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Oh, wie schön ist Gelsenkirchen…doch wo wohnen eigentlich die Chefs?


Die Zahl der Gesundbeter und Schönredner bleibt in der Stadt der Tausend Feuer auf einem hohen Niveau. Vielleicht steigt sie ja sogar an – wer weiß? Die schlechten Nachrichten erreichen Gelsenkirchen in immer kürzeren Abständen: höchste Arbeitslosenquote bundesweit, die meisten AfD-Wähler im Westen, ein Drittel der Kinder leben in Armut, die ärmste Stadt Deutschlands und so weiter.

Da versteht jeder, dass viele Menschen sich das Elend schön reden und dem Boten der schlechten Nachrichten die Schuld geben. Dabei müsste die lokale Politik eine Mitschuld eingestehen, doch das würde die Existenzgrundlage der Funktionäre vor Ort gefährden, im Land und im fernen Berlin – das will niemand auf seine Kappe nehmen.

In der ärmsten Stadt von ganz Deutschland lebt man recht angenehm, wenn man einen gut bezahlten Job hat. Davon gibt es hier zwar nicht so viele wie an anderen Orten der Republik, aber immerhin. Geschäftsführer kommunaler Gesellschaften, Direktoren von Banken und Sparkassen, der Direktor der Hochschule, Professoren, die Leiter der Gerichte, Stadtverordnete, Leiter von Behörden, der Chef der Agentur für Arbeit gehören genauso dazu, wie die Chefredakteure von WAZ und Radio Emscher Lippe.

Gern stellt man die Zuverlässigkeit von Studien infrage und zweifelt die Ergebnisse an. Da stellt sich die Frage, ob die gutverdienende Elite, die in unserer Stadt schaltet und waltet, denn eigentlich auch hier wohnt oder aber sich jeden Morgen von anderswo her auf den Weg zur Arbeit ins schöne Gelsenkirchen macht. Wir haben nachgefragt und nachgeschaut – schauen Sie selbst:

Der Beitrag ist auch im Stadtteilmagazin isso erschienen.

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9 Kommentare zu “Oh, wie schön ist Gelsenkirchen…doch wo wohnen eigentlich die Chefs?

  • #1
    Ke

    Mit der Grafik kann ich nicht viel anfangen. Wenn man Karriere macht, wechselt man den Arbeitsort, ob ich dan in Do, Du, E oder Ge wohne, ist in der Grossstadt Ruhrgebiet vernachlässigbar. Ich wechsel auch nicht für jeden Job den Wohnort.

    Interessanter ist es da schon, wenn ich bspw in der "schönen" Schweiz leben würde und dann die Muster -Patriotin für ein anderes Land spiele.

  • #2
    teekay

    Den Wohnort als Indikator fuer "gute Arbeit in GE" heranzuziehen finde ich in einer Region wie dem Ruhrgebiet etwas weit hergeholt. Die Lebens- und Arbeitswirklichkeit vieler Menschen, inklu "Eliten", ist, dass man pendelt. Ich wuerde die Karte einfach so interpretieren: GE hat eine gesunde Mischung aus "Eliten" die in der Stadt wohnen und solchen aus dem Umkreis, die ihre Erfahrungen aus Bochum, Essen oder Dorsten jeden Tag mit in die Stadt bringen um sie besser zu machen. Und? Oder so: Es ist wichtig, dass "Eliten" nicht nur im eigenen, sprich: Gelsenkirchener, Saft schmoren, sondern das Wohl der Stadt auch an anderen wichtigen Orten wie Essen oder Muenster vertreten…wie gesagt, "Beweise" fuer eine richtige oder falsche Interpretation liefert der Wohnort alleine nicht.

  • #3
    Arnold Voss

    In Gelsenkirchen selbst gibt es enorme Unterschiede in der Wohn- und Standortqualität. Und natürlich wohnen die Besserverdienenden in der Regel auch in den besseren Gegenden. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. D.h.aber noch lange nicht, dass sie nicht trotzdem in der Lage sind, auch für die Entwicklung der anderen Gegenden Verantwortung zu übernehmen und ihren Gehirnschmalz auch dafür zu opfern. Gemeinsinn ist an keinen Standort gebunden.

  • #4
    Jürgen

    Ist das für die Gelsenkirchener nicht eher unerheblich, ob die "Chefs" in Gelsenkirchen, Oer-Erkenschwick, Dorsten, Gladbeck, Bochum oder Wuppertal wohnen, solange es nicht Dortmund ist?

    In Gelsenkirchen wird es auch sehr schöne und teure Ecken geben, in denen sich gut leben lässt und man als "Chef" den Verfall der Stadt nicht mitbekommt, wenn es nicht möchte. Solange ein "Chef" kein grundsätzliches Interesse an "seiner" Stadt zeigt, ist das völlig uninteressant. Und wenn man in Haltern am See lebt, sollte man als "Chef" mit einem gewissen Interesse an Stadtpolitik und Stadtfinanzen auch mitbekommen, was eine völlige Überschuldung der Stadt bedeutet (wogegen von Seiten der Landespolitik nur wenig, und von Seiten der Bundespolitik nichts gemacht wird).

  • #5
    Ke

    Mal etwas aus 2008
    https://rp-online.de/sport/fussball/vfb-stuttgart/mit-dem-hubschrauber-zum-vfb-training_aid-11557475

  • #6
  • #7
    Bebbi

    Interessanter Ansatz, aber erst aussagekräftig, wenn man das ins Verhältnis zu den "Spitzen-Leuten" aus anderen Städten setzt, die in GE leben.

  • #8
    ruhrreisen

    nee. das ist überhaupt nicht unerheblich. nicht für die ärmste Stadt deutschlands. ein arbeitsamtdirektor, der in der nachbarstadt lebt, weiss nicht, wie es ist, mitten unter soviel armut zu leben, die jeden tag auf der einkaufsstraße sichtbar ist. das ist nicht vergleichbar mit bochum. auch wenn da nur 10 km zwischen sind. allenfalls mit wattenscheid. die stadt braucht also bekenntnisse in der armuts- und zuwanderungsverwaltung, um mit gutem beispiel voran zu gehen. wenn das so weitergeht, werden sich sosnt wie in anderen städten – etwa kiel – die armen stadtteile immer weiter nach unten gentrifizieren und verdichten- während nur noch in einzelnen "oasen" die wenigen auserlesenen leben – wenn sie der stadt nicht endgültig den rücken kehren.

  • #9
    ke

    Es wäre natürlich auch toll, wenn der Präsident des Verwaltungsgerichts zumindest in seinem Gerichtsbezirk leben würde und auch selber von den Entscheidungen des Gerichts betroffen ist.

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