Das Darknet oder was geschehen kann wenn sich die Politik mal wieder auf ein Medium einschießt.

ZYv6FRtr_400x400Mit den unschönen Geschehnissen in München hat die Politik wieder ein neues Wort gelernt, welches man in einen ähnlichen inflationären Maß nutzen kann wie das allzu beliebte Wort „Cyber“. Die heutige Sau ist, ihr ahnt es, das Darknet! (Ein Gastbeitrag von Anonymous Germany – nein, die haben nichts mit der Fake-Facebook-Seite am Hut.)

Was ist das Darknet? Nun, man könnte am einfachsten damit umschreiben dass es das genaue Gegenstück zu dem nach außen offenen sichtbaren Netz ist. In allen seinen Aspekten garantiert das Darknet eine sichere und zensurfreie Kommunikation, auch über Ländergrenzen hinweg, und ohne dass man befürchten muss das Staaten dem Ganzen den Saft abdrehen, denn dies ist ungemein schwierig.

Warum nun der Terz? Nun, wie nun bekannt sein sollte, hat sich der Amokläufer aus München eine Schusswaffe über das Darknet besorgt. Und was geschieht? Jegliche Politprominenz, und auch die B-Riege, übt sich nun in ahnungsloser Meinungsmache über das Darknet – ohne sich vorher auch nur ein Stückchen über selbiges Informiert zu haben. Kommt bekannt vor? Jau, das denken wir auch. Tatsächlich erinnert uns dieser Blasebalg an die leidige Killerspieldiskussion, die in den Jahren um 2000 herum mehr heiße Luft produziert hat als je FCKW in der Atmosphäre war und wisst ihr was? Der Amokläufer hat Counter Strike Source gespielt!

Nein! Doch! Ohh!

Einige haben sich schon zu jenen Zeiten, auch als Nicht-Anons, vehement gegen die Behauptung gesträubt man wäre als Computerspieler automatisch ein potentieller Terrorist, und nun sehen wir wieder dieselben Witzfiguren, wie z.B den bayrischen Innenminister Hermann, die offenbar in der Zeit stehen geblieben sind. Sie spulen denselben Kram wie vor 10 Jahren auf ein Leckerlie hin wie ein Programm ab. Der Griff in die Mottenkiste war es sicher wert, wundert nur dass sich Herr Uhl noch nicht gemeldet hat.

Was sich schon seinerzeit als ein extrem inhaltloses, leeres Geblubber zeigte, wird nun auf selbe Weise fortgeführt: heute wie damals werden die eigentlichen Probleme gänzlich ignoriert. Es werden stattdessen einfach die falschen Probleme adressiert. Wie auch beim Amoklauf in Winnenden, bei dem dem Täter nachgesagt wurde, dass er den Amoklauf „virtuell“ geübt hätte, entbehrt sich auch der aktuelle Vorgang politischer Forderungen jeglicher Faktenlage.

http://www.sueddeutsche.de/panorama/zehn-jahre-nach-dem-amoklauf-in-erfurt-was-sich-seit-dem-schulmassaker-veraendert-hat-1.1342486-2
http://www.sueddeutsche.de/panorama/zehn-jahre-nach-dem-amoklauf-in-erfurt-was-sich-seit-dem-schulmassaker-veraendert-hat-1.1342486-2

Zieht man nun ein beiden Fällen ein kleines Resümee fällt auf, dass beide Täter eine psychische Störung aufweisen – schon im Fall Winnenden hatte sich recht schnell offenbart, dass der Täter an einer bipolaren Störung litt und der Attentäter aus München? Der war ebenso in Behandlung. Nur hat sich dieser seine Waffe eben im Darknet gekauft und nicht so wie der Täter aus Wimmenden einfach aus dem schlecht gesicherten Repertoire seinen Vaters entliehen.

Werden diese Probleme adressiert? Nicht wirklich. Selbst, obwohl man weiß, dass der Täter aus München die Tat schon seit einem Jahr geplant hat, selbst in Winnenden war und sogar ein eigenes Manifest erstellt haben soll. Es setzt dieser Sache die Krone auf. Warum haben wir eigentlich VDS? Im Nachhinein lässt sich immer sagen, er habe es schon ein Jahr vorher geplant. Was nützt es,  wenn man diese Vorlaufzeit nicht nutzt? Doh!
Selbst „Cybern“ will gekonnt sein.

Zudem hätten wir erwartet, dass man nach all den Jahren nun endlich mal wissen würde, was denn Counterstrike für ein Spiel ist. Ich meine, da schießt man sich Jahren auf Killerspiele ein und selbst heute weiß man nicht, ob man in CS nur den Rasen mäht.

Quelle: https://twitter.com/ErikMarquardt/status/757188701852139521
Quelle: https://twitter.com/ErikMarquardt/status/757188701852139521

Sagt vieles aus.

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9 Kommentare

  1. #1 | Gerd sagt am 24. Juli 2016 um 21:30 Uhr

    Operative Hektik ersetzt geistige Windstille. Oder anders ausgedrückt, es muss ein Sündenbock her, weil man sich mit dem eigentlichen Problem nicht befassen will.

    Hier der illegale Handel mit Schusswaffen. Den kann man wirksam bekämpfen, indem man verdeckte Ermittler als Käufer und Verkäufer auftreten lässt. Die sehr reale Gefahr, dass der Geschäftspartner ein Polizist sein könnte verunsichert den Schwarzmarkt. Paranoia treibt die Preise hoch und Verkäufe werden nicht getätigt.

    Stattdessen werden die Hürden für den legalen Waffenbesitz erhöht, obwohl Schußwaffen aus legalem Besitz in der Kriminalitätsstatistik praktisch keine Rolle spielen.

    Oder man regt sich über Computerspiele auf, das Internet, alles Mögliche.

  2. #2 | B sagt am 24. Juli 2016 um 22:10 Uhr

    #2
    Dass im Zusammenhang mit solchen Taten eine Diskussion über legalen zivilen Schusswaffenbesitz geführt wird, mag daran liegen, dass eben hier illegale Waffen normalerweise keine Rolle spielen. Die Ausnahme bestätigt da eher die Regel. Mit einer Festplatte wurde allerdings noch niemand erschlagen, soweit ich weiss.

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 24. Juli 2016 um 22:35 Uhr

    @Gerd: Welche "Hürden für den legalen Waffenbesitz" werden denn erhöht? EU-Verbot von halbautomatischen Waffen, die wie vollautomatische aussehen, etwa?

    PS: Die Nachfrage nach Waffen für den "kleinen" Waffenschein ist zwar nach Silvester gestiegen, aber die nach scharfen Waffen nicht (http://www.deutschlandradiokultur.de/statistik-deutschland-deine-waffen.976.de.html?dram:article_id=346481)

  4. #4 | amarillyon sagt am 24. Juli 2016 um 22:39 Uhr

    So zynisch es auch ist: Eigentlich muss man froh sein, dass sich "die üblichen Verdächtigen" wieder einmal auf "Killerspiele und das Darknet einschießen" (sorry für das Wortspiel).
    Nicht auszudenken, wenn mit selbigem Aktionismus gegen Depressive, bipolare und andere psychisch "Kranke" vorgegangen werden würde…

  5. #5 | discipulussenecae sagt am 25. Juli 2016 um 02:48 Uhr

    Für alle, die einen der besten Louis de Funès Filme nicht kennen:


  6. #6 | danebod sagt am 25. Juli 2016 um 11:44 Uhr

    Mario Sixtus haut in dieselbe Kerbe. Zu Recht!

    http://sixtus.net/muenchen/

  7. #7 | Gerd sagt am 25. Juli 2016 um 13:40 Uhr

    @#2:

    Weniger als 10% der bei Verbrechen eingesetzten Schußwaffen stammen aus legalem Besitz. Siehe BKA Statistiken der vergangenen Jahre. Spektakuläre Ausnahmen sind deswegen spektakulär, weil die Ausnahme sind.

  8. #8 | Manuel sagt am 25. Juli 2016 um 21:31 Uhr

    So sind die halt die Politiker. Killerspiele sind Schuld, das Internet sowieso und die angeblich zu laschen Waffengesetze auch. Nach jedem Amoklauf dasselbe.

  9. #9 | b sagt am 26. Juli 2016 um 10:49 Uhr

    #7
    Die Diskussion wird im Bezug auf Amokläufe geführt, auch zu denen lassen sich Informationen finden. Den Zusammenhang zu allen Verbrechen herzustellen ist ein reines "Aber was ist mit"-Argument. Man kann zu jeglichen Lösungsansätzen immer beliebig viele andere Probleme finden, die eben dieser Ansatz nicht löst.
    Nebenbei, ich sage ja nichtmal an dieser Stelle, dass das ich ein Waffenverbot befürworten würde. Es ist einzig und allein auffällig, dass grade bei solchen Taten häufig Waffen aus legalem Besitz zum Einsatz kommen, und wie Sie ja bereits sagen, scheint das stark im Kontrast zu anderen Verbrechen zu stehen.

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