
In Leipzig wurde gestern eine größere, möglicherweise auch gewaltvolle Auseinandersetzung zweier unterschiedlicher linker Lager befürchtet. Da auch rechtsextreme Gruppen vor Ort sein wollten, sprach man auf Welt TV vom „Schmelztiegel der Extremen“:
Angekündigt waren auf der einen Seite die Antiimperialisten, die sich mit dem Slogan „Antifaschismus heißt Free Palestine“ gegen den Staat Israel positionieren, und auf der anderen die Antideutschen, die israelsolidarisch sind: Die Polizei war mit 1000 Beamten auf alles vorbereitet. Zu großen Krawallen kam es glücklicherweise nicht.
Die sogenannten propalästinensischen Gruppen, die sich selbst als die „wahre Antifa“ sehen, hatten eine Demonstration mit 3000 Teilnehmern angemeldet. Gekommen sind aber laut Polizeiangaben nur 1500. Von der als extremistisch eingestuften Gruppe Handala Leipzig waren Slogans wie „Ruhm und Ehre den Märtyrern“ und „From the river to the sea“ zu hören: . „Die antisemitische Demo war ein wahres Gruselkabinett von superrevolutionären Rotfront-‚Kämpfern‘, MLPD/DKP-Opas und Queers for Palestine, die dort am Galgen hängen würden“, berichtete Philipp Hanslik vom Podcast A Distanza: , der vor Ort war. Diese autoritären Linken mit Handala an der Spitze wollten sich „Connewitz zurückerobern“. Es ist ihnen nicht gelungen. Die proisraelische Antifa hatte gut mobilisiert und mit anderen proisraelischen Demonstranten dagegengehalten. Hier waren es rund 2000 Teilnehmer, die gegen Antisemitismus und Faschismus demonstrierten. Zu diesen zählten nicht nur Linksradikale aus Connewitz und solidarisierende autonome Gruppen aus anderen Städten. Auch bekannte Gesichter wie Karoline Preisler, MdB Michael Arndt und Juliane Nagel, die Linken-Politikerin, der die Demonstration der antisemitischen Linksradikalen ursprünglich galt, waren dabei. Rechtsextreme wie die Freien Sachsen, die sich ebenfalls angekündigt hatten, waren nur vereinzelt vor Ort. Hier waren es vor allem YouTuber wie Weichreite oder Björn Banane, die das Spektakel für ihre Zwecke nutzen wollten.
Um eine Eskalation zu vermeiden, war die Route kurzfristig auf Wunsch der Antisemiten geändert worden, und die antiisraelische Gruppe startete ihren Demozug am Connewitzer Kreuz. Die Route verlief dann weiter über die Karl-Liebknecht-Straße zum Augustusplatz und nicht wie ursprünglich geplant mitten durch den Connewitzer Kiez, wo die Gegendemonstrationen stattfanden. Obwohl sich die beiden Demos am Connewitzer Kreuz gegenüberstanden, blieb es weitestgehend friedlich. Allerdings wurde ein Team des MDR aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen. Es kam zu einem körperlichen Angriff und zur Bedrängung eines Kamerateams des MDR
Der MDR hatte einen Liveticker eingerichtet und berichtete abends live von den Demonstrationen: Mit der klaren Überzahl an Teilnehmern setzten die proisraelischen Demonstranten in Leipzig ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus. Und der Connewitzer Kiez bleibt weiter antideutsch.
Jedoch gab es gestern wichtigere Demonstrationen, über die zu berichten gewesen wäre. Während man in Leipzig „Yalla Yalla Intifada“-Rufe hörte, sind deutschlandweit Menschen für die Iraner auf die Straße gegangen, die unsere Unterstützung jetzt mehr als jeder andere brauchen. In Städten wie Stuttgart, Düsseldorf, Köln, Rostock, Berlin, Frankfurt, Bielefeld, Nürnberg, München oder Trier demonstrierten sehr viele Menschen für einen freien Iran. In Hamburg waren es mehr als 12.000 Teilnehmer.
