Köln – Stadt ohne Stimme


Der DuMont-Verlag will sich von all seinen Regionalmedien trennen. Irgendwer wird sie kaufen. Am Ende wird Köln eine Stadt ohne eigene Stimme sein.

Trifft die Meldung des Fachmagazins Horizont zu, steht der Medienlandschaft in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Hamburg und Berlin, ein Umbruch hervor. DuMont will sich von seinen Zeitungen trennen:    Der Kölner Stadt-Anzeiger, die Kölnische Rundschau, der Kölner Express, die Berliner Zeitung, der Berliner Kurier, die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und die Hamburger Morgenpost sollen verkauft werden. Rest DuMont wird zu Klitsche, zumal der Bereich „Business Information“ bald den lukrativen Bundesanzeiger verliert.  Kaum überleben dürfte die Entwicklung auch das Stadtmagazin „Kölner“.

Damit endet die Ära des Zeitungsverlages DuMont nach über 200 Jahren.

Irgendwer wird nun die Kölner Zeitungen kaufen. In NRW fallen einem dazu nur zwei Namen ein Die Funke-Mediengruppe und die Rheinische Post. Ob Funke eine solche Übernahme noch stemmen kann, ist fraglich. Die Rheinische Post könnte es eher schaffen.

Köln, die größte Stadt Nordrhein-Westfalens und eine der ältesten Städte der Republik wird dann keine eigene Stimme haben. Mit der Untergang DuMonts verliert Köln seine Stimme und wird zur medialen Provinz.

DuMont ist zu klein, um zu bestehen. Alle Versuche zu expandieren sind  gescheitert.  Ein Traditionshaus tritt ab und degradiert eine ganze Stadt.

Man wird sehen, ob die eigensinnigen Kölner Zeitungen akzeptieren werden, die von Verlagen ausserhalb der Stadt gesteuert werden. Es wäre nicht überraschend, wenn sich der Auflagenschwund bei der Rundschau und dem Stadtanzeiger, beides richtig gute Regionalzeitungen, beschleunigen wird.

Gewinner ist der WDR: Der politiknahe Langeweilerfunk wird nun endgültig das Medium der Stadt Köln. Sagte man DuMont schon zu, mit der Politik zu eng verbunden zu sein ist der WDR ein Medium, bei dem  Politiker an zentraler Stelle direkt das sagen haben. Statt Filz kommt nun Machtpolitik pur.
Für Köln, für NRW sind das keine guten Nachrichten.

Und für die Journalisten an den  Standorten Halle, Berlin und Hamburg auch nicht.

Dir gefällt vielleicht auch:

11 Kommentare

  1. #1 | schauerte sagt am 26. Februar 2019 um 11:08 Uhr

    Fehler: Kölnische Rundschau gehört nicht zu DUMONT

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 26. Februar 2019 um 11:14 Uhr

    @schauerte: "Die Titel- und Verlagsrechte werden seit 1999 von der Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg gehalten,"
    https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lnische_Rundschau

  3. #3 | Thorsten Stumm sagt am 26. Februar 2019 um 12:08 Uhr

    Ich hatte in den letzten Jahren mehrfach auf verschiedenen Leitungsebenen mit Dumont zu tun. Da sassen durchaus fähige Köpfe. Strategische Neuausrichtung wurden eigentlich immer durch die Familie Dumont verhindert. Ein offenes Geheimnis war allerdings, dass Dumont schon seit längerem ein Zombie ist, der im Prinzip den finanzierenden Banken gehören. Die werden offensichtlich nervös und wollen mal noch schnell Kasse machen. Was bei den sinkenden Auflagen für Print nur logisch ist.

    Dumont ist der damit der erste Zeitungsriese der fällt……es werden noch weitere folgen…..

  4. #4 | Paul sagt am 26. Februar 2019 um 12:53 Uhr

    Puhh, wow, damit hat wohl niemand gerechnet! Ist das nur der Anfang (vom Ende) der Zeitungsverlage?

    Das bleibt echt noch spannend, an wen die Kölner Zeitungen gehen sollen. Auch ein Kuriosium Kölns, dass alle Zeitungen von einem einzigen Verlag stammen. Würde es begrüßen, wenn Kölner Stadtanzeiger und Kölnische Rundschau an unterschiedliche Käufer gehen würden.

  5. #5 | 1ng0 sagt am 26. Februar 2019 um 13:25 Uhr

    "Gewinner ist der WDR: Der Staatsfunk wird nun endgültig das Medium der Stadt Köln. Sagte man DuMont schon zu, mit der Politik zu eng verbunden zu sein ist der WDR ein Medium, bei dem Politiker an zentraler Stelle direkt das sagen haben. Statt Filz kommt nun Machtpolitik pur."

    sonen quatsch wie diesen absatz zu formulieren (noch dazu in schönstem afd/besorgte bürger-duktus), und dann oben drüber was von "journalisten" zu schreiben, passt irgendwie nicht zusammen, oder?

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 26. Februar 2019 um 13:37 Uhr

    @1ng0: Wieso? FAZ, Welt und viele andere Medien schreiben von den ÖRs auch nur vom Staatsfunk. Sorry dass ich "zwangsfinanziert" vergessen habe.

  7. #7 | thomas weigle sagt am 26. Februar 2019 um 16:07 Uhr

    Ich bin da ganz ehrlich, lieber einen "zwangsfinanzierten Staatsfunk" als bspw ein Medium, welches einen Mitherausgeber einst rausekelte, weil dieser Adenauers Außenpolitik kritisierte. Auch seitdem hat sich die FAZ nicht fern vom Staat gehalten, jedenfalls wenn dieser CDU regiert war. Und die "Welt", war spätestens ab den 60ern für lange Zeit ein Sammelpunkt für eine Bande von Tintenkulis der ungesündesten Art, rechts von denen war doch nur noch die Wand, die "Nationalzeitung" aus München vom Nazi Frey und der "Bayernkurier", in dem u.a. regelmäßig rassistisch gegen Polen gehetzt wurde.
    Ein Rotfunk, wie damals u.a. in der FAZ, in BLÖD und "Welt" gehetzt wurde, war der WDR zwar nie, aber doch deutlich engagierter und meinungsfreudiger als heute war er damals schon unterwegs.
    Wenn der WDR heute deutlich staatsnäher ist als damals, dann hat das auch mit dem Trommelfeuer zu tun, dem er lange von rechts und rechtsaußen ausgesetzt war. Das Staatsfunkgeschrei von interessierter Seite soll doch nur den WDR weiter nach rechts rücken, in den unangenehmen Dunstkreis der Springerpresse u.a. rücken. Das braucht`s nicht.

  8. #8 | Stefan Laurin sagt am 26. Februar 2019 um 16:11 Uhr

    @thomas weigle: Der WDR ist staatsnah, weil er die Politik zum Überleben braucht.

  9. #9 | Thomas Weber sagt am 26. Februar 2019 um 16:16 Uhr

    Wor einigen jahren hat Warren Buffet für den amerikanischen Markt prophezeit, dass dort nur zwei Tageszeitungen überleben werden: Die New York Times und die Washington Post. Wer hier überleben wird? Im Ruhrgebiet glänzt die Funke Gruppe durch hoch ambitionierte Rotstift-Politik und übertrieben viel unlesenswerter Blaulicht-Report, Bild Essen verliert Jedes Quartal fast 20 Prozent Printkäufer und Lensing-Wolff glänzt entweder mit Arroganz oder dass sie Zukäufe im Radio-Segment machen. In der Breite wie in der Spitze ist das Angebot hier einfach lahm und uninteressant. Alle Kiddies sind nur noch bei Instgram oder sonstwo im web. Machen wir uns nichts vor: die Tageszeitungskundschaft stirbt langsam aber sicher aus – und die Zeitungen auch. Das ist traurig, aber nicht zu ändern.

  10. #10 | ke sagt am 26. Februar 2019 um 17:43 Uhr

    Es wird spannend, was aus den Lokalzeitungen wird.
    Das Print-Abo kommt bei uns deutlich zu oft unpünktlich. Nach der Arbeit will ich es auch nicht lesen, dann sind die NEWS längst überholt.

    Ich zahle eigentlich gerne für digitale Dienste und zahle monatlich viele Abo-Dienste. Die Zeitungen haben es bei mir bisher nicht zu einem Abo geschafft. Irgendwie ist das alles zu umständlich. Bei Mehrfach-Logins bekommen die Rechte-Inhaber oft Kammerflimmern und erlauben es nicht. Was mache ich da mit meinen zig Endgeräten?

    Den Kölnern wir schon was einfallen.
    Et kütt wie et kütt.
    Wat fott es, es fott.
    Et bliev nix wie et wor.
    Et hätt noch emmer joot jejange.

  11. #11 | Mit-Leser sagt am 26. Februar 2019 um 21:35 Uhr

    „Stadt ohne Stimme“ ist aber eine reichlich pathetische Headline. Zumal eine Stimme ohne Leute, die Ihr zuhören, recht… nutzlos ist.

    Klassische regionale Tageszeitungen werden einfach nicht mehr gelesen / gewollt / benötigt. In den letzten Jahren haben NevenDM-Titel wie die MoPo, die Berliner Zeitung oder auch die Kölner Titel über 50% der Leser verloren. Weil das gesamte Modell ein reiner Anachronismus ist. Genau wie der Versuch ein solches veraltetes Angebot durch Clickbait-Peinlichkeiten in ebenfalls sterbenden Opa-Netzwerken wie Facebook aufzuwerten. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.