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Kritische Islamkonferenz ruft zum Widerstand gegen Rechtsradikale auf

Vom 19. bis zum 21. September treffen sich Rechtsradikale aus ganz Europa in Köln zum Anti-Islamisierungskongress.

Ralph Giordano/Foto: hiram7 Ihr Ziel ist es, Ddie Kritik am Islam und am Islamismus zur fremdenfeindlichen Agitation zu nutzen. Nicht umsonst gehören rechtsradikale Parteien wie Pro-Köln, Front National oder Vlaams Belang zu den Organisatoren und Unterstützern der Veranstaltung. Anlässlich des Anti Islamisierungskongress findet am 12. September eine Sonderveranstaltung der Kritischen Islamkonferenz in Köln statt. Zu den Veranstaltern gehören der  Zentralrat der Ex-Muslime, Redaktion Hintergrund und die Giordano Bruno Stiftung. Sprechen werden dort Ralph Giordano, Mina Ahadi und Hartmut Krauss. Die Kritische Islamkonferenz ruft darin zum Widerstand gegen die Rechtsradikalen auf…

Vom 19. bis zum 21. September treffen sich Rechtsradikale aus ganz Europa in Köln zum Anti-Islamisierungskongress.

Ralph Giordano/Foto: hiram7

Ihr Ziel ist es, Ddie Kritik am Islam und am Islamismus zur fremdenfeindlichen Agitation zu nutzen. Nicht umsonst gehören rechtsradikale Parteien wie Pro-Köln, Front National oder Vlaams Belang zu den Organisatoren und Unterstützern der Veranstaltung.
Anlässlich des Anti Islamisierungskongress findet am 12. September eine Sonderveranstaltung der Kritischen Islamkonferenz in Köln statt. Zu den Veranstaltern gehören der  Zentralrat der Ex-Muslime, Redaktion Hintergrund und die Giordano Bruno Stiftung. Sprechen werden dort Ralph Giordano, Mina Ahadi und Hartmut Krauss. Die Kritische Islamkonferenz ruft darin zum Widerstand gegen die Rechtsradikalen auf und zeigt die Verwandtschaft zwischen Rechtsextremismus und Islamismus auf.

Anlässlich des Anti-Islamisierungskongresses, der vom 19. bis zum 21. September in Köln stattfinden soll, haben die Veranstalter der Kritischen Islamkonferenz zum Widerstand gegen die einheimischen und zugewanderten Rechtskräfte aufgerufen. In der Erklärung heißt es, den Veranstaltern des Anti-Islamisierungskongresses gehe es nicht darum, die menschenrechtswidrigen, antidemokratischen und reaktionär-patriarchalischen Grundinhalte und Praktiken des Islam anzuprangern, sondern darum, Einwanderer aus der Türkei, dem Iran und arabischen Ländern pauschal als Bedrohung zu stigmatisieren. Diese Anti-Islam-Propaganda diene als Mittel zur populistischen Ausbeutung begründeter islamkritischer Stimmungen innerhalb der einheimischen Bevölkerung. Im Verborgenen bleibe dabei die tiefe weltanschaulich-politische Wesensverwandtschaft zwischen einheimischem Rechtskonservatismus und islamischer Orthodoxie, die sich etwa in gemeinsamen patriarchalen Werten ausdrücke.

Ähnlich scharf wie mit "Pro Köln" und ihren Verbündeten rechnen die Vertreter der Kritischen Islamkonferenz jedoch auch mit der Gegenseite der vermeintlich antirassistischen Islamversteher ab, die Kritik an der islamischen Herrschaftskultur per se als fremdenfeindlich, rassistisch, islamophob etc. diffamieren und sich zum Teil mit den Islamisten bis hin zu Ahmadinedschad, der Hamas und der Hisbollah verbrüdern. Die Abgesandten Erdogans, Milli Görüs und die Grauen Wölfe würden sich ins Fäustchen lachen, wenn die deutschen Blockierer einseitig und voller Vehemenz gegen Pro-Köln und Co. demonstrieren, aber auf "Tauchstation" gingen, wenn gegen Islamisten, Ehrenmörder, Zwangsverheirater, Karikaturenschänder, muslimische Mordhetzer und Judenhasser etc. aufzumarschieren wäre.

Gefordert sei heute eine dritte Kraft, die sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ebenso wehre wie gegen menschenrechtswidrige Formen religiöser Herrschaft. Ziel dieser dritten Kraft, für die beispielhaft die internationalen Zentralräte der Ex-Muslime stehen, sei eine freie, gerechte und solidarische Gesellschaft, in der Menschenrechtsverletzungen von keiner Seite geduldet und verharmlost werden.

Am 12. September wollen die Unterzeichner im Rahmen einer Sonderveranstaltung der Kritischen Islamkonferenz anlässlich des Anti-Islam-Kongresses ihre Positionen zu Gehör bringen. Als Redner werden Ralph Giordano, Mina Ahadi und der Islamkritiker Hartmut Krauss auftreten.

Veranstaltung:
12. September 2008, Jugendherberge Köln-Riehl, An der Schanz 14
Beginn: 18:30 Uhr, Kostenbeitrag: 5 Euro

 

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23 Kommentare zu “Kritische Islamkonferenz ruft zum Widerstand gegen Rechtsradikale auf

  • #1
  • #2
    Andreas Scholz

    Ist Fremdenfeindlichkeit nicht rechtsradikal?
    War Giordano nicht jener Wortschöpfer der Pinguine?
    Was soll man von solch menschenverachtenden Sprüchen halten?
    Vielleicht ist er inzwischen ja auch nur ein senile Widerling.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Andreas: Welcher Spruch von Giordano ist denn Deiner Ansicht nach fremdenfeindlich?

  • #4
    Lothar daselbst

    Gut. Ihr wollt also noch ein bisschen giordanieren. Wie beim bandbreitigen Abwatschen werden die Menschen leider nur noch überbewertet. Aber gut, that´something complety different, um es mit Monthy zu sagen…

    Der Zeit-Autor Jörg Lau bedauert die „unrühmliche Abdankung eines Mannes, der einmal ein Aufklärer war“. Da kann ich noch mit. Aber rechtsradikal.

    Geh´ mal nach Istanbul, Sharm el Sheik oder meinetswegen ooch nach Ramallah und bau´ Dir dort nen obersakral-katholischen Münsterbau mit fettem römisch-katholischen Glockengeläut, oder ooooch, lassen wa´ ma fünfé gerade sein, vielleicht doch nur so´n bigottes prostestantes aber dennoch geweihtes Gotteshäusle…?!?!? Und dann reden wir wieder über die total demokratischen Stimmen des Islams. Abgemacht?

    Ab jetzt. Die Zeit läuft. Dalli Dalli.

  • #5
    Andreas Scholz

    @Stefan
    Girodano hatte sich wiederholt in Interviews gegen Burka-Trägerinnen auf deutschen Straßen ausgesprochen z.B. hier: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/627848/
    stammelt er, dass er nicht die Würde einer konkreten Frau angegriffen hätte.

    Die Bezeichnung von Burka-Trägerinnen als menschliche Pinguine finde ich jedenfalls – wie übrigens jeden Vergleich aus dem Tierreich – würdelos.

    Ich halte es für sehr armselig, sich an solchen Äußerlichkeiten aufzuhalten, nämlich ob Frauen auch in Deutschland Burka tragen.
    Dabei ist es aus meiner Sicht wirklich nicht das Thema, ob bestimmte Kleiderordnungen irgendwo in der Welt Unterdrückungsmittel sind.

    Das Thema ist, wie sich ein Mensch mit seinen eigenen Vorstellungen in Deutschland bewegen darf.
    Und da gibt es nach meiner Kenntnis für niemanden das Recht, in die Lebensführung anderer einzugreifen.

    Selbstverständlich muß jeder Autofahrer ggfs. sein eigenes Gesicht in die Verkehrsüberwachung halten; auf dem Gehweg braucht er das allerdings nicht zu tun.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Mdreas: Die Burka ist nicht irgendein modisches Kleidungsstück sondern nichts anderes als ein Unterdrückungsmittel – darüber darf man sich allemal abfällig äußern – und als Pinguin bezeichneten schon die Blues Brothers die Nonnen wegen ihrer Tracht ohne das sich jemand aufgeregt hätte. Die Burka ist wie das Kopftuch ein politisches Statement und es ist eines, das mir absolut nicht gefällt – und über politische Statements kann man sich allemal abfällig äußern. Der Satz von Popper ?Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit? gehört zu den Grundlagen, die es braucht, um die Demokratie zu erhalten.

  • #7
    Andreas Scholz

    Ich möchte eigentlich über Kleiderordnungen reden.
    Aber dennoch:
    Bitte denke doch einmal darüber nach, wie es Menschen aus fremden Kulturen in Deutschland geht.
    Ist eine afghanische Frau, die es nach Düsseldorf verschlagen hat, wirklich in der Lage, durch das Tragen einer Burka unsere Freiheit zu bedrohen?
    Ein bischen weniger in Symbolen denken, ist manchmal ganz hilfreich.
    Diese ganze Kleiderornungsdiskussion dient keinem anderen Zweck, als der Marginalisierung und Stigmatisierung.
    Natürlich ist die Burka in Deutschland das Signal: Seht her ich gehöre (noch) nicht zu Euch. Na und?
    In erster Linie ist es aber ein Stück Heimat für einen, aus welchen Gründen auch immter, zumindest temporär heimatlosen Menschen.
    Was unterscheidet uns von iranischen Revolutionswächtern, wenn wir Frauen ihre Burka vom Körper reissen?
    Mal ganz abgesehen davon, dass die damit wohl weitgehend aufgehört haben, Frauen ohne Shador zu schikanieren.

  • #8
    Andreas Scholz

    Das mag nicht so leicht zugänglich sein:
    Es ist ein erheblicher Unterschied, ob sich jemand über sich selbst oder Angehörige seiner Gruppe oder über Fremde, ironisch, abfällig oder sogar feindlich äußert.
    Die von Giordano gemachten Äußerungen über muslimische Frauen werden von ihm nicht im Dialog mit eben diesen gemacht, um ihnen seine Meinung nahe zu bringen, sondern ausschließlich für den interessierten deutschen Adressatenkreis.
    Es wird über Muslime gesprochen und es wird abwertend über Muslime gesprochen.
    Dafür ist ein Teilnehmerbeitrag von 5 ? auch genau der richtige Betrag für das richtige Publikum.
    Ein Vortag von Krauss müßte normalerweise noch mit einem Schmerzensgeld entschädigt werden.
    Da sind 5 ? dann nicht zuviel. Viel Spaß also bei der Kritischen Islam Konferenz

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Andreas: Niemand will Frauen die Burka vom Leib reissen, aber innerhalb der eigenen Community setzt das Tragen der Burka die Frauen unter Druck, die keine tragen wollen. Und das „Schaut her, ich gehöre nicht zu Euch“ stimmt ja nie so ganz: Es gibt Gründe warum Menschen nach Westeuropa kommen: Freiheit und Wohlstand. Die Grundlage von beidem ist das bei uns die Priester in ihren Kirche bleiben und kaum noch was zu melden haben. Aber die Burka und anderen Zeichen religiösen Wahns wie Kreationismus, Exzorzismus, der Irrsinn der Pfingstgemeindler, die sich im Bergischen rumtreiben etc. müssen doch kritisiert werden. Wer hier lebt stellt sich auch der öffentlichen Diskussion – wo ist das Problem? Giordano beschreibt sehr gut die Grenze zwischen Islamkritik und Fremdenfeindlichkeit – zumal es viele Deutsche Muslime gibt, aber auch afghanische Agnostiker. Religion ist doch keine Frage der Nationalität.

  • #10
    Arnold Voß

    Sorry, keine Frau auf der Welt ist mit einer Burka um sich herum geboren worden. Kein Mädchen auf der Welt trägt freiwillig und aus eigenem Entschluss bei jedem Wetter und zu jeder Gelegenheit eine Ganzkörperverkleidung die im Extremfall sogar die schlichte Sicht auf die unmittebare Umgebung erheblich einschränkt. Sie sind irgendwann in dieses Kleidungsgefängnis hineingepresst worden. Durch Lob und Belohnung, durch Drohung und Strafe, durch Verführung und/oder Überredung, durch Vorbild und/oder Erziehung usw. usw. Das ganze wird fadenscheinig „Kultur“ genannt. Wenn die Frau, das Mädchen, aber aus dieser „Kultur“ heraus will muss sie/es erkennen oder besser bitter erfahren, dass es sich im Kern um nichts anderes als Barberei handelt.

  • #11
    Andreas Scholz

    @ Hallo Arnold Voß

    ich jedenfalls wurde nackig geboren.
    Was bedeutet das jetzt dafür, dass ich heute weit überwiegend bekleidet herum laufe?
    Genau, ich stecke mich jeden Morgen in mein Kleidungsgefängnis.

  • #12
    Arnold Voss

    Das tun sie eben nicht! Oder tragen sie bei heißem Wetter ein Kleidungsstück das ihr gesamtes Gesicht verhüllt und dazu einen Umhang der bis zu ihren Füßen reicht? Oder tragen sie beim Sport ein Kopftuch? Oder beim Baden ein lange Hose? Wenn sie es unbedingt tun wollen, ich kann und will es ihnen nicht verbieten. Für mich allerdings ist das ein Kleidungsgefängnis.

  • #13
    Andreas Scholz

    immerhin nett,
    lieber Arnold Voß,
    dass zumindest ich ihre Erlaubnis habe, wenn ich denn will, Burka zu tragen.
    Ich will aber gar nicht.
    Allerdings gibt es Frauen, die wollen und eben keineswegs dazu gezwungen werden.
    Jedenfalls nicht in Deutschland.

  • #14
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Andreas: Sie glauben wirklich die Frauen stehen morgens vor dem Kleiderschrank und übelegen sich: „Ziehe ich heute die Burka an oder den roten Lederminirock?“

  • #15
    Arnold Voß

    Lieber Andreas Scholz, um etwas zu wollen muss man erst mal einen freien Willen haben bzw. muss einem Kind auf dem Weg zum Erwachsenwerden die Entwicklung eines freien Willens ermöglicht werden. Dazu braucht es ein soziales und kulturelles Umfeld das so etwas wie einen freien Willen anerkennt, achtet und schützt. Das z.B. Gottes „Wille“ und/oder den elterlichen Willen und/oder die Tradition nicht ohne Wenn und Aber über die Entscheidungen des Kindes/Jugendlichen stellt.

    Sein sie froh, dass sie ein solche Erziehung genossen haben. Aber gehen sie lieber nicht davon aus, dass das für jeden in Deutschland gilt, geschweige denn auf der ganzen Welt. Egal ob religiös oder nicht. Mir scheint, dass eher das Gegenteil der Fall ist.

  • #16
    Andreas Scholz

    @ Stefan Laurin
    Ich glaube, dass es Frauen gibt, die grundsaätzlich sich die Bekleidugnsalternative Lederminnirock nicht vorstellen können – ganz gleich, ob sie in igendeiner Weise religiös sind.
    Und es gibt Menschen, die sich aufgrund verschiedenster Weltanschauungen ihren Traditionen entsprechend kleiden.
    Wie lange diese Traditionen auch in der jeweiligen Diaspora Bestand haben, hängt nicht allein von dem einzelnen Menschen ab, sondern wesentlich davon, wie er sich einfinden kann. Das widerum hängt sehr wesentlich von der Aufnahmegesellschaft ab.

    Lieber Arnold Voß
    das fällt uns vielleicht schwer, aber fremde Menschen haben ihren eigenen – uns naturgemäß fremden- eigenen Willen. Nur weil sich dieser von dem unseren unterscheidet ist er nicht weniger frei.

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Andreas: Es gibt Werte und Traditionen die ich nicht tolerieren möchte. Mädchen Bildungschance zu verweigern, ihnen kein Recht auf Selbstbestimmung einzuräumen gehört für mich ebenso zu diesen nicht toleriebaren Werten und Traditionen wie das Hineindrängen von jungen Männern in archaische Rollenbilder.

  • #18
    Arnold Voß

    Der „fremde eigene Wille“ der uns “ naturgemäß fremd ist“, das ist wirklich eine tolle Konstruktion um anderen jede Urteilskraft abzusprechen. Und es klingt auch noch so einfühlsam und so weltläufig. Das Problem dabei ist nur, dass z.B. die Unterdrückung von Frauen Teil fast aller Kulturen war und noch ist und „uns Deutschen“ überhaupt nicht fremd ist bzw. war!

    Schon mal in einem „deutschen“ Frauenhaus gewesen, Andreas Scholz? Ich bin einer der Mitbegründer und bis heute noch Förderer eines der ersten Frauenhäuser in NRW. Das wurde „damals“ für deutsche Frauen und gegen den Willen der mehrheitlichen deutschen Familientraditionalisten in allen Parteien für Frauen aufgebaut, die von ihren deutschen Männer regelmäßig geschlagen wurden. Jetzt sind es zunehmend türkische bzw. muslimische Frauen die es aufsuchen und unendlich froh darüber sind, das es so etwas in Deutschland gibt.

    Wenn ich ihre Position richtig verstanden habe, dann dürfte es diese Häuser gar nicht geben, oder? Das war mämlich damals auch in Deutschland irgendwie normal, dieses „Züchtigungsrecht“ des Ehemannes gegenüber seiner Frau. (Damals durften deutsche Männer auch bestimmen, ob die Frau arbeiten geht oder nicht bzw. wo sie sich aufhalten durfte oder nicht)

    Mir war dieser „fremde eigene Wille“ das zu tun bzw. es zu ertragen nicht nur „naturgemäß fremd“, ich fand ihn zugleich sadistisch und menschenverachtend bzw. masochistisch und selbstverachtend und ich möchte nicht noch mal in einem Land leben in dem das wieder normal wird. Sie vielleicht?

  • #19
    Andreas Scholz

    Lieber Stefan Laurin,
    Lieber Herr Voß,

    ich will ganz bestimmt keine Unterdrückung von irgendwem, also selbstverständlich auch nicht von Frauen und Mädchen.
    Wollen Sie wirklich über diese Selbstverständlichkeit streiten?
    Es ist gut, dass es in Deutschland Frauenhäuser gibt. Und es ist auch gut, dass diese Häuser inzwischen auch von Migrantinnen angenommen werden.
    Es ist aber eindeutig keine muslimische Spezialität, die eigenen Frauen zu misshandeln und oder zu unterdrücken.
    Sie beschreiben die jüngere deutsche Rechtsgeschichte zu diesem Thema schon recht zutreffend, Herr Voß.
    Ich persönlich habe mich an keiner Gründung eines Frauenhauses beteiligt; ich würde heute sogar hingehen und die öffentlichen Mittel zum Erhalt dieser Einrichtungen auf den Prüfstand stellen.
    Nicht weil ich der Meinung wäre, dass wir solche Hilfen nicht mehr brauchen, sondern weil ich sicher bin, dass wir sie in diesem Umfang nicht mehr brauchen.
    Da helfen auch keine Kampangen zur Genitalvertümmelung oder Zwangsprostituion.
    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich finde es gut und notwendig, dass diese Dinge thematisiert werden – allerdings finde ich es verantwortungslos, diese Themen in die Integrationsdebatte hineinzustreuen.
    In dieser Debatte haben sie nichts verloren.
    Türkische Familien beschneiden ihre Töchter nicht und sie zwingen sie auch nicht zur Prostituion.
    Afghanische Zuwanderinnen, die Burka tragen sind auch nicht ansatzweise repräsentaativ für den modernen Islam.

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Andreas Scholz: Es ging auch zu keinem Zeitpunkt um einen modernen Islam, wie ihn z.B. Bassam Tibi fordert, sondern es ging um den Umgang mit radikalen Formen, die mit den Werten des Westens, besser vielleicht der Aufklärung, nicht kompatibel sind.

  • #21
    Arnold Voß

    Das Problem ist nur: Ich kann mir einen Islam wohlmöglich ohne Islamismus aber nicht eine Islamismus ohne Islam vorstellen. Ich wohne seit vielen Jahren mit Muslimen Tür an Tür. Ich habe muslimische FreundInnen aber ich habe auch jüdische , und christliche sowieso. Und da geht es dann schon los. Selbst wenn sie jeweils eher der liberalen Fraktion ihrer Religionen angehören, sind sie nicht so einfach auf einen ganz relaxten Abend an einen Tisch zu bringen. Egal in welcher Zusammensetzung.

    Es sind eben die Vorformen des Fundamentalistisch-Radikalen, die tief in fast allen Religionen stecken und die ganz schnell ausbrechen, wenn es zu Konflikten zwischen den Kulturen kommt. Das Kopftuch ist eben kein normales Kleidungsstück für Muslime. Es ist keine Funktions- oder Modekleidung. Es ist wesentlich Verhüllung des weiblichen Haares und nicht Kopfschmuck oder Schutz vor Staub z.B. beim Wäscheklopfen (Dann hat es meine Mutter immer getragen).

    Das ändert sich auch nicht dadurch, dass junge Musliminen daraus etwas „Cooles“ machen oder wohlhabende Musliminen etwas Extravagantes. Dass statt der ungezeigten Haarpracht das Gesicht besonders schön inszeniert wird, oder zumindest die enge Hose eine andere „körperliche Pracht“ zu betonen erlaubt. Wobei für Letzteres schon ein liberales Elternhaus oder ein erheblicher Konflikt mit einem konservativeren dazu die Voraussetzung ist.

    Schamvolle Verhüllung (gegen die grundsätzlich nichts zu sagen ist) ist eben selbst ein äußerst dehnbarer Begriff dessen Auslegung in der Regel nicht von den Trägerinnen dieser Verhüllung bestimmt wird sondern von anderen „mächtigeren“ Personen die sehr wohl auch Frauen, sprich Mütter, ältere Schwestern usw. sein können.

    Auf jeden Fall eröffnet damit das ansonsten recht harmlos daherkommende Kopftuch ein Fülle von mehr oder weniger verdeckten bzw. offenen kleinen oder großen Repressalien, die im Ernstfall bis zur offenen Drohung mit Gewalt und damit unausweichlich zur Gewalt selbst führen, denn Drohungen funktionieren nun mal nur dann, wenn sie, wenn es darauf ankommt, auch in die Tat umgesetzt werden.

    Ich wäre trotzdem dagegen, ein Kopftuch generell zu verbieten. Was allerdings die Burka betrifft, sprich die komplette Gesichtsverhüllung nicht als Maskerade, Tarnung, Funktion oder modischen Geck, bin ich sehr wohl für ein komplettes Verbot und zwar auf der ganzen Welt. (Bzw. würde ich dafür stimmen, wenn das eine demokratische Weltregiering der Weltbevölkerung zur Entscheidung stellen würde.)

    Jeder Mensch hat das Recht auf ein Gesicht bzw. habe ich das Recht das Gesicht eines Menschen zu sehen, wenn ich mit ihm kommuniziere. Ich weiß gar nicht wie das überhaupt offen und ehrlich funktionieren soll, wenn man das Gesicht eines Menschen, sprich seine Augen und seine Gesichtszüge nicht dabei sehen kann. (Und sage mir jetzt bitte keiner, dass wäre beim telefonieren doch immer so.)

    Ich habe das schon bei meiner ersten katholischen Beichte als mehr oder weniger unheimlich empfunden, dass da einer sozusagen aus dem Off zu mir sprach und obendrein noch das Recht hatte, mir meine Sünden zu entlassen. Von Angesicht zur Angesicht zu reden ist ein Menschenrecht, und zwar für beide Seiten. Für den der spricht und für den der zuhört. Egal was welche Tradition, Religion, Kultur usw. dazu sagen oder besser vorschreiben.

    P.S. Wenn ich über das Kopftuch mit islamischen (männlichen) Freunden diskutiere, stelle ich irgendwann immer die folgenden Frage: Wenn das Kopftuch eine so tolle Sache ist, warum tragt i h r eigentlich keins? Nicht mal nur zum Spaß?

  • #22
    Andreas Scholz

    @ Stefan Laurin

    Es geht nicht um modernen oder archaischen Islam.
    Es geht um Integration in Deutschland.
    Die Islamkritiker, unter ihnen auch Tibi, sind in Wahrheit Integrationsgegner.
    Sie verfolgen ihre eigenen Interessen und befeuern die Ausgrenzungsdiskussionen.

    Die Mehrzahl der in Deutschland lebenden Muslime streben ein freies leben in einer pluralen Gesellschaft an.

    Nur indem eine angebliche Expansionsbestrebung des Islam als deutsches oder sogar europäisches Problem erfunden wird, macht die ganze Veranstaltung Sinn.

    Türken haben bereits nichts mit einem Islam saudischen Verständnisses zu tun.
    Innerhalb der türkischen Community in Deutschland gibt es für die türken selbst und erst recht für uns Deutsche kaum nachvollziehbare unterschiedliche Strömungen.
    Diese Unterschiedlichkeit der Menschen wird gerade von den Islamkritikern locker ausgeblendet.

    Es geht eben nicht darum, sich mit problematischen einzelnen Anschauungen auseinander zu setzen, sondern es geht darum, eine Minderheit in Mithaft für Dinge zu nehmen, mit denen sie schlicht nichts zu tun hat.

  • #23
    Arnold Voß

    Ich stimme mit ihnen überein, bzw. habe auch ich den Eindruck, dass die Mehrzahl der in Deutschland lebenden Muslime an einem friedlichen Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft interessiert sind. Ob ein religiöser Mensch als solcher zugleich auch an einem wirklich freien Leben interessiert ist, waage ich jedoch zu bezweifeln. Aber das ist seine Sache und darüber hat nur er selbst zu entscheiden.

    Anders sieht das jedoch mit der Einstellung zu den nicht religiösen Menschen, sprich den „Ungläubigen“ aus. Alle Religionen und besonders die muslimische hat, jenseits der einzelnen Strömungen, per se etwas missionarisches. Kritik von Ungläubigen wird deswegen nur selten geduldet, geschweige den Spott oder sogar Ablehnung. Umgekehrt dagegen sind die Ungläubigen bevorzugte Objekte der Missachtung,der Verleumdung und der Diskriminierung. Sie sind in der Regel bedauernswerte, wenn nicht sogar zweitklassige Geschöpfe, da sie ja nicht die Nähe zu (welchem) Gott (auch immer) gefunden haben, oder noch schlimmer, diese sogar bewusst verweigern.

    Wenn überhaupt, wird die Freiheit f ü r Gott geduldet, wobei auch hier die meisten Religionen im Ernstfall gegen die Menschen anderer Religionen eingestellt sind, ja sie notfalls, und bei entsprechender dämagogischer Mobilisierung ihrer Mitglieder, mit brutaler Gewalt zu der ihrigen zwingen möchten. Zumindest ist die Geschichte bis heute voll von Beweisen für diese martialische und unterdrückerische Seite von Religionen. Die Freiheit v o n Gott wird jedoch überhaupt nicht geduldet. Häretiker, Gottszweifeler und vor allem Menschen die sich über Religion lustig machen, sprich sie nicht ernst nehmen, werden bis aufs Messer bekämpft.

    Religion ist damit alles in allem selbst eine der größten und systematischen Ver- und Behinderinnen von Integration, Herr Scholz, und zwar weltweit! Wie sie unter diesen offensichtlichen kulturellen Rahmenbedingungen zu der steilen These kommen, dass gerade die Religionskritiker (von welcher Religion auch immer) die wahren Integrationsgegener sind, bleibt mir schleierhaft. Es ist vielmehr genau umgekehrt: Die Unterschiedlichkeit der Menschen, also das was ihre Individualität ausmacht, wird vor allem von den Religionen selbst ausgeblendet.

    P.S. Und wer, meinen sie, schlichtet den interreligiösen Streit zwischen meinen Freunden, bei dem es zwar immer wieder laut dafür aber (glücklicherweise) nie geschossen wird? … Ich, der Ungläubige! Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass meine Streithähne mittlerweile froh sind, dass es wenigstens einen Ungläubigen in ihrem Kreis gibt.

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