Moers Festival 2015: Viermal Colin Stetson – der neue Fred Frith

Freak in Moers

Das Hauptprogramm des Moers Festival steht. Bewachtes Camping für uns alte Leute hat sich etabliert. Der Star ist ein Brummbär: Der Tiefflöten-Spieler Colin Stetson darf sich vier Mal die Ehre geben.

Weija, diese zum Nacht zum Pfingstsonntag seinerzeit. Irgendwann. Einst hat es sich begeben. Lang hat es gestern gedauert mit diesen Sessions in der Nacht zuvor. Seinerzeit, im Freizeitpark der Stadt Moers. Punk und Allemann, wer will da schon schlafen? Am schlimmsten  ist, wenn das Bier alle ist. Und die Tenoristen aus Freiburg brötzten: Ein Schwein, ein Wein.

Und dann: Zwei Tage hattest Du Kinder von den Männern Deiner Ex-Frauen gehütet, oder so, im Zeltdorf, es heisst ja nur Camping, es heisst ja nur, wir sehen einander nur einmal im Jahr, in Moers natürlich, seit dreissig Jahren –

da war der Frühstücksempfang.

Erst mal verstrahlt vor Ort gehen. Ungeduscht und ungebuzt.

Zum Presseempfang der Stadt Moers, High Noon, ist der Anteil der Kommunalschranzen recht gross.

Selbst der Moerser MdB Siggi Ehrmann, kulturpolitischer Sprecher der SPD, hat mir vor Jahren diese lästerliche Bemerkung von seinem Abgeordnetenhandy auf mein Tablet zurück gegeben. Er hatte noch kein Tablet.

Wir waren im selben Zelt. Im Schranzenzelt.

Der Impresario war nervös.

Der künstlerische Leiter Reiner Michalke hatte keine pünktliche Uhr, der Flieger seines Stars hatte Verspätung.

In Erwartung stand: Colin Stetson.

Der kam dann auf den letzten Drücker rein, typisch improvisierte Logistik.

Und hat den Kommunalschranzen mit seinen Tieftönen, ganz ohne Hecheln, die Schnittchen vom Brett gespielt.

Der Brummbär. Auf einem Bass-Saxophon, die Luft musst Du erst mal haben.

2005: Freak beim Moers-Festival

2005: Freak beim Moers-Festival

Ich kann es aus Augenschein beschwören: Als der sein Bass-Saxophon ausgeritten hat, da bebte das Altbier auf den Stehtischen und selbst in die übrig gebliebenen Lachsschnittchen wurde neues Leben eingehaucht.

Ich erzähl’ die Anekdote deswegen, weil Colin Stetson, der der nur tiefe Töne macht,  der Star des Moers Festivals 2015 ist.

Viermal am Start.

Das hat bislang nur Fred Frith auf der Pfanne gehabt.

Der Brumm-Bär Stetson hat das Sonderlob auch verdient.

Wow.

Okay. Es sind noch andere am Start.

Und den Rest von Moers, den hintergründigen, die Wege des Geldes, die Korruption mit der Festivalhalle, die mit dem Umstand, dass Cheffe ihre Eheleute oder Gesponsen einstellen, und dass der ganze Jazz-Zinnober eine einzige Baustelle von Staatskneteschefflern ist – die erzähl’ ich später mal.

Hier, auf diesem für alte Leute bewachtem Campingplatz.

Zum einigermassen sensationellen Programm des Moers Festivals 2015 geht es hier:

Moers Festival.

Eine erste nachrichtliche Würdigung ist hier:

RP-Moers.

RuhrBarone-Logo

5 Kommentare zu “Moers Festival 2015: Viermal Colin Stetson – der neue Fred Frith

  • #1
  • #2
    Thomas

    Eintritt? Ein Hunni etwa.
    Das beste ist aber: Bewirb Dich als Freiwilliger, als Volunteer.
    Vorteil: Kriegst ein T-Shirt, Fress- und Saufmarken. Festivalticket, gar Backstagezugang und bewachtes Campen.
    Nachteil: Du musst Verantwortung übernehmen. Rund um die Uhr ein paar Schichten schieben. An der Tür. Oder als Handlanger. Ist nicht wild, aber Du musst auf die Minute in den Einsatz.
    Das Festivalmanagement wird zu den Volunteers noch aufrufen.
    Die machen ein Briefing: Zwei Wochen vorher darfste in Moers antanzen. Hü oder hott.

  • #3
    Reiner Michalke

    Thomas Meiser, was meinst du hiermit:
    “Und den Rest von Moers, den hintergründigen, die Wege des Geldes, die Korruption mit der Festivalhalle, die mit dem Umstand, dass Cheffe ihre Eheleute oder Gesponsen einstellen, und dass der ganze Jazz-Zinnober eine einzige Baustelle von Staatskneteschefflern ist – die erzähl’ ich später mal.”
    Erzähl es dich bitte jetzt, nicht später! Solche Andeutungen zu machen ohne konkret zu werden ist kein guter Stil.
    vg, rm

  • #4
    Thomas Meiser Beitragsautor

    Reiner Michalke.
    Das war nur ne Ausstiegspointe.
    Für einen unvoreingenommenen Durchschnittshörer, der auch materialistisch an Musik interessiert ist, könnten ja auch Soziogramme interessant sein.
    Etwa ist Deine Künstlerbetreuerin, Anandita Schinharl, mit dem Moerser Schlosstheater verbandelt, der Intendant ist Ulrich Greb, Dein Geschäftsführer des Moers Festivals. Sind die nicht sogar privat zusammen?
    Und ist nicht Deine Pressesprecherin Jolanda Vujasinovic nebenan eine grosse Jazzbookerin?
    Interessenkonflikte?
    Das sind so Fragen, weisste. Und es sind nicht die einzigen in dieser Dimension.
    Wobei die Halle ja auch mehr kosten soll: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moers/festivalhalle-kostet-310-000-euro-mehr-aid-1.4569240
    Versteh’ mich nicht miss, Reiner, Dein Zeug ist gut. Aber, wo ist die Grenze?
    Ich schlage vor, Du machst die Abhängigkeiten mal transparent. Ein Soziogramm muss kein Blues sein.
    Das wäre guter Stil.

  • #5
    Reiner Michalke

    Thomas, ich finde es nicht in Ordnung, dass du hier Unwahrheiten verbreitest.
    Anandita Schinharl ist seit 2006 im Festivalteam, Uli Greb ihr Mann (im Hauptberuf Intendant des Moerser Schloßtheaters) wurde erst 2010 Geschäftsführer. Das ist die richtige Reihenfolge. (Hättest du leicht recherchieren können!)
    Jolanda Vujasinovic, die für uns in diesem Jahr die Pressearbeit macht, habe ich wegen ihrer Kompetenz nach Moers geholt. Sie hat in der Schweiz einen Jazz-Club geleitet und arbeitet neben Moers für eine Konzertagentur in Berlin. Wo ist da das Problem? Niemand arbeitet allein für das moers festival.
    Dass die Festivalhalle teuer geworden ist hat uns selbst am meisten geärgert. Aber wie kannst du hier den Begriff “Korruption” ins Spiel bringen. Weißt du nicht, was das bedeutet? Damit lässt du ja den bösmeinendsten lokalen CDU-Politker noch weit hinter dich.
    Wo ich dir Recht gebe, ist dass wir in Moers “Staatsknetescheffler” sind. Ich sehe das jedoch positiv und würde es deshalb auch nicht so bezeichnen. Ohne öffentliche Gelder würde es dieses Festival nicht geben. Es sei denn unser Publikum wäre bereit und in der Lage statt 108.- (ermäßigt 50.-) über 300.- Euro für ein Festivalticket zu zahlen.
    Also, bitte bleib sachlich und stell nicht irgendwelche dumpfen Vermutungen in den Raum. Etwas Recherche kann manchmal ganz hilfreich sein.

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