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Lindenstraßen-Aus: „Eine Fernsehserie wie die SPD“

Pressetermin 30 Jahre Lindenstraße – Marie-Luise Marjan und Joachim Hermann Luger Foto: © Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)


Daniel Fallenstein:
Ich finde es wirklich schade, dass die Sesamstrasse eingestellt wird. Ich werde Graf Zahl ganz besonders vermissen.

Robert Herr: Erst Merkel, jetzt die Lindenstraße. Wo soll das alles noch hinführen?

Peter Hesse: Sodom und Gomera! Das war eine Art Dauerwutausbruch bei Else Kling, der vielleicht bekanntesten Lindenstrassen-Darstellerin. Ihr Gatte Egon war viele Jahre lang mein Lieblingscharakter in der Sonntagsabendserie: ein gutmütiger, fröhlicher Mensch, der seine Bequemlichkeit, sein Bier und seine Zigaretten liebt. Bei seiner Gattin hat er nichts zu lachen, sie führt viele Jahre ein strenges Reglement über ihn. Und sein Working-Class-Ethos steht auch unter keinem guten Stern: im Juli 1987 wird Egon arbeitslos, da der neue Hausbesitzer Phil Seegers seine Stelle als Hausmeister wegrationalisiert. Daraufhin übernimmt Egon die Vertretung im Kiosk der Familie Griese an. Aber in der folgenden Zeit leidet der viel zu gutmütige Egon immer stärker unter der Herrschsucht seiner Frau und flüchtet sich in die Verehrung der Nachbarin Isolde Panowak. Da Isolde ihn abblitzen lässt, bekommt er fortan Elses Eifersüchteleien zu spüren. Auch joblich läuft es in der Folgezeit nicht besser, irgendwann wird der Kiosk geschlossen. Später nimmt Egon beim Lindenstraßen-Hausarzt Dr. Ludwig Dressler eine Stellung als Haushälter an. Dieser Job füllt ihn aus, obgleich seine Arbeitsweise ziemlich chaotisch ist: Egon lässt sich leicht ablenken, trinkt heimlich Bier und Dr. Dressler rügt hin und wieder seine Schlampigkeit. Nur in einer Sache sind sie sich einig: wenn sie abends in trauter Gemütlichkeit zusammen vor dem Kamin sitzen, einen guten Cognac in der Hand halten und im Hintergrund eine leise Sinfonie von Johannes Brahms läuft. Im Sommer 1998 stirbt Egon den Serientod, als er auf dem Weg zum Fußball-WM-Finale nach Paris bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Kurz darauf erlischt mein Interesse für die Serie: No Egon, no Lindenstrasse!

Michael Kolb: Nachdem ich gelesen hatte, dass die Lindenstraße eingestellt wird, war ich schockiert. Nein, ich war nicht schockiert darüber, dass sie eingestellt wird, so etwas kommt vor. Um sich zu „verjüngen“ kommt die ARD allgemein, und der WDR speziell, häufiger mit einer solchen Innovation im die Ecke, „Zimmer Frei“ wurde damals mit den gleichen Textbausteinen verabschiedet. Schockiert war ich über die selbstgerechte, selbstbesoffene Häme, mit der die Nachricht in den Leserbriefspalten kommentiert wird. Natürlich nicht ohne Seitenhiebe auf Staatsfunk, Rentner, Political Correctness und so weiter, und sofort. Ich werde mich an die Lindenstraße erinnern wie an alte Schulfreunde, die man auch 20 Jahre nicht angerufen hat, die aber immer irgendwie im Hinterkopf geblieben sind. Ich erinnere mich gerne an Anekdoten wie die von Harry Rowohlt. Schon in Maske wurden Rowohlt am Set mal 10 Mark in die Hand gedrückt, er sei ja schließlich Obdachloser… „Ey, ich bin kein Penner, ich spiel‘ den nur!“

Stefan Laurin: Die Lindenstrasse – eine Fernsehserie wie die SPD. Hatte früher ihre Verdienste, wurde dann fade und am Ende schaute niemand mehr hin. Die spannendste Frage ist für mich jetzt: Hält die SPD länger durch als die öde WDR-Show oder gehen im Willy-Brandt-Haus die Lichter vor März 2020 aus?

Thomas Meiser: Das Ende der Welt ist nahe. Mindestens.

Robin Patzwaldt: Die Lindenstraße war früher eine echte Institution. Ich meine nicht für mich persönlich, sondern grundsätzlich für viele Zeitgenossen. Immer wieder geriet ich vor Jahren in Diskussionen, ob denn jetzt tatsächlich Sport oder doch die ‚Lindenstraße‘ geguckt werden dürfe. Diese Zeiten sind lange vorbei. Zum einen ist diese altbackene Abhängigkeit von speziellen Sendezeiten und der wiederkehrende Kampf um ‚das Fernsehgerät‘ längst Geschichte, da es das Internet und auch diverse Nebengeräte in jedem Haushalt gibt. Aber auch die Serie ‚Lindenstraße‘ insgesamt hat offensichtlich seit Jahren längst nicht mehr die Bedeutung, die sie noch in ihren ersten Jahren hatte. Irgendwann ist eben alles einmal vorbei. Das Leben geht weiter. Auch ohne eine dermaßen langlaufende Fernsehserie. Entschuldigung, ich guck jetzt lieber weiter Sport…

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5 Kommentare zu “Lindenstraßen-Aus: „Eine Fernsehserie wie die SPD“

  • #1
    discipulussenecae

    Rot-grüne Weltsicht mit unser aller TV-Gebühren finanziert war das. Mehr nicht! Ich weine dem Quatsch keine Träne nach …

  • #2
    ke

    @1 discipulussenecae
    Man kann auch sagen, dass dieser Auftrag aktuell kein Publikum mehr findet und nicht mehr in die Zeit passt.

    Lt.:
    https://daserste.ndr.de/ard_check/fragen/Aufgabe-und-Funktion-des-oeffentlich-rechtlichen-Rundfunks-der-ARD,antworten104.html
    "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den verfassungsrechtlich vorgegebenen Auftrag, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und so zu einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen."

  • #3
    Klaus Lohmann

    @#1 Es ist ein Krux mit den gebührenfianzierten Zumutungen, z.B. den Schwarzbraun-Haselnuss-Monstern ala "Traumschiff", "Bergdoktor" oder "Schwarzwaldklinik" aus Ihrem Lager…

  • #4
    Thomas Weigle

    Da sage noch einer, die ARD produziere keine guten Nachrichten. Diese moralinsaure Gewäsch hatte sich doch um 1990 überlebt. Außer dem Benno hätte ich keinen von denen keinen als Nachbarn haben mögen, vielleicht noch den Nosseck, nicht mal den Egon.
    Aber sonst? Ein Panoptikum des Horrors, allen voran der kath. Priester, der hinter der Beimertochter her war wie Hoeneß hinter Börsenzockergewinnen, knapp gefolgt von dem Konstantin-Wecker-Verschnitt, der Taxi fährt. Und hat nicht auch ein gewisser Til Sch. seine Karriere in dieser Straße der Verdammten begonnen? Das sagt doch alles!!
    Ich habe es mir bis etwa 91/92 unregelmäßig-regelmäßig angetan, dieses Gutmenschenbiotop hat(te) ja etwas morbid-faszinierendes, seitdem nur noch selten, v.a. wenn ich böse auf mich war, moderne Selbstgeißelung mittels TV.
    Allerdings, wenn Herr Laurin diese Straße des Schreckens mit der SPD in Verbindung bringt,solches Tun ist schlicht ungehörig, hat die SPD nicht verdient.

  • #5

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