Neue Finanzlöcher im Rot-Weiß-Essener Stadionkäse

OB Reiniger (CDU und 2. vr) läßt sich bei Rot-Weiß Essen feiern. Jetzt neue Finanzlöcher im "Volkseigenen Kickerclub" Foto: Stadt Essen

Auf die Stadt Essen rollen nach meinen Recherchen neue, bislang versteckte Kosten in der Causa Rot-Weiß zu. Es geht um den Innensusbau des geplanten Stadions, für das eine weitere kommunale Tochter aufkommen könnte. Wie gesagt, bin ich seit gut zwei Wochen in Sachen RWE-Stadion unterwegs. Und, wie ich jetzt erfahren habe, hat die Stadt nur zwei Großsponsoren für das Stadion anzubieten. Aus diesem Grund wird heftig überlegt, wie man weiter Geld schwitzen kann. Doch der Reihe nach:

Über die kommunale Anstalt Sparkasse Essen sollen 5 Mio Euro in das Projekt gepumpt werden – und der Stromriese RWE, an dem die Stadt Essen beteiligt ist, hat sich verpflichtet zwei Mio Euro für die Namensrechte an der Arena zu zahlen. Des Weiteren hat schon in der vergangenen Saison die kommunale Tochter RGE 100.000 Euro als Sponsoring in den Club gepumpt. Damit nicht genug. Neben ihrem direkten Zuschuss von 7,5 Mio Euro will die Gemeinde über ihre kommunale Tochter GVE drei Jahre lang hohe Millionenbeträge in das Stadion investieren. Die Rede ist von 8 Mio Euro im Jahr, die auf die Kreditlinie der Stadt angerechnet werden sollen. Sprich, das Geld geht direkt zu Lasten von Investitionen in Schulen und Kindergärten. Dann kommen noch die bereits bekannten Gelder aus dem Stadt- Kölmel-Deal hinzu. Weitere 6,8 Mio Euro Zahlungsverpflichtungen. Den Beratervertrag mit Strunz habe ich jetzt nicht mitgerechnet. Das sind die bekannten Fakten.

Jetzt kommt aber raus, dass auf die Gemeinde weitere versteckte Kosten durchaus in Millionenhöhe zukommen können. So liegen mir Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass in den bisherigen Finanzierungsplanungen für das Stadion der Innenausbau weiter Teile der Gebäude nicht berücksichtigt worden ist. Alleine die Summe von 750.000 Euro ist demnach veranschlagt. Der Rest des Ausbaus sei Sache des Caterers, heißt es.

Und als Bewerber um den Posten des Caterers ist die RGE im Rennen – eine städtische Firma. Die Stadt sagt dazu, derzeit werde ein Gesamtkonzept zur Bewirtschaftung des Stadions erarbeitet. Später sollten sich diverse Anbieter um den Job bewerben, Würtschen und Co in der Arena zu verkaufen. Und unter diesen Bewerbern soll dann selbstverständlich auch der ortsansässige Dienstleister RGE angesprochen werden. Wie ich höre, ist die Nummer mit der RGE aber schon abgemacht.

Sollte also die RGE den Zuschlag erhalten, würden die anfallenden Investitionen für den Ausbau wieder zu Lasten der Stadt und nicht zu Lasten des Vereines gehen. Tolle Planung. Die Essener Bürger dürften für den VIP-Spaß in der Catererhütte ihrer Vorleute blechen. 

Wie hoch die Ausbaukosten sind, die von der städtischen RGE getragen werden müssten, sollte sie den Zuschlag erhalten, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich kommt es darauf an, ob die Kloarmaturen verchromt werden oder nicht.

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang noch, dass die RGE zusätzlich in der kommenden Saison den Sicherheitsdienst für das Stadion übernommen hat. Als Subunternehmerwurde die Firma Issa Security beschäftigt. Genau diese Firma war auch bislang für die Sicherheit im Stadion verantwortlich. Und musste schon mal auf ihre Begleichung ihrer Rechnungen warten. Nun allerdings ist der Issa-Schuldner solventer. An die Stelle des Clubs tritt die städtische Tochter RGE. Man kann es auch anders sagen: Die Erlöse werden privatisiert, die Risiken kommunalisiert.

Die Gesamtsumme der gesamten städtischen Ausgaben inklusive der Aufwendungen aus den Töchterbetrieben für das Projekt Rot-Weiß Stadion kann man schwer beziffern. Ich schätze es sind fast 40 Mio Euro. Noch-Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger (CDU) hat nur 24 Mio Euro städtische Investitionen zugegeben. Der Rest wird schön geredet.

Unterdessen versuchen Leute auf den Forumsseiten des Revierssports zu Rot-Weiß Stimmung gegen mögliche Petzen in den eigenen Reihen zu machen. So wird vor allem gegen einen Aufsichtsrat gehetzt, der Journalist ist. In meinen Augen ist das peinlich. Es wird einfach ein Sündenbock ausgeschaut, auf diesem rumgehackt, anstatt das Problem zu erkennen und zu lösen. Die Stadt Essen kann sich das Stadion auf Steuerkosten einfach nicht leisten. Vielleicht hat das keiner in der Gemeinde gehört. Essen ist mir 3 Mrd Euro in der Kreide. Die Stadt ist am Ende. Hallo? Jemand da? Auf jeden Fall hat die Bezirksregierung Düsseldorf jetzt was gesagt. Und zwar greift die Behörde die Beteiligung der Gemeinde an der Profifußballabteilung von Rot-Weiß an. So sei die Bezirksregierung als Kommunalaufsicht nicht über den Erwerb einer 49-Prozent-Beteiligung an der Spielbetriebsgesellschaft informiert worden. In einem Schreiben der Bezirksregierung heißt es:

Zu einer Beteiligung der Stadt Essen an einer Profifußballfirma des Clubs Rot-Weiss Essen gibt es hier keinerlei Erkenntnisse.

Der Betrieb eines Profifußballclubs durch eine Gemeinde entspricht nicht den Voraussetzungen einer wirtschaftlichen bzw. nicht-wirtschaftlichen Betätigung der Gemeinden nach § 107 Abs. 1 bzw. 2 der Gemeindeordnung NRW und wäre damit nach hiesiger Auffassung unzulässig.

Ich bleibe am Ball.

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4 Kommentare

  1. #1 | Essener Bürger sagt am 29. August 2009 um 18:03 Uhr

    Alles schön und gut. Aber dann meine Frage: Kann sich eine Stadt mit 3 Milliarden Schulden Theater und Philharmonie leisten? Darf eine Kommune überhaupt ein Orchester halten? Darf sie sich ein Einkaufszentrum leisten? Oder das Essen-Original Festival? (Wohlgemerkt sind dies mit Ausnahme des Einkaufszentrums jährlich wiederkehrende Kosten) Ganz schnell kommt man hier zu einer grundsätzlichen Fragestellung: Gibt es bessere und schlechtere Kultur? Auch fehlt mir in ihrem Artikel eine Alternative – ein Ausblick: Was sollte die Stadt nach Ihrer Meinung mit ihrer Immobilie machen, wenn sie keinen Neubau errichten darf? Weiterhin jährlich Instandhaltungskosten zahlen und zudem Kosten, um DFB Auflagen einzuhalten? Und das Stadion dann letztendlich ersatzlos wegen Baufälligkeit schliessen und vorher hoffen das niemand veletzt wird? Wenn dies die Alternative ist dann würde damit auch die Frage nach schlechterer und besserer Kultur beantwortet.

    P.S.: Mit dem Totschlagargument „Verschuldung der Stadt“ kann man jedes Projekt schlecht reden. Wird aber nicht gemacht. Komischerweise aber bei einem Stadionprojekt einer der größten Städte Deutschlands. Man wundert sich nur noch, dass in anderen Städten – auch für Viertligisten – neue Stadien gebaut werden und in Essen weiterhin alle Versuche eine gesunde Infrastruktur für Profifußball zu schaffen befeuert werden. Und das in einer Region in der der Fußball zu Hause ist. Schade eigentlich.

  2. #2 | Jens Matheuszik sagt am 29. August 2009 um 19:16 Uhr

    @Essener Bürger:
    Man könnte sich natürlich auch fragen, warum gerade in Essen der Fußball unterstützt werden muss, wo es in der nahen Umgebung sehr viele – deutlich erfolgreichere – Fußballvereine in der Umgebung gibt…

  3. #3 | Thomas Mollen sagt am 30. August 2009 um 08:59 Uhr

    @Jens Matheuszik: Die Frage zielt völlig am Kern des Problems vorbei. Die Stadt Essen unterstützt den Fußball ja nicht aus reinem Selbstzweck (auch wenn uns Herr Schraven das mit Blick auf die heutige Kommunalwahl weismachen wollte). Tatsache ist, dass die Stadt das Georg-Melches-Stadion in den vergangenen Jahren hat verkommen lassen. Notwendige Investitionen wurden jahrelang zurückgestellt, teils aus Finanznot, teils schon in der Hoffnung, das Problem erledige sich bald durch einen Neubau.
    Jetzt ist die Stadt in der Situation, dass sie als Eigentümerin gezwungen ist, die Verkehrssicherheit der Immobilie sicherzustellen. Nachdem bereits Teile des Tribünendaches auf die Zuschauerränge gefallen waren, drohten die Totalsperrung der Spielstätte oder ein Sanierungsmarathon, der Jahre gekostet und und vermutlich ebenso viele Millionen verschlungen hätte wie ein Neubau.
    Dass die Stadt sich nun den Fußballverein gleich mit „ans Bein gebunden“ hat, ist eine Konsequenz aus dem wirtschaftlichen und sportlichen Niedergang von RWE. Der Stadionneubau musste aus dem oben geschilderten Sachverhalt her, das stand außer Frage. Wenn aber der Hauptnutzer und Zuschauermagnet über kurz oder lang in der Kreisliga verschwindet, hat man ein schönes Stadion völlig umsonst gebaut. Also saniert man den Verein gleich mit. Das ist unkonventionall, aber konsequent und logisch. Schließlich denkt die Stadt ja nicht ganz uneigennützig: Aus dem Verkauf von Logen, ja sogar aus dem Betrieb des Stadion-Caterings lassen sich Erlöse erzielen. Es ist ja nicht so, dass die RGE, sofern sie Stadion-Caterer werden sollte (wofür ich hier bislang keine Belege gesehen habe), ihre Würstchen für Umme verkaufen würde.

    Ich habe übrigens auch ein Verständnisproblem mit ihrer Frage. Implizieren Sie, die Stadt Essen sollte lieber z.B. den VfL Bochum unterstützen, weil dieser sportlich erfolgreicher ist? Oder plädieren sie dafür, den chronisch erfolglosen Verein RWE sozusagen „in der Versenkung“ verschwinden zu lassen, weil es ja genügend erfolgreiche Clubs im Ruhrgebiet gibt? Zumindest die zweite Lesart fände ich ziemlich anmaßend. Tausende RWE-Fans werden sich nicht so einfach „umtopfen“ lassen. Würden Sie, Herr Matheuszik, etwa des sportlichen Erfolgs wegen Fan von Herne-West werden? Eben.

  4. #4 | Marcel sagt am 1. September 2009 um 12:42 Uhr

    @Thomas Mollen:
    Ich würde es zum Beispiel lieber sehen, wenn die Stadt Essen in ihren Erstliga-Verein investiert. Und zum Thema Kultur verweise ich nur mal auf den Umgang mit der Roxy u. der Lichtburg Geschichte. Ich bin ja mal gespannt, ob im nächsten Sommer die City Essen nach Geschäftsschluss gefüllt bleibt und nicht schon wieder um 21:00 Uhr die Bordsteine hoch geklappt werden.

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