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Kopftuch-Konferenz: Protest weniger versprengter Wirrköpfe

Protest einer großen Volksmasse gegen die Kopftuch-Konferenz Susanne Schröters

Protest einer großen Volksmasse gegen die Kopftuch-Konferenz Susanne Schröters

Kopftuch-Konferenz der Professorin Schröter in Frankfurt: Der Protest dagegen will als linke Massenbewegung erscheinen. Aber er ist es nicht.

Um 10 Uhr am heutigen Mittwoch begann die Kopftuch-Konferenz der Frankfurter Professorin Susanne Schröter unter dem Veranstaltungstitel „Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?“. Auf dieser Konferenz diskutiert die Ethnologin und Leiterin des Forschungsinstituts Globaler Islam mit Gegnern des Kopftuchs wie der Feministin Alice Schwarzer, der Frauenrechtsorganisation Terre des femmes, aber auch Kopftuchbefürwortern wie der Journalistin Khola Maryam Hübsch.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung gab es in den sozialen Medien eine Hetzkampagne gegen Schröter, in der dieser Rassismus vorgeworfen, die Absage der Konferenz und Schröters Entlassung gefordert wurde. Hinter dieser Kampagne stecken vorgeblich Studierende, die sich gegen sogenannten „antimuslimischen Rassismus“ einsetzen und von „Intersektionalität“ über „Dekolonialisierung der Universitäten“ bis hin zu „Critical Whiteness“ alle Buzzwords der postmodernen Identitätspolitik abspulen.

Ihr Weltbild ist eine krude Mischung aus postmoderner Theorie à la Judith Butler, einem Irrweg des Antirassismus namens „Critical Whiteness“ (kritisches Weiß-Sein) und dem antisemitischen Gedankengut der BDS-Bewegung. Und nicht zuletzt kooperieren sie auch immer wieder im Dienste der Sache mit islamistischen Strukturen und Einzelpersonen.

Kopftuch-Konferenz: Diskussion als Akt der Gewalt

Ihr Ziel ist es, den Diskurs unmöglich zu machen und Diskussionen zu unterdrücken. Sie wollen als eine linke Massenbwegung erscheinen, die zwar einerseits von den privilegierten Herrschenden verfolgt wird und die Stimme der Unterdrückten ist, anderseits aber eigentlich die Mehrheit darstellt. Aus ihrer Sicht ist Diskussion ein Akt der Gewalt, das Essen von ausländischen Gerichten „kulturelle Aneignung“ und Widerspruch ein Zeichen der Unterdrückung durch die Privilegierten. Ihr Bild von den Privilegierten ist dabei ebenso imaginiert wie ihr Bild von den Unterdrückten. Sie sind aber keine Massenbewegung, sondern ein paar versprengte Wirrköpfe. Es sind die immer gleichen und bei weitem nicht ausschließlich studentische Aktivisten, die versuchen, durch lautstarkes Geplärre eine Masse und organisatorische Basis zu suggerieren, die sie rein faktisch nicht haben.

Im anglo-amerikanischen Raum sind diese Aktivisten wesentlich erfolgreicher als in Deutschland. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sich in Deutschland erheblicher Widerstand dagegen formiert hat. Nicht zuletzt auch vor allem durch linke politische Studierendenorganisationen und die linken Studierendenvertreter im Land. Während sich in den USA oder Großbritannien zum Beispiel die antisemitische BDS-Bewegung, die einen Boykott Israels propagiert, bei den großen politischen Studierendenorganisationen größter Beliebtheit erfreut, haben sich in Deutschland fast alle großen parteipolitischen Studierendenorganisationen und der Dachverband der Studierendenvertretungen  demonstrativ gegen BDS ausgesprochen, ebenso wie die lokalen Studierendenvertretungen etlicher großer deutscher Universitäten.

Und das ist eigentlich auch nicht verwunderlich, denn im Kern verfolgen die wirren Aktivisten auch keine linke Zielsetzung. Sie wollen eine Welt, in der Kulturen und Religionen unvermischt gleichberechtigt nebeneinander existieren und in der einzelne Interessengruppen immer weiter ausdifferenziert und gespalten werden, statt solidarisch füreinander einzustehen und für gemeinsame Interessen zu kämpfen. Im Kern ist das die rechtsextreme Theorie des Ethnopluralismus für liberale Millennials.

Versprengtes Häuflein statt Massenbewegung

Susanne Schröter

Sieht nicht gerade nach Massenbewegung aus.

Auch im Fall Schröter hat sich die Studierendenvertretung der Frankfurter Studierenden , die von Jusos, Linke Liste, Demokratische Linke, Initiative Demokratische Hochschule und einer Gruppe von Medizinstudierenden gestellt wird, demonstrativ hinter die Professorin gestellt, und bezüglich der Kritik am islamischen Kopftuch erklärte die Feminismusreferentin des AStA Frankfurt, Fatma Keser : „Wir würden uns radikaler positionieren als Susanne Schröter selbst, was das angeht.“

Haben konservative Kommentatoren also Recht, wenn sie hinter den Protesten und der Hetzkampagne das linke Establishment der Universitäten, wenn nicht gar der ganzen Bundesrepublik vermuten? Nein. Man sieht es auf den Bildern: Ein versprengtes Häuflein erbitterter Eiferer. Es waren mehr Journalisten da als Protestierende. Sie sind keine Massenbewegung und sprechen nicht für die Studierenden deutscher Universitäten, auch nicht für die Linken unter ihnen. Damit das so bleibt, sollte man wachsam sein. Was man nicht tun sollte, ist, ihre Lüge, dass sie für die Mehrheit sprächen, auch noch zu bekräftigen.

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30 Kommentare zu “Kopftuch-Konferenz: Protest weniger versprengter Wirrköpfe

  • #1
    Paul Möllers

    Danke für diesen Bericht. Ich habe allerdings einen Einwand: "Sie sind aber keine Massenbewegung, sondern ein paar versprengte Wirrköpfe." ?? Leider nein, zumindest wenn ich die Lage in Berlin schildern darf: Dort werden sämtliche intersektional argumentierenden Interessengruppen schon mit Fördergeldern unterstützt, viele haben sich schon Posten im Senat ergattert, die Curricula gerade in der Lehrerbildung sind dementsprechend ausgerichtet. Diese Vereine, oft haben sie Bündnispartner wie die Muslimbruderschaft, z.B. Inssan e.V., haben schon erfolgreich zumindest die Landtagsabgeordneten von Rot über Grün bis Links auf ihre Seite gezogen. Also, ich stimme nicht zu, "dass sich in Deutschland erheblicher Widerstand dagegen formiert hat" – gerade die jungen Leute, angehende Lehrer und Sozialpädagogen sind schon entsprechend beeinflusst worden, Kritiker werden mit Erfolg als "Nazis" diffamiert.

  • #2
    Kobra

    Lieber Herr Herr, Ich verstehe Ihre Bedürfnis, Meinungsfreiheit zu verteidigen und hinter Frau Schröters Veranstaltung zu stehen. Jeder Mensch soll sagen und meinen dürfen, was er/sie will. Die Debatte über das Kopftuch wird seit einigen Jahrzehnten in Deutschland geführt. Es gibt Frauen, die unterdrückt werden und das Kopftuch tragen. Allerdings gibt es auch Frauen, die es aus selbstbestimmten Gründen das Kopftuch tragen wollen. Ich habe hier lediglich zwei Gründe genannt, warum Frauen das Kopftuch tragen. Anstatt zu fragen ob ein Kleidungsstück unterdrückt oder nicht, sollte man eher eine Debatte darüber führen, welche Unterdrückungsstrukturen es gibt und wo und bei wem sie vor kommen. Denn nur so, kommt man evtl. auf das Ergebnis, dass kein Kleidungsstück unterdrückt, sondern Menschen.

    Die Muslime, die sie hier als "versprengtes Häuflein erbitterter Eiferer" bezeichnen, sind muslimische Akademiker*innen, die ihr Recht auf Meinungsfreiheit wahrnehmen sowie ihr Demonstrationsrecht. Offensichtlich hat Frau Schröter und Alice Schwarzer noch keinen Frieden damit gefunden, dass Frauen freiwillig Kopftücher tragen wollen. Leider bieten beide Personen auch nicht den nötigen Nährboden und die notwendige Offenheit in diesem Punkt, eine neue Synergie zu schaffen und das Wissenshorizont zu erweitern. Synergien schafft man lediglich nur, wenn man es hinkriegt, sich in die andere Person hinein fühlen zu können und seine eigene Perspektive dadurch zu verändern und weiter zu entwickeln. Dieser Raum des Austausches ist leider in dieser Form wie sie Frau Schröter gewählt hat, nicht möglich. Es wird lediglich eine Debatte geführt die sich seit Jahrzehnten nicht weiter entwickelt hat. der Forschungsstandpunkt bei Frau Schröter sowie bei Alice Schwarzer ist der aus den 80er oder 90er Jahren bzw. 2001er Jahren. Im wissenschaftlichem Milieu sollte der aktuelle Forschungsstand mit berücksichtigt werden. Denn seit 2001 ist unglaublich viel passiert in der muslimischen Community, die getragen wird von pro aktiven muslimischen Akademiker*innen auf der gesamten Welt.

    Weil genau diese Entwicklung ignoriert wird, gehen Muslime auf die Straßen und entwickeln neue Hashtags, weil sie sich ignoriert fühlen. Meiner Ansicht nach verliert die Wissenschaft an Glaubwürdigkeit wenn sie
    a) den aktuellen Forschungsstand ignoriert und den Titel nicht zeitgemäß anpasst
    b) wenn Meinungsjournalismus geführt wird
    c) die Gefühle der Personen, über die debattiert wird, nicht respektiert
    und
    d) sogar in eine Rechtfertigungshaltung drängt, sich lediglich verteidigen zu dürfen aber nicht verstanden werden zu wollen.

    Eine Wissenschaft, die aus dem Affekt heraus entsteht, ist keine Wissenschaft, sondern Missbrauch von Wissenschaft. Dass Sie daraufhin so abwertend über die Muslime schreiben, die sich als freiheitlich-demokratische deutsche Staatsbürger fühlen, ist fatal.

    Vielmehr dürfen Sie sich fragen, warum sie den "Am Arsch vorbei ist auch ein Weg"-Weg gewählt haben, wenn es um die verletzten Gefühle von vielen Muslimen in diesem Land geht, die sich von antimuslimischen Rassismus betroffen fühlen.

  • #3
    discipulussenecae

    "Studierende, Studierendenorganisationen, Studierendenvertreter (warum nicht *innen?), Studierendenvertretung, Medizinstudierende …" Diese Terminologie ist zum einen äußerst schlechtes Deutsch und zum anderen genau so vorgeblich politisch korrekt wie die im Beitrag kritisierten Positionen und "Buzzwords der postmodernen Identitätspolitik" …

    Und warum gibt es dann konsequent weitergedacht nur "konservative Kommentatoren" und "Journalisten", aber immerhin einige "Protestierende"? Die Texte der RUHRBARONE waren schon besser geschrieben!

  • #4
    Siegbrecht

    "… antimuslimischen Rassismus …"

    Warum verwenden Sie diesen Kampfausdruck? Sind Sie Rassist, dass Sie Menschen nach ihrer Religionszugehörigkeit in Rassen einteilen? Gibt es etwa auch einen antichristlichen Rassismus? Wenn ja, wer übt ihn aus?

    Reicht Ihnen das Totschlagwort "Islamophobie" nicht aus? Es wurde von den klerikal faschistischen Unterdrückern der iranischen Frauen in Umlauf gebracht. Im Iran werden die Frauen gezwungen eine Kopftuch zu tragen. Folgen sie dem Zwang nicht drohen ihnen körperliche Strafen & Gefängnis.

  • #5
    Nina

    @2 Kobra: Verstehe nicht. Das Podium mit den geladenen Gästen scheint doch ausgewogen, es wurden sowohl Menschen, die für das Kopftuch sind als auch Menschen, die gegen das Kopftuch sind, eingeladen.
    Und was das Verletzen von religiösen Gefühlen angeht-ja mei, das ist ein freier Staat und im Rahmen der Gesetze darf ich diese "Gefühle" auch verletzen. Religiös zu sein ist kein Verdienst und keine unantastbare Kostbarkeit. Alte Menschen verdienen meinen Respekt aber nicht Gläubige. Ich muss sie nicht respektieren, ganz einfach. Und wenn ich mich jetzt daran erinnere, wozu Gläubige fähig sind, wenn man in der Kunst und Satire eine Figur namens Prophet karikiert, dann wird mir speiübel. Charlie Hebdo ist nicht vergessen.

  • #6
    Helmut Junge

    https://www.welt.de/vermischtes/article193196869/Frankfurt-Alice-Schwarzer-beklagt-Sprechverbot-fuer-Kopftuch-Kritiker.html

  • #7
    paule t.

    Alice Schwarzer beklagt ein Sprechverbot.
    Als Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion.
    Finde den Fehler.

  • #8
    Daniel

    #7: liebster paule, da gibt es keinen Fehler. Die Verwirrten und Schneeflöckchen stehen dort und polemisieren in sozialen Medien, weil sie sprechverbote fordern. Gesellschaftliche Ausgrenzung, morddrohungen und Bedrohung der finanziellen Lebensgrundlage sind für Menschen, die die Religion des Friedens kritisieren, eine stete und realistische Gefahr.
    Dass du das gern abstreitest, ist bekannt. Wird langsam langweilig.

  • #9
    Nick

    @ paule t.

    Der Fehler ist Schwarzer. Durch die Einladung von Schwarzer: die ganze Veranstaltung.

  • #10
    paule t.

    @#8
    Ja, ganz richtig: Eine ziemlich kleine Gruppe hat ein Sprechverbot gefordert (allerdings auch kein allgemeines Sprechverbot, sondern eines, das der unerwünschten Sprecherin den ihre Position adelnden Rahmen der Universität verweigert).

    Dagegen hat es eine ganz breite, den Protest quantitativ und qualitativ (zB Studierendenvertretung vs. einzelne Studenten, Uni-Leitung, überregionale Zeitungen …) weit übersteigende Solidaritätswelle gegeben.

    Und offiziell an die Uni eingeladen und mit dieser Solidaritätswelle im Rücken beklagt Schwarzer ein "Sprechverbot". Wenn du die Lächerlichkeit nicht siehst …

  • #11
    Stefan Laurin

    @Nick: Der Fehler sind wohl eher die Kritiker von Schwarzer, die in ihrem Leben nicht annähernd soviel geleistet haben wie diese Frau.

  • #12
    Nina

    Ach, kann man sich ewig ausruhen auf den Lorbeeren, die man einst verdientermaßen geerntet hatte?
    Was bietet Schwarzer denn heute? Ein antiquiertes, feindliches Männerbild, ein in Marmor gemeißeltes Bild von der Frau als ewigem Opfer, eine prostitutionsfeindliche Haltung inklusive Verbreitung von Unwahrheiten bzgl. der Studienlage, eine pornographiefeindliche Haltung, Steuerhinterziehung im großen Stil, …
    Nein. Wenn das Leistung sein soll.

  • #13
    Stefan Laurin

    @Nina: Schwarzer hat sehr früh auf die Gefahren des Islamismus hingewiesen und wird dafür extrem hart angegriffen.

  • #14
    Nina

    @Stefan: Schwarzer wird meiner Auffassung nach zurecht extrem hart angegriffen und zwar für ihre Verfehlungen und ihr ständiges, aggressives Festhalten an antiquierten Rollenzuschreibungen von Mann und Frau.
    Was die Gefahren des Islamismus angeht nimmt sie auch hier ewig die Männer als Täter wahr und die Frauen als Opfer. Die Realität dürfte weit komplexer sein.
    Und es tut mir Leid zu sagen, aber… die Kritiker meiner Feinde sind nicht meine Freunde.

  • #15
    Arnold Voss

    Nina, natürlich gibt es auch Islamistinnen, aber Ehrenmorde von Frauen an Männern sind mir genauso wenig bekannt wie muslimische Frauen mit mehreren Ehemännern. Männer sind nun mal die Hauptbevorteilten patriarchalischer Verhältnisse und die Verbrechensrate an Frauen ist in diesen Verhältnissen nachwievor ziemlich hoch. Dass es Frauen gibt, die sich da freiwillige reinfügen, bzw. sich nicht wehren, ändert nichts an dieser Tatsache.

  • #16
    Helmut Junge

    @Nina Zitat "Leid zu sagen, aber… die Kritiker meiner Feinde sind nicht meine Freunde."
    Du bist mit dieser Aussage nicht politikfähig, was aber ok ist, falls du das auch nicht sein möchtest.
    Wenn die Frau S. auf meiner Schiene ist, kann ich über alle zur Zeit nicht wichtigen Differenzen hinwegsehen. Zur Zeit nicht wichtigen, natürlich.

  • #17
    Nina

    Helmut, dann gehe ich auch mit Hitler d`accord, denn er war Vegetarier. Zwinkersmiley.
    @Arnold: Wo ein Täter, da auch immer Co-Täterinnen. Das war noch nie anders in der Geschichte.
    Wenn Du sagst, Männer seien die Hauptbevorteilten patriarchalischer Verhältnisse, dann lege ich Veto ein. Männer stehen unter Leistungsdruck, müssen sich in gewaltvolle Verhältnisse begeben (Militär), werden in ihrem Sexualtrieb unterdrückt, man nimmt ihnen die Möglichkeit ihre Kinder aufwachsen zu sehen, …
    Auch in Deutschland können muslimische Männer ihre Sexualität nicht so ausleben wie andere Männer. Mir geht es nicht um Aufwiegen von Gewalterfahrungen. Frauen werden häufiger Opfer tätlicher und sexualisierter Gewalt, Männer werden häufiger Opfer verbaler und psychischer Gewalt durch Frauen. Ich halte es für absolut fatal, weiter daran festzuhalten, dass "der Mann" der Täter sei und "die Frau" das Opfer. Und nichts anderes tut Schwarzer seit Jahrzehnten. Sie zementiert damit Gewaltverhältnisse.

  • #18
  • #19
    Arnold Voss

    Nina, Co-Täterschaft setzt gleichberechtigte Verhältniss voraus. Das Patriarchat ist aber genau dadurch definiert, dass es diese zwischen Mannn und Frau nicht gibt, bzw. diese dort erst einmal erkämpft werden müssen.

  • #20
    Nina

    Arnold Du gehst da jetzt sehr konkret in Beispiele rein ("Nina, wer ist der Co-Täter wenn ein Mann seine Frau umbringt?"), die ich gar nicht meine.
    Mein Ausgangspunkt war ein anderer, konkret auf Schwarzer und ihren autoritären Duktus bezogen.
    Co-Täterschaft, allgemein gesprochen, setzt eben kein gleichberechtigtes Verhältnis voraus sondern ein Abhängigkeitsverhältnis.
    In den anderen Punkten dürften wir einer Meinung sein.

  • #21
    Arnold Voss

    Nina, Täterschaft bedeutet Selbstverantwortlichkeit und damit Schuldfähigkeit. Das gilt natürlich auch für Co-Täterschaft. Wie soll aber Jemand in einem Abhänigkeitsverhältnis voll selbstverantwortlich und damit voll schuldfähig handeln?

  • #22
    Helmut Junge

    Arnold, ich vermute seit heute, daß wir es uns zu einfach machen. Diese Kopftuchfrauen die Schwarzer umdrängen, agieren nicht so, als würden sie sich unterdrückt fühlen. Die fühlen sich eher als vorderste Front.
    https://www.welt.de/vermischtes/article193293215/Kopftuch-Alice-Schwarzer-wirft-Muslimin-Diffamierungskampagne-vor.html
    Menschen sind halt kompliziert. Wenn Menschen aus ihrer Rolle als Unterdückte eine Tugend machen, sind sie Täter.
    Nina, auch wenn ich die Position von Schwarzer in 100 Punkten nicht teile, kann ich, wenn es mir wichtig scheint, durchaus mit ihr kooperieren.

  • #23
    Nina

    @Arnold, das wird immer abstrakter, aber ok, ich versuche, bei laufendem Motor einzusteigen. Täter sind immer verantwortlich für ihre Taten, Co-Täter auch. Die einzige Abschwächung sehe ich in einer möglichen auf andere Umstände wie Drogen, Erkrankung etc. gemünzten Schuldunfähigkeit.
    Eine Co-Täterin (um mal bei dem Ausgangsbeispiel zu bleiben) ist für die Tat verantwortlich. Auf ein mögliches Abhängigkeitsverhältnis kann sie sich nicht berufen, denn ihre Entscheidungsfähigkeit steht dem über.

  • #24
    Arnold Voss

    Nina, eine zwangsverheiratete Frau oder eine Tochter , die zu jung ist um ihr Elternhaus zu verlassen, bzw. von der Familie total kontrolliert wird, kann kein Co-Täterin sein. Sie ist zwar entscheidungsfähig, kann sich aber trotzdem nicht frei entscheiden.

  • #25
    Arnold Voss

    Helmut, ich habe doch geschrieben, dass es überzeugte Islamistinnen gibt. Und natürlich gibt es auch religiöse Frauen die freiwillig ihr Kopftuch tragen. Es geht mir um die unvemeidliche Prägung von Mädchen u n d Jungen innerhalb patriarchalischer Verhältnisse, die sich nicht selten gegenüber den Kindern auch gewalttätig vollzieht. Für Mädchen ist das aber weitaus einschränkender als für die Jungen, weil die Mutter als Bezugsperson eben auch der Herrschaft des Vaters untersteht. Deswegen kann die Theorie der Co-Täterschaft der Frauen bei solchen soziokulturellen Hintergründen nur sehr eingeschränkt angewandt werden.

  • #26
    Helmut Junge

    Klar Arnold, hast du geschrieben. Umdenken müssen wir aber in dem Punkt. daß diese Frauen sich nicht hinten anstellen, sondern zur Zeit vorne agieren. Das hatte zumindest ich nicht auf dem Schirm.

  • #27
    Arnold Voss

    Helmut, alle Minderheiten wollen zu Zeit vorne sein. Das ist ok. Aber es ist nicht sehr überzeugend, wenn dieselben Frauen, die für die Freilligkeit des Kopftuchtragens kämpfen, mehrheitlich dann schweigen, wenn es die Geschlechtsgenossinnen zu unterstützen gilt, die es nicht freiwillig tragen, bzw. die sich dagegen wehren, es tragen zu müssen.

  • #28
    Arnold Voss

    Ein großartiger Film zum Thema patriarchalische Verhältnisse kommt gerade in die Kinos:
    https://diepresse.com/home/kultur/film/5625494/Nur-eine-Frau_Ermordet-vom-juengsten-Bruder?fbclid=IwAR2Jt9FTuzYM2nSLyBzBULQLnUEa9p6ljxYRNVk4xTWMnkdxpJeY6LQmjxw

  • #29
    Xenia

    Anders als Robert Herr schreibt, sind die Critical-Whiteness-Aktivist*innen leider keine "versprengten Wirrköpfe", da hat Paul Möllers leider recht, obschon das dahinterstehende politische Konzepte in der Tat recht wirr ist. Mahret Ifeoma Kupka lernte ihr akademisches Handwerk bei einer Frau, die zuvor an meiner Uni lernte und zum Thema Genderforschung u. a. gemeinsam mit Bettina Gruber (Dresden/Wien) forschte + pubizierte, die sich heute klar rechts positioniert, pubizistisch in Zeitschriften wie Tumut + Sezession tätig ist sowie in Dresden zum Umfed v. Susanne Dagen gehört. ich will hier nicht auf eine wie auch immer geartete "Kontakschuld" hinaus, die sicherlich nicht besteht. Eine weitere Hochschullehrerin, die an meiner Uni Gender-, Queer- + Postcolonial Studies lehrte, gehört zur Konrad Adenauer Stiftung. So lässt sich, zumindest für meine Uni, gut belegen, dass der Gender-, Queer-, Postcolonia- + Critical Whiteness-Bereich, zumindest zum Teil, einer konservativen Denkschule entspringt. Halten wir uns zudem an Rolf Parr, ein Germanistikprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Er wurde 2018 mit dem Diversity-Preis der Uni ausgezeichnet, publizierte aber noch 2015 zusammen mit Bettina Gruber den Sammelband "Linker Kitsch", in dem linkes Denken nich gerade sehr positiv wegkommt. Wie gesagt, keine "Kontaktschuld", Rolf Parr ist sicherlich kein Rechter, anders als Gruber tritt er ja, wie gesagt, vehement für Diversity ein. Er ist jedoch auch kein Linker, obgleich dieses Milieu dies sehr aggressiv für sich beansprucht, sagen wir deshalb, er kann allenfalls ein Linker ohne Sympathien für Linke + linkes Denken sein.
    Schauen wir uns auch am anderen Rand der Kopftuchdebatte um: sehr viel AfD, sehr viele Liberalkonservative – Necla Kelek verteidigte Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer war bereits mit Annabel Schunke im Gespräch.
    Die Frage ist also, und darauf will ich hinaus: Wie sehr geht es bei dieser Debatte um das Kopftuch??? Es ist auch mir aufgefallen, dass dieses Diversity-Milieu mittlerweile dermaßen dominant auftritt, dass jegliche abweichende Meinung umgehend als "Rassismus" deklariert wird, sodass kaum noch offene debatten möglich sind (also eben nicht bloß ein paar "versprengte Wirrköpfe", sondern menschen, die an Universitäten + in den Medien dominieren, zugleich auch sehr gute beziehungen in die Politik haben + dort, das habe ich beschrieben, sehr breit aufgestellt sind, zu breit, um noch glaubwürdig zu sein.
    Tatsächlich gibt es antimuslimischen Rassismus auf seiten der konservativen Kopftuchkritiker, denen es keinesfalls um die Befreiung der Frau geht – ihre Konzepte der geschlechterrollen entspricht in etwa denen konservativer Muslime -, sondern vielmehr darum, etwas "Fremdes" attackieren zu können und dabei unter feministinnen +Linken Bündnispartner zu finden.
    Doch ist auch das Kopftuch selbst Ausdruck einer konservativen Einstellung (die, wie gesagt, diese AfD-Leute ja auch gar nicht so sehr ablehnen). In der aggressiven Verteidigung entblößt sich das Diversity-Milieu – Die Leute geben reinen Ethno-Kitsch (d. h. auch eine Klischeehafte Vorstellung vom orient, die durchaus auch rassistische Untertöne hat + allein jenen entgegenkommt, die dieses Klischee leben wollen) als "Antirassismus" aus.
    Ich gehöre nicht zu jenen, die das Kopftuch verbieten wollen (Ich habe grdunsätzlich ein schlechtes Gefühl bei Verboten, zudem müsste ich eine nicht-islamische rechtskonservative Haltung zur Geschlechterfrage dann ebenso verbieten. Meine gegner würden mit bürgerlichen Freiheitsrechten argumentieren + ihrerseits für ein Verbot linker Einstellungen bzw. deren Insignien plädieren – nicht gut also). Dennoch gibt es meines Wissens innerhalb der muslimischen Community sehr unterschiedliche Einstellungen zur Kopftuchfrage – die Frage ist: warum werden diese Leute nicht gehört? 57% der Deutschen plädieren offenbar sogar FÜR ein Kopftuchverbot an Grundschulen. So gesehen ist dann doch etwas dran, an dem, was Robert Herr schreibt: es sind nicht viele, sie sprechen nicht für "Mehrheiten", schon gar nicht kommt es "von unten" – aber es sind sehr mächtige Leute.
    Die Vorstellungswelt der Diversity-Leute wurde wohl am besten in dem Video "Be Deutsch!" von Jan Böhmermann visualisiert: Eine Welt, in der die Burkafrau sich aufs prächtigste mit dem Kippa-tragenden Juden + der Transfrau versteht, dicke, behinderte, kleine, große, wie auch immer, hauptsache "anders" Menschen feiern ihre Lust am Leben gegen die "dunkeldeutsche" (interessanterweise auch dunkehaarige – hellblond steht auch auf der "of Color"/Diversity-Seite) Mehrheit – dies ist dann "links", "Sozialismus", wie auch immer.
    Nun bin auch ich für eine bunte, vielfältige gesellschaft, in der jede und jeder seinen/ihren lebensentwurf realisieren können sollte, soweit die rechte anderer gewähreistet sind. Aber was ist mit Konfliktpotenzialen (am beispiel Kopftuchdebatte festgemacht: Ehrenmorde, junge Frauen aus konservativen muslimischen Elternhäusern, die lieber "westlich" leben wollen? Aber umgekehrt eben auch tatsächlich existenter Rassismus? Und so weiter???) Hat je jemand Lösungsvorschläge aus dem Diversity-Lager gehört? Außer eben: Piep, piep, piep, die Minderheiten ham sich lieb? Und warum überhaupt soll die "böse Mehrheit" denn in dieser neuen "linken" Utopie nicht dazugehören dürfen? Und was ist, wenn dies am Ende auch gar nicht gewünscht ist, sondern Diversity so lange hoch + höher gedreht wird, bis auch der/die Letzte die Nase voll hat? Dann würden sich die Leute um Bettina Gruber freuen. Vielleicht hätten gender-, Queer-, Critical Whiteness Studies erst dann ihren zweck erfüllt. Wer wirklich links + antirassistisch eingestellt ist, kann daran allerdings kein Interesse haben.

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