Milliardenauftrag für die deutsche Bahn wackelt

Gerade haben wir bei den Ruhrbaronen etwas von der Freitags-Sitzung der Vergabekammer in Düsseldorf gehört. Eine Bombe für die Deutsche Bahn. Die Vergabe des Nahverkehrsauftrages im Ruhrgebiet droht zu scheitern. Das Geschäft hat ein Volumen von rund 1000 Millionen Euro.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hatte diesen lukrativen Vertrag für den Unterhalt der S-Bahnen ohne Ausschreibung an die Deutsche Bahn vergeben. Das ganze lief ab, wie eine Erpressung. Private Konkurrenz wurde nicht zugelassen, stattdessen drohte die Bahn damit, ausstehende Millionen bei den klammen Kommunen einzutreiben, wenn diese nicht spurten. Vor der Vergabekammer sagte der Anwalt der Bahn am Freitag wörtlich: die privaten Unternehmen seien nur in der Lage „Mickey-Mouse-Verträge“ zu erfüllen, aber nicht so Milliardengeschäfte, wie den Nahverkehr im Pott. Das könne nur die Bahn.

Die Konkurrenz der Bahn sieht das anders. Gegen die verschobene Vergabe hatten mehrere Unternehmen vor der Düsseldorfer Vergabekammer geklagt. Es ist der größte Vertrag, der jemals in Deutschland angegriffen wurde. Am Freitag war mündliche Verhandlung und es kam raus, dass die Richter das ähnlich wie die Kläger sehen. Auch große Verträge müssen öffentlich ausgeschrieben werden.

Für die Steuerzahler kann das eigentlich nur von Vorteil sein. Der Nahverkehr im Ruhrgebiet ist relativ teuer. Das meiste Geld sackt sich die Bahn ein. Wie lukrativ das Geschäft mit den S-Bahnen ist, kann man gut an der Bilanz der Bahn-Tochter DB-Regio sehen. Das Unternehmen macht bei einem Umsatz von 6,5 Mrd Euro eine Eigenkapitalrendite von gut über 30 Prozent. Selbst die Deutsche Bank will nur 25 Prozent haben – und trägt dafür jede Menge Risiko, was man von der Bahn nicht sagen kann.

In zwei Wochen wird die Vergabekammer ihre Entscheidung bekannt geben. Wenn es bei dem Tenor der mündlichen Verhandlung bleibt, würde erstmals eine Einzelvergabe im Wert von rund eine Mrd. Euro gekegelt. Sollte das so sein, kann die Bahn dagegen noch Beschwerde beim Oberlandesgericht einlegen.

Ich persönlich glaube, Wettbewerb täte der Bahn gut.

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10 Kommentare

  1. #1 | Nobby sagt am 8. März 2010 um 14:57 Uhr

    Die Bahn weis, wen sie erpressen kann. Und wen kümmert es? Niemand.

    Und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr würde lieben gerne die gesamte S-Bahn auch von Privaten betreiben. Aber wer kann aus den Stand die komplette S-Bahn übernehmen. Niemand.

    Davon abgesehen, Mit ÖPNV-Zügen geht es von Emmerich auch nicht weiter nach Holland, obwohl es technisch möglich ist. Und wen kümmert es? Niemand.

    Wer mit dem Zug von Emmerich nach Arnheim fahren möchte, der kann doch mit dem RE von Emmerich nach Oberhausen fahren, um dort in den ICE nach Arnheim einzusteigen. Und wen kümmert es? Niemand.

  2. #2 | emden09 sagt am 8. März 2010 um 17:12 Uhr

    Toll! Wird aber nix mit dem Wettbewerb. In den Ausschreibungsbedingungen steht dann „der leistende Unternehmer muss nachweisen in den letzten X Jahren mindestens 3 Aufträge in der Größenordnung des hier zu vergebenden Auftrages erfolgreich abgewickelt zu haben“.

    Das jedenfalls ist gängige Praxis in IT-Vergabeverfahren.

    Und während es in der IT dann noch mehr als ein Großunternehmen gibt, dem solch ein Nachweis gelingt gibt es halt im Schienenverkehr das Ruhrgebiet in D nur ein Mal und die Betreiber der Schienennetze in Chicago, Paris, London oder Tokio werden wohl nicht um die Vergabe des Nahverkehrsauftrages im Ruhrgebiet mitbieten wollen.

    Wäre schön, wenn die Bahn Konkurrenz bekäme, aber selbst eine Europaweite Ausschreibung wird das wohl nicht reißen.

  3. #3 | Jens sagt am 8. März 2010 um 17:12 Uhr

    Glaub kaum, dass NWB oder Eurobahn ein ganzes S-Bahn System führen könnten. Wenn man bedenkt, was die schon für Probleme mit den kleinen Dorfstrecken haben…

  4. #4 | Springorum sagt am 8. März 2010 um 19:25 Uhr

    @Jens: Die NWB übt aber schon mal: Ab Dezember 2010 betreibt sie das Regio-S-Bahn-Netz im Großraum Bremen…

  5. #5 | pott-sau sagt am 8. März 2010 um 20:04 Uhr

    Mir ist das vollkommen egal, wer die Bahnen betreibt. Ich will saubere und vor allem pünktlichen Züge, was bei den S-Bahnen schon fast zur Seltenheit wird.

  6. #6 | Manni sagt am 8. März 2010 um 21:27 Uhr

    Einen schönen guten Abend aus Berlin! Von hier aus betrachtet kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die DB-Ag in der Lage sein könnte, das komplette Ruhrgebiet mit S-Bahn zu versorgen.

  7. #7 | David Schraven sagt am 8. März 2010 um 21:38 Uhr

    @ Manni

    hast recht. Bei dem Desaster, dass die bei Euch angerichtet haben. 🙂

  8. #8 | @ David Schraven sagt am 8. März 2010 um 23:57 Uhr

    „Selbst die Deutsche Bank will nur 25 Prozent haben – und trägt dafür jede Menge Risiko, was man von der Bahn nicht sagen kann.“

    Habe ich das richtig verstanden, dass die Deutsche Bahn jede Menge Risiko trägt. Nicht aber die Bahn-Tochter DB-Regio?

  9. #9 | Frank sagt am 9. März 2010 um 06:45 Uhr

    Ich drücke dem Ruhrgebiet die Daumen, dass der Wettbewerb bald das Geschäft belebt. Seit zwanzig Jahren zieht die DB die Ruhrgebietspendler über den Tisch mit zu kurzen RE-Zügen und S-Bahnen.

    Mehdorns Nachfolger entpuppt sich allmählich als um keinen Deut integrer als dieser. Drohen, bedrängen und dann nicht liefern ist das Geschäftsmodell des DB Geschäftsbereiches Personenverkehr.

    Das muss aufgemischt werden.

    Berlin „plant“ übrigens jetzt endlich auch mehr Wettbewerb auf der Schiene.

  10. #10 | Wähler sagt am 10. März 2010 um 00:08 Uhr

    An Konkurrenz belebt das Geschäft und auch für die Bürger, daran glaube ich schon lange nicht mehr. Im Fall der DB aber um so mehr…

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