‚Mythos Wald‘ im Gasometer Oberhausen: Zwischen beeindruckender Kulisse und Déjà-vu

In der Ausstellung ‚Mythos Wald‘ im Gasometer Oberhausen im März 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt

Der März 2026 zeigt sich gerade von seiner besten Seite für Kulturinteressierte im Ruhrgebiet. Während in Dortmund mit der neuen Show im Phoenix des Lumières frische visuelle Reize locken, zieht auch der Gasometer in Oberhausen mit seiner neuen Ausstellung „Mythos Wald“ die Aufmerksamkeit auf sich.

Die Erwartungen sind hoch – schließlich hat sich das Industriedenkmal in den letzten Jahren zu einer der spektakulärsten Ausstellungslocations der Region entwickelt, und erst mit der Vorgängerausstellung ‚Planet Ozeanneue Rekorde aufgestellt. Doch wer die aktuelle Schau kurz nach ihrer Eröffnung besucht, reibt sich schnell verwundert die Augen: Vieles wirkt vertraut, manches sogar überraschend bekannt.

Bereits beim ersten Rundgang durch die Ausstellung stellt sich ein Gefühl ein, das man eigentlich vermeiden wollte: ein Déjà-vu. Wer erst vor zwei Jahren die Vorgängerausstellung „Planet Ozean“ gesehen hat, erkennt nicht nur strukturelle Parallelen, sondern auch inszenatorische Wiederholungen. Das ist insofern enttäuschend, als der Gasometer bislang gerade von seiner Fähigkeit lebte, bekannte Themen immer wieder neu und überraschend zu inszenieren.

Große Themen, wenig neue Perspektiven

Dabei mangelt es „Mythos Wald“ keineswegs an ambitionierten Inhalten. Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen – von tropischen Regenwäldern rund um den Äquator über die Mammutbäume Kaliforniens bis hin zu den letzten europäischen Urwäldern. Auch der deutsche Wald als kultureller Sehnsuchtsort wird thematisiert. Ergänzt wird das Ganze durch wissenschaftlich fundierte Einblicke in Ökosysteme, Artenvielfalt und die Folgen des Klimawandels.

Doch genau hier liegt das Problem: Vieles davon hat man so oder so ähnlich schon gesehen. Die Mischung aus großformatigen Bildern, eindrucksvollen Filmsequenzen und naturkundlichen Exponaten wirkt solide, aber wenig überraschend. Selbst die durchaus faszinierenden Ausstellungsstücke – vom Riesenhirsch-Skelett bis hin zu Mikrolebewesen wie Bärtierchen – können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es an neuen erzählerischen Ansätzen fehlt. Die Ausstellung bleibt oft im Erwartbaren stecken, statt neue Perspektiven zu eröffnen.

Lichtkunst als rettender Höhepunkt

Was „Mythos Wald“ allerdings rettet, ist – wie so oft im Gasometer – die große Inszenierung. Die Lichtinstallation „Der Baum“ ist ohne Zweifel das Herzstück der Ausstellung und ein echtes Highlight. Der Blick aus dem Wurzelwerk hinauf in die scheinbar endlose Baumkrone, begleitet von pulsierenden Lichtbewegungen und eigens komponierter Musik, ist beeindruckend und atmosphärisch dicht.

Hier zeigt der Gasometer, wozu er in der Lage ist: Emotion, Ästhetik und Technik verschmelzen zu einem beeindruckenden Erlebnis. Doch genau das macht die Schwächen der übrigen Ausstellung umso deutlicher. Denn außerhalb dieser Höhepunkte fällt das Niveau spürbar ab.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Der Anspruch der Ausstellung ist hoch. Als dritter Teil einer Trilogie, die sich mit den großen Ökosystemen der Erde beschäftigt, soll „Mythos Wald“ nicht nur informieren, sondern auch sensibilisieren und zum Umdenken anregen. Themen wie Abholzung, Klimawandel und nachhaltige Nutzung werden durchaus angesprochen – etwa durch interaktive Elemente wie den „Lebendigen Wald“.

Doch die Umsetzung bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Vieles wirkt eher wie eine Fortschreibung bekannter Konzepte als wie ein mutiger neuer Schritt. Gerade in einer Zeit, in der Umweltfragen drängender denn je sind, hätte man sich mehr inhaltliche Schärfe, mehr Reibung und auch mehr Innovation gewünscht.

Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck: „Mythos Wald“ ist keine schlechte Ausstellung – im Gegenteil, sie bietet solide Informationen und punktet mit starken visuellen Momenten. Aber sie ist eben auch keine, die lange nachhallt. Dafür fehlt ihr die Frische, die Überraschung, das Neue. Und genau das ist für einen Ort wie den Gasometer, der sich selbst immer wieder neu erfinden will, dann doch ein kleines Stück zu wenig.

 

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