
Jens Spahn ist über die Leihmutterschaft gestolpert. Gefallen ist er aber über etwas ganz anderes: seine Glaubwürdigkeit. Wer die aktuelle Debatte auf die Frage reduziert, ob der ehemalige Unionsfraktionschef gemeinsam mit seinem Mann mithilfe einer Leihmutter Vater geworden ist, greift viel zu kurz. Das ist lediglich der Auslöser seines politischen Absturzes – nicht dessen Ursache.
Spahn versucht derzeit, die Diskussion geschickt auf seine Familie zu lenken. Familie gehe jetzt vor, erklärt er. Das klingt emotional und soll Mitgefühl erzeugen. Tatsächlich ist es aber vor allem eines: ein Ablenkungsmanöver.
Denn kaum jemand fordert seinen Rücktritt, weil er Vater geworden ist. Sein eigentliches Problem ist, dass er einmal mehr den Eindruck vermittelt hat, für sich selbst andere Regeln gelten zu lassen als für alle anderen.
Wasser predigen, Wein trinken
Niemand muss Jens Spahn seinen Kinderwunsch vorwerfen. Das wäre billig und unerquicklich. Wer sich jedoch jahrelang öffentlich gegen Leihmutterschaft positioniert, sie politisch bekämpft und sie anschließend selbst im Ausland in Anspruch nimmt, muss sich kritische Fragen gefallen lassen.
Nicht, weil er gegen ein deutsches Gesetz verstoßen hätte. Sondern weil er genau das tut, was Politiker ihren Bürgern ständig vorwerfen: Regeln und moralische Maßstäbe gelten offenbar immer nur für die anderen.
Das wäre schon unerquicklich genug. Doch bei Jens Spahn wirkt dieser Vorgang eben nicht wie ein einmaliger Fehltritt. Er fügt sich nahtlos in ein Muster ein, das seine gesamte politische Karriere begleitet.
Der ewige Sonderfall Jens Spahn
Maskenaffäre. Milliardenverluste für den Steuerzahler. Ein Spendendinner mitten in der Corona-Pandemie, während der Rest des Landes Kontakte vermeiden sollte. Die millionenschwere Villa, deren Finanzierung viele Fragen aufwarf. Verbindungen zu René Benko usw..
Jede dieser Geschichten ließ sich irgendwie erklären. Genau das tat Spahn auch jedes Mal. Doch irgendwann reicht die Summe der Einzelfälle aus, um ein Gesamtbild entstehen zu lassen.
Und dieses Bild ist verheerend.
Immer wieder entsteht der Eindruck, dass Jens Spahn sich für cleverer hält als alle anderen. Dass Regeln zwar wichtig sind – solange sie für die Bürger gelten. Für ihn selbst scheint es dagegen stets gute Gründe zu geben, warum eine Ausnahme angebracht ist.
Das eigentliche Problem heißt Arroganz
Es ist diese Mischung aus Selbstgewissheit und mangelnder Selbstreflexion, die Spahn politisch das Genick gebrochen hat. Fehler? Haben immer die Umstände verursacht. Verantwortung? Liegt grundsätzlich irgendwo anders. Einsicht? Fehlanzeige.
Dabei wäre genau die jetzt nötig gewesen.
Ein schlichtes Eingeständnis, dass die eigene Lebensentscheidung im Widerspruch zu den jahrelang vertretenen politischen Positionen steht, hätte vielen Kritikern vermutlich gereicht. Stattdessen versucht Spahn, sich als Opfer einer überzogenen Debatte zu inszenieren.
Das wirkt fast schon erstaunlich lernresistent.
Der Rücktritt war überfällig
Die Leihmutterschaft hat Jens Spahn nicht aus dem Amt getrieben. Sie hat lediglich den letzten Rest politischer Glaubwürdigkeit zerstört, der nach den zahlreichen Affären der vergangenen Jahre überhaupt noch vorhanden war.
Ein Spitzenpolitiker muss kein Heiliger sein. Aber er sollte wenigstens den Anspruch haben, nach denselben Maßstäben zu leben, die er anderen verordnet. Genau daran ist Jens Spahn gescheitert.
Sein Rücktritt war deshalb keine moralische Verurteilung seines Familienmodells. Er war die Quittung für jahrelange politische Selbstüberschätzung.
Das Bittere daran: Noch immer scheint Spahn nicht verstanden zu haben, warum er gehen musste. Wer glaubt, sein Problem heiße Leihmutterschaft, der verkennt die eigentliche Ursache. Sein Problem heißt Jens Spahn. Und zwar schon seit Jahren.
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Jens Spahn und Hendrik Streeck haben genügend finanzielle Möglichkeiten, sowieso Einfluss, um eigene Regeln zu machen. Andere Politiker verschleiern vollkommen, mit wem sie leben und wie viel Kinder sie haben, was ihr gutes Recht ist. Die CDU propagiert jedoch ein ganz anderes Familienbild. Problematisch ist dabei auch die Leihmutterschaft. Einen Bauch einer Frau kann man nicht Mieten, egal wie viel man auch bezahlt. In Deutschland ist es ohnehin illegal. Kinder sollten nach wie vor auf natürlichen Wege erzeugt werden.
Er hat ja noch sein Bundestagsmandat, nur etwas weniger Taschengeld. Er müsste auch sein Bundestagsmandat abgeben.