
Damit Gewerbeflächennot die wirtschaftliche Entwicklung im Ruhrgebiet nicht ausbremst, fordern die zentralen Wirtschaftsverbände der Region konkrete Maßnahmen zur Förderung und Entbürokratisierung. Beim ersten Wirtschaftsflächengipfel.Ruhr, der gestern (22. April) in Dortmund stattfand, übergaben sie ein Positionspapier an NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Veranstalter des Wirtschaftsflächengipfels war die Business Metropole Ruhr GmbH (BMR) in Kooperation mit den Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften an der Ruhr.
In dem Positionspapier weisen die Verbände darauf hin, dass rund 46 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf Gewerbe- und Industrieflächen arbeiten. Für weitere Ansiedlungen bleiben künftig nur 1.654 Hektar Nettofläche übrig, davon sind nur 468 Hektar restriktionsfrei. „Das ist der Flächenverbrauch für gerade mal zweieinhalb Jahre“, mahnte BMR-Geschäftsführer Jörg Kemna. „Allen muss klar sein: Wenn wir heute die Weichen stellen, haben wir erst in einigen Jahren neue Flächenangebote für Unternehmen.“
Das Positionspapier formuliert drei Stoßrichtungen: eine strukturierte Förderung der Aufbereitung von Brachflächen, die Anbindung der Potenzialflächen an das übergeordnete Straßennetz und eine konsequente Entbürokratisierung kostentreibender Regelungen. Es benennt auch konkrete Restriktionen, wie die mangelnde Verkaufsbereitschaft von Eigentümern, den erheblichen Aufbereitungsbedarf insbesondere auf Brachflächen oder die fehlende oder unzureichende Anbindung an das übergeordnete Verkehrsnetz.
„Um industrielle Stärke zu sichern und technologischen Vorsprung zu ermöglichen, brauchen Unternehmen Platz. Gemeinsam schaffen wir passende Wirtschaftsflächen“, versprach Mona Neubaur in ihrem Impulsvortrag. „Als Land fördern wir die Instandsetzung von Brachflächen – so entsteht wichtiger Raum für nachhaltige Ansiedlungen, gute Arbeitsplätze und neue Chancen.“
Garrelt Duin, Regionaldirektor des Regionalverbandes Ruhr (RVR), sieht das Ruhrgebiet als Modellregion für innovative Lösungen für schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren. „Denn auf den alten Industrieflächen liegen große Zukunftschancen für die Region.“
Ein absolut entscheidendes Thema für die Zukunft des Ruhrgebiets. Sollte der aktuelle Trend weitergehen (endlose Brachen, die man letztlich mit gesichtslosen Wohnblöcken bebaut, die dann noch unbezahlbare Preise haben), schneiden wir uns die Potenziale für künftiges Wachstum auf Dauer ab.
Gerade das Risikothema Altlasten sollte die Politik den Investoren abnehmen und hier pragmatische Lösungen nutzen, die Umwelt und Investitionen gleichermaßen schützen. Alles möglich und auch oftmals gelungen.
Und vor allem gilt es, zügig zu Handeln. Gerade Flächen mit Gleis- und Wasserstraßenanschlüssen (z. B. das Areal bei der Eisenhütte meiner Stadt Mülheim-Ruhr) gilt es, jetzt dauerhaft für die Wirtschaft zu bewahren und nicht vorschnell anderweitig zu nutzen. Dabei sollten gerade Möglichkeiten wie Anlegestellen und Gleisanschlüsse genutzt werden, damit auch zukunftsfähige Transportlösungen entstehen.
Auch da muss die Politik endlich ins Machen kommen: Jetzt Flächen bewahren, damit dort wieder hochwertige Arbeitsplätze entstehen können.