Münsterstraße: Wir  ziehen an einem Strang – Ein Straßenfest mit islamistisch-nationalistischer Schlagseite

Foto1_Mstrasse
Wir  ziehen an einem Strang – So hieß das Motto des diesjährigen Münsterstraßenfest das der Integrationsrat der Stadt Dortmund am 13.06. auf dem Platz vor der St.  Josephkirche veranstaltete. Dies war bereits die 17. Auflage des Festes. Die Veranstaltung markiert den Auftakt zur Internationalen Woche in der Nordstadt.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau sprach die Eröffnungsbotschaft danach folgte ein buntes Programm mit folkloristischen Darbietungen.

Abseits der Bühne, entlang der Münsterstraße, die hier Fußgängerzone ist, präsentieren sich Parteien und Vereine mit ihren Infoständen. Die Grünen und die AWO sind mit Ständen vertreten, genauso wie Die Linke und das Bündnis Dortmund gegen Rechts. Sogar die DKP hat einen Stand. Die Vereine der Migranten sind nicht auf den ersten Blick politisch einzuordnen.

Wer zieht da an einem Strang?

Zunächst fällt der Stand der UETD (Union Europäisch-Türkischer Demokraten) auf.  Die UETD gilt als Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP. Gegründet 2004 in Köln mit diversen Niederlassungen in ganz Deutschland agiert sie als verlängerter Arm der AKP in Deutschland und Österreich. Immer wieder veranstaltet die UETD Solidaritätsveranstaltungen für Erdogan. So zum Beispiel   nach den Gezi-Protesten 2013 in Düsseldorf zu der ca. 25.000 AKP Anhänger kamen und gegen die angebliche falsche und verzerrte Wahrnehmung Erdogans in der ausländischen Presse zu demonstrieren. Eine Veranstaltung in Dortmund gab es bereits auch. Auf dieser bestritt der türkische Ministerpräsident Davutoglu als Hauptredner den Völkermord an den Armenier und versprach jedem einen Koran, eine Fahne und ein Wörterbuch schicken.

 

Foto2_Mstrasse

Ein Stück weiter präsentiert sich mit einem großen Stand der ATIB. Dies steht für  Avrupa Türk-İslam Birliği (ATİB – „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“). Der ATIB ist Dachverband von ca. 120 Moscheevereinen in Deutschland. Er betreibt eine große Moschee in der Nordstadt. Bis in 1990 Jahre war der Vorgänger des ATIB die Auslandsvertretung der „Grauen Wölfe“ einer rechtsextremen türkischen Partei. Der ATIB hat sich seit 1993  von einem direkten Einfluss der „Grauen Wölfe“  distanziert und wird heute nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet. Allerdings gibt es immer wieder Vorwürfe der ATIB stehe für eine türkisch-nationalistische Islamgemeinschaft.

Überraschenderweise steht direkt neben dem ATIB der Stand der Partei Die Linke. Auf die etwas zweifelhafte Vergangenheit seiner direkten Nachbar angesprochen ist man am Stand sichtbar ahnungslos.

FOTO3_Mstrasse

Im Schatten des großen ATIP Standes liegt etwas versteckt der Stand des Egikür.ev. Der Verein beschäftigt sich mit Bildungsarbeit nur für Frauen und Mädchen.  Der Stand fällt auf weil er Jutetaschen mit dem Aufdruck “ Wake up ummah“  anbietet. Ummah bezeichnet die Gemeinschaft aller  Muslime.  Darunter am rechten Rand des Aufdruckes steht noch das Wort „Rise“.  „Wake up ummah-Rise“ kommt aus dem Umfeld salafistischer Aktivitäten und wird besonders als Schlagwort zur Bildung der Erweckung islamischer Tugenden benutzt.

 

 

Einer der ganz großen Stände auf dem Münsterstraßenfest hat die IGMG.  Dies steht für Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V.  Mille Görus  ( deutsch: Nationale Sicht ) ist eine islamisch-nationalistische Bewegung, die in Deutschland  wegen ihrer antidemokratischen Ziele von Verfassungsschutz beobachtet wird.  Auch das Innenministeriums  NRW sieht in Milli Görus  antisemitische Charakterzüge und unter anderem auch damit eine deutliche Gegnerschaft zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Prozesse, die Millî Görüş gegen diese Feststellungen geführt hat, wurden von ihren Anhängern verloren. Das Bundesamt für Verfassungsschutz  ist überzeugt, dass Millî Görüş ein antidemokratisches Staatsverständnis hat und die westliche Demokratie ablehnt. Die Organisation taucht regelmäßig  in den Berichten diverser Verfassungsschutzämter auf, auch in dem von NRW.

Wir ziehen an einem Strang – Dieses Motto  wirkt reichlich seltsam, wenn man sich genauer ansieht wer hier mitziehen darf.  Wieso die Stadt Dortmund migrantischen Vereinen eine Plattform gibt, die sich im politischen Spektrum am rechten Rand der Demokratie verorten lassen und deutlich darüber hinaus, ist rätselhaft.  Ein Oberbürgermeister, der nach seinen eignen Worten im Kampf gegen rechts immer an vorderster Front stehen will, darf gegenüber rechtsextremen Vereinen nicht derart blind sein.

Das Bündnis Dortmund gegen Rechts muss sich fragen lassen, warum sie mit einer Organisation wie Milli Görus (Deutsch: Nationale Sicht ) gemeinsam auftritt. Kaum vorstellbar, dass das Bündnis auf irgendeinem Straßenfest einen Currywurststand der Partei Die Rechte akzeptieren würde. Mit den Dönerständen  islamisch-nationalistischer Vereine hat man aber kein Problem. Ein Bündnis Dortmund gegen Rechts mit verzerrter Wahrnehmung und aktiver Verdrängung.

Wenn Dortmund beim erkennen und bekämpfen rechter Organisationen aus dem migrantischen Umfeld weiterhin so versagt, wird dies Dortmund genauso vor die Füße fallen wie das Versagen gegen die deutsche Rechte.

Dir gefällt vielleicht auch:

7 Kommentare

  1. #1 | Benno Salz sagt am 16. Juni 2015 um 14:47 Uhr

    Da wächst zusammen was zusammen gehört (Willi Brandt), zwar in einem anderen Zusammenhang gemeint, passt aber meiner Meinung nach gut. Im Grunde alles Antisemiten, dass ist der Zusammenhalt von allen Damen und Herren auf solchen Veranstaltungen.

  2. #2 | Achim sagt am 16. Juni 2015 um 15:39 Uhr

    @Benno Salz

    Da hab ich mal eine ganz blöde Gegenfrage.

    Angenommen es ist Wahlkampf und die NPD oder so ein Mist macht einen Infostand auf dem Marktplatz.

    Dürfen Demokraten dann keinen Infostand auf dem Marktplatz mehr machen, so lange die NPD da ist?

    Manche der Migrantengruppen sind sicherlich nicht demokratisch, aber was ist die Alternative?

    Soll es ein alternatives Strassenfest geben?

    Achim

  3. #3 | keineEigenverantwortung sagt am 16. Juni 2015 um 17:22 Uhr

    Spannend ist natürlich, wie unsere Parteien aus dem Bundestag die aktuellen Themen der Innenpolitik vertreten.

    Ich denke da an:
    – Frauenförderung
    – Ehe für Homosexuelle
    ….

  4. #4 | Bill Brook sagt am 16. Juni 2015 um 18:16 Uhr

    Der Verein heisst ATIB, nicht ATIP! Bitte korrigieren.

    Langfassung "Avrupa Türk-İslam Birliği "

  5. #5 | Ich sagt am 16. Juni 2015 um 22:15 Uhr

    @Benno Salz: Das Bündnis Dortmund gegen Rechts als antisemitisch zu diffamieren, halte ich, mit Verlaub gesagt, für Schwachsinn.

  6. #6 | Jakob Licht sagt am 17. Juni 2015 um 13:40 Uhr

    Ich glaube nicht, daß die Linke "ahnungslos" ist, was solche Vereine angeht; ich glaube, es ist ihr vollkommen GLEICHGÜLTIG. Linke leben im Wahn, daß nur Deutsche "echte" Nazis sein können:
    und deshalb finden sie selbst an den Kopfabschneidern des "Islamischen Staates" noch eine "gute", "antiimperialistische" Seite – während sie, wie von Sinnen, ihre "rechten", deutschen Nachbarn hassen, die AfD wählen. Was bilden sich diese "Nazis" ein?
    Man könnte über diesen Wahn Witze machen, wenn er nicht so todernst wäre; wenn er nicht dazu führen würde, daß immer mehr solcher "Kulturvereine" sich breitmachen und ihre faschistische Botschaft verbreiten, DIREKT unter den Augen der Linken.
    Aus diesem Wahn kommen sie auch nicht mehr heraus; sie würden sich lieber von "Grauen Wölfen" die Schädel einschlagen lassen, als zuzugeben, daß sie mit der Unterstützung des Islams einen grauenhaften Fehler gemacht haben.
    Man schaue sich Claudia Roth (und ihre Wahlempfehlung für die kurdische Partei auf Facebook an); ein falsches Wort und 30 Jahre treue Lobbyarbeit ist vergessen:
    auf einmal ist sie nur noch die "fette, blonde Schlampe", die sich in die Angelegenheiten der Türkei einmischt. Und genau DIE Leute, die sie so beschimpfen, haben auf Straßenfesten ihr Zelt neben den Grünen – und werden von ihnen in Schutz genommen. Vor "Diffamierungen", und "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit".

  7. #7 | thomas weigle sagt am 17. Juni 2015 um 14:58 Uhr

    So ist das nun mal. jeder Deutsche ein potentieller Ausländerfeind und jeder Ausländer per se und per Herkunft gut. Ich war in der grünen LWL-Fraktion in den 90ern so etwas wie der Fraktionsfaschist, weil ich auf Grund meiner beruflichen Erfahrung (Sonderschullehrer an einer Schule für Erziehungshilfe) hin und wieder darauf hinwies, dass es unter Ausländern durchaus auch Kriminalität oder gar Ausländerfeindlichkeit und Rassenhass gäbe, oha!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung