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Mobbing à la Wallraff oder „ … bis bald, Dein Günter“

Gerd Herholz hat recht. Wallraff, der Aufklärer der Nation, hat dringenden Aufklärungsbedarf. In eigener Sache. Und das nicht nur, wenn es um die Autorenschaft „seiner“ Bücher, sondern auch, wenn es um die „Behandlung“ seiner Kritiker geht. Von unserem Gastautor Uwe Herzog.

Ein schönes Beispiel: Die Wallraff-Biografie von Jürgen Gottschlich.

Als sie vor ein paar Jahren bei „Kiepenheuer & Witsch“ unter dem Titel „Der Mann, der Günter Wallraff ist“ erschien, hatte ich auf anwaltliche Empfehlung hin zeitweise überlegt, Gottschlich auf Unterlassung zu verklagen.

Die Aussichten dafür wären nicht schlecht gewesen.

Immerhin hatte Gottschlich es geschafft, in weniger als fünf in seiner Biografie über mich enthaltenen Sätzen mindestens zehn Falschbehauptungen unterzubringen (ein guter Schnitt, den sonst nur Wallraff selbst erreicht, wenn er sich über unsere frühere Zusammenarbeit äußert).

Allerdings habe ich mich entschlossen, mich lieber an den Verursacher von derlei Unfug zu halten.

Nach einigem Hin- und Her ließ Wallraff schließlich über seinen Anwalt Winfried Seibert mitteilen, dass er mit dem Inhalt von Gottschlichs Biografie nicht das Geringste zu tun hätte und dass er das allgemein in den letzten Jahren von manchen Kollegen und Redaktionen gegen mich erkennbare Mobbing bedaure.

Woher Gottschlich seine tollen „Erkenntnisse“ über mich hatte, ließ Wallraff offen (von mir jedenfalls nicht).

Im Folgenden möchte ich dazu auszugsweise meine seinerzeit vorbereitete Eidesstattliche Erklärung dokumentieren.

Sie wirft nicht nur ein Licht auf Wallraff-Spezies wie Jürgen Gottschlich und unseren ehedem gemeinsamen Hausverlag „Kiepenheuer & Witsch“. Sondern vor allem auf Wallraff selbst:

EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG

(…)

Auf den Seiten 240 und 241 seines Buches, das den Titel „Der Mann, der

Günter Wallraff ist“ trägt, schreibt Gottschlich unter der Überschrift „Der

Fluch des Erfolgs – Kritik und Kritiker“ wörtlich:

„Levent Sinirlioglu war nicht der einzige ehemalige Mitstreiter am Ali-Buch, der sich anschließend über Günter Wallraff beschwerte. Vor ihm war bereits ein junger Journalist, ein ehemaliger ‚Bild‘-Mitarbeiter, der für Wallraff hin und wieder recherchiert hatte, an die Öffentlichkeit gegangen, um, wie er sagte, einen angemessenen Betrag von dem Geld, das ‚Ganz unten‘ einbrachte, zu bekommen. Er verfasste eine Schmährede auf Wallraff, die er zunächst anonym verbreitete, versuchte dann vergeblich, seine Kritik im ‚Stern‘ zu platzieren, und gab dann, kurz vor dem ‚Spiegel‘-Gespräch von Levent, einer alternativen Bremer Stadtillustrierten ein Interview. Darin beklagte er sich heftig über den Menschen Günter Wallraff und rechnete vor, dass ihm für acht Seiten, für die er im Buch mitverantwortlich gewesen sei, mindestens 500.000 Mark zustehen würden.“

Diese Behauptungen sind falsch.

Der tatsächlich zu Grunde liegende Sachverhalt im Einzelnen:

1. Zunächst suggeriert die Formulierung „junger Journalist“, dass es sich bei dem weiteren „ehemaligen Mitstreiter“ (gemeint bin ich) an dem „Ali-Buch“ (gemeint ist „Ganz unten“), der es da gewagt hatte, an Wallraff Kritik zu üben, offenbar um einen „Berufsanfänger“ gehandelt haben müsse.

Dies trifft nicht zu.

Als ich Günter Wallraff 1987 erstmals öffentlich kritisierte, war ich immerhin 28 Jahre alt und bis dahin bereits mehr als ein Jahrzehnt lang hauptberuflich journalistisch tätig. Zu meinen damaligen Auftraggebern zählten u.a. ARD, „Stern“, „Spiegel“, „Konkret“ und zahlreiche Tages- und Wochenzeitungen im In- und Ausland. In Co-Autorenschaft mit einem anderen Autor hatte ich zwei Sachbücher im Verlag „Kiepenheuer&Witsch“ mit Auflagen in jeweils fünfstelliger Höhe publiziert („Der Apparat“, 1982 und „Im Schatten des Rechts“, 1984), sowie rund ein Dutzend Buchbeiträge für weitere Verlage verfasst. Ferner war ich Autor zahlreicher Zeitschriftenreportagen und Hörfunkfeatures.

Die Formulierung „ein junger Journalist“ ist insofern bewusst irreführend.
2. Durch das weitere Prädikat „ehemaliger ‚Bild‘-Mitarbeiter“ unterstellt Gottschlich indirekt, dass „Bild“ womöglich meine journalistische Prägung ausmache oder jemals ausgemacht hätte.

Auch dies trifft nicht zu.

Richtig ist vielmehr, dass ich zwar im Alter von 16 Jahren (also zwölf Jahre vor meiner Wallraff-Kritik) kurze Zeit in der Redaktion von ‚Bild‘-Hannover hospitiert habe (zunächst zwei Monate in der Produktionsredaktion und für wenige Wochen auch als Polizeireporter.) Ich verließ die „Bild“-Zeitung jedoch bereits kurz nach meinem 17. Geburtstag im Frühjahr 1976 wieder, da ich rasch den Eindruck gewann, dass dort kein seriöser Journalismus betrieben wurde und volontierte später bei der Hamburger Zeitschrift „Konkret“. Unmittelbar nach meinem Ausscheiden bei ‚Bild‘ schrieb ich mehrere Artikel über meine persönlichen Erfahrungen mit dieser Zeitung (u.a. für „Konkret“ Heft 08/1976, Titel „Leichen beleben das Blatt“) und drehte für das ZDF einen Fernsehbeitrag, der sich kritisch mit den Methoden der Boulevardpresse auseinandersetzte (Titel: „Boulevardreporter mit 17“, ZDF Direkt 11/1976) .

Wallraff lernte ich im Herbst 1976 kurz nach Antritt meines Volontariats in der „Konkret“-Redaktion kennen.

Er bat mich, ihm für einen geplanten WDR-Fernsehfilm ein Interview zu meinen Erfahrungen bei „Bild“ zu geben, was ich tat. Ich machte ihn auch mit einem Kollegen bekannt, der – trotz seiner kritischen Haltung zu „Bild“ – damals noch als freier Mitarbeiter bei „Bild“-Hannover tätig war.

Meine Recherchen, Veröffentlichungen und Kontakte dienten Wallraff als „Eintrittskarte“ für seine eigenen Recherchen bei „Bild“, die er im darauffolgenden Frühjahr des Jahres 1977 unter dem  Tarnnamen „Hans Esser“ für das Buch „Der Aufmacher“ – an meinem früheren Schreibtisch – in der Hannover-Redaktion von „Bild“ begann.

In der Folge arbeitete ich als Rechercheur und Ghostwriter an mehreren Büchern über „Bild“ mit, die unter dem Namen Günter Wallraff erschienen -insbesondere an den beiden Titeln „Zeugen der Anklage“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1979) und „‚Bild‘-Störung“ (Konkret Literatur Verlag, 1981).

Für die Produktion von „Zeugen der Anklage“ wohnte und arbeitete ich, wie auch bei späteren gemeinsamen Projekten, mit Wallraff zusammen unter einem Dach. Ich setzte meine Kräfte für dieses Buch monatelang derart engagiert ein, dass ich bei Drucklegung mit einem Erschöpfungszustand im Krankenhaus landete. Wallraff ließ mir bei Erscheinen im Herbst 1979 ein druckfrisches Exemplar zukommen. Es trug folgende handschriftliche Widmung:

„Köln, den 22.10.79 

Lieber Uwe, schnell ein 1. Vorausexemplar zur schnelleren Genesung und erst mal herzlichen Dank für Deine ganz entscheidende Hilfe beim Zustandekommen 

dieses Buches. Alles Weitere mündlich. 

bis bald 

Dein Günter“

Auch im Text des Buches „Zeugen der Anklage“ selbst findet meine Mitarbeit

an mehreren Stellen Erwähnung, mehrere Kapitel im dritten Wallraff-Buch über „Bild“ („Bild-Störung“) gehen ebenfalls auf meine Autorenschaft zurück.

Die falsche Einordnung meiner Person als „ehemaliger ‚Bild‘-Mitarbeiter“ in Gottschlichs Wallraff-Biografie hätte folglich richtig lauten müssen:

„Ein erklärter ‚Bild‘-Kritiker und enger Mitarbeiter Wallraffs bei dessen Büchern, speziell denen über ‚Bild‘ … “

3. Weiterhin behauptet Gottschlich, ich hätte für Wallraff lediglich „hin und wieder recherchiert“. Dadurch erweckt Gottschlich den falschen Eindruck, ich wäre wohl eher selten oder nur geringfügig für Wallraff tätig geworden – und dies auch allenfalls nur als Rechercheur, nicht als Ghostwriter oder Co-Autor.

Auch diese Behauptung ist falsch.

Richtig ist dagegen, dass Wallraff mich allein im Jahr 1985 für mehr als acht  Monate als Rechercheur und Ghostwriter engagierte. Zu diesem Zweck hielt ich mich erneut bei Wallraff in Köln-Ehrenfeld auf.

Ich erhielt für meine Tätigkeit am Buch „Ganz unten“ zunächst eine geringe  Aufwandsentschädigung von 800 DM/Monat. Es war vereinbart, nach Fertigstellung des Gesamtmanuskripts das Co-Autorenhonorar anteilig festzulegen und die Kapitel entsprechend zu kennzeichnen.

Zu meinem Erstaunen teilte mir Wallraff jedoch bei unserem diesbezüglichen Gespräch kurz vor Drucklegung des Buches mit, dass angeblich keine Texte von mir für das Buch vorgesehen seien, „höchstens eine halbe Seite.“
Daraufhin vereinbarten wir lediglich ein Honorar für meine reinen Rechercheleistungen für das Buch. Dieses betrug zunächst 30.000 DM.

Das Buch „Ganz unten“ erschien Ende Oktober 1985.

Diesmal erhielt ich kein Belegexemplar. Ich kaufte mir das Buch wie jedermann im Buchhandel und stellte zu meinem weiteren Erstaunen fest,  dass Wallraff – trotz gegenteilig geäußerter Absicht – sehr wohl auf Texte aus meiner Feder zurückgegriffen hatte, und zwar in ganz erheblichem Umfang.

Wallraff hatte sich dabei nicht nur bei Texten bedient, die ich speziell für

„Ganz unten“ verfasst hatte. Er machte sich zusätzlich sogar frühere Veröffentlichungen von mir zu eigen – ebenfalls ohne jede vorherige Absprache.

Als ich Wallraff daraufhin zur Rede stellen wollte, ließ er sich monatelang verleugnen und verschanzte sich hinter seinem Anwalt Heinrich Hannover.Außer für das Buch „Ganz unten“ bediente sich Wallraff übrigens später auch für weitere „seiner“ Werke aus meinen Texten und gab sich jeweils als Autor aus. Dies betrifft insbesondere die beiden Bücher „Was wollt ihr denn, ihr lebt ja noch – Chronik einer Industrieansiedlung“ (Heyne, aktualisierte Auflage Dezember 1985) und „Enthüllungen“ (Steidl, 1992,1994.)

4. Gottschlich suggeriert weiter, dass ich mit meiner späteren öffentlichen

Kritik an Günter Wallraff im Jahr 1987 die Absicht verbunden hätte, (unberechtigte) Honorarforderungen gegenüber Wallraff durchzusetzen.

Auch diese Behauptung ist falsch.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meiner Kritik im Jahr 1987 bestanden von meiner Seite keinerlei Forderungen mehr gegenüber Wallraff aus meiner Ghostwriter-Tätigkeit für „Ganz unten“.

Ich hatte bereits im Frühjahr 1986 ein insgesamt sechsstelliges Honorar für meinen Anteil an „Ganz unten“ mit Wallraff nachverhandelt (und zu diesem Zeitpunkt überwiegend auch erhalten), zugleich schriftlich auf weitere Ansprüche an dem Buch verzichtet.

Erst zehn Jahre später, im Jahr 1996, ließ ich erneut mögliche Ansprüche an „Ganz unten“ prüfen, da zu diesem Zeitpunkt offenbar wurde, dass Wallraff wesentlich mehr Erträgnisse aus „Ganz unten“ erzielt hatte als bis dahin bekannt war und das Urheberrecht in solchen Fällen unter bestimmten Umständen Nachforderungen – auch bei zuvor erklärtem Verzicht – vorsieht.

Anlass meiner öffentlichen Kritik an Wallraff im Jahr 1987 war jedoch einzig die massive Täuschung der Wallraff-Leser in der Frage des tatsächlichen Zustandekommens und der wahren Urheberschaft seiner Bücher.

5. Weiterhin behauptet Gottschlich, ich hätte lediglich eine Mitwirkung an acht Buchseiten bei „Ganz unten“ für mich reklamiert.

Auch diese Behauptung ist falsch.

Meine Texte finden sich auf insgesamt 40 (in Worten: vierzig) Seiten von sieben Buchkapiteln im Buch „Ganz unten“ wieder. Bezogen auf die deutsche Erstausgabe handelt es sich dabei um die Seiten 48, 49, 116, 117, 118, 138, 139, 140, 141, 148, 149, 195, 196, 197, 198, 199, 200, 201, 202, 204, 205, 208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215, 216, 220, 221, 222, 223, 239, 240, 241, 242, 243 und 244.

Meine Texte wurden durch Wallraff an mehreren Stellen durch Einschübe ergänzt, in denen den Lesern der falsche Eindruck vermittelt wird, die zugeordneten Kapitel und Passagen stammten von ihm selbst.

Abzüglich dieser Einschübe, sowie einiger Leerstellen des Buches bei Kapitelübergängen, ergibt sich für mich ein Netto-Urheberanteil von ca. 28-30 Buchseiten an „Ganz unten.“

Über meine „reine“ Urheberschaft als Autor hinaus sind jedoch noch weitere Kapitel inhaltlich und konzeptionell ganz wesentlich von meiner Leistung abhängig.

Dies gilt insbesondere für das Kapitel „Der Auftrag“ – zugleich der Höhepunkt des Buches.

Dieses Kapitel wäre ohne meine verdeckten Recherchen bei dem Duisburger Menschenhändler Vogel (im Buch „Adler“) nicht denkbar gewesen.

Der Kernpunkt dieses Kapitels war die Frage, ob Vogel wohl gegen Geld Arbeiter für einen „tödlichen Reparaturjob“ in einem AKW „ausleihen“ würde. Diese Recherche habe ich in der Rolle des „AKW-Ingenieurs Hansen“ durchgeführt.

Hierfür gewann ich das Vertrauen Vogels vor allem deshalb, weil ich mit den Verhältnissen in deutschen AKWs bestens vertraut war – als Einziger im damals ca. 30-köpfigen Wallraff-Team.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits jahrelang zu diesem Thema recherchiert und dabei zahlreiche Mitarbeiter von Atomkraftwerken befragt. Außerdem hatte ich mich selbst im Kernkraftwerk Würgassen, dem damals ältesten und anfälligsten deutschen AKW, während zwei stark radioaktiven Reparaturphasen umgesehen.

Meine erste längere Reportage über die Strahlengefahr, der Mitarbeiter von AKWs – insbesondere auch ausländische Leiharbeiter – ausgesetzt sind, erschien bereits 1983, also zwei Jahre vor „Ganz unten“, als Hörfunkreport bei Radio Bremen („Saubere Sache: Arbeitsplatz Atomkraftwerke – ein tödliches Risiko?“, RB Sendung v. 30.11.1983, 1.Programm, 20-21.00h).

Weitere Features von mir zu diesem Thema sendeten u.a. SFB und WDR.

Auf Basis dieser ARD-Produktionen brachte der Frankfurter Verlag „Network“ ein Hörbuch zu diesem Thema heraus („Strahlenfutter – Atomkraftwerke von innen“, 1984, Bestell-Nr. 50.309, DM 16,80).

Wenige Monate vor Erscheinen von „Ganz unten“, druckte schließlich die „taz“, zu deren Mitgründern und Korrespondenten Jürgen Gottschlich zählt, auf zwei ganzen Seiten Ausschnitte aus diesem Hörbuch („Taz“ v. 22.04.1985, Titelseite und Seiten 11 und 12 im Innenteil).

Wallraff bediente sich – ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung – aus eben diesem Material von ARD, „Network“ und „taz“ und montierte daraus das Kapitel „Die Strahlung“ für sein Buch „Ganz unten“ (S. 208-216, dt. Erstausgabe).

Wallraffs einziger eigener Beitrag in diesem Kapitel besteht aus einem kurzen Vorspann auf den Seiten 206 und 207, in dem er „seinen“ Lesern suggeriert, er selbst habe die im Buch auf den folgenden neun Seiten abgedruckten Statements von AKW-Mitarbeitern zu ihren oft gefährlichen Arbeitsbedingungen recherchiert. In dem Kapitel steckt jedoch der Extrakt meiner journalistischen Arbeit aus insgesamt zwei Jahren, die sich Wallraff über Nacht ohne mein Wissen und meine Zustimmung zu eigen gemacht hat.

Zählt man die von mir verfassten und – zusätzlich – die unmittelbar von meinen Recherchen abhängigen Kapitel zusammen, müsste Wallraff summa summarum mindestens 80 Seiten von „Ganz unten“ streichen, wollte er nachträglich auf meine Mitwirkung verzichten. Das entspricht etwa einem Drittel der deutschen Erstausgabe.

Da sich Wallraff jedem Klärungsversuch in dieser Sache entzog und auch mehrere später gegebene Zusagen, meine Texte im Buch „Ganz unten“ doch noch kennzeichnen zu wollen, nicht einhielt, entschloss ich mich, das Bild des „Einzelkämpfers Wallraff“ einmal in einem Artikel zurechtzurücken.

Ich beschrieb darin erstmals, wie für Wallraffs erfolgreichste Bücher

– offene wie verdeckte Recherchen von mehreren „Wallraffs“ durchgeführt wurden anstatt allein von ihm

– die Texte selbst ebenfalls von mehreren Autoren stammen

– die Bücher insgesamt in Teamarbeit entstanden sind

Ferner berichtete ich darüber

– dass unsere Informanten ihr Vertrauen oft nicht Wallraff schenken mochten, sondern anderen erfahrenen Interview-Autoren (z.B. mir)

– wie Wallraff mehrfach gegen das Gebot des Informantenschutzes verstieß, wenn es in seinem persönlichen Interesse lag

– dass nicht Wallraff, wie er stets behauptet, allein „den Kopf“ für die Inhalte der Bücher „hinhielt“, sondern vor allem Mitarbeiter wie ich, die vor Gericht letztlich als Zeugen gefragt waren.

Allzu Persönliches oder gar private Dinge über Wallraff verriet ich dagegen in meiner öffentlichen Kritik nicht.

Insofern ist die Bezeichnung meines Artikels als „Schmährede“ ebenfalls unzutreffend (auch, wenn dieser Begriff seit Émile Zola, der Affäre Dreyfuß und all den „Schmähreden“, die von den Nazis ebenso wie von der SED gefürchtet waren, eigentlich einen recht guten Klang hat).

Um bei alledem der nicht zu leugnenden humanitären Botschaft des Buches, die stets Antriebsfeder aller Mitarbeiter im Wallraff-Team war, nicht zu schaden, wartete ich mit der Veröffentlichung meines Wallraff-kritischen Artikels fast zwei Jahre, bis annähernd drei Millionen Exemplare von „Ganz unten“ verkauft waren und die Diskussion über den Inhalt – das Thema Ausländerdiskriminierung in Deutschland – wieder etwas abebbte.
6. Anders als von Gottschlich ebenfalls falsch behauptet, habe ich meinen Artikel mit dem Titel „Bei Ali ganz unten“ über das Zustandekommen von „Ganz unten“ niemals „anonym“ angeboten, sondern ausnahmslos unter meinem Namen.

Der „Stern“ verzichtete damals auch nicht deshalb auf einen Abdruck, weil er womöglich vom Wahrheitsgehalt meines Artikels nicht überzeugt gewesen wäre – sondern einzig darum, weil Wallraff mit einerUnterlassungsklage drohte.

7. Gottschlich behauptet weiterhin falsch, anstelle meines Artikels sei lediglich ein „Interview“ in einer „alternativen Bremer Stadtillustrierten“ mit mir gedruckt worden, darüber hinaus – so suggeriert der Wallraff-Biograf – hätte mein Artikel damals keine Öffentlichkeit gefunden.

Auch diese Behauptung ist falsch.

Der Artikel erschien ungekürzt u.a. in der Stadtillustrierten „Bremer“, der „Kölner Stadtrevue“ und einer weiteren Stadtillustrierten in Würzburg. Meine Kritik wurde darüber hinaus u.a. vom „Spiegel“, dem „Zürcher Tages-Anzeiger“, der „Basler Zeitung“ und weiteren Medien im In- und Ausland zitiert, darunter auch der „taz“ .. wenn auch nicht immer korrekt.

Die Befürchtungen des „Stern“ haben sich übrigens bislang nicht bestätigt:

Eine Klage Wallraffs gegen den Inhalt des Artikels und meine Kritik an  seinen internen Methoden steht bis heute aus.

Abschließend versichere ich, dass alle Angaben in dieser eidesstattlichen Erklärung nach bestem Wissen und Gewissen erfolgt sind …

—-

Nachtrag: Jürgen Gottschlich war beileibe nicht der einzige, der seit meiner öffentlichen Kritik an Wallraff versucht hat, mich wider besseren Wissens mit allerlei Unfug zu verleumden. Und auch bei „Kiepenheuer & Witsch“ weiß man es natürlich besser.

Wallraffs Anwalt steht übrigens nach Presseberichten als „Sprecher“ in Diensten der Firma „DigiTask“. „DigiTask“? Ja, genau. Das ist ein Spezialunternehmen, das vor einiger Zeit durch den sogenannten „Bundestrojaner“ Schlagzeilen machte – eine Virensoftware, die von BND und anderen Geheimdiensten dieser Welt genutzt wird, um heimlich Computer auszuspähen.

Was aber hat Wallraff mit einem Anwalt zu tun, der – zumindest indirekt – mit dem BND und anderen Geheimdiensten kooperiert?

Auch das sollte man Wallraff mal fragen. Er hat sicherlich eine plausible Erklärung dafür. Wie fast immer in solchen Fällen.

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35 Kommentare zu “Mobbing à la Wallraff oder „ … bis bald, Dein Günter“

  • #1
    Mit-Leser

    SPIEGEL: Sie meinen den Bremer Journalisten, der für sich in Anspruch nimmt, 28 Seiten von „Ganz unten“ geschrieben zu haben?

    SINIRLIOGLU: Ja, wir Türken haben Uwe Herzog immer den „kleinen Wallraff“ genannt, weil er den Meister bis in die Gestik nachgeahmt hat. Wir türkischen Mitarbeiter wußten von vornherein, daß wir nicht zum eigenen Ruhm dabei sein würden. Mein Gott, wer da was herausgefunden hat, ist doch wirklich egal, das Ergebnis ist entscheidend. Nebenbei gesagt: an Herzogs Stelle wäre ich zurückhaltender. Wenn er frühmorgens aus der Kneipe kam, machte sich Wallraff auf den Weg ins Thyssen-Werk.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13524442.html

  • #2
    Mit-Leser

    @Herzog: Das obige Spiegel-Zitat ist natürlich etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Ich wollte damit nur aufzeigen, dass nicht nur über Wallraff schmutzige Wäsche gewaschen wird. Sie können es aber gern wieder löschen.

    Ich bin der Meinung, dass bei einem Werk vor allem zwei Dinge maßgeblich sind: Die Idee und die Leitung der Umsetzung.

    Ich möchte Ihre Rolle an dem Entstehungsprozess nicht klein reden, aber Sie wurden dafür gebucht Wallraff als Ghostwriter/Zuarbeiter zu unterstützen. Ich denke, dass Sie sehr gute Arbeit geleistet haben, hinterher die Verhältnisse zu kritisieren, auf die sich selbst eingelassen haben, erscheint mir immer etwas… schwierig.

  • #3
    Uwe Herzog

    @Mit-Leser: Kurz zum Inhalt von Levents Aussage im „Spiegel“:

    1. Levent war viel zu selten in Köln, um beurteilen zu können, wann ich „aus der Kneipe“ kam.

    Tatsächlich waren wir alle nahezu ohne Privatleben für Wallraff im Einsatz.

    15-18 Stunden Schichten? Die gibt es nicht nur bei Paketdiensten.

    Auch Wallraff forderte von seinen Mitarbeitern eine pausenlose Verfügbarkeit, fast bis zur Selbstaufgabe. Meine „Schichten“ bei Wallraff reichten fast immer von morgens bis weit nach Mitternacht. Danach irgendwo einen Happen Essen, ein paar Stunden Schlaf, weiter ging’s. Wochenenden und Feiertage eingeschlossen.

    2. Wallraff verstand es sehr gut, zwischen seinen Mitarbeitern Misstrauen, Missgunst und Neid zu säen.

    Als auch Levent, der ihm Namen und Pass lieh, nach Erscheinen von „Ganz unten“ über den Tisch gezogen wurde, hatte er das Gefühl, dass die deutschen Mitarbeiter bevorzugt wurden. Wahrscheinlich war es so.

    3. Was Wallraffs Gestik angeht:

    Wir hatten mal eine größere Besprechung in Wallraffs berühmter „Konferenz-Küche“ in Köln, auch Levent war dabei. Mehrere von uns versuchten damals, sich das Rauchen abzugewöhnen. Auf dem Tisch standen ein paar Zahnstocher. Irgendwie war die Situation sehr angespannt und Günter, Jörg Gfrörer und ich kauten plötzlich gleichzeitig auf den Hölzchen herum. Levent hat das gut beobachtet.

    Was den „Spiegel“ angeht:

    Das Blatt hatte damals den Vorabdruck zu „Ganz unten“ gebracht.

    Nun fiel die Kritik an Wallraffs eigenen Methoden auch ein wenig auf die Redaktion zurück.

    Da zogen es die feinen Kollegen aus der Kulturredaktion vor, lieber ein bisschen um den heißen Brei herumzuschreiben und dabei reichlich „schmutzige Wäsche“ zu waschen.

    Wer zum Beispiel einen Satz schreibt wie …

    „Sie meinen den Bremer Journalisten, der für sich Anspruch nimmt, 28 Seiten von ‚Ganz unten‘ geschrieben zu haben?“

    … sollte wenigstens auch mal recherchieren und beschreiben, um welche Seiten es eigentlich ging.

    Der „Spiegel“ hat zwar Levent ausführlich zu meiner Gestik befragt. Aber mich nie nach Wallraff. Bis heute nicht.

  • #4
    Uwe Herzog

    @Mit-Leser: „… hinterher die Verhältnisse zu kritisieren, auf die sich selbst eingelassen haben, erscheint mir immer etwas… schwierig“.

    Und was ist mit Bäckereiarbeitern, die sich an heißen Blechen verbrennen? Mit Postfahrern, die sich kaputtschleppen? Mit Bauarbeitern, die ohne Krankenversicherung malochen? Oder mit Schweißern, die marode Atomkraftwerke reparieren?

    Die sollten wohl auch alle wissen, „worauf sie sich eingelassen“ haben, nicht wahr?

    Nein. Auch Wallraff muss sich Kritik gefallen lassen, wenn es dafür Anlass gibt. Und den gibt es nun mal reichlich.

  • #5
    Uwe Herzog

    @Mit-Leser: … und wenn Sie Levent schon zitieren, dann bitte gern etwas ausführlicher:

    SPIEGEL: Herr Sinirlioglu, Sie sind der Türke (Ali), der dem Ermittlungsautor Günter Wallraff für dessen nicht ungefährliche Recherchen zum Buch „Ganz unten“ den Namen lieh. So hat es Wallraff in einer Dankadresse seines Buches selber millionenfach verbreitet. Die konspirative Beziehung zwischen Ihnen beiden war so eng, daß Wallraff sie in einer türkischen Tageszeitung eine „siamesische Zwillingsgeschichte“ genannt hat. Wie denken Sie heute über ihren „Zwillingsbruder“ Wallraff?

    SINIRLIOGLU: Günter Wallraff ist ein Mann mit einem Doppelgesicht. Wo bei ihm das Geschäft aufhört und das politische Engagement anfängt, ist mir inzwischen schleierhaft.

    (…)

    Nach dem Erfolg des Buches habe ich Wallraff nur noch als Institution erlebt, die sich vor ihrer politischen Verantwortung davonstehlen wollte und mit den engsten Mitarbeitern ein übles Spiel trieb.

    SPIEGEL: Als Firma Enthüllung und Co.?

    SINIRLIOGLU: Als die Firma Enthüllung ohne Co.! Denn daß er Mitarbeiter hatte, wußte er plötzlich nicht mehr. Und die, die ihr Recht von ihm verlangten, hat er auf seine Weise genauso willkürlich behandelt, wie es auch der Leiharbeiterchef Vogel getan hat. Die meisten haben dabei den Durchblick verloren, wofür die Institution Wallraff eigentlich stand: für politische Aufklärung und soziale Gerechtigkeit oder für schräge Geschäfte?

    SPIEGEL: Was meinen Sie damit?

    SINIRLIOGLU: Sprechen wir zunächst über sein Verhalten in Geldangelegenheiten. Wallraff präsentiert sich in der Öffentlichkeit als ein Verfechter der Gleichheit und Demokratie, aber ungleicher und undemokratischer als er kann man seine Mitarbeiter nicht behandeln. Er verdiente mit seinem Buch über acht Millionen, wir wurden zur Verwendung des Geldes nicht befragt. Und die Bezahlung seiner Leute regelte Wallraff wie jeder andere Chef, der billig davonkommen will.

    SPIEGEL: Wieviel haben Sie bekommen?

    SINIRLIOGLU: Unter den Türken war ich der Großverdiener. Insgesamt habe ich von Wallraff 20000 Mark Arbeitslohn bekommen. Als er mir allerdings irgendwann während der Arbeit am Buch beim Auszahlen meines Lohns die Frage stellte, ob ich vielleicht einige Wochenendfahrten zu meiner Familie nach Hamburg dazu genutzt hätte, mir durch Taxifahren einen zusätzlichen Verdienst zu verschaffen, habe ich ihm die Scheine auf den Tisch geknallt.

    SPIEGEL: Worauf wollte er Ihrer Meinung nach mit der Frage hinaus?

    SINIRLIOGLU: Er dachte wohl, wenn ich mir am Wochenende auf andere Weise Geld verdiente, wonach mir damals übrigens nicht der Sinn stand, könnte er mir das vom Lohn abziehen.

    SPIEGEL: Hätten Sie die Methoden der Firma Wallraff nicht früher erkennen und Ihre Mitarbeit aufkündigen können?

    SINIRLIOGLU: Wir haben uns aus politischer Überzeugung an dem Unternehmen beteiligt. Diese Überzeugung nutzte Wallraff aus, indem er uns, wenn es an die Bezahlung ging, immer wieder an die „Sache“ erinnerte. Das hat auch mich für die Tricks der Firma Wallraff lange blind gemacht. Während aber Wallraff mit der „gemeinsamen Sache“ seine Taschen füllte, stehen viele von uns nach wie vor auf dem Sozialamt und sind zur Schwarzarbeit gezwungen.

  • #6
    Uwe Herzog

    Ein besonders eklatantes Beispiel dafür, mit welcher Rücksichtslosigkeit Wallraff seine eigenen (PR-)Interessen vertritt, ist u.a. auch der derzeit vom Tode bedrohte iranische Musiker Shahin Najafi.

    Wallraff hätte nie herumposaunen dürfen, dass er Shahin Najafi bei sich versteckt. Wenn man es wirklich ernst meint, redet man nicht darüber. Sondern tut es einfach.

    Jetzt aber haben fundamentalistische Kopfgeldjäger reichlich Anhaltspunkte, wo sie nach Najafi suchen müssen (nämlich in einem von Wallraffs Häusern oder zumindest in dessen Umfeld).

    Spätetens seit seiner Rushdie-Aktion musste Wallraff aber davon ausgehen, vom iranischen Geheimdienst und Extremisten ausgespäht zu werden.

    Najafi ist deshalb bei Wallraff wohl kaum sicher. Und das hat er Wallraff selbst zu verdanken, der nicht müde wird, sich in der Angelegenheit wichztig zu machen:

    http://www.stern.de/politik/ausland/vier-todesdekrete-gegem-shahin-najafi-guenter-wallraff-unterstuetzt-iranischen-rapper-1838677.html

    Mit einem Wort:

    Wallraff ist – auch in diesem Fall – die eigene PR und der Selbstnutz wichtiger als der Schutz und das Leben von denen, die auf seine Unterstützung zählen.

    Mir persönlich stellen sich dazu viele Fragen, denn mich bewegt das Schicksal von Shihin Najafi (und anderen) sehr:

    Wie denkt Rushdie eigentlich im Rückblick über die PR-Show, die Wallraff bereits in den 90er Jahren mit ihm hier in Köln veranstaltet hat, als er Rushdie „bei sich versteckte“?

    Was sagen die – zeitweise bis zu 200 – Polizisten, die damals mit Millionenaufwand an Steuergeldern im Einsatz waren, letztlich nur, um um Wallraff in die Schlagzeilen zu bringen?

    Und: Wer versteckt sich derzeit eigentlich hinter wem?

    Ein von der Fatwa verfolgter Musiker hinter Wallraff?

    Oder vielmehr ein massiv in die Kritik geratener Wallraff hinter seiner vermeintlich humanitären Hilfe für den jungen iranischen Rapper?

  • #7
    Mir

    Wollen Sie am Egozentrik von Wallraff kratzen Uwe Herzog? Rache?

    Ich denke sie waren genug Profi um zu wissen was sie damals intern vertraglich unterschrieben bzw. zugesichert haben.
    Mein Weltbild ist nicht erschüttert, wahrer werden die Aussagen jetzt nun auch nicht.

    Sich mit gefährlichen Fundis anlegen ist nicht jedermanns Sache. Klar braucht der Musiker hier Öffentlichkeit.

  • #8
    Uwe Herzog

    @MIR

    Richtig. Shahin Najafi braucht Öffentlichkeit. Aber keine Geschäftemacherei auf seinem Rücken.

  • #9
    Stefan Laurin

    @Uwe Herzog: Wallraff bei seinem Engagement für Shahin Najafi Geschäftemacherei zu unterstellen finde ich eine Frechheit.

  • #10
    Uwe Herzog

    @Sefan Laurin:

    Hätte Wallraff sich nicht damit gebrüstet, Najafi bei sich zu verstecken, wäre alles ok.

    Wozu war das gut?

    Wallraff hätte sich doch auch ohne diese billige Reklame für sich selbst für Najafi einsetzen können.

    Nur: Jede Schlagzeile, mit der Wallraff sich selbst auf Shahin Najafis Kosten wichtig macht, treibt Wallraffs eigene Auflagen und seinen Marktwert nach oben. Und bringt Najafi weiter in Gefahr.

    Das ist allerdings eine Frechheit.

  • #11
    Stefan Laurin

    @Uwe Herzog : Ich kenne das Interview mit Wallraff. Er hat sich nicht „gebrüstet“ sondern ganz normal auf eine Frage geantwortet.

  • #12
    Uwe Herzog

    @Stefan Laurin:

    Es gibt inzwischen zig Interviews, die Wallraff in diesem Zusammenhang gegeben hat. Eine PR-Masche. Genau wie damals die Rushdie-Aktion.

    Die „Süddeutsche“ nannte Wallraffs Tour zurecht „Gratismut mit falschen Bärten“:

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/wallraffs-rushdie-lesung-in-moschee-gratis-mut-mit-falschen-baerten-1.806586

  • #13
    Stefan Laurin

    @Uwe Herzog: Die Süddeutsche fordert ja auch Toleranz gegenüber „guten“ Salafisten.

  • #14
    Uwe Herzog

    @Stefan Laurin:

    Ich fordere, Leute nicht in Gefahr zu bringen. Was Wallraff de facto tut, wenn er öffentlich macht, dass Najafi sich bei ihm aufhält.

  • #15
    Helmut Junge

    @Uwe Herzog,
    Ich werde aus Ihrem Artikel nicht schlau.
    Sehen Sie sich als schlecht bezahlten Ghostwriter, oder fühlen Sie sich, als um seine Rechte als Koautor geprellter Kollege Wallraffs?
    Wenn ich richtig mitgezählt habe, sind Sie mit Wallraff über viele Jahre immer wieder neue Verträge eingegangen, obwohl sie dabei jedesmal um Ihren gerechten Anteil geprellt worden sein wollen. Immer und immer wieder.
    Das sind aber zivilrechtliche Fragen, die nur vor einem Zivilgericht geklärt werden können. Dazu muß aber ein beweiskräftiges Dokument vorliegen.
    Nebenbei erscheinen mir die Summen, die sie von Wallraff ausgezahlt bekamen, zumindest aus meiner Sicht, beträchtlich.

    Weil Sie sich aber nicht an ein Zivilgericht, sondern an uns Leser der Ruhbarone wenden, vermute ich, dass Sie sich als Koautor fühlen, dem die Koautorenschaft verweigert wurde, und dass Sie uns das mitteilen wollen. Wir könnten dann, schwierig genug, auch ohne Kenntnis der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Ihnen und Wallraff, rein nach unserem Gerechtigkeitssinn, eine moralische Bewertung abgeben.
    Falls das der Fall sein sollte, stellt sich mir Laien die Frage, ob es üblich ist, dass der eine Koautor dem anderen Koautoren vorab Geld für dessen geleistete Mitarbeit gibt, selbst aber das Risiko dafür trägt, auf dem Manuskript sitzen zu bleiben.
    Wenn also Vorabzahlungen an Koautoren in dieser Branche üblich sind, stellt sich mir spontan die Frage, wieviel Geld Sie dann an Wallraff vorab für dessen Leistung am gemeinsamen Buch, abgedrückt haben.

  • #16
    Uwe Herzog

    @Helmut Junge:

    Es geht hier nicht um irgendwelche Verträge. Es geht um Wallraffs Umgang mit der Wahrheit. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

    Wenn Sie aus meinem Artikel „nicht schlau“ werden, vermute ich, dass es daran liegt, dass es Ihnen um etwas anderes geht.

  • #17
    Helmut Junge

    @Uwe Herzog,
    Sie sagen, dass es um die Glaubwürdigkeit geht.
    „Es geht um Wallraffs Umgang mit der Wahrheit. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.“
    Da aber denke ich, dass diese mich nur im Zusammenhang mit seinen Enthüllungen interessiert.
    Was meinen Sie? Ist an seinen Geschichten nichts dran?
    Sind die Arbeitsplätze alle ok gewesen?

  • #18
    Uwe Herzog

    @Mit-Leser, MIR, Helmut Junge:

    Ich kenne all diese Scheinargumente nur zu gut …

    Sie lenken vom Thema ab.

    Fakt ist:

    Bei keinem anderen Journalisten, Schriftsteller oder irgendwie sonst Kulturschaffenden klaffen Anspruch und Wirklichkeit so sehr auseinander wie bei Wallraff.

    Gleiches gilt für seine Anhänger:

    Die Empörung kann nicht groß genug sein, wenn wieder mal ein Wallraff(?)Text „enthüllt“, dass es verdammt vielen Menschen verdammt schlecht geht. Und einige wenige davon in unverschämter Weise profitieren.

    Nur … bei Wallraff selbst? Da ist plötzlich alles ganz anders.

    Da werden seine Fans geradezu spitzfindig, wenn es darum geht, die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu verschleiern:

    Da wird erst einmal seine Strahlkraft als „Ideengeber“ gelobt (pardon, aber die Rolle als Türke hat Wallraff von Gerd Kromschröder geklaut, die Idee, über Paketzusteller zu berichten, hatte vor Wallraff Reinhard Schädler, bei „Bild“ und in AKWs hatte ich zuerst recherchiert usw).

    Dann kommt Wallraff als „Leiter“ aufs Podest. Stimmt, die Verhandlungen mit Verlagen und Medien führt er gern selbst. Aber für seine größten Projekte – da konnte er auf Projektmanager wie mich zurückgreifen, die mit viel Erfahrung, Kreativität und innerer Überzeugung all das aus Wallraff gemacht haben, was er heute vorgibt, zu sein.

    Last but not least: Der arme Unternehmer Wallraff! Er musste schließlich investieren, das Risiko tragen, oh je!

    In meinem Fall betrug die Vorleistung, wie bereits erwähnt, zunächst läpische 800 Mark im Monat – weit weniger als der Aufwand, den ich hatte. Dorlies, Wallraffs damalige Frau, durfte ihre journalistische Erfahrung erst mal kostenlos einbringen. Levent malochte und recherchierte bei Thyssen für einen Taxifahrerlohn. Frank Berger wurde von der Stasi abgestellt, um das Projekt mit Mitteln der des Minisiteriums der Staatssicherheit der DDR zu unterstützen (das ist der Laden, der Kinder in den Knast brachte, weil Sie Ulbricht auf Plakaten einen grünen Bart gemalt haben).

    Also, mit Vorleistung von Wallraff war da nicht viel. WIR gaben die Vorleistung.

    Gar Geld von uns? Soll ich lachen? Hätte Wallraff auch gar nicht nötig gehabt. Wallraff war schon immer stinkreich. Mehrfacher Immobilienbesitzer. Mehrfacher Millionär. Auch als nach „Ganz unten“ zwanzig Jahre lang fast gar nichts bei ihm lief, blieb die Kasse gut gefüllt. Wir, die vielen „kleinen Wallraffs“, wir haben ihn reich gemacht. Und das hätten wir sogar gern getan.

    Aber Wallraff log und betrog, was das Zeug hielt, als die Galeere in den sicheren Hafen einlief.

    Alle Mann von Bord. In alle Winde zerstreut.

    Zeit für Wallraff, den roten Teppich zu betreten und die Entdeckung Amerikas, pardon, der Sklaverei zu verkünden und sich an den Tischen derer „da oben“ mit „seinen“ Heldentaten von „ganz unten“ zu brüsten. Das Bildungsbürgertum war amüsiert. Bis heute.

    Ja, sicher. Ehre, wem Ehre gebührt. Und wer nun mal keine Anteile an dem Schiff vorweisen kann (das nach meiner heutigen Überzeugung seinen Heimathafen letztlich in Ost-Berlin hatte), also all die „Domestiken“ und „Wasserträger“, wie der „Spiegel“ uns Wallraff’sche Galeerensträflinge 1987 ernsthaft nannte, der soll gefälligst die Klappe halten, nicht wahr?

    Ich denke nicht daran.

    Denn Wallraff ist, wie Levent richtig sagt, eine Institution. Eine, die für Aufrichtigkeit steht, dabei aber das Gegenteil betreibt.

    Das ist schlimmer als die gewöhnlichen Lügen.

    Es ist der Verrat an all den jungen Leuten, die heute noch oder wieder an Wallraff glauben – so wie ich es tat als ich jung war. Und es ist der Verrat an all den Verzweifelten, die in „seinen“ Büchern vorkommen, aber zu nichts anderem dienen als dazu, ihm die Taschen noch mehr zu füllen und ihn noch heldenhafter erscheinen zu lassen als dieser falsche Fünfziger ohnehin schon glänzt.

    Wer Wallraff bei alledem die Stange hält, muss wissen, was er tut.

  • #19
    Arnold Voss

    @ Uwe Herzog

    Wie konnten sie, wenn sie so wenig von einem Menschen halten wie von Wallraff, mit eben diesem Menschen über mehrere Jahre immer wieder neue Verträge abschließen? Wie konnten sie mit einem Menschen immer wieder zusammenarbeiten, der nach ihrer Ansicht systematisch lügt und betrügt?

  • #20
  • #21
    lebowski

    Mal von Ihren Zickenkrieg abgesehen. Wo ist eigentlich der Witz bei diesen ganzen Enthüllungen von Wallraff (und seiner Mitstreiter)? Wallraff „enthüllt“ seit vierzig Jahren Sachen, die ohnehin offen auf dem Teller liegen.
    Um zu wissen, dass es in der Leiharbeitsbranche sch.. ist, brauche ich keinen Günther Wallraff oder Uwe Herzog. Ich erlebe das selber jeden Tag ..live.
    Blöderweise können andere nach zwei Monaten kein Buch darüber schreiben und sich dumm und dämlich verdienen.
    Um zu wissen, dass in der Bild-Zeitung kein Topjournalismus geboten wird, muss man nur einmal einen flüchtigen blick auf die Titelseite werfen.

    Und welches Enthüllungsprojekt steht als Nächstes an? Ich schlage vor, sie arbeiten undercover in Fleischfabriken. Da soll angeblich mit toten Tieren gearbeitet werden.

  • #22
    lebowski

    Und was das Recherchieren im Paketzusteller-Milieu angeht, gab es da schon vor ca. einem Jahr einen hervorragenden Beitrag:

    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/7836004_ard-exclusiv-das-hermes-prinzip-ein-milliardaer

  • #23
    Uwe Herzog

    @LEBOWSKI: „Wallraff “enthüllt” seit vierzig Jahren Sachen, die ohnehin offen auf dem Teller liegen. Um zu wissen, dass es in der Leiharbeitsbranche sch.. ist, brauche ich keinen Günther Wallraff oder Uwe Herzog. Ich erlebe das selber jeden Tag ..live.“

    Gut gesagt. Sehe ich heute auch so. Und danke für den TV-Tipp.

  • #24
    Uwe Herzog

    @ARNOLD VOSS: „Wie konnten sie, wenn sie so wenig von einem Menschen halten wie von Wallraff, mit eben diesem Menschen über mehrere Jahre immer wieder neue Verträge abschließen? Wie konnten sie mit einem Menschen immer wieder zusammenarbeiten, der nach ihrer Ansicht systematisch lügt und betrügt?“

    Kann ich Ihnen sagen:

    Es war in den ersten Jahren einfach nicht so gravierend. Alle, die von Wallraffs „Übergriffen“ betroffen waren, versuchten lange, es als kleine Sünden abzutun und die „gute Sache“ zu sehen (siehe Levent).

    Dann, im Sommer 1985, verstarb Heinrich Böll (mit dessen Nichte Wallraff früher mal verheiratet war.)

    Böll war nicht nur in aller Welt eine moralische Instanz, er war auch ein soziales und moralisches Korrektiv für Wallraff.

    Nach Bölls Tod ließ Wallraff die Sau raus.

    Das war einfach zu viel des Guten.

    Nicht nur für mich. Auch Dorlies, Wallraffs zweite Frau, ließ sich kurz nach Erscheinen von „Ganz unten“ von ihm scheiden. Auch sie hat nach meinem Eindruck unter seinem Verhalten „als Mensch“ gelitten.

    So geht es im Leben.

  • #25
    Arnold Voss

    @ Uwe Herzog

    Habe ich das jetzt richtig verstanden? Während sie noch mit ihm zusammen gearbeitet haben,war es gar nicht so schlimm? Richtig enttäuscht waren sie erst danach?

    Dann verstehe ich allerdings die ganze Aufregung hier nicht.

  • #26
    Mir

    @ 22 lebowski
    Presse- und Meinungsvielfalt zu einem Thema hat noch nie geschadet.

  • #27
    Uwe Herzog

    @Arnold Voss:

    Wurde alles bereits ausführlich von mir geschildert. Auch Levent beschreibt die damaligen Probleme mit Wallraff sehr treffend (siehe Zitate im „Spiegel“). Vielleicht einfach mal lesen … ?

  • #28
    lebowski

    @Mir
    „Presse- und Meinungsvielfalt zu einem Thema hat noch nie geschadet.“

    Dagegen wende ich mich auch nicht. Sondern gegen den Versuch von Wallraff, sozialkritische Berichterstattung zu monopolisieren und sich zum Sprecher der Unterdrückten und Verarschten aufzuschwingen. Das ist er umso weniger, als Wallraff seine gesammten Erkenntnisse neuerdings an RTL verkauft, so als ob der Bertelsmann-Konzern das sozialpolitische Saubermannunternehmen der Nation ist.

    Der Wallraff tritt immer mit einer nervenden „Nur ich gehe dahin, wo es wehtut“-Attitüde auf, so als ob nur er glaubwürdig davon berichten kann, dass Paketzusteller ein Knochenjob ist, während Betroffene, die das schon seit Jahren machen, offensichtlich nicht in der Lage sind, für sich selber zu sprechen.

    Und dass Wallraff das Meinungsspektrum erweitert, wäre mir neu.
    Ich glaube, das nimmt er nichtmal für sich selber in Anspruch.

  • #29
    Mir

    @lebowski
    RTL trägt zur Meinungsvielfalt hundertprozentig bei! Wallraff ist auch ein weiterer Journalist in der Landschaft, den man eine best. Kompetenz nicht absprechen kann. Einige schreiben Glosssen, Zeugenberichte, Satire usw. Wallraffs Fach ist halt dieses Rollenspiel. Ich sehe kein Problem. Im übrigen Kritik muss unbedingt -auch an Wallraffmethode- sein, aber bitte nicht dermaßen personenbezogen persönlich.

  • #30
    Uwe Herzog

    @MIR: „Im übrigen Kritik muss unbedingt -auch an Wallraffmethode- sein, aber bitte nicht dermaßen personenbezogen persönlich.“

    Danke für den Hinweis, Genosse MIR! Den nächsten Artikel über Wallraff lege ich vorher dem Kader zur Zensur vor 🙂

  • #31
    Arnold Voss

    @ Uwe Herzog # 30

    Vielleicht meint MIR z.B. sowas:

    „Nicht nur für mich. Auch Dorlies, Wallraffs zweite Frau, ließ sich kurz nach Erscheinen von “Ganz unten” von ihm scheiden. Auch sie hat nach meinem Eindruck unter seinem Verhalten “als Mensch” gelitten.“

    Das hat weder mit der Frage nach Zensur noch mit der literarischen Methode Wallraff zu tun. Sorry, aber das ist einfach nur peinlich und sagt mehr über sie selbst als über den von ihnen Kritisierten aus.

    Ich möchte mich u.a. auch deswegen an dieser Stelle aus diesem Wehleidigkeitsdiskurs verabschieden.

  • #32
    Uwe Herzog

    @Arnold Voss: „Ich möchte mich u.a. auch deswegen an dieser Stelle aus diesem Wehleidigkeitsdiskurs verabschieden.“

    Ich bitte darum.

  • #33
    Uwe Herzog

    @Arnold Voss:

    Nachtrag zu Dorlies:

    Die Frauen an der Seite des „großen Helden“ haben also nach Ihrer Meinung nichts mit alledem zu tun? „Nur Peinlich“, sagen Sie, die Scheidung zu erwähnen, die Dorlies nach der Produktion von „Ganz unten“ eingereicht hat?

    Oh nein, im Gegenteil!

    Dorlies war schließlich kein Hausmütterchen. Auch SIE war ein gutes Stück WALLRAFF.

    Der Klappentext eines ihrer zahlreichen Bücher beschreibt Dorlies so:

    „DORLIES POLLMANN, geb. 1950, Journalistin, Studium der Politikwissenschaften und Anglistik; Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen“

    Und sie unterstützte ihren Mann stets unter vollem Einsatz – angefangen von „seinem“ Bestseller „Der Aufmacher“ bis „Ganz unten“. Ohne Dorlies hätte es diese größten und bis heute wichtigsten „Wallraff“-Erfolge ebenfalls niemals gegeben.

    Komisch nur: In Wallraffs Wikipedia-Eintrag … da findet Dorlies (ohne den geringsten Widerspruch von seiner Seite) gerade mal mit einem schnöden halben Satz Erwähnung:

    „Es folgte eine Ehe mit der Lehrerin Dorlies Pollmann … “

    Mehr nicht.

    Auch DAS sagt viel über Wallraff. Vielleicht mehr als alles, was ich bisher dazu erwähnt habe.

  • #34
    Uwe Herzog

    Nachtrag:

    Manchmal lohnt sich dann doch ein Blick in das berühmte Nachrichtenmagazin …

    In der morgigen Ausgabe des „Spiegel“ Nr. 31/2012 geht es zum Beispiel unter der Überschrift „Der enthüllte Entüller“ um Wallraffs letzten Sekretär. Zitat:

    „Gün­ter Wall­raff kri­ti­siert gern aus­beu­te­ri­sche Chefs. Ein Ex-Mit­ar­bei­ter klagt nun, Wall­raff habe ihn il­le­gal be­schäf­tigt und nur einen Dum­ping­lohn ge­zahlt. Die Vor­wür­fe lau­fen auf So­zi­al­be­trug hin­aus.“

    Dazu gibt es diese Vorabmeldung der „Spiegel“-Redaktion:

    http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/guenter-wallraff-vorwurf-des-sozialbetrugs-a-846942.html

    Vermutlich wird der Unberührbare auch diese Vorwürfe überstehen.

    Wallraff kann schließlich auf seinen Star-Anwalt zählen: Wilfried Seibert.

    Seibert hat immerhin schon Leute wie Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer vertreten.

    Oder auch die Trojaner-Schmiede DigiTask, die Programme zum Ausspähen von Computern herstellt und diese an eine nicht bekannte Anzahl verschiedener Geheimdienste liefert (Eigenwerbung: „Firmen und Sicherheitsbehörden aus dem In- und Ausland zählen zu unseren Kunden“).

    Doch selbst, wenn Wallraff es auch diesmal natürlich nur gut gemeint hat und diese miesen Ex-Mitarbeiter (aus Rache! Neid! Sonstwas!) immer plötzlich irgendetwas über ihn auspacken, obwohl sie doch nur (selten! fast nie! ganz wenig!) für ihn gearbeitet haben … Stoff für weitere „Enthüllungen über den Enthüller“ dürfte es in jedem Fall noch reichlich geben.

  • #35
    Uwe Herzog

    … und noch ein Nachtrag:

    „Zettels Raum“ bringt die Causa Wallraff so auf den Punkt:

    „Wie konnte irgendwer glauben, daß jemand, der sein gesamtes Berufsleben lang
    getäuscht und betrogen hat, der falsche Identitäten vorgetäuscht hat wie nur je
    ein Hochstapler, sich außerhalb seiner „Rollen“ plötzlich in einen ehrlichen,
    verläßlichen und glaubwürdigen Menschen verwandelt?

    Parallel zu allen seinen Rollen hat Günter Wallraff immer auch die Rolle des
    guten Menschen gespielt, der sich selbstlos in Gefahr begibt; der dabei bis an
    den Rand seiner physischen und psychischen Kräfte geht, um Mißstände in dieser
    Welt aufzuspüren und publik zu machen. Der anderen hilft, so gut er kann; vor
    allem auch sie finanziell unterstützt.

    Sie war gut gespielt, diese Rolle, wie alle die anderen Rollen Wallraffs auch.
    Nur manchmal gab es Probleme; beispiels­weise, als Herrmann L. Gremliza
    unwidersprochen behauptete, er und nicht Wallraff hätte den Bestseller „Der
    Aufmacher“ geschrieben und als Uwe Herzog enthüllte, daß auch er als Ghostwriter für Wallraff tätig gewesen war; nämlich für „Ganz unten“.

    Es hätte die gesellschaftliche Wirkung dieser Bücher, auf die es Wallraff ja
    angeblich ankam, gewiß nicht gemindert, wenn Wallraff die wahren Autoren oder
    Koautoren genannt hätte. Daß er das nicht tat, ist ein Indiz dafür, wie sehr er
    auch als der „echte“ Günter Wallraff, als der Gutmensch, Schriftsteller und
    Journalist, nur eine seiner Rollen spielte.“

    http://zettelsraum.blogspot.de/2012/07/zettels-meckerecke-gunter-wallraff.html

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