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Offener Brief an Thiesen

Zahlreiche Mitglieder der Piratenpartei fordern Bodo Thiesen auf seine Parteiämter und seinen Listenplatz aufzugeben. Auch die Mitgliedschaft soll er überdenken.

Für Bodo Thiesen wird es in der Piratenpartei zunehmend ungemütlich. Vielen Mitgliedern reicht seine Distanzierung von seinen früheren, der Holocaust und den Angriffskrieg leugnenden oder raltiviernden Aussagen nicht aus. Sie haben an den Piraten, der eher unter brauner Flagge segelt einen offenen Brief geschrieben: "Diese Stellungnahme enthält nichts zu Deinen antisemitischen Äußerungen über die jüdische Bevölkerung im Deutschland der Gegenwart. Wie steht es mit Deiner Meinung bezüglich des Schutzes jüdischer und israelischer Einrichtungen? Wie steht es um Deine Meinung, Hakenkreuzschmierereien auf jüdischen Friedhöfen würden keinerlei Bedrohung der jüdischen Bevölkerung darstellen? Wie steht es mit Deiner Meinung, jüdische Deutsche könnten auswandern wenn…

Zahlreiche Mitglieder der Piratenpartei fordern Bodo Thiesen auf seine Parteiämter und seinen Listenplatz aufzugeben. Auch die Mitgliedschaft soll er überdenken.

Für Bodo Thiesen wird es in der Piratenpartei zunehmend ungemütlich. Vielen Mitgliedern reicht seine Distanzierung von seinen früheren, der Holocaust und den Angriffskrieg leugnenden oder raltiviernden Aussagen nicht aus. Sie haben an den Piraten, der eher unter brauner Flagge segelt einen offenen Brief geschrieben: "Diese Stellungnahme enthält nichts zu Deinen antisemitischen Äußerungen über die jüdische Bevölkerung im Deutschland der Gegenwart. Wie steht es mit Deiner Meinung bezüglich des Schutzes jüdischer und israelischer Einrichtungen? Wie steht es um Deine Meinung, Hakenkreuzschmierereien auf jüdischen Friedhöfen würden keinerlei Bedrohung der jüdischen Bevölkerung darstellen? Wie steht es mit Deiner Meinung, jüdische Deutsche könnten auswandern wenn sie sich hier bedroht fühlen? Wie steht es mit deiner Meinung, Juden sollten sich integrieren, wollten dies aber trotz des Angebotes nicht?

Du verkennst hier vollkommen, dass die jüdischen Deutschen eben unsere Mitbürger sind. Sie leben hier in ihrer Heimat, nicht im Ausland. Sie werden regelmäßig von Antisemiten bedroht, und zwar wegen ihres Judentums. Einer Gruppe zu sagen, dass es ihr freistünde, ihr Heimatland zu verlassen, ist für sich genommen schon moralisch nicht akzeptabel. Diese Aussage gegenüber Juden zu treffen, ist im Kontext der unsäglichen Verbrechen des Nationalsozialismus ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen. Deine Bemerkung, sie könnten diesmal sogar „ihr Hab und Gut mitnehmen“ ist an Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten. Unserer Meinung nach ist das antisemitische Hetze. Da Du Dich zu diesen Fragen nicht geäußert hast, muss davon ausgegangen werden, dass Du von Deiner Meinung nicht abgerückt bist."

Die Mitglieder, sehen für Thiesen keine Zukunft mehr bei den Piraten: "Wir, die Unterzeichner, halten Deine Stellungnahme vom 08. Juli 2009 für genauso unzureichend wie Deine vorangegangenen Stellungnahmen. Wir halten Deine Äußerungen, von denen Du Dich weiterhin nicht distanzierst, für vollkommen unvereinbar mit den Grundsätzen der Piratenpartei und der Menschenwürde. Seit der Rüge im Jahr 2008 hattest Du die Chance, das zu bereinigen. Unserer Meinung nach ist Dein Verhalten parteischädigend und mit Parteiämtern wie Listenplätzen nicht vereinbar. Wir fordern Dich auf, von Deinem Parteiamt und dem Listenplatz zurückzutreten und deine Parteimitgliedschaft zu überdenken."

Der offene Brief ist politisch und nicht mehr, wie viele anderen Aussagen aus den Kreisen der Piraten zu Thiesen pder Tauss, legalistisch. Der oft mangelnde Wille bei vielen Piraten sich politisch zu platzieren ist hier nicht mehr zu spüren. Vielleicht ja ein Zeichen dafür, dass bei manchen ein Lernprozess eingesetzt hat. Und wenn die Piratenpartei nicht einen großen Teil der Sympathien, die sie in den letzten Monaten gewonnen hat wieder verlieren will, muß sie schnell lernen, denn mit abstrusen Themen zu Kinderschändern und  der deutschen Vergangenheit werden die Piraten keinen Blumentopf  gewinnen. Der Brief ist immerhin ein Schritt in die richtie Richtung.

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13 Kommentare zu “Offener Brief an Thiesen

  • #1
    erz

    Ist der mangelnde Wille nun gar nicht mehr zu erkennen oder gehört viel mehr der Mangel an Willen zur politischen Positionierung der Vergangenheit an?

  • #2
    piratenwahl

    Ich bin ein Freund der Meinungsfreiheit, und die Diskussion im Lawblog http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/07/09/links-403/#comments zeigt doch, daß der § 130 STGB und das rituelle Trauern hinsichtlich Sensibilisierung nichts gebracht haben. Ich wünsche mir natürlich, daß mehr Leute widersprechen, wenn Holocaustopfer herabgewürdigt werden bzw. der Holocaust gar geleugnet wird. Deshalb ist der offene Brief doch ein erfreuliches Signal, was die Altparteien niemals zustande gebracht hätten.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @piratenwahl: In den „Altparteien“ wäre Thiesen längste gefeuert und nicht Kandidat auf einer Reserveliste. Eon solcher offener Brief wäre schlicht überflüssig.

  • #4
    Werner Jurga

    @piratenwahl: Ich bin wirklich irritiert. Hat noch nie irgendeine „Altpartei“ etwas gegen die Leugnung des Holocaust gesagt? Noch nie Leute wegen antisemitischer Entgleisungen ausgeschlossen? – Ich verstehe ja das Bedürfnis, proklamieren zu wollen: „Wir sind die Ersten!“ Und da gäbe es bei den Piraten doch den ein oder anderen Punkt. Das, wie Sie schreben, „erfreuliche Signal“, dass „Leute widersprechen, wenn Holocaustopfer herabgewürdigt werden“, kann nicht dazugehören. Ich kenne Sie nicht und kann daher nicht beurteilen, welcher wilde Teufel Sie geritten hat. Aber es hat Geschmäckle. Sie sollten eine Klarstellung zu Ihrem Kommentar abgeben! Nicht zur Ehre der „Altparteien“, sondern einfach nur, um den Eindruck, den der Offene Brief nicht nur bei David Schraven hinterlassen hat, nicht wieder zu löschen.

  • #5
    piratenwahl

    Natürlich hätten in den Altparteien die Parteioberen Herrn Thiesen längst entfernt. Und zwar ohne jegliche Initiative der Parteibasis. Bei den Piraten scheint dagegen Aktivität von unten zu kommen, es findet eine viel ehrlichere Diskussion statt als in den klassischen Parteien, die Grünen in den Gründerjahren waren ähnlich. In den etablierten Parteien sind doch nur noch Karrieristen, während bei den Piraten Leute sind, denen- zumindest jetzt noch- Karriere egal ist. Und wenn- nicht aus Karrieregründen- sondern aus inhaltlicher Überzeugung Piraten sich gegen Volksverhetzung engagieren, ist das doch positiv zu sehen.Beim offiziellen Kampf gegen rechts dagegen scheint es mir hauptsächlich darum zu gehen, daß ansonsten arbeitslose Geisteswissenschaftler Fördergelder abgreifen.

  • #6
    Elmar

    „Beim offiziellen Kampf gegen rechts dagegen scheint es mir hauptsächlich darum zu gehen, daß ansonsten arbeitslose Geisteswissenschaftler Fördergelder abgreifen.“ – piratenwahl

    Bin gerade arbeitslos. Kannst Du mir Tipps geben?

    Danke.

  • #7
    Heiko Frömter

    Ich wiederhole mal den Kommentar, den ich letztens hier gelesen hatte und für sehr zutreffend halte:
    „Hier wird ein Dorf gebaut um dann anschließend eine Sau hindurch zu treiben.“

    Langsam wird das „Piraten-bashen“ hier nur noch peinlich.

    Und ich habe den Eindruck man meint sich hier im Besitz der einzigen Wahrheit und dem Willen das Thiesen unbedingt abgeschossen werden muss, und man wird hier erst Ruhe geben wenn man es geschafft hat.

    Denn hier berichtet man nicht über Auseinandersetzungen, sondern man heizt sie immer wieder selber an.
    Bildzeitungs-Niveau eben.

  • #8
    Nicolai

    @Heiko
    Ich empfinde das sogenannte „Bashen“ eher nicht als solches.
    Ehrlich gesagt finde ich sogar, dass sich ein wenig viel mit den Pirat_innen beschäftigt wird.
    Andererseits ist das hier ja auch eine Internetöffentlichkeit, da verschiebt sich der Fokus etwas.

    @piratenwahl
    Beim ?offiziellen Kampf gegen rechts? geht es vor allem um die Frage ?was aus dem Ruf unserer Wirtschaft wird? (Zitat Goldene Zitronen). Die Bundesrepublik tut sich nicht gerade durch besonders starkes oder konsequentes antifaschistisches Engagement hervor. Und sie gibt auch kaum Geld dafür aus. Und das bisschen, was ausgegeben wird, lohnt sich volkswirtschaftlich (Der Ruf der Wirtschaft und so) enorm.
    Die größten Hindernisse eines gescheiten offiziellen Kampfes gegen ?Rechts? sind übrigens die Totalitarismus- und die Extremismus?theorien?, der Selbstbetrug vorbildlich aufgearbeitet zu haben und der Selbstbetrug der ?Stunde Null?. Aber wenn die über Bord geworfen würden, wäre das sehr schlecht für den Ruf der Wirtschaft.
    Im Übrigen bräuchte mensch für einen gescheiten Kampf wesentlich mehr Personal und Geld.

    @Stefan
    Mensch, ich freue mich ja über deinen Artikel und ich les? ihn gerne und will auch gar nicht den Grammatik- und Orthographiepedanten spielen, aber könntest du nicht zumindest eine einfache Rechtschreibkorrektur drübergehen lassen? Nicht wegen irgendwelcher tatsächlichen Fehler, einfach nur gegen Tippfehler wie ?richtie? oder ?pder?. Das liest sich so schlecht!

  • #9
    Mario Herrmann

    Liebe Ruhrbarone, nichts liegt mir ferner als in eure Themenauswahl reinzureden, aber findet ihr nicht, dass sieben Blogeinträge in fünf Tagen ein bisschen viel der Beschäftigung mit einer Splitterpartei sind? Ich beobachte die Entwicklung der Piratenpartei duchaus auch mit Interesse, aber mittlerweile fühle ich mich manchmal – auch bei den diesbezüglichen Kommentardiskussionen – wie in einem internen Diskussionsforum dieser Partei…

  • #10
    Burkard Schulte-Vogelheim

    Ob in „den Altparteien“ Antisemitismus oder Rassismus umgehend sanktioniert wird bzw. Konsequenzen für ein Amt hat, sei zu bezweifeln.

    Das „Antisemitchen“ (H. Broder) Möllemann flog eben nicht umgehend aus der FDP, erst das niedrige Wahlergebnis und der dann folgende antisemitische Flyer setzten ihn vor die Tür.

    Roland Kochs Bedarfs-Rassismus, dieser wiederholt angewandt, wohl wissend, was dieser auslösen kann, dabei nicht vergessend die Umfälschung seiner schwarzen Kassen als „jüdische Vermächtnisse“, das hat ihm nicht geschadet.

    Und Öttinger? Ein Mann, welcher den „furchtbaren Juristen“ (Hochhut) Filbinger zum Widerständler umfälschte, ist der charakterlich wirklich geeignet für ein öffentliches Amt?

    Die mit der späten Geburt tragen keine Verantwortung für die ungezählten Täter und Mittäter, die ihre Parteien einst dominierten. Pflicht allerdings sollte es sein, genannte Charaktere in die Schranken zu weisen. Und das wird vermißt.

  • #11
  • Pingback: Netzhæuter

  • #13
    David Schraven

    Mir tut der Thiesen mittlerweile als Mensch leid. Er hatte nur versucht, seinen eigenen Unfug zu relativieren. Das ist aber schwer – und so wie er es getan hat, gar nicht möglich.

    Mir tut er leid, weil er sicher nichts böses will und eigentlich dachte, er würde was tolles bei den Piraten machen. Ich halte ihn für einen nicht besonders cleveren Vogel mit teils behämmerten Ansichten – aber nicht für einen kriminellen Nazi. Auch seine schrägen, verschrobenen Ansichten zur Kinderpornografie sind behämmert und einfach nicht durchdacht. Im Prinzip scheint er aber ein harmloser Internetbewohner zu sein, der dummerweise mit seinem Unsinn ins Rampenlicht geriet, weil die Piraten ein unsortierter Haufen sind. Normalerweise nimmt so Leute wie den Thiesen niemand wahr. Da können die sich in ihren Soziotopen frei ausleben.

    Ich hoffe, Thiesen übersteht die Nummer einigermaßen psychisch gesund. Ich drück ihm jedenfalls als Mensch die Daumen.

    Solange er nirgendwo politische Verantwortung trägt, sollte er harmlos sein.

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