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Kreativquartiere – Aus dem geheimen Tagebuch von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin

Garrelt Duin Foto: SPD Niedersachsen Lizenz: CC

Garrelt Duin Foto: SPD Niedersachsen Lizenz: CC

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) besuchte vor einer Woche gemeinsam mit der Leitung des unverzichtbaren European Center for Creative Economy (ECCE) die Kreativquartiere des Ruhrgebiets. Duin stammt aus Leer in Niedersachsen und kam erst  im Sommer nach Nordrhein-Westfalen. Diesem Blog liegt ein Auszug aus dem Tagebuch des Ministers vor, in dem er seine Reise in das Herz der Fördermittel-Finsternis beschreibt.

Freitag, 22. März

Das Wetter schlägt mir aufs Gemüt. Grau und kalt, es nimmt kein Ende. Zum Frühstück ein Kaffee und ein Wurstbrot, dann kam schon mein Fahrer. Auf dem Programm standen „Kreativquartiere“. Im Ministerium konnte mir niemand genau sagen, was das ist. Mein Referent meinte, das sei aber auch egal. Im Ruhrgebiet würden  sie sich immer irgendwas einfallen lassen was wichtig klingt, aber im Kern wollen sie immer nur Geld.  So vorgewarnt ließ ich meine Kreditkarten  im Büro und steckte nur einen 20er ein.

Erste Station war Dortmund. Wir fuhren zu ECCE.  „Das ist aber mal nett, sie laden mich zu einem Italiener zum Frühstück ein,“ dachte ich. War natürlich nichts. ECCE ist irgendein Kreativdingsbumsding – zum Glück zahl ich nichts dafür, die schnorren sich bei Ute durch.  Dort traf ich Dieter Gorny. Gorny – hatte der nicht mal was mit VIVA zu tun? Heike Makatsch fand ich damals  niedlich – aber die war natürlich nicht da.

Dann kam der U-Turm. Ja, das mit dem „U“ oben ist ganz nett, aber warum sieht es von innen aus wie die Schalterhalle der Sparkasse in Leer? Hab ich natürlich nicht gefragt sondern „Oh“ und „Ah“ gesagt.

Dann kam einer von der Stadt Dortmund und erzählte was von Stadterneuerung, wie sehr hier alles boomt weil das mit der Kreativwirtschaft so toll ist. Klar, Geld brauchen sie auch und zwar viel und noch lange. Ich entspannte mich und verkniff mir die Frage, warum sie denn Geld vom Land brauchen, wenn sie so erfolgreich sind. Geld für Stadterneuerung – die Asche wollen sie von Groschek. Geht mich nichts an.

Danach schauten wir uns ein Co-Working Space an. Ich sagte wieder „Uh“ und „Oh“. Sah aus wie das Großraumbüro der Sparkasse Leer, nur nicht so modern eingerichtet.  Ein

U-Turm in Dortmund

U-Turm in Dortmund

Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich erst eine Stunde in Dortmund war. Das hat Einstein also mit der Relativität der Zeit gemeint – Minuten wurden zu Stunden.

Dann kam endlich mein Fahrer. Es ging nach Herten. Die anderen hinterher. Ich hab dann noch schnell Groschek eine SMS geschickt: „War gerade in Dortmund – die wollen Geld von Dir“. Die Antwort kam Sekunden später: „Wollen die immer.“

Herten war komisch. Irgendwie nicht Stadt, aber auch kein Land. Erinnerte mich etwas an Leer, war nur hässlicher. Ich fragte meinen Fahrer, warum hier Menschen leben. Er zuckte nur mit den Schultern und sagte, die Frage könne er auch nicht beantworten.

Wir hielten dann alle an einer alten Zeche. Aha, dachte ich mir. Jetzt kommt die Erfolgsgeschichte. Ich sah  eine Gewerbegebiet, Neubauten – hier hatte also mal was funktioniert. Aber darum ging es dann natürlich nicht. Irgendein komischer Mann erzählte was von Urban Pop, Urban Exploring, Storytelling, Urban Art und all so einem Kram und Gorny nickte immer ganz begeistert. Naja, ich sagte wieder „Uh“ und „Ah“ und war ziemlich beruhigt, das meine Brieftasche noch da war.

Dann ging es weiter in irgendeine Siedlung. In Leer hätte man diese Häuser ja längst abgerissen, aber wahrscheinlich hatten sie hier selbst dafür kein Geld. Jetzt redete der komische Mann, der wohl von der Stadt Herten kam, über das Sterben des Einzelhandels in der Straße  und Stadterneuerung. Endlich redet mal jemand Klartext, dachte ich mir. Und Stadterneuerung heisst ja auch, das Groschek zahlen muss. Hier gab es nichts außer einem Tattoostudio und einem Fußpflegeladen. Was für ein Elend. Was für eine Ödnis. Dann sagte der komische Mann, dass das Tattoo-Studio und der Fußpflegeladen  ein Erfolg seiner Stadterneuerungsarbeit seien und das wäre jetzt ein Kreativquartier. Gorny nickte wieder ganz begeistert. Wahrscheinlich lässt er sich gerne mal die Fußnägel schneiden. Ich als Selbstschneider war eher erschüttert. Wir sollten den Griechen mal Fotos aus Herten schicken, dann geben die uns  Geld und nicht andersherum.

 Der Text basiert auf einem Bericht der Seite  Labkultur über die Fahrt von Garrelt-Duin durch die Kreativquartiere des Ruhrgebiets.

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38 Kommentare zu “Kreativquartiere – Aus dem geheimen Tagebuch von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin

  • #1
    Heiner aus Herten

    Unverschämtheit den Menschen gegenüber die aus meist selbstständiger Arbeit in Tatooläden oder mit Fußpflege die Steuermittel erwitschafteten, die zum Einkommen ideologisch verprägter Minderheiten beitragen. Ich jedenfalls stolpere lieber über Eierkohlen und Bierflaschen als über die Jutebeutel von I-phonige Ex Hippies und Indiependentlügnern.

  • #2
    Arnold Voss

    Gut gebrüllt, Heiner! Aber ich glaube ihnen einfach nicht, dass sie lieber über Eierkohlen und Bierflaschen stolpern. Ihre Sprache/Wortwahl ist nämlich verdächtig I-phonig. 🙂

  • #3
    Klaus Lohmann

    Etwas OT, da ich mir das „Labkultur“-Original grade angetan habe (ja, ich hatte schon gefrühstückt): Was in aller Welt reitet eigentlich diese Dortmunder „Kreativ“-Primitivler und Stadtplaner, wenn sie den Begriff „Unionviertel“ für sich als Marke entdecken und gleich mal völlig indifferent und völlig falsch aufs Gebiet östlich der Dorstfelder Brücke bis zum U-Turm anwenden???

    Soll das ernsthaft eine „lautmalerische“ Brücke zum U-Turm der ehemaligen Union-Brauerei bilden, die nun überhaupt nichts mit dem Viertel zwischen Dorstfelder Brücke im Osten, Emscherbrücke im Westen und dessen Vergangenheit mit der alten Dortmunder Union AG für Bergbau, Eisen- und Stahl-Industrie (deren Verwaltung im heutigen Versorgungsamt war) zu tun hat?

    Falls ja, dann hab ich anscheinend begriffen, dass „Kreativwirtschaft“ nichts anderes als Fördergeld-Fracking mittels Ammenmärchen-Einbringung bedeutet.

  • #4
    Heiner aus Herten

    Schon wieder falsch, arbeite und lebe in meinem geliebten Umfeld aus Schrott, Bohnen und fleißigen Lieschen, kann auf jeden Fall besser mit der Flex umgehen als mit einem I-Phone, nur ist es nicht schon wieder vermessen anzunehmen ich wäre ein Heuchler nur weil ich als Schlosser gerade mal keinen Rechtschreibfehler rausgehauen habe 🙂

  • #5
    'PUNKy' aus HERten

    Ich schließe mich HEINER aus HERTEN an.
    „UNVERSCHÄMT“, ist noch ein mildes Urteil, für diesen ‚angeblichen‘ Tagebucheintrag!

    Wenn man einen Minister und mehrere andere Leute im Eiltempo durchs Ruhrgebiet treibt und ihnen an einem einzigen Tage, die Entwicklung und den Wandel dieser Region näherbringen oder gar erklären will, so wird Dies wohl kaum möglich sein.
    Aber man kann einen Einblick ermöglichen.
    Und obwohl ich nur kurz mit einigen der Besucher sprach, gewann ich sen Eindruck, zumindest Interesse geweckt zu haben.

    Da ich selber aus dem oben erwähntem Quartier komme, dort lebe und arbeite, nun seit dreieinhalb Jahren dort fürs und im Projekt tätig bin und mich stetig, zusammen mit vielen Anderen, für meine Wahlheimat HERten stark mache und die positive Entwicklung dieses Kreativ-Quartiers miterlebe, kann ich mich über soviel Boshaftigkeit gegenüber Menschen die etwas verändern wollen, nur wundern.

    Wobei sich diese Verwunderung auch mit einer gehörigen Portion Zorn mischt!

    Vieleicht sollte der, offensichtlich ob seiner eigenen Aussichtslosigkeit sehr verbitterte, Schreiberling sich bei der Bild bewerben. Wer dort hineinschaut, der erwartet keine objektive Berichterstattung sondern ‚geschriebenen Klamauk‘, zur Belustigung der Enttäuschten und Resignierten.
    Denn wie kann man besser über die eigene Perspektivlosigkeit hinwegtäuschen, als über das Engagement Anderer herzuziehen?

    gez.:
    Ein erboster Künstler, Dienstleister und sozial engagierter Bürger HERtens und Anwohner des KREATIV-QUARTIERS-HERTEN-SÜD.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Punky: Kreativquartiere sind, wenn überhaupt, ein Konzept für Großstädte, nicht für Kleinstädte. Spricht man mit Verantwortlichen darüber, warum es solche Projekte in Städten wie Herten oder Dinslaken gibt, sagen sie, ohne genannt werden zu wollen: „Dazu wurden wir von der Politik gezwungen, wir wissen selbst dass es Unsinn ist.“ Dein Engagement in Ehren, aber es ist verschwendete Zeit. Du würdest anderswo mit dem selben Aufwand mehr erreichen.

  • #7
    Heiner aus Herten

    Stefan, du schreibst „Spricht man mit Verantwortlichen“ wer sind diese Leute ?

  • #8
    Konrad

    Politisch korrekt oder nicht – der (fraglos fiktive) Tagebucheintrag ist auf jeden Fall sehr unterhaltsam und schon allein deshalb journalistisch große Kunst!

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Heiner: Es war bereits 2009 Dieter Gorny, der Chef von ECCE. Und dann habe ich vor wenigen Tagen mit einem Dezernenten über dieses Thema gesprochen – er sagte das mit dem Großstädten. Im Kern geht es im Ruhrgebiet, und das betrifft alle Städte, unabhängig von ihrer Größe, darum Fördermittel zu bekommen. Für was und ob es sinnvoll ist oder nicht, ist dabei nicht wichtig. Genau wegen dieser inhaltsleere der Politik sieht es hier doch so aus wie es aussieht. Bochum, Dortmund und Essen sind doch näher an Herten als an Köln, Hamburg, Düsseldorf oder Berlin.
    Hier Gorny: Für ihn waren nur Dinslaken und Unna Ausnahmen – und Unna war schon damals gescheitert. Der Text ist über drei Jahre alt:
    http://www.ruhrbarone.de/gorny-berlin-ist-langsam-satt/

  • #10
  • #11
    Henk

    Stefan, die ECCE- und LAB-Leute wissen doch ganz genau, was für einen Blödsinn sie verzapfen. Anders kann man es nicht verstehen, wenn das GIF-animierte Favicon auf der Labkutur-Seite die ganze Zeit die Buchstabenkombination „BLA-BLA“ ausspuckt

    Klasse, die Jungens! 😉

  • #12
    Joachim Jürgens

    Bleibt mal auf dem Teppich, in Herten läuft nach 66 Jahre Parteienfilz einiges schief (s. auch unter anderem http://www.ruhrbarone.de/ruhrgebiet-wir-nestbeschmutzer/).
    Ich erinnere nur an die HyBike (10 Stck für 77.000€), die nur nie richtig in Fahrt gekommen, in irgendeinen Keller in Herten verstauben.
    Durch „grobe Vergabefehler“ eine Subventionsrückzahle in fast Millionenhöhe (www.pro-herten.de/dl/transparenz2012.pdf) und Last not least das
    Baurats Silicon Valey in Sachen Wasserstoff. (http://aktuell.pro-herten.de/?p=239 & http://archiv.pro-herten.de/?page_id=264).

    Herten könnte attraktiver sein, wenn mehr Realitäten und gesunder Menschenverstand im Vordergrund stehen und nicht das Bedürfnis, die nächsten 66 Jahre so weiter zu wursten

  • #13
    Christopher

    Respekt. Hier hat sich Herr Laurin in seiner Arroganz, Boshaftigkeit und Dreckschleuderschreiberei wirklich selbst übertroffen. Bin mir sicher in Herten und Düsseldorf wird man das gern lesen, in Dortmund sowieso.

    Und weil er so ein Checker von allem ist, kann er auch gleich alterweise Ratschläge an Leute in Kleinstädten des Ruhrgebiets verteilen, was sie und wo sie etwas mit ihrem Leben machen sollen. Herten? Weg damit.

    Warum schreiben sie nicht mal ein Tagbuch eines kleinkarrierten, neidzerfressenen bösartigen Wichts, der sich mit einer Blogpräsenz ein Ventil seiner Unzufriedenheit verschafft. Ups. Haben sie ja schon mit Ruhrbarone.

    Und jetzt schön weiter dem Geld hinterherrennen, das sie SOFORT nehmen würden, wenn man es ihnen als Förderung für RB anböte und sie dafür die ganze ermüdende Rumheulerei Steuergeldverschwendung, Abzocker, Gorny-ist-der-Teufel Komik einstellen müssten. Was aber keiner machen wird. Warum auch.

  • #14
    Heiner aus Herten

    ok, leuchtet mir ein, nur bei dem Gedanken das Ruhrgebiet als Ruhrstadt zu sehen…. ist es dann nicht auch erforderlich nicht nur die Mutterpflanze sondern auch die Sprösslinge zu gießen ?
    Na ja, ich sehe wie die Sattmacher an den Seelchen von Künstlern und Arbeitern saugen um Farbe in Ihre Zellen aus Finanzbausteinen zu bringen. Subventionen sind da nur die Eintrittskarte zu Kreativmärkten.

    Alles nur Menschen, sollen Sie ruhig teilhaben an Hertens Farben, nur kommt nicht so grauglänzend daher um heimlich im Aliba Grill Döner zu essen, bei Schafazek Bier zu saufen um dann mit den Bunten „where is the Money go“ anzustimmen.

    In diesem Sinne, muß noch was tun :-)))

  • #15
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Christopher: Wir haben nie und wie werden nie auch nur einen Cent Staatsgeld für dieses Blog als Förderung beantragen. Würde man uns eine Förderung anbieten, würden wir sie ablehnen. Das habe ich übrigens alles auch schon mehrmals öffentlich – zum Beispiel gegenüber der LfM- gesagt und geschrieben. Davon ab: Ich bin im Moment ziemlich zufrieden, habe viel zu tun und bin bester Laune. Auch weil der Tag mit dem Schreiben eines, wie ich finde recht amüsanten, Textes begann, der seine Wirkung offenbar nicht verfehlt hat 🙂

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Heiner aus Herten: Ja, aber anders. Meine Sorge ist: Leute wie Punky versuchen was in Herten, scheitern und gehen dann nach Köln, Berlin oder Hamburg. Dann sind sie für das Ruhrgebiet verloren. Ich würde mir von einer Institution wie ECCE wünschen, dass sie die Leute die im Ruhrgebiet was machen wollen zusammenbringt und ihnen zeigt, wo die anderen sind: In Dortmund, Essen oder Bochum – so dass da so viele Leute zusammenkommen, das spannende Szenen entstehen. Und für Herten wäre es viel wichtiger, dass die Stadt wieder ans Bahnnetz kommt und so eine gute Verkehrsanbindung bekommt als der Chimäre Kreativwirtschaft hinterher zu laufen.

  • #17
    Klaus Lohmann

    @#13 | Christopher: Ich bin persönlich ebenso auf keinen Cent Förderkohle, weder im Kultur- noch in irgendwelchen anderen Lebensbereichen angewiesen und ich kann jeden von Stefans Sätzen aus Überzeugung und, was noch wichtiger ist, aus eigener Erfahrung mit der Verwaltung von Fördergeldern in unserer Region dreifach fett unterstreichen.

    Was unterstellen Sie *mir* denn nun, um Ihre Pöbeleien auch bloß an den richtigen Mann zu bringen? Dass wir alle nur neidisch auf hohle Absahner wie Gorny sind? Dann beantworten Sie doch mal meinen Kommentar #3 auf die Frage hin, ob diese Schaumschläger se noch alle auf’m Zaun haben…

  • #18
    'PUNKy' aus HERten

    An Hr. Laurin
    Zitat: Kreativquartiere sind nur etwas für Großstädte

    Entschuldigen sie bitte? Aber einen größeren Blödsinn habe ich seit Langem nicht mehr gehört. Wenn also ein ganzer Haufen an Kreativen und Engagierten, sich zum Ziel gesetzt hat, ein ehemals blühendes Quartier mit neuem Leben zu füllen und auch schon erfolgreich daran arbeitet, so ist Dies leider nicht möglich, da HERten nicht über genügend Einwohner verfügt?
    Müssen wir im Umkehrschluss nun damit aufhören?
    Sollten wir nun Alle nach D’dorf, Essen, Köln oder in eine andere ‚Metropole‘ ziehen, um ihre These zu unterstreichen?
    Und! Mit Verlaub?
    Mir ist es, auf Deutsch gesagt, Scheißegal, wer an welchem Schreibtisch beschlossen hat, wo, wie, wann und warum ein solches Kreativquartier nun bitteschön zu entstehen hat!
    Mein Name kommt nicht von ungefähr. Und meine Einstellung gegenüber irgendwelcher ‚von Oben‘ beschlossenen Dinge, dürfte somit weitestgehend klar sein, oder?
    Nicht etwa, das ich ein Berufsquerulant wäre, mein Leben lang „Scheiß System“ gerufen oder mich vor Arbeit und Regeln gedrückt hätte? Nein!
    Aber ich habe eine eigene Meinung. So, wie ganz viele andere ‚echte‘ Ruhris auch.
    (Die Rede ist hier von ‚ECHTEN RUHRIS‘, und nicht von irgendwelchen selbsternannten Baronen.)
    Und wenn wir der Meinung sind, es sollte genau hier, an dieser Stelle, ein Kreativquartier geben, so werden wir das, verdammt noch mal, auch hier an dieser Stelle tun!
    Denn. Worüber reden wir hier denn?
    RICHTIG!
    Über Kreativität.
    Und wenn irgendwelche verbohrten, geldgeilen Säcke der Meinung sind, sie müssten festlegen, wo denn nun diese Kreativität stattzufinden hätte, so ist genau diese Meinung/Einstellung, der Grund dafür, warum ich mit nun mittlerweile über 50 Jahren, meinen Irokesen immer noch voller Stolz trage und meinen Kopf nur neige, um mit genau diesem IRO, unermüdlich die falschen Weltbilder dieser Ignoranten zu zerfetzen!
    Und zu dem Einwand, ich könnte mit meinem Engagement woanders mehr erreichen, kann ich nur erwiedern, daß auch diese Bemerkung für mich blödsinnig ist.
    Es geht nicht darum, wo ich, wieviel erreichen kann.
    Es geht darum, daß ich dort, wo ich es möchte, versuche, das zu erreichen, was ich möchte!
    ICH KANN, WEIL ICH WILL, WAS ICH MUSS.
    EMANUEL KANT

  • #19
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Punky: Machen Sie was Sie wollen, aber Punk heißt auch keine Fördermittel anzunehmen und sich nicht mit dem Staat einzulassen. Um Staatsgeld betteln – sollten Sie dann den Hippies überlassen. Und noch etwas: Kreativquartiere sind eine Form der Wirtschaftsförderung – es geht um Jobs, Investitionen, Unternehmensgründungen, Immobilien. DAS ist der einzige Grund, warum sich Städte, Länder und die EU für dieses Thema interessieren. Wenn Sie denen als folkloristisches Beiwerk dienen wollen: Viel Vergnügen…
    Oder sind Sie eher Punk im Nebenerwerb:

  • #20
    Klaus Lohmann

    Lieber ‚PUNKy‘, etwas OT, aber Ihre echt rührig-komische Selbstdarstellung brachte mich soeben zum brüllenden Abgang. Danke für den Mittagsspaß und soviel „Kreativität“ beim Zeitvertreib;-))

  • #21
    68er

    @ Stefan Laurin

    Dass Kreativquartiere, was immer das genau sein soll, erahne ich nur, in kleineren Städten nicht funktionieren soll, mögen vielleicht einige Lokalpolitiker hinter vorgehaltener Hand sagen, das diese Aussage kokolores ist, kann man aber ganz offen sagen. Das is so eine typische Aussage von Menschen, die glauben, Bochum sei als Großstadt ein Quell aller Geistlichkeit und Dinslaken kulturlose Provinz.

    Dass im Provinzkaff Güterlsoh aus einem evangelisch verbrämten Verlag für Landserheftchen im Laufe der Jahre eines der größten Medienunternehmen der Welt entstanden ist, zeigt, dass im Bereich der Kultur nichts unmöglich ist. Letztlich ist es doch egal, wo ECCE und Co. ihre (d.h. unsere) Euros verschwenden.

  • #22
    'PUNKy' aus HERten

    Köln, Berlin oder Hamburg besuche ich gerne.
    Aber leben und arbeiten werde ich im Ruhrgebiet.
    UND!
    Ich versuche nicht, sondern ich SCHAFFE etwas.
    Dies zeigt der große Zuspruch, den ich hier in den letzten Jahren erfahren habe. Und zwar quer durch die unterschiedlichsten Schichten, Institutionen oder Interessenlagen.
    Dies zeigt auch die Tatsache, das viele Kreative aus anderen ‚armen, kleinen Ruhrpott-Dörfchen‘, sowie aber auch aus ‚großen Städten‘, gerne hierher kommen, wenn wir hier alle paar Wochen etwas auf die Beine stellen.
    Dieses Quartier wird es auch in ein paar Jahren noch geben. Davon bin ich überzeugt! Und viele von den heutigen ‚in die Suppe Spuckern‘, werden dann wieder schön ihr Fähnchen in den frischen Wind aus HERten halten und es schon immer gewusst haben, wie toll es hier ist.

  • #23
    Heiner aus Herten

    ok. Stefan, mit dem Bahnanschluß das ist sehr wichtig, mit der Ghettobildung für Künstler in Dortmund Essen und Bochum bin ich gar nicht einverstanden, ich trinke regelmäßig auf der Fichtenstraße, Hafenstraße und Oranienstraße meinen Kaffee, schöne urbane Kulturen bei 12 €/qm Mietpreis wegen der konservierten Graffitis aus den frühen Jahren. In Herten bekämen die Kreativen Gelegenheit preiswert zu arbeiten und der Kommunalwirtschaft zu buntem Glanz zu verhelfen. Nur die schönen sanierungsbedürftigen Industriebauten werden abgerissen um Platz zu schaffen für die Großraumkisten der Filalisten und Spediteure. Die Sanierung der Bestände brächte mehrere hundert MIO € Einnahmen für Handwerk, Fachhandel und Kreativwirtschaft. Der Lohnanteil für die eher bürgerlich strukturierte Komunalwirtschaft liegt bei ca.70 % wir würden Partys feiern, unter´m Förderturm und nicht „Opferfeste“ auf´m Lidl- Parkplatz. Ich bin entäuscht von der Ausgrenzung entlang der Ruhrgebietsgrenze und gelangweilt von Politik und dem Marktgeschehen.

  • #24
    Heiner aus Herten

    Ha Ha Stefan, Part Time Punks, die gabs doch nur in Essen, Dortmund und Bochum hier in Herten läuft der Blues 🙂 http://www.youtube.com/watch?v=uf7RneBJmlU

  • #25
    'PUNKy' aus HERten

    Und nun etwas Abschließendes, da mir dieses dämliche Laurin-Gequatsche nun langsam zu viel wird.
    1)
    Ich ‚rede‘ hier die ganze Zeit von einem Kreativquartier und nicht von ihrer wirtschaftlichen Definition eines solchen.
    2)
    Ich versuchte hier die ganze Zeit, sachlich zu diskutieren. Das ist Ihnen wohl nicht möglich?(siehe nächster Punkt)
    3)
    Die Menschen die mich kennen, würden in schallendes Gelächter ausbrechen, angesichts der ‚Laurinschen Punk im Nebenerwerb Verbalakrobatik‘.
    4)
    Mir, sowie einigen Anderen wohl auch, drängt sich so langsam der Verdacht auf, daß sie wirklich von Nichts eine richtige Ahnung haben?
    Versuchen sie doch bitte nicht, mir meine Einstellung zu erklären. Es wäre vieleicht ratsam, sich über die Ursprünge und die Hintergründe des PUNK zu informieren, bevor man Phrasen drischt, wie : „Dann darf man sich auch nicht mit dem Staat einlassen.“ Es geht hier nicht um Terrorismus.
    5)
    Sollte es legal und ohne linke Touren möglich sein, Fördergelder zu bekommen und sie dann auch noch richtig einzusetzen, so werden wir Dies tun.
    Das bedeutet aber nicht, das wir uns dann auch ‚verkaufen‘ müssen.
    6)
    Sie sind, für mich, Jemand, der sich über seine ‚üblen, zerreissenden Schreibereien‘ definieren muss. Ich habe hier nicht einmal im Ansatz etwas positives von Ihnen lesen können. Solche Menschen haben, meiner Meinung nach, erhebliche Defizite? Ich weiß nicht, was sie dazu bewegt, Dinge schlecht zu machen, die vielen Anderen erhebliche Freude bereiten? Und ich denke auch, das diese Kommentarspalte, zum Einen nicht dazu da ist und zum Anderen auch nicht ausreichen würde, um ausführlich über ihre mangelnden menschlich sozialen Fähigkeiten zu befinden?
    Und bevor ich mich jetzt dazu verleiten lasse, sie doch tatsächlich noch zu beleidigen, soll dieser Kommentar nun der letzte gewesen sein.

    Ich wünsche ihnen zum Abschied zwar keinen schönen Tag, jedoch die Fähigkeit, in nächster Zeit doch einmal etwas zu finden, über das auch sie sich freuen können! Abgesehen von ihrem Geschreibsel, natürlich.

  • #26
  • #27
    Klaus Lohmann

    @’PUNKy‘: Warum müssen „Kreative“ wie Sie eigentlich immer die spießbürgerliche Herzkasper-Aufrege-Choleriker-PöbelMütze aufsetzen, wenn sie, statt immerfort Kritik an allem abzusondern, was nicht ihrem selbsterdachten „Niveau“ entspricht, nun auch mal selbst auf die Schippe genommen werden?

    Vielleicht noch mal den Original-Artikel von LABKULTUR lesen und dann mit der Satire darauf hier vergleichen, bitte? Danke.

  • #28
    Heiner aus Herten

    Hey Punky, ich habe was erfreuliches gefunden was auch „Herr Laurin“ kennt…. Annette aus Hannover singt es euch Anarchisten vor, ich mache jetzt „Schicht am Schacht“ so sagt man das bei uns in Härten 🙂 http://www.youtube.com/watch?v=gQQtxUnt9vc

  • #29
    Frank

    @Stefan Super, dieses Tagebuch. Hoffe, dass noch mehr Tagebücher aus dem Herz der Fördermittelfinsternis auftauchen 🙂

    Vielleicht kriegt der Dieter jetzt doch noch nen ernsthaften Challenge: Der Kloppo soll ja den Heynckes wegen Patentverletzung seines Offensivfußballs verklagen. Da könnte der Dieter doch nen Lizenzvertrag entwickeln, den der Hoeneß unterschreibt, und dann gäbe es endlich nen Cashflow im Ecce!
    Vielleicht geht das sogar als App?

  • #30
    Christopher

    ihr seid alle super. super. super. außer punky. der labert nämlich nicht nur wie laurinlohmann, sondern macht was. und darum geht es ihm um mehr, als runtermachen, deswegen wird er wütend, wo ihr auf cool macht mit labern, stuss schreiben, „satiren“ verfassen, die nicht lustig sind, blödsinn verbreiten – und alles auf dem eigenen hobbyblog.
    das geht eben auch viel, viel leichter als was tun und ändern wollen. und drum sind die einen macher – auch gorny, auch die fördermittelnehmer in den kreativquartieren, auch die künstlerhäuser, auch die eigenartigsten projekte – und ihr seid nur schwätzer. und das ist auch gut so.

  • #31
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Christopher: ich fände es schöner, wenn Gorny für das was er macht nicht meine Steuergelder schnorren würde und zumindest ein klein wenig erfolgreicher wäre. Mit Millionen nichts hinbekommen – siehe Labkultur – ist nicht allzu beeindruckend 🙂

  • #32
    Demokrit

    Laurin bringt es auf den Punkt: politische Inhaltsleere. Mich macht das Sterben meiner Stadt krank, und die Pseudoavantgarde erst recht, die keine Antworten hat.

    Kopiert wird alles, was andere schon haben: Technologiezentren, Einkaufszentren, Wissenszentren und Quartiere. Die Politik ist inhaltsleer weil sie orthodox ist, gleichbleibend verwaltend, nichts ist kreativ und mitreißend, keine Aufbruchstimmung. Bürgermeister und Abgeordnete sind gefangen im Fatalismus ihrer Feigheit und Mutlosigkeit, überladen mit Nonsens und den verblödenden Ballast des medialen Repräsentantszwangs.

    Ob Duin schrieb oder das Ganze fiktiv war: es stimmte! Aber es gehört Mut dazu, sich als Bürgermeister ans Rathaus zu ketten und, wie Gandhi, in den Hungerstreik zu treten. Es gehört Mut dazu, sich als Bürgermeister zu weigern Schulden zu bezahlen statt dem Esel beizubringen nichts zu essen. Es gehört Mut dazu zivilen Ungehorsam zu leisten!

  • #33
    Arnold Voss

    Eigentlich ist das hier eine spannende Diskussion. Betroffene diskutieren mit Beobachtern und wehren sich gegen deren Wahrnehmung, die in diesem Fall natürlich ein starkes Moment bewusster Ironie enthält.

    Der der vor Ort was macht hält sich natürlich für den Guten und ist zu recht gekränkt über seine Abqualifizierung durch die Beobachter, die ihm eigentlich nichts anderes sagen, als dass es völlig hoffnungslos ist, was er tut. Die Beobachter wiederum, die den verqueren Förder- und Politikmechanismus durchschauen, können den vor Ort Betroffenen guten Gewissen nur die Empfehlung geben, es sein zu lassen bzw. es besser woanders zu tun.

    Leute die an dem Ort, in diesem Fall also in Herten, bleiben wollen oder müssen, hilft das natürlich nicht weiter. Ihnen kann, ja muss es letztlich, egal sein, ob das was sie tun den bekannten/offiziellen Kriterien für Kreativquartiere entspricht oder nicht. Sie hätten es nämlich so oder so getan. In gewisser Weise werden sie dabei natürlich von Gorny und Konsorten ausgenutzt, aber auch diese Erkenntnis ist im Ernstfall nicht sehr hilfreich, erhalten sie durch ihn doch endlich Förderung, und sei es nur ideelle.

    So können am Ende einer solchen Diskussion nur gegenseitige Unterstellungen übrig bleiben. Schade, denn das arbeitet genau denen in die Hände, denen letztlich egal ist, was vor Ort passiert, wenn sie nur mit oder am Fördertopf ihr Auskommen finden.

  • #34
    Klaus

    @Punky

    Sie schreiben: „Ich versuchte hier die ganze Zeit, sachlich zu diskutieren.“

    Ich zitiere sie mal weiter:
    „Vieleicht (sic!) sollte der, offensichtlich ob seiner eigenen Aussichtslosigkeit sehr verbitterte, Schreiberling sich bei der Bild bewerben.“

    „Aber einen größeren Blödsinn habe ich seit Langem nicht mehr gehört.“

    „Und wenn irgendwelche verbohrten, geldgeilen Säcke der Meinung sind, sie müssten festlegen, wo denn nun diese Kreativität stattzufinden hätte,“

    „Und viele von den heutigen ‘in die Suppe Spuckern’, werden dann wieder schön ihr Fähnchen in den frischen Wind aus HERten halten und es schon immer gewusst haben, wie toll es hier ist.“

    Ist das eine Ignoranz des eigenen Verhaltens oder absurder Humor?

  • #35
    Manfred Michael Schwirske

    … Wenn das der Duin geschrieben hätte, haett ich jetzt ganz viel Respekt vor ihm. Hab ich nicht. Hat er nicht geschrieben. Aber schön waer es gewesen. Danke, Stefan. Von mir aus Herten.

  • #36
    Journalist

    Als ein in einem von der Stadt und einer YellowPressZeitung als Kreativquartier oktroyierten ansässiger Unternhemer hab ich mich durch den LaurinText über die sich auf die Schulter-klopfenden Politiker und Steuer-Versenker sehr gut unterhalten gefühlt. Insbesondere die fiktive Aussensicht des vermeintlichen Ministers – ich sach ma schön.
    Leider nehme auch ich als Zugezogener die verquere Steuerverwendung und Kurzlebigkeit der „KreativQuartierIdeen“-blaaa ähnlich wahr. Man reicht sich die Hand, indem man sie aufhält, schustert sich über lustige LAB oder ECCE-oder wie der Mist heisst-Projekte Geld inne Täsch und überzieht Stadtmüll mit einem Hauch Bronze, um das als Gold zu verticken.
    Und ganz ehrlich – wir gescholtenen „Kreativen“ (die also Stadtviertel am laufen halten) sind alles handwerklich Gelernte und möchten als solche nicht beschimpft werden. Denn die „Freien Künstler“ sitzen in ihrer Butze und kramen vor sich hin, während wir die Ladenzeilen beleben, hohe Mieten zahlen, auf eigene Kosten renovieren, machen und tuen. Und dann kommen die Pseudo“Kreativ-Fuzzis“ daher und beschimpfen den Autor!? Leider ungeil.
    Leute, hört auf zu labern und andere meckernd der Meckerei zu beschimpfen. Steckt die Kohle nicht in GornyTaschen sondern in Fassaden, Anbindungen, zugeschissene Baumscheiben, zerbombte Straßen, Ausbildungsunterstützung, überschaubare Verwaltung, Krisenkommunikation, zermübte Kleinunternhemer undundund.
    Also klopft euch nicht auf die Schulter – zeigt mal, dass ihr Ahnung von Stadtentwicklung und sowas wie Ehrgefühl den Nachwachsenden gegen überhabt. Die alten Säcke brauchen keine Anerkennung, PenisPolierung oder Kohle durch halbseidene Umbauideen mehr.
    Haut rein, Sesselpuper! Steht euren Mann (in dieser Entwicklungs3.WeltStadt – die Frau)!!
    Herr Laurin: „oh“ und „ah“ 🙂

  • #37
    Christopher

    Nimm das LAURIN! Von wegen Herten kannsse alles sein lassen. Aber Ignorant bleibt Ignorant auch wenn er schreibt.

    http://www.labkultur.tv/blog/kreativquartiere-eitel-konfituere-herten-sued

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