Hat Dortmund inzwischen den deprimierendsten Zoo Deutschlands?

Ein Tier im Zoo Dortmund im Juni 2026, wenn auch ein eher unspektakuläres und scheinbar gelangweiltes. Foto(s): Robin Patzwaldt

Es gibt Orte, die einen ein Leben lang begleiten. Orte, die mit Kindheitserinnerungen, Familienausflügen und einem Gefühl von Heimat verbunden sind. Für mich gehörte der Zoo Dortmund jahrzehntelang genau in diese Kategorie. Seit den frühen 1970er-Jahren war die Anlage im Dortmunder Süden für mich weit mehr als nur ein Tierpark. Sie war ein fester Bestandteil meines Lebens. Umso schmerzhafter ist die Erkenntnis, dass ausgerechnet dieser einst so geschätzte Ort inzwischen einen Zustand erreicht hat, den ich vor einigen Jahren noch für unmöglich gehalten hätte.

Nach mehreren Jahren Pause habe ich dem Zoo am vergangenen Wochenende erstmals wieder einen Besuch abgestattet. Die Hoffnung, positive Entwicklungen zu entdecken und vielleicht sogar etwas von der alten Faszination zurückzugewinnen, war durchaus vorhanden. Doch schon nach kurzer Zeit wich diese Hoffnung einer tiefen Ernüchterung. Selten habe ich einen Ort erlebt, der gleichzeitig so viele Erinnerungen weckt und so viel Enttäuschung auslöst.

Ein Zoo im Dauerzustand der Baustelle

Schon vor einigen Jahren waren die zahlreichen Baustellen eines der größten Ärgernisse im Dortmunder Zoo. Damals konnte man zumindest noch argumentieren, dass die Einschränkungen einem notwendigen Modernisierungsprozess geschuldet seien. Wer jedoch heute durch die Anlage spaziert, gewinnt den Eindruck, dass dieser Zustand zum Dauerzustand geworden ist.

An vielen Stellen dominieren weiterhin Absperrungen, Bauzäune und Provisorien das Bild. Statt eines erkennbaren Gesamtkonzepts entsteht der Eindruck einer Anlage, die seit Jahren Stück für Stück umgebaut wird, ohne dass für Besucher ein klarer Fortschritt sichtbar wäre. Natürlich benötigen Modernisierungen Zeit. Doch irgendwann müssen die Investitionen auch erkennbar Früchte tragen. Genau dieser Moment scheint in Dortmund jedoch seit Jahren nicht einzutreten.

Für Besucher bedeutet das vor allem eines: Der eigentliche Zoobesuch rückt zunehmend in den Hintergrund. Statt Tiere zu beobachten oder die Atmosphäre zu genießen, blickt man immer wieder auf Baustellen und unfertige Bereiche.

Verwaiste Gehege und fehlende Attraktionen

Noch bedrückender als die Baustellen sind die vielen Gehege, in denen schlichtweg nichts zu sehen ist. Selten zuvor hatte ich den Eindruck, dass der Zoo so viele Leerstände aufweist wie aktuell. Gefühlt ist jedes zweite Gehege inzwischen völlig vergammelt oder unbesetzt. Wirklich erschreckend! Viele aus Dortmund altbekannte Tierarten sind aktuell nicht mehr zu finden.

Natürlich kann es immer vorkommen, dass einzelne Bereiche vorübergehend nicht besetzt sind. Doch wenn sich diese Eindrücke durch die gesamte Anlage ziehen, stellt sich zwangsläufig die Frage, was Besucher eigentlich noch geboten bekommen. Gerade Familien mit Kindern dürften sich angesichts der trotz ‚Baustellenrabatts‘ immer noch erheblichen Eintrittspreise fragen, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis hier noch stimmt.

Besonders schmerzlich wirkt in diesem Zusammenhang auch noch immer die Schließung des einst beliebten Tropenhauses. Das Amazonas-Haus gehörte über Jahrzehnte zu den markanten Attraktionen des Zoos. Seine endgültige Stilllegung im Jahre 2022 symbolisiert für viele langjährige Besucher den Verlust eines weiteren Stücks Identität. Was früher ein Highlight war, existiert heute nur noch in der Erinnerung. Und die einst darin lebenden Tiere fehlen den Besuchern auch.

Die Last der vielen negativen Schlagzeilen

Zum problematischen Gesamtbild tragen auch die zahlreichen negativen Nachrichten bei, die den Zoo in den vergangenen Jahren begleitet haben. Immer wieder sorgten tragische Tierverluste, Krankheiten oder andere Vorfälle für Schlagzeilen.

Natürlich sind nicht alle diese Ereignisse den Verantwortlichen unmittelbar anzulasten. Krankheiten oder plötzliche Todesfälle kommen in zoologischen Einrichtungen vor. Dennoch entsteht über die Jahre hinweg ein Gesamtbild, das schwer zu ignorieren ist. Wenn sich negative Meldungen häufen, prägt dies zwangsläufig die öffentliche Wahrnehmung.

Viele Besucher verbinden den Zoo inzwischen nicht mehr nur mit schönen Tiererlebnissen, sondern auch mit einer langen Liste unerfreulicher Nachrichten. Für eine Einrichtung, die eigentlich Begeisterung für Tiere und Natur vermitteln soll, ist das ein ernstzunehmendes Problem.

Der Abstand zur Konkurrenz wächst

Besonders deutlich wird die Krise des Dortmunder Zoos im Vergleich mit anderen Einrichtungen der Region. Während sich Zoos wie die Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen oder der Allwetterzoo in Münster in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt haben, scheint Dortmund immer weiter zurückzufallen.

Dort, wo andere moderne Erlebniswelten geschaffen haben, kämpft Dortmund noch immer mit Altlasten, Sanierungsbedarf und Übergangslösungen. Der einstige Standortvorteil des Dortmunder Zoos ist längst verloren gegangen. Wer heute einen besonders attraktiven Zoo besuchen möchte, denkt oft zuerst an andere Städte.

Genau das macht die Entwicklung so traurig. Denn es handelt sich nicht um irgendeinen Zoo, sondern um eine Einrichtung mit langer Tradition und großer Bedeutung für die Stadt. Umso schwerer fällt es, den offensichtlichen Niedergang zu akzeptieren.

Nach meinem jüngsten Besuch bleibt deshalb ein ernüchterndes Fazit. Der Zoo Dortmund wirkt derzeit trostloser als jemals zuvor in den mehr als fünf Jahrzehnten, die ich ihn kenne. Baustellen, leere Gehege, fehlende Attraktionen und ein nur schwer erkennbares Zukunftskonzept prägen das Bild. Aus einem meiner einstigen Lieblingsorte ist ein Ort geworden, den ich mit Enttäuschung verlasse.

Vielleicht gelingt es den Verantwortlichen irgendwann doch noch, die große Wende zu schaffen und den Zoo wieder zu einem Aushängeschild der Stadt zu machen. Aktuell allerdings fällt es schwer, daran zu glauben. So bitter es für einen Dortmunder auch sein mag: Der Zoo hat in den vergangenen Jahren massiv an Attraktivität verloren und wirkt heute mehr wie eine Dauerbaustelle mit Tierbestand als wie ein moderner Tierpark. Bis zu meinem nächsten Besuch werden deshalb wohl wieder einige Jahre vergehen. Zu groß ist die Sorge, erneut feststellen zu müssen, dass die schönen Erinnerungen inzwischen wertvoller sind als die Gegenwart.

 

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