Man kann ein Tempolimit nicht mit dem Krieg in der Ukraine argumentieren, ohne sich danach schmutzig zu fühlen

Trabant Foto: AlfvanBeem Lizenz: CC0


Seit sechs Wochen läuft nun die für drei Tage geplante „Militäroperation“ in der Ukraine, die außer in Russland, Nordkorea und Belarus weltweit richtigerweise als Vernichtungsfeldzug gegen die Ukraine gewertet wird.

Ebenfalls läuft seit sechs Wochen eine nahezu beispiellose Debatte um die Deutungshoheit und die Notwendigkeit politischer Maßnahmen. Es ist fraglos richtig, dass Europa die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland nicht nur reduzieren, sondern kappen muss. Auch ist es richtig, dass die hieraus erwachsenden Folgen nur ein geringer und insbesondere mit Geld ausgleichbarer Schmerz gegenüber dem sind, was die Menschen in der Ukraine aktuell erleiden müssen. Höchst unangenehm wird es, wenn der Krieg und das Leid in der Ukraine dann für parteipolitische Propaganda missbraucht wird, die zwar dem eigenen Feindbild dient, aber in keinem Fall den Menschen in der Ukraine. Emotionen zu missbrauch, um billig politische Ziele zu erreichen, ist menschlich unanständig. Das Paradebeispiel hierfür ist das Tempolimit.

Zunächst: Man kann für ein Tempolimit sein, das ist völlig in Ordnung. Es gibt dafür auch Gründe, die man diskutieren kann. Es ist jedoch unabdingbar, dass eine demokratische Diskussion in der Realität verortet bleibt. Wenn jedoch die realen Auswirkungen und Effekte bewusst politisch ausgeschmückt werden, ohne sie dabei im tatsächlichen Kontext zu diskutieren, driftet die Diskussion in den Bereich der Nebelkerzenpropaganda ab. Man kann das Tempolimit nicht mit dem Krieg in der Ukraine argumentiert, ohne sich danach schmutzig zu fühlen. Die Grünen und insbesondere die Grüne Jugend haben es in dieser Woche mit Aussagen auf die Spitze getrieben, die man entweder als eklatante fachliche Unkenntnis oder aber als Lügen titulieren muss. Alles andere schließt sich aus.

9,2 Milliarden Liter könnte ein Tempolimit jährlich einsparen, so die Aussage der Grünen Jugend auf Twitter. Eine gewagte These, da im Straßenverkehr in Deutschland jährlich 42 Milliarden Liter verbraucht werden. Selbstverständlich sind die von der GJ angeführten 22 % Einsparungspotential falsch. Es liegt bei etwa 600 Millionen Litern – die korrekte Berechnung hierzu stammt von der eigenen Mutterpartei, den Grünen. Die GJ verschätzt sich also um etwa um den Faktor 15. Obwohl bei Twitter mehrfach auf den Fehler hingewiesen wird, erfolgt keine Korrektur. Wieso auch, es passt schließlich in das Weltbild. Eine grüne Textkachel auf der steht .#Tempolimit Laut Umweltbundesamt: So viel könnten wir durch ein Tempolimit sparen. Fossiler Diesel 289 Mio Liter Fossiles Benzin 307 Mio Liter Gesparte Gesamtmenge: 596 Mio. Liter Neben den Zahlen ist ein Temposchild zu sehen, in dem 130 steht Quelle: Umweltbundesamt 2022

Noch absurder wird es, wenn politische Mandatsträger dann auch noch bar jeder Fachkenntnis behaupten, ein Tempolimit könne ein „Loch in Putin Kriegskasse reißen“, wie es beispielsweise der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Max Lucks, tut.

Das Einsparungspotential durch ein Tempolimit liegt, je nach Quelle, bei 1 bis 1,6 % bezogen auf den innerdeutschen Kraftstoffverbrauch. Hier ist zu erwähnen, dass die 1,6 % auf sehr starken Annahmen beruhen, deren Basis mehr Schätzungen als wissenschaftlich fundierten Zahlen sind. Die errechneten 596 Mio. Liter entsprechen dem Mittelwert der Schätzung. Hierzu ist zunächst zu berücksichtigen, dass lediglich etwa 36 % des deutschen Öls aus Russland stammen, von den 596 Mio. Litern bleibt also ein Einsparungspotential von etwa 215 Mio. Litern. Umgerechnet auf Barrel (159 l Öl = 1 Barrel Brent) ergeben sich 1,35 Millionen Barrel. Berücksichtigte man nun den Marktpreis von etwa 100 $ je Barrel Brent kostete ein Tempolimit den russischen Staat schätzungsweise 135 Millionen Euro im Jahr. Darüber kann man diskutieren. Man muss dabei jedoch berücksichtigen, dass die Kriegskosten Russlands auf aktuell 7 Milliarden US Dollar am Tag geschätzt werden. Das von Lucks formulierten „Loch in der Kriegskasse“, das ein Tempolimit in einem gesamten Jahr reißen könnte, entspricht somit 27 Minuten eines einzigen Tages. Umgelegt auf jeden Tag sprechen wir über etwa 4 Sekunden Kriegskosten. Niemand kann ernsthaft glauben, dass das Tempolimit irgendeine Auswirkung auf den Krieg Russlands hätte. Es ist erklärungsbedürftig, wie man als Mitglied des Bundestages auf eine so wilde Behauptung kommen kann.

Der Rohölbedarf Deutschlands liegt bei etwa 2,7 Millionen Barrel am Tag. Ein Tempolimit spart somit innerhalb eines Jahres den Rohölbedarf von sehr genau 12 Stunden, maximal 0,13 % des gesamten deutschen Ölbedarfs, tendenziell eher weniger. Das ist die Magnitude über die wir reden, das ist der Kontext.

Es ist, wie bereits erwähnt, absolut legitim für ein Tempolimit auf dieser Basis zu argumentieren. Ob 12 Stunden Ölbedarf innerhalb eines ganzen Jahres aber eine „einfache und schnell“ wirkende Methode sind, die ernsthaft den deutschen Bedarf an fossilen Energieträgern reduziert, wie es die Grünenvorsitzende Lang argumentiert, muss jeder selbst entscheiden. Insbesondere ist hier zu berücksichtigen, dass die Zunahme an elektrischen Autos auf deutschen Straßen diese 12 Stunden zukünftig deutlich weiter reduzieren werden.

 

Dir gefällt vielleicht auch:

35 Kommentare

  1. #1 | paule t. sagt am 5. April 2022 um 10:50 Uhr

    Was ist an den genannten Beispielen schlimm?
    a) Dass sie (ich akzeptiere diese Aussagen des Autors ohne Überprüfung) das Einsparpotential eines Tempolimits _übertreiben_?
    Oder b), dass sie überhaupt mit dem Krieg für ein Tempolimit argumentieren?

    a) mag ärgerlich sein, rechtfertigt aber wohl kaum die dick aufgetragene prinzipielle, moralische Empörung ("ohne sich schmutzig zu fühlen" u.Ä.)

    b) aber ist einfach richtig. Mit einem Tempolimit haben wir eine Möglichkeit, einen zwar nicht riesigen, aber doch nennenswerten Beitrag zur Reduktion erstens des CO2-Ausst0ßes und zweitens der Erdölabhängigkeit Deutschlands zu leisten. Und wir haben jede solche Möglichkeit, ob klein order groß, bitter nötig.

    Und diese Möglichkeit könnte man sofort, ohne jede Vorbereitungszeit ergreifen; sie bräuchte keinerlei technische Umstellungen; sie würde absolut nichts kosten, im Gegenteil; sie hätte auch keine negativen Folgen; im Gegenteil wären evtl. noch andere positive Folgen denkbar (nicht sicher, aber möglich: besserer Verkehrsfluss; weniger Unfälle; weniger Lärm; weniger andere Schadstoffe …). Die einzige negative Folge wäre der Wegfall einer Zeitersparnis, die in den allermeisten Fällen (nämlich bei nicht fast völlig freien Strecken, bei denen man auch mal abbremsen muss) eh nur minimal ist.

    Klar, es ist nur ein mehr oder weniger kleiner Beitrag zur Lösung des Energieverbrauchsproblems. Aber schon vor dem Ukraine-Krieg hat es mir wegen des Klimawandels Hirnkrämpfe verursacht, dass unsere Gesellschaft diese Einsparmöglichkeit bloß wegen des verrotteten Freiheitsverständnisses von ein paar Autofetischisten einfach liegen lässt.
    Dass man wegen dieser Haltung jetzt auch noch moralisierend bveschimpfen lassen muss … Sorry, Herr Bleich aber ich fühle mich kein Stück schmutzig.

  2. #2 | Burger sagt am 5. April 2022 um 11:21 Uhr

    Ich gebe dem Autor insofern recht als dass diesem Vorschlag der Grünen ein unangenehmes „Geschmäckle“ umgibt. Ein jahrzehntealter berechtigter Herzenswunsch der Grünen wird mit einer Attacke auf die Kriegskasse Putins kombiniert. Wer so argumentiert hat in diesem Moment mehr sein eigenes Steckenpferd im Auge als das Leid der ukrainischen Bevölkerung.
    Andererseits ist es richtig jetzt an allen Ecken und Enden nach noch so marginalen Einsparungsmöglichkeiten zu suchen. Vielleicht ergibt sich daraus in der Summe doch noch ein Potential, was Löcher in die russische Kriegskasse verursacht. Ich habe klar herausgehört, dass Putin uns als Kunden für fossile Energie nicht verlieren möchte, weil er von anderen Kunden nicht so gute Erlöse erwarten kann.
    Wir müssen unsere Gegenmaßnahmen auf allen (!) Ebenen treffen. Und da steht ganz vorne für mich die bisherige Zögerlichkeit der Bundesregierung schwere Waffen zu liefern einschließlich wirkungsvoller Luftabwehrsysteme und Maßnahmen gegen russische Attacken von der See her auf ukrainische Küstenstädte. Selensky hat Recht damit, wenn er argumentiert diese Zögerlichkeit habe bereits 1000en Ukrainern das Leben gekostet. Die bisherigen Lieferungen sind unterdimensioniert angesichts des russischen Arsenals an schweren Waffen, Kampfflugzeuge etc.

  3. #3 | Helmut Junge sagt am 5. April 2022 um 12:59 Uhr

    Ich kann für ein Tempolimit mit hunderten Argumenten argumentieren, ohne mich danach schmutzig zu fühlen. Auch mit diesem Krieg. Rasen kostet nun mal Sprit. Rasen ist gefährlich für andere Menschen. Aber ich würde das durch Höchstgewindigkeitsschilder regeln und nicht durch Diskussionen. Wir befinden uns laut unserem Wirtschaftsminister Habeck im Wirtschaftskrieg, den die einkommensschwächeren Leute bereits derbe spüren. Da kann man doch wohl von denjenigen, denen die hohen Spritpreise nicht wehtun, erwarten, daß sie auf einen Teil ihrer feudalen Privilegien verzichten. Oder?

  4. #4 | Angelika, die usw. sagt am 5. April 2022 um 13:03 Uhr

    Wissing (er ist Verkehrsminister) meint, dass gar nicht genug Schilder da seien.

    https://www.focus.de/regional/hamburg/verkehrsminister-wissing-tempolimit-scheitert-an-schildermangel-so-viele-haben-wir-nicht-auf-lager_id_79053603.html

    (lachend getippt)

  5. #5 | Helmut Junge sagt am 5. April 2022 um 13:08 Uhr

    Hab ich im etz gefunden:
    https://interessante-fakten.de/3655/Laender-ohne-Tempolimit-auf-Autobahnen.html
    Dort finden wir die Gesellschaft in der wir uns befinden:

    "Es gibt Weltweit nur ein paar Orte wo es keine Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen gibt:
    Deutschland (jedoch haben 45% der Autobahnen dennoch Einschränkungen),
    die Isle of Man (Großbritannien),
    3 Bundesstaaten in Indien,
    Haiti,
    Somalia,
    Libanon,
    Nepal,
    Myanmar,
    Burundi,
    Bhutan,
    Afghanistan,
    Nordkorea,
    Mauretanien."

  6. #6 | abraxasrgb sagt am 5. April 2022 um 16:59 Uhr

    #3 Helmut
    So hat Mark Twain die Zensur karikiert:
    "Männern das Steak verbieten, nur weil es ein Baby nicht kauen kann?" 😉

    Die Gleichsetzung von fehlendem Tempolimit mit "rasen" erscheint mIr … nun ja … gewagt?

    Freedom dies by inches …

    Wer langsam(er) fahren möchte, kann das doch einfach machen. Die gesetzliche Mindestgeschwindigkeit auf Autobahnen beträgt 60 Km/h 😉

  7. #7 | taniza sagt am 5. April 2022 um 19:06 Uhr

    #6
    Dann versuchen Sie doch auf der Autobahn mit 120 km/h zu fahren. Interssant wird es beim Überholen von LKWs wenn von hinten die 180er Fraktion angeschossen kommt. Spätestens dann wird man gezwungen schneller zu fahren wenn man nicht den Unmut dieser Fahrer auf sich ziehen will.
    Da ist dann Lichthupe und bis auf die Stoßstange auffahren noch das geringste Übel.
    Hier wird aus der Freiheit/Möglichkeit schnell zu fahren ein Anrecht welches oft genug mit Mitteln durchgesetzt wird, die mit Nötigung noch milde umschrieben sind.
    Die Freiheit die von der FDP proklamiert wird dient letztlich nur der Autoindustrie:
    Autos verkaufen sich halt besser wenn Gefühle und Instinkte angesprochen werden und nicht die Vernunft.
    Kein Tempolimit ist gegen jede Vernunft da es sicherer ist, Benzin spart und auch noch Zeit wenn es entsprechend angepasst wird.
    Im übrigen ist mittlerweile die Mehrheit für ein Tempolimit!

  8. #8 | Helmut Junge sagt am 5. April 2022 um 19:17 Uhr

    @abraxasrgb, ich weiß doch, daß du den Hayek für den besseren Wirtschaftstheoretiker hältst als den Keynes. Wir haben oft darüber diskutiert. Ich bin Keynesianer, und das weißt du auch. So weit so gut. Wir sind uns darin nie einig geworden. Aber jetzt erlaubst du mir eine Steilvorlage. Ich hatte oben in (3) bereits geschrieben .."Da kann man doch wohl von denjenigen, denen die hohen Spritpreise nicht wehtun, erwarten, daß sie auf einen Teil ihrer feudalen Privilegien verzichten. Oder?"
    Du weißt doch, daß immer mehr Menschen wg. der grünen Energiepolitik , jetzt kommt noch der Krieg mit seinen Wirtschaftsverlusten dazu, immer mehr an Lebensqualität einbüßen. Die Zahl der Obdachlosen steigt sowieso und immer mehr Leute müssen unter den Brücken wohnen. Darüber gibt es jetzt schon Zahlen. Die Brücken werden also Wohngebiete! Und ihr wohlhabenden Reichen Peoples brettert mit 180km/h über sie hinweg. Das geht nicht. Ihr macht es wie die Feudalherren im Mittelalter und gallopiert über die frisch bestellten Felder der Bauern. Das aber ist damals nicht gutgegangen und wird heute nicht gutgehen. Was ihr Raser macht ist feudalherrschaftliches Verhalten. Das ist nicht einmal Neo-bzw. wirtschaftsliberal. Da hilft auch der Bezug auf Hayek nicht.
    Das klappt nur noch in den Ländern, die ich in (5) aufgelistet hab. Das wird dir jetzt nicht passen, aber selber schuld und immer sportlich bleiben.

  9. #9 | SvG sagt am 5. April 2022 um 20:03 Uhr

    @ 7; taniza:" Dann versuchen Sie doch auf der Autobahn mit 120 km/h zu fahren."
    Habe ich heute getan. Sogar mit 110, wie immer. Keine Drängler, keine Lichthupen, nix. WOhl aber sehr viele, die mit 100-130 cruisten. Und daß man beim überholen ein wenig auf gewagte 120 beschleunigt, wie die ganz Mutigen sogar kurzfristig moralisch fragwürdige 130, habe ich so in der Fahrschule gelernt.

  10. #10 | tanizaki sagt am 6. April 2022 um 00:13 Uhr

    Damit sich auch die Empörung über die grünen Eiferer in Grenzen hält empfehle ich den Bericht von Otto Wöhrbach im Tagesspiegel Seite 22 Wissen und Forschen: Wieviel spart ein Tempolimit?
    Abschließendes Ergebnis ( Zitat ) :
    Im Vergleich zum gesamten Kraftstoffverbrauch des Pkw-Verkehrs in Deutschland von etwas mehr als 40 Milliarden Litern im Jahr 2020 sind die Einsparmöglichkeiten durch ein Tempolimit auf Autobahnen offenbar relativ gering. Sie würden sich aber durchaus bemerkbar machen: Schon mit Tempo 120 zum Beispiel könnten wir auf rund sieben Prozent der direkten Einfuhr von Diesel aus Russland verzichten, bei Tempo 100 sogar auf rund 15 Prozent.
    Und falls ein Tempolimit tatsächlich eingeführt würde: Wenn sich alle Verkehrsteilnehmer daran halten würden, wären die dadurch erzielten Einsparungen laut UBA noch einmal deutlich höher als die berechneten Werte. Denn die beruhen auf dem Fahrverhalten in der realen Autobahnwelt und dazu gehören auch die gemessenen Geschwindigkeitsüberschreitungen. (Zitat Ende)

  11. #11 | Lehmbruck sagt am 6. April 2022 um 01:29 Uhr

    Das Tempolimit ist eine der wenigen Möglichkeiten, ohne jegliche Staatsausgaben, private Einbußen oder Wohlstandsverluste in der Wirtschaft den Mineralölkonsum zu reduzieren. Es war schon vorher wegen des Klimas sinnvoll, es kommt jetzt zusätzlich die Einsparung von Öl wegen Russland hinzu. Sollten wir es sogar hinbekommen, mal bis zum Jahresende befristet Tempo 100 zu verordnen, bis das Öl auch aus Katar und hopefully nach Abschluss des neuen Atomabkommens auch wieder Iran fließt, dann sparen wir noch viel mehr ein. Wir sollten in der Not, die jetzt herrscht, einfach mal von unserem hohen Ross des Anspruchsdenkens herunter und uns solidarischer mit Mittelosteuropa zeigen als bisher, denn diese vielen großen Autos und diese Raserei in Deutschland sind nur deshalb möglich, weil wir sowohl beim Klimaschutz als auch bei der äußeren Sicherheit sehr sehr großzügig weggesehen haben.

  12. #12 | Benedikt sagt am 6. April 2022 um 09:39 Uhr

    @#7 Taniza
    Wenn sofort beim Überholen die "180"er an der Stoßstange hängen wurde wohl offensichtlich nicht nach hinten geschaut, und nicht darauf geachtet, dass genügend Platz vorhanden ist.

    Bitte schieb die Schuld für Dein unvermögen nicht auf die, die normal fahren.

  13. #13 | abraxasrgb sagt am 6. April 2022 um 09:47 Uhr

    Helmut, ich weiß zwar nicht, was volkswirtschaftliche Theorien mit Verbotsphantasien zu tun haben, aber privat waren Keynes und Hayek befreundet 😉

    Wohlstandsverwahrlost „feudal“ finde ich Tesla-Fahrer, die „Umweltsteuern“ etc. für andere Menschen fordern, die sich keine modernen Fahrzeuge leisten können, sie aber benötigen, um z.B. zur Arbeit zu kommen. Frei nach Marie-Antoinette 😉
    Wobei ich nichts gegen Teslas habe …

    Die Gretchenfrage ist doch, ob man mit – für mich – totalitären Verboten andere zwingen darf, persönliche Moralvorstellungen zu befolgen. Wer (aber)glaubt, dass durch eine verringerte Durchschnittsgeschwindigkeit weniger Menschen in der Ukraine sterben, ist bestenfalls naiv.
    Das erinnert mich an die Cargo-Kulte tribaler Insulaner …

    Ebenso absurd finde ich ein Tempolimit aus Solidarität mit der wirklich steigenden Zahl verarmender Menschen … da plädiere ich eher für eine fundamentale Senkung der, vor allem durch Steuern und eine völlig verfehlte Energiepolitik, absurd hohen Energiepreise in Deutschland. Schau doch mal in welchem Land elektrische Energie weltweit am teuersten ist …

    Automobil bin ich übrigens meist eher gemütlich und tiefenentspannt gondelnd unterwegs … „Raserei“ sehe ich hingegen dafür eher metaphorisch in dem typisch rot-grünen Furor anderen einschränkende Vorschriften zu machen, um sie zu moralisch zu kujonieren. Von mir aus kann jeder leben, essen. fahren etc., wie er möchte. Er soll sich nur aus den Angelegenheiten anderer Menschen heraus halten … und seine privaten Moralvorstellungen für sich behalten.

    Wer vegan essen möchte, 100 km/h fahren möchte, sein Haus weniger heizen/kühlen möchte, wird von mir nicht daran gehindert (eventuell gefoppt und belächelt 😉 ) ist mir schlichtweg egal bzw. Wumpe.
    Ich kann halt mit dem ganzen hysterischen Empörungsquatsch nix anfangen … bzw. bin da mental immunisiert 😉

  14. #14 | tanizaki sagt am 6. April 2022 um 11:18 Uhr

    @8 Sehr schöner Vergleich!
    @9 Das lässt hoffen. Meine Erfahrung beruhen noch aus dem letzten Jahr.
    Dortmund-Leipzig-Berlin-Dortmund!
    Das hieße, dass die Appelle von Herrn Habeck gefruchtet haben und die Bevölkerung weiter ist als die Regierung es ihnen zutraut.
    Ich bin zum Glück nicht auf das Auto angewiesen. Habe mir mit meiner Frau eine BahnCard zugelegt. Die Partner- BahnCard wurde jedoch Ende Mai gestrichen. Angeblich wegen mangelnder Nachfrage!
    Aber das ist ein anderes Thema…..

  15. #15 | tanizaki sagt am 6. April 2022 um 11:38 Uhr

    @12
    „ Wenn sofort beim Überholen die "180"er an der Stoßstange hängen wurde wohl offensichtlich nicht nach hinten geschaut, und nicht darauf geachtet, dass genügend Platz vorhanden ist.“
    Das ist richtig!
    Habe auch nicht geschrieben dass es sofort der Fall ist! Aber es reicht mehr als einen LKW zu überholen um dieses Verhalten zu „provozieren“ selbst wenn man dabei seine Geschwindigkeit auf auf 130 erhöht.
    Aber wer 180 Km/h als normale Geschwindigkeit erachtet ist natürlich der bessere Fahrer!

  16. #16 | paule t. sagt am 6. April 2022 um 13:48 Uhr

    #13 ist ein schönes Beispiel dafür, was ich als "verrottetes Freheitsverständnis" bezeichnet habe.

    Wir haben erst mal eine Diskussion über eine stinknormale ordnugsrechtliche Maßnahme, wie es sie vergleichbar in sehr vielen Fällen gibt. Auf beiden Seiten dieser Entscheidung gibt es Interessen, die abgewogen werden müssen.

    Für eine Geschwindigkeitsbegrenzung (irgendwo im Bereich 120-140) spricht:
    – ein geringerer Energieverbrauch, der einen (kleinen, aber merkbaren) Beitrag leistet, um den Klimawandel zu verringern, einen Energieboykott Russlands zu erleichtern usw.
    – ein Verkehrsfluss mit weniger Tempowechseln, weniger Überholvorgängen usw., also einem entspannteren Fahrgefühl für viele und auch weniger Unfällen
    – weniger Lärm
    – weniger schädliche Abgase
    – eine geringere Abnutzung der Straße
    – und das alles bei null Kosten

    Dagegen spricht:
    – so schnell Fahren dürfen wie man will
    – Zeitersparnis (in den meisten Fällen aber experimentell erwiesen minimal, weil man immer wieder beschleunigen und abbremsen muss, wenn man nicht eine wirklich völlig reie Strecke hat)

    Für mich sieht die Abwägung relativ eindeutig aus. Aber sind auch Freiheits- und andere Grundrechte betroffen? Natürlich. Das "Jeder darf machen, was er will" ist natürlich erst mal ein Grundrecht. Der Schutz des Lebens, der Gesundheit, der Sicherheit usw., die bei Klimaschutz, Verringerung der Energieabhängigkeit, Verringerung von Unfällen, einem entspannteren Fahrgefühl (Sicherheitsgefühl) sind es aber natürlich auch.
    Da muss also wieder abgewogen werden, und für mich sieht auch diese Abwägung recht eindeutig aus. Aber das kann man natürlich sachlich diskutieren und dann demokratisch entscheiden.

    Aber dann kommt jemand daher, der gegen solches Abwägen Rücksichtslosigkeit zur "Freiheit" hochjazzt, von "Verbotsphantasien" fabuliert und sich nicht einmal zu blöd ist, in diesem Zusammenhang einer, wie gesagt, völlig normalen ordnusrechtlichen Entscheidung, die Gegenseite als "totalitär" zu diffamieren. Genau. Daran erkennt man totalitäre Systeme, dass es ein Tempolimit gibt.

    Das meine ich mit "verrottetem Freiheitsverständnis", wie es in Teilen der FdP vorkommt und bei der AfD Programm ist.

  17. #17 | der, der auszog sagt am 6. April 2022 um 13:54 Uhr

    Die Ukraine bittet Deutschland angesichts massivster Menschenrechtsverletzungen in Butscha und Mariupol um schweres Gerät und zeitgleich wird eine Diskussion geführt, inwieweit ein Tempolimit von 130 km/n in Deutschland Einfluss auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine haben könnte.

    Wenn Deutschland noch einmal ursächlich an dem Beginn eines Weltkrieg beteiligt sein sollte – und viele sehen uns derzeit am Rande eines solchen – dann nicht aufgrund militärischen oder völkischen Größenwahns, sondern aufgrund seiner kollektiver Blödheit.

  18. #18 | Helmut Junge sagt am 6. April 2022 um 14:51 Uhr

    @abraxasrgb, ich kann nicht auf jedes deiner Anmerkungen eingehen. Du bist getroffen und antwortest deshalb in Überbreite. Kann ich gut verstehen. Wir sind uns einig, ..".mit der wirklich steigenden Zahl verarmender Menschen "Das ist eine gute gemeinsame Basis für eine Diskussion. Ob ich mit In NRW sind 5600 Menschen obdachlos und leben auf der Straße, und es werden jetzt bald deutlich mehr werden, weil die Preise ansteigen und die Monatseinkommen nicht. @paule t. könnte auf die Idee kommen mir darin zu widersprechen. Mal sehen.
    Jetzt paßt dein Zitat von früh verstorbenen Marie-Antoinette nicht ganz. Sie hat nämlich aus Unkenntnis der Sachlage eine Empfehlung zur höherwertigen Ernährung für die hungernden Zeitgenossinnen. parat. "Sollen sie doch Kuchen essen, wenn das Brot knapp wird" Solch ähnliche Sprüche gibt es auch von etlichen Grünen. Aber der grüne Landwirtschaftsminister geht einen Schritt weiter. erliner Zeitung vom 26.12.21
    "Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat sich gegen Dumping-Preise für Lebensmittel ausgesprochen. „Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima“, sagte Özdemir der Bild am Sonntag."
    Das ist so, als hätte Marie Antoinette den Brotpreis erhöhen wollen, damit die Leute Kuchen essen müssen. Das hat sie aber nicht.
    Es ist natürlich keine Frage, daß Özdemir das jetzt, 12 Wochen später, nachdem es wahr gewurden ist, nicht gewsen sein will. Marie Anroinette hatte ihren Spruch nie zurück genommen. Das ist eben der Fortschritt.
    Später mehr

  19. #19 | paule t. sagt am 6. April 2022 um 18:07 Uhr

    @ #17:
    Manche Leute sind in der Lage, am gleichen Tag über mehrere Themen nachzudenken.

  20. #20 | paule t. sagt am 6. April 2022 um 18:10 Uhr

    und noch ergänzend zu #17:
    Die Ukraine bittet Deutschland auch darum, die Boykottmaßnahmen gegen Russland zu verschärfen.
    Ein Tempolimit wäre ein kleiner Beitrag dazu, den Energieverbrauch zu verringern und so schärferen Boykott zu ermöglichen. Also was ist das Problem?

  21. #21 | abraxasrgb sagt am 6. April 2022 um 18:19 Uhr

    @Helmut

    Marie Antoinette war zu kopflos, um ihre Aussage zu revidieren 😉

    Das das grüne Programm zu mehr Armut führt, haben ja viele gesagt, nur wollte es keine hören.
    Nun geht es alles viel schneller und vor allem anders, als wir uns das noch vor kurzer Zeit vorstellen konnten oder wollten … zumal die Wohnungspreise ebenfalls anziehen werden und die soziale Frage sich In einer weiteren Dimension stellt. Dafür wird die Immobilienblase noch ein wenig weiter aufgebläht.

  22. #22 | abraxasrgb sagt am 6. April 2022 um 18:27 Uhr

    #16 Päule

    Du bist genau so schlau, wie der Wahl-O-Mat, denn der sagt mir nämlich auch immer, dass ich politisch "grün" bin (als additive Mischung von gelb und blau, wenn es um einzelne parteipolitische Positionen geht und nicht Parteien als Ganzes bzw. Personen).

    Passt ja gerade auch farblich zur aktuellen Situation/Meinungsmode, sind die Trendfarben der Saison … Ukraine usw.

    *Respekt*

  23. #23 | Siggi aus SG sagt am 6. April 2022 um 18:52 Uhr

    @tanizaki
    Können Sie mir erklären, was Ihre vielen Erläuterungen mit dem Krieg in der Ukraine zu tun haben oder wollten Sie einfach nur mal das zum Tempolimit loswerden, was Sie immer schon mal loswerden wollten?
    @paule t.
    Können Sie einen ungefähren Zeitraum nennen, den ein Krieg in der Ukraine früher beendet wäre, wenn man in Deutschland ein Tempolimit einführt?

  24. #24 | SvG sagt am 6. April 2022 um 21:16 Uhr

    Das Zitat wurde MA in den Mund gelegt. Zudem -wie in Deutschland üblich- falsch bzw. schlecht übersetzt.

  25. #25 | paule t. sagt am 7. April 2022 um 00:20 Uhr

    @ Siggi aus SG, #23:, Zitat:
    "Können Sie einen ungefähren Zeitraum nennen, den ein Krieg in der Ukraine früher beendet wäre, wenn man in Deutschland ein Tempolimit einführt?"

    Ich hätte eine Gegenfrage: Sind Sie für eine Sanktionierung Russlands durch Einschränkungen der Energielieferungen oder nicht? Unter dieser Voraussetzung, dass solche Sanktionen außenpolitisch aktuell sinnvoll sind, um Russland unter Druck zu setzen, und auch langfristig (nach einem evtl. Ende von Sanktionen) eine Reduzierung der Abhängigkeit von Russland eine gute Idee ist, argumentiere ich nämlich.

    Wenn ja, dann haben wir mit einem Tempolimit eine Möglichkeit, diese Sanktionen für uns durch eine Reduktion des Energieverbrauchs ein kleines bisschen leichter zu machen. Und auch wenn der Beitrag eines Tempolimits nur gering wäre, ist es mMn Dummheit, ihn nicht zu nutzen – denn es spricht einfach praktisch nichts dagegen und vieles andere dafür.

    Ihre Frage nach einer exakten Bezifferung ist reiner Kindergarten. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob Sanktionen die gewünschten Auswirkungen haben werden. Es ist ein politisches Druckmittel, nicht mehr und nicht weniger. Erst recht kann niemand beziffern, wie sehr dieser kleine Beitrag helfen könnte. Und? Man könnte sämtliche Maßnahmen, die es uns ermöglichen, Sanktionen durchzuführen, in beliebig kleine Häppchen zerlegen, die dann jedes für sich nur einen kleinen Beitrag leisten. Wenn man dann zu dem Schluss kommt, dass eine ganz bestimmte Maßnahme überflüssig ist, ist das aber keine rationale Diskussion, sondern Selbstbetrug. Jedenfalls sofern man nicht das eine Zaubermittel hat, das allein alle Energieprobleme löst.

    Natürlich gilt diese ganz Argumentation auch an sich schon für die Energiepolitik, allein schon wegen des Klimawandels. Aber jetzt ist eben noch ein weiterer, verdammt guter Grund dazugekommen, Energie zu sparen. Warum sollte man so ein einfaches Mittel nicht nutzen?

  26. #26 | paule t. sagt am 7. April 2022 um 00:22 Uhr

    @ #22: Ich kann halt lesen.

  27. #27 | Helmut Junge sagt am 7. April 2022 um 09:40 Uhr

    @der, der auszog (17), weder du noch ich noch irgendein anderer Kommentator in diesem Thread ist mit der Vergabe dieser angeforderten Panzer beauftragt. Darum haben wir die Zeit, uns mit anderen Fragen zu beschäftigen. Der Titel dieses Aufhängers heißt doch "Man kann ein Tempolimit nicht mit dem Krieg in der Ukraine argumentieren, ohne sich danach schmutzig zu fühlen".
    Soll ich diese Position so hinnehmen? Soll ich wegen des Krieges in der Ukraine alle Positionen, die ich je vertreten habe, im Schrank einschließen? Mich reizt die Aussage vom Autor Daniel Bleich zum Widerspruch. Tatsächlich paßt ein Tempolimit zum Einsparen von Energie. Diese Energie könnte an anderer Stelle sowohl für die Industrieproduktion, aber auch zum Wärmen der Wohnungen eingesetzt werden. Auch unsere Panzer würden sie brauchen, falls sie zum Fahren benutzt werden.
    Ich fände es tragisch, wenn unsere Panzer im Verteidigungsfall nicht fahren könnten, weil der Sprit wegen des übermäßigen Verbrauchs durch rasen bereits alle ist. fuel empty

  28. #28 | Walter Stach sagt am 7. April 2022 um 14:11 Uhr

    Helmut Junge,
    gegen die Ideologie der auch hier bei den Ruhrbaronen unverdrossen agierenden vorgeblichen Freiheitskämpfern ist kein Kraut gewachsen, vor allem keines, das helfen könnte, dem Wahn, dem speziell deutschen Wahn, der freie Fahrt auf Autobahnen ein Ende zu bereiten. Folglich war zu erwarten, daß daran auch die Möglichkeit eines Energiespareffekt z.B. bei einer Tempobegrenzung auf 1oo km nichts ändert.

    Obwohl m.W. eine Mehrheit der Menschen hierzulande eine solche Tempobegrenzung befürwortet, scheint zudem "die Politik" nicht fähig bzw. nicht willens zu sein, unverzüglich ein solches Tempolimit zu realisieren. Gründe dafür ?

    PS
    Helmut,
    nachdem ich soeben lese, daß der Bundestag nicht fähig bzw. nicht willens ist, eine Corona-Impflicht zu beschließen, nicht 'mal eine partielle, kann ich meinen o.a. Aussagen zum Tempolimit die Impflicht einbeziehen.

    Mir scheint, " meine" Partei, die SPD würde gut daran tun -gut mit Blick auf die bevorstehenden Landtagwahlen -u.a. in NRW-, wenn sie mit einem "klaren" Ja zur Tempobegrenzung und zur allgemeinen (!!) Impflicht für sich werben würde nebst entsprechender Attacken auf die diesbezüglichen politischen Gegner, vor allem in AFD, FDP und CDU/CSU. Denn das wäre nicht nur sachdienlich, sondern vermutlich auch opportun mit Blick auf die Wahlergebnisse.

    Helmut Junge,
    ich habe "den Kopf nicht frei" , um mich über das Gesagt hinaus hier und jetzt wieder einmal zum Für und Wider eines Tempolimits und einer allgemeinen Corona-Impflicht zu äußern.
    Das schließt auch eine Diskussion über Wahlen, Wahlkämpfe und Spekulationen über denkbare (Landtags-) Wahlergebnisse ein. U.a. deshalb habe ich auch das für "meine" SPD überraschend gute Wahlergebnisse im Saarland nicht kommentiert -weder hier noch sonstwo-.

  29. #29 | der, der auszog sagt am 7. April 2022 um 15:40 Uhr

    @Helmut (#27)
    Du hast schon bei mir im Auto gesessen, müßtest also wissen, was ich für ein Auto fahre und unter Umständen auch, dass ich alles andere als ein Raser bin. Würde es in Deutschland zu einem Tempolimit kommen, hätte ich da keine Probleme mit. Ich fahre 2 bis 3 mal in der Woche die Strecke von Gelsenkirchen nach Bonn oder umgekehrt (a52, a2, a3, a560) und ich wüßte nicht wann ich dort das letzte Mal schneller als 100 – 110 km/h unterwegs war, nicht, weil ich es vom Fahrzeug her nicht könnte, sondern weil ich es nicht will und weil es verkehrstechnisch fast unmöglich ist. Wenn ich schnell bin, schaffe ich die 120 km in 1,5 h, meistens bin ich aber über 2 Stunden, hin und wieder sogar 3 Stunden unterwegs- Die Bahn ist da keine Alternative, weil sie mit 3 mal umsteigen und mehr als 3 Stunden Fahrzeit auch noch unverschämte 25 Euro (für 120 km!) kosten würde und dafür werde ich mir in der kalten Jahreszeit sicherlich nicht den Hintern in Bottrop, Duisburg oder Köln abfrieren. Tempolimits kenne ich aus dem Ausland, wo ich das Autofahren mit einer gleichmäßigen Geschwindigkeit wesentlich entspannter finde, als bei uns in Deutschland. Das gilt übrigens auch für das Bahnfahren, zumindest in den Niederlanden, in Italien und in der Schweiz. Züge die pünktlich, Tickets die bezahlbar und Taklungen die erträglich sind. ich erzähle dir das deshalb so ausführlich, weil ich Dir gerne aufzeigen möchte, dass es für mich durchaus nachvollziehbare Gründe gibt, die ein Tempolimit, unter Umständen gar den Verzicht auf ein Auto rechtfertigen würden.

    Der Krieg in der Ukraine ist es aber sicherlich nicht und so, wie Dich die Aussagen von Daniel Bleich zum Widerspruch reizen, reizen sie mich zur vollen Zustimmung, speziell die Formulierung "schmutzig".

    Mich erinnert diese Diskussion an die "5000 Fahrradhelme für die Ukraine", von denen Sascha Lobo wenige Tage vor Kriegsbeginn in seiner Spiegel-Kollumne schrieb und als dumme, Ideologie durchtränkte Aktion ohne sichtlichen Nährwert skizzierte.

  30. #30 | thomas weigle sagt am 8. April 2022 um 11:03 Uhr

    @ Walter Stach#28
    Habeck sagt,dass jede eingesparte Kilowattstunde zählt. So ist es auch mit jedem eingesparten Liter Benzin. Wie heißt es so schön? "Kleinvieh macht auch Mist."
    Was "deine SPD" angeht, so hoffe ich wie du,auch wenn Scholzens Stellungnahme zum Abstimmungsdesaster zur Impfpflicht da wenig Hoffnung macht. Leider. Aber vllt stellt sich die hiesige SPD da in den nächsten Wochen anders auf und an.

  31. #31 | Walter Stach sagt am 8. April 2022 um 14:19 Uhr

    Thomas Weigle,
    Olaf Scholz kann offensichtlich nichts und niemand davon abbringen, sich in jedweder Lage als höchstrational denkender, wohl bedacht formulierende Persnönlichkeit zu geben, die zudem stets den Eindruck vermittelt, sich primär dem Wohl aller Menschen hierzulande verpflchtet zu fühlen -seinem Amtseid gemäß-. "Politikmachen", den Interessen seiner SPD wegen, ist nicht sein Ding., auch
    wenn es ,wie konkret wegen der Ablehnung einer -partiellen Impflcht durch AFD, CDU_CSU und FDP- mir nicht nur naheliegend, sondern sogar geboten erscheint.

    Ich habe jedoch zu konstatieren, daß Scholz mit seiner Politik -ihren Inhalten, ihrer öffentlichen Präsentation-, zwar oftmals bei mir auf Widerspruch stößt, er aber damit eine "erfolgreiche Politik" auch für seine Partei, die SPD zu betreiben scheint. Ich verweise auf das Ergebnis der Landtagswahl im Saarland, auf die für die SPD "guten Umfrageergebnisse" in den Bundesländern -u.a. für mich durchaus überraschend auch in NRW- und auf die heute veröffentlichen Umfragedaten der Forschungsgruppe Wahlen. Friedrich Merz nebst der ihn "puschenden" Medien scheint es "schwer zu haben" die von ihm suggerierte "große Wende" zu Gunsten seiner selbst und der CDU/CSU realisierne zu können -jedenfalls kurz- und mittelfristig-.

    Thomas Weigle,
    mir ist allerdings zumindest unwohl dabei, daß "wir" hier über Tempolimit und Impfpflicht reden, über Wahlergebnisse/Wahlprognosen/Wahlchancen, über SPD, CDU-CSU und und, angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine und angesichts des naheliegendes und unausweichlichen Nachdenkens über weitere Folgen dieses Krieges über die Ukraine hinaus auch für Deutschland, für die Menschen hierzulande, für die zukünftige Verfassung, Verfaßtheit aller Gesellschaften/Staaten in Europa und darüber hinaus für die weltwiete Gemeinschaft aller Menschen . Eine Zeitenwende? Es scheint so zu sein. Und es scheint so zu sein, daß völlig offen ist, welche Wende die Menschheit, die Gemeinschaft der Menschen hierzulande, in Europa, weltweit nehmen wird.
    Was ich diesbezüglich für bedenkenswert und diskussionswürdig halte, ist völlig belanglos. Ich meine, insofern völlig belanglos dürfte auch sein, ob hierzulande z.B. die sog. Ampel-Koalition "regiert" oder eine von CDU/CSU geführte Koalition mit Merz als Kanzler. Nicht völlig ohne Belang über Franreich hinaus dürfte das Ergebnis der Präsidentenwahl in Frankreich sein, Unterstellt, Le Penn gewinnt die Wahl -weiterhin eine "Putin-Freundin"-, dann………..

    Thomas Weigel,
    ich werde mich wie in den letzten Wochen erfolgreich versucht, weiterhin "weitestgehend " der Kommentierung hier bei den Ruhrbaronen enthalten .
    Es sei denn, es geht um "den Fußball". Deshalb hier jetzt mein Glückwunsch an Dich zum 1:1 "Deiner Frankfurter" gegen Barcelona -eine sehr gute Leistung gegen den hohen Favoriten .

  32. #32 | abraxasrgb sagt am 8. April 2022 um 14:34 Uhr

    Im Sinne Helmut Junges habe ich mal nachgesehen, welche Länder eine generelle Impfpflicht haben:
    Turkmenistan, Tadschikistan und der Vatikan 😉

  33. #33 | Helmut Junge sagt am 8. April 2022 um 14:37 Uhr

    Johannes, jetzt komm aber mal runter.
    Bis zum Ende des ersten Absatzes sind wir deckungsgleich.
    Ich hatte doch geschrieben " Soll ich wegen des Krieges in der Ukraine alle Positionen, die ich je vertreten habe, im Schrank einschließen? "
    Meine Position ist absolut nicht neu!
    Diese Position hatte ich schon in den Siebzigern als es noch gar keine Grünen gab.
    Ich bin damals R4 gefahren und die Monteure meiner Firma haben mich ausgelacht, weil sie selber solche Schlitten fuhren, mit denen sie Freitags vom Stahlwerk in Dünkirchen, wo sie die Woche über arbeiteten, in 2 Stunden bis zu ihrer Stammkneipe in Gelsenkirchen fahren konnten, um da zu saufen und von ihrem teuren Schlitten zu erzählen, und später abends besoffen zu ihrer Ehegattin zu stolpern. Um den Wagen zu bezahlen hatten sie zu viert in einem billigen Zimmer gepennt und jeden Tag zwischen 12 und 16 Stunden malocht. Diese Typen haben mit 50 auch schon Rente beantragt, weil sie kaputt waren. Damals hatte ich schon über Tempolimits nachgedacht, weil ich diese Einstellung nicht mochte.
    Also, der Krieg ist nicht Vater aller Dinge. Aber Krieg zwingt zum Umdenken. Sobald die Sonne scheint, dreh ich die Heizung in meinem Atelier runter. Hab ich früher nicht gemacht. Wenn ich schneller als 140 fahre habe ich so oder so ein unsicheres Gefühl. Also lass ich es. Ich wäre von einem Tempolimit von 130km/h nicht betroffen. Alle anderen Kommentatoren offenbar auch nicht. Schon gar nicht diejenigen, die strikt gegen Tempolimits sind. Alle sagen, daß sie langsamer fahren. abraxasrgb, du, Svg. Also wären die auch nicht betroffen. Warum diskutieren wir dann?
    Wenn du vo GE nach Hennef fährst, wärst du bei einem Tempolimit von 130km/h schlimmstenfalls 5 Minuten später am Ziel. Schlimmstenfalls. Daß das jetzt im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine diskutiert wird, sollte dich nicht verwundern. AllePreiserhöhungen werden mit diesem Krieg erklärt, Diesel, Speiseöl, Mehl, spgar Bananen und Kokosnüssen sind teuerer geworden, obwohl Kokosnüssen gar nicht von dort kommen.

  34. #34 | abraxasrgb sagt am 8. April 2022 um 16:10 Uhr

    Solange die Ukraine selbst immer noch Gas aus Russland bezieht und Milliarden damit verdient, dass ein Großteil des europäischen Erdgas in Pipelines durch die Ukraine transportiert wird, hat diese Diskussion für mich etwas von völlig absurder Komik 😉

  35. #35 | Christian Perzl sagt am 9. April 2022 um 16:13 Uhr

    @abraxasrgb

    Die Ukraine bezieht seit 2015 (warum wohl?) kein Erdgas von Russland, man besorgt sich lieber das Gas auf den EU-Markt.
    Außerdem, die Ukraine mag vielleicht noch die größte Pipelinekapazität haben, das Gas wurde/wird hauptsächlich durch Nord Stream 1, Jamal (Belarus/Polen) oder Rohre in Süden geleitet.

    Und zum werten Geld: Die Ukraine bekommt vertraglich 2019-2024 7 Milliarden Dollar für den Transit. Die EU hat seit Invasionssbeginn über 10 Millarden Dollar allein für Erdgas an Russland überwiesen.

    Können wir also endlich ernsthaft diskutieren? Oder findet man das alles immer noch absurd komisch…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung