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Österreich: Das Lachen, das im Hals stecken bleiben sollte

Info_oesiwahl
Ein Infografik des Standard zu gestrigen Präsidentenwahl macht unter meinen Facebookfreunden die Runde. Danach wurde der FPÖ-Kandidat Hofer vor allem von schlechter gebildeten, der von den Grünen unterstütze Kandidat Van der Bellen von den  besser gebildeten Stimmberechtigten gewählt. Viele machen nun amüsiert die  Gleichung „Dumm gleich rechts“ auf, doch das Lachen sollte ihnen im Halse stecken bleiben.

Die Analyse des ersten Wahlgangs der gestrigen Präsidentenwahl in Österreich überrascht kaum: Wie in Frankreich oder zuletzt bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt der Front National und die AfD konnte die zwischen Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus changierende FPÖ  vor allem unter Arbeitern und verhältnismässig gering Qualifizierten punkten. Die kläglichen Reste der Sozialdemokratie wurden wie überall zwischen Rechten und Grünen zerrieben, die Gesellschaft spaltet sich auf in eine zunehmend deklassierte Unterschicht und ein sie verachtendes, ökologisch orientiertes-Bürgertum.

Den Erfolg der rechten Parteien lachend als Ergebnis eine Bildungsdefizits zu erklären, wie es zum Teil unter meinen Facebookfreunden geschieht und es durch meine Timeline rauscht, ist gefährlich, denn es unterschätzt die Folgen einer weitgehenden Spaltung der Gesellschaft und führt zu einer Selbstvergewisserung, die den Blick ablenkt von einem weitreichenden politischen Versagen jener, die zumindest teilweise für sich in Anspruch nehmen, links zu sein.

Als die Vorläufer der heutigen Linken vor mehr als 200 Jahren entstanden, lag einer der Gründe darin, die Lebensverhältnisse jener zu verbessern, die in der Hierarchie der Gesellschaft unten standen. Mehr noch: Auch ihre Lebensweise wurde anerkannt und zum Teil imitiert. Sicher, das war oft nicht ehrlich gemeint, aber es war doch eine Form der Anerkennung. 

Der Öko-Bourgeoisie ist eine solche Form der Anerkennung fremd. Sie schätzt weder der beruflichen Tätigkeiten, die von jenen erbracht werden, die über keine hohe formale Bildung verfügen noch bringt sie ihren Lebensgewohnheiten Respekt entgegen.

In einem in dem Kulturmagazin K.West erschienenen Artikel beschrieb ich diesen Kulturkampf im vergangenen Jahr:

Alles, was es heute gesellschaftlich zu ächten gilt, wird der Arbeiterklasse zugeschrieben. Sie rauchen und trinken zu viel, auf ihren Tellern liegt zu viel Fleisch, sie sind zu dick und machen zu wenig Sport, mögen Autos, fahren zu wenig Rad und arbeiten auch noch in Industrien, die man am liebsten gar nicht mehr im Land hätte. Dazu bekommen sie noch viele Kinder und die sind dann auch noch dumm. Und Urlaub machen sie an den falschen Orten, wo sie in zu großen Mengen auftreten und sich dann auch noch schlecht benehmen.

Es ist ein Klassenkampf, der von einer autoritär-ökologisch geprägten Mittel- und Oberschicht geführt wird. Der Neoprotestantismus duldet keinen Widerspruch, seine schärfsten Waffen sind die brutale Abwertung aller anderen Lebensweisen und ein bislang nicht dagewesenen Kulturkolonialismus.

(…)

Aber auch die Zeit, in der die Arbeiterklasse eine wirtschaftliche Bedeutung hatte, geht zu Ende. In Hintergrundgesprächen träumen grüne Landespolitiker davon, ganze Industrien wie Stahl- oder Aluminiumerzeugung in skandinavische Länder auszulagern, wo der Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Pläne, die in diesen Unternehmen Beschäftigten gleich mit zu deportieren, gibt es bislang nicht.

Arbeiter, Proll ist in dem Kulturkampf, dessen Zeugen wir gerade werden, zu einem Schimpfwort geworden. Wer sich so verhält, wie sich ein Arbeiter angeblich verhält, wer sich nicht freudig den ökoautoritären Normen und Werten unterwirft, ist kein Diskussionspartner mehr, sondern bestenfalls noch Objekt des paternalistischen Handelns der Volkserzieher.

 

Das Maß der Überheblichkeit, ja der Verachtung des Bürgertums gegenüber jenen, die es als Unterschicht ansieht, war seit dem zweiten Weltkrieg nie so groß wie heute, zwischen beiden Welten gibt es kaum noch Kontakte, sogar die räumliche Trennung ist durch die Gentrifizierung ganze Stadtteile so radikal wie nie.

Das Versagen der Sozialdemokraten besteht auch darin, Teil dieses Klassenkampfes von oben zu sein, die Interessen ihrer Kernklientel  verraten zu haben, wie Forsa-Chef Güllner es beschrieben hat.

Parteien wie der Front Nation, die AfD oder die FPÖ  werden erst zu stoppen sein, wenn dieser Graben überwunden wird. Das wäre eine Aufgabe der Linken, aber wenn sie dazu nicht mehr in der Lage ist, weil ihr das Schicksal von Eisbären mehr am Herzen liegt als die Förderung von Kindern aus armen Familien, bezahlbare Mieten und die Sicherung von Industriearbeitsplätzen, könnte es die große Chance der Liberalen sein. Sozialliberal wäre dann der Schulterschluss der aufgeklärten, nicht esoterisch-ökologischen,  Teile des Bürgertums mit den Arbeitern und den Deklassierten, um durch die Ausweitung individueller Freiheiten und einer durch Wachstum und technischen Optimismus gekennzeichneten Politik die gesellschaftlichen Gräben zu überwinden, die durch die Öko-Bourgeoisie aufgerissen und von den Rechtspopulisten genutzt werden.

 

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60 Kommentare zu “Österreich: Das Lachen, das im Hals stecken bleiben sollte

  • #1
    ichoderdu

    ♥ Ein sehr guter Artikel. Nur beim Hoffnung legen auf Liberale wird mir etwas schlecht, auch wenn Sie wahrscheinlich Recht haben. Die Menschenfeindschaft vieler sogenannter Linker ist wirklich sehr erschreckend.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @ichoderdu: Die Hoffnung ist auch nicht groß, aber es die einzige die ich noch habe.

  • #3
    der, der auszog

    Mit der Kritik am esoterisch-ökologischen Bürgertum, das nicht selten überheblich daher kommt und den einfachen Arbeiter und Malocher aus dem Blickfeld verloren hat, bin ich einverstanden. Ader was soll die Alternative sein? … "Sozialliberal" hört sich erst einmal gut an, aber es gibt seit Jahrzehnten in Deutschland keine sozialliberale Partei mehr.

  • #4
    El_Mocho

    Die gleichen Thesen wurden schon vor Jahren verteten in diesem Buch:

    http://www.amazon.de/Prolls-Die-D%C3%A4monisierung-Arbeiterklasse-Essay/dp/3940884790

    Natürlich in Bezug auf England, ist inhaltlich aber übertragbar. besonders der Versuch, Migranten gegen die einheimsche Unterschicht auszuspielen.

  • #5
    nutellaberliner

    Da ist ein poltiisches Loch im Artikel – Konservative und Liberale kommen überhaupt nicht vor. Obwohl sie hier mit Ausnahme von 7 Jahren in den letzten 35 Jahren an der Regierung waren – in Österreich abwechselnd mit der SPÖ. Während die Grünen in Österreich in der Regierung praktisch nicht stattfanden.
    Da scheint es mir so, als ob das Ergebnis von Anfang an da ist (die Linken sind schuld, die Grünen und Ökos sowieso) und dann wird eine Begründung hingeschrieben.
    Dass zum Beispiel in den letzten Jahrzehnten eingleichzeitig neoliberaler und ademokratischer Kurs gefahren wurde mit einer einseitigen Ausrichtung auf wirtschaftliche Interessen wird einfach mal ausgeblendet. Daraus dürfte der materielle und politische Bedeutungsverlust der "Arbeiterklasse" resultieren – neben einem Abbau der Industriearbeitsplätzen zugunsten von Dienstleistungen.

  • #6
    Rambow

    Verschiedene Argumentationen halte ich für schief. Ich denke, dass die These, dass die räumliche Trennung zwischen Unter- und Oberschicht in der Stadtgesellschaft nie so hoch wie heute gewesen sei, für nicht haltbar. Dazu sprechen ganze Buchkilometer von Literatur aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert eine zu deutliche Sprache. Auch der generalisierte Vorwurf, dass in prekären Schichten zu wenig Sport getrieben werde, ist so ja nicht haltbar, da die Fitnessstudiodichte gerade in Stadtteilen und Städten mit hoher Arbeitslosigkeit besonders hoch ist. Des Weiteren ist der Vorwurf grüne Politik sei Industriearbeiterfeindlich schief, da es im Zweifelsfall immer die Industrie ist, die Arbeitsplätze vernichtet, bzw. ins Ausland verlagert. Und das vor allem, weil sie in Deutschland die immer noch zu ausgeprägten Arbeiterrechte fürchtet.
    Wichtiger ist jedoch, dass sich die Argumentation auf eine schiefe Definition von politisch links und rechts stützt. Die Grünen innerhalb des deutschen politischen Spektrums vorbehaltlos links einzuordnen, ist heute sicherlich nicht mehr zulässig und auch die Ruhrbarone verwiesen immer mal wieder darauf, dass Ökologie ein zutiefst konservatives Thema ist. Klassische linke Themen finden sich wohl zumindest in Deutschland geballt nur noch bei Die Linke.
    Und was genau ist mit "Liberalen" gemeint? Die FDP? Das wäre ganz sicherlich Unsinn. Auf eine FDP, die immer noch tief in wirtschafts- und neoliberalen Denkweisen feststeckt, Hoffnungen zu setzen, wenn es um die Überbrückung sozialer Gräben geht, ist sicherlich absurd.

  • #7
    nutellaberliner

    Ich hätte da noch einen ganz anderen Deutungsversuch: Wir befinden uns gerade in zwei parallel ablaufenden Entwicklungen: einerseits die digitale Revolution und andererseits kommt eine neue Generation mit neuen Werten in Machtpositionen. Beides fordert "das Alte" heraus und sorgt für Umbrüche. Ein Zeichen dafür sind Männer deutlich über 50 in Machtpositionen, die sich darüber beklagen, dass "man das ja nicht mehr sagen darf" (was sie natürlich dürfen, aber eben nicht mehr ohne kritisiert zu werden). Welche Folgen die digitale Revolution auf die Welt, in der wir leben, hat, muss man wohl nicht beschreiben, sie ist jedenfalls nicht am Ende.
    Das Problem der "Generation Y" ist aber, dass sie dank Geburtenrückgang anders als in den 70er Jahren die "Baby-Boomer" nicht zahlenmäßig stark und deshalb ein deutlich geringeres politisches Gewicht hat als die ältere Generation. Damit fällt eine Erneuerung zusammen, die aber Schwierigkeiten hat, sich in der politischen Öffentlichkeit durchzusetzen. Das führt zu einem konservativen Backlash, der sich jedoch als Schuss ins Knie der ihn tragenden Generationen herausstellen dürfte.
    Dann liest sich die Entwicklung nicht wie ein Versagen der Linken, sondern ein Versagen der konservativen und liberalen Eliten, eine behutsame Modernisierung einzuleiten, indem versucht wurde, die digitale Revolution aufzuhalten, bis es nicht mehr ging.

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  • #9
    Northener

    Sehr geehrter Hr Laurin,

    Ihre Hoffnung, die Liberalen würden die Jobs in der Industrie schützen, erschließt sich mir nicht recht. Ein Kernpunkt liberaler Wirtschaftspolitik ist doch, dass nicht zukunftsfähige oder unrentable Industrien erlaubt werden muss zu "sterben". Auch ist mir nicht ganz klar wie Arbeiter mit "technischem Optimismus" gewonnen werden sollen, wenn der technische Fortschritt doch über die letzten Jahrzehnte die Anzahl der in der Industrie beschäftigten stets verringert hat und dies in Zukunft noch in viel höherem Maße tun wird (künstliche Intelligenz etc.).

    Viele Grüße

  • #10
    Klaus Lohmann

    Was allerdings als höchst ernstzunehmende Lehre aus dieser Wahl ableitbar ist, ist die Abwatschung der großen Altparteien, die sich bei den Ösis ja in einer braungeschleimten Annäherung an den rechten Rand mittels ultrarestriktiver Flüchtlingspolitik, EU-Dämonisierung und neokonservativer Abschottungsfantasien geradezu überboten haben. Dieses in der Vergangenheit gern angewandte Täuschungsmanöver klappt nicht mehr, die Unterschicht wählt das Original-Braun.

    Aber anstatt dort deutliche Kante zu zeigen, schleimt man sich im konservativen und linksliberalen Lager europaweit munter weiter an die längst verlorenen Wähler ran und beschleunigt so auch den Verlust der eigenen Stammwähler, die mit Rechtsaußen noch nie d’accord gingen.

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Northener: Nichts hat in den vergangenen Jahren so viele rentable Jobs Vernichtet wie die "Energiewende" Ers in der Energiewirtschaft, künftig in der Automobilindustrie.

  • #12
    freidenker60

    Diese penetrante oberflächliche neue Bourgeoisie der neuen Blockparteien CDU, SPD, Grüne, Linke und FDP sowie der Kirchen hat nicht die geringste Empathie für die unter Hälfte der Bevölkerung. Sie kennt keine Nächstenliebe, ihre neueste Mode ist die Fernstenliebe. Aber sie lieben auch sich selbst nicht, sonst könnten sie sich im Spiegel betrachten. Ihr Hass auf die AfD liegt genau darin begründet: Die AfD hält ihnen einfach den Spiegel vor ihr Gesicht.

  • #13
    Walter Stach

    Wie immer, so auch bei dieser Gelegenheit,

    Stefan Laurin,,

    werden durch Dich und "gleiche im Geiste" für die -sich verschärfende- Klassen-Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme, in (hoch-)Gebilde und Ungebildete, in Besitzende und Besitzlose, die "Linken" verantwortlich gemacht, folglich , wie jetzt geschehen, auf für Wahlerfolge "der extremen/der radikalen Rechten" in Deutschland, in Österreich, in…..
    Das mag -bestenfalls- eine zu diskutierende These sein, wenn es darum geht, welche "politische
    Medizin" die beste sein könnte, um Krankheitssymptome zu korrigieren und warum die nicht oder nicht hinreichend verordnet worden ist bzw. nicht verordnet werden konnte -durch die SPD und
    durch andere sozialdemokratische bzw. sozialistische Parteien in Europa.

    Den Krankheitsherd selbst bildet das "Krebsgeschwür" eines sich immer radikaler gebärenden liberalistisch-kapitalistischen Systems, mit dem seinen Wesen gemäß weder gleiche Bildungschancen für alle noch ein Mindestmaß an sozialer Gerechtigkeit zu vereinbaren sind.
    Und dieses "Krebsgeschwür" hat es in Deutschland -in Österreich- mittlerweile geschafft, daß selbst "Errungenschaften/Erfolge" des sozialen (!!) Rechtstaates wider die radikalen Auswüchse eines kapitlalistischen Systems durch dieses u.a. mittels parteipolitischer und medialer Kampagnen in Frage gestellt werden, nicht zuletzt mangels einer EU-Sozialpolitik, nicht zuletzt gerechtfertigt mit Folgen eines weltweiten Wettbewerb des Finanzkapitales ,und mit Blick auf die Zukunft ( TTIP" läßt grüßen")ist zu befürchten, daß sich dieses Krebsgeschwür weiter ausbreiten wird.

    Dieser sich auswachsende und ungehemmt weiter radikalisierenden Kapitalismus hat es in Deutschland mittlerweile geschafft, daß nicht nur "Errungenschaften/Erfolge" des Sozialstaates abgebaut und immer mehr in Frage gestellt werden, sondern daß das Verfassungsprinzip (!!) des sozialen Rechtstaates als garn nicht existent oder zumidenst als fragwürdig diskreditiert werden kann -u.a . hier bei den Ruhrbaronen durch die "radikal liberalen Geister".

    Stefan Laurin,

    und wenn es die LINKS-Partei in Deutschland und wenn es die SPD dann und wann ‚mal gewagt haben und es wagen sollten, radikal(!!) mehr Gerechtigkeit einzufordern -in der Sozialpolitik
    (in den Rentenpolitik), in der Bildungspolitik, in der Wohnungspolitik, wuden sie und werden sie "mit Sicherheit" deshalb deshalb reflexhaft seitens der Medien und seitens der Parteien "rechts von ihnen" attackiert als "Gefährder der deutschen Wohlstandsgesellschaft, als Gefährder der Konkurrenzfähigkeit der Exportwirtschaft, als "Parteien"der Gleichmacherei", als Gegner des Leistungsprinzipes usw. Dieses Attackieren der LINKS-Partei, der SPD geschieht durch die selben Parteien, Medien, Personen, die jetzt die LINKS-Partei, die SPD verantwortlich zu machen versuchen für das Erstarken radikaler rechter Bewegungen in Deutschland, in Europa, weil diese auch aufgrund ihrer populistischen "Anklage der Auswüchse des kapitalistischen Systems zu Lasten der sozialschwachen und bildungsfernen Schichten" Erfolge zu vermelden haben.

    "Da bleibt einem ob dieser Argumentation die Spucke weg" oder , um es sinngemäß mit Shakespeares zu sagen: " " Das ist zwar Wahnsinn, hat aber Methode".

    Wer dieserhalb ganz generell auf die Liberalen setzt, wie immer man "die Liberalen" hier defniert,
    macht "den Bock zum Gärtner".

    Hoffnung auf einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel, und zwar primär nicht wegen der Erfolge rechtsradikaler Parteien, und eine grundlegend andere Poliitik, die sich dem Prinzip der Gerechtigkeit verpflichte sieht -sozial und bildungspolitisch-, habe ich schon, denn das Erstarken rechtsradikaler Bewegungen hat ja selbst "in liberalistisch-kapitalistischen Kreisen" dazu geführt, daß man sich dem einen hier zurecht aufgezeigtem Grund für das Erstarken der radikalen Rechten zuzuwenden scheint und folglicht damit beginnt, über die Ursachen und die Folgen des Versagens"des Sozialstaates" nachzudenken. Wenn ich solche Nachdenklichkeit in diesen "liberalistisch–kapitalistischen Kreisen" registriere, dann freut mich das bezogen auf denkbare Ergebnisse, selbst wenn deren deren Motivation nichts mit einem neuen Verständnis von (sozialer) Gerechtigkeit zu tun hat, sondern damit, daß man mittelfristig um den eigenen
    Wolhstand, um den eigenen Besitzstand, um die vorgeblich eigenen Werte fürchten muß – bei einer "Machtübernahme" radikaler rechter Bewegungen oder deren "Ideendominanz" in der Gesellschaft.

    Ob und inwieweit die "Linke in Europa" die konkrete Situation zu nutzen weiß, um wieder in der gebotenen Radikalität und ohne Rücksicht auf "Tagesereignisse und wider jedes taktische Kalkül" sich ihrem politischen Prinzip der (sozialen) Gerechtigkeit zuwendet mit konkreten Forderungen in der Bildungspoltik, in der gesamten Sozialpoltitik , in der Steuerpolitik, bleibt abzuwarten; ich erhoffe es mir.

    Es gibt weltweit, es gibt in Europa erste mich hoffnungsfroh stimmende Anzeichen für eine Renessance sozaler- sozialistischer Idee und dafür, daß "man" als Sozialist, als Sozialdemokrat mehrheitfsähig sein bzw. mehrheitsfähig werden kann

    Ich schließe in meinen diesbezüglichen Hoffnungen und Erwartungen mit ein, daß diese sich wieder finden und daß diese verwirklicht werden könnten in bzw. durch soziale/sozialistische/
    demokratische Bewegungen, die inhaltlich und geographisch anders , die mehr sind als sich derzeit unter "SPD" subsumieren läßt.

    Stefan Laurin,
    wenn Du gemeint haben solltest, daß "meine" SPD die "Signale des Volkes" nicht gehört hat und
    diese offenkundig immer noch nicht hinreichend wahrzunehmen scheint, dann widerspreche ich dieser Kritik "am (politisch) behandelnden Arzt" nicht-an seiner Arbeit, an den von ihm verordneten oder nicht verordneten Medikamenten und an deren Dosierung-,aber -sh.einleitend- dabei ist stets zu beachten, daß es immer nur um das behandeln von Symptomen geht, nicht um einen grundlegenden Eingriff in ein zutiefst krankes System.

    ichoderdu:
    Ich weiß zwar nicht, ob und wie Sie Ihre Meinung begründen, daß es eine erschreckende Menschenfeindlichkeit vieler sog. Linker gibt und ich weiß auch nicht, wer für Sie ein sogenannter Linker ist.

    Im Augenblick habe ich in Deutschland und im übrigen Europa zu registrieren, daß die Macht in Gesellschaft und Staat und daß die Mächtigen in Gesellschaft und Staat jenseits all dessen angesiedelt sind, was man gemeinhin LINKS zu nennen pflegt,und darauf bezogen könnte, wenn man denn meint, diesen Begriff verwenden zu sollen, von "Menschenfeindlichkeit" gesprochen werden.

    PS
    "ichoderdu"
    Das Lebensmotto " Ich oder Du" mag das Ihre und deshalb das von mir zu respekieren sein.
    Es ist letztendlich das, was eine liberalistisch-kaptialistische Gesellschaft ausmacht, was zwangsläufig immer zu Lasten "des schwächeren Anderen " geht.
    Soll darauf bauend der Sympathie der sozialschwachen und bildungsfernen Schichten der Bevölkerung für die Parolen der radikalen Rechten begegnet werden?
    Oder habe ich Sie diesbezüglich komplett mißverstanden?

  • #14
  • #15
    alola5

    Das hat für mich nichts mit Klassenkampf zu tun. Es ist eher eine Insider/Outsider-Problematik. Das ist in Teilen Deckungsgleich, aber eine andere Grundlage.

    Der Wandel in der Welt ist derzeit schnell. Die Insider sind diejenigen welche Arbeit und Geld haben, voll daran teilhaben können. Die Outsider sind diejenigen bei welchen das nicht der Fall ist. Die Gruppen welche mit am aktivsten sind, sind diejenigen aus der Gruppe der Insider welche Angst hat zu Outsidern zu werden und diejenigen welche sich schon bei den Outsidern befinden und Angst haben dort bleiben zu müssen. Das war bereits vor der Einwanderungswelle der Fall, in Dänemark, in Frankreich, in den Niederlanden. Das Gefühl des "abgehängt werdens" sowohl beim Zug in der vollen Fahr als auch in der Krise.

    Das ist in den USA mit Trump das gleiche. Es geht dort darum den amerikanischen Traum des "aufstrebens von Null" zu erhalten. Das ist nicht wirklich Klassenkampf klassisch. Es geht nicht darum "Reich" zu sein oder diesen das zu neiden. Die meisten wollen "normal" und "dabei" sein – nur nicht "unten".

    Es gibt derzeit keine Partei welche das Klientel vertritt im Sinne eines anbietens von Lösungen. Und schon gar nicht sieht man eine Partei welche das erreicht. Populisten haben dabei Hochkonjunktur. Diese haben wenigstens Schuldige anzubieten und Einfach-Lösungen – und seien diese auch falsch und dumm, das spielt keine Rolle.

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @alola5: Auch ein Facharbeiter hat Geld – aber seine Arbeit wird nicht mehr gewürdigt. Nach Deiner Logik – die was für sich hat – ist "In" Teil des subventionierten Staatsapparates zu sein, der von der wirtschaftlichen Entwicklung weitgehend abgekoppelt ist, out ist man dann bei denen, die dieses Apparat finanzieren.

  • #17
    Walter Stach

    Nachtrag zu -13-:
    Ich habe meinen Beitrag in Unkenntnis der Kommentare 2 – 12 geschrieben, ansonsten hätte ich mir "meinen Senf", jedenfalls einen Teil davon ersparen können.

  • #18
    alola5

    @Laurin
    <i>Auch ein Facharbeiter hat Geld – aber seine Arbeit wird nicht mehr gewürdigt.</i>

    Die Würdigung sollte sich worin ausdrücken?

    Ich denke nicht, das dies der ausschlaggebende Punkt ist. EIn Facharbeiter welcher "Rechts" wählt – und dies zuvor nicht getan hat – könnte meiner Argumentation nach zwei Gründe haben. Er könnte Angst haben morgen arbeitslos zu werden, er könnte aber auch nicht von seinem hart erarbeiteten Geld abgeben wollen. Beides hätte einer der stärksten Triebfedern für <i>aktives</i> Handeln als Kern, nämlich Angst. So lautet denn einer der Slogans nicht zu Unrecht "die Ängste der Bürger ernst nehmen". In GB hat man auch Angst vor Einwanderern – obwohl dort praktisch überhaupt keine Flüchtlinge ankommen.

    Ich halte es <i>im Verhältnis</i> für sogar recht schwierig "arme, abgehängte" Bürger zu mobilisieren. Gleichgültig ob bei einer Wahl oder für eine Demo. Im Zweifel kann man jemanden den man eher für einen klassisch Linken Wähler halten würde über die Angst-Schiene evtl. sogar motivieren für eine Rechte Partei zu stimmen. Es geht in aller Regel nicht um Kuschel-Stimmung bei Wahlen. Schon gar nicht wenn das Umfeld der Welt alles andere als Sicher zu sein scheint.

  • #19
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @alola5: Die Würdigung könnte so aussehen, dass die Politik sich hinter seine Arbeitsplatz stellt – auch wenn irgendwelche Öko-Spinner Sturm laufen.

  • #20
    bob hope

    An ein Comeback des politischen Liberalismus mag ich aktuell nicht glauben, zumal der FDP-Parteitag am Wochenende sich ebenfalls nur am Rande mit wirklichen gesellschaftspolitischen Fragen befasst hat, statt dessen sich eher mit formale Abgrenzungen gegenüber einerseits AfD und bzw. CDU, SPD und Grünen begnügt hat. Andererseits sehe auch keine Alternative/Konkurrenz. Die Grünen, die dies mal hätten werden können, haben sich ihres "libertären" (im ursprünglichen, tatsächlich freiheitlichen Sinne) längst beraubt und begnügen sich damit, es ihrer Klientel zu besorgen.

    Aktuell sehe ich das Problem, dass autoritäre Lösungen, dass die Gemeinschaft oder das Kollektiv leider wieder wichtiger werden. Die EU hat es eben nicht geschafft, die Nationalstaaten und damit auch den latenten und manifesten Nationalismus aufzulösen, noch nicht einmal zu transformieren – im Gegenteil: Wir erleben aktuell die größte Renaissance des europäischen Nationalismus seit 1914 ff. Selbst in den 1930er Jahren gab es keine vergleichbare, den gesamten Kontinent erfassende Bewegung.

    Es ist natürlich schwierig, das in kurzen Sätzen zu beschreiben. Dahrendorf hat ja Anfang der 1980er vom Ende des "sozialdemokratischen Zeitalters" gesprochen, spätestens Rot-Grün hat ihn 1998 beim Wort genommen. Andererseits dürfen wir uns nichts vormachen. Die SPD in Deutschland und andere sozialdemokratische Parteien in Europa haben den Internationalismus zwar vor sich her getragen, letztlich ging es aber immer nur darum, die Arbeiterklasse bzw. die unteren Schichten der eigenen Nation hinter sich zu bringen. Die "Neue Mitte" oder "New Labour" haben, um es vorsichtig auszudrücken, zudem für eine massive Verunsicherung bei der Klientel gesorgt. Als ehemaliger Sozialdemokrat, der in der Partei nie wirklich seine Heimat (welch schwieriges Wort für mich) hatte und der die SPD immer nur als das weniger große Übel angesehen hat, wundert mich die Entwicklung nicht. Wer mehrere Sitzungen in den Ortsvereinen mitbekommen hat, wer weiß, wie die Gewerkschaften, vor allem ihre Jugend, ticken, für den ist es keine Überraschung, dass ein Teil der Leute zur AfD abgewandert ist. Natürlich gab es Leute zur Linken abgewandert sind, unter anderem, weil Lafontaine gerne mal gegen so genannte "Fremdarbeiter" gehetzt hat.

    Kurz gesagt: Das latent fremdenfeindliche Potenzial war in der Schicht immer schon vorhanden, aktuell wird es durch die Flüchtlingskrise und vor allem durch die daran anschließenden Debatten, sowie durch reale oder vermeintliche Abstiegsängste befeuert.

    Das Grundproblem bleibt: Die europäischen Gesellschaften driften sowohl im Innern als auch im Vergleich zueinander immer weiter auseinander. Die Antworten darauf sind unisono: Autoritäre, nationalistische Lösungen. Das "Volk" ist die letzte Ausfahrt für viele, die wenig bis nichts haben oder die Angst davor haben, ihren bescheidenen Wohlstand mit denen teilen zu müssen, die ihn nicht erwirtschaftet haben – was übrigens noch nicht einmal stimmt, denn: Reichtum West und Armut (Nah-)Ost und anderswo hängen durchaus zusammen.

  • #21
    Walter Stach

    "Das latent fremdenfendliche Potential" war in der Schicht…..(sozialschwache, bldungferne??)

    Ja, aber mindestens so ausgeprägt auch in der sog.bürgerlichen Mittelschicht bis hinein in das sog. "Großbürgertum" mit entsprechender (partei-)politischer Präferenz , was sich nicht nur anhand der jüngeren deutschen Geschichte von 1878 bis 1945 belegen läßt, sondern aktuell "im großen" durch die CSU-Politik, wenn es um Fremde, wenn es um Fremdes geht ,, sondern im kleinen auch im "-(groß-)bürgerlichen Widerstand" -sh.u.a. in Hamburg- gegen die notdürftige Unterbringung fremder Menschen in den sog. noblen Wohnvierteln -ohne reale oder vermeintliche Abstiegsängste!!!!

    bob hope,

    dieser Aspekt unserer Dikussion macht doch deutlich, daß eine Politik, die entscheidend vom Widerstand gegen alles Fremde und gegen alle Fremden (mit-)bestimmt wird, die letztendlich Ausdruck von "Rassenhass" ist, völlig unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten "sozialen Schicht" Zustimmung finden kann.
    Wenn ich mich recht erinnere, rekrutierten sich bei den letzten Landtagswahlen in Deutschland die AFD-Wähler nicht, zumindest nicht in dem Maße wie in Österreich, aus "bildungsfernen/bildungschwachen" Schichten der Bevölkerung.

  • #22
    Gerd

    Zuerst einmal sagt die Grafik nicht notwendigerweise, dass "FPÖ-Kandidat Hofer vor allem von schlechter gebildeten, der von den Grünen unterstütze Kandidat Van der Bellen von den besser gebildeten gewählt" wurde.

    Oder seit wann ist eine abgeschlossene Lehre ein Beweis „geringer Bildung“? Und an Unis kann man nicht nur MINT, sondern auch weiche Fächer wie Sozialpädagogik oder „irgendwas mit Medien“ studieren.

    Dass sich die politische Klasse immer mehr vom der Masse der Gesellschaft entfremdet, kann man auch hier um die Ecke sehen. Die Spitze der Essener SPD ist aus dem Süden der Stadt, war auf der Uni, ist wohlhabend und grünlich, die SPDler aus dem Norden sind Arbeiter und Angestellte die in der Politik sind und Politik für Arbeiter und Angestellte machen.

  • #23
    Chris

    Danke für den Artikel! Vielleicht sollten sie die Auswahl ihrer Facebook-Freunde überdenken, wenn diese so herzlich über den gewöhnlichen "Pöbel" lachen können.

  • #24
    Lothar Lerch

    Hofers Wähler haben jedenfalls mit den Migranten eines gemeinsam. Es sind überwiegend junge ungebildete Männer.

  • #25
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Chris: ich hab eine Lust in einer Filterblase zu sein, in der alle so denken wie ich. Ich mag es lieber spannend.

  • #26
    Davbub

    Die Entscheidung, wem ich meine Stimme gebe, ist -wie alle Entscheidungen- eine emotionale. Der Wähler wird sich – bewußt oder unbewußt- fragen, wie er von den Parteien und deren Bevollmächtigten wahrgenommen wird. Für Sigmar Gabriel bin ich z.B. "…der kleine Mann…" , für Steegner ein Rechter mindestens, wenn nicht sogar ein Nazi, für die verschiedenen Grünen entweder der dumme, weiße, mittelalte Mann oder als Gattung eine die Mutter Erde zerstörende Fehlentwicklung. Von der CDU werde ich immerhin als Bürger tituliert, für die Liberalen bin ich ein freier Mensch in einer die Unfreiheit durch Bürokratie und Bevormundung immer weiter voranbringenden Gesellschaft. Was ich für NPD u.A. sein mag, will ich mir erst gar nicht ausmalen. Vor allem haben -mich eingeschlossen- immer mehr Bürger das Gefühl, daß sie für die Politik vor allem eines sind: STÖREND bei der Durchsetzung der eigenen Lieblings (auch oft Eliten-)projekte. Anders gesagt: es ist schön, wenn die deutsche Politik immer kurz davor steht, die Welt zu retten, aber wieso habe ich dabei immer das Gefühl, daß die D vergessen?
    So schlicht es klingen mag, aber wenn ich z.B. von den Grünen gepredigt bekomme, was ich zu essen und zu trinken habe (in der grünen Spießerhauptstadt auch noch wo), daß ich doch bitte mit Bahn & Bus unterwegs sein soll, und dann kommt mir eine im Amt fett gewordene grüne Ministerin im 600er-Dienstwagen auf einer 450m langen Dienstfahrt entgegen; natürlich mit Fahrer, dann wird ich eher Vegetarier, als grün zu wählen.
    Wenn die alltäglichen Probleme der Mehrheit der Bevölkerung den Regierenden als zu klein erscheinen, dann spürt das die Bevölkerung, das nennt man in einer Beziehung Entfremdung, dann wählen die Menschen halt auch die AfD, die meisten wahrscheinlich sogar in der Hoffnung, daß die alten Mutterparteien Ihnen doch wieder Aufmerksamkeit und Zuwendung schenken. Wie sonst ist es zu erklären, daß die rechten/Rechtspopulisten in ganz Europa Stimmen aus allen Parteien absaugen, in BW z.B. 70.000 von den Grünen?

  • #27
    bob hope

    @ #21 Walter Stach:

    Ich stimme ja zu, dass es keine Frage der Schicht ist. Das Bürgertum ist da genauso anfällig. Und eine autoritäre, ressentimentgeladene Politik war in vermeintlichen Krisenzeiten immer schon mehrheitsfähig. Das "Volk", egal ob Großbürger oder Arbeiter, war immer schon dumm.

    Dennoch muss man leider erkennen, dass sich viele Arbeiter oder Arbeitslose in Österreich der FPÖ und in Deutschland der AfD zuwenden. Bei den letzten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kamen jeweils rund zwei Drittel ihrer Wähler aus den beiden Gruppen. Und die kritische Haltung gegenüber "Fremden" und "Migranten" war dort immer schon vorhanden, auch wenn vorher die Solidarität überwog. Mittlerweile sind aus Kumpel Konkurrenten geworden, zumindest gefühlt. Ressentiments spielen, befeuert von den öffentlichen Debatten, eine immer größere Rolle. Marx hat ja dereinst geschrieben: "Die Arbeiter haben kein Vaterland." Mittlerweile scheint es so, als sähen viele von ihnen sich berufen, "ihr Vaterland" gegen die vermeintlichen inneren und äußeren Feinde zu verteidigen.

    Umso bemerkenswerter eigentlich, dass es ein zynischer Bundesbanker war, der vor sieben Jahren zumindest in Deutschland den Stein ins Rollen gebracht hat. Jemand, der die Unterschicht eigentlich verachtet, der aber zum Stichwortgeber der Wutbürger und der vermeintlichen Verteidiger des "Abendlandes" geworden ist. Ein weiterer Treppenwitz der Geschichte über den man nicht lachen kann.

    Österreich brauchte nie einen Sarrazin, die hatten früher Haider und haben jetzt Strache. Mal gespannt ob Hofer, sollte er tatsächlich gewinnen, den Hindenburg macht. 🙁 "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ Diese Allmachtsphantasie von Carl Schmitt könnte in Österreich Wirklichkeit werden.

  • #28
    ChrisV

    Die Analyse geht in die richtige Richtung, greift allerdings etwas kurz, weil das zugrundeliegende Klassenschema (unprivilegierte, ungebildete Arbeiter vs. privilegierte, gebildete Bürgerschicht) nicht mehr der Realität entspricht. Den ungebildeten, hungernden Proletarier mag es zu Marx‘ Zeiten gegeben haben, auf den heutigen Facharbeiter passt das aber nicht, der ist weder ungebildet (dazu ist die Technik, die er bedienen oder warten muss, einfach viel zu komplex) noch hat er ein niedriges Brutto(!)einkommen.

    Viel besser passt das Klassenschema nach <a href="http://docs.mises.de/Blankertz/Manifest.pdf">Blankertz</a>, das im Wesentlichen zwischen produktiven und parasitären Klassen unterscheidet. Die letztere Klasse umfasst dabei alle, die ihr Einkommen nicht am Markt erzielen, sondern direkt oder über Subventionen bzw. Zwangsabgaben vom Staat finanziert werden. Dazu zählen neben Beamten und sonstigen direkt vom Staat bezahlten Arbeitnehmern auch "Unternehmer", deren Produkte am freien Markt niemand nachfragen würde, sondern die nur wegen staatlichem Zwang abgenommen werden müssen, z.B. erneuerbare Energien, Naturschutzgutachten usw. usf., sowie nicht zuletzt große Teile der Journaille, die -wenn nicht direkt per GEZ zwangsfinanziert- zumindest auf ein symbiotisches Verhältnis zur Politik angewiesen sind, was man der Berichterstattung dann ja auch deutlich anmerkt.

    Durch diese Brille betrachtet, wird sofort klar, wobei es bei dem vermeintlichen "Rechtsruck" in Wirklichkeit geht, nämlich um nicht weniger als einen Aufstand der produktiven Klassen gegen die parasitären, deren oberlehrerhaftes Bessermenschengetue man nicht mehr hören, geschweige denn weiterhin finanzieren möchte. Des weiteren setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass weltfremde Konzepte wie "Energiewende", "dekarbonisierte Wirtschaft" oder auch "Multikulti" i.V.m. mit einem autoritären, nach Dominanz strebenden Politislam nicht nur harmlose Spinnereien realitätsferner Phantasten sind, sondern eine konkrete, unmittelbare Bedrohung von Wohlstand und Freiheit darstellen.

    Aus dieser Perspektive erscheint der Wunsch nach einem "starken Mann" bzw. (in de/at) einer starken Partei, der mit den besagten Mißständen aufräumt, durchaus verständlich und nachvollziehbar. Nicht zuletzt deswegen, weil sich der typische Produktive mit Politik am liebsten gar nicht beschäftigen möchte, da er sie (nicht zu Unrecht) bestenfalls als unnütze Zeitvergeudung für Schwätzer und Dampfplauderer ansieht, die einen nur von der Arbeit und der Realisierung der eigenen, privaten Lebensziele abhält. Dass "starke Männer" mitunter auch Risiken und Nebenwirkungen haben, wird dabei nicht einmal ausgeblendet, aber in Ermangelung besserer Alternativen in Kauf genommen (Pragmatismus ist ebenfalls ein Charakterzug der produktiven Klassen, ohne den könnten sie nicht produktiv sein).

  • #29
    frau u.

    Sehr gute Analyse:
    Letztendlich zeigt sich auch an dem Erstarken der neuen rechten Parteien, dass die Parteiendemokratie in Europa durch alternativlose Politikkonzepte, Hinterzimmerwahlen und zentralistische EU-Bürokratiemonster erheblichen Schaden genommen hat. Denn niemand glaubt ernsthaft (bis auf ein paar Radikalinskis), dass diese Parteien etwas anders oder gar besser machen. Es geht den meisten Wähler lediglich darum die anderen "abzustrafen"., so desillusioniert sind viele (ich auch) mittlerweile. Dass sich etablierten Parteien dann noch als Einheitsblock gegenüber der AfD präsentieren (Wir sind die Guten) ohne aber die Themen aufzugreifen, die den Leuten am Herzen liegen, macht es nur noch schlimmer.

    Der politische Willensprozess von unten nach oben funktioniert nicht (mehr?), weder in Parteien noch in der EU. Ich weiss nicht, wo die Lösung liegen kann?

  • #30
    abraxasrgb

    @ Stefan
    Wäre wir hier bei Facebook: LIKE!

    Eine, in der letzten Zeit, selten so klare und zutreffende sympathisch "zynische" (siehe unten) Analyse gelesen!

    "Zyniker, der [Subst.], ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten." Ambrose Bierce, Wörterbuch des Teufels

    @Filterbubble … gibt genügend Punkte "we agree, to disagree" 😉

  • #31
    Alreech

    Die Liberalen und Konservativen wurden erfolgreich in die rechte und neoliberale Ecke geschoben. Sie werden in Zukunft keine Rolle mehr spielen.

    @Gerd:
    Auch mit abgeschlossener Berufsausbildung ist man zumindest in Deutschland Teil der bildungsfernen Schicht. Bildung beginnt mit erlangen eines Hochschulabschlusses.
    Leider sind viele Facharbeiter durch ihre fachliche Bildung einfach nicht in der Lage progressive Parteien wie die Grünen zu wählen.
    Jemand der in der Chemischen Industrie ausgebildet wurde wundert sich beispielsweise warum das Glyphosat im Bier ein Problem ist, aber nicht das in wesentlich größeren Mengen enthaltene Hydroxyethan das wesentlich giftiger ist.

  • Pingback: Les Bourgeois |

  • #33
    Niels Dettenbach

    Ein sehr guter Artikel. Nur liegt die Verachtung dieser staatlichen Kaste nicht allein gegenüber der "Unterschicht" Arbeiterklasse, sondern gegen jeden Leistenden, nicht nur der Industrie arbeitet, sondern ebenso die Unternehner, Investoren und Lenker, die gebildeten Ingenieure und nichts staatlichen Wissenschaftler. Nur hatten die Sozialisten schon immer offiziell auf ihrer Abschussliste.

    Wenn Sozialisten von den "Leistungsfähigen" reden, die ihr Regime für "das WIR" versklaven und ausbeuten dürfe, dann meinen sie tatsächlich immer die Leistenden. Eine derzeit große Gefahr ist, vom Regen in die Traufe zu geraten – vom roten zum braun(roten) Beafsteak -Sozialismus in der irrigen Annahme, der Sozialismus würde dadurch besser werden, das man den Fokus austauscht.

  • #34
    Thomas Kukovec

    Das ist mit großem Abstand einer der besten Analysen, die ich in letzter Zeit zu diesem Thema gelesen habe! Ich werde Teile daraus beizeiten zitieren, zumal ich gerade bei einer Buch-Recherche zum Thema NGO/Aid-Industrie bin, die ein sehr ähnlich überheblich-paternalistisches Verhalten gegenüber ihren "Schutzbefohlenen" an den Tag legt. Oder wie es die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie treffend formulierte: "We don’t need your patronizing well-meaning pity."

  • #35
    Orry

    Was mich an dem Kommentar massiv stört, ist das "entweder – oder", nämlich dass die "Ökos" lieber den Eisbären retten wollen, als gerechte Bezahlung im Inland zu erreichen (platt auf den Punkt gebracht). Das Problem ist, dass beides eine gleiche Priorität braucht, denn was nutzt es dem Arbeitnehmer, wenn sein Arbeitsplatz gerettet wird, aber dafür der Planet vor die Hunde geht? Es braucht eine Weitsicht auf die größeren Zusammenhänge, die allen gerecht wird.
    Und dann wird die FDP ins Spiel gebracht? Die Partei, die weder dem "kleinen Mann" noch der Umwelt gerecht wird? Dass ich nicht lache!

  • #36
    TheBeastFromTheEast

    Das Seltsame an dieser Diskussion: Da bleibt nicht nur das Lachen im Halse stecken – alles ist logisch erklärbar. Dabei wird m.E. übersehen, daß "Politik", wie wir sie seit Jahrzehnten erleben, nicht (mehr?) zwingend "Gesellschaft" abbildet. Was sagen Wahlergebnisse, denen Wahlbeteiligungen von ca. 50 % zugrunde liegen, aus ? Richtig: Wenig. Viele Menschen in meinem Umfeld – beileibe nicht nur Akademiker – sind seit Jahren nicht mehr bereit, "kleinere Übel" zu wählen. CDU und SPD hängen sich ein paar Öko-Versatzstücke ans ansonsten leere Revers, Baums und Schnarrenbergers F.D.P. versinkt im Orkus, die "Grünen" toben lustvoll ihre angeblich durch autoritäre Erziehungsmethoden verursachten Traumata aus – uns werden dabei noch einen Zacken schärfer, als Busch´s "Lehrer Lämpel" (Zitat: "Sondern auch der Weisheit Lehren / Muß man mit Vergnügen hören. / Daß dies mit Verstand geschah, / War Herr Lehrer Lämpel da.") – mithin ein sehr autoritärer Verein, die "Linke" leistet sich eine Millionärs-Ex-Gattin an der Spitze der "Kommunistischen Plattform", und den größten deutschen bonvivant seit August dem Starken als Vorsitzenden hinter der Kulisse. Daß sich da neben uns "progressiven" Jammerlappen auch viele Konservative nicht wieder finden, soll allein eine Frage des Prekariats sein ? Unwahrscheinlich. Daß sich jetzt Parteien selbst als "rechts" oder "konservativ" verorten, und damit erst einmal Erfolge haben: Überraschung ? Die "Volksparteien" haben erhebliche Teile ihrer Stammwählerschaft durch Profillosigkeit aufgegeben, die "Grünen" das Potential an gottgesandten Moralisten mit Hang zur staatlichen Altersversorgung ausgeschöpft, die Linken-Spitze predigt die "Reichen"-Steuer, und profitiert jährlich davon, daß es sie nicht gibt . Natürlich ist es ein Treppenwitz, daß diejenigen, die sich u.a. gegen autoritäre Strukturen wehren, ausgerechnet bei der AfD landen. Aber, sagt Großkreutz : "Isso !"

  • #37
    Arnold Voss

    @ Chris V # 28

    Sorry, die Parole vom Kampf der produktiven gegen die parasitäre Klasse ist Orginalton Adolf Hitler. Ein verbeamteter und dadurch unabhängiger Richter ist genauso wenig ein Parasit, wie ein Unternehmer der vom Staat Infrastrukturaufträge bekommt, die der gesamten Wirtschaft dienen, oder ein Arzt, der in einem öffentlichen Krankenhaus arbeitet. Überhaupt ist ein demokratischer Staat nicht ohne Staatsbedienstete denkbar. Dass es da Auswüchse gibt ändert nichts an der Tatsache und lässt sich in einer Demokratie auch korregieren.

  • #38
    Marcus

    Liebe Autoren dieses Artikels: Ich muss hier mal wirklich festhalten woher die Fakten des rechtspopulismuses oder rechtsradikalismus kommen? Das ist einer schwerer Vorwurf ohne stichhaltige Beweisen… Und der Bevölkerung Naivität oder gar Dummheit vorzuwerfen trifft es genau auf den Punkt… Es wird einfach von der linken Seite eine demokratische Wahl nicht akzeptiert wenn diese nicht in ihr Schema passt. Da wird sofort und jeder der nicht ihrer Meinung ist als dumm hingestellt. Ich kann ihnen hunderte von Akademikern und laut ihnen "höher" gebildete Menschen nennen die sehr wohl "blau" gewählt haben. Ich kann diese absurden Vergleiche mit dem 3. Reich nicht mehr hören… Es kotzt mich derartig an… Erinnert euch… Die deutschen Grünen haben massig Kinder vergewaltigt, das ist wiederum beweisen. Also bitte Wählen akzeptieten und neutral darüber berichten… Sonst stellt sich hier noch die Frage wer wirklich dumm oder naiv ist!!

  • #39
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Marcus: Dumm? Nun, sie sind nicht in der Lage zu erkennen, dass dieser Artikel keine Autoren hat sondern nur einen Autor: Mich. Und den Inhalt haben sie auch nicht verstanden. Und wie ich berichte geht sie schlicht nichts an. Wenn es ihnen nicht passt, meiden sie einfach dieses Blog.

  • #40
    ChrisV

    @Arnold Voss #37
    "reductio ad hitlerum" ist ein Fehlschluss, kein Argument 😉

    Anbieter, deren Angebote auch ohne Zwang nachgefragt werden [würden], wie etwa der Arzt oder Richter aus dem Beispiel, würde ich zur produktiven Klasse zählen. Mal abgesehen davon, dass ein Richter weder im Staatsdienst tätig sein muss, um unabhängig zu sein, noch die Verbeamtung in allen Fällen Unabhängigkeit garantiert.

    "Auswüchse lassen sich in einer Demokratie korrigieren" – genau das ist doch die Hoffnung derjenigen, die AfD oder Hofer wählen. Ob’s klappt oder nicht, werden wir sehen, ich bin da leider nicht ganz so optimistisch, schon angesichts der schieren Masse an Auswüchsen und Mißständen, die sich über die Jahre angesammelt hat. Auf die Hilfe von Politikern würde ich jedenfalls nicht setzen wollen, dagegen spricht schon die simple Ökonomie: Wer eine Subvention oder ein Privileg genießt, hat ein ganz, ganz massives Interesse am Erhalt desselben und wird daher so ziemlich alles unternehmen, um es zu behalten oder auszubauen. Demgegenüber steht zwar eine Mehrheit an Menschen, die darunter leiden und/oder dafür aufkommen sollen, deren Schaden im Einzelnen aber wesentlich geringer ist als der Nutzen, den der Subventionsritter hat. Wer also wird sich wohl mehr Mühe geben, Politiker in seinem Sinne zu beeinflussen oder gar zu bestechen?

    Am ehesten zum Abbau von Mißständen dürften wohl noch direktdemokratische Elemente sein, aber auch da hat man das Problem, dass ggf. eine ganze Menge Leute mit abstimmen, die nicht direkt betroffen sind. Nehmen wir als Beispiel die IHK, eine prototypisch parasitäre Organisation, die ausschließlich nur ihren Funktionären nutzt, niemand anderem einen irgendwie gearteten Nutzen erbringt, dabei aber ausschließlich Unternehmer schädigt, denn nur die müssen den Quatsch finanzieren. Was würde wohl ein IHK-Funktionär tun, um die Volksabstimmung zur Abschaffung derselben zu sabotieren? Natürlich Freibierparties für Angestellte veranstalten, denn die sind ja nicht beitragspflichtig…

  • #41
    Martina

    Ich bin österreichische FPÖ Wählerin und gehöre wohl dieser "Unterschicht" an ich habe nur eine abgeschlossene Lehrausbildung mit vorangegangenem Pflichtschulabschluß 😉 – abgesehen von Herrn van der Bellen, der für mich auch keine wählbare Alternative darstellt, würde sich der Rest der Kanditaten sehr wohl fühlen beim Kasperltheater, so mein Gedankengang vor dem ersten Wahldurchgang. Hinterher Erleichterung! Egal wie die Stichwahl ausgeht Österreich wird sich zumindest nicht vollends blamieren…und vielleicht ist ein richtiger Schuß vor den Bug ganz gut? Die Regierungsparteien zogen in den ersten Interviews nach der Wahl noch nicht mal personelle Konsequenzen in Erwägung (wie realitätsfern geht es noch?) ES MUSS SICH DEFINITIV WAS ÄNDERN …. und Österreich würde aus meiner Sicht von einem Bundespräsidenten profitieren, der nicht alles "durchwinkt" was die Regierung beschließt….das ist bitte meine ganz persönliche Sicht der Dinge 🙂

  • #42
    Arnold Voss

    @ Chris V # 40
    Originalton Hitler ist nicht die Reduktion auf Hitler. Der Fehlschluss liegt also bei ihnen.

  • #43
    LArichard

    natürlich treibt einen einigermassen interessierten menschen am zustand der gesellschaft in der er lebt um, woher diese unfassbare unzufriedenheit auf einem halbkontinent (westeuropa) kommt, welcher eine noch nie dagewesene friedensperiode von über 70 jahren erleben durfte mit saturierten lebensläufen welche 2 generationen vorher noch als utopische forderungen abgetan worden wären.
    meine erfahrung als selbständiger, handwerker, volksschüler, engagierter ehrenamtler, 70zigjähriger, auf einen nenner gebracht lautet:
    das hauptübel dieser gesellschaft ist die entwicklung daß immer mehr entscheidungen von menschen getroffen werden die selbst von diesen entscheidungen (eigener geldbeutel) nicht betroffen sind.
    dieser ansatz basiert auf erlebten erfahrungen in sogn. selbstverwaltungsgremien mit paritätischer besetzung welche im laufe der gesellschaftlichen entwicklung immer mehr von apparatschiks, egal ob arbeitgeber- oder arbeitnehmervertreter, okkupiert wurden und abstimmten ohne vom ergebnis selbst betroffen zuwerden. sie verdienen ja ihr geld als geschäftsführer eines verbandes oder funktionär einer gewerkschaft.
    beispiel: in münchen gab es einen "münchner block" als wahlangebot i.d. 50ziger / 60.ziger jahren. das waren bürger die eine wirtschaftliche basis sich erarbeitet hatten und dann für ihre stadt/urbanität etwas taten. also menschen die schon etwas waren und dann in die politik gingen – leider kippte dies in den folgenden jahrzehnten um, man ging/geht zuerst in die politik um dann was zu werden.
    lösungsansatz: einfachen, 90sekunden lösungsangeboten nicht vertrauen. den dialogpartner immer fragen: wo lassen sie denken.

  • #44
    Keinzelmann

    Tatsache ist, dass es eine statistisch (vermutlich signifikante) Korrelation zwischen Bildungsgrad und Wahlverhalten gibt. Bildungsfernere Schichten wählen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit blau, das kann man (leider) nicht wegdiskutieren. Ob diese beiden Variablen in einem Kausaulzusammenhang stehen, ist eine andere Frage. Ich würde sagen: Nein, das ist nicht der Fall. Der Bildungsgrad selbst determiniert nicht das Wahlverhalten. Aber es gibt einige Drittvariablen, die als mögliche Erklärungsansätze durchaus Sinn machen:

    1.) Personen aus bildungsferneren Schichten sind am ehesten durch billige Arbeitskräfte aus dem Ausland bedroht und leiden unter den viel zitierten Abstiegsängsten. Daher wählen sie blau.

    2.) Personen aus bildungsferneren Schichten haben aufgrund ihrer Wohnsituation unter ihres beruflichen Umfeldes am meisten mit "Ausländern" in ihrem täglichen Leben zu tun und erleben Integrationsschwierigkeiten und soziale Reibung am unmittelbarsten mit. Daher wählen sie blau.

    3.) Personen aus bildungsferneren Schichten sind eher anfällig für Populismus, da sie weniger (qualitativ hochwertige) Medien konsumieren, in ihrem Netzwerk weniger Meinungsvielfalt haben und weniger stark gelernt haben, Dinge kritisch zu hinterfragen.

    Es gibt vermutlich noch unzählige weitere Erklärungsansätze. Ich denke, dass sie alle einen gewissen Einfluss haben. FPÖ-Wähler als dumm zu bezeichnen und das als einzigen Grund für ihre Wahl hinzustellen ist sicherlich falsch. Allerdings habe ich schon das Gefühl, dass viele der Blau-Wähler die "Heilsversprechen" der blauen Kandidaten nicht kritisch hinterfragen und/oder aus Protest gegen das "politische Establishment" agieren. Als besonders intelligent kann man das wohl nicht bezeichnen, denn die Vergangenheit hat ja gezeigt, welche Effekte so ein Verhalten haben kann (siehe die großen "Verbesserungen" durch eine blau-schwarze Bundesregierung und eine blaue Landesregierung in Kärnten, #Ironie off). Und wenn man sich die Argumentationslinien von vielen Blau-Wählern anhört (sofern sie überhaupt zu ihrer Wahl stehen), hat man es nicht übermäßig oft mit objektiven Argumenten und reflektierten Meinungen zu tun.

    Insofern: Schimpfen und verunglimpfen von anderen Personen ist nicht gut. Aber darauf hinzuweisen, dass Bildung grundsätzlich etwas Gutes fürs Wahlvolk ist, weil dadurch informierte Entscheidungen zustande kommen, darf man schon.

  • #45
    Walter Stach

    Keinzelmann -44-
    im wesentlichen einverstanden!

    Grundsätzlich , so scheint mir, "passen" Ihre Ausführungen über einen Großteil der Wähler der "Blauen FPÖ" auch auf einen großen Teil der Wähler der AFD .

    (Ich gehe im übrigen davon aus, daß Politik-Wissenschaftler dabei sind, Übereinstimmungen und/oder wesentliche Unterschiede zwischen den Wählern der FPÖ und der AFD herauszuarbeiten, vermutlich die Wähler andere rechtextremer "Bewegungen" in Europa einbeziehend -oder gibt es die schon?)

    Zu Ihren Bemerkungen unter 3.):
    Offenkundig sind die hier angedeuteten Aspekte über das "Informations- und Kommunikationsverhalten" in den bzw. mittels der sog. sozialen Netze durch Menschen, die man gemeinhin den bildungsfernen Schichten zuordnet, von so großer Relevanz, daß darüber mehr und mehr in den Medien, in der Politik, in der Wissenschaft nachgedacht, geforscht, geschrieben und geredet wird.

    U.a. darüber, ob und wie die Politiker in den sog. etablierten Parteien sich dem zu stellen haben und wie sie sich z.B. sprachlich den Praktiken in den sog. sozialen Netzten anzupassen haben -einfache Worte -in der "Heimatsprache"; kurze Sätze, wenig inhaltliche Substanz u.ä. mehr-.

    Geschieht das nicht, bleit dieses Wähler-Klientel sich selbst oder den inhaltlichen und sprachlichen "Vereinfachern" der rechtsradikalen Bewegungen überlassen.

    Ein insofern "einschlägiges " Verhalten von Politikern der sog. etablierten Parteien einzufordern, die Wert darauf legen, vor jeder ihrer Äußerung über die Fakten nachzudenken, die davon ausgehen, daß Sachverhalte in der Regel komplex und kompliziert sind, die wissen, daß es in der Politik weder ein "richtig oder falsch" noch ein "schwarz oder weiß" gibt, die wollen, daß sich in eine Demokratie aus einem politischen Diskurs der politischen Kompromis ergibt , den sie zu erklären und zu begründen haben, erscheint naheliegend, zumindest bedenkenswert und wahrscheinlich sogar geboten, wäre aber z.B. für mich, wenn ich Politiker wäre, ein gewaltige Zumutung an mein Verständnis von Politik, vom einem politischen Diskurs, und von Mindestanforderungen meinerseits an "die Sprachkultur" im Umgang miteinander. Aber die Wahlkampfmanager und jeder einzelne Wahlkämpfer der sog.. etablierten Parteien werden sich wahrscheinlich diese meine Skrupel "nicht leisten können".

  • #46
    Georg Keckl

    Das Bio-Bürgertum hat heute die erfolglosen linken Weltverbesserer als Avantgarde abgelöst. Die neue Avantgarde stellt ihr Lebensgefühl, ihre Urteile, ihre Werte, ihr „Gewissen“ über das anderer, egal, ob sie es selber leben oder sich was vormachen. Komplizierte Sachverhalte werden im Google-Zeitalter stark vereinfacht, emotionalisiert und Gruppen-Pauschalurteilen unterworfen. Fehler oder Hysterien werden nicht mehr kritisch reflektiert. Die Bio-Partei hat immer Recht. Die Weltrettung hat keine Zeit für Fehler- oder Nebenwirkungsdiskussionen. Wer stellt sich nun gerne gegen diese Avantgarde, wenn alle nur in höchsten Tönen davon berichten? Wer riskiert hier zum Außenseiter zu werden? Im Unterschied zu den Linken hat das Bio-Bürgertum das „Proletariat“, bzw. die „Einkommensschwachen“, aus den Augen verloren, sieht in denen mehr die unwilligen Umerziehungs- als benachteiligten Fürsorgeobjekte. Die neue Oberschicht kann sich Wohlfühlgesetze ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen eher erlauben, für die Unterschicht fallen dabei leider nur Zeitarbeitsverträge statt Aufstiegschancen ab. Das „bessere Gewissen“ des neuen Bio-Bürgertums als Richtschnur für Gesetze würde global zu sozialen Urständen führen: reich gedeckte Tische nur für Reiche. Aus dem Anti-Fleischaltas Dez. 2014 Seite 33. Grüße: Georg Keckl

  • #47
    Helmut Junge

    "Das „bessere Gewissen“ des neuen Bio-Bürgertums als Richtschnur für Gesetze würde global zu sozialen Urständen führen: reich gedeckte Tische nur für Reiche. "
    M.M.muß es heißen "wird" global zu sozialen Urständen führen. (Wenn nicht sogar "führt bereits" zu sozialen Urständen. Falls unter "sozialen Urständen" das Fehlen einer Mittelschicht bei gleichzeitiger Konzentration des Reichtums in weniger Hände und Verarmung der Unterprivilegierten meint. Ein Prozeß der sich weltweit bereits zeigt, und selbst in Europa allmählich erkennbar ist, auch wenn er bisher von den Medien nicht recht gewürdigt wird, obwohl er bereits stattfindet. Die, die gegen Kohlekraftwerke sind, duschen meist mehrfach warm, während Anderen der Strom abgeschaltet wird, weil sie die Rechnung nicht bezahlen können.
    Habe Ihre Seite gespeichert.

  • #48
    Arnold Voss

    Nehmen wir die zunehmende und lebenslange Privilegierung per Geburt hinzu , kann, alles in allem, mit Fug und Recht von einer Refeudalisierung der heutigen Gesellschaft gesprochen werden.

  • Pingback: #afd #pegida #trump -

  • #50
    timo

    http://timoschuster.com/afd-pegida-trump/
    die abstände zu den entwicklungsländern hat abgenommen. gleichzeitig nimmt der abstand der reichen zu den armen in den industrieländern zu.
    es konkurieren erstens viele geringverdiener global untereinander und die digitalisierung/ automasierung führt zu mehr präkeren beschäftigungsverhältnissen.
    aus diesem gemisch entsteht eine stimmung gegen das establishment. eine stimmung die zu aktionen führt(anschlägen/wahlen/kommentaren, angriffen
    ) und das ziel hat die harmonsiche stimmung in einer gesellschaft zu verändern.
    den gutverdienen soll es ungemütlich werden. europaweit und auch in amerika erlaubt man sich dinge zu fordern und auszusprechen die lange als tabu galten.

  • Pingback: Links zum Denken 46 « am Röschibach

  • #52
    Thomas Weigle

    Sowohl in @Stefans Artikel als auch in vielen Kommentaren wird übersehen, dass die Geringschätzung von Industriearbeit keine Erfindung der neuen Bioelite ist. Sie gehörte auch zum realen Sozialismus, denn die führende Rolle der Arbeiterklasse war eine Chimäre, eine Halluzination der Regierenden und der dortigen Medien. Die Arbeiterklasse war in den Sonderläden der SU-Eliten jedenfalls kein Kunde und die allerhöchste Geringschätzung drückte sich in der DDR dadurch aus, dass "Intelligenzler" bei Fehlverhalten gerne zur "Bewährung in die Produktion" geschickt wurden.

  • #53
    Walter Stach

    Thomas Weigle,
    "die Geringschätzung der Industriearbeit"……………..

    Abgesehen von dem realen Kampf "meiner" SPD für den Industriearbeiter seit Beginn der sog. ersten industriellen Revolution , der ja die Existenz der SPD begründet und erklärt, gab es über mehr als 1oo Jahre SPD auf emotionaler Ebene etwas, was für mich (!!) für das Verhältnis SPD – Industriearbeiter entscheidend und bestimmend war, nämlich die in Wort und Tat tagtäglich demonstrierte Nähe der Funktions- und der Mandatsträger auf allen staatlichen Ebenen zum Industriearbeiter und der ihm und seinen Angehörigen tagtäglich erwiesene Respekt in Worten, in Gesten, im gesellschaftlichen Miteinander im Alltagsleben, u .a. im Fußballstadion , aber auch im kulturellen Leben -sh.Ruhrfestspiele nach 1945-.

    Leider kann ich nicht bestreiten, daß es in "meiner" SPD viele Funktions- und Mandatsträger gibt,
    die heute zum dem Industriearbeiter demonstrativ (!!) in ihren Worten, in ihren Taten, in ihrer Sprache, in ihrem alltäglichen Umgang "Abstand" halten, weil………????
    Dafür mag es viele Erklärungen geben, u..a. die, daß diese Funktions- und Mandatsträger selbst nie einen Beruf ausgeübt haben, geschweige denn den eines Industriearbeiters, daß sie auch familiär häufig keinerlei Bindungen zu Industriearbeitern haben oder hatten und daß sie, wie viele andere Zeitgenossen auch, dazu neigen, aufgrund ihrer Bildung, aufgrund ihres Einkommens alltäglich "Abgehobenheit und Distanz", statt Verständnis und Nähe denen gegenüber zu zeigen, die über einen "geringen Bildungsstand" und über "ein geringes Einkommen" verfügen.

    Leider kann ich als "alter SPDler" nicht davon ausgehen, daß sich dieserhalb in "meiner" Partei etwas grundsätzlich ändern wird -jedenfalls nicht alsbald, selbst wenn "man" parteiintern ganz gezielt auf eine grundsätzlichen Verhaltensänderung der Funktions- und Mandatsträger hinarbeiten sollte.

    Thomas Weigle,
    ich schließe nicht aus, daß über die SPD, ja generell über das "Rein (partei-)politische" hinaus tiefe Gräben in unserer Gesellschaft mit entsprechenden Folgen nicht nur mit den großen materiellen Differenzen zu tun haben, sondern auch mit der tagtäglich demonstrierten Distanz der "Reichen gegenüber den Armen", der "Besitzenden gegenüber den Nichtbesitzenden", der "Gebildeten gegenüber den Ungebildeten", des "Akademikers gegenüber dem Malocher" und, und, und……….
    Ist dieses Verhalten heutzutage besonders ausgeprägt?
    Warum ist das so?
    Läßt es sich ändern?

    Alle (!!)Demokraten könnten sich das fragen.
    Alle (!!)Demokraten müßten sich das fragen, meine ich.

    Also…..
    Stefan Laurin hat aus gegebenem Anlaß alle Demokraten in allen sog etablierten Parteien und in der gesamten westlichen Welt -sh.Trump und seine Anhängerschaft in der "weißen Industriearbeiterschaft der USA- an eine Problematik erinnert, der sich stellen müssen, wenn sie nicht allesamt als politische bestimmende Kräfte untergehen wollen.

  • #54
    Thomas Weigle

    @ Walter Stach Ich bin mir der Rolle der SPD in Sachen Arbeiterschaft bis weit in die Bonner Republik durchaus bewusst, schließlich war ich 12 Jahre Mitglied dieser Partei und hatte diese SPD, die lange Zeit Anwalt der kleinen Leute war, bei meinem obigen Kommentar nicht im Sinn.

  • #55
    Walter Stach

    Thomas Weigle,
    mein Beitrag war keine Kritik am Inhalt des Beitrages -52-.

    Mich hat die Bemerkung über die "Geringschätzung" allerdings veranlaßt, mich diesbezüglich kurz mit dem Verhalten der Menschen untereinander zu befassen, also mit dem "subjektiven Faktor Geringschätzung" , hier primär bezogen auf das Verhalten vieler meiner Genossen in Parteifunktionen und als Mandatsträger gegenüber den Inudstriearbeitern in der Partei und außerhalb.
    Ich denke, hier gibt es ein gewaltiges Problem, und wie dargelegt, gilt das nicht nur für das Miteinander von Funktionären/Mandatsträgern der SPD mit den Industriearbeitern, sondern für die tatsächliche oder so wahrgenommene Geringschätzung durch "die da Oben" gegenüber denen " da Unten".

    Damit keine Mißverständnisse auftreten:
    Diese Betrachtung zur "Geringschätzung von Menschen durch Menschen" und zu deren Folgen steht nicht in Widerspruch zu meinem Beitrag -13-, in dem ich an die aus meiner Sicht nach wie vor existierenden – und sich in den letzten 2o Jahren verstärkenden- objektiven Faktoren für die "Ausbeutung der abhängig Beschäftigten"" erinnert habe und an deren Folgen, die -auch dank der SPD- graduell ganz wesentlich im 2o. Jahrhundet minimiert werden konnten.

    "Demnächst" wird sich die SPD -so hoffe ich jedenfalls- mangels Masse nicht mehr primär mit dem "klassischen" Industriearbeiter zu befassen , sondern sich intensiv all den Problemen zu zuwenden haben, von denen die Menschen infolge der Digitalisierung in Industrie, Handwerk, Verwaltung und Dienstleistungsbranchen betroffen sein werden. Das kann für die SPD eine Chance sein, sich wieder als unverzichtbar im politischen Prozess für all diejenigen zu erweisen, die von dieser "digitalen Revolution" betroffen sein werden, so wie die SPD sich als notwendig, als unverzichtbar erwiesen hat im Kampf gegen Ausbeutung, gegen soziale Ungerechtigkeiten infolge der ersten indusriellen Revolution – und in deren Mittelpunkt stand aus SPD Sicht der "klassische Industriearbeiter",
    Ich weiß nicht, für wie lange Zeit es diesen "klassischen Industreiarbeiter" noch geben wird und für wie lange Zeit er deshalb weiterhin eine wesentliche Zielperson -nicht die einzige -in der SPD- Politik zu bleiben hat. Ich weiß nur, daß das "Zeitalter des klassischen Industriearbeiters" auch in Deutschland in nicht allzu ferner Zukunft beendet sein wird, so daß sich eine Partei wie "meine" SPD ( die dem Prinzip Gerechtigkeit verpflichtet ist und dieses mehr als bisher als ihr "Leitprinzip" kommunizieren sollte)sich intensiv, sich prioritär mit den Folgen der Digtialisierung für viele, viele Menschen zu befassen hat, um denen dann ein Leben in Würde zu ermöglichen, einer "gerechten Ordnung auch im Zeitalter der Digitalisierung wegen".

    Hier sehe ich u.a. ein wesentliches Problem für die heutige Verfassung "meiner" Partei.

    Bezogen auf mich als eines unter vielen Mitglieder der SPD bedeutet das ganz konkret, , daß ich mir Gedanken zu machen habe über Probleme derjenigen in der Verwandtschaft, in der Bekanntschaft, in der Nachbarschaft, im Ort und darüberhinaus , die noch als Industriearbeiter beschäftigt oder als solche zur Zeit arbeitslos sind, aber anderseits und zugleich darüber nachzudenken habe, was die Digitalisierung in Industrie, Handwerk, Verwaltung und in allen Dienstleistungsbranchen z.B. für meine 8 jährigen Enkel bedeuten könnte, was das für seine schulische Bildung, für den Erwerb sozialer Kompetenzen bedeuten wirdt und ob und wie sich "meine" Partei -ab sofort- sich als fähig und willens erweisen wird, sich dieser Problematik zuzuwenden.
    Beiden Anliegen gleichermaßen gerecht zu werden -neben viele anderen-, ist kein einfaches politisches Geschäft, nicht für die Partei SPD, aber auch nicht für mich persönlich in meiner alltäglichen Kommunikation mit dem "klassischen Industriearbeiter" einerseits und in dem Nachdenken und dem Diskutieren über die "Digitale Revolution" und über den gesellschaftspolitischen Umgang damit.

    Thomas Weigle,
    so oder so ähnlich, jedenfalls in diesem Sinne, wünsche ich mir als SPDler einen offenen und öffentlichen Diskurs, wenn es um eine Antworten auf die Frage geht: "Braucht die Gesellschaft "hier und heute" noch eine sozialdemokratische Partei und wird die Gesellschaft -die digitalisierte- in Deutschland, in Europa, weltweit zukünftig sozialdemokratische bzw. demokratisch-sozialistischen Parteien benötigen?"

  • #56
    Thomas Weigle

    @ Walter Stach Zu wünschen wäre das, was Du Dir erhoffst. Wenn man sich überlegt, was die SPD alles hat an Gegner- und Feindschaft in ihrer langen Geschichte hat aushalten und ertragen müssen, ist es ein ganz mieser Gag des "Weltgeistes", dass die SPD von innen ( nicht nur, aber vor allem von Schröder&CO) heraus demontiert wurde.

  • #57
    Flaco

    Die Problembeschreibung von St. Laurin ist unvollständig, denn
    a) gibt es auch in skandinavischen Ländern, deren Bildungssysteme eine angeblich bessere Durchlässigkeit von "unten" nach "oben" haben ähnlich struktuierte "rechte" Parteien und Bewegungen,
    b) gilt das unter a) angeführte umgekehrt für einige südeuropäische Länder – (schlechtere Durchlässigkeit – keine "rechten" Parteien,
    c) jeder bleibt immer noch früher oder später "seines Glückes Schmied". Entweder entscheidet man sich als Arbeiterkind für die "Ochsentour" oder man fühlt sich in der "armes Schwein Ecke" wohl und richtet sich dort unter dem Motto "Schuld haben immer die Anderen" ein,
    d) sind die Ansprüche insgesamt auf ganzer Breite gestiegen, so dass derjenige, der "nicht mithalten kann" bei Flatscreens, Smartphones, Urlaubsflügen etc. unter einer gefühlten Armut leidet.
    Korrigieren müsste die Politik die Gießkannenverfahren Kindergeld, Erziehungsgeld u. Ä. und die freiwerdenden Mittel konsequent in zielgerichte Bildung investieren.
    Aufhören müsste die Klientelpolitik zugunsten einer nachvollziehbaren, zukunftsorientierten Politik.
    Es gilt Probleme zu erkennen und (auch steinige) Lösungswege aufzuzeigen – und dabei nicht von Wahl zu Wahl zu denken.
    Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft müssen endlich mit Selbstbedienung, Postenschieberei und Geschacher aufhören und zumindest Einzelne wieder als Vorbild taugen.
    Z. Zt. muss man sich über das Erstarken der "neuen Rechten" nicht wundern – höchstens über die Hilflosigkeit, Ignoranz und Borniertheit der Etablierten.

  • #58
    Walter Stach

    "Das Lachen, das nicht im Halse stecken bleibt"!!
    Heute, nach Bekanntwerden des Wahlsieges in Österreich.

    PS
    Dass mit diesem Wahlsieg, einem denkbar knappen, die Frage nach den Gründen für die große und vermutlich noch wachsende Zustimmung in der Bevölkerung für sog. rechtsradikale Parteien in Österreich, in Deutschland, in Frankreich, in………. nicht abschließend beantwortet ist, geschweige denn, daß auf sie befriedigende Antworten durch die "Nicht-Rechtsradikalen-Parteien/Gruppierungen/Organisationen" gefunden wurden, vergesse ich selbstverständlich bei meiner Freude über die Niederlage des FPÖ-Kandidaten nicht.

  • #59
  • Pingback: It´s the end of the left as we know it | Ruhrbarone

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