NRW-Grünen Chef beschimpft italienische Wähler

lehmann_berluskoni

 

Da wollte jemand lustig sein: NRW-Grünen Chef Sven Lehmann twitterte nach der Italien-Wahl den launigen Spruch: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Betrüger selber“. Die Kälber, das sind für Lehmann die italienischen Wähler, die Berlusconi gewählt haben. Nun gibt es über Berlusconi nichts Gutes zu sagen: Der Mann ist ein Betrüger und mit dem Begriff „Clown“ noch nett beschrieben. Aber anstatt die Dummheit der Wähler als Grund anzuführen, wäre es vielleicht nicht falsch, sich zu fragen, wie verzweifelt Menschen sind wenn, sie solche Gestalten wie Berlusconi wählen. Daniel Cohn-Bendit, Grüner Abgeordneter im Europaparlament, kritisierte schon die Clown-Aussage von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als verbalen Ausraster. Kann man machen, muss man nicht. Aber die Beschimpfung von ein paar Millionen Wählern als Kälber geht  als Satire in Ordnung, nur Lehmann ist nicht  Vorsitzender von „Die Partei“ sondern der Grünen, die eher dafür bekannt sind, kleinste Abweichungen vom Pfade der Korrektheit zu streng zu geißeln. Update: In einer früheren Version stand, das Lehmann den Tweet gelöscht hätte. Hat er aber nicht.

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17 Kommentare

  1. #1 | Frank sagt am 1. März 2013 um 16:06 Uhr

    Genau, Stefan.

    Dazu kommt: Sprüche wie der von den „Dümmsten Kälbern“ aber auch „Sozial ist was Arbeit schafft“.. Warum weiß keiner mehr, dass die der Nazipropaganda entspringen?

  2. #2 | Walter Stach sagt am 1. März 2013 um 17:02 Uhr

    Meinungsfreiheit

    -gilt die nicht für die Wahlen in Italien, für das Wahlverhalten,die Wahlergebnisse,deren Bewertung durch wen auch immer? Gilt die nicht auch für Sven Lehmann? Daß ich dessen Aussage nicht teile, ist uninteressant.

    Was sind ,sh.Cohn -Bendit, verbale Ausraster?

    Ich konnte unzählige Meinungsbekundungen von C-Bendit ob ihres Inhaltes,ob ihrer Diktion nicht teilen, habe sie aber selbstverständlich als freie Meinungsäußerung respektiert und nicht als „verbale Ausraster“ bewertet, aber.. eine solche Bewertung d.d.C.Bendit gehört eben auch zur Meinungsfreiheit.

    Bei der Gelegenheit:
    Ich habe mich an anderer Stelle hier bei den Ruhrbaronen schon „so nebenbei“ zu den Bemerkungen von Steinbrück über die „beiden Clowns“ geäußert und zu der medial produzierten Empörungs- und Errregungswelle darüber.
    Insofern war es für mich erfreulich, daß auch der Ecconomist von den „beiden Clowns“ spricht (kein SPD – bzw.Labour – Blatt-.)

    Noch eine Bemerkung ui den beiden Clowns von Peer Steinbrück:

    Ich habe heute irgend wo gelesen -von einem Steinbrück Kritiker-, daß dessen Bemerkung zu den beiden Clowns jedermann zugestanden werden könne, aber nicht einem exponierten Politiker in Deutschland. Heißt das im Umkehrschluß, daß in einer Demokratie ein exponierter Poltiker das nicht sagen darf, was viele Menschen denken und was jedermann zu sagen zugestanden wird?

    -Irre, in einer freiheitlichen Demokratie. Ich jedenfalls wünsche mir das Gegenteil, nämlich öfter klare, für jedermann verständliche Meinungsäußerungen von Politikern, auch solche, die „man“ dann als polemisch oder als undiplomatisch werten mag.-

    ( Nicht zur Rechtfertigung der Steinbrückschen Worte, aber in diesem Zusammenhang:
    Wie oft wurden wir Wähler in Deutschland durch ausländische Medien, durch ausländische Politiker massiv wegen unserer Wahlentscheidungen kritisiert. Und wie selbstverständlich haben wir das als das Recht der freien Meinungsäußerung,das für jedermann im Inland und Ausland gleichermaßen gilt, respektiert -nicht akzeptiert. Was hat Belusconi an Unflätigem über Kanzlerin Merkel gesagt? Akzeptiert von den Menschen in Italien und weitgehend unkritisch wiedergegebn durch die Medien in Italien. Ja, auch das war und das ist als Ergebnsi von Menungsfreiheit hinzunehmen und zu ertragen.

    Und nun…….
    „…die beiden Clowns……….“ –

    Ich sehe darin ncihts anderes als einen weiteren Höhepunkt medialen Getöses om der heute üblichen hysterichen Erregungsproduktion durch Heuchlern und „scheinheilig“ Empörte.

    Anregung dazu, weil nicht „mainstream“:

    TAZ -www.taz.de-,Inland, „Charm des Frakturredners“ -Interview von Ulrich Schulte mit Hans Hütt.!

    Leider trage auch ich mit Beiträgen wie diesem zur hysterischen Erregungsproktuion bei, aber so läuft das eben heutzutage.

  3. #3 | Sebastian sagt am 1. März 2013 um 17:11 Uhr

    Natürlich dürfen sich Lehmann und Steinbrück auf Berlusconis Niveau begeben, macht’s mir als Wähler dann einfacher 🙂

  4. #4 | Robert sagt am 1. März 2013 um 17:28 Uhr

    Also ich teile die Ansicht von Herrn Lehmann schon, aber mehr so allgemein. Hat bei mir dann zur Folge gehabt, dass ich seit längerem kein Grün mehr wähle.

    Ach, ist der Spruch von den Nazis? Wusste ich auch nicht. Muss man die alle kennen? Ausserdem wäre der Spruch ja zutreffend, wendete man ihn zum Beispiel auf die damaligen NSDAP Wähler an. (Vom Admin editiert)

  5. #5 | Walter Stach sagt am 1. März 2013 um 17:44 Uhr

    „Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihre Schlächter selber“ -nicht von Nazis, von Bert Brecht -es sei denn, ich würde mich -altersbedingt- gewaltig
    irren;und Brecht hatte seinerzeit wahrlich die richtigen Schlächter im Visir.

  6. #6 | Robert sagt am 1. März 2013 um 17:58 Uhr

    @Laurin

    Danke.

    @Walter

    ja, eine kurze Googlesuche deutet darauf hin.

    Dann darf ich jetzt mal Brecht zitieren: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber“.

  7. #7 | Sebastian sagt am 1. März 2013 um 18:16 Uhr

    Was mich noch wundert ist das doch eher die SPD und Grünen es kritisieren wenn in Griechenland die Regierung sparen muss, warum ist man dann auf einmal in Italien für das Bündnis welches das gleiche machen will? Irgendwie sind die SPD und Grünen seltsam.

  8. #8 | Walter Stach sagt am 1. März 2013 um 19:02 Uhr

    Sebastian, ich finde keinen Beleg dafür, daß sich SPD und Grüne für irgend ein Bündnis in Italien einsetzen, geschweige denn für eines, das sich einem rigorosem Sparkurs wie bisher von der Regierung Monti praktiziert bedingungslos verpflichten würde.

    Vielen Menschen in Europa ist ja vor allem angesichts der Entscheidungen der Wähler in Italien deshalb unbehaglich, weil es keine Parlamentsmehrheit zu geben scheint -weder eine linke,eine rechte, eine der linken Mitte,eine der rechten Mitte-, die eine arbeitsfähige Regierung über längerer Zeit tragen kann.

    Beruhigend wirken kann die Erfahrung, daß die Italiener es seit 1945 immer geschafft haben, mit politischen Zuständen so oder so „über die Runden zu kommen“, die wir für „unmöglich halten“, und das gilt auch für Italien als Bestandteil der EU.

    Im übrigen ist Kritik gegenüber den Wählern in Italien, gegenüber einigen der Gewählten, egal, wer diese Kritik äußert und wie auch immer formuliert , kein Widerspruch zu der Selbstverständlichkeit für alle Demokraten, eine in freien Wahlen getroffene Entscheidung als solche respektieren zu müssen.

  9. #9 | TuxDerPinguin sagt am 1. März 2013 um 19:10 Uhr

    Ach herrje, diese über alles ermaßende political correctness der Ruhrbarone mal wieder… nichtmal mehr Schoko-Zigaretten kann ich heute kaufen, ohne dass Stefan Laurin sich beschweren würde, dass für die die ganzen Rauchverbote nicht gelten würde….

    ähm..ja

    aber ernsthaft. Man sollte als Politiker in Vorbildfunktion anderen Menschen mit mehr Respekt entgegentreten. Twitter führt aber nun wie schon zigfach beobachtet dazu, dass unüberlegte Äußerungen bzw Äußerungen, die man nur im privaten Umfeld getätigt hätte, an die Öffentlichkeit kommt.

    Aber solch eine Bemerkung ist auch gar nicht groß berichtenswert… man kann nur hoffen, dass keine Neuwahlen kommen… sonst wählen Leute aus Trotz und verletztem Ehrgefühl durch deutsche Politiker vielleicht noch stärker in Deutschland unbeliebte Politiker…

    eins meiner Highlights der letzten Jahre bleibt aber sicher der Zirkusclown vom Zirkus Roncalli, der sich von Steinbrück beleidigt fühlte als Clown auf einer Stufe mit Berlusconi herabgesetzt zu werden.. Recht hat er 😀

  10. #10 | Arnold Voss sagt am 1. März 2013 um 20:07 Uhr

    Berlusconi ist kein Clown. Weder ein böser noch ein guter, weder ein trauriger noch ein lustiger. Er ist ein anerkannt abgebrühter, nachweislich korrupter und offensichtlich taktisch gewiefter Politiker, der einen gewichtigen Teil der politischen Kultur Italiens geradezu perfekt verkörpert.

  11. #11 | Walter Stach sagt am 2. März 2013 um 08:27 Uhr

    Arnold:Berlusconi -politische Kultur Italiens?

    Manch prominter Politiker in Italien spricht da ehe von politischer Unkultur.
    Ich bin unfähig, für diesen Mann überhaupt noch Worte zu finden.
    Wenn ein Mann in Anwesenheit vieler Menschen eine ihm unbekannte Frau fragt:
    „Wie oft kommen Sie? Dreimal?“;dann gehört dieser Mann, so auch Berlusconi, überall hin -z.B. in eine Anstalt-,
    , aber nicht in eine führende politische Position in Italien und damit in Europa.

    Im übrigen, ich wiederhole mich: Nur weil ein führender Poltiker in Deutschland -Kanzlerkandidat-zwei Poltiker in Italien als Clowns tituliert hat, schaffen es die Medien, die öffentliche Meinung wieder einmal in den Zustand „höchster Erregung“ zu versetzen -irre-.

  12. #12 | Erdgeruch sagt am 2. März 2013 um 09:53 Uhr

    Was zu lernen ist?

    Politiker und Westfalen sollten ihren Humor nicht unbedingt öffentlich austragen.

    Das ein großer Teil der Italiener immer schon offen korrupte Politiker gewählt hat und wählen wird hat viele Gründe (Tradition im Hass auf Linke, Rechter Katholizismus, Stimmenkauf, Große Betroffenheit von Amnestieregelungen – schonmal eine Baugenehmigung in Italien versucht zu erhalten -, Verdummung durch Berlusconimedien), viel erstaunlicher ist doch, dass ein Großteil es nicht mehr will. Das nun einmal nur jemand wählbar scheint, der derart wie Beppe Grillo mit Italiens Demokratie der zweiten Republik gebrochen hat, ist zwar traurig, aber verständlich. Es ist schlicht niemand anders mehr da.

  13. #13 | Frank sagt am 2. März 2013 um 12:04 Uhr

    @Robert und Walter

    Das Kälber-Metzger-Zitat wird beim Googlen in der Tat Brecht zugeschrieben. Ich beziehe mich auf ein Buch von Sabrow über das Attentat auf Walter Rathenau. Da wird ein Nazipropagandablatt mit diesem Spruch zitiert. Der ist also durch mehrere Hände gegangen, zuletzt durch Stoibers, Schröders und jetzt des Grünen.

    Muss man das wissen? Ich meine, wer auf der politischen Bühne agiert, könnte es wissen.

    Der Spruch an sich wäre brauchbar, wäre er nicht kontaminiert. Das gilt aber auch für sehr viele andere Sprachbilder. Man kann z. B. nicht von „Kraft durch Freude“ sprechen, obwohl wir gerade sie in diesen depressiven europäischen Zeiten gut gebrauchen könnten.

  14. #14 | Ulf sagt am 2. März 2013 um 12:17 Uhr

    Wenn bei uns sogenannte „Protestwähler“ Undemokraten wählen (NPD, DVU u. a.), dann frage ich auch nicht voller Verständnis, „wie verzweifelt Menschen sind, wenn sie solche Gestalten“ wählen, sondern bezeichne sie als etwas Schlimmeres, als nur Kälber zu sein.

  15. #15 | Erdgeruch sagt am 2. März 2013 um 12:28 Uhr

    Die Italiener haben dieses Mal aber nicht die Rechtspopulisten gewählt – so hat beispielsweise die Lega Nord mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verloren. Auch die ehemaligen Fascisti konnten nicht profitieren.

  16. #16 | Beentheredonethat.blog.de sagt am 2. März 2013 um 12:46 Uhr

    Sven Lehmann ist doch selbst ein Betrüger. Der Spruch ist eben nicht so weihnachtsmann-mäßig wörtlich zu nehmen, sondern zeigt vor allem den Unterschied im Status von Wählenden und Gewähltem auf.

  17. #17 | Walter Stach sagt am 2. März 2013 um 13:33 Uhr

    Frank,
    bei der Aussage „Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“ denke ich ausschließlich an all die Deutschen, die seinerzeit durch ihre Wahl dazu beigetragen haben, daß die Nazi-Diktatur mit all ihren Verbrechen -auch gegenüber dem eigenen Volk-möglich wurde.

    Und dann ist man, auch wenn man sich bezüglich „des Schöpfers“ seiner Sache nicht ganz sicher ist, eigentlich zwangsläufig im kulturell-literarisch-politisch-historischen Kontext schnell bei Bert Brecht.

    Auf diesem Hintergrund , so meine ich, hat die Aussage bis heute nichts von ihrer literarisch- politischen Kraft verloren.

    Deshalb wäre ich nie auf die Idee gekommen, sie in abgewandelter Form auf die „beiden Clowns“ in Italien zu beziehen. Sven Lehmann spricht ja immerhin und insofern richtigerweise nicht von Schlächtern -sh.Nazis-, sondern von Betrügern.

    Erdgeruch,
    ja, so ist das wohl mit dem Humor der Westfalen und der Poltiker.

    Nachdem ich so eben lesen konnte, daß der Komiker Grillo davon ausgeht, in einem halben Jahr würde das derzeitige „System“ in Italien zusammenbrechen, ist es doch wohl notwendig, sich weniger mit ihm als Komiker zu befassen, sondern mit dem Menschen Grillo als Politiker.
    Bisher sind mir leider nur Aussagen von ihm bekannt, die sich auf das Versagen des jetzigen Systems beziehen -in Italien,in der EU-, die naheliegen und zum Teil auch nachvollziehbar sind, auch wenn ich sie nicht teile, aber ich weiß eben nicht, was er stattdessen anstrebt -Reformen? Welche?Eine Revolution? Ziel?
    Im übrigen -sh.8 im vorletzten Absatz-hoffe ich, daß Italien letztlich auch die aktuellen Probleme, die ja unstrittig finanzpolitisch bedrohlich sind, lösen wird, ohne daß das demokratische System zusammenbricht, und das kann mit oder ohne Grillo/Berlusconi gelingen.

    Arnold,
    insofern stimme ich Dir zu, sind die Grillos, die Berlusconis Teil der politischen Kultur dieses Landes, auch wenn ich als „Nichtitaliener“ so Manches -eben auch den GrilloIsmus,Berlusconismus- ehe der Kategorie „Un-Kultur“ zuordne.

    Ulf,
    das spricht m.E. dafür, diese literarisch-politische Aussage von B.Brecht da zu lassen, wo sie hingehört, nämlich in die Zeit, als wir Deutschen -auch per Wahl-die Staatsmacht in die Hände von Schlächtern „im wahrsten Sinne des Wortes“ gelegt haben;jede zeitbezogene Abwandlung relativiert die literarisch-poltische Kraft dieser Aussage im Kontext mit dem NS-Regime.

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