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Nazi-Aktivistin bei der SCHUFA in Bochum?

Rudolf Hess Gedenken Falkensee am 19.08.17. An der Demonstration soll die Schufa-Mitarbeiterin teilgenommen haben Foto: Recherche Nord


Arbeitet in der Schufa-Filiale in Bochum ein Nazi-.Aktivistin? Die Schufa nimmt die Vorwürfe einer Antifa-Recherche-Gruppe ernst.

Kaum eine Organisation verfügt über ein so großes Wissen über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Menschen in Deutschlandwie die Schufa. Dem Unternehmen liegen fast eine Milliarde Einzeldaten zu nahezu 70 Millionen Menschen vor. Viele Unternehmen oder Vermieter orientieren sich an einer Schufa-Auskunft, wenn es um einen Kredit oder einen Mietvertrag geht.  Doch was ist, wenn zum Teil intimes Wissen über der wirtschaftlichen Verhältnisse in die Händen von Nazis gerät, wenn Nazis bei der Schufa arbeiten? Nach einer Mitteilung der Recherche BO, eine Antifa-Gruppe, soll das bei der Schufa-Filiale in Bochum der Fall sein. Dort soll eine junge Frau arbeiten, die seit acht Jahren Teil der Nazi-Szene ist. Fotos zeigen sie auf verschiedenen Nazi-Aufmärschen. Sie soll zum Kader der Nazi-Partei „Die Rechte“ gehören.

Die Nazi-Gegner sorgen sich um Daten, die in Nazi-Hände fallen könnten und verlangen die Kündigung der Frau:

„…durch ihre Tätigkeit bei der Schufa in der Lage, an Informationen und sensible Daten von Migrant*innen, Jüdinnen und Juden und politischen Gegner*innen zu gelangen. Wir fordern die umgehende Kündigung, da ihre Anstellung mit jedem weiteren Tag das gefährliche Potential birgt, dass persönliche Daten und Adressen in die Neonaziszene gelangen.“

Auf Anfrage dieses Blogs sagte die Schufa, dass sie die Vorwürfe ernst nimmt:

„Wir sind heute früh durch eine Meldung darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass eine Angestellte unseres Hauses in der rechtsradikalen Szene aktiv sei. In der Meldung wurde in diesem Zusammenhang die Vermutung zu einem individuellen Fehlverhalten in Bezug auf Ihre Arbeitstätigkeit geäußert. Wir nehmen Hinweise zu möglichen Verstößen gegen Datenschutzbestimmungen sehr ernst und prüfen, ob ein Fehlverhalten festgestellt werden kann.“

Die Sorgen der Nazi-Gegner versucht die Schufa zu zerstreuen:

„Die SCHUFA speichert keine Informationen zu Nationalität, Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen, Religionszugehörigkeit oder politischen Interessen. Eine Suche von Personen nach diesen Kriterien ist nicht möglich.“

Zu Konsequenzen für den Fall, dass die Vorwürfe zustimmen, äussert sich die Schufa indes nicht:

„Im Rahmen der Einstellung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlangen wir aufgrund unserer strengen internen Vorschriften die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses. Ferner verpflichten wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Code of Conduct, den die SCHUFA öffentlich im Internet publiziert. Natürlich findet die Überprüfung ihre Grenze in der rechtlich geschützten Privatsphäre.

Die SCHUFA distanziert sich ausdrücklich von verfassungsfeindlichen Aktivitäten oder Handlungen, die nicht im Einklang mit unserer freiheitlich demokratischen Rechtsordnung stehen. Dies gilt unabhängig von der dahinterstehenden Motivation.“

 

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4 Kommentare zu “Nazi-Aktivistin bei der SCHUFA in Bochum?

  • #1
    Thomas

    Was ist an den Vorwürfen der Antifa dran das die Religionsangehörigkeit und Nationalität gespeichert wird? Das wäre meiner Meinung ein Skandal! Ruhrbarone, bitte dran bleiben!

  • #2
    Daniel K.

    Der Vorwurf, die Schufa würde Informationen z.B. zu Religionszugehörigkeit oder Nationalität speichern, wurde meines Wissens nach nie geäußert.

    Das Problem ist ein anderes: Wir wissen, dass die Rechtsextremen gerne "Feindeslisten" führen, diese gerne auch als "Todeslisten" bezeichnen. Es gibt zahlreiche solcher Listen. In diesem Kontext wird befürchtet, dass eine rechtsextreme Mitarbeiterin bei der Schufa in der Lage sein könnte, die Namen dieser Feindesliste mit den Schufa-Daten abzugleichen.

    Dies hätte folgende Auswirkungen:
    1) Die Rechtsextremen erhalten die aktuellen Adressen der namentlich bekannten "Feinde".
    2) Bei Umzug und co. bekommen die Rechtsextremen schnell die neuen Daten, da die Schufa oft sehr schnell von der neuen Adresse erfährt.
    3) Die Rechtsextremen erfahren von etwaigen finanziellen Problemen ihrer "Feinde", welche sie auf verschiedene Arten ausnutzen könnten (Üble Nachrede wäre dabei das geringste Übel)
    4) Die Rechtsextremen erfahren, bei welchem ihrer Feinde "etwas zu holen sein könnte".

    Das sind nur die ersten Dinge die mir einfallen.

    Wenn die Frau wirklich in der rechtsextremen Szene tätig ist (z.B. beim Rudolf Heß Gedenkmarsch…) sollte die Schufa sich ganz schnell von ihr trennen, schon zum Schutz des eigenen Rufes…

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