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Newpark: Platz für Jobs im armen Norden des Ruhrgebiets

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Der Kreis Recklinghausen will auf einer 500 Hektar großen Fläche Industrieunternehmen ansiedeln. Es geht um das wirtschaftliche Überleben des nördlichen Ruhrgebiets.

Es sind drei Zahlen, die das ganze Elend des Ruhrgebiets deutlich machen und Petra Bergmann, die Geschäftsführerin der Dattelner newPark Planungs- und Entwicklungsgesellschaft zeigt sie jedem Besucher: 47 117 Arbeitsplätze fehlen dem Ruhrgebiet, um die gleiche Arbeitsplatzversorgung zu erreichen wie Brandenburg, das Land mit den wenigsten Jobs in Deutschland. 111 778 Arbeitsplätze fehlen, um das Niveau Nordrhein-Westfalens zu erreichen und 124 860 um im Bundesschnitt zu liegen. „Das Ruhrgebiet“, sagt Bergmann, „braucht jeden Arbeitsplatz, den es bekommen kann und jede Fläche, um Unternehmen anzusiedeln.“

500 Hektar Land wird der Kreis Recklinghausen von RWE kaufen. Am Montag hat der Kreistag das mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP beschlossen. Er wird dafür 17 Millionen Schulden machen müssen. Ein Geschäft auf eigenes Risiko, denn Wirtschaftsminister Gerald Duin (SPD) hat im September eine Landesbürgschaft abgelehnt. Das Land glaubt nicht an newPark, es glaubt auch nicht mehr an neue große Ansiedlungen. Langfristiges Ziel sei es, verkündete Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne), den Flächenverbrauch auf Null zu senken. Erst einmal soll er bis 2020 halbiert werden.

Lothar Hegemann, der CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzender der Recklinghäuser Kreistagsfraktion mag Leute wie Remmel nicht: „Die Grünen können nicht ertragen, wenn Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie jammern über die Arbeitslosenquote, aber mehr als öffentliche Mittel zu fordern, fällt ihnen nicht ein.“ Duin und seine Gegnerschaft zu newPark nimmt Hegemann während seiner Rede im Kreistag nicht ernst: „Die Position des Wirtschaftsministers wir überschätzt. Er ist nur ein Festredner.“

Kein Sozialdemokrat stellt sich an diesem Vormittag vor Duin. Ihr Fraktionsvorsitzender Klaus Schild steht hinter dem Ankauf der Flächen: „“Die SPD steht bekanntlich seit 150 Jahren zu den industriellen Arbeitsplätzen. Die Entwicklung zum newPark hat sie von Beginn an positiv begleitet.“

Und diese Entwicklung war lang. Will man wissen, warum die wirtschaftliche Situation im Ruhrgebiet so düster ist, wie sie ist, reicht ein Blick auf das Projekt newPark.

Bis Ende der 70er Jahre entsorgte Dortmund fast 100 Jahre lang seine Abwässer auf den Rieselfeldern 1997 kam dann Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, heute Hauptgeschäftsführer der IHK in Münster, damals Leiter ihrer Außenstelle in Gelsenkirchen Buer auf die Idee zu newPark: „Die Situation auf dem Arbeitsmarkt war schon damals dramatisch“, erinnert sich Schulte-Uebbing. Er wollte ein in Deutschland einzigartiges Gewerbegebiet schaffen, ein Signal des Aufbruchs: „newPark sollte nicht einfach nur irgendein neues, großes Gewerbegebiet sein. Ich wollte dort eine Gewerbesteuer, die zeitweise sinkt, wenn ein Unternehmen Arbeitsplätze schafft, für die Mitarbeiter sollte es eine gute und flexible Kinderbetreuung geben, newPark sollte auch einen Personenbahnhof bekommen und eine Leitung, die den angesiedelten Unternehmen möglichst viel bürokratischen Aufwand abnimmt.“ newPark sollte großen Industrieansiedlungen Platz bieten.

Wolfgang Clement, damals noch NRW-Wirtschaftsminister, war von den Plänen begeistert. Aber es blieben Pläne. Die Grünen, damals Koalitionspartner der SPD, waren immer gegen newPark. Die Stadt Waltrop, die sich selbst als „grün und gemütlich“ beschreibt, stellte sich gegen das Projekt, das Anfangs auch auf Teilen ihres Stadtgebiets lag. Dass das RWI newPark in seiner ursprünglichen Version ein Potential von 13000 Jobs bescheinigte, davon gut 3000 in Waltrop, interessierte dort weder SPD noch Grüne.

Von BMW träumten sie damals in Datteln und vom einem neuen Lexus-Werk. Doch die Entwicklung von newPark stockte, die Werke entstanden im Osten, in der Türkei, aber nicht im Ruhrgebiet.

Hier wurde gestritten: Um die Fläche, um die Größe der Unternehmen, die sich ansiedeln können, um die Verkehrsanbindung. newPark braucht als Anbindung eine neue Straße, die B474n. 80 Prozent der Waltroper Anwohner sprachen sich in einer Befragung für den Bau der Straße aus, die für ganze Wohngebiet eine Verkehrsentlastung bedeuten würde. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) versuchte trotzdem sie kaputt zu klagen, scheiterte damit zumindest teilweise vor Gericht.

Die Pläne für den newPark sind heute bescheidener. Aufgehen könnte das Konzept aber auch heute noch, ist sich Petra Bergmann sicher: „Wir wollen Unternehmen mit einem Flächenbedarf von mindestens 10 Hektar zusammen mit ihren Zulieferern ansiedeln.“ 150 Hektar Industriefläche sollen dafür zur Verfügung gestellt werden. Eine Studie der Wirtschaftsberatung Prognos hat newPark 2012 immer noch ein Job-Potential von 8900 Stellen bescheinigt. 23 Städte nicht nur aus Ruhrgebiet stehen hinter newPark, darunter auch Städte aus dem Kreis Coesfeld.

Sie schauen nach Erfurt, wo in dem Gewerbebiet Erfurter Kreuz vieles von dem einfach gemacht wurde, was man sich für newPark vorgenommen hatte. Innerhalb von sieben Jahren wurden dort über 10000 Arbeitsplätze geschaffen, haben sich Unternehmen wie Daimler und Schenker niedergelassen.

„Der Beschluss des Kreistages, auch ohne Hilfe des Landes die newPark-Flächen zu kaufen, sind ein wichtiges Signal: Hier will jemand seine Zukunft in die eigene Hand nehmen“ sagt Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr. Die Ruhrgebiets-Wirtschaftsförderung hat im vergangenen Jahr einen Marktbericht zum Thema Gewerbeflächen vorgelegt. Sie sind knapp im Ruhrgebiet, in sieben Jahren sind alle Reserven aufgebraucht. Die Industriebrachen, auf denen sich Unternehmen vorrangig ansiedeln sollen, wirken größer als sie sind: Nur gut die Hälfte der Flächen stehen wirklich zur Verfügung, der Rest ist zu verseucht oder liegt zu nahe an der Wohnbebauung. „Viele Kommunen sind schon heute mit einer erheblichen Verknappung des gewerblichen Flächenangebots konfrontiert.“ Noch schlimmer ist die Lage bei Industrieflächen – für sie ist kaum noch Platz im einstigen industriellen Zentrum Deutschlands. Daran ändern auch spektakuläre Unternehmensrückzüge wie Opel aus Bochum nicht. 28 Hektar Industriefläche werden dort künftig zur Verfügung stehen. Für 15 davon soll sich das Logistikunternehmen DHL interessieren, Städte wie Witten und Hattingen hoffen, auf den verbleibenden Flächen Platz für Unternehmen aus ihren Kommunen zu finden, die sonst vielleicht abwandern würden.

Auch Thomas Eiskirch, der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion findet den Beschluss aus Recklinghausen gut. „Der Kreis bekennt sich zur Industrie – das ist ein wichtiges Zeichen.“

Aber erst einmal ist es auch nicht mehr als das: Das Land will die dringend notwendige B474n nicht vor 2019 bauen – ohne sie kann newPark nicht entwickelt werden. Die offene Frage der Verkehrsanbindung war einer der Gründe warum die Unternehmensberatung PWC Wirtschaftsminister Duin von einer Kreditbürgschaft abriet. Ein anderer war das Klagerisiko: Vor allem Dattelns Nachbargemeinde Waltrop ist Wutbürgerland – klagefreudig stellt man sich gegen alles, was nicht „grün und gemütlich ist“, unterstützt von Öko-Lobbyisten wie dem BUND. Auch rechtliche Risiken gibt es: Wenn das umstrittene Kohlekraftwerk Datteln IV doch noch ans Netz gehen würde, dürften die Unternehmen auf der newPark-Fläche wegen eines nahegelegenen Naturschutzgebietes kaum noch die Umwelt belasten. Da der Regionalverband Ruhr am 13. Dezember das Kraftwerk genehmigen will, wäre eventuell eine Ausnahmeregelung des Landes nötig – die es unter Rot-Grün noch nie gegeben hat. Und auch der Grundbesitzer RWE könnte sich besseres vorstellen als ein Gewerbegebiet. „Wenn wir da Windräder draufpacken könnten und das Land darunter weiter an die Bauern verpachten“, sagt ein RWE-Mitarbeiter, „hätten wir mehr davon.“ Nur neue Jobs gibt es dann keine.

Der Artikel erschien bereits in ähnlicher Version in der Welt am Sonntag.

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28 Kommentare zu “Newpark: Platz für Jobs im armen Norden des Ruhrgebiets

  • #1
    Walter Stach

    Stefan,
    1.
    ein uraltes Lied das Bergmann,Hegemann,Schild,Schulte-Übbing u.a. singen. Auch ein solch permanenter „Singesang“, mit Beginn des Kommunwahlkampfes besonders lautstark intoniert, ändert nichts daran, daß sie alle weiterhin einem Phantom nachjagen, fern ab jeglicher Realität.
    So sieht das auch die Landesregierung, nicht nur Herr Remmel, sondern foglich vor allem die Chefin dieser Regierung!
    2.
    Und wenn Frau Bergmann aus Datteln hier öffentlich zitiert wird mit „das Ruhrgebiet braucht jeden Arbeitsplatz“, dann zeigt diese an Trivialität nicht zu überbietende Feststellung, wessen „Geistesgrößen“ das New-Park-Projekt zu puschen versuchen.

    3.
    Wenn das „Ruhrgbiet“, und das ist mehr als die Emscher-Lippe-Region, alle seine Kräfte und alle seine Ressourcen und die Anderer -EU,BUND,LAND,KOMMUNEN- konzentriet einsetzen würde , um aus der „OPEL-Fläche“ ‚was zu machen, dann könnte es eine realistische Chance geben, den Industristandort Ruhrgebiet den Anforderungen des 21.Jhd. im nationalen und internationalen Wettbewerb zu entwickeln.
    Das will man nicht, das kann man nicht, also flüchten sich die Protagonisten des New-Parkes in die Rieselfelder Datteln – Waltrop.
    Stefan hat richtigerweise einige gravierende Probleme aufgezeigt, die zu lösen wären, wenn…..
    Nicht erwähnt hat hat er dabei , daß die öffentliche Hand nicht nur 17 Mio € für den Kauf der Grundflächen aufzuwenden hätte, sondern geschätzt mindestens 4o Mio € für die innere und äußere Erschließung.

    4.
    Schon interessant, wenn ganz offiziell ein RWE-Mitarbeiter erklärt: „Wenn wir….,dann hätten wir mehr davon“.

    Ich habe hier bei den Ruhrbaronen schon in einem anderen Zusammmenhang „ganz vorsichtig“ danach gefragt, wenn es denn so sein sollte, daß RWE aus seinem Eigentum in den Rieselfeldern Datteln/Waltrop für sich einen wesentlich größeren Ertrag erzielen könnte -Verkauf an andere Interessenten, Nutzung z.B. für Windräder-, ob es dann nicht eine selbstverständliche unternehmerische Pflicht zu sein hat, im Interesse des Unternehmens diesen größeren Ertrag erzielen zu müssen(!!). „Untreue“ im Sinne des StGB ist, wenn……………..

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Walter Stach: Ich halte über 120 000 fehlende Arbeitsplätze nicht für trivial, aber das siehst Du als ökologisch gesinnter Sozialdemokrat nun einmal anders.

  • #3
    Walter Stach

    Stefan,
    1.
    ich bin ein ökologisch gesinnter Sozialdemokrat, der aber für sich in Anspruch nimmt, auch ökonomisch „gesinnt“, engagiet und vor allem, wenn es um die kommunale/regionale Wirtschaftspolitik geht, auch ökonomisch „Ahnung“ zu haben sowie diesbezüglich Einiges an Erfolgen (auch Mißerfolgen!) vorweisen zu können, z.B. durch seine Verantwortlichkeit als Stadtdirektor in CAS-R für die Erschließung des ERIN-Parkes -ehmaliges Bergwerk Erin- und diverser andere ehemaliger Zechenstandorte in CAS-R;beratend zudem u.a. auch bei der Erschließung von Ewald in Herten.
    Also, ich weiß jedenfalls, wo von ich spreche!

    Im übrigen:
    Wer heute nur ökonomisch, nicht aber ökologisch denkt, lebt in einer längst vergangenen Zeit.

    Insofen ehrt mich Deine Einordnung in die Rubrik “ ökologisch gesinnter Sozialdemokrat“.

    Vor ca. 25 Jahren hat mich schon der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Waltrop als „ÖKO-Sozi“ bezeichnet, was mir (und meiner Partei) im kurz darauf folgenden Kommunal-wahlkampf offensichtlich nicht geschadet, sondern sehr genutzt hat -rd.54 % Stimmen für die SPD;das beste Eregebnis, das sie in dem traditonell nicht sozialdemokratisch geprägten Waltrop je erzielt hat.
    2.
    Stefan, was das Triviale angeht, hast Du mich wohl bewußt falsch verstanden.

    Niemand läßt auch nur den geringsten Zweifel daran aufkommen,daß wir uns allesamt für j e d e n neuen, zusätzlichen Arbeitsplatz engagieren und für den Erhalt vorhandener.
    Wenn der Frau Bergmann aus Datteln, um für ihren New-Park zu werben, nichts Anderes einfällt, als das festzustellen, dann ist das für mich bemerkenswert „trivial“.

    3.
    Stefan,
    das Alles -sh.1./2.-sind noch nur „Nebenkriegsschauplätze“.

    Interessiert bin ich u.a.daran, von allen Akteuren -EU,BUND,LAND,RVR, aber auch von den Diskutanten hier bei den Ruhrbaronen, zu hören, ob sie eine Konkurrenzsituation zwischen der OPEL-Fläche und ihrer industriell-gewerblichen Neunutzung sehen zum New-Park-Projekt und wie sie diese ggfls. bewerten,beurteilen.

  • #4
    Bergmann

    Die Arbeitsplätze sind für die Menschen in unserer Region das Wichtigste, weil die Arbeitsplatzlücke selbst im Vergleich zu ostdeutschen Regionen dramatisch ist.

    Daher haben viele Entscheidungsträger der Region, aus Gewerkschaften, Wirtschaft, Kirchen bis zur Politik, eine klare gemeinsame Haltung zu newPark und die lautet: Tausende Arbeitsplätze sind jede Anstrengung wert!

    Beide Flächenentwicklungen Opel und newPark werden gebraucht, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

    Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele andere gute Argumente, darunter auch viele umweltpolitische Argumente, für newPark. Für das renommierte Wirtschaftsberatungsunternehmen PROGNOS hat das 150 ha große Industrieareal newPark das Potential, zu einem „Wachstumskern mit großer Ausstrahlung und umweltpolitischer Vorbildfunktion“ zu werden.

    Die Argumente, mit denen newPark wirbt, können im Detail in den newPark-Visionen und Gestaltungsleitlinien nachgelesen werden.

    Es handelt sich im Kern bzw. kurz zusammengefasst um drei Säulen:
    – ein attraktives städtebauliches Konzept zur Ansiedlungen von großen Unternehmensnetzwerken, mit Schaufenster für GreenTech;
    – eine Standortinfrastruktur, die eine neue Qualität umweltfreundlicher Produktion ermöglichen soll;
    – die Einbettung von Industrie in eine Parklandschaft.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Walter Stach: Waltrop, Herten und Castrop als erfolgreiche Beispiele zu nennen ist sportlich und zeigt wo das Problem im Ruhrgebiet liegt: Man orientiert sich hier nicht an den Gewinnern. Was ich an Datteln schon lange gut finde, ist das die Stadt zu den Gewinnern zählen will und sich nicht damit bescheidet, ein Verlierer zu sein.

  • #6
    kai

    An Stefan und Walter

    Was soll diese Zahlenakrobatik? Arbeitsplätze schaffen für Wachstum? Wer soll die ganzen Güter noch kaufen? Also sollen wir auch wieder mehr Menschen werden, damit diese Güter konsumiert werden.
    Die neuen Menschen brauchen auch wieder Geld, also Arbeit. Damit brauchen wir wiederum Wachstum. Es ist ein Teufelskreis, den jeder der für Wachstum ist propagiert.

    Wenn niemand absolute Blödbratzen auf einem anderen Planeten gefunden hat, die uns alles überflüssige abkaufen würden, ist diese :“ Mehr, mehr mehr Methodik“ nur eine mär vorm Ende von allem.
    Wir müssen erstmal ca 5mrd Menschen weniger werden, bevor wir wieder vom Wachstum träumen sollten.

    Und Stefan bedenke:“Traue keiner Statistik( den Zahlen) die du nicht selber gefälscht hast.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Kai: Hab ich schon in den 70ern gehört. Sie war schon damals so fade wie sie falsch war.

  • #8
    Bergmann

    Es geht nicht nur um mehr Produkte, sondern vor allem um bessere Produkte.

    Umweltpolitische Herausforderungen werden nicht in erster Linie durch mehr Umweltvorschriften, sondern durch Innovationen bewältigt.

    Dazu werden neue Produkte aus der Industrie (Autos mit anderen Antriebssystemen, neuen Heizungstechniken, neuen Materialien zur Energieeinsparung etc.) gebraucht.

  • #9
    Klaus Lohmann

    Bis auf die üblichen Verlagerungen/Umzüge innerhalb des Kreises habe ich noch von keinem nennenswerten Investitions-Engagement aus der Industrie gehört, welches sich auf dem newPark-Gelände abspielen soll. Man möge mich berichtigen, obwohl die Gründe dafür ja klar im letzten Absatz von Stefan beschrieben sind.

    Und auch die umliegenden Kommunen wie Dortmund z.B. ziehen sich aus der ehemaligen newPark-Partnerschaft zurück, weil es wie immer doch nur bei Kannibalisierungseffekten *innerhalb* des Ruhrgebiets und zwischen den Kommunen bleiben wird.

  • #10
    nikolas

    Der newpark ist old fashioned

    Ich kann mich dem Post von Herrn Stach nur anschließen. Die Floskeln „das Ruhrgebiet braucht jeden Arbeitsplatz“ bzw. „Tausende Arbeitsplätze sind jede Anstrengung wert!“ wollen bei mir einfach nicht greifen.

    Auf der Habenseite steht bislang doch gar nichts, außer ein paar vollmundige Versprechungen, das Arbeitsplätze entstehen könnten, wenn man viel Geld in die Hand nimmt, die Fläche erschließt und die Landschaft verbaut…

    Und das allein um Indusrieflächen auf Verdacht vorrätig zu halten, die bislang
    durch keine Straße und wohl nie durch einen Gleisanschluss, einen Kanal sowie den öffentlichen Nahverkehr erschlossen werden. Keine Uni, keine Forschung, keine Nahversorgung weit und breit…

    Wer soll da kommen? Und warum nach Datteln?

    Das Ruhrgebiet leidet nun wirklich nicht unter Flächenengpässen sondern unter dem verschwenderischen Umgang mit diesen. Das Ergebnis sind in weiten Teilen devastierte Landschaften und ein städtebauliches Steckenbleiben in der Zwischenstadt.

    Viele Menschen schreckt das ab. Wohl auch Investoren bei ihrer Standortwahl. Ich halte es in diesem Kontext deshalb ganz mit Garl Ganser: Erst eine ästhetische und ökologisch nachhaltige Aufwertung des Ruhrgebietes leitet einen nachhaltigen Strukturwandel + Arbeitsplatzwirksamkeit in der Region ein. Nicht umgekehrt!

    newpark ist das genaue Gegenteil von dieser Denke! Mehr dem Planungsgeist des 19. & 20. Jahrhunderts entsprungen, denn gegenwärtig, gar zukunftsgewandt.

    Auch der grün gewaschenen drei Säulen-Theorie von Frau Bergmann kann ich nichts abgewinnen.

    1. „ein attraktives städtebauliches Konzept“ kann es nicht geben. Wo keine Stadt und keine Mischnutzung, da auch kein städtebauliches Konzept. Wir reden zudem von Wunschkandidaten mit einem Flächenverbrauch von 10ha+
    Wie lässt so etwas denn „städtebaulich“ und zudem auf der grünen Wiese integrieren? Es werden wohl eher die üblichen Wellblechkisten, die die Silouette dominieren. Monofunktional zudem.
    2. Wenn der neue Standort umweltfreundliche Produktion ermöglichen soll, dann ist er jetzt schon überflüssig, da emissionsarm produzierende Gewerbe ja bereits jede andere freie Fläche im Ruhrgebiet restriktionsfrei aufsuchen können.
    3. „die Einbettung von Industrie in eine Parklandschaft“ Was soll das sein? Das ist doch Marketing Geschwurbel! Das gesammte Ruhrgebiet ist doch jetzt schon eingebettete Industrie in Parklandschaft.

    Wer Parklandschaft und Ökologie möchte, der lässt die Grüne Wiese, Grüne Wiese sein und verrührt nicht Begrifflichkeiten zu grünem Marketingbrei. Wir sprechen beim newpark immer noch von einem restriktionsarmen Industriegebiet für produzierendes Gewerbe. Wozu sonst der ganze Aufwand?

    An anderer Stelle habe ich mich zu diesem Thema bereits ausführlicher geäußert: http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=8485

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @nikolas: Ganser hat sich nicht im geringsten für Wirtschaft interessiert. Als ich ihn 1999 zum Abschluss der IBA fragte, was aus den 1989 postulierten wirtschaftlichen Zielen wurde zuckte er mit den Schultern und sagte, schöne Gebäude seien auch etwas wert. Entsprechend gibt es auch in kaum einem IBA-Bau eine wirtschaftliche Nutzung. Es wurden nur neue Subventionstatbestände geschaffen. Zu den Flächenproblemen steht alles im Text drin. Das Erfurter-Kreuz funktioniert bestens – die Infrastrukturdefizite sehe ich auch. Sie müssten beseitigt werden. Gelingt es nicht neue Unternehmen ins Ruhrgebiet zu holen und mit den unterschiedlichsten Konzepten und an den unterschiedlichsten Orten anzusiedeln, wird das Ruhrgebiet weiter absacken. Es gibt einen Wettbewerb um Ansiedlungen – wer nicht das bieten kann was der Markt will verliert. Und der Markt besteht nun einmal nicht aus den Gansern dieser Welt, sondern aus Unternehmen. Es ist ein Markt – wer nicht mithalten kann geht unter. Da hilft dann auch keine bunte Öko-Broschüre.

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  • #13
    Arnold Voss

    New Park ist nur als optionale Fläche sinnvoll, d.h. ein weitere Erschließung sollte nur dann passieren, wenn es wirklich den/die industriellen Big Player geben sollte, den/die sich die Wirtschaftsförderer dort wünschen. Konkret, wenn nicht auf einen Schlag mindesten ein Drittel der Fläche mit entsprechenden Arbeitsplatzeffekten genutzt wird, sollte dort keine einzige Landschafts- und Infrastrukturveränderung vorgenommen werden.

    Findet sich allerdings wirklich Jemand der diese Voraussetzung erfüllt, oder sogar übertrifft, sollte ebenfalls in einem Schlag die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden. Das wiederum heißt, das alle notwendigen Planungs- und Genehmigungsschritte soweit vorbereitet werden sollten, dass das auch entsprechend zügig geschehen kann.

    Ich bezweifele, ehrlich gesagt, dass es ein solche Flächennachfrage jemals geben wird. Aber wenn es sie wirkllich geben sollte, und das kann eben Niemand sicher ausschließen, dann wäre das natürlich ein Meilenstein in der wirtschaftlichen Wiedergenesung der Region.

    Eines ist allerdings ganz klar: Die Region hat sich zuallererst auf die Opelfläche in Bochum zu konzentrieren. Hier liegen mittelfristig die größten Potentiale, weil hier die Infrastrukturvoraussetzungen wesentlich besser, bzw. schon größtenteils vorhanden, und keine Landschaftsschädigung/vernichtung nötig ist.

    Das Ruhrgebiet braucht mehr Arbeitsplätze. Daran gibt es einfach nichts zu rütteln. Es hat leider auch nicht (mehr) die Wahl, welche. Daran hat die groß angelegte ästhetische Revitalisierung von Karl (dem Großen) Ganser eben nichts geändert.

    Vielmehr ist sowohl während als auch und vor allem nach der IBA Emscherpark gerade der Teil der Region ökonomisch und sozial weiter abgesunken, in dem sie wesentlich stattfand. Das sollte endlich auch denen zu denken geben, die jenseits der Emscherrenaturierung fröhlich weiter nach Investitionen in die regionale Stadtlandschaftsgestaltung rufen.

  • #14
    Walter Stach

    -13-
    Arnold, die von Dir vertretene Auffassung wird seit Jahren von der großen Mehrheit im Rat der Stadt Waltrop vertreten. Ich habe für diese Auffassung seit Beginn der Debatte über eine gewerblich-industrielle Nutzung der Rieselfelder gestritten. Und diese Auffassung ist nach meiner Wahrnehmung bis heute auch die der Landesregierung. D.h., wenn es denn den Großinvestor mit einem ganz konkreten Ansiedlungsinteresse für die Rieselfelder Datteln-Waltrop irgend wann ‚mal geben sollte, bisher war das nicht der Fall, und sich dieses Interesse z.B. über einen „Vorvertrag“ auch juristisch belegen läßt, dann lassen sich alle anderen widerläufigen Interessen, z.B. ökologischer Art, in der Sache und politisch überwinden;auch in Waltrop. „Großinvestor“ heißt für mich dann selbstverständlich auch, daß Vollzeitarbeitsplätze garantiert werden, und zwar in „nennenswerter“ Zahl;was „nennenswert“ wäre, ist hier nicht diskutieren. Für mich wäre eine Zahl von 1.5oo-3.000 diskutabel.

    -5-Stefan,
    es läßt sich konkret belegen, daß die kommunale Wirtschaftsförderung in Cas-R und Herten, z.Teil auch in Waltrop, in den letzten 2o Jahren wesentlich mehr in Sachen Bestandserhaltung/Neuansiedlung von kleineren und mittleren Handels- und Gewerbebetrieben bewirkt hat, als die Stadt Datteln. Und das hat auch damit zu tun, daß die Dattelner unverdrossen, aber erfolglos, auf Großprojekte setzen -E.ON-Datteln IV, New-Park-.
    Was Datteln ist, was es bisher bewirkt hat, sollte der Maßstab sein, wenn man über Erfolge städt.Wirtschaftsförderung urteilt, nicht das, was z.B. der Verlierer Datteln, an der Spitze Frau Bergmann, sich so alles wünscht.

    Die „Möchtegern-Industriestadt Datteln“ rangiert z.B. seit Jahren unverändert mit rd. 4% mehr Arbeitslosen vor Waltrop. Letzteres hat unbestritten auch damit zu tun, daß aus Waltrop viele Menschen auspendeln. Das sehe ich jedoch nicht negativ, sondern positiv, da sich darin auch ein wünschenswertes Maß an Flexibilität der in Waltrop Wohnenden dokumentiert, aber offensichtlich auch eine gewisse Qualität ihrer Arbeitsleistung, die ansonsten nicht nachgefragt würde. Und alle diese flexiblen Menschen, oftmals in Berufen tätig, die Kreativität und Innovationsfähgikeit verlangen, tragen mit ihrem Einkommen dazu bei, daß Waltrop hinter Haltern im Kreis Recklinghausen und deutlich vor Datteln nach wie vor das höchste Pro-Kopf-Einkomen aufweist.

    Stefan,
    wenn es um kommunale/regionale Wirtschaftspolitik geht, ist noch mehr als in anderen Poltikfeldern nüchternes Kalkül statt Wunschdenken, Realitätssinn statt Träumerei, aber auch ein hinreichendes Maß an Kompetenz gefordert!!!!!

    Stefan und Arnold,
    wir sind offensichtlich in Sachen Karl Ganser und seine Bedeutung für das Ruhrgebiet, konkret für den Emscher-Lippe-Raum, völlig unterschiedlicher Meinung.
    Wir wären m.E. heute ökonomisch und ökologisch deutlich besser aufgestellt, wenn Carl Ganser in welcher Funktion auch immer länger in der Region hätte aktiv sein können als geschehen.
    Wenn Nikolas -10-im Kontext mit Ganser sagt:“……….“, dann spricht er damit exakt eines der wesentlichsten Kriterien für den Rückstand der Region im Wettbewerb um „zukunftsträchtigen“ Investitionen an.
    Statt der im okonomischen Interesse zwingend gebotenen ästhetischen und ökologischen Aufwertung des Ruhrgebietes, denken und handeln wir, heute mehr denn je, weiterhin im Geiste „von der Steiger kommt“ und meinen allen Ernstes, dieser „Geist“ könne internationale agierenden Unternehmen mit sog.Zukunftsprodukten ins Ruhrgebiet locken, speziell in die Rieselfelder Datteln-Waltrop. Ich halte das schlicht und ergreifend für Blödsinn.

  • #15
    Walter Stach

    Nachtrag
    zu „Carl Ganser“ und zur Notwendigkeit einer ökologischen und ästheitschen Erneuerung des Ruhrgebietes, vor allem der Emscher-Lippe-Zone“ als Grundbedinung für eine auch ökonomische Erneuerung/Neuausrichtung des Reviers, die ihrerseits unabdingbar ist, wenn das Revier als Region im internationalen Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte mithalten will.

    Ein konkretes Beispiel dafür, was hier grundsätzlich gewollt ist, stellt für mich die Umgestaltung der Emscher dar -Renaturierung des Flusses nebst seiner kleinen Zuflüsse und Anlage einer klassischen Kanalisation nebst modernster Kläranlagen für die Abwasser-.

    Abgesehen von dem volkswirtschaftlichen Nutzen für die Region durch die millardenschweren Investitionen, passiert hier exakt das, was Ganser wollte, nämlich eine ökologische und ästhetische Erneuerung der Emscher-Lippe-Zone, die schon als Idee, jetzt in der Projektrealisierung und demnächst nach Fertigstellung internationales Aufsehen gefunden hat und weiterhin finden wird und unsere Region auszeichnet -und kennzeichnen könnte- als Projekt besondere Kreativität, Innovation,und Bereitschaft der Region, sich außergewöhnlichen Herausforderungen erfolgreich zu stellen.

    Ich gehe davon aus, daß heute bereits die Idee zu einem solchen Projekt von den derzeitigen politisch-administrativen Akteuren im Revier und im Land NRW als unsinnig abgelehnt würde nach dem Motto: “ Es entstehen über die Projektrealisierung hinaus unmittelbar keine neuen Arbeitsplätze, die entstehen z. B. dann unmittelbar, wenn Kraftwerke gebaut und betrieben werden -70 an der Zahl, wenn E.ON-Datteln IV ans Netz geht.“

    Wie werden wohl die Menschen in 5o Jahren das Projekt Umgestaltung der Emscher beurteilen und wie den Neubau und Betrieb z.B. von E.ON-Datteln IV, aber auch die nicht zwingend gebotene Zerstörung eines Freiraumes d.d.New-Park?

    Ohne den Inspirator und Macher Carl Ganser und dem heutigen Vorstandsvorsitzenden der Emscher-Genossenschaft, Jochen Stemplewski, würde es das Projekt „Neugestaltung der Emscher“, das, wie kurz dargelegt, für mich zukunftweisend für die Region sein könnte, nicht geben.

  • #16
    Arnold Voss

    Ich unterschätze die Leistung Gansers und seines Teams keineswegs, Walter. Ich überschätze sie aber auch nicht. Das tun nach meiner Ansicht aber alle, die wirklich geglaubt haben und immer noch glauben, dass Stadtlandschaftgestaltung der Schlüssel für die ökonomischer Erholung des Ruhrgebietes darstellt.

    Es gab zur IBA Emscherpark keine ergänzende und zugeich zukunfstgerichtete regionalwirtschaftliche Strategie. Genau diese aber wäre notwendig gewesen, da die IBA Emscherpark und auch Karl Ganser damit völlig überfordert gewesen wären. Stattdessen haben sich (fast) alle auf die IBA, bzw.auf deren theoretisch angekündigten ökonomischen Wirkungen verlassen.

    Es gibt zwei infrastruktuelle Schlüsselprojekte für die ökonomische Zukunft dieser Region die dabei ins Hintertreffen geraten sind:

    1. Der ökologischen Umbau und die gleichzeitige Beschleunigung des gesamten Verkerssystems und die dazu gehörige Reorganisation des Nahverkehrs, die beide bis heute nicht ernsthaft angefasst worden sind.

    2. Der ökologische Umbau des Emschersystems, der scheller hätte von statten gehen können, wenn die Region noch mehr Kräfte auf dieses Projekt konzentriert hätte.

    Nur mit diesen beiden Infrastrukturprojekten zusammen macht die Strategie der Landschaftsumgestaltung und der kulturellen Aufwertung einen gesamtregionalen Sinn. Was wir jetzt stattdessen haben ist ein infrastrukturelles und gestalterische Stückwerk dem nachwievor eine regionalwirtschaftliche Gesamtstrategie als ökonomisches Rückrat fehlt.

  • #17
    Walter Stach

    Arnold,
    Deine kritischen Anmerkungen kann ich allesamt nachvollziehen.
    Ich schließe nicht aus, daß Einiges davon durch Karl Ganser aufgegriffen worden wäre, wenn er a.) dafür eine realistische Umsetzungschance gesehen hätte und wenn ihm b.) dazu die notwendige Zeit gewährt worden wäre.

    Es war ja schon beinahe ein „politisches Wunder“, vor allem mit Blick auf die konservativen Strukturen der hiesigen SPD und ihrer konservativen Funktionäre, daß es dank Karl Ganser nicht nur die IBA als Idee gab, sondern daß im Rahmen der IBA immerhin Einiges umgesetzt werden konnte, was dem Ziel der ökologischen und ökonomischen Erneuerung der Emscher-Lippe-Zone gedient hat und, wie ich weiterhin meine, ein wesentlicher Beitrag dazu ist,daß sich darauf und auf notwenidge Folgemaßen eine ökonomische Erneuerung hätte aufbauen lassen. Dazu gehört für mich, wenn auch verspätet, das Großprojekt „Neugestaltung der Emscher“.

    Arnold,
    ich denke, mit Karl Ganser hätte es auf der Basis Deiner kritischen Anmerkungen einen Diskurs geben können. Mit wem aus dem Kreise sog. Verantwortungsträger in der Poltik und der Administration im Revierläßt läßt sich denn heute noch auf der Basis Deiner kritischen Anmerkungen ein solcher Diskurs führen?

    U.a.deshalb war Karl Ganser für mich eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Revier, wenn es darum ging, über die Erneuerung der Emscher-Lippe-Region nachzudenken, über ihre ökologisch-ästhetische und damit auch über ihre ökonomische und zumindest Einiges von dem Gedachten umzusetzen.

    Ich vermisse Karl Ganser bis heute vor allem als eine der wenigen Persönlichkeiten in verantwortlicher Position im Revier , für die der Diskurs eine selbstverständliche Voraussetzung war, um neue Wege zu ener Erneuerung des Reviers, vornehmlich der Emscher-Lippe-Zone,zu finden aber auch, um mit den „richtigen Mitteln und Methoden“ die Entscheidungsträger in den Kommunen, in der Region, im Land „ins Boot zu holen“.

    Arnold,
    keine „Heldenverehrung“, die mir grundsätzlich suspekt ist, für Karl Ganser durch mich, aber auch heute noch gilt ihm meine Hochachtung und mein Respekt, einhergehend mit großem Bedauern, daß uns heute im Revier, vornehmlich in der Emscher-Lippe-Zone „ein zweiter Ganser“ fehlt.

  • #18
    Thomas Krämerkämper

    Ich finde es schon sehr beachtlich, wie irrational die NewPark-Lobby mit Zahlen um sich wirft und kann Minister Duin daher gut verstehen. Auf den 150 ha NewPark-Gelände will Datteln gemäß Stefan Laurins Artikel 8.900 Arbeitsplätze auf 150 ha ansiedeln (entsprechend rund 300 ha Bruttofläche). Kritisch hinterfragt wird das von ihm offenbar nicht. Selbst ein Grundschüler könnte jedoch nachrechnen, dass die Stadt Datteln auf den 75 ha Bruttofläche des Kraftwerks Datteln IV ganze 70 Arbeitsplätze „schafft“ (falls es jemals dauerhaft in Betrieb geht). Also herbeiphantasiert beim NewPark 29 Arbeitsplätze pro Hektar (brutto), real geschafft allenfalls 1 Arbeitsplatz pro Hektar. Der Widerspruch ist kaum zu übersehen, wenn man wirklich Lösungen für das Ruhrgebiet sucht und nicht nur Propaganda verbreiten will.

    Anders herum betrachtet: wären die NewPark-Lobbyaussagen richtig, benötigt das Ruhrgebiet 14x die NewPark-Fläche, um bzgl. Arbeitsplatzversorgung zum Bundesdurchschnitt aufzuschließen, also 4.200 ha Bruttofläche. Das entspricht interessanterweise ungefähr der Größenordnung der verfügbaren ausgewiesenen Flächenreserven in der Metropolregion Ruhr ohne Newpark, wovon knapp die Hälfte Brachflächen sind und bereits einmal entsprechend genutzt wurden. Jedoch werden nur ein geringerer Teil der benötigten Arbeitsplätze auf Gewerbe- und Industrieflächen angewiesen sein. Ein größerer Teil wird im Bestand geschaffen, ohne neuen Flächenbedarf. Der bilanzielle Flächenbedarf ist also NULL.

    Oder nochmal anders: gemessen an den teueren NewPark-Kosten wären nur ca. 1,4 Mrd. €, die zu investieren wären, um bzgl. Arbeitsplatzversorgung zum Bundesdurchschnitt aufzuschließen. Würde das wirklich funktionieren, wäre es schon längst gemacht. Ich habe aber eher den Eindruck, dass diese 1,4 Mrd. € schon zigfach in solche Ansätze investiert wurden, ohne entsprechende Erfolge zu erzielen…

    In Wahrheit ist im Ruhrgebiet die Flächenverfügbarkeit einfach nicht das begrenzende Element für die verfügbaren Arbeitsplätze. Weitere Flächen zielen daher am Problem vorbei und sind Fehlinvestitionen. Fehlinvestitionen kosten aber Arbeitsplätze, anstatt sie zu bringen.

  • #19
    Walter Stach

    Nachtrag:
    Wenn ich das Großprojekt „Neugestaltung der Emscher“ als Beispiel dafür erwähnt habe, was eine ökologische – ästhetische Erneuerung auch für eine ökonomische Neuausrichtung des nördlichen Ruhrgebietes bedeuten könnte, dann will ich das mit einem weiteren Beispiel -im kleinen- ergänzen:

    Karl Ganser -und sonst niemanden-ist es zu verdanken, daß die alten Gebäude der ehemaligen Zeche Waltrop nicht abgerissen, sondern renoviert und restauriert wurden einschließlich der Anlage einer ökologisch-ästhetisch ansprechenden parkähnlichen Umgebung.
    Das war der entscheidende Grund für eine ökonomisch bedeutsame Entscheidung, jedenfalls für Waltrop, nämlich der, daß sich Manufactum entschloß, die alten Gebäude, jedenfalls wesentliche Teile davon, zu erwerben und sich in Waltrop niederzulassen -mit großem Erfolg für das Unternehmen-. In der unmittelbaren Nachbarschaft hat sich ein besonders kreativer Hersteller von Fahrrädern -Fahrrad Haase-niedergelassen, der mittlerweile ebenfalls bundesweit bekannt ist.

    Ich denke, ähnliche Beispiele lassen sich in vielen Städten der Emscher-Lippe-Zone finden, z.B. auch im Erin-Park in CAS-R.

    „Wir waren, auch dank der Philospohie von Ganser und seiner Umsetzungskraft, insofern auf einem guten Weg“!

    Und jetzt dreht sich die gesamte Diskussion über die Zukunft des nördlichen Ruhrgebietes um das TRIANEL-Kohlekraftwerk in Lünen, um E.ON-Datteln und um das Phantom New-Park; für mich erschreckend.

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Krämerkämper: Die von mir verwendeten Zahlen sind weitgehend mit denen des RWI-Gutachtens identisch. Und die Kompetenz des RWIs in Wirtschaftsfragen schätze ich höher ein als die Ihrige – vor allem nach vielen Diskussionen auf diesem Blog 🙂

  • #21
    Helmut Junge

    @ Thomas Krämerkämper (18),
    Sie rechnen uns vor:
    „Selbst ein Grundschüler könnte jedoch nachrechnen, dass die Stadt Datteln auf den 75 ha Bruttofläche des Kraftwerks Datteln IV ganze 70 Arbeitsplätze “schafft” (falls es jemals dauerhaft in Betrieb geht).“
    Auch wenn ich mich bisher nicht mit der Thematik nicht beschäftigt habe, ist mir beim flchtigen Überlesen diese ungeheuerliche Diskrepanz zwischen der von Laurin genannten Zahl und Ihrer schulmeisterliche Rüge aufgefallen.
    Da ich mich einlesen müßte, das aber nicht will, bin ich praktisch an die Sache herangegangen, indem ich auf dem Foto oben einfach die Zahl der großen Hallen durch nachzählen ermittelt habe. Die kleinen Gebilde habe ich nicht mitgezählt.
    Dabei komme ich auf über 20 größere Gebäude. Würde ich nun Ihrer Zahl von 70 Arbeitsplätzen Glauben schenken, dürften in jeder Halle nur 3 bis maximal 4 Leute arbeiten.
    Da darf aber dann keiner krank werden. Das muß Ihnen eigentlich enleuchten, daß Ihre Zahl einfach gegen die menschliche Logik spricht. Aber das kann bei Rechenresultaten von Grundschülern schon mal vorkommen. Ich hoffe Ihnen und auch Laurin mit meinem kleinen Gutachten geholfen zu haben, wenigstens soviel, daß dieser Diskurs wieder sachlicher wird.

  • #22
    Thomas Krämerkämper

    @Helmut Junge: Sollten Sie sich ernsthaft auf das Foto oben im Artikel von Stefan Laurin beziehen wollen: das Bild zeigt nicht das EON Kraftwerk. Einlesen schadet sicher nicht, wenn man qualifiziert diskutieren möchte.

    Mit ‚ca. 70‘ wird die Anzahl der dauerhaft Beschäftigten des Kraftwerks von EON selbst angegeben, sollte es jemals fertig werden (gegenüber ca. 120 im alten Kraftwerk auf der gegenüberliegenden Kanalseite).

  • #23
    nikolas

    Emscherlandschaftspark vs. newpark

    Zitat aus Stefan Laurin |# 11: „Gelingt es nicht neue Unternehmen ins Ruhrgebiet zu holen und mit den unterschiedlichsten Konzepten und an den unterschiedlichsten Orten anzusiedeln, wird das Ruhrgebiet weiter absacken. Es gibt einen Wettbewerb um Ansiedlungen – wer nicht das bieten kann was der Markt will verliert. Und der Markt besteht nun einmal nicht aus den Gansern dieser Welt, sondern aus Unternehmen. Es ist ein Markt – wer nicht mithalten kann geht unter. Da hilft dann auch keine bunte Öko-Broschüre.“

    We agree to disagree. Hier bleib ich hartnäckig. Das Ruhrgebiet hat ganz offensichtlich nicht in ausreichendem Maße das was „der Markt“ sucht. Ganz entgegen Ihrer Meinung glaube ich jedoch nicht, dass es sich hierbei um restriktionsarme Industriegebiete handelt, die heute und in Zukunft im Ruhrgebiet nachgefragt werden. Wenn dem so wäre müsste man sich z.B. auf dem Areal der ehemaligen Westfalenhütte sowie an vergleichbaren Standorten nicht alles mit Logistikdienstleistern und vergleichbaren Low-Budget-Gewerben zustellen. Keine Produktionstiefe, kaum hochwärtige Arbeitsplätze, keine F&E-Investionen jedoch einen hohen Flächenverbrauch pro Arbeitsplatz sind Unternehmenscharakteristika die gewerbliche Neuansiedlungen in dieser Form im Ruhrgebiet aktuell auszeichnen.

    Ich finde eine Stadtregion wie das Ruhrgebiet kann, und soll den Kampf um diese Investitonen nicht weiter führen.

    – kann nicht, weil das ländliche Regionen bzw. unsere Nachbarn in Osteuropa (–> Nokia; aber selbst das ist ja schon wieder Geschichte…) mit Autobahnanschluss einfach besser und leichter bewerkstelligen können; gemeint sind überimensionierte Gewerbe-und Industrieflächen auf der grünen Wiese zu Dumpingpreisen ausweisen (aka wettbewerbsfähigen Preisen).

    – soll nicht, weil das Ruhrgebiet sich endlich auf seine Qualitäten als Stadtregion besinnen sollte. Städtebauliche Nachverdichtung, ökologische und ästhetische Aufwertung der Region, Dienstleistungsorientierung, Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs kurzum die sog. „weichen Standortfaktoren“ sind es, die am Ende bei hochwertigen Investitionen den Ausschlag geben können. Hier bin ich also wieder bei der Agenda von Herrn Ganser angekommen. Nur weil die IBA (bislang noch) keine durchschlagene Arbeitsplatzwirksamkeit bewiesen hat, ist das Gegenteil deshalb noch lange nicht richtig. Will heißen, das gedankenlose Ausweisen von Flächen (auf Kosten der Landschaft a la newpark), hat eben auch keine durchschlagende Arbeitsplatzwirksamkeit bewiesen, dafür aber viel ästhetisches und ökologisches Unheil angerichtet. Ökonomisch kann ich es nicht beweisen, aber ich glaube schon das Ruhrgebiet leidet wirtschaftlich auch an seiner landschaftlichen Hässlichkeit/ lieblosen Verbautheit durch minderwerige Investorenarchitektur. Will heißen, dass die gedankenlosen Flächenausweisungen der Vergangenheit das Arbeitsmarktproblem nicht nachhaltig gelöst sondern viel mehr weiter fortgeschrieben haben.
    Hier glaube ich muss man sich deshalb entscheiden wohin die Reise langfristig gehen soll. „Der lange Abschied vom Malocher“ muss endlich auch seinen Ausdruck in einer flächendeckenden Bau-und Raumkultur seinen Ausdruck finden. Man kann in einer hoch verdichteten Stadtregion wie dem Ruhrgebiet nicht Qualität und Quantität gleichzeitig und für jeden Investor vorrätig halten. Platt gesacht: Kommt der „Diskounter“ vergraulst du dir damit mitunter den „High-Potential“…

    Und ja, ich glaube noch daran, die ökonomische Zukunft des nördlichen Ruhrgebiets liegt in und um den Emscherlandschaftspark, mit all seinen Qualitäten die seit 1989 entwickelt wurden und mit dem neuen Emschertal noch bis weit ins nächste Jahrzehnt entwickelt werden.

    Ich plädiere deshalb um Geduld, die Bestandsflächen (und davon gibts genug, wenn auch nicht in jeder Größe und zu jedem (Discounter-) Preis. Aber in welcher Stadtregion gibts das schon?) nachhaltig zu entwickeln und zu verdichten, bevor man sich wieder und wieder aufs Neue auf die „Grüne Wiese“ stürzt und sein arbeitsmarktpolitisches Heil im newpark sucht.

    Fazit: Der Markt sind eben viele Märkte. Ich würde den Discountermarkt um Low-Budget-Investitionen bei hohem Flächenverbrauch deshalb nicht weiter bearbeiten. Und um nichts anderes würde es sich m.E. bei Neuansiedlungen im newpark handeln. Gäbe es aktuell eine höherwertige Nachfrage, so könnte diese ja auf bereits auf dem Areal Westfalenhütte oder demnächst bei Opel bedient werden. Sollte sich darüber hinaus tatsächlich noch eine Nachfrage entwickeln (vgl. #13 Hr. Voss), die durch aktuell bestehende und zukünftig hinzukommende Brachflächen nicht gedeckt werden kann, so kann man 2035ff. ja wieder Gedankenspiele um den newpark führen.

  • #24
    Arnold Voss

    Lieber Nikolas, ich lese immer mal wieder mit Interesse ihre Postings im Architekturforum und finde es gut, dass sie sich jetzt auch hier einmischen.

    Ihr Glaube an die mittel- bis langfristige ökonomische Heilungskraft der IBA Emscherpark in allen Ehren, aber die Zahlen in der Emscherzone geben dazu bislang und auch in absehbarer Zukunft keinen Anlass. Im Gegenteil, die Lage verschlechtert sich dramatisch und damit auch die Nord-Südspaltung der Stadtregion.

    Langfristig ist natürlich ein sehr dehnbarer Begriff, den allerdings in der Regel nur die gerne benutzen, die kurz- bis mittelfristig keine Sorgen haben. Für die Menschen in Emscherzone, die zu den Verlierern des regionalen Strukturwandels, ja der ökonomischen Entwicklung insgesamt gehören, gilt das aber nicht.

    Abgehängte Stadtteile haben nämlich eine ganz eigene Dynamik, die auch dann noch weiter nach unten geht, wenn woanders im Ruhrgebiet die Enticklungsrichtung wieder, oder immer noch, nach oben zeigt. Wenn sich solche Stadtteile obendrein räumlich konzentrieren, verstärkt das ihre negative Entwicklung gegenseitig und führt zu ein Abwärtsspirale, die kaum noch aufgehalten werden kann.

    Versuchen sie also einfach mal ihre nachvollziehbare architektonische Begeisterung für die IBA Emscherpark einen Moment zurückzustellen und auf die ökonomischen und sozialen Fakten der Emscherzone zu schauen. Vom maroden Zustand der dortigen kommunalen Finanzen ganz zu schweigen. Geduld ist das letzte Wort, was mir dazu einfällt.

  • #25
    Walter Stach

    Nikolas -23-
    einverstaden.

    Nur eine Bemerkung dazu:

    Vor ca. 2o Jahren war ich persönlich freudig überrascht davon, wie viele Menschen es im Ruhrgebiet gab, parteiübergreifend in der kommunalen Politik, in der kommunalen Administration, vor allem aber auch in den sog.gesellschaftlich relevaten Organisationen, „neu,anders als gewohnt“ die Zukunft der Region Ruhrgebiet „zu denken“ und diesem Denken entsprechend Projekten umzusetzen. Ich nenne noch einmal als Beispiel die „Neugestaltung der Emscher“.

    Dieses Denken hat sich nicht weiterentwickelt. Im Gegenteil, ich registriere diesebezüglich im Ruhrgebiet eine Zeit der Restauration in Politik, Administration, in den gesellschaftlich relevanten Organisationen. Um es wieder einmal polemisch zu sagen:“Wir denken und handeln wieder und mehr denn je gemäß unser Hymne „Der Steiger kommt……“.

  • #26
    Benedikt

    Bei den Opel Flächen geht es nicht weiter, weil es dafür keine Nachfrager gibt. Ohne dass es feste Zusagen von Firmen gibt, die in den Newpark sich niederlassen wollen, wird beim Newpark auch nichts weiter gehen. Wenn sich mal die Zinsen auf normales Niveau hoch begeben, wird sich etwas im Ruhrgebiet bewegen, nämlich eine Pleitewelle von Ruhrgebiets Städten. Diese Aussichten dürften auch etliche Investoren abschrecken.

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