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Kulturbruch: Berufliches Interesse reicht nicht mehr für SPD Eintritt

spd_slogan_wir-originalWohnung? Job? Ausbildungsstelle? Das SPD Parteibuch war im Ruhrgebiet lange Zeit der Schlüssel zur Öffnung der städtischen und staatlichen Schatzkammer. Nun wurde einem willigen Neusozi ausgerechnet mit dem Hinweis auf berufliche Interessen die Mitgliedschaft in der SPD verweigert.  

Pascal Hesse darf  nicht Mitglied der SPD, oder der Partei, wie wir im Ruhrgebiet sagen, werden. Der Vorstand des Ortsverein Essen-Borbeck, dessen Vorsitzender NRW-Justizminister Thomas Kutschaty ist, beschloss einstimmig, ihm das rote Parteibuch zu verweigern. Der Grund: Hesse würde nicht wegen der Grundsätze der SPD der Partei beitreten, sondern aus rein beruflichem beziehungsweise journalistischem Interesse. Hesse kann das nicht verstehen. Zwar berichtet er regelmässig als Journalist über Kommunalpolitik in Essen, aber trotzdem fühlt sich das langjährige Gewerkschaftsmitglied der SPD nahe. Sicher, mit dem Parteibuch hätte er Zugang zu den nicht öffentlichen SPD-Foren, in denen die Partei über ihren zukünftigen OB-Kandidaten diskutieren wird, aber das haben an die 4200 Sozialdemokraten in Essen und darunter sind auch einige Journalisten. Die Chance dass etwas geheim bleibt, was auf diesen Foren besprochen wird, ist also allein schon durch die Menge der Teilnehmer äusserst gering.    

Und seit wann steht ein berufliches Interesse der Mitgliedschaft in der SPD im Wege?  Genau durch die Verbindung von beruflichem und privatem Interesse mit dem Parteibuch sind die Sozialdemokraten im Ruhrgebiet groß geworden. Es war ihr Markenzeichen, sich vor allem um ihre Mitglieder zu kümmern. „Der sozialdemokratische Funktionär agierte als Patron und Samariter. Er kümmerte und sorgte sich, löste Wohnungsprobleme, verschaffte den Töchtern und Söhnen aus Bergarbeiterfamilien einen Ausbildungsplatz im öffentlichen Dienst, brachte Oma und Opa in Pflegeheimen unter“, schrieb 2010 der Politikwissenschaftler Franz Walter in Cicero.

Wenn die SPD ihn aufgibt, gibt sie sich selbst auf. Denn bei all der Suche nach Jobs und Wohnungen für ihre Mitglieder, der Absicherung der Genossen im Öffentlichen Dienst und dem machen neuer Schulden um all das zu finanzieren blieb den Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren leider nie viel Zeit, sich um ihre eigenen Inhalte zu kümmern, so dass die einfach zu weiten Teilen von den Grünen übernommen wurden.

 

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9 Kommentare zu “Kulturbruch: Berufliches Interesse reicht nicht mehr für SPD Eintritt

  • #1
    WALTER Stach

    Stefan,
    falls Pascal Hesse nicht nachweislich seine journalistische Arbeit gezielt, vorsätzlich rufschädiidgend -oder ählich?- „aktiv kämpferisch“ gegen die SPD eingesetzt hat -oder wie auch immer formulert-, ist die Ablehnung der beantragten Mitgliedschaft in „meiner“ SPD irre!
    Und wenn Hesse als Journalist meine Genossen in Essen „auf die Nerven gegangen“ ist? Ja, dann war das sicherlich für das demokratische Leben im Ortsverein ehe nützlich als schädlich.

    Ich kann nur darauf bauen, daß die SPD Essen-Borbeck für die Ablehnung der SPD-Mitgliedschaft bsiher nicht bekannte, sehr gute Gründe nachträglich bekannt gibt.

    Oder liegt hier nur ein zu erklärendes, zu klärendes Mißverständnis vor -bem Ortsverein, bei Pascal Hesse?

    Mir ist in mehr als 4ojähriger Mitgliedschaft, auch als Stadtverbandsvorsitzender, als Mitglied im Unterbezirksvorstand nicht ein einziger Fall bekannt, wo die berufliche Tätigkeit bei der Aufnahme in die SPD irgend einer Rolle für die Enscheidungsfindung in dem zuständigen Parteigremium gespielt hat.

  • #2
    Heide

    Lassen wir den Betroffen selbst seine Darstellung zum Besten geben:

    http://informer-magazine.de/2014/12/ich-bin-dann-mal-sozi/

  • #3
    WALTER Stach

    -2-Heide
    Danke für die Möglichkeit, die „Selbstdarstellung“ des Genossen Hesse ( oder eines potentiellen Genossen oder eines Ex-Genossen -ist mir nicht ganz klar geworden-) lesen zu können.

    Mir reicht das bezüglich eines kritischen Hinterfragens -sh-1- des Warums der Entscheidung des Ortsvereines-Vortandes in Essen-Borbeck und bezüglich meines Unverständnisses.

    Ich habe in meiner mehr als 4ojährigem Mitgliedschaft in der SPD noch keinen Genossen kennengelernt, der sich als SPDler und das Verhälnis zu seiner (!!) Partei so bescchreibt wie Hesse. Ich hoffe, daß mir Vergleichbaes zukünftig erspart bleibt.

  • Pingback: Kurzgucker: Die AfD in Gießen , die SPD in Essen-Borbeck und die Presse: Der Fall Pascal Hesse

  • #5
    danebod

    Zumindest de Dortmunder SPD war nicht immer so krüsch wie die Essener…

    http://antifaunion.blogsport.de/2010/05/04/klaus-schaefer-seine-kontakte-zu-neonazis/

  • #6
    Ulrich

    @ Heide

    Danke für den Link. Das klingt für mich im Klartext wie die Bitte aus der Partei herausgeworfen zu werden. Und dieser Bitte ist man wohl nachgekommen.

  • #7
    Ulrich

    @danebrod
    Ich habe gerade mal Google angeworfen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat die SPD wohl ein Parteiausschlussverfahren gegen den Mann eingeleitet: http://www.ruhrbarone.de/feuerwehrchef-ist-brandstifter/10589
    Ich habe keine seriösen Quellen gefunden aus denen hervorgeht ob dieses Ausschlussverfahren erfolgreich war, es gibt lediglich einige Texte auf stark braun eingefärbten Seiten die ich hier nicht verlinken möchte, die aber vermuten lassen dass der Mann in der Tat in hohem Bogen aus der SPD geflogen ist.

  • Pingback: Links anne Ruhr (10.12.2014) » Pottblog

  • #9
    danebod

    Ja, @Ulrich, im Gegensatz zu Sarrazin und Frau Hetmeier wurde er ausgeschlossen, so weit ich weiß.

    Wenn eine Partei nicht nur Jahrzehnte politisch dominiert, wie die SPD in Dortmund, sondern auch dafür sorgt, dass die Genossen warme Pöstchen kriegen, also das Parteibuch ein entscheidendes Kriterium ist, dann treten alle möglichen und auch die unmöglichen ein. Und machen Karriere.

    Wie viele solcher Leute mag es in der SPD hier und anderswo – oder meinetwegen auch CXU anderswo – noch geben?

    Schäfer bekommt weiterhin bis zu seiner Pension (im nächsten Jahr, glaube ich), volle Bezüge und dann volle Pension.

    Unglaublich, dass so jemand ausgerechnet Feuerwehrchef werden konnte, in einem Land wo Faschisten durchaus mal Brand- und Bombenanschläge verüben.

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