Militärexperten drängen Scholz zu Lieferung von Kampf- und Schützenpanzern an Ukraine

Leopard I Foto: Ministério da Defesa Lizenz: CC BY 2.0

Militärexperten haben Bundeskanzler Olaf Scholz vor dem G-7- und Nato-Gipfel zu mehr Waffenlieferungen an die Ukraine gedrängt. Die Nato-Linie, „keine westlichen Panzer und Schützenpanzer in die Ukraine zu schicken, kommt ja aus dem Kanzleramt“, sagte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR) im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Andere Staaten in der Nato würden eine Änderung der deutschen Position sehr, sehr begrüßen.“

Er hoffe, dass sich mit Blick auf Kampf- und Schützenpanzer „auch in Washington der Wind dreht, dann könnte sich auch Herr Scholz bewegen“, sagte Gressel. „Wenn man sich in Washington entscheidet, doch etwa Breadly (-Kampfpanzer) zu schicken, steht das Kanzleramt mit seiner ,almost Nato policy‘ schön da.“

Es sei für Europa elementar, dass die Ukraine den Krieg gewinne und der russische „Militarismus und Expansionismus“ gebremst werde, sagte der Politikberater: „Deshalb ist es in unserem eigenen Interesse, die militärische Abwehrfähigkeit der Ukraine zu stärken, mit allem, was wir entbehren können“, so Gressel. „Jetzt muss jeder Stein und jeder Panzer umgedreht werden, um zu sehen, wie man der Ukraine helfen kann.“

Berlin habe dabei eine Schlüsselrolle, „denn in Europa hat nur Deutschland gebrauchte, nicht mehr verwendete Kampfpanzer und Schützenpanzer“, sagte Gressel. Er nannte „188 Leopard 1, etwa 300 Leopard 2 und 130 Marder.“ Nur die USA säßen ebenfalls noch auf ausrangierten Kampf- und Schützenpanzern.

Darstellungen des Kanzlers, Deutschland liefere bereits die meisten Waffen an Kiew, widersprach Gressel. „Auch wenn Deutschland mehr liefert, als es im öffentlichen Diskurs den Anschein hat, liefert Polen oder Großbritannien weit mehr, von den USA ganz zu schweigen.“ In der veröffentlichten deutschen Liste kämen auch Waffen vor, die die Ukraine gekauft habe. „Es riecht alles ein wenig nach übertriebenem Geltungsbedürfnis.“

Auch der Militärhistoriker Sönke Neitzel von der Universität Potsdam kritisierte Scholz. Zwar habe Deutschland inzwischen aus dem Kernbestand seiner Streitkräfte moderne Waffen geliefert. „Die Panzerhaubitzen und die Geparden kommen aber reichlich spät“, sagte er der „NOZ“. „Machen wir uns nichts vor: Eine substanzielle Stärkung ist das nicht, dazu müsste Deutschland mehr tun, es kann mehr tun, will aber schlicht nicht.“

Scholz habe sorgfältig darauf geachtet, einerseits nicht zu viel zu tun und andererseits nicht zu sehr hinter den Bündnispartnern zurückzufallen. „Diesen Kurs des ‚ja, aber‘, des Verweigerns einer Führungsrolle, des Getriebenen, dessen Strategie erratisch bleibt, diesen Kurs also verfolgte die Regierung in allen sicherheitspolitischen Krisen der letzten 30 Jahre. Und daran hat sich bis jetzt wenig geändert.“

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8 Kommentare

  1. #1 | Max Netcup sagt am 25. Juni 2022 um 09:10 Uhr

    Es sind ja nicht nur Militärexperten auf die Scholz Rücksicht nehmen muss,- es gibt ja auch eine wieder stärker werdende Friedensbewegung: Für den 2.Juli ist in Berlin eine Großdemo unter dem Motto „zivile Zeitenwende“ angekündigt.

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 25. Juni 2022 um 12:59 Uhr

    @Max Netcup: Friedensbewegung? MLPd, SED, DKP und andere Verlierertypen? 😀

  3. #3 | Max Netcup sagt am 25. Juni 2022 um 14:16 Uhr

    Sie haben die LINKEN in Ihrer Aufzählung vergessen.
    Gerade ist auf Phönix live der Parteitag der LINKEN in Erfurt zu verfolgen, wo es auch gerade um dieses Thema geht :

    https://www.phoenix.de/sendungen/ereignisse/phoenix-vor-ort/live—parteitag-der-link-a-2803034.html

  4. #4 | Emscher-Lippizianer sagt am 25. Juni 2022 um 15:50 Uhr

    „Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe“. Dem Gasprom-Gerd sein Scholz-O-Mat hat leistet ganze Arbeit mit seiner Verhinderung. Spätestens seit Corona ist es ja ganz offensichtlich geworden: In der Politik denkt man nur von zwölf bis Mittag. Ob man sich in der regierenden (?) Sekte Putins Diener nicht klar ist, daß nach der erwünschten und herbeigeführten Niederlage der Ukraine der lupenreine Demokrat das Baltikum in das Visier nimmt? Dann tritt der Bündnisfall ein und Deutschland hat im Rahmen der Mitgliedschaft der Organisation, die fast siebzig Jahre hier Frieden und Freiheit gesichert hat (NATO), Truppen zu stellen und nicht bloß ausgemusterte Waffen zu liefern. Die entsprechenden Dolchstoßer in der Sekte Putins Diener sollten sich schon einmal warmlaufen und ihre Phrasen-Dreschmaschine in einem besseren Zustand erhalten, als die Infrastruktur in im Lande…..

  5. #5 | SvG sagt am 25. Juni 2022 um 22:34 Uhr

    „Wir schlafen nachts friedlich in unseren Betten, solange rauhe Männer in unserem Auftrag bereit sind, Gewalt auszuüben.“
    sagte sinngemäß Georg Orwell. An anderer Stelle erweitert, daß diejenigen, die am meisten von der latenten Gewalt von Armeen profitieren, diese am meisten verachten. Waren da Käßmann und Konsorten schon in seinem Sichtfeld?

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 26. Juni 2022 um 08:39 Uhr

    @Max Netcup: Nein, hab ich nicht: SED bleibt SED.

  7. #7 | Reginald sagt am 26. Juni 2022 um 09:15 Uhr

    Um es nochmal klar auszudrücken:Russland hat einen souveränen Staat ohne Not angegriffen.Es bedient sich dabei dreckigster Kriegsführung.Russland ist wieder ein Stalinistisches Terrorland.Da gibt es nichts mehr schön zu reden.Russland muss in der Ukraine eine solche militärische Niederlage erleiden dass es nie wieder andere Länder Angreifen kann.Der Ukraine gehören nicht hunderte sondern tausende gepanzerte Fahrzeuge geliefert.Im übrigen hoffe ich persönlich dass die Ukrainer sich an allen Angreifern rächen können.Ja hoffentlich können Sie bis nach Moskau an die Wurzel des Bösen.

  8. #8 | Bert Führmann sagt am 24. Juli 2022 um 21:51 Uhr

    GUT, daß Ihr soetwas veröffentlicht..

    Ich habe gestern zum Thema EUGEN DREWERMANN gehört (s. YouTube) auf der Berliner Veranstaltung „Ohne NATO leben – Ideen zum Frieden“ am 21. Mai, – untertitelt mit „Wichtigste rede gegen den Krieg heute“ . . . .
    — in Form und Inhalt, Diktion und Duktus nur grauenhaft.
    Aber herzerweichend . . . fast nur totale Zustimmung. Der Deutsche als Teutonicus Blödicus — noch tiefer und schlimmer als der übliche antiwest-antiamerikanische und „Friiiiiiedens“-CREDO-Impuls, – die gequälte Seele, die am Objekt UKRAINE noch erbärmlicher, als uns Groß-Fillosoff gegen Botschafter Melnijk die „eigene“ bzw. soldaten-väterliche Familiengeschichte aufarbeitend.

    — Dabei mit „Friiiiiden“ die schlimmste, von Sozialismus/ Klassenkampf linke bzw. pseudo-christliche Krankheit, – ebfls. ähnlich auch in der sog. deutschen Erinerungskultur zu beobachten:
    Das V e r t a u s c h e n und Verrühren von (Lippen-)Bekenntnis/ Credo-BETEN und ersatzreligiöse Fürbitten mit Politik,
    – oder
    das Ersetzen von echtem Beten durch politisiertes Anklagen/ Fürbitten/ Bekenntnis abliefern einerseits ( Jesus Christus mußte natürlich auch für Drewermann An/klage nicht fehlen)
    – umgekehrt, das Ersetzen von folgerichtiger ( linker, kritischen) Politik durch ersatzbetend-kultisches Gejammer, – das sich hier meist ungefährliche Anlegen mit den Eigenen, der eigenen Soldaten-Organisation.

    Aber der Antiamerikanismus/ Britenfeindlichkeit in Form des Bombadierers schimmerte trotzdem durch, dabei die Gleichmacherei mit den Nazis; die Russen kamen nur als Opfer vor und die Ukraine nur als eine um ihren Sohn klagende Mutter, die andere unter die Erde wünscht, so als wäre die eigene Armee so schuld wie die russische . . . . ich brach erstmal nach 20 Minuten des Zuhörens ab.

    HAT niemand vorn EUCH Lust die „beste Friedens-„-Rede eines führenden deutschen „Philosophen“ und „Theologen“ kritisch zu analysieren, in dem sich m. A. nach alle üblen deutschen Eigenschaften nicht nur von linken DEUTSCHLÄNDLERn zusammenlaufen, aßer die direkt-offene KREML-Rechtfertigungssprüche ( falls id enicht doch noch in den übrigen 2/3 der Rede kamen)-

    Trotzdem erfüllten Drewermann und Bejubler die Funktion als NÜtZLICHE IDIOTEN allerding elegant. Für mich wiedermal ein Fall mich als kritisch denkender und immer mal wieder solidarisch handelnder DEUTSCHER angegekelt fremdzuschämen..
    Genauso, wie gegen die „naive“ HECKENSCHÜTZE-Charakterjournaille J u n g, der Melnijk zu Fall brachte; hätte ich den Botschafter nur warnen könne vor diesem Charakterschwein, der zuvor schon zusammen mit der SZ den Putin-, Scholz- und Covidmaßnahmen-Kritiker Boris Reitschuster aus der BUNDESPRESSEKONFERENZ gekegelt hatte . . . .

    B r e i t s c h u s t e r mit seinem Blog — dem man ähnlich übrigens, wie dem Blog „Achse der Guten“/ Achgut.com weiter versucht, die wirtschaftliche Existenz als Journalisten kaputt zu machen zB. durch Verekelung von Reklame-Anzeigenden und Blockierung von PAYPAL!- argwöhnt übrigens immer noch, das BK Scholz nicht will, daß die UKRAINE den Krieg gewinnt:
    Wenn ich mir die Waffenlieferungen Deutschlands und jetzt wieder die deutsche Behinderung Spaniens bez. Panzer Leo 1 ansehen oder die oberfaule Argumentation Lamprechts gegen die Lieferung von Schützenpanzerwagen ( Fuchs und Marder), die im Vergelich zu Polen,baltischen Staaten und Norwegen beschämend geringe Lieferung von fern-wirkender Artillerie usw . . . Es ist zum wahnsinnig werden bzw. zum Abschalten, was ich nun auch wieder seit über zwei Wochen merke. WAS KÖNNEN WIR gemeinsam T U N ?!

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