
Die europäische Autoindustrie sucht angesichts wachsender wirtschaftlicher Herausforderungen nach neuen Geschäftsfeldern. Unternehmen wie Aumovio, Bosch, Mercedes-Benz, Volkswagen, MAN und Daimler Truck richten ihren Blick dabei zunehmend auf den Verteidigungssektor. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese Strategie die grundlegenden Probleme der Branche kaum lösen kann.
Hintergrund sind die seit dem russischen Angriff auf die Ukraine deutlich gestiegenen Verteidigungsausgaben vieler europäischer Staaten, die neue Absatzmöglichkeiten für Elektronik, Sensorik, Software, Logistikfahrzeuge und andere Technologien eröffnen. Auf den ersten Blick erscheint dieser Schritt als greifbare Chance, Umsätze zu steigern und Produktionskapazitäten besser auszulasten.
Die Knackpunkt ist: Im Vergleich ist der Verteidigungsmarkt zum globalen Automobilmarkt deutlich kleiner und kann die Nachfrage nach Millionen von Pkw einfach nicht ersetzen. Zudem unterscheiden sich militärische Produkte erheblich von Serienfahrzeugen: Sie werden in wesentlich geringeren Stückzahlen gefertigt, unterliegen speziellen Anforderungen und benötigen oft lange Entwicklungs- und Zulassungsprozesse. Eine einfache Umstellung bestehender Produktionslinien ist daher nur eingeschränkt möglich.
Unternehmen stehen unter Druck
Hinzu kommt, dass die eigentlichen Herausforderungen der Automobilindustrie bestehen bleiben. Der zunehmende Wettbewerb durch chinesische Hersteller, die Transformation zur Elektromobilität, hohe Energie- und Produktionskosten in Europa sowie Defizite bei Software und Digitalisierung setzen die Unternehmen weiterhin unter Druck. Diese strukturellen Probleme lassen sich nicht dadurch lösen, dass einzelne Geschäftsbereiche zusätzlich Aufträge aus der Verteidigungsindustrie annehmen.
Dennoch bietet der Verteidigungssektor ein paar Chancen. Zusätzliche Aufträge können Arbeitsplätze sichern, Produktionskapazitäten auslasten und technologische Entwicklungen fördern, etwa in den Bereichen Sensorik, Künstliche Intelligenz oder autonome Systeme. Für einzelne Unternehmen kann dies wirtschaftlich sinnvoll sein und neue Wachstumsfelder erschließen.
Insgesamt ist die stärkere Ausrichtung auf den Verteidigungssektor daher eher als ergänzende Strategie denn als Rettungsplan für die europäische Autoindustrie zu verstehen. Sie kann einzelne Unternehmen stabilisieren und zusätzliche Einnahmen schaffen, ersetzt jedoch nicht die notwendigen Veränderungen, mit denen die Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern muss – aber der große Wurf ist es nicht.
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Das Problem der Autoindustrie ist, wer benötigt schon ein SUV mit 300 PS, wenn er auf der A40 auf dem Weg nach Essen im Stau steht.
„Insgesamt ist die stärkere Ausrichtung auf den Verteidigungssektor daher eher als ergänzende Strategie denn als Rettungsplan für die europäische Autoindustrie zu verstehen. Sie kann einzelne Unternehmen stabilisieren und zusätzliche Einnahmen schaffen, ersetzt jedoch nicht die notwendigen Veränderungen, mit denen die Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern muss – aber der große Wurf ist es nicht.“
Man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erkennen, dass es für diese im doppelten Sinn fossile Wirtschaft keinen großen Wurf mehr geben kann. Sie ist 1. fossil, weil sie fossile Energie benutzt und 2. weil wir uns eine derartige Nutzung in Zukunft nicht mehr erlauben können, diese Industrie ist aus einem vergangenen Zeitalter und wird deshalb zu einem großen Teil abgewickelt werden müssen. Insofern ist es folgerichtig, wenn sie sich auf den archaischen Bereich der Kriegswirtschaft stürzt, der einzige Bereich, in dem man sich um das Klima nicht schert, weil das Klima egal ist, wenn man alles kaputt macht. Die Chance, die die Politik und diese Industrie hatte, sich umzustellen, war vor einem Vierteljahrhundert, und man hat sich im Verein sogar in internationalen Verträgen bemüht, sie nicht zu nutzen.
Das ist vorbei, und dem hinterherzujammern nützt nichts. Aber vielleicht gelingt es ja, sich zu erinnern, wie wir überhaupt zu dieser Industrie gekommen sind. Denn das bestreite ich nicht: Die deutsche Technik bei Verbrennermotoren ist Spitzentechnik. Sie ist das Ergebnis einer Zeit, in der die Wissenschaft und die Technik in Deutschland deshalb führend war, weil wir uns eine sehr breitbandige Ausbildung gegönnt haben, in der Schule, wie im Handwerk, wie an den Universitäten. Aber dieses Kapital sparen wir bereits seit einem halben Jahrhundert tot und unsere momentane Regierung, die darauf besteht, dass wir kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem haben, macht damit weiter, wie sie insgesamt dabei ist, mit dem Sparen weitere Sachschulden aufzubauen.