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Oberhausen: Wie kann man seinen Kopf verlieren?


Viele Besucher waren der Einladung der Freunde der Archäologie im Raum Oberhausen (FARO e.V.) zur Einweihung des neuen Vereinsraum gefolgt. In zäher Kleinarbeit und mit viel Fantasie haben die Vereinsmitglieder nicht nur ihren Raum. sondern bereits die Eingangshalle und einen Teil des Schulhofs umgestaltet. Draußen. Von unserem Gastautor Helmut Junge.

vor dem Eingang suchten Kinder spielend mit Metallsonden im angeschütteten Sand nach vergrabenen Gegenständen. Die Freude am Suchen und Finden muss wohl in der Natur der Menschen verankert sein, denn diese Kinder hatten große Freude an dieser Aktion und wollten gar nicht mehr mit dem Suchen aufhören.

Poster an den Wänden gaben Auskunft über diverse Aktivitäten des Vereins in der Vergangenheit. Ein besonderes Projekt dem sich der Verein mit Liebe widmete, war der bis heute erhaltene Rest der Landwehr des ehemaligen Grafen von Kleve, dem im Mittelalter ein riesiges Gebiet gehört hat, ein Gebiet, das auch Duisburg und Teile

Oberhausen umschloss. In jedem Jahr, am Tag des offenen Denkmals, unterhält der Verein an diesem Ort in der Nähe der Autobahn einen Informationsstand.

Die Funde die FARO e. V. den Besuchern präsentierte, hatten jahrelang ein tristes Dasein in privaten Kellern führen müssen, weil die Archäologie in Oberhausen bisher keinen Standort hatte. Es hatte einiger Gespräche im Rathaus mit dem Kulturdezernenten und auch dem Oberbürgermeister bedurft, bis dem Verein ein Klassenraum in einer leer stehenden Schule, zur Miete überlassen wurde. Jetzt also hat

die Archäologie in Oberhausen einen Standort, wobei der Raum, der als

Versammlungs-Arbeits-Ausstellungs-und Vortragsraum dienen soll, jetzt schon sichtbar zu klein zu sein scheint, um all diese Aufgaben erfüllen zu können.

Mehrere Glasschränke sind voll gepackt mit Funden aus den verschiedenen Epochen, die die Menschheit durchlaufen hat.

Einen zentralen Punkt der Ausstellung bildeten zwei Glasvitrinen, die dem Verein vom archäologischen Park und Römermuseum in Xanten zur Verfügung gestellt wurden.

Dort konnte aus den privaten Beständen eines Mitglieds eine didaktisch gut aufbereitete Serie archäologische Funde präsentiert werden, die Artefakte aus der Altsteinzeit bis zur Römerzeit zeigte.

Ach ja, was war das mit dem verlorenen Kopf?

Hinter einer Glasscheibe war die Kopie des Schädels eines Menschen aus der mittleren Steinzeit ausgestellt.

Der Schädel des ältesten Oberhauseners, der vor acht oder 9000 Jahren lebte, wurde beim Aushub des Rhein-Herne-Kanals gefunden. Danach ist er irgendwann verloren gegangen. Nur eine Kopie, die man angefertigt hatte ist erhalten, und die konnte während der Eröffnungsfeier der Freunde der Archäologie im Raum Oberhausen

gezeigt werden. Dieser Kopf führte unter den Besuchern zur Frage, wie denn ein Kopf verloren werden kann.

Während solche Fragen bei den Historikern meist eindeutig zugeordnet werden, bietet die Archäologie der Fantasie in solchen Fragen durchaus mehr Spielraum. Wie also konnte dieser junge Mann seinen Kopf verlieren? In dieser Zeit, in der er lebte, konnte ja alles Mögliche der Grund für seinen Tod sein. Es gab viele Krankheiten, die nicht

heilbar waren, bei denen der Schamane dann hilflos war und gesagt haben wird:„kannze nix machen“.

Vielleicht ist aber auch nur der öffentliche Diskurs gegenüber

dem Nachbarstamm schärfer geworden, so ähnlich wie sich das heutzutage auch in unserer Gesellschaft so allmählich entwickelt. Und dann sagt die Fantasie, dass es in der Steinzeit vielleicht sehr viel schneller ging, und Zack,war die Rübe runter. Steinzeit eben.

Natürlich ist diese Erklärung unwissenschaftlich und entspringt meiner reinen Fantasie.

Wir wissen einfach nichts über diesen ältesten Oberhausener, und das ist echt schade, denn vielleicht war er ja ein ganz talentierter Bursche. Wir können alle darüber nachsinnen, welchen Beruf er nachgegangen wäre, würde er in unserer Zeit leben.

Sicher hätte er Spaß an der Jagd gehabt und am Sport, aber vielleicht wäre er auch Pianist geworden oder sogar ein vielgefragter Eintänzer bei Partys.

Der Archäologieverein, der mit dem LVR gut vernetzt ist, hat die Zusagen von einigen Wissenschaftlern zwischen Oberhausen und Xanten, an seinen Oberhausener Standort auf der Knappenstraße Vorträge zu halten. Drei Vorträge sind für 2019 geplant. Darüber hinaus halten Mitglieder des Vereins auch selbst über die Grenzen Oberhausens hinaus Vorträge, so im benachbarten Dinslaken in der „Blauen Bude“ einen Vortrag über die Archäologie in diesem Gebiet.

Die Vereinsmitglieder treffen sich jeden Samstag um 14:00 Uhr in der Sankt Michael Schule auf der Knappenstraße 123 in 46047 Oberhausen.

Interessenten können auch unter der Telefonnummer 01705445868 Termine erfragen.

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