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Konzerthaus Bochum: Warnung vor dem Bürgerentscheid

Ein Erfolg des angestrebten Bürgerentscheids in Bochum machte die Stadt Bochum nicht reicher, sondern ärmer. Von unserem Gastautor, dem Bochumer Kulturdezernenten Michael Townsend.

Und das gilt nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch wirtschaftlich:
Für einen Einsatz von 2,4 Mio. Euro erhält Bochum einen bilanziellen Vermögenszuwachs von 33 Mio Euro. So ein Geschenk gibt’s für Kommunen sonst niemals!
Die alltäglichen Arbeitsbedingungen der Bochumer Symphoniker sind so verbesserungsbedürftig, dass im Falle eines Nichtbaus des Musikzentrums mindestens dieselbe Summe für die Schaffung einer räumlichen Alternative erforderlich würde.
Dieses Geld kann man nur einsparen, wenn man das Orchester letztlich ganz abschaffen will. Das sollte man dann aber auch ehrlich sagen, damit alle ein klares Bild von der Initiative haben. Dabei sei der Hinweis gestattet, dass die Abwicklung des Orchesters nur mittelfristige bis langfristige Einspareffekte hätte, der kulturelle und Imageschaden für Bochum aber sofort eintreten würde!
Also: Investiver Spareffekt deutlich (!) im Minusbereich.

Thema Betriebskosten:

Die Stadt Bochum hat nach dem Bau des Musikzentrums zusätzliche Betriebskosten von 300tsd. Euro pro Jahr zu tragen. Ende.
Für die Instandhaltung der Jahrhunderthalle sind bis mindestens 2023 weitere 400tsd. Euro jährlich fällig, ob wir das Gebäude übernehmen oder nicht.

Auch hier muss festgehalten werden:
Wer diese Summe sparen will, muss sowohl auf die Investitionen im Stadtzentrum verzichten, als auch die Jahrhunderthalle schließen und dann damit das Risiko eingehen, den Westpark verfallen lassen.
Aber: Wer will das ernsthaft?
Platzt die Übernahme der Jahrhunderthalle, fehlen in Bochum an Investitionen und Kostenübernahmen des Landes im Westpark und im Viktoria-Quartier zwischen 40 und 56 Mio. Euro!
Selbst, wenn man die zusätzlichen Betriebskosten auf 10 Jahre hochrechnet, stehen hier 7 Mio. gesparte Euro (700.000 Euro Betriebskosten Musikzentrum und JHH x 10 Jahre) gegen 50 Mio. Euro an zuwachsenden Finanzmitteln – den Verlust an Kultur- und Stadtentwicklungsperspektiven nicht gerechnet.

Ein sehr schlechtes Geschäft für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und der Region!

Fazit:

Wer jetzt in Kauf nimmt, dass diese langfristigen Entwicklungsperspektiven im Westpark und im Stadtzentrum einschließlich des bürgerschaftlichen Engagements der Stiftung scheitern, riskiert
– das Fehlen hoher Millionenbeträge aus Förder- und Drittmitteln für die Stadtentwicklung,
– den Wegfall eines zig Millionen schweren Investitionsvolumens nicht zuletzt für die heimische Wirtschaft,
– die Zerstörung eines bürgerschaftlichen Engagements in unserer Stadt auch für zukünftige Projekte,
– vorhandene Aufführungsperspektiven für über 10.000 Musikschüler und verschlechtert die Möglichkeiten im Bereich der kulturellen Bildung und musikalischen Erziehung,
– nach der unsäglichen Diskussion um die Museumsschließung eine überregionale Rufschädigung für Bochum als Kultur- und Wissenschaftsstandort und
– das Scheitern der kulturellen Entwicklungsplanung, die Bochum auch zukünftig zu einem der größten -wenn nicht dem größten- kulturellen Player der Region machen kann und

Besonders die häufig gewählte Verknüpfung mit der Schulentwicklungsplanung mit dem Thema macht an dieser Stelle auch eine intellektuelle Unredlichkeit in der Argumentation deutlich:

In Bochum wird keine Schule geschlossen, um von dem eingesparten Geld Kultureinrichtungen zu bauen oder zu unterhalten. Nicht einmal die Konsolidierungsanstrengungen für den städtischen Haushalt sind der primäre Grund dafür.

In Bochum werden Schulen geschlossen, weil die Schüler dafür nicht mehr da sind und für kleinere Klassen die Lehrer fehlen! Mit dem eingesparten Geld würden nicht nur keine Schulen gerettet, es würde den –leider zahlenmäßig zurückgehenden – Bochumer Kindern und Jugendlichen eine einzigartige Möglichkeit der außerschulischen Fortbildung im musikalischen Bereich genommen.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – und eigene Programme für sie – werden Schwerpunkte des Musikzentrums sein. Das Spektrum reicht von der Durchführung einer jährlichen Europäischen Jugend-Orchesterakademie als Exzellenzprojekt im Bereich der klassischen Musik bis zu Musikerziehung und JeKi.So sollen im großen und insbes. Im kleinen Saal des Zentrums Proben und Konzerte von Jeki Kindern, Musikschülern und Musikschul-Ensembles stattfinden, die im Moment an Orten stattfinden, die sowohl von der Akustik aber vor allem von der Raumgröße oft nicht akzeptabel sind.

Und:

Jeder, der zu diesem Zeitpunkt diese wichtigen Entwicklungen über ein Bürgerbegehren zur Disposition stellen will, muss sich fragen lassen, warum es zu einem Zeitpunkt geschehen soll, an dem bereits
– jahrelange Planungsarbeiten und
– Verhandlungen mit Fördergebern erfolgt sowie
– erhebliche Gelder investiert worden sind als auch

Ratbeschlüsse im zweistelligen Bereich zu diesem Thema gefasst worden sind,  und nicht zu einer Zeit, als entsprechende Grundsätzbeschlüsse noch nicht bestanden. An diesem Punkt hätte dann evtl. noch die Möglichkeit bestanden, Fördermittel sowie Planungs- und Entwicklungskapazitäten als auch Finanzmittel der Stadt in andere Projekte umzuleiten.

Jetzt wären die Ressourcen einfach weg!

Wer kann diese Effekte wollen? Ich zumindest nicht!

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77 Kommentare zu “Konzerthaus Bochum: Warnung vor dem Bürgerentscheid

  • #1
    Volker Steude

    Sicher, eigentlich wäre bereits bevor das Musikzentrum angeschoben wurde, ein Bürgerentscheid sinnvoll gewesen, dass wurde versäumt. Die etwaigen Folgen aus diesem Versäumnis tragen diejenigen, die die Bürger bisher nicht befragt wollten.

    Wenn die Bürger jetzt über das Musikzentrum entscheiden, heißt das nicht automatisch, dass sie sich dagegen entscheiden.

    Wenn die Argumente für das MZ gut sind, werden die Bürger dafür sein, wenn die Bürger die Argumente, die dagegen sprechen als wichtiger ansehen, dann werden die Bürger sich dagegen aussprechen.

    Wer den Bürgern die Entscheidung verweigern will, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er hält die Bürger für zu blöd, um über so wichtige Angelegenheiten seiner Stadt selbst zu entscheiden.

  • #2
    Michael Townsend

    @V. Steude: Ich hätte eher eine sachliche Gegenargumentation zu den von mir aufgezählten Fakten erwartet und nicht so eine populistische Polemik. Das die nicht gekommen ist, wirkt wie das Eingeständnis: „Touché!“

    Herr Steude, Herr Steude. Sie waren schon mal besser.

  • #3
    Sebastian Dicke

    Was ist denn, wenn beim Bau der Kostenrahmen nicht gehalten werden kann? Wer kommt dann für die Mehrkosten auf? Wahrscheinlich die Stadt.

  • #4
    bringjak

    @ Herr Townsend,
    gibt es eine zwingende Verknüpfung, MZ nein; Jahrhunderthalle nein,
    wie stehen die Projekte zueinander ?
    Heisst Verzicht auf das MZ auch gleichzeitig Verlust aller Fördermittel,
    oder gibt es die Fördermittel auch bei „nur Übernahme der Jahrhunderthalle“ ?

  • #5
    Volker Steude

    @Townsend. Hatte nicht erwartet, dass Sie überhaupt für eine Argumentation offen sind. Zuletzt schrieben Sie ja, dass sie nicht den Hauch einer Chance sähen, dass eine sachliche Diskussion über das Musikzentrum zustande käme (Kommentar #3 http://www.ruhrbarone.de/bochum-stuhlpaten-fuer-schule-oder-symphonie/comment-page-1/#comments).

    Aber gehen wir die Punkte einzeln durch. Ich werfe einen auf. Und Sie kommentieren ihn. Dann wird es für die Leser verständlicher, als wenn wir jetzt alles auf einmal diskutieren.

    Vorab, die PIRATEN sind nicht gegen das Musikzentrum (http://piratenbochum.de/2012/03/02/burgerbegehren-zum-musikzentrum/). Wir wollen jedoch, dass die Bürger darüber entscheiden. Dazu gehört es, dass als Grundlage für die Entscheidung die korrekten Zahlen diskutiert werden. Dazu will ich gerne meinen Beitrag leisten.

    Also:
    Punkt1 – Einsatz der Stadt nur 2,4 Mio.
    Sie schreiben, dass die Stadt angeblich nur 2,4 Mio. für das Musikzentrum zahlen muss.

    Tatsächlich spenden die stadteigenen Betriebe Sparkasse und Stadtwerke m. W. zusätzlich nochmal 2 Mio. EUR und die VBW nochmals einen Betrag, den ich nicht kenne. Dieses Geld würden die Betriebe sonst als Gewinn an die Stadt abführen und könnte von der Stadt für das MZ oder andere Dinge ausgegeben werden.

    Werden nicht eigentlich von der Stadt also mehr als 4,4 Mio für das MZ bereit gestellt?

  • #6
    Michael Townsend

    Wir bauen zur Zeit ein Gymnasium für ca. 32 Mio. Euro, bei dem wir im Kostenrahmen bleiben werden, wir haben die Erich-Kästner-Schule für 20 Mio im Kostenrahmen gebaut.

    Es gibt immer einige wenige Restrisiken, die auch bei bestem Controlling und Einbau von Puffern in die Finanzplanung nicht auszuschließen sind (Klimaeinflüsse, explodierende Stahl- oder Betonpreise in der Bauphase etc.) Wer das absolut ausschließen will, baut gar nichts mehr.

    Sollte etwa die Stiftung, die für die Allgemeinheit schonnhohe Millionebeträge spenden will, hier das Risiko übernehmen? Hätte etwa die Stadt Essen Herrn Beitz anlässlich seiner Finanzzusage von über 50 Mio. Euro für das Folkwang-Museum zur Auflage für die Annahme machen sollen, eine zusätzliche Risikokabdeckung übernehmen zu müssen?

    Klingt nicht sehr plausibel,oder.

    Sowas macht man, wenn man das Projekt nicht will und für künftige Mäzene eine Abschreckungs-Mauer aufbauen will. Wollen wir das?

  • #7
    C. Karpus

    Es müssen ja nicht die Mäzene die Haftung für Mehrkosten übernehmen, die Ratdamen und Ratsherren, Frau Scholz und Herr Townsend als persönlich haftende Gesellschafter einer privatrechtlichen Konzerthaus Betreibergesellschaft würden mir reichen.

  • #8
    Michael Townsend

    @. Steude und Bringjak:
    zu1: Die besagten Unternehmen beteiligen sich insgesamt in der genannten Höhe.

    zu 2: Die Fördermittel für die Marienkirche sind zwingend an den Übernahmevertrag für die Jahrhunderthalle gebunden. Die Mittel für den Konzertsaal nicht.

    Sie sehen, ich weiche keiner Diskussion aus, aber mein Terminkalender läßt mich heute nicht an ausführlicheren Diskursen im Netz teilnehmen. Ich sehe aber immer mal wieder zwischendurch per Smatphone rein und bleibe auf dem Laufenden.

  • #9
    Michael Townsend

    Sorry. Ergänzung und Korrektur: Heißt natürlich „Smartphone“ und die VBW sind nicht beteiligt.

  • #10
    Bochum

    Herr Townsend, Herr Townsend,
    waren Ihre bisherigen Berechnungen eigentlich immer stimmig?
    Ich habe da Anderes gehört.
    Wer garantiert uns Bochumern, dass Sie diesmal richtig gerechnet haben?

  • #11
    Michael Townsend

    @BOCHUM: Noch eine kurze Antwort.

    Auch, wenn einige interessensgeleitete Kommentatoren auf „Der Westen“ versuchen, mir mangelnde Fähigkeiten beim Rechnen anzudichten:

    Die Zahlen für die Investition werden nach dem Architekturwettbewerb von einem externen professionellen Controlling geprüft und verifiziert, die Betriebskostenschätzung wurde von einem anderen externen Fachbüro erstellt und wird nach dem Vorliegen des abschließenden Entwurfs auf den konkreten Baukörper und das Konzept bezogen konkret berechnet. Das alles ist dann gedeckelt.

    Die Zahlen bin ich dann -so vermessen bin ich- in der Lage, entsprechend für die Zeiträume zu addieren. (Notfalls habe ich auch noch Mitarbeiter, die mir helfen.)

  • #12
    C. Karpus

    Die die Bilder der Werbekampagne für das Konzerthaus, die unter dem Motto „Bochum klingt gut“ lief, könnte man auch unter das passendere Bochumer Motto:

    „Augen zu und durch!“

    stellen:

    http://www.bochumer-symphonie.de/img/content/kampagne/5.jpg

  • #13
    C. Karpus

    Herr Townsend behauptet ohne dafür Zahlen zu nennen, dass es notwendig sei, Grundschulen zu schließen.

    Diese Behauptung ist schlichtweg falsch.

    Soweit ich weiß, gibt es im Vergleich zu 1985 keine relevante Abnahme der Schülerzahlen an den Bochumer Grundschulen. Tatsächlich wurden aber seit 1985 schon mehrere Schulen geschlossen. Ausserdem wurde durch die flächendeckende Einführung des offenen Ganztags ein Großteil der Schulräume aus dem normalen Lernbetrieb herausgenommen.

    Vergleiche meinen Artikel auf: www.schulzeichen.de

    Nach meine Schätzungen gibt es derzeit pro Grundschüler weniger Lernraum als 1985. Hier will Herr Townsend wider besseres Wissen an der Bildung unserer Kinder sparen.

    Dann noch den schwarzen Peter an die Parteifreunde im Land zu spielen, die angeblich nicht genügend Lehrer zur Verfügung stellen, ist einfach nur sozialdemokratisch unverschämt.

  • #14
    Volker Steude

    Gut, ich halte fest, die Stadt zahlt direkt und indirekt mehr als 4,4 Mio für das Musikzentrum.
    Die Symphonie gibt die VBW sebst als Spender an (http://www.bochumer-symphonie.de/danke.php).

    Angesichts der Spenden und der Fördergelder ist das immer noch wenig, aber immer noch fast doppelt so viel wie immer wieder behauptet wird.

    Punkt 2 – Instandhaltungskosten Musikzentrum
    Nur die Betriebskosten des Musikzentrums sollen gem. Stiftung pro Jahr bei 650.000 EUR liegen (http://www.bochumer-symphonie.de/download/Musikzentrum_Konzept.pdf).

    Wie hoch werden die eingeplanten Instandhaltungskosten pro Jahr für das Musikzentrum und die Marienkirche sein, bzw. die für diesen Zweck zu bildenden jährlichen Rücklagen?

  • #15
    Dirk Kropp

    Lieber Herr oder liebe Frau Karpus,

    wenn Sie wirklich wissen, dass es keine Abnahme der Schülerzahlen gibt, würde ich zu gerne wissen, woher Sie Ihre Zahlen habe. Nehmen Sie es nicht persönlich, aber die Erde ist keine Scheibe und der demographische Wandel keine Erfindung der SPD.

    Und Ihre Bemerkung „Ausserdem wurde durch die flächendeckende Einführung des offenen Ganztags ein Großteil der Schulräume aus dem normalen Lernbetrieb herausgenommen.“ ist absolut unverständlich und entspricht nicht denn Tatsachen. Bitte erkundigen Sie sich einfach in Ihrem Familien und Bekanntkreis bei Menschen, die Kinder im Grundschulalter haben.

  • #16
    TJ

    „bilanziellen Vermögenszuwachs von 33 Mio Euro“

    Wollen Sie Bochum in nächster Zeit verkaufen oder braucht Bochum mehr Kredite? Ich dachte Haushaltskonsolidierung ist angesagt.

    Das Geld käme ja nicht von irgendwo her, sondern von einem Land, dessen Schuldenuhr sogar noch um einiges schneller läuft als die der Stadt.

    „und nicht zu einer Zeit, als entsprechende Grundsätzbeschlüsse noch nicht bestanden“

    Wissen Sie, Herr Townsend, den kleinen Bürger, der am Tag stundenlang malochen geht, der bekommt von ihren Grundsatzbeschlüssen doch gar nichts mit. Ein Schelm, der dahinter Absicht erkennt.
    Der Bürger wird erst aktiv, wo das zu einem Problem für ihn wird und an diesem Punkt wägt er sorgfältig ab. Als Arbeitsloser oder Geringverdiener interessiert es nicht, ob in der City ein Prachtbau steht. In den seltensten Fällen wird er diesen nämlich zu Gesicht bekommen, geschweige denn das Geld haben dort eine Aufführung zu sehen.

    Stellt sich mir die Frage: Warum Sie nicht auf die Idee kommen diese Leute mal zu fragen, was sie sich wünschen? Ich glaube, Sie wären überrascht, was dabei herumkommt.

    „Jeder, der zu diesem Zeitpunkt diese wichtigen Entwicklungen über ein Bürgerbegehren zur Disposition stellen will, muss sich fragen lassen, warum es zu einem Zeitpunkt geschehen soll, an dem bereits
    – jahrelange Planungsarbeiten und
    – Verhandlungen mit Fördergebern erfolgt sowie
    – erhebliche Gelder investiert worden sind als auch“

    Da stellt sich mir die Frage, ob die Stadtkasse zu diesem Zeitpunkt nicht auch schon schlecht bestückt war.

    Naja und was die enormen finanziellen Vorteile betrifft, die die Stadt durch den Bau des MZs, muss ich sagen, dass uns genau dieselbe Rhetorik, dieselbe Argumentationsstruktur entgegnet wurde als es um den Verkauf des Kanalsnetz ging. Ich glaube diesen Aussagen schlichtweg nicht (mehr). Niemand von Ihnen trägt in irgendeiner Hinsicht die Konsequenzen. Nicht politisch und schon gar nicht finanziell. Wenn die Stadt vor dem Bankrott steht, dann werden Sie sich vermutlich schon in reichere Gefilde abgesetzt haben. Ich dagegen werde dann vermutlich noch hier sein. Nicht weil hier dann eine große kulturelle Szene vorhanden ist, welche mich als Akademiker binden soll, sondern schlicht weil Bochum meine Heimat ist. So schmuddelig und plump sie auch manchmal ist.

    „Hier wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld“ Herbert Grönemeyer

  • #17
    C. Karpus

    Sehr geehrter Herr Kropp,

    1. Fragen Sie Herrn Townsend, Herrn Wicking oder Herrn Neumann oder Herrn Hoberg vom Schulverwaltungsamt, die werden Ihnen sicherlich die Anzahl der Grundschüler 1985 und 2012 in Bochum sagen und die Anzahl der Schulen in den jeweiligen Jahren. Ich habe für NRW auf die aktuelle Statistik des Schulministeriums auf meiner Homepage verwiesen:

    http://schulzeichen.files.wordpress.com/2012/02/infopaket_schuljahrespressekonferenz_02_09_11-1-schucc88lerstatistik.jpg?w=1014

    2. Ich habe eine Tochter in der Grundschule und einen Sohn in einer weiterführenden Schule und bin über die Situation an den Schulen gut informiert. Ich kenne auch andere Schulen und habe über Bekannte und Freunde ein relativ gutes Bild von der Bochumer Schullandschaft. Durch die Einführung des offenen Ganztags wurden in vielen Schulen ehamalige Funktionsräume, wie Werkräume, Musikräume etc. in Betreuungsräume umgewandelt. Diese Räume stehen jetzt nicht mehr für den Unterricht zur Verfügung. Das ist Fakt. Wenn Sie es nicht glauben, gehen Sie mal in die Grundschulen und sprechen mit den Direktoren.

    Schulamtsleiter Wicking ist sogar so „raffiniert“ und hat bei der letzten Schulentwicklungsplanung auch die Flächen der Turnhallen von geschlossenen Schulen, bei der Berechnung des Schulraums weiter aufgelistet, um den Raumschwund für den tatsächlichen Unterricht nicht offensichtlich werden zu lassen.

    3. Die Demografische Entwicklung hat zu einer Abnahme der Grundschüler in den Jahren 1974 bis 1982 geführt. Seitdem hat sich nichts gravierendes getan, was die Schließung von 16 Grundschulen rechtfertigen würde. Wenn Sie heute Schulen schließen, führt das faktisch zu einer Verschlechterung der Lernsituation und zu beträchtlich längeren Schulwegen, die in einem innerstädtischen Milieu Kindern von unter 6 Jahren nicht zugemutet werden können. Die Kinder der Max-Greve-Schule sind den Weg zum Hauptstandort auf der Castroper Straße vor zwei Jahren mal mit einigen Lokalpolitikern von CDU und FDP abgelaufen, die danach verstanden haben, dass der alte Slogan „Kurze Beine – Kurze Wege“ tatsächlich Sinn macht.

    http://schulzeichen.wordpress.com/2010/06/29/einladung-an-alle-politiker-zum-gemeinsamen-schulweglauf-am-2-juli-um-730-uhr/

    Frau Löhrmann lippenbekennt sich aktuell auch noch zu dem Motto:

    http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Pressekonferenzen/Grundschule/

    4. Wir hatten in Bochum vor zwei Jahren bei den Erstklässlern Klassengrößen von durchschnittlich 25 Kindern pro Klasse. In NRW liegt die durchschnittliche Klassengröße bei 23,1 Kindern pro Klasse. Der Durchschnitt in der BRD (ohne NRW) liegt bei 20,5 Kindern pro Klasse. In Sachsen Anhalt sind 17,9 Kinder in einer Klasse:

    http://schulzeichen.files.wordpress.com/2012/02/dok_195-statistik-kmk-2011-klassenstc3a4rke2.jpg

    Weniger Schulen führen automatisch zu größeren Klassen, da Ressourcen-Knappheit ein ausgezeichnetes Verteilungsinstrument ist.

    So, jetzt sind Sie dran! Ich bin gespannt auf Ihre Zahlen.

    Mit freundlichen Grüßen

    C. Karpus

  • #18
    C. Karpus

    Sehr geehrter Herr Kropp,

    ich will Ihnen ja nichts unterstellen, ich habe aber ein etwas ungutes Gefühl, wenn ich mir folgenden Xing-Account ansehe:

    http://www.xing.com/profile/Dirk_Kropp

    Ich hoffe, das sind nicht Sie und ich hoffe, die Stadt Bochum gibt unsere guten Steuergroschen nicht für schlechte PR aus:

    http://www.bochumer-buergerforum.de/C125708500379A31/vwContentByKey/W28QNJJV220BOLDDE?open&MCL=8PPJDC327BOLD

    Dann gute Nacht!

    C. Karpus

  • #19
    Maik

    @11: Michael Townsend

    „Die Zahlen bin ich dann -so vermessen bin ich- in der Lage, entsprechend für die Zeiträume zu addieren. (Notfalls habe ich auch noch Mitarbeiter, die mir helfen.)“

    Ich hoffe die helfenden Mitarbeiter sind fitter als Sie im aufaddieren, denn so einfach kann man es sich (wie so oft) nicht machen. Ich gehe mal stark davon aus, dass die Betriebskosten die nächsten 10 Jahre nicht fix sein werden (ansonsten geben Sie bitte mal den Versorger durch, der die nächsten 10 Jahre die Preise konstant hält). Wenn wir mit moderaten 2% Preissteigerung rechnen, dann sind es in 10 Jahren schon keine 700T€ Betriebskosten pro Jahr mehr sondern schon 836T€, bei (für Betriebskosten) realistischeren 3% wären das dann sogar 913T€ und bei 5% (auch nicht so abwegig) wären Sie bei fast 1,1 Mio € im Jahr 10. Summa summarum stehen Ihren 7 Mio. dann 7,6 bzw. 8 bzw. 8,8 Mio. gegen über. Bereits mit den moderaten 2% Preissteigerung sind es also schon 10% Fehlberechnung.

    Natürlich müsste man evtl. auch die anderen Zahlen die dem gegenüberstehen „verzinsen“.

    Fairerweise müsste man natürlich gegenrechnen, was auf der Einnahmenseite für Steigerungen(?) zu erwarten sind. Ich glaube jedoch nicht, dass die Steuereinnahmen stärker steigen, als die Betriebskosten. Aber man könnte nat. spaßeshalber mal den Durchschnitt der letzten fünf Jahre jeweils als Referenz für eine realistischere Abschätzung der Preissteigerung nehmen…

  • #20
    Steffi Streik

    Das es einen unterschied zwischen „bilanziellem Vermögen“ und „Einnahmen“ gibt, wurde ja schon angemerkt. Ich möchte das trotzdem nochmal unterstreichen, denn auch wenn der Wert von Bochum sich durch die Existenz des Konzerthauses verzehnfacht wird davon noch lange nicht mehr Geld zur Verfügung stehen.
    Es wird dann leichter, neue Schulden aufzunehmen, deren Zinsen dann noch mehr der verfügbaren Gelder kosten werden.

    „Wer kann diese Effekte wollen? Ich zumindest nicht!“

    Weiter:
    Die Stadt Bochum beteiligt sich also mit zwei Millionen und verzichtet wissentlich auf diverse weitere Millionen. Den Kommentaren entnehme ich, dass die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung dabei offenbar nicht den Überblick haben, sonst würden solche Diskrepanzen wie die mit der VBW wohl nicht passieren.

    „Dieses Geld kann man nur einsparen, wenn man das Orchester letztlich ganz abschaffen will.“
    Das wäre eher unproblematisch, da bereits wenige Autobahnkilometer entfernt (die Abends und Nachts auch unproblematisch zu befahren sind) das nächste Philarmonieorchester seinen Sitz hat.

    „Dabei sei der Hinweis gestattet, dass die Abwicklung des Orchesters nur mittelfristige bis langfristige Einspareffekte hätte, der kulturelle und Imageschaden für Bochum aber sofort eintreten würde!“
    Es ist also als sinnvoll impliziert kurzfristig zu sparen statt auf lange Sicht vorrausschauend zu handeln. Danke für diese Aussage, das habe ich von Politikern schon immer angenommen. Aber es ist eher selten, dass es öffentlich schriftlich festgehalten wird.
    Das kulturelle Image der Stadt Bochum dürfte bei den Kürzungen ohnehin leiden. Da ist es vermutlich besser, den teuren Traum davon, zu „einem der größten -wenn nicht dem größten- kulturellen Player der Region“ zu werden, sofort zu beerdigen und sich um die Bürger der Stadt zu kümmern anstatt um irgendein Image.

    Ein „Exzellenzprojekt“ für die Jugendarbeit klingt dagegen nett. Hat aber den Nachteil, dass im Rahmen diverser Kürzungen die Jugendarbeit der Stadt enorm leidet. Dieses flächendeckende Problem lässt sich auf jeden Fall nicht durch ein Einzelprojekt ausgleichen, Exzellenz hin oder her.

    Das „die Öffentlichkeit“ sich erst jetzt dafür interessiert, dürfte daran liegen, dass sie sich bis vor einiger Zeit gar nciht darüber bewusst war, dass dieses Großpprojekt teil der Bochumer Probleme sein könnte. Da die Mehrheit des Rates aber bereits vor Jahren beschlossen hat, das Projekt durch zu führen dürfte selbst eine physikalische Unmöglichkeit die beteiligten Parteigruppen nicht davon abhalten, es zu versuchen.

  • #21
    Maik

    Zur „Aufrechnung“ Vermögenszuwachs vs. Betriebskosten:

    Das ist zwar betriebswirtschaftlich und bilanziell (z.T.) vollkommen in Ordnung. ABER: Die Betriebskosten können „verfuttert“ werden (datt is Cash inne Täsch), der Vermögenszuwachs nicht unbedingt. Letzterer steht „nur“ in den Büchern rum, da liegt ja kein Geld auf dem Konto rum. Der Bau kostet Bochum also pro Jahr 700T€ (plus Preissteigerungen) und erbringt aber keinen realen Euro an Einnahmen (i.S.v. Gebäude). Ob das Gebäude tatsächlich 33 Mio € „Wert“ ist, ist auch fraglich. Könnte es denn für diese Summe verkauft werden? Nur dann kann/sollte man es auch mit dieser Summe in die Bücher schreiben. Das ist also nicht frei verfügbares Geld, das sollte man auch mal so ganz klar sagen.

    Und um nochmal auf die gerade von mir angebrachte Preissteigerung zurückzukommen. Das muss man nat. beim Vermögenswert auch machen. Nur evtl. in die negative Richtung, d.h. ist der Komplex auch noch in 10 Jahren 33 Mio. € Wert? Gibt es eigentlich auch Berechnungen über die Instandhaltung? (hier schließe ich mich mal Kommentar #14 an) Denn nur dann kann auch der Wert einer Immobilie gehalten werden, wenn man auch in den Erhalt der Immobilie investiert. Diese Instandhaltungskosten sollten natürlich auch fairerweise in die Gegenüberstellung von „Betriebskosten“ und „Vermögenszuwachs“ mit einberechnet werden.

  • #22
    Maik

    Ergänzung meines letzten Kommentars mit#20 Steffi Streik: die Aufnahme von Schulden als Geld-Machung des Wertzuwachses kann man sicherlich als Gegenargument zu nicht-monetärem bilanziellen Vermögen einwenden, das habe ich in meinem Kommentar unterschlagen. Die Zinszahlungen müssten dann in meinen „Preissteigerungsrechnungen“ natürlich mit einbezogen werden…

  • #23
    C. Karpus

    @ Maik

    Das ist unfair!

    Rechnen wird an Bochumer Schulen demnächst abgeschafft, wenn die bösen Bürger es dazu benutzen, den lieben Politikern die Leviten zu lesen.

    Es lebe unsere Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz! Die Königin des Cross-Boarder-Leasings, die so manchen Hütchenspieler vor Neid erblassen läßt. Die die Vision hatte, aus unseren Abwässerrohren Gold zu pumpen.

    Und schon wieder verstehen wir dummen Bürger nicht, dass Bochum ein schlummerndes Bayreuth ist, in das Alt und Jung aus der ganzen Welt pilgern würde, um die Stadtsäckel mit Peking-Dollars, Yen und Euro zu füllen, wenn man unsere weisen Politiker nur freie Hand ließe.

    Und wozu brauchen wir Schulen?

    Können Grundschüler wählen?

    Nee, deshalb müssen wir auch keine Rücksicht auf die nehmen.

    P.S.: Und wenn das Konzerthaus doch teurer wird, als gedacht, können unsere Lokalpolitiker doch versuchen, es bei der übernächsten Immobilienmesse zu verkaufen.

    So eine Reise zur Expo Real auf Kosten der Steuerzahler ist immer wieder eine schöne Abwechslung zum tristen Alltag in Bochum:

    http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/bochum/Bochum-wirbt-in-Muenchen%3Bart932,100255

    Oder man fährt direkt ins sonnige Cannes, wo sich unsere Lokalpolitiker mal wieder so richtig für uns ins Zeug legen können:

    http://www.bochum.de/C125708500379A31/vwContentByKey/W282ZEMH701BOLDDE#par4

  • #24
    Volker Steude

    Bisher kein Kommentar zu den Instandhaltungskosten von Hr. Townsend. Vielleicht morgen.

    Zu schätzen wäre, dass sie mindestens genau so hoch sind wie die Betriebskosten. Das würde bedeuten zu 650.000 EUR Betriebskosten kommen noch 650.000 EUR Instandhaltungskosten.

    1. Zwischenstand Kosten – Musikzentrum: 1.300.000 Mio EUR pro Jahr

    Ggf. zu korrigieren, wenn Hr. Townsend die genauen Zahlen nachliefert.

    Punkt 3 – Abschreibungen
    Für 33 Mio soll ein neues Gebäude entstehen und wird die Marienkirche umgebaut. Wie viel Wert hat beides Musikzentrum und Marienkirche? Von diesem Wert ist abzuziehen der Wert des Grundstücks, so dass der Gebäudewert verbleibt.
    Dieser Wert wird mit 2% pro Jahr abgeschrieben.

    Damit stell sich die Frage an Hr. Townsend: Wie hoch ist der eingeplante Abschreibungsaufwand/ Pro Jahr für das Musikzentrum?

  • #25
    C. Karpus

    Wer verstehen will, wie man als Lokalpolitiker in Bochum glauben kann, dass der Bau eines Konzerthauses für die Stadt ein finanzieller Gewinn sei, möge sich einmal folgende Image-Broschüre anschauen:

    http://www.bochum.de/C12571A3001D56CE/vwContentByKey/W28RCARJ781BOLDDE/$FILE/standortmappe_mipim2012.pdf

    Da wird einem klar, in welchen Spähren die Damen und Herren schweben.

    Wolkenkuckucksheim läßt grüßen.

    Wenn ich mit dem Fahrrad durch Bochum fahre, sieht irgendwie alles ganz anders aus. Vielleicht sollte ich mal zum Arzt gehen?

  • #26
    Dirk Schmidt

    Sagen Sie mal, Herr Steude, wie lange wohne Sie schon in Bochum? Sie hätten die Bochumer Bürger doch auch eher zu einem Bürgerbegehren aufrufen können. Wenn es ein Versäumnis ist, dann sicher auch ihres.

  • #27
    FranzFux

    „Also: Investiver Spareffekt deutlich (!) im Minusbereich.“

    Die Behörde, welche den „kulturellen Imageschaden“ von den Kommunen in Heller und Pfennig eintreibt, ist mir bis zum heutigen Tage gänzlich unbekannt. Ich bitte um belastbare Quellenangaben.

    Auf der Ausgabenseite sind die Zahlen im Falle einer Vorhabenrealisierung jedoch simple Mathematik – im Falle angeblicher „Imagezuwächse“ sind die Mütter solcher PPT-Zahlenkolonnen jedoch meist Beratungsunternehmen, die den jeweiligen Politikern nach dem Mund reden. Dies ist zudem sehr einfach, da keine Gewähr für die Richtigkeit übernommen werden muss.

    Was den „Wertezuwachs“ betrifft, so handelt es sich selnst z.B. im Falle einer Kreditaufnahme zwecks Investitionsdurchführung um eine sog. Bilanzverlängerung. Aktiva- und Passivaseite steigen gleichermaßen. Da die Spende wohl zweckgebunden an den Bau und den Betrieb des Hauses sein wird, wird wahrscheinlich nicht einmal der dort gebundene Wert auf das Eigenkapital der Stadt additiv angerechnet werden. Zu der Rechte-Tasche-Linke-Tasche Finanzierung einiger angeblicher „Privatunternehmen“ wurde bereits ausreichend hier geschrieben.

  • #28
    Maik

    @C. Karpus (#23): Das „Sale & Lease Back“-Fass habe ich bewusst nicht aufgemacht. Das bringt in meinen Augen nur kurzfristig Kohle kostet aber Liquidität auch durch verminderte Kreditwürdigkeit. Das habe ich vor längerem schon mal ausführlicher dargestellt: http://www.darktiger.org/home/content/sale-and-lease-back-geschaeft-fuer-klamme-kommunen

    Karstadt hat ja wunderbar den „Erfolg“ des Geschäftsmodells auch auf privater Ebene gezeigt (Verkauf der Liegenschaften und Zurückmietung).

    Ich denke nur, dass das die Diskussion ausschweifen lässt und vom Kern des Themas wegbringt. Aber analog zum Kreditvolumen #20 i.V.m. #22 ist das sicherlich ein gutes Gegenargument, falls das ausgepackt wird.

    Kleines Disclaimer: Ich bin übrigens kein Bochumer und mir ist das Gebäude Schietegal. Ich sehe nur, dass sich Kommunen gerne mit tollen Projekten belasten und dann die Folgekosten nicht/falsch berücksichtigen/verschweigen (hier z.B. Instandhaltungskosten und (unbewusst?) schöngerechnete Betriebskosten). Und dann ist das Gejammer groß, weil man hat ja schon Millionen versenkt und kann jetzt nicht wegen 100-200 oder 500T€ das Ding gegen die Wand fahren. Weil niemand betrachtet die Investition was sie sind: versunken, d.h. entscheidungsirrelevant!

    Und bei aller Liebe und Respekt vor dem Auftreten von Herrn Townsend hier, aber Transparenz sieht anders aus, dann packt man nämlich alle Zahlen auf den Tisch und nicht nur die einem passenden. V.a., wo er in der besseren Informationslage sitzt. Sonst ist nomen schnell omen, nämlich town am end.

  • #29
    Hans Meier

    Sagen Sie mal Herr Schmidt, wie lange sind sie bereits im Stadtrat und was haben Sie gegen diesen desaströsen Zustand dieses geplanten Abhängigkeitsgeschäfts mit der JHH und MZ auf den Weg gebracht?

  • #30
    Volker Steude

    @Schmidt, man kommt zur Politik dann, wenn man an denen verzweifelt, die diese in Bochum aktuell machen.

    Bei der CDU in Bochum war Bürgernähe nie gefragt. Auch beim Bürgerforum habe Sie den Bürgern nichts zugetraut und sogar kund getan, dass sie von der Beteiligung der Bürger nichts erwarten.

    Aber hier geht es um etwas anderes. Wie viel kosten MZ und JHH wirklich.
    Haben Sie das auch nur einmal ernsthaft durchgerechnet oder immer nur die Verwaltungsvorlagen abgenickt? Kann man ihre eigenen Kalkulationen mal sehen?

    Doch in Bochum war die Opposition nie eine, die gerechnet und dagegen gehalten hat, sondern eine die tatenlos zugeschaut hat wie sich eine Stadt finanziell ruiniert.

    Wenn die größte Oppositionspartei sich ständig von der SPD an der Leine durch die Manege führen lässt, dann kommt man zu der Einsicht, dass es einer besseren Opposition bedarf.

    Denn sie als Opposition haben es ebenfalls mitversäumt in dem jahrelangen Hickhack den Mut zu beweisen, die Bürger zu fragen, um entweder volle Rückendeckung zu bekommen, um das Projekt mit vollem Engagement angehen zu können oder sich bei fehlender Rückendeckung anderen Dingen zuwenden.

    Kehren wir aber zur Sache zurück und rechnen Sie hier allen vor, weshalb MZ und JHH die Stadt nur 300.000 EUR/Jahr kosten sollen.

    Jetzt mal Butter bei de Fische:
    Jährliche Abschreibungs-, Instandhaltungskosten, Sie haben die Verwaltungsvorlagen abgenickt, dann nennen Sie uns doch kurz die Zahlen…!

  • #31
    TJ

    Ich frage mich auch wie man auf 300.000€/Jahr Unterhaltskosten kommt?

    Handelt es sich hierbei, um die voraussichtlichen Gesamtkosten im Jahr? Sind hier eventuell erwirtschaftete Wunschgewinne schon miteingerechnet? Ich meine, welche Auslastung wird dem Ganzen denn zugrunde gelegt? Und was passiert, wenn das doch alles nicht so supi ist und die Auslastung darunter fällt?

    Ich weiss auch nicht, aber immer wenn mir jemand fremdes sagt, dass ich etwas geschenkt bekomme, dann werde ich unglaublich vorsichtig. Auch die Stadt Bochum bekommt nichts geschenkt.

  • #32
    TJ

    @Dirk Schmidt: http://lmgtfy.com/?q=Dr.+Volker+Steude

    Sind Sie wirklich der Meinung, dass ein einzelner Bürger, ohne die passende Organisation hinter sich, diesen Aufwand auf sich nehmen würde / könnte? Die Hürden für Bürgerbegehren sind sicherlich nicht umsonst so hoch gelegt worden, damit dies eben nicht mal eben passiert.

    Wieso nicht früher? Weil es schwer ist aus dem Nichts so etwas zu organisieren! Im Gegensatz zu den bestehenden Strukturen (oder soll ich es Filz nennen?) der alten Parteien musste hier zunächst erst etwas grundlegendes geschaffen werden. Aber keine Angst, was da geschaffen wurde, wird noch länger halten.

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  • #34
    Michael Townsend

    Einige Hinweis an alle, die hier betriebswirtschaftliche Proseminare oder Schulentwicklungsplanung unter fortdauerndem Leugnen der Realität betreiben:

    Zum Letzteren:
    1. Die Zahl der Grundschulkinder in Bochum ist zwischen 2000 und 2010 um ca 25% geschrumpft. Bis 2020 wird sie gemessen am Referenzjahr um insgesamt ein Drittel gesunken sein. Wer die demographische Tendenz hier öffentlich anzweifelt, leugnet alle Daten zur Bevölkerungsentwicklung, wobei sich das Ruhrgebiet besonders deutlich auf der demographischen Rutsche befindet.

    2. Die Stadt Bochum nimmt eine Schulentwicklungsplanung auf der Basis der bestehenden Rechtslagen vor. Dort sind weitgehend eindeutige Werte für Klassenbildungen und Lehrerversorgung wesentliche Parameter. Es beißt die Maus keinen ab: Wenn Zwergschulen in der Großstadt gewünscht werden und in ausgewählten Stadtquartieren die „Aktion Kleine Klasse“ stattfindet, fehlen die Lehrer dort, wie die Klassenstärken hoch und möglicherweise die Fördernotwendigkeiten am Größten ist.

    3. Es ist eine nicht auszurottende Mär, dass Kleinstschulen den Bedürfnissen der Kinder am besten entsprechen. Dementieren steht nur das Votum aller Fachleute, die eindeutig aussagen, dass

    – dort das Risiko von Unterrichtsausfall (4 Lehrer/innen in 4 Klassen) am größten ist, da keine Personalreserven vor Ort sind,
    – Differenzerungen, spezielle Förderungen und eine generell breitere Personalreserve viel eher in mehrzügigen Grundschulen stattfinden können sowie die Verteilung von Spezialkompetenzen bei den Lehrern/innen dort eine größere Spreizung hat,
    -maßgeblich für die Qualität des Unterrichts vor allem die Zahl der erteilten Unterrichtsstunden ist, deutlich vor Messgrößen wie Klassenstärken etc.

    Man kann das alles im Interesse einer Mini-Schule mit kuschelig-übersichtlichen Personalstärken leugnen, wahrer wird es dadurch nicht.

    Forts. folgt sofort im nächsten Kommentar

  • #35
    Michael Townsend

    Zu den Zahlenfexen / zum Musikzentrum:

    Ich habe hier keine betriebswirtschaftliche Gesamtkalkulation, sondern nur einige Zahlenkorrekturen dargelegt, um den üblichen Polemiken entgegenzuwirken.

    Alle Betriebswirte haben hier unter Beweis gestellt, dass sie im Proseminar ihre Basics gelernt haben. Was sie dabei nicht berücksichtigt haben, ist aber, dass man unter den Kriterien eines auf Erträge ausgerichteten Wirtschaftsunternehmens keine Stadt verwalten kann.

    Das heißt nicht, dass die Verwaltung nicht verpflichtet ist, mit den Steuergeldern wirtschaftlich umzugehen. Es bedeutet jedoch, dass eine Stadt, die ausschließlich aus der Perspektive eines privatwirtschaftlichen Betriebs geführt würde, 99% ihrer Leistungen nicht anbieten würde.

    Ich habe auch noch nie gehört, dass der Betrieb von Schulen und Kindergärten, von Bädern und Straßen, von Musikschulen und Bibliotheken, das Ausstellen von Personalausweisen, Beurkundungen, der Betrieb nicht-rentierlicher Infrastruktur etc. zum Gegenstand einer Betrachtung nach diesen Kriterien gemacht wurde, wie sie ausgerechnet und solitär das geplante Musikzentrum erfüllen soll.

    Die gedankliche Schieflage fängt da an, wo der beschriebene Vermögenszuwachs der Stadt in Verbindung mit ihrer Kreditfähigkeit gesehen wird. RUBBISH! Die Städte unseres Landes haben viele Probleme; Bonitätsprobleme haben sie nicht!

    Der Grund für den Tenor der Diskussion ist möglicherweise ein anderer: Breiteste Argumentationsketten werden aufgebaut, um quasi in einer „LEX MUSIKZENTRUM“ etwas zu verhindern, was einem ohnehin ein Dorn im Auge ist. Nämlich eine Infrastruktureinrichtung, die vermeintlich nur elitären Kreisen der Bevölkerung dient.

    Deshalb wird das gesamte Arsenal wohlfeiler populistischer Attacken aufgefahren ungeachtet dessen, dass das Projekt so angelegt ist, dass es in großartiger Weise kulturelle Spitzenleistungen mit kulturpädagogischen Ansprüchen verknüpfen soll.

    Mit diesen Argumentationen könnte man auch alle „hochkulturellen“ Einrichtungen in Bochum schließen, indem man sie gegen infrastrukturelle Mängel in anderen Bereichen aufrechnet.

    Liebe Leute – tut mir leid. Aber ich persönlich fahre lieber auf einer holprigen Straße in ein gutes Theater, als nicht zu wissen, wohin ich mich auf einer optimalen Teerdecke bewegen soll.

    Bochum investiert in höchstem Maße in Bildung, Kultur, Sport, Soziales. Damit sichern wir die Lebensqualität unserer Stadt. Das kann jeder, der sich die Mühe macht, aus den öffentlich zugänglichen Haushaltsplänen herauslesen.

    Und noch eins zur beliebten generalisierenden Kritik an der öffentlichen Verwaltung, die in diesem Diskussionszusammenhang gerne mit ausgepackt wird (ohne bürokratische Auswüchse leugnen zu wollen):

    Öffentliche Verwaltung und kommunale Daseinsvorsorge sind keine Wirtschaftsunternehmen im engeren Sinne. Dass aber Wirtschaft ohne funktionierende öffentliche Verwaltung nicht die Mindestvoraussetzungen für ihr Gedeihen hat, kann man in jedem Land studieren, wo das nicht der Fall ist. Zuletzt in der Nähe nach dem Zusammenbruch der DDR in der Anfangsphase in den neuen Bundesländern.

    Das alles soll niemandem das Recht zum Initiieren eines Bürgerentscheids streitig machen, aber ich erlaube mir auch, ebenso offensiv die großartigen Planungs- und Verhandlungsergebnisse, die die Stadt Bochum bei allen Schwierigkeiten, die sie in den letzten Jahren zu bewältigen hatte, in diesem Diskurs zu verdeutlichen.

  • #36
    Volker Steude

    @Townsend und Schmidt
    Ich hatte doch ganz konkret nach Zahlen zu den geplanten Instandhaltungs- und Abschreibungskosten gefragt.

    Eine Antwort habe ich nicht bekommen. Werden die noch vor den Bürgern geheim gehalten?

    Bei einem Gebäudewert von geschätzt 33. Mio (33 Mio. Invest + Wert Marienkirche abzügl. Grundstück), betragen die Abschreibungskosten pro Jahr
    660.000 EUR/ Jahr

    Neuer Zwischenstand bei den Kosten des Musikzentrums: 1,96 Mio./ Jahr
    (für Betrieb, Instandhaltung, Abschreibung)

    Punkt 4 – Zinsen
    Für den Teil, den die Stadt selbst zum MZ dazuschießen (2,4 Mio.) muss und für die fehlenden Gewinnausschüttungen von Stadtwerke und Sparkasse (2 Mio.), muss sich die Stadt neu verschulden.

    Hr. Townsend: Wie viel Zinsen pro Jahr wird die Stadt für diese mehr als 4,4 Mio. neuen Schulden, die für das Musikzentrum aufgenommen werden müssen, aufbringen müssen.

    @Schmidt: Kennen Sie die PIRATEN. Könnte vielleicht sein, dass der Organisationsgrad bei den PIRATEN in Bochum höher ist als der bei CDU…

    Bei uns kümmert man sich auch um die Sache und macht sich keine Gedanken darüber, ob andere Parteien gut genug aufgestellt sind, um Dinge zu bewältigen.

    Vielleicht ist auch das der Grund, dass die CDU als Opposition gar nicht wahr genommen wird, weil sie sich organisatorisch nichts zutraut oder es an Aktiven fehlt? Kann ich nicht beurteilen.

    Aber um die PIRATEN brauchen Sie sich wirklich keine Sorgen machen.

    Hr. Schmidt: Es macht mir Angst, dass Sie die Zahlen zum MZ nicht kennen, aber trotzdem alles abgenickt haben.

  • #37
    Maik

    #2 und #35 mal bitte gegeneinander halten. Damit hat sich die Debatte hier eigentlich schon erledigt, denn eine Faktendiskussion ist wohl nicht erwünscht.

    1. die betriebswirtschaftl. Aufrechnung haben Sie angefangen, Herr Townsend!
    2. Die Gegenrechnung des Vermögenszuwachses haben Sie aufgestellt.
    3. Die sachliche Gegenargumentation auf den von Ihnen aufgeführten „Fakten“ haben Sie gefordert.
    4. Eine polemische und populistische Antwort ist z.B. Ihr letzter Kommentar #35, wo setzen Sie sich da konkret mit den Kritiken an Ihrer Zahlenschieberei auseinander?

    Sie können hier niemanden vorwerfen, dass man Ihre Zahlen prüft und hinterfragt, wenn Sie diese in den Raum stellen und zur Prüfung freigeben ja sogar um Prüfung gebeten haben. Sie können niemanden eine „betriebswirtschaftl.“ Prüfung ankreiden, wenn Sie betriebswirtschaftl. argumentieren. Wobei ich bezweifle, dass ein Großteil der Kritiken auf einem betriebswirtschaftl. Proseminar aufbauen. Wer heute glaubt, dass die Preise in 10 Jahren noch genauso sind wie heute leidet an fortgeschrittenem Realitätsverlust und gehört nicht in die öffentl. Verwaltung. Das hat nix mit Betriebswirtschaft zu tun.

    Sie polemisieren, dass Sie angeblich im Stande sind 10 Zahlen aufzuaddieren und kritisieren dann, wenn man Ihnen nachweist, dass Sie in Mathe wohl nicht über das Niveau der ersten Klasse hinausgekommen sind? Gehts noch?

  • #38
    Maik

    @Volker Steude: Punkt 4 Zinsen

    Das ist doch „RUBBISH! Die Städte unseres Landes haben viele Probleme; Bonitätsprobleme haben sie nicht!“

  • #39
    C. Karpus

    @ Michael Townsend

    Wieso gehen Sie nicht auf meine Zahlen ein?

    Wieviele Grundschulkinder gab es in Bochum in den Jahren 1982 bis 1986?

    Und wie viele Schulen gab es damals?

    Und wieviel Lernraum in qm (ohne Betreuungsräume und Turnhallen) gab es pro Kopf 1985 und wie viel heute?

    Sie greifen gezielt die für Sie günstigen Zahlen heraus und unterschlagen, dass z.B. im Bezirk Mitte, in dem die meisten Grundschulen geschlossen werden sollen, nach im Vergleich zum Stadtgebiet eher mit wachsenden Schülerzahlen zu rechnen ist.

    Noch ein Wort dazu, wieso die Debatte hier teilweise etwas pointiert geführt wird.

    Wer miterleben durfte, wie die Schulpolitik in Bochum in kleinen Zirkeln nach Gutsherrenart geführt wird, wer den starken Eindruck bekommt, da werden in manchen Amts- und Ratstuben ohne Rücksicht auf Kinder, Lehrer und Eltern Spielchen gespielt, wer den Eindruck vermittelt bekommt, die Gesundheit der Lehrer, die Bildung unserer Kinder und demokratische Grundsätze seien dazu da, mit den Füssen getreten zu werden, der schaut auch mal gerne etwas genauer hin und sagt dann auch klar, was er denkt.

    http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/bochum/CDU-sieht-Skandal-Amtsleiter-Wicking-widerspricht-eigener-Vorlage;art932,1349164

    http://www.derwesten.de/staedte/bochum/cdu-bochum-fordert-verfahren-gegen-schulamtsleiter-id4883744.html

    http://www.derwesten.de/staedte/bochum/bochumer-amtsleiter-schrieb-parteifreund-rede-gegen-staedtische-vorlage-id4886079.html

    Was ist eigentlich aus dem Disziplinarverfahren gegen Herrn Wicking geworden, Herr Townsend?

    Und wollen Sie jetzt für etwaige Fehlkalkulationen bei den Betriebskosten persönlich haften? Und wenn nicht, wieso sollen dann die Bochumer Bürger – insbesondere meine Kinder – dafür haften?

    Ich bin auf Ihre detaillierte Antwort gespannt.

  • #40
    Michael Townsend

    Sorry, aber ich habe nich den Plan, im Wege eines Frage- und Antwortspiels hier ein Steude-gegen-Verwaltung-Quiz mit meinen Beiträgen zu bereichern.

    Dafür bezahlt mich der Steuerzahler nicht.

    Ich habe auch nicht die Hoffnung, hier jemanden überzeugen zu könnnen, der die Bochumer Verwaltung als dauerhaftes Feindbild pflegt.

    Ich werde aber weiter öffentlich meine Position, die auch die der Bochumer Ratsmehrheit (Stichwort: Repräsentative Demokratie) ist, offensiv vertreten.

    Jeder, der sich an der Diskussion beteiligt, muss schließlich den Preis für sein Votum kennen.

    Ins völlig Absurde führt die Forderung nach Haftung mit dem persönlichen Privatvermögen z. B. bei Kostenüberschreitungen bei Bauten aufgrund von klimatischen Problemen.

    Also – so long.

    P. S.: Nebenbei: Das Musikzentrum wird die Stadt Bochum auf der Seite der Abschreibungen lediglich mit den Abschreibungen auf den Eigenanteil von 2,4 Mio. Euro belasten.

  • #41
    C. Karpus

    Ich glaub ich werd irre.

    Zuerst schreibt Herr Townsend,

    „Für einen Einsatz von 2,4 Mio. Euro erhält Bochum einen bilanziellen Vermögenszuwachs von 33 Mio Euro.“

    Und dann schreibt er, lediglich der Eigenanteil von 2,4 Mio Euro würde im Haushalt abgeschrieben.

    Wer schützt uns vor solchen Politikern?

  • #42
    C. Karpus

    @ Michael Townsend

    Sie schreiben:

    „Sorry, aber ich habe nich den Plan, im Wege eines Frage- und Antwortspiels hier ein Steude-gegen-Verwaltung-Quiz mit meinen Beiträgen zu bereichern.

    Dafür bezahlt mich der Steuerzahler nicht.“

    Hier schreiben – augenommen vielleicht von bezahlten PR-Beratern – alle für lau, weil sie denken, es täte unserem Gemeinwesen möglicherweise gut, wenn man miteinander spricht.

    Wer wie Sie und Herr Kropp direkt die Segel streicht, weil die Argumente ausgehen, sollte vielleicht gar nicht mehr für die Stadt Bochum arbeiten, egal ob bezahlt oder unbezahlt.

  • #43
    suse123

    Lieber Herr Townsend,

    Sie führen einen verzweifelten Versuch, das Musikzentrum als wirtschaftlich sinnvoll und kulturell unabdingbar darzustellen.

    Angst und bange wird aber jedem an Bochumer Kultur interessierten Bürger, wenn er hört, dass bereits jetzt die Zahlung der Betriebskosten für das renommierte Schauspielhaus nicht sicher gestellt sind und der Intendant einen öffentlichen Hilferuf startet, welche finanziell kaum tragbaren Konsequenzen Tariferhöhungen haben.

    Daraus kann ich also nur den Schluss ziehen, dass der Haushalt der Stadt Bochum den laufenden Betrieb der bestehenden renommierten Kultureinrichtugen schon jetzt nur noch mit Mühe (wenn überhaupt) sicher stellen kann.

    Und zu diesem Zeitpunkt macht man ein „neues Fass“ mit dem Musikzentrum auf …

    Das kann niemand schön rechnen oder schreiben. Ihr verzweifelter Versuch ehrt Sie da nicht, sondern ist beschämend. Ich wünschte, Sie würden das erkennen und bezeiten schweigen. Auch bei den Ruhrbaronen.

    Auch Ihre Haltung, dass man aktuelle Fördermöglichkeiten unbedingt mit nehmen muss, da man ansonsten „Verluste“ macht, ist eine Katastrophe für die kulturelle Zukunft Bochum.

    Ihr Problem, und das Problem aller Bochumer Politiker ist, dass man nicht mehr ohne Gesichtsverlust aus diesem Thema raus kommt. Und auch keine Ahnung hat, wem man die Spendengelder zurückzahlen soll.

    Das ist traurig, aber wahr.

  • #44
    C. Karpus

    @ suse123

    Ich glaube bei Herrn Townsend herausgelesen zu haben, dass es gar nicht darum geht Fördergelder mitzunehmen sondern, und das erinnert mich ein wenig an (Vergleiche mit Kriminellen werden nicht geduldet. d.Admin)

    Da weiß man zwar, dass die Rechnungen für den Unterhalt der Immobilien die eine oder andere Unwägbarkeit nicht wirklich abbildet. Aber was soll’s? Es haftet ja der Bürger und der will ja immer mehr.

    Schulen und klassische Musik, hübsch anzusehende Politiker und am Samstag Erstligafussball.

  • #45
    Volker Steude

    Schade Herr Townsend,

    wenn man konkret wird – nur heiße Luft von Ihnen. Schade, dass sie uns erst herausfordern und dann jetzt schon aufgeben.

    Aber wir waren ja bei den Zinsen:
    3,5% auf 4,4 Mio., dass sind 154.000 EUR / Jahr Zinsen

    Neuer Zwischenstand bei den Kosten des Musikzentrums: 2,11 Mio./ Jahr
    (für Betrieb, Instandhaltung, Abschreibung und Zinsen)

    Bei den Abschreibungen muss es leider bleiben. Die Stadt will das MZ für 33 Mio. in Bilanz einstellen, aber nur auf 2,4 Mio. Abschreibungen vornehmen. Mit welchem Bilanztrick machen Sie denn das?

    Punkt 5 – künstlerische Aufwendungen
    Sind auch nicht in den Betriebskosten enthalten. Damit das Musikzentrum auch ausgelastet ist, sollen neben den Symhonikern ja noch andere Künstler hier auftreten. Damit die auftreten, müssen sie bezahlt werden, dafür reichen die Eintrittsgelder aus Einnahmen häufig nicht.

    Wie hoch schätzt denn die Stadt die Kosten für die zusätzlichen künstlerischen Aufwendungen bei Betrieb des Musikzentrums ein?

  • #46
    C. Karpus

    @ Admin

    Nicht alles was der von mir erwähnte Herr gemacht hat, war kriminell. Es fing doch mit ganz rentablen Immobiliengeschäften an. Kriminell wurde es erst, als sich herausstellte, dass die sonnigen Prognosen nicht in Erfüllung gingen und die Zahlen dann später für die neuen Kredite geschönt wurden. Bisher gehe ich davon aus, dass die Bochumer Finanzpolitiker noch selbst an ihre Zahlen glauben.

  • #47
    C. Karpus

    da in #44 ein Teil gelöscht wurde, möchte ich den Gedanken, der gar nichts kriminelles hatte, hier noch einmal nachreichen.

    Ich glaube, dass es bei der Verhandlung mit den Gläubigerbanken für die Bochumer Finanzpolitiker komfortabler ist, wenn man eine neue Schule, ein neues Konzerthaus oder eine andere halbgeschenkte Immobilie als Sicherheit bieten kann. Alte Schulen sind meist schon abgeschrieben und eigentlich nicht mehr beleihbar. Und daher taucht in dieser imaginierten Beleihungsbilanz von Herrn Townsend das Konzerthaus natürlich mit seinem vollen Wert auf.

    Da schaut man vielleicht mal nicht so genau auf die Folgekosten und hofft, dass alles gut wird. Und der Banker denkt, wenn die Folge- und Instandsetzungskosten anfallen, ist der Kredit schon wieder zurück geführt und die Bank hat ihren Schnitt gemacht.

    Das war meine Überlegung, die eigentlich noch keinen Vergleich mit kriminellen Handlungen aufweist.

  • #48
    Eva

    Der Beitrag von Herrn Townsend und auch die Kommentare schießen für meine Begriffe am eigentlichen Problem des geplanten Musikhauses vorbei. Natürlich ist es wichtig, mal durchzurechnen, was die Sache die Stadt kosten wird und welche Gegenwerte auf der anderen Seite dafür geschaffen werden, doch die Gegner des Musikhauses (zu denen ich auch gehöre) haben immer vor allem folgende Kritik geäußert: Bochum braucht kein Musikhaus, weil bereits die Nachbarstädte Gelsenkirchen, Dortmund und Essen eines haben. Es gibt keinen Bedarf für ein viertes Konzerthaus im Ruhrgebiet. Selbst wenn sich Bochum das Musikhaus leisten könnte, wäre es trotzdem nicht sinnvoll, dieses zu bauen und zu betreiben. Anstatt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, sollten die Städte des Ruhrgebiets (nicht nur) im kulturellen Bereich zusammenarbeiten und gemeinsam einige wenige, dafür aber finanziell gut ausgestattete kulturelle Einrichtungen betreiben, die mit entsprechenden Einrichtungen in Städten wie Berlin, Köln, Hamburg und München mithalten können. Aber bitte nicht noch eine weitere, wegen chronischer Unterfinanzierung im Mittelmaß versinkende kulturelle Einrichtung. Davon haben wir hier schon genug.

  • #49
    Arnold Voss

    @ Eva

    Das Problem ist nur, Eva, dass es Niemanden gibt, der den Bedarf für das ganze Ruhrgebiet je seriös und überzeugend bestimmt hätte, geschweige denn eine Institution oder Person die dafür sorgen könnte, dass irgendeine Stadt im Interesse des gesamten Ruhrgebietes auf ein Projekt dieser Art verzichten würde.

    Die Dortmunder haben niemanden gefragt, ob ihr Konzerthausneubau wirklich notwendig war. Die Essener haben die Erweiterung ebenfalls ohne jede regionalen Abstimmung vorgenommen. Keine der Ruhrstädte hat bei solchen Projekten je Rücksicht auf die anderen genommen. Und nur sollen es die Bochumer tun, obwohl sie den größten Teil der Kosten privat zusammen gebracht haben?

  • #50
    Maik

    @Arnold Voss

    Haben die Bochumer tatsächlich den größten Teil privat aufgebracht oder sind das nicht öffentliche Mittel vom Land etc. (ich kenne die Zahlen wirklich nicht, das ist keine rhetorische Frage)

    Man sollte aber auch immer skeptisch sein, wenn einem etwas geschenkt wird. V.a. wenn das Folgekosten hat. Es geht ja nicht (ausschließlich) um die 2,4 (bzw. 4,4 Mio.) einmalige Investition. Das wären ja wirklich Peanuts für so einen Kasten. Kommen denn die privaten Spender auch für die laufenden Kosten auf?

    Ich bin auch gerne bereit für ein Schwimmbad vor meiner Haustür zu spenden (mind. 1000 € werfe ich mal in den Raum) ich brauche mich ja um den Unterhalt nicht zu kümmern, das machen dann (in meinem Fall) alle Essener. Das ist ein Super-Deal.

  • #51
    Volker Steude

    Was Leute anziehen würde wären erstklassige Schulen. Super ausgestattet, mit kleinen Klassen und in hervorragendem Zustand. Da würden Eltern in Scharen nach Bochum ziehen.

    Wegen einem Musikzentrum zieht aber wohl niemand nach Bochum oder bleibt hier. Ich kann gut in Dortmund wohnen und in Bochum ins Musikzentrum gehen oder in Bochum wohnen und mir Dortmund einen Musikgenuss gönnen. Ich ziehe nicht in eine Stadt, nur weil die ein Konzerthaus hat.

    Wir leben in einer Metropolregion, da sind die Wege kurz und ich muss nicht alles um die Ecke haben. Nur Schüler/Innen, die sind nicht so mobil, die brauchen eine Schule um die Ecke… .

  • #52
    Ulrich Fuchs

    Ist doch Unsinn. Man zieht doch nicht in einen Ort, weil die Grundschule in der Nähe ist. Man zieht in einen Ort aus weiß der Deibel was für Gründen und wenn man kleine Kinder hat, sucht sich dann ne Wohnung, in der es in der Nähe Schulen gibt.

    Nein, die Debatte um die Grundschulen hier in Bochum geht schlicht und einfach darum, dass ein paar gutsituierte Eltern entwedern ihren Kindlein nicht zutrauen, ein paar Meter zu laufen (kurze Füße, kurze Wege, haha. Mein Schulweg als Grundschüler war locker ne Viertelstunde, sowas können auch kurze Erstklässlerfüße mit Schulranzen laufen), oder unbedingt ins Grüne ziehen wollen aber sich dann beschweren, dass die Infrastruktur nicht da ist und man die Kids halt durch die Gegend fahren muss. Luxusprobleme.

  • #53
    Eva

    @ Arnold: Die Antwort auf Deine Frage lautet aus meiner Sicht: Ja. Nur weil die Politik in anderen Städten nicht über die Stadtgrenzen hinaus denken kann, heißt das noch lange nicht, dass Bochum genau so agieren sollte. Es geht nicht darum, dass Bochum Herne aussticht oder Essen Gelsenkirchen. (Hier könnte man beliebig die Namen anderer Ruhrgebietsstädte einsetzen.) Diese Kleinstädterei können wir uns schon lange nicht mehr leisten. Das Ruhrgebiet hat in der Zukunft nur dann eine Chance, wenn die knappen Ressourcen gebündelt und gezielt eingesetzt werden.

  • #54
    Volker Steude

    Jetzt aber wieder zu den Zahlen.

    Auch Kostenansatz für den künstlerischen Aufwand schweigen sich Townsend und Schmidt aus.

    Da es dafür offensichtlich gar keine Planzahlen gibt. Setze ich einen Merkposten ein in Höhe von 90.000 EUR/Jahr an.

    Neuer Zwischenstand bei den Kosten des Musikzentrums: 2,2 Mio./ Jahr
    (für Betrieb, Instandhaltung, Abschreibung, Zinsen und künstlerischem Aufwand)

    Punkt 6 – Betriebskosten
    Es wird von 650.000 EUR ausgegangen. Die von der Stadt in Auftrag gegebene Projektstudie des Büros Assmann sagt aber aus, dass in diesem Betrag keine Kosten für Verwaltungsräume für die Symphoniker einkalkuliert sind (http://gruene-bochum.de/presse/news-detail/article/musikzentrum_planung_widerspricht_ratsbeschluss/). Außerdem gibt sie zu bedenken, dass eine Verfehlung des Kostenrahmen um 10% durchaus vorstellbar ist.

    Wenn es keine Verwaltungsräume im Musikzentrum gibt, müssen diese extern angemietet werden. Mit welchen Kosten rechnet die Stadt denn dafür?

    Für die Akkustik wären anstatt der geplanten 12.000m³ umbautem Raum eigentlich 14.000m³ erforderlich. Wie wurden die daraus resultierenden Mehrkosten einkalkuliert?

  • #55
    Arnold Voß

    @ Maik # 50

    Das haben sie wohl. Und wenn es in Essen nicht Jemand wie Bertold Beitz gäbe, dann hätten die auch keine größere und schönere Sinfonie bekommen.

    Aber sie haben Recht, die Folgekosten übersteigen bei solchen Gebäuden, schon allein aus der Tatsache, dass sie rein physikalisch für viele Jahrzehnte, ja wohlmöglich für mehr als ein Jahrhundert, errichtet werden, immer die Entstehungskosten. Und genau deswegen kommen in der Regel die Spender dafür nicht auf. Dann könnten sie es nämlich gleich selber betreiben.

    Ein Superdeal ist es schon dann nicht mehr, wenn die Spende z.B. ihre Eintrittskosten für die nächsten 10 Jahre übersteigen würde. Aber natürlich können sie bei entsprechendem Einkommen diese Spende steuerlich absetzen. Aber sie könnten eben auch das nicht gespendete Geld selbst gewinnbringend anlegen.

    Anderseits gibt es, gerade auf Grund der insgesamt viel größeren Folgekosten, auch für die Spender keinen Grund, so zu tun, als gehöre das Gebäude letztlich doch ihnen bzw. dass sie meinen, entsprechend auf das Einfluss nehmen zu können, was in dem Gebäude passiert. Achtenswert ist allerdings jede Spende nichtsdestotrotz. Und zwar unabhänging von der absoluten Höhe.

  • #56
    Volker Steude

    @Fuchs Wenn ich ins Ruhrgebiet mit Kindern ziehe, schaue ich, in welcher Stadt gibt es die besten Schulen und da ziehe ich eher hin als in andere Städte.

    Wenn ich in einer Stadt mit ausgezeichneten Schulen wohne, ziehe ich mit Kindern nicht weg, obwohl mich mein Arbeitgeber ggf. in eine Filiale versetzt hat die 50km von Bochum weg ist, da nehme ich lieber den weiteren Arbeitsweg in Kauf.

  • #57
    Arnold Voss

    @ Eva # 53

    Grundsätzlich bin ich da ganz deiner Meinung. Aber wenn es schon lange so wäre, wie du und ich es dir wünschen, dann wäre mindesten ein großes Konzert. bzw. Musikhaus des Ruhrgebietes genau da wo es jetzt die Bochumer, bzw. die von denen, die dafür sind, hinbauen wollen. Bochum oder besser seine Innenstadt liegt nämlich ungefähr in der geographischen Mitte der Region und ist von allen anderen Städten aus am besten zu erreichen. Es wäre allerdings viel größer als das was jetzt dahin soll.

  • #58
    Ulrich Fuchs

    @Eva: Die Mär vom Ruhrgebiet als Ruhrstadt habe ich auch mal geglaubt. Das Kulturhauptstadtjahr hat mich eines besseren belehrt: Es funktionierte nicht, die Wege sind zu weit. Man fährt zwar mal in eine andere Stadt um irgendwelche Geschichten zu machen, aber stets mit dem Gefühl, die eigene Stadt zu verlassen. Das färbt auf die Befindlichkeiten der Menschen ab. Wir tun uns ja schon schwer, dass sich Wattenscheider, Gerther oder Stiepeler als Bochumer begreifen. Als Ruhrstädtler werden sie sich nie fühlen.

    Und damit muss man wohl wirklich multizentrisch denken, vielleicht mit bestimmten Schwerpunkten in den Einzelzentren (Essen: Hochkultur, Bochum: Subkultur?). Aber bei 300000 Einwohnern kann man durchaus ein stattliches Zentrum haben. Man betrachte mal Freiburg oder Münster im Vergleich mit Bochum: Deutlich weniger Einwohner, aber deutlich mehr Stadt. Soll heißen: Mit 370000 Einwohnern und einer Uni müsste man in Bochum eigentlich ganz andere Sachen stemmen können, wenn man den Strukturwandel mal endlich mental akzeptieren würde. Und zwar ohne andere Städte zu kannibalisieren (ok, Herne und Hattingen vielleicht). Das Musikzentrum ist ein Schritt in dieser Richtung.

  • #59
    Stefan Laurin

    @Ulrich Fuchs: Der Ruhm des Münsteraner Theaters ist ebenso an mir vorbeigegangen wie die bundesweite Bedeutung der Freiburger Bühnen. Aber davon mal ab: Werfen Sie doch einmal einen Blick auf eine Landkarte. Sehen Sie da Unterschiede zwischen Freiburg, Münster und Bochum? Könnte es sein, dass die nicht von größeren Städten umgeben sind und nicht Teil eines Ballungsgebietes sind? Und könnten Sie mir bitte erklären, was das Musikzentrum mit Strukturwandel zu tun hat? Habe ich die zahlreichen neuen Jobs für Akademiker verpasst, die an dem Bau hängen?

  • #60
    Ulrich Fuchs

    Ich sprach von deutlich mehr Stadt. Nicht von deutlich mehr Theater. Man soll es nicht glauben, aber das ist ein Unterschied. (Mit dem Theater haben wir in Bochum die einzige Trumpfkarte. Aber fällt ihnen sonst noch eine ein, warum Bochum irgendwie chick sein sollte?). Und der Blick auf die Landkarte sollte zeigen, dass auch Bochum nicht ganz umlandfrei ist. Herne. Hattingen. Sprockhövel. Witten. Da gibts ne ganze Menge Leute, die die Auswahl zwischen Dortmund und Bochum haben, bei der Frage, wo’s einen am Wochenende oder zum Einkaufen hinzieht. Und was für die Entscheidung zählt ist nicht, wo’s mehr Konzerthäuser gibt oder mehr Theater. Sondern was sich mehr nach Stadt anfühlt. Und das tut Bochum eben nicht, weil man in dieser architektonischen Ödnis Bochum an jeder Ecke merkt, dass die Einwohner sich offenbar nicht als Städter begreifen, sondern als Dorfbewohner, die Dinge nur insoweit machen, als sie unmittelbar nutzbringend sind. Stadt zeichnet sich aber immer auch ein bisschen durch Angeberei aus, durch Überflüssigkeit. Oder was finden wir schön, wenn wir nach Paris, London, Münster, Freiburg und so weiter fahen? Dass es da Dinge gibt, die einfach nur Geld kosten, niemandem unmittelbar nutzen, aber da sind und gut aussehen. Plätze, Angebergebäude der letzten Jahrhunderte, Parks, Skulpturen, Treppen. Die Möglichkeit, belebt zu werden. Bochum fehlt genau das, und wir müssen versuchen, für die nachfolgenden Generationen das in Bochum herzustellen, städtischer werden. Weg vom Zweck. Essen und Dortmund gelingt genau das inzwischen deutlich besser.

  • #61
    Stefan Laurin

    @Ulrich Fuchs: Das einzig Urbane in Bochum ist das Bermudadreieck. Ein Haus in dem Musik für alte Leute gespielt wird, ist da kein großer Gewinn. Schauen sie sich doch einmal die Untersuchungen an wer in klassische Konzerte reingeht… Sie können auch einen Edel-Tanztreff für Senioren fordern. Wichtiger wäre es für Freiräume für kleine Initiativen und Kulturgruppen zu fördern.
    Und wenn Sie der Stadt helfen wollen, dann machen Sie was gegen den geplante ECE-Citykiller. Wenn der kommt es sowieso alles egal.

  • #62
    Maik

    @#55 | Arnold Voß

    Och, Sie kennen doch gar nicht meine Präferenzen für ein Schwimmbad. Was glauben Sie, was mir das Wert ist. Ich spare eine insg. 1 Stunde Fahrzeit mit der EVAG und auch noch über 5€ für die Tickets pro Schwimmbadtag. Da sind die 1000 € selbst mit Eintrittsgeld (das ich ja woanders auch zahlen müsste) gut angelegt, wenn ich das auf 10 Jahre hochrechne erhöhe ich glatt auf 2000€ mit Absetzung von der Steuer auf 3000€. 😉 und da ist immer noch nichts subjektiv bewertetes drin.

    Für mich ist das dann sehr wohl ein Super-Deal, fraglich ist nur, ob es insg. eine Begründung gibt, dass wegen mir öffentlich zu finanzieren.

    Die Philharmonie können Sie wegen mir geschenkt haben. War es die Hütte, die Millionen nachgeschossen bekommen hatte, weil der (damalige) Intendant das Budget überzogen hatte? Ich meine, das war in dem Jahr, wo die Zeche Carl wegen einem Minus im untersten sechsstelligen Bereich dicht machen musste… Das sind halt die Geschenke, die man so bekommt. Da ist das egal, ob das vom Herrn Beitz oder von Frau Müller ist.

    Ich will die Spendenbereitschaft aber gar nicht madig mache. Ich finde das toll, ehrenwert und das wird viel zu wenig gemacht. Es nützt aber nichts, das man einem geschenkten Gaul eben doch auch mal ins Maul schauen sollte. Und der Bürger, wie Herr Townsend ja anmerkte mit seriösen und transparenten Zahlen gefüttert wird über was er da eigentlich abstimmt bzw. im Rat hat abstimmen lassen. Die repräsentative Demokratie sollte nämlich kein Deckmantel für Intransparenz sein, wie das Herr Townsend gerne hätte. Bis jetzt sieht es doch so aus, das nicht eine Zahl, die dieser Kulturdezernent in den Raum geworfen hat haltbar ist. Zumindest konnte er kein Gegenargument entkräften. Im Gegenteil, nach dem er Steuergelder für das Aufschreiben von Lügenzahlen ausgegeben stiehlt er sich kackendreist aus der Affäre, in dem er sagt für die Richtigstellung meiner falschen Zahlen werde er vom Steuerzahler nicht bezahlt. Touché und sauber dem Bochumer Bürger in die Fresse gespuckt.

  • #63
    Maik

    Nachtrag: Es war die Philharmonie: http://www.welt.de/welt_print/article2484836/Warum-die-Essener-Philharmonie-ihren-Intendanten-feuert.html

    Fairerweise muss man nat. noch anmerken, dass man so einen Intendanten nun wirklich nicht einkalkulieren kann

  • #64
    thomas

    @Ulrich Fuchs

    Da haben sie ja richtig den Überblick über die Situation.
    Es geht unteranderem genau um den Erhalt auch von kurzen Schulwegen. Mein Sohn läuft jetzt 15 bis zwanzig Minuten zur Schule. Und das soll auch so bleiben.
    Es ist sicher kein LUXUSPROBLEM wenn man sich über unsinnige Schulschließungen aufregt.
    Was machen weniger gut aufgestellte Familien, sie sind die die finanziell getroffen werden, wenn es darum geht die Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Ökologisch kann man darüber auch diskutieren. Oder die Förderung der Selbständigkeit.

    Machen sie sich mal einen Überblick und nennen sie eine fußläufige Alternative zur Borgholzschule, die Brenscheder wird wohl kaum die Kapazität haben zwei Klassen aufzunehmen.
    Erst denken dann posten, wie so oft im Leben!

  • #65
  • #66
    C. Karpus

    @ Ulrich Fuchs

    Die Frage von Thomas aufnehmend:

    Nennen Sie mir doch bitte Ihren Tip zu welcher Schule ein Kind laufen soll, das Ecke Nordring/Kortumstraße wohnt.

    Jetzt bitte nicht die Weilenbrinkschule nennen, die ist nämlich nicht für alle offen.

  • #67
    Dirk Kropp

    Sehr geehrter Herr Karpus,

    Ich bin PR-Berater. Sie sind Rechtsanwalt. Ich muss in meinem Beruf – ähnlich wie ein Journalist – Fakten recherchieren, auf Ihren Wahrheitsgehalt prüfen und bewerten. Sie müssen das vielleicht nicht, das kann ich nicht beurteilen.

    Wenn Sie aber schon recherchieren, wer mit Ihnen diskutiert, dann machen Sie das bitte mit dem Eifer bzw. der Pedanterie, mit der Sie für Ihre Sache streiten.

    Sollten Sie mir noch einmal – wenn auch indirekt – unterstellen, ich sei ein bezahlter PR-Berater der Stadt Bochum, dann dürfen Sie sich über Post eines Kollegen freuen.

    PS: In Bochum geboren und seit 46 Jahren hier beheimatet!

    Mit freundlichem Gruß
    Dirk Kropp

  • #68
    Arend Weitzel

    Argumente für das Musikzentrum Bochum

    Behauptung: Die Stadt spart, wenn das Musikzentrum nicht gebaut wird…

    Sollte das Zentrum nicht gebaut werden, spart die Stadt lediglich einmalig den Eigenanteil von 2,4 Mio. € für das Musikzentrum und 2,17 Mio. für die Jahrhunderthalle und jährlich 300.000 € zusätzliche Betriebskosten für das Musikzentrum.
    In 10 Jahren hätten wir damit 7 Mio. gespart, aber mindestens 43 Mio. € verloren!:
    – 19 Mio. € Förderung für das Musikzentrum durch Land und EU.
    – 14 Mio. € private Spenden (inkl. 2 Mio. Sparkasse/Stadtwerke) für das Musikzentrum.
    – 10 Mio. € Investitionskosten des Landes für die Jahrhunderthalle.
    – plus die zu erwartenden wirtschaftlichen Effekte, durch den Impuls, den das Musikzentrum für Stadtentwicklung und Aufwertung der Innenstadt bringen würde (Stichwort: Umwegrentabilität).

    Behauptung: Die Stadt kann sich die Betriebskosten für das Musikzentrum nicht leisten…

    Die Betriebskosten für das Musikzentrum sind mit 650.000 € im städtischen Haushalt veranschlagt. 350.000 € davon kommen aus dem Etat der Bochumer Symphoniker (Kostenumwandlung durch gesparte Transporte, Mieten, Technikaushilfen, ..)
    Zusätzliche Kosten nur 300.000 €, aber für das gesamte Haus; also auch Nutzung durch Musikschule, freie Gruppen, Chöre, Schüler, etc..

    Behauptung: die Betriebskosten für die Jahrhunderthalle betragen 3 – 5 Mio. € jährlich…

    Die Unterhaltskosten für die Jahrhunderthalle betragen jährlich 400.000 €, was sich bis zur Übernahme durch die Stadt Bochum 2023 nicht ändern wird (der Rest wird weiterhin vom Land gezahlt).

    Behauptung: In Zeiten knapper Kassen müssen wir vor allem in Bildung investieren, nicht in Hochkultur…

    Bildung und Kultur ist kein Gegensatz, sondern ein untrennbares Paar. Musikalische Bildung ist schon jetzt ein zentraler Bestandteil der Arbeit der Bochumer Musikschule und der Bochumer Symphoniker und wird Kernstück des Angebots des Musikzentrums sein.
    Studien belegen, daß die Beschäftigung mit Musik die geistige und soziale Entwicklung von Kindern extrem befördert.
    Schon jetzt erreichen die Bochumer Symphoniker jährlich über 10.000 Schüler mit ihren Educationprojekten, die Musikschule hat über 11.000 Schüler plus hundert Kinder im JeKi-Projekt – diese Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wird sich durch die besseren Bedingungen im Musikzentrum noch steigern.

    Behauptung: Schulen und Straßen werden nicht saniert, weil das Geld in’s Musikzentrum fließt…

    Alle Fördermittel sind zweckgebunden. Wenn das Musikzentrum nicht gebaut wird, kann das Geld NICHT für Schul- oder Straßensanierungen verwendet werden. In den vergangenen Jahren wurden außerdem bereits mehr als 80 Mio. € in Schulneu- und umbauten investiert.

    Behauptung: Es gibt genug Konzerthäuser im Ruhrgebiet…

    Wir bauen kein Konzerthaus, keine Philharmonie, keinen elitären Tempel für die Hochkultur, sondern eine Bildungseinrichtung, eine Begegnungsstätte für alle Bochumer Bürgerinnen und Bürger und eine adäquate Spiel- und Probenstätte für die Bochumer Symphoniker und die Bochumer Musikschule.

    Behauptung: Der Bau wird teurer als veranschlagt…

    Die Kosten sind im Wettbewerb auf 33 Mio. € festgeschrieben. Schon im Verfahren findet eine enge Kostenkontrolle statt. Sollte sich im Wettbewerb herausstellen, daß alle Entwürfe zu teuer sind, wird nicht gebaut.
    Kostenüberschreitungen müssen nicht sein. Auch in Bochum gibt es dafür Beispiele, z.B. das neue Gymnasium.

    Behauptung: Der Stadt geht nichts verloren, wenn das Musikzentrum nicht gebaut wird…

    Für 2,4 Mio. € Eigenanteil bekommt die Stadt ein Musikzentrum im Wert von 33 Mio. € geschenkt.
    Sollte das Zentrum nicht gebaut werden, muß die Stadt Investitionen von mindestens 5 Mio € tätigen, um die Probenstätte der Bochumer Symphoniker so um- bzw. neu zu bauen, daß Arbeitsschutzbedingungen eingehalten werden. Es geht hier auch um die Arbeitsbedingungen von über 100 städtischen Mitarbeitern!
    Wenn man nicht investiert und Bochum auch noch die letzten Anziehungspunkte nimmt, ist die Abwärtsspirale nicht mehr aufzuhalten. Es werden sich weniger neue Firmen ansiedeln, es werden weniger Arbeitsplätze geschaffen, es wird weniger gut verdienende Mitarbeiter geben, er wird weniger Kaufkraft in den Bochumer Einzelhandel fließen, die Einwohnerzahlen werden sinken, es wird noch weniger Kinder geben, es werden noch mehr Schulen geschlossen.

    Behauptung: Die Konzerte der Bochumer Symphoniker sind nur für eine besserverdienende Elite…

    Eintrittskarten für die Konzerte der Bochumer Symphoniker sind ab 14,30 € zu haben. Mit den üblichen Ermäßigungen sogar für die Hälfte.
    Zum Vergleich:
    – Eintrittskarte Circus Charles Knie: 20,00 €
    – Günstigster Sitzplatz Rewirpowerstadion: 22,50 €
    – Günstigster Sitzplatz Starlightexpress: 29,90 €
    – Günstigste Eintrittskarte Grönemeyer-Konzert am 22.05.2012 im Rewirpowerstadion: 86,00 €
    – Günstigste Karte für Herbert Knebel am 23.03.2012 im Ruhrcongress: 28,00 €

  • #69
    C. Karpus

    Sehr geehrter Herr Kropp,

    für die Klarstellung bedanke ich mich und bitte Sie um Entschuldigung.

    Mit freundlichen Grüßen

    C. Karpus

  • #70
    Volker Steude

    @Weitzel

    wenn Ihre Kostenangaben nicht vollständig sind, werden die Bürgern zu recht beim Bürgerentscheid gegen das Projekt stimmen.

    Geben Sie bitte an:
    – Höhe der Spenden von Stadtsparkasse, Stadtwerken und VBW
    – jährliche Kosten für die Instandhaltung des Musikzentrums
    – jährliche Kosten für die Abschreibung des Musikzentrums
    – jährliche Zinslast für 6,57 Mio. (2,4 Mio Stadt, 2 Mio. Stadtwerke, 2,17 Mio Jahrhunderthalle)
    – jährliche Kosten für Abschreibungen Jahrhunderthalle
    – jährliche Kosten für zusätzlichen künstlerischen Aufwand

    Die JHH hat einen Zuschussbedarf von 2.248 Mio. EUR (siehe Verwaltungsvorlage 20101500). Davon trägt die Stadt heute 0,4 Mio. Wenn die Stadt das Eigentum vom Land übernimmt, muss sie grds. die gesamten Zuschüsse tragen, ggf. werden diese noch bis 2023 vom Land übernommen. Spätestens danach sind die Zuschüsse für die JHH für die Stadt ein Problem.

    Dia unreflektierte Angabe von Zahlen ohne Quelle schaden Ihrem Vorhaben, da leicht erkennbar ist, dass die Zahlen unvollständig sind.

  • #71
  • #72
    Arend Weitzel

    FAQ MUSIKZENTRUM BOCHUM

    Warum braucht Bochum ein Musikzentrum?
    Bochum braucht ein Musikzentrum als Bildungseinrichtung und Begegnungsstätte für alle Bürgerinnen und Bürger. Sowohl die über 10.000 Musikschülerinnen und Musikschüler als auch die Bochumer Symphoniker benötigen dringend eine adäquate Spiel- und Probenstätte. Das Musikzentrum wird aber zugleich künstlerisch-professionellen Schaffensraum für alle anderen musikalischen Akteure der Stadt wie die zahlreichen Chöre bieten. Solch eine Einrichtung fehlt bisher.

    Wie groß soll das Musikzentrum sein?
    Die aktuellen Planungen für das Musikzentrum sind auf die konkreten Bochumer Bedürfnisse und Ziele abgestimmt. Dazu gehört als Raumprogramm:
    • ein konzertant nutzbarer, großer Saal mit 820 bis 1000 Plätzen und Bühne
    • ein nicht fest bestuhlter, für Musikakustik optimierter Multifunktionssaal in der Marienkirche mit etwa 200 bis 400 Plätzen und Bühne
    • Workshop- / Seminarräume, Education-Center
    • ein großes Foyer – auch für Lesungen, kleinere Konzerte, Get-Togethers und nicht Vorhersehbares
    • Stimmzimmer, Probenräume, Künstlergarderoben
    • Räume für die Infrastruktur eines konzertanten Hauses
    • Notenarchiv, Inspizientenräume, Lagerräume

    Ideal wäre auch die Unterbringung der Verwaltungsräume der Bochumer Symphoniker im Gebäude oder in unmittelbarer Umgebung des Musikzentrums.

    Wie soll es aussehen?
    Zurzeit läuft der Architekturwettbewerb, in dessen Rahmen zehn Architekturbüros aufgefordert worden sind, Entwürfe für die Errichtung des Musikzentrums zu planen und einzureichen.

    Wann soll das Musikzentrum gebaut werden?
    Geplanter Baubeginn ist 2013.

    Wer soll es nutzen?
    Das Musikzentrum soll als Spiel- und Probenstätte der Bochumer Symphoniker und als Forum für musikalische Bildung der Bochumer Musikschule und weiterer kultureller Anbieter und Produzenten dienen, außerdem der gemeinnützigen Förderung von Musik, kultureller Bildung und Wissenschaft.

    Kann sich Bochum ein Musikzentrum leisten?
    Bochum kann es sich keinesfalls leisten, nicht mehr in Stadtentwicklung zu investieren: in Straßen, moderne Seniorenzentren, Kindertagesstätten, Schulen. Bochums Bürgerinnen und Bürger wissen: Eine Stadt, die nicht mehr investiert, verliert ihre Anziehungskraft, ist nicht mehr lebenswert. Und sie verliert damit auch viele Einnahmen – die Grundlage von Investitionen in der Zukunft.

    Firmen, die qualifizierte Fachkräfte benötigen, hätten es deutlich schwerer, ohne attraktives kulturelles Umfeld diese für den Standort Bochum zu motivieren, es würden somit möglicherweise weniger Arbeitsplätze geschaffen, gut verdienende, hochqualifizierte und mobile Fachkräfte könnten ihren Wohnsitz mit ihren Familien in anderen Städten wählen mit allen Konsequenzen für Steuerkraft, Kaufkraft, Immobilienmarkt etc.

    Bochum kann es sich nicht leisten, durch den Verzicht auf Investitionen in Einrichtungen, die Garanten für eine hohe Lebensqualität sind, seine oberzentrale Position, seine Stellung als kulturelles Zentrum der Region durch Stillstand oder gar Rückwärtsentwicklung aufs Spiel zu setzen. Dazu gehören insbesondere auch Einrichtungen der Hoch- und Basiskultur, der kulturellen Bildung, der Freien Kulturszene und dazu gehört auch das Musikzentrum.

    Fehlt das Geld, das für den Neubau des Musikzentrums ausgegeben wird, an anderer Stelle?

    Alle Fördermittel sind zweckgebunden. Wenn das Musikzentrum nicht gebaut würde, könnte das Geld nicht für Schul- oder Straßensanierungen verwendet werden. Es könnte noch nicht einmal in Bochum eingesetzt werden.

    Außerdem: Bochum investiert im derzeitigen Fünf-Jahres-Zyklus mehr als 100 Millionen Euro, dem größten Investitionsbudget der Stadt, in Schulneu- und umbauten und engagiert sich mit viel Geld für den Ausbau der Kinderbetreuung.

    Wie hoch sind die Kosten für das Musikzentrum, und wie teilen sie sich auf?
    Die Kosten sind im Wettbewerb auf 33 Millionen Euro festgeschrieben. Schon im Verfahren findet eine strenge Kostenkontrolle statt. Sollte sich im Wettbewerb herausstellen, dass alle Entwürfe zu teuer sind, würde nicht gebaut. Die zusätzlichen gebäudespezifischen Betriebskosten dürfen sich auf maximal 650.000 Euro jährlich belaufen. Davon erwirtschaften die Bochumer Symphoniker jährlich 350.000 Euro selbst im Rahmen Ihres vorhandenen Budgets.

    Wie werden die Kosten finanziert?
    16,53 Millionen Euro Förderung für das Musikzentrum kommen von Land und EU, 14,3 Millionen von privaten Spendern – inklusive zwei Millionen von Sparkasse und Stadtwerken als selbständige Unternehmensentscheidungen, 2.4 Millionen beträgt der kommunale Eigenanteil.

    Nicht in Euro und Cent zu beziffern sind der Imagegewinn und die wirtschaftlichen Effekte durch die Impulse, die das Musikzentrum für die Stadtentwicklung und die Aufwertung der Innenstadt bringt. Wenn das Zentrum nicht gebaut würde, sparte die Stadt lediglich einmalig ihren Eigenanteil von 2,4 Millionen Euro für das Musikzentrum und 300.000 Euro zusätzliche Betriebskosten jährlich.

    Für Abschreibung nach den Regeln der kommunalen Finanzwirtschaft ist mit deutlich unter 100.000 Euro Jährlich zu rechnen.

    Wie kommt es zum herausragenden Engagement der Bochumer für das Musikzentrum?

    Bochum hat ein kulturell ambitioniertes Publikum. Hier leben viele Menschen, die häufig kulturelle Veranstaltungen besuchen, nicht zuletzt dank der Tradition des seit Jahrzehnten renommierten Schauspielhauses. Bochums Bürgerinnen und Bürger haben für die Förderung der Musik in vielfältiger Form Verantwortung übernommen.

    Mit der Stiftung für ein Konzerthaus hat ihr Engagement eine neue Dimension erreicht: 14,3 Millionen Euro kommen von privaten Spendern. Dies zeigt die Bereitschaft der Menschen in der Ruhrregion, auch in schwierigen ökonomischen Zeiten Verantwortung für die Lebensqualität in Bochum zu übernehmen. Ohne dieses überwältigende bürgerschaftliche Eintreten für das Projekt gäbe es das Musikzentrum nicht, da ein großer Teil der Finanzierung nicht sicher gestellt werden könnte.

    Dafür ist den über 25.000 Spendern ein besonderer Dank auszusprechen.

    Könnten die Bochumer Symphoniker nicht weiter an Orten wie dem Audi Max, der Jahrhunderthalle Bochum und draußen spielen?
    Das Audi Max der Ruhr-Universität ist in erster Linie der größte Hörsaal der Ruhr-Universität und auf damit auf die akustischen Belange von Vorträgen etc. ausgelegt, nicht für Musikakustik.

    Die Jahrhunderthalle Bochum ist Hauptspielort der Ruhrtriennale und damit über den größten Teil des Jahres durch diese und andere Veranstaltungen belegt, so dass hier keine kontinuierliche Spiel- und Probenstätte für die Bochumer Symphoniker oder die Musikschule eingerichtet werden könnte. Ebenso ist die Charakteristik der Akustik des Schauspielhauses als Sprechtheater.

    Die Bochumer Symphoniker werden auch nach der Errichtung des Musikzentrums ihre Tradition beibehalten, Produktionen an den Orten zu präsentieren, an denen sie bisher auch gespielt haben, wie Open Air Konzerte im Bermuda3eck oder Konzerte in der Bogestra-Wagenhalle .

    Für ihre hochkarätigen Sinfoniekonzerte benötigen jedoch einen auf Naturklang hin optimierten Raum, der von seiner Größe und seinem Volumen ihrer hohen künstlerischen Qualität entspricht. Den gibt es derzeit in Bochum in dieser Beschaffenheit nicht.

  • #73
    elioth

    Alle Befürworter sprechen immer davon das die Stadt „nur“ 2,4mio dazu tun muss. Aber wenn ich keine 2,4mio Euro habe? Ich kann mir doch auch kein Haus kaufen nur weil es grad im Angebot ist… Wenn kein Geld da ist kann ich es auch nicht ausgeben… schon gar nicht für Dinge die nicht Überlebensnotwendig sind… Das lernen meine Kinder ja jetzt schon mit ihrem Taschengeld… Traurig das Erwachsene Menschen nicht verstehen was kleine Kinder im Grundschulalter begreifen! Außerdem tut Herr Towns End immer so als würden wir in Bochum in einer Kulturwüste leben… Auf der einen Seite wird überlegt das Museum (welches übrigens viele Angebote auch für Kinder berreithält)zu schließen auf der anderen Seite schreit er nach Kultur in Bochum… Dann das Argument es gäbe direkte Verbindungen zwischen dem MZ und den Grundschulen alleine über das JEKI-Projekt… Das ist ja der größte Witz… Hat schon mal jemand die Kosten dafür betrachtet? Sicher immer noch günstiger als Privater Unterricht, aber von JEDEM Kind ein Instrument kann auch hier wohl keine Rede sein! Also wenn Das Geld das die Stadt NICHT hat, trotzdem ausgegeben werden soll, dann gibt es sicher bessere Möglichkeiten und ich spreche hier nicht nur vom Erhalt von Grundschulen.

    Thema Sanierungsstau an Grundschulen und damit verbundene Kosten… Die Borgholzschule ist komplett renoviert und saniert… es gibt soger gewisse extras die vom Förderverein der Schule bezahlt werden (Lärmschutzsegel u.ä.) und damit nie Beantragt wurden… Also warum eine Schule Schließen die
    1. keinen Sanierungsstau und damit verbundene Kosten hat?
    2. genug Interessenten hat um zwei Klassen Bilden zu können
    3. eine großzügige motivierte Ganztagsbetreuung anbietet (80 Plätze 8-16h)
    4. eine Schule die seit über 100 Jahren (älteste Grundschule Bochums) gute Arbeit leistet und gestärkte selbstbewuste Schüler an die Weiterführenden Schulen entlässt

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  • #77
    t.weber

    Hallo, ich war Heute Morgen 05.11.2012 in Bochum bei den Baumfällarbeiten. Eine
    Frau Scholz war nicht da. Sie wird sich aber wohl wieder im Blitzlicht sonnen bei der Grundsteinlegung sowie der Einweihung. Ich als zugezogener Essener muss sagen: es gibt soviele Schandflecken in Bochum, da kann so ein Haus allein auch nicht glänzen.!!!!!!!!!!

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