforderlich. Das wäre dann schneller gegangen, als ich befürchtet habe. Mal sehen.

  • #2
    Peter

    Nein, es bleibt nur eine Frage: Warum führt jemand eine ernsthafte öffentliche Diskussion über Facebook?

  • #3
    Gerd Herholz

    #2, Peter: Da ist was dran. Illusionen über Facebook sollte man sich tatsächlich nicht machen. Aber am Vorgehen gegen Domian wird doch einiges noch deutlicher. Ich selbst bin bei Facebook, weil ich mir vorgenommen hatte, das “Profil”, das im Internet über mich/zu mir /von mir sichtbar wird, selbst mitzusteuern durch eigene Beiträge, Posts usw. Das gelingt ja auch – irgendwie. Dafür tappt man dann in die Falle(n) von Datenerhebung, Erfassung des Konsumverhaltens usw. usf. und wird zum Teil einer repressiven Toleranz – wie das einst Herbert Marcuse nannte.
    Ist wohl tatsächlich höchste Zeit für ein demokratisches, weitgehend nicht-kommerzielles soziales Netzwerk.

  • #4
    Grabotki

    # 2 Peter, weil ein iphone reicht, wird kein Festnetz mehr benötigt. Die “soziale Unterschicht” kann also im Internet mitreden.

  • #5
    Walter Stach

    Gerd,
    Facebook ist nicht mein Ding;insofern………….

    Jede Zensur wo und vom wem auch immer muß Kritik hervorrufen und liefert unbedingten Anlaß, kritisch nachzufragen und zu hinterfagen, u.a.das “durch Wen” und das “Warum”; so auch hier!

    Und nur in den aller seltensten Fällen bin ich bereit, Zensur nicht nur zu resepktieren, sondern diese zu bewürwortern.

    Daß das nicht gilt für Kritik in Sachen Glauben,Gott,Christenum, kath.Kirche,Papst, selbst wenn ich sie als
    hämisch,spöttische empfunden habe, bedarf keiner weitereren Begründung.

    Ich erinnere daran, ohne “dieses Faß wieder aufmachen zu wollen”, daß ich im übrigen Häme und Spott als solche nicht kritisiert habe im Zusammenhang mit negativen Kommentaren zum Gott-Glauben im allgemeinen,zum Christentum, zum Katholizismus, zum Papst, sondern nur, weil sie sich bezogen auf Gefühlsäußerungen, Äußerungen des Gefühles von Rührung und Freunde nach der Wahl des Papstes Franziskus durch viele Menschen kath.Glaubens;so sollte “man”, nur das habe ich festellen wollen, mit den Gefühlen, den Gefühlsäußerungen von Menschen nicht umgehen.
    Aber auch hämisch-spöttische Kritik ist als solche zu akzeptieren und nicht einer Zensur zu unterwerfen, was selbstverständlich nicht ihre widerspruchslose Erduldung impliziert.

    Da wir wieder “beim Thema” der letzten Tage sind, doch noch in der Sache eine weitere Anmkerung:

    Ich habe heute so nebenbei während eienr anderen Beschäftigung mitbekommen, wie ein Insider aus Rom sagte, daß Papst Benedikt gesagt/geschrieben hat, so mancher Agnostiker sei näher bei Gott, weil er sich z.B. für die Armen engagiert, weil er sich wo und wie auch immer für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzt, weil er im Umgang mit anderen respektvoll und liebenswürdig sein, als manch Getaufter!!
    Vielleicht (!!) sind solche Gedanken/Äußerungen auch prägend für das, was das Pontifikat von Papst Franziskus (mit-)bestimmen wird.

  • #6
  • #7
    Arnold Voß

    @ Walter Stach @ Helmut Junge

    Natürlich darf man auch Gefühle/Gefühlsäußerungen verspotten Walter. Gefühle sind nicht per se geschützt, geschweige denn gut, erst Recht nicht wenn sie als Massenphänomen in Erscheinung treten. Die Psychologie der Masse kann durchaus gefährlich sein. Auch und gerade der kollektive Jubel und die kollektive Freude. Der kollektive Hass erst recht.

    Die Geschichte hat häufig genug gezeigt, dass gerade der euphorische Jubel der Massen schneller ein bedrohliche Dimension bekommt als die meisten Menschen sich vorstellen können. Das große ungeteilte sich selbst feiernde Wir enthält eben nicht nur die soziale Inklusion sondern auch ihr Gegenteil, die soziale und kulturelle Exklusion der Anderen, die nicht so denken und fühlen wie das große Wir.

    Kollektive Gefühle sind erst recht nicht der Selbsttäuschung enthoben. Ganz im Gegenteil. Sie sind es viel stärker als individuell geäußerte Gefühle. Kollektive Gefühle sind deswegen auch sehr anfällig für Verführung und Demagogie. Es ist deswegen unbedingt notwendig, dass es Menschen gibt die sich aus welchem Grunde auch immer nicht daran berauschen.

    Spott/Polemik ist nur einer von vielen Möglichkeiten, gefühslmäßig Distanz zu wahren. Satire und Ironie sind häufig angemessener. Selbstironie mit eingeschlossen. Faire Kritik ist natürlich der beste Weg aber er ist weder immer gangbar noch angemessen.Spott und Polemik sind in bestimmten Situationen sogar die beste Form der Kritik.

    Wer also Spott und Polemik verbietet der ist nicht nur ein Antidemokrat sondern hat die Gefahren der Massenpsychologie nicht verstanden. Kollektiver Rausch kann sie nämlich ohne die Möglichkeit von Polemik, Spott und Satire sehr leicht in einen kollektiven Wahn verwandeln. Auch in einen religiösen. Die Welt ist zu voll davon, als das diesbezüglich Entwarnung gegeben werden könnte.

  • #8
    teekay

    Ich glaube, dass die Wirkung von semi-automatischen Algorhitmen unter- und die vermeintliche Macht eines facebook-Zensors deutlich ueberschaetzt wird. Domian postet was; offenbar viele Menschen lesen das; aber 5321 melden den Post als beleidigend; ab 5001 geht bei facebook eine Lampe an ‘Achtung umstrittener Post’ und der wird dann vorsorglich geloescht. Das kann man diskutieren, weil es die Macht der Algorhitmen zeigt die im Hintergrund mitlaufen, berechnen und ‘mitdenken’, aber die Vorstellung, dass da jemand den Post gelesen und fuer loeschenswert befunden hat wuerde ich bei den Millionen von taeglichen posts quasi ausschliessen.

  • #9
    Helmut Junge

    @Teekay, sehe ich mittlerweile auch so. FB ist schwierig zu kapieren . Läuft vieles nach Regeln, die in der Praxis auf Verwunderung stoßen.
    Obwohl, wenn eine mächtige Organisation so ein Netzwerk in die Finger kriegen sollte, müssen wir uns alle warm anziehen.

  • #10
    Walter Stach

    Arnold.
    mir ging es ausschließlich um den “konkreten Fall”, um die Freunde, die Rührung vieler Katholiken über die Papst Wahl, besser noch über die Wahl von Papst Franziskus und nur darauf bezogen habe ich mein Unversständnis über Häme und Spott geäußert.
    Aber wann, wie, aus welchem Anlaß, in welchem Ausmaß jemand Häme und Spott im Umgang mit anderen Menschen pflegt, ist unbestritten ausschließlich in jedermanns Ermessen gestellt;ich bemühe mich dabei um Zurüchkhaltung, was aber nicht immer funktioniert, wie so mancher Beitrag meinerseits hier bei den Ruhrbaronen belegt -leider-.

    “Man” kann sich doch auch ‘mal in dieser “grauen Welt” darüber (mit-) freuen, daß andere vor Freude, vor Rührung weinen -muß man nicht.

  • #11
    Matthes

    Sorry, aber der “Zensur”-Vorwurf gegenüber Facebook ist Bullshit. Die Admins dort machen nichts anderes als das, was auch z.B. die Ruhrbarone (oder jede Zeitungsredaktion bei der Auswahl der Leserbriefe) für sich beanspruchen: Sie entscheiden selber, welche Beiträge in IHREM Medium veröffentlicht werden. Die Auswahlkriterien muss ich nicht toll finden (und im Fall Facebook/Domian mache ich von diesem Recht auch Gebrauch), aber als Nutzer habe ich nun mal keinen Anspruch darauf, dass andere meine Inhalte veröffentlichen, weil ich sie für veröffentlichenswert halte.
    Natürlich hinkt der Vergleich ein Wenig, weil wohl niemand seine alltägliche oder sogar beruflich wichtige Kommunikation über die Kommentarspalte der Barone abwickelt. Aber es wird eben auch niemand gezwungen, das über FB zu machen. Alternativen existieren, und FB ist für uns immer nur so wichtig, wie wir es selber zulassen.

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  • #13
    Rainer Ostendorf

    “Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.” Andre Gide

    Der Blog und der Artikel gefallen mir. Zum Thema Glauben habe ich eine eigene Ausstellung in der Freidenker Galerie. Hier findet ihr viele Zitate und Bilder von mir zum Thema Glauben. Über euren Besuch würde ich mich freuen. http://www.freidenker-galerie.de/acrylbilder-lustige-zitate-politik-und-religion-2/

  • #14
    Rainer Ostendorf

    "Wer in Glaubensfragen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten." Wilhelm Busch

    Schöne Grüsse aus der Ausstellung "Religionskritik" http://www.freidenker-galerie.de/acrylbilder-lustige-zitate-politik-und-religion-2/

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