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Dem Anderen “Neger” und “Mohr” zuschieben

Schere

Alte Sprachzöpfe beschneiden – doch wie? (Symbolfoto)

In den letzten Wochen und Monaten bin ich in der Diskussion über Alltagsrassismus über die Formulierung „N-Wort“ gestoßen. Unlängst kam dann noch der Begriff „M-Apotheke“ hinzu. Die Schreibenden stören sich an den Begriffen „Neger“ bzw. „Mohr“ und wollen diese durch andere Begriffe ersetzt wissen, weil sie die Begriffe als rassistisch und überholt ansehen. Dem kann man folgen. Darum soll es hier nicht gehen.

Mir geht es vielmehr darum, dass die Formulierung „N-Wort“ bzw. „M-Apotheke“ eben nicht zur Vermeidung der Begriffe beiträgt. Vielmehr nutzt man hier einen Code, der von jedem Lesenden sofort verstanden wird. Wenn er nicht verstanden wird, dann kann auch keine Empörung über die Begriffe entstehen, die aber ja gewollt ist. Oder deutlicher: wenn ich über die Begriffe „Neger“ und „Mohr“ diskutieren will, muss ich sicher gehen, dass mein Gegenüber versteht, welche Begriffe ich meine, muss ich sicher sein, dass der richtige Begriff gedacht wird.

Dementsprechend stellt sich die Frage, ob die Codierung der Begriffe über „N-Wort“ und „M-Apotheke“ nicht letztlich Spiegelfechterei ist, und nur dem Zwecke dient, vordergründig den Schreibenden zu entlasten. Es geht darum, sich selbst, das gute Gefühl zu geben, eben jene Begriffe nicht zu benutzen, sie aber dem Lesenden durchaus aufzwingen.

Ich würde mir da mehr Ehrlichkeit wünschen.

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5 Kommentare zu “Dem Anderen “Neger” und “Mohr” zuschieben

  • #1
    abraxasrgb

    Slavoj žižek hat dafür den schönen Begriff: Euphemismus-Tretmühle geprägt 😉
    D´accord …

  • #2
    Jürgen Vogler

    Wie armselig ist eine Gesellschaft, die den Menschen nicht zutraut, die richtige Worte zum richtigen Zeitpunkt zu finden? Ich möchte alleine entscheiden, wann und zu welcher Gelegenheit ich welche Worte wählen möchte. Nicht selbst ernannte Weltverbesserer schreiben mir vor, was ich sagen darf. Der Chef des Restaurants "Zum Mohrenkopf" in Kiel, Andrew E. Onuegbu, ist ein Mohr und er ist stolz darauf. Ein wohltuendes Bespiel, was auch uns Blassgesichtigen gut zu Gesicht stehen würde.

  • #3
    Helmut Junge

    abraxasrgb, ich glaube auch, daß es dieses Prinzip der Euphemismus-Tretmühle gibt. Und nachdem ich den Tag darüber nachgedacht habe, ist mir klar geworden, daß es dazu auch eine umgekehrte Richtung gibt. Die gibt es dann, wenn eine als Beleidigung gedachte Bezeichnung vom Empfänger mit Stolz angenommen wird.
    Das ist z.B. bei dem Wort "Kraut" der Fall. Ich habe nie jemanden getroffen, der sich darüber geärgert hat, als "Kraut" bezeichnet zu werden. Hat nie geklappt mit der Beleidigung. Deshalb haben sich Schelme eine andere Grundnahrung ausgesucht, nach der wir Deutschen bezeichnet werden. Irgendwie muß das doch gehen. Neuer Versuch: Die Kartoffel.
    Aber, ja und? Diese Bezeichnung wird auch als Beleidigung nichts bringen. Hat sofort einer als Kartoffelrock für sich reklamiert.
    Aber immerhin dient sie der Erkenntnis, daß Wörter als Beleidigung keine Wirkung haben, wenn der Rezipient sagt "ja, tatsächlich, das bin ich, und nu? ". Also, abraxasrgb, ich habe die Anti-Euphemismus-Tretmühle " entdeckt. Wenn du die mal erwähnen solltest, nenne bitte meinen Namen Namen als Entdecker.

  • #4
    Bernd Lauert

    Dafür gibt es ja jetzt den Alman als rhetorische Figur.

    Mir fehlt übrigens Maximalalman. Nur sagend.

  • #5
    Helmut Junge

    @Bernd Lauer, Alman und ähnliche Namen haben wir bei vielen Völkern. Ebenso Ableitungen von Franken, Sachsen, Germans und außerdem noch Nemski. Deutsche nennen wir uns alleine. Nur ist das nie ein Problem gewesen und wird es auch nie sein.
    Das kann lustige Verwechselungen geben. In Frankreich fragte mich eine Holländerin ob ich Dutch wäre, Als ich ja sagte, fiel mir auf, daß wir keine Dutch sind, aber die Holländer sich selber so nennen. Tatsächlich nennen die sich nicht Holländer, sondern Niederländer oder Dutch.
    Auf Zypern wollte eine Wirtin wissen woher ich komme. Ich hab alle Namen oben ausprobiert, aber die hat es nicht kapiert. Aleman wäre es vielleicht gewesen, ist mir aber nicht eingefallen. Ach, in Bayern glauben sie, daß ich Preuße sein müßte. Bin ich aber nicht. Meine Großeltern sind aus Österreich gekommen.

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