Nach dem Abpfiff: Bayern München bevorzugt – Warum ARD und ZDF ihre Aufgabe verfehlen

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Wird der FC Bayern München bei der Berichterstattung in Deutschlands Medien bevorzugt? Für Newsroom.de-Autor Ole Heinrich steht fest, dass ARD und ZDF mit dem Verein von Schweinsteiger und Lahm sympathisieren. Eine Herzensangelegenheit. Von unserem Gastautor Ole Heinrich.

In einem Gastbeitrag für Newsroom.de analysiert Ole Heinrich, dass Borussia Dortmund trotz Trainer Jürgen Klopp gegen die mediale Übermacht von Bayern München nicht ankommt, die Öffentlichkeitsarbeit vom BVB sei weiterhin eine Ein-Mann-Show und ganz auf den Dortmunder Sympathieträger zugeschnitten.

Für Ole Heinrich ist es ein Fehler, dass der BVB beispielsweise noch immer keinen Dortmunder Fußballkommentator bei ARD oder ZDF etablieren konnte.

Die Bundesligasaison 2013/2014 ist abgeschlossen. Das Pokalfinale ist entschieden. Zeit, sich noch einmal vor der Weltmeisterschaft in Brasilien mit dem journalistischen Abschluss der Bundesligasaison zu beschäftigen. Der BVB scheint sich als zweite Konstante der Liga zu etablieren, aber was spielt das aus journalistischer Sicht für eine Rolle?

Einen tiefen Einblick gab dabei eher ungewollt die Berichterstattung der ARD vom Pokalfinale am vergangenen Samstag.

Zuerst soll hier aber noch einmal auf einen in der breiteren Öffentlichkeit leider weniger beachteten Artikel von Peter Ahrens und Maximilian Rau zum Konflikt zwischen Jürgen Klopp und dem ZDF-Moderator Jochen Breyer nach der Champions League Niederlage gegen Real Madrid verwiesen werden, der allein schon in der Vielzahl der Berichte und Kommentare untergehen musste.

Beachtlicherweise wurden hier tatsächlich mal die Kollegen in Form der ZDF-Sportredaktion hinterfragt, die den neuen Weg der begleitenden Berichterstattung weg von der Spielanalyse à la Netzer/Delling hin zum lockeren Talk mit ehemaligen Bayernstars, wie den „Werbe-Titan“ Oliver Kahn oder Mehmet Scholl, Spieler und bis 2013 angestellter Trainer des FC Bayern (also teilweise parallel zur Co-Moderation bei der ARD).

Vorbei die Zeit der eher unbekannten Kommentatoren, die kompetent, unterhaltsam und fußballbegeistert neuen Wind in die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender gebracht haben, wie Urs Mayer mit Jürgen Klopp (damals Trainer in Mainz, führte dabei vermutlich das vorher dort unbekannte Wort „überragend“ in die Sportberichterstattung ein).

Ein lobenswerter, kritischer Spiegel-Online-Bericht, der nicht in das Horn des Kollegenschutzes blies, der einen Interviewpartner, der nicht richtig „funktionieren“ will, gleich als schlechten Verlierer abkanzelt.

Was hat dies nun mit der ARD-Berichterstattung vom vergangenen Samstag zu tun?

Diese brachte die ganze Situation im deutschen Fußball noch einmal auf den vermeintlichen Höhepunkt. Der Emporkömmling BVB wagte es, die Pokalfeier des FCB in Frage zu stellen.

Gleichzeitig sicherte sich die Presse mit der in Fragestellung des ganzen Pep/Bayern-Spielsystems in den Tagen zuvor für eine drohende Niederlage ab. Schließlich ist man ja neutral!

Im Laufe des Spiels löste sich die Haltung aber schnell auf. Kommentator Steffen Simon („kein hochklassiges Spiel“) sprach bereits beim 0:0 mehrfach von dem 17. Titel der Bayern, korrigierte dies im Laufe des Spiels zwischenzeitlich auch mal in „möglichen“ Titel. Der BVB interessierte dabei nicht (es wäre der 4. gewesen). Überhaupt ging es im Wesentlichen um den FC Bayern.

Die Leistung der Dortmunder wurde der Vollständigkeit halber ab und an nebenbei ergänzt. Und dann noch die vielen Ausfälle der Bayern. Auch diese fanden natürlich ausgiebige Erwähnung; dass dem BVB mindestens ähnlich viele Stützen bereits seit Beginn der Saison abhanden gekommen sind war eher nebensächlich. Dem Kommentator Simon muss man dabei keine Parteilichkeit unterstellen, viel mehr aber eine Fixierung auf den FC Bayern.

Der Höhepunkt war daher das nicht gegebene Tor, genauer die Reaktionen darauf.

Schnell legte sich der Kommentator der ARD auf ein Tor fest. Mehmet Scholl hingegen wich der Frage geschickt aus, die ihm nicht unmittelbar sondern erst später gestellt wurde und wies nur darauf hin, dass Mats Hummels im Abseits stand. Eine Aussage, die die ARD erst nach der Niederlage korrigierte. Ein ähnliches Verhalten konnte auch regelmäßig von Oliver Kahn bei Champions-League-Spielen des BVB feststellen. Möglichst kein Lob verteilen, strittige Schiedsrichterentscheide verteidigen und den FC Bayern erwähnen – das scheint zuweilen die Aufgabe des Oliver Kahn zu sein.

Was heißt das jetzt für die beiden Mannschaften?

Der BVB musste feststellen, dass er zwar sportlich recht nah an die Bayern herangekommen ist, in Sachen Einfluss auf die Presse doch noch Welten zwischen dem Ruhrgebietsverein und dem FC Bayern liegen. So konnte der BVB bis heute weder einen ehemaligen Dortmund-Star für sich in der Öffentlichkeit wirklich etablieren (möglich zum Beispiel Jürgen Kohler, Andreas Möller und Stefan Reuter) noch von kleineren Co-Moderationen von Dortmundern auch als bekennende ehemalige Dortmunder profitieren (wie Patrick Owomoyela oder Jens Lehmann). Es gibt also keine öffentliche Unterstützung von dieser Seite.

Ohnehin ist die Öffentlichkeitsarbeit eher eine Ein-Mann-Schau von Jürgen Klopp. Eine Rolle, die er wie kein zweiter ausfüllt.

Bei jedem Disput über die Presse mit dem FC Bayern wurde aber nicht nur eingefleischten Dortmund-Fans schnell klar, das reicht nicht aus.

Während die Bayern den BVB mit bekannten Personen des Vereins und vereinsnahen ehemaligen Spielern angreifen konnten, um sich danach sofort aus der Diskussion zurückziehen, stand Klopp mehr oder weniger alleine da.

Zusätzlich kann sich der BVB auch kaum der Loyalität der überregionalen Presse sicher sein. Aufgrund der hohen Vereinsdichte in Nordrhein-Westfalen ist diese stets um äußerste Neutralität bemüht. Selbst wenn es gegen einen nicht westdeutschen Verein geht. Der WDR-Radio-Bericht am Abend nach der Pokalniederlage erwähnte Ergebnis und Spielzeit samt Torschützen. Dazu kam ein Kommentar von Jogi Löw, der den FC Bayern als verdienten Sieger erwähnte. Kein Kommentar zum BVB, den Jogi Löw ja auch machte, keine Erwähnung des nicht gegebenen regulären Treffers, der immerhin zum Sieg gereicht hätte.

Es gibt also neben dem Spielfeld noch sehr viel zu tun für den BVB.

Für den Pressesprecher Sascha Fligge, ehemaliger Redakteur der Ruhrnachrichten, eine kaum lösbare Aufgabe.

Vielleicht gelingt es dem Verein ja mal einen ehemaligen Spieler wie in Zukunft beispielsweise Sebastian Kehl als inoffiziellen Markenbotschafter in den Medien zu platzieren anstatt ihn als X-ten Jugendtrainer umzuschulen. Und natürlich läuft nichts ohne den sportlichen Erfolg mit weiterhin attraktivem Fußball.

Der FC Bayern hingegen hat seine Hausaufgaben seit je her gemacht und ist hier seiner Konkurrenz einfach um Klassen voraus. Unverblümt beschwert sich Karl-Heinz Rummenigge im Haussender Sport1, dass Mats Hummels im Abseits gestanden hätte, obwohl zu diesem Zeitpunkt diese Auffasung eigentlich schon unzweifelhaft zu Gunsten des BVB geklärt worden ist. Dazu kein Einwand der Sport1-Redaktion. Diese Medienbeherrschung ist natürlich auch das Ergebnis eines konstanten sportlichen Erfolgs.

Und was heißt dies für den Journalismus? Die neutrale Berichterstattung ist, wie schon von Peter Ahrens und Maximilian Rau erkannt, überraschenderweise nicht bei den öffentlich-rechtlichen Programmen zu suchen, sondern tatsächlich beim privaten Fernsehen. Man erinnere sich an den Aufschrei und Argumentationen nachdem die Sportschau ihre TV-Rechte zum ersten Mal an einen privaten Sender verloren haben. Aus heutiger Sicht kann klar gesagt werden: ARD und ZDF verfehlen klar ihre Aufgabe!

Crosspost: Der Artikel erschien bereits auf Newsroom.de 

 

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16 Kommentare

  1. #1 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Mai 2014 um 15:13 Uhr

    Beim Lesen dieses Beitrags musste ich jetzt spontan an diesen älteren Text hier aus dem Vorjahr denken:

    https://www.ruhrbarone.de/forderung-ans-das-zdf-bei-fussball-laenderspielen-bitte-zukuenftig-eigenen-ton-kanal-fuer-neutrale-fans-einrichten/70534

  2. #2 | Henk sagt am 22. Mai 2014 um 15:20 Uhr

    Liegt der eigentliche Skandal nicht darin, dass es mitterweile nur noch zwei öffentlich wahrgenommene Vereine gibt; dass Bayern UND Dortmund regelmäßig medial gepusht, alle anderen Vereine aber marginalisiert werden? Wenn nach dem DFB-Pokal-Halbfinale in den Medien (insbesondere bei ARD und ZDF) unisono vom „Traumfinale“ die Rede ist, dann müssen sich doch die Fans von 16 anderen Bundesligisten und von allen anderen Vereinen fragen, was ihre Träume denn wohl wert sind.

    Natürlich muss der BvB (wie jeder Verein) das Ziel haben, medial noch besser wahrgenommen zu werden. Die oben zu lesende Klage über mangelnde öffentliche Representanz der Dortmunder liest sich als Anhänger eines anderen Vereins nur noch mit Kopfschütteln.

    Denn egal, ob es spanische oder schottische Verhältnisse sind, auf die wir zusteuern: Die Ausgeglichenheit der Liga, jahrelang als Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga gerühmt und sicherlich ein positiver Faktor des deutschen Fußballsystems, ist kaum noch gegeben. Dass das – gerade von öffentlich-rechtlichen – Medien kaum thematisiert und stattdessen durch entsprechende Berichterstattung noch verstärkt wird, ist traurig.

  3. #3 | WALTER Stach sagt am 22. Mai 2014 um 15:32 Uhr

    Ole Heinrich,
    ich habe vor einigen Tagen hier bei den Ruhrbaronen im Zusammenhang mit dem nicht anerkannten Hummels-Tor das „System Bayern München“ beschrieben, ein System, das eben auch medienbeherrschend ist. Dazu paßt die Aussage von Ude mit vorletzten Absatz seines Interviews im Spiegel -DER SPIEGEL v.19.5.-!

    Hier wird also lediglich ein Mosaikstein benannt in einem Gesamtbild, das ich „das System Bayern München“ nenne, und das dringend einer gründlichen öffentlichen Aufarbeitung/Aufbereitung bedarf.

  4. #4 | teekay sagt am 22. Mai 2014 um 17:07 Uhr

    ARD-ZDF auf der Seite grosser Konzerne-warum sollte das im Totalkommerzsystem Fussball anders sein? Eigentlich kann man froh sein, dass Berlin keinen Top-Verein hat, denn sonst wuerde man noch weniger aus den ‚Regionen‘ erfahren (klar, Dortmund ist dann immer ‚der Ruhrpott‘ und Muenchen ist ‚Bayern‘).

  5. #5 | Thomas Weigle sagt am 22. Mai 2014 um 17:56 Uhr

    Her mit dem „System Bayern“ auch für den BVB. Geht es noch? Auf der einen Seite das System Bayern verfluchen, es aber auf der anderen Seite für den lieben BVB fordern. Sinnvoller wäre es doch allemal, sich zum Sprecher ALLER anderen zu machen und dieses „Bayern-System“ bekämpfen.

  6. #6 | der, der auszog sagt am 22. Mai 2014 um 18:34 Uhr

    Müssen sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten überhaupt so ausführlich im deutschen Profifußball engagieren? Zum einen sagt der Autor ja selber, dass die privaten Sender in ihrer Fußballberichterstattung besser sind, zum anderen dürfte die Kohle, die man für Interviewpartner wie Kahn, Scholz, Netzer etc. auf den Tisch legen muss, verhältnismäßig unverhältnismäßig sein.
    Ich bin zumindest immer wieder überrascht, wieviele abgehalfterte Stars aus Fußball- und Showbiz der Bürger für 17,98 Euro im Monat irgendwie am Kacken hält.

  7. #7 | WALTER Stach sagt am 22. Mai 2014 um 19:24 Uhr

    Thomas Weigle,

    nein, das „System Bayern München“ als ein umfassendes Herrschaftssystem, weit über den Fußball hinaus, ist, jedenfalls in Deutschland, einzig. Ich hoffe weiterhin darauf, daß sich alsbald Soziologen ‚mal eingehend mittels einer Studie dieses Systems annehmen; könnte m.E als Thema für eine Promotion reichen.

    Ein solches „System BVB“ gibt es nicht.

    Und den Aufbau eines solchen System von den Verantwortlichen des BVB einzufordern, käme mir nie in den Sinn, weil es ganz und gar nicht meinem Verständnis von einer im Prinzip pluralen Gesellschaft (nebst Fußball)entspricht.

    Das hat nichts damit zu tun, daß der BVB, daß S04 und andere noch viel zu tun haben, um das Produkt „Bundesliga-Fußball“ effektiver und effizienter zu vermarken. Dabei können sie vom FC Bayern lernen. Das hat aber ganz und gar nichts damit zu tun, daß „man“ sich auch das „System Bayern Münchnen“ zum Vorbild nimmt.

    Ich habe im übrigen nochn nie von einer Persönlichkeit wie Ude gehört, die eine so konkrete Schilderung der Funktion des „Systems Bayern München“ anhand einem ganz exakten Ablaufes schildert.

    Das läßt sich nicht totschweigen oder gar mit Verweis auf den BVB relativieren.

    Bemerkenswert , daß andere Medien es bisher nicht für ihre Pflicht gehalten haben, die Aussagen von Ude- konkret die im vorletzten Absatz des SPIEGEL-Interviews- aufzugreifen, was wiederum die Aussage von Ude nachdrücklich bekräftigt und meine Feststellungen über das Funktionieren des „Systemes Bayern Münchnen“.

    DER, DER……-6-

    Wenn BMW, wenn Allianz, wenn Addidas, wenn VW und andere wollen, daß der Fußball im allgmeinen auch durch die öffentlich-rechtlichen……………….?
    Und wenn die Genannten ein spezielles Interesse daran haben, daß der FC Bayern. München durch die Öffentlich-Rechtlichen…………..?

    So funktioniert nun ‚mal in unserer Gesellschaft das Zusammenspiel von politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Macht ( z.B. der des Fußballes im allgemeinen und der von Bayern München im besonderen) und medialem Einfluß.

    Das Interesse an den Öffentlich-Rechtlchen und die Beeinflussung derselben im Segment Fußball durch die Genannten haben konkret ihre Ursache darin, daß die Einschaltquoten bei Übertragungen von Fußballspielen und die Quoten bei jedem anderen medialen Ereignis, das sich mit Fußball befaßt, regelmäßig Spitzenwerten erreichen.

    „Man“ könnte an dieser Stelle damit beginnen, jeden einzelnen von uns zum Gegensstand einer Untersuchung zu machen( seine Motive, sein Verhalten, seine Manipulierbarkeit;als Fußball-Fan, als Konsument -Autokäufer, Versicherungsnehmer usw., als Mediennutzer- , um dem erwähnten Zusammenspiel von……..näher zu kommen und damit konkret auch dem “ System Bayern Münchnen“. Also, Soziologen/Poltilogen. Wie wäre es, wenn……sh.einleitender Satz-?

  8. #8 | der, der auszog sagt am 22. Mai 2014 um 22:26 Uhr

    @Walter

    es gibt sicherlich auch ein „System Schalke 04“ und ich behaupte, dass dieses System ebenfalls einmalig in Deutschland ist. Auf Spiegel online heißt es in einem Artikel begleitend zu dem von Dir erwähnten Ude-Interview:

    „Auslöser ihres Zerwürfnisses [Anm.: zwischen Ude und Hoeneß] sei gewesen, dass die Allianz-Arena zum Unmut des FC-Bayern-Bosses nicht auch mit öffentlichen Mitteln finanziert werden durfte.“

    Das, was Münchens OB Ude so scharf kritisiert, ist und war für die OBs in Gelsenkirchen immer eine Selbstverständlichkeit. Schalke stand in den letzten 50 Jahren mehr als einmal kurz vor der Pleite. Eingesprungen ist dann jedesmal die öffentliche Hand:

    1965 kaufte die Stadt Gelsenkirchen die Glück-Auf-Kampfbahn, um dem Verein den Klassenerhalt in der frisch gegründeten Bundesliga zu ermöglichen. Zur selben Zeit begann in Gelsenkirchen das große Zechensterben. Die beiden Zechen Dahlbusch und Bismarck (DEA) wurden dicht gemacht. Die Kohlekrise war da und in Gelsenkirchen gab es zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg eine ernst zu nehmende Arbeitslosigkeit. Fußball war allerdings wichtiger. Oberbürgermeister war damals Hubert Scharley.

    Zu Beginn der 1980er Jahren wurde Schalke dann so richtig in den Keller gewirtschaftet. Stichwort: Klinik- und Sonnenkönig Günter Eichberg. Schalke rutschte in die zweite Liga. Auch in den 80ern, als Schalke regelmäßig auf- und wieder abstieg, gab es kräftige Finanzspritzen von Seiten der Stadt. Zur Kohlekrise kam noch die Krise in der Stahlindustrie. Trotzdem wurden erhebliche Mittel für den Fußball bereit gestellt. Oberbürgermeister war Werner Kuhlmann. (Ich meine mich sogar daran erinnern zu können, dass Du diesbezüglich hier bei den Ruhrbaronen einmal den Zusammenhang zwischen Schalke, Stadt und SPD für die damalige Zeit skiziert hast)

    Unter Oberbürgermeister Frank Baranowski gab es dann 2010 noch einmal richtig schön Geld für Schalke 04. Wieder in der Form, dass die Stadt sich mit Mitteln der öffentlichen Hand in das Stadion einkauft. Nur ging es diesmal nicht um den Erhalt in der Bundesliga, wie es in den 1960ern und 80ern der Fall war, sondern um den Erhalt in der Champions League. Man wird halt auch in Gelsenkirchen anspruchsvoller. Nach Kohle und Stahl ist in GE jetzt allerdings auch die Solarindustrie den Bach runter gegangen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei satten 14%.

    Die wirtschaftliche Situation auf Schalke entsprach eigentlich immer der wirtschaftlichen Situation der Stadt Gelsenkirchen. Wenn es der Stadt gut ging, ging es auch seinem Fußballclub gut. Seine größten Erfolge hatten die köngsblauen nicht umsonst unter den Nazis. Gelsenkirchen war damals eine reiche Stadt, weil sie für die Rüstungsproduktion eine enorme Bedeutung hatte. In GE-Scholven hatte man es tatsächlich hinbekommen, im großen Stil aus Steinkohle Benzin zu produzieren, was in einem Land, das der ganzen Welt den Krieg erklären und folglich von dieser Welt wirtschaftlich isoliert werden sollte, nicht zu unterschätzen ist.

    In den Wirtschaftswundernachkriegsjahren wuchs Gelsenkirchen zwischenzeitlich zur größten Kohlestadt der Welt und auch da schaffte es Schalke noch einige Male den Deutschen Meistertitel zu holen. Seit 1958 ist allerdings Schluss mit Meister und seitdem ist die finanzielle Situation des Vereins alles andere als stabil. Seit den 1960ern geht es auch mit der Stadt Gelsenkirchen immer weiter bergab.

    Ohne die regelmäßigen Rettungsaktionen durch die öffentliche Hand, gäbe es in der Bundesliga Schalke nicht mehr. Selbst die 25 Millionen, die es 2010 noch von der Stadt gab, einen Monat, bevor sie von Münster an die Haushaltskette gelegt wurde, sind nicht nur für Spieler drauf gegangen, sondern waren auch wichtig, um Kredite zu bedienen. Kredite, die man auch in Zukunft nur wird abbezahlen können, wenn Schalke Einnahmen durch die Champions League bekommt.

    Lange Rede – kurzer Sinn:
    Wahrscheinlich gibt es in Deutschland keinen Fußballverein, in dem soviel Steuergeld verbraten wurde, wie beim FC Schalke 04. Auch das hat „System“ und das System Schalke ist so ziemlich der Gegenentwurf zum System Bayern München.

  9. #9 | Henk sagt am 23. Mai 2014 um 10:25 Uhr

    @ Der, der auszog: Ist dieses Sytem wirklich so einmalig oder vielmehr gelebte Realität in den vielen Städten mit großem Interesse an Fußball – insbesondere im Ruhrgebiet, aber z.B. auch in Rheinland-Pfalz oder Berlin? Man denke doch nur daran, wie viele Stadien von den Kommunen erbaut wurden, bei denen der Mietzins im Nachinein korrigiert wird oder wie viele städtische Grundstücke nach windelweichen Verhandlungen an die Vereine verkauft werden.

    Ist ja auch logisch: Die Vereine haben viele Anhänger, von denen viele wählen dürfen. Welcher Politiker möchte sich mit einer so großen Wählergruppe anlegen?

    Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin absolut kein Freund des Schalker Finanzgebahrens. ich halte das für enorme Wettbewerbsverzerrung. Die Einmaligkeit kann ich aber nicht erkennen. Weder strukturell (da halten z.B. Berlin und Kaiserlautern locker mit) noch in der Höhe der Verbindlichkeiten (da hat Dortmund lange genug mitgehalten und nur dank eines Linzenzgeschenks überlebt). Gäbe es in der Bundesliga ein wirksames financial fair play mit wirksamer Bestrafung von zu großen Schulden und Subventionen, wären in der Liga einige Startplätze frei geworden.

  10. #10 | bob hope sagt am 23. Mai 2014 um 11:39 Uhr

    Sorry, aber was soll den bitteschön ein „Dortmunder Fußballkommentator“ sein und warum sollt der BVB diesen bei ARD oder ZDF „etablieren“? Welche Qualitäten soll er aufweisen, außer: BVB-affin zu sein?

    Die Öffentlichkeitsarbeit auf Jürgen Klopp zu reduzieren ist auch eher einer selektiven Wahrnehmung geschuldet. Hatte zuletzt nicht das Gefühl, dass Herr Watzke zu selten auf dem Bildschirm zu sehen war – im Gegenteil. Und die Ursache, dass Ex-Spieler wie Kohler oder Möller keine Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung spielen ist wohl weniger bei den Bayern oder den Medien zu suchen als vielmehr bei den Spielern selbst, die ich persönlich nicht als Experten sehen möchte.

    Abgesehen davon glaube ich, dass Schalker, Bochumer oder Duisburger vermtl. aber auch Bielefelder oder Düsseldorfer darauf locker verzichten können, dass der BVB noch mehr Sendezeit bekommt und weiter zum Liebling der Medien mutiert (die regionale Affinität des WDR zu Köln, Leverkusen und Mönchengladbach mal außen vor gelassen). Wobei ich trotzdem das Gefühl habe, dass sich sowohl bei den öffentlich-rechtlichen als auch bei den privaten Sendern nicht wenige über einen Sieg des „Underdogs“ aus dem Ruhrgebiet gefreut hätten.

    Ziemlich unausgegorener Artikel…

    PS. Die Bayern gehen mir übrigens am Arsch vorbei.

  11. #11 | MajaBayer sagt am 23. Mai 2014 um 12:18 Uhr

    Auch in der Nationalmannschaft werden bei ARD&ZDF regelmäßig Spieler anderer Vereine niederkommentiert, während schlechte Spiele der Bayernstars einfach ignoriert werden bzw. trotzdem gesagt wird „ein rießen Spiel von Lahm, Schweinsteiger, Kroos, Boateng, etc“. Ich reg mich darüber schon gar nicht mehr auf, irgendwann kommt die Zeit der Abbrechnung. Spätestens wenn RTL die ganze WM überträgt.

  12. #12 | der, der auszog sagt am 23. Mai 2014 um 12:36 Uhr

    @Henk

    Es gibt in Deutschland mehrere Fußballstadien, die mit Steuergeldern errichtet wurden. Zu ergänzen wären da sicherlich noch einige Stadien in der ehemaligen DDR, Dresden oder Magdeburg zum Beispiel. Dynamo Dresden spielt irgendwo in der Oberliga Nordost und hat mit der Glücksgas Arena einen Neubau hingesetzt bekommen, der locker den Anforderungen eines Erstligisten entspricht. Ähnliches gilt für den 1. FC Magdeburg und seiner MDCC Arena. Die Stadien wären ohne die Zuwendungen der jeweiligen Städte nie zu realisieren gewesen.

    In sofern steht Schalke wirklich nicht alleine da. Was auffällt ist allerdings die Regelmäßigkeit, mit der sich die Stadt Gelsenkirchen finanziell bei ihrem Fußballclub engagiert und dieses Engagement lässt natürlich auch Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Situation des Vereins zu, der demnach alle 15 bis 20 Jahren finanziell ins Schlingern gerät. Wäre die Situation nicht jedesmal äußerst dramatisch, hätte es von Seiten der Stadt niemals Geld gegeben, denn Gelsenkirchen hatte immer selbst genügend Probleme (Kohlekrise 1960er, Stahlkrise 1980er, gegenwärtige Krise in der Solarbranche), was ich mit meinen Anmerkungen in #8 verdeutlichen wollte. Die Regelmäßigkeit an Zuwendungen durch die Stadt Gelsenkirchen ist bei seinem Fußballverein sicherlich einmalig in Deutschland. Andere Vereine steigen ab, wenn sie wirtschaftlich am Ende sind.

    Ich glaube übrigens auch, dass der Deal mit Gazprom aus der finanziellen Not heraus geboren wurde, denn was das für ein Saftladen ist, weiß man nicht erst seit der Ukraine Krise. Über das Volumen dieses Sponserings habe ich derzeit keine aktuellen Zahlen, aber es ist gigantisch (ich meine mich an 15 Mio Euro/Jahr zu erinnern) und nach dem Telekom Sponsering bei Bayern das zweithöchste Trikotsponsering der Republik. Der Vertrag wurde 2007 abgeschlossen und 2011 verlängert. Trotzdem reichte das Geld bei Schalke vorne und hinten nicht, so dass die Stadt erneut einspringen musste, um den Verein vor einem Desaster zu retten. Die Lizenz ist manchmal schneller futsch, als man gucken kann. Das weiß man auf Schalke sehr genau.

  13. #13 | WALTER Stach sagt am 23. Mai 2014 um 14:08 Uhr

    DER,DER….-8

    dritter Absatz:
    „Das, was Ude….ist und war für Baranowky…..“

    Wenn Du das auf das Verlangen nach „städtischen Finanzhilfen“ beziehst, dann ist das nicht nur richtig, sondern in GE wesentlich ausgeprägter vollzogen worden als in München.

    Meine kritishen Bemerkungen, die ich zusammengefaßt auszudrücken pflege mit dem Begriff „System Bayern München“ hat damit subsantiell nichts zu tun. Sie finden ihren Ausruck in den Bemerkungen von Ude im vorletzten Absatz des SPIEGEL/Interviews. Und mit damit hat SO 4 so wenig gemein wie der BVB.

    Kannst Du Dir einen Ablauf beim SO4 vorstellen wie in Ude in dem Interview abschliessend schildert.

  14. #14 | WALTER Stach sagt am 23. Mai 2014 um 15:06 Uhr

    Nachtrag:
    Ich habe unter -7-bereits kritisch nachgefragt, warum für die Medien die Aussagen von Ude in dem SPIEGEL-Interview kein Thema sind, obwohl diese Aussagen doch beim Publikum auf größtes Interesse stoßen würden mit entsprechender positiver wie negativefr Begleitmusik, dh., hier gibt es doch die Chance, „Quote zu machen“ bzw. für sich als Medium Aufmerksamkeit und Interesse zu produzieren.

    Es geht hier letztlich über den Fußballsport, über den FC Bayern hinaus darum, an einem konkreten Beispiel kritisch zu hinterfragen, ob und wie „unabhhängige Medien/unabhängige Journalisten“ letztlich abhängige Medien/abhängie Journalisten sind.

    Wenn da jemand namens des Vorstandsvoristzenden von VW, der Allianz anruft……………….?
    Wenn man als Verantwortlicher für den Sport weiß, daß da jemand anrufen könnte, dann…….? Dann plant man offenkundig im voraus eilenden Gehorsam Sendezeiten im gewünschten Umfange ein, dann setzt man denjenigen als Kommentator ein, der……..

    „System Bayern München“ -das wirft Fragen auf, nach dem Ude-Interview mehr denn je.

    Da gibt es Klärungs- und Aufklärungsbedarf, beginnend mit der Frage, warum das Ude-Interview im SPIEGEL medial „totgeschwiegen wird“. Oder habe ich da ‚was verpaßt?

  15. #15 | Thomas Weigle sagt am 24. Mai 2014 um 23:51 Uhr

    Schalke hatte schon immer ein finanzielles Geschmäckle, in der Zwischenkriegszeit hat ein S04 Kassierer wg. verbotener Zahlungen und dem deshalb verhängten Spielverbot in einem Kanal (Rhein-Herne-Kanal?) final gebadet. Anfang der 60er saßen auch Verwaltungsspitzen aus GE auf dem Armesünderbänckchen, es ging um schwarze Kassen und schwarze Zahlungen. Der erste Bundesligaskandal betraf S04, es ging noch vor dem ersten Anpfiff um zweifelhafte Ablösezahlungen an den KSC (Hermann/Lamberts). Kurzfristig war sogar ein Punktabzug fällig, wurde aber aufgehoben. Nicht zu vergessen die wundersamen Rettungen des bereits abgestiegenen S04 48 und 65. Es gibt mit Sicherheit ein System Schalke, es ist nur den örtlichen (Pott?) Bedingungen angepasst.
    Was die Fernsehberichterstattung angeht: wer braucht eigentlich die ganze Hype vor, während und nach dem Spiel? Spiel gucken, in der Hz pinkeln, Getränke holen, kurz Ruhrbarone kontrollieren, Spiel weitergucken, Schlusspfiff und gut iss.

  16. #16 | Thomas Weigle sagt am 27. Mai 2014 um 09:01 Uhr

    Ein wenig seltsam ist doch, dass das „System Bayern“ wenig vom Dortmunder Großpinkler zu berichten wusste, diesen unglaublichen Vorfall gar tagelang totschwieg. Oder habe ich etwas überlesen? Dass der dafür „geradestehen“ will, der Großpinkler, ist auch nicht richtig. Mindeststrafe: 1 Jahr nur im Sitzen.

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