Freiheit für T-Informanten

Nehmen wir mal an, die Geschichte stimmt so, wie sie auf den Fluren der Telekom erzählt wird: Der frühere Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und der frühere Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel haben demnach Leute der Konzernsicherheit beauftragt, Informationslecks in den eigenen Reihen zu suchen und auszuschalten. Bewiesen ist nichts und die beiden Ex-Verantwortlichen bestreiten die Vorwürfe heftig. Die Bonner Staatsanwaltschaft hat Zumwinkel und Ricke dennoch im Visier.

Wer auch immer zur Verantwortung gezogen wird, unbestritten ist, bei der Telekom wurden in den Jahren 2005 und 2006 sensible Telefondaten illegal auswertet, um vertrauliche Gesprächen zwischen Aufsichtsräten und Journalisten aufzudecken. Das ist kein Bagatelldelikt – auf das Vergehen stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Zudem offenbart das Vorgehen ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie.

Warum also das Ganze? Seit dem Börsengang Mitte der 90er steht der frühere Staatskonzern immer wieder im Schlaglicht der Öffentlichkeit. Mal sickern geheime Planzahlen durch, mal wird über den Umfang des nächsten Stellenabbau-Programms spekuliert. Streitigkeiten innerhalb der Führungsriege werden sorgsam von der Presse aufbereitet. Kein Vorstand liest so etwas gerne, auch Ex-Chef Ricke nicht. Wurde sein Vorgänger Ron Sommer noch als Sonnenkönig und Weltenbürger mit Hang zur Arroganz dargestellt, so muss er sich wie ein mürrischer Gutsverweser beschrieben sehen. Ricke sei ein Zögerer und Zauderer, stand da in den Zeitungen. Und auch wurde berichtet, er sei einer, der den Laden nicht im Griff habe. Ricke, Zumwinkel und auch andere Manager haben sich über die Indiskretionen immer wieder geärgert, heißt es im Konzern.

Diese Indiskretionen waren aber wichtig und vor allem richtig. Denn unter Ricke drohte die Telekom ins Abseits zu schlittern; die Kunden liefen in Massen davon, bei der Auslandsexpansion hinkte der Riese hinterher. Die spanische Telefonica zog mit dem Kauf von O2 an der Telekom vorbei; Vodafone sammelte zugleich Beteiligungen in Schwellenländer. Beide punkteten an der Börse. Was tat die Ricke-Mannschaft? Sie sparte und musste ihre Prognose revidieren. Zu dem Zeitpunkte senkten viele Finanzanalysten und Branchenbeobachter den Daumen; die T-Aktie klebte am Boden und mit ihr die Hoffnung vieler Investoren. Denn auch wenn die Telekom dies mittlerweile bestreitet: Das Telekom-Papier ist eine Volksaktie mit rund drei Millionen Anteilseignern. Damit dürfen bei der Telekom-Hauptversammlung theoretisch mehr Menschen abstimmen als bei einer Wahl in Irland oder Slowenien.

Die Aktionäre haben ein Recht auf Information, was ihnen aus meiner Sicht unter der Ägide von Ricke verwehrt wurde. Wie jedes börsennotierte Unternehmen ist die Deutsche Telekom AG den Aktionären und der Öffentlichkeit zur Offenheit verpflichtet. Für den Bonner Kommunikationskonzern gilt dies besonders, da alle Bundesbürger indirekt über den Staat an der Gesellschaft beteiligt sind.

Die Informanten, die Interna an die Presse weitergaben, erfüllt daher eine wichtige Aufgabe. Sie machten das Unternehmen transparent; die auf Lücke ausgerichtete Informationspolitik der Telekom konnte damit zumindest zum Teil ausgeglichen werden. Unverständlich ist daher, dass nun Jagd auf die Informanten gemacht werden soll. Laut „Süddeutscher Zeitung“ ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn gegen den Betriebsratschef Wilhelm Wegner, der den Spekulationen zufolge geplaudert haben soll. Außer vage Gerüchte gibt es dafür keine Belege. Und daher muss wie auch bei Ricke und Zumwinkel die Unschuldsvermutung gelten. Im Blick sollte man haben, dass es sich bei der Weitergabe von Interna aus dem Aufsichtsrat eher um ein Bagatelldelikt handelt – beim Ausspionieren von Telefondaten nicht.

Dass Ricke keine Plaudertaschen mag, ist verständlich. Seine Amtszeit fand im November 2006 ein vorzeitiges Ende. Zum Abgang trugen wohl auch die vielen kritischen Medienberichte bei, die dank der Informanten viel Wahres über die Telekom zutage förderten.

Macht die Kohle unser Benzin billig? Leider nein…

Die Benzinpreise in Deutschland steigen. Und im Ruhrgebiet wird die Erinnerung wach. Gab es da nicht mal eine Kohleöl-Anlage? So ein Ding, mit dem man aus den Steinen Sprit machen konnte? Ja, so ein Ding gab es, sagt Christof Beike vom letzten deutschen Kohlekonzern RAG. Jedoch: „Unsere letzte Anlage in Bottrop wurde Ende der neunziger Jahre verschrottet, weil es hieß, das Verfahren lohnt sich erst, wenn der Benzinpreis bei 2,30 liegt.“ Tja, diese Schwelle ist mittlerweile weit überschritten. Lohnt es sich jetzt also wieder Benzinfabriken auf Basis von Anthrazit zu bauen?

Schon im Zweiten Weltkrieg milderten Kohle-Öl-Anlagen die Abhängigkeit von Sprit-Importen. Die Nazis brauchten die Treibstoff-Fabriken um ihre Kriegsmaschine laufen zu lassen. Im Jahr 1944 produzierten fast zwei Dutzend Kohle-Öl-Anlagen über 5 Mio. Tonnen flüssiger Treibstoffe. Erst in den fünfziger Jahren gab die Industrie diese teuerste Form der Benzin-Synthese wieder auf.

Heute könnte die Technik den Zorn der Autofahrer vor hohen Benzinpreisen dämpfen – hoffen die deutschen Kohlefreunde. Sei es mit heimischer Kohle, oder mit Importsteinen.

Doch das Thema steht nicht auf der wirtschaftlichen Agenda der deutschen Industrie. Die einzigen Großanlagen stehen in Südafrika, den USA, der Mongolei und China. In Deutschland sind keine geplant. Der einstige Technologieträger Deutschen Montan-Technologie GmbH (DMT) in Essen hat sich nach Auskunft einer Sprecherin vor Jahren von allen Projekten getrennt. Und Christof Beike beklagt: „Das Know How ist verschwunden. Es gibt hier keinen mehr, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt.“

In anderen Ländern werden die Pläne allerdings weiterverfolgt. In Südafrika lies das Apartheidregime unter dem Druck des Embargos zwischen 1955 und 1983 drei Anlagen bauen. In den USA stehen zwei Fabriken, die im industriellen Maßstab produzieren. Dazu kommt ein Werk in China, das in wenigen Wochen die Produktion aufnehmen soll. In der Mongolei wird eine Anlage zur Produktion von jährlich rund 900.000 Tonnen Benzin, Diesel und Kerosin errichtet.

Der Grund für die Expansion im Ausland ist einfach zu finden: In diesen Ländern gibt es reichlich Kohle zu relativ günstigen Preisen. Gleichzeitig ist die Versorgung über lange Zeiträume gesichert.

Allen voran der südafrikanische Konzern Sasol treibt die Technik voran. Mit dem chinesischen Konzern Shenhua Energy unterzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Vertrag zum Bau von zwei weiteren Anlagen im Wert von 5 Mrd. Dollar. Auch in Südafrika plant das Unternehmen neue Anlagen. In Japan treibt das Energieministerium entsprechende Projekte voran.

In Deutschland erlebte die Technik ihren letzten Höhepunkt während des Ölpreisschocks in den Siebziger Jahre. Im Rahmen eines „Programms Energieforschung“ gingen sieben Pilotanlagen zur Kohleveredelung in Betrieb gingen. Ab 1980 wurden zudem 14 großtechnische Anlagen mit einem Gesamtverbrauch von 22 Mio. Tonnen Stein- und Braunkohle pro Jahr geplant. Doch die fallenden Ölpreise machten Mitte der 1980er Jahre diese Planungen zunichte. Die Pilotanlagen wurden nach und nach abgeschaltet. Die letzte stand in Bottrop.

RAG-Fachmann Beike beklagt sich: Seitdem die Bottroper Fabrik verschrottet worden sei, habe niemand mehr auf die Kohle gesetzt, deswegen sei auch die Technologie vernachlässigt worden. Selbst an den Unis werde nicht mehr ernsthaft geforscht. „Wenn der Bergbau verschwindet, verschwindet die Technik und dann das Know How.“

Einer der letzten Technologie-Träger in Deutschland ist die Firma URACA in Bad Urbach. Hier im Herzen der Schwäbischen Alb werden Hochdruckpumpen entwickelt, die Kohlemehl in die Verflüssigungsanlagen pressen können. URACA liefert vor allem nach China. In Deutschland sind nach eigenen Angaben keine Projekte geplant. 

Tatsächlich scheint der Wissens-Verlust tragisch zu sein. Beide heute noch gebräuchlichen Verfahren wurden von deutschen Ingenieuren entwickelt. Bei der so genannten Fischer-Tropsch-Synthese wird mit Hilfe von Wasserdampf aus glühender Kohle ein Gas erzeugt, dass anschließend über Katalysatoren zu flüssigen Kohlenwasserstoffen gerinnt. Auf Basis dieses Verfahrens erzeugt der Sasol Konzern in Südafrika rund 9 Mio Tonnen Ölprodukte, unter anderem Benzin.

Bei dem Bergius-Verfahren wird gemahlene Kohle unter Hochdruck bei Temperaturen von 500 Grad Celsius verflüssigt. Nach diesem Muster arbeiten die neuen Fabriken in China und in der Mongolei. Der Forscher mit dem Namen Bergius bekam für seine Kohle-Öl-Erfindung übrigens damals einen Nobelpreis.

Der Leiter der Abteilung für Kokerei-Technik bei der Deutschen Montan-Technologie, Manfred Kaiser, ist traurig, dass die Kohle-Öl-Fabriken nicht in Deutschland weiter entwickelt werden. „Man hat hier aus dem Kleinen nie das ganz Große gemacht.“ Seine Versuchsanlage in Essen mit einem Ausstoß von 250 Kilogramm Öl am Tag wurde vor vier Jahren demontiert und nach China verkauft.

In Fernost entsteht nun mit Hilfe der DMT-Forschung eine Anlage mit einer Kapazität von 5 Mio. Tonnen Benzin oder wahlweise Kerosin. Die Investitionssumme liegt nach Angaben des chinesischen Konzerns Shenhua bei rund 2,45 Mrd. Euro. Aber wichtiger noch: aufgrund der billigen Kohlepreise in China kann die Anlage selbst bei einem Rohölpreis von knapp 20 Dollar je Barrel noch wirtschaftlich arbeiten.

Eigentlich könnten diese Zahlen in Deutschland eine Euphorie erzeugen. Doch der Regionalchef des südafrikanischen Marktführers Sasol, Hans Ratajczak, dämpft die Erwartungen. „In Deutschland wird sich die Kohleverflüssigung auf lange Zeit nicht rechnen.“ Der Sasol-Chef erklärt, die Kohleschmelzen würden nur in weit entlegenen Gegenden aufgestellt, in deren direkten Umgebung sehr große Mengen billiger, energiearmer Kohle zu finden seien. „Diese Kohle hat oft einen Aschegehalt von 30 Prozent und mehr.“ Es lohne es sich nicht, diese energiearme Kohle zu transportieren. Allerdings kann es am Rand der Welt günstig sein, aus 50 Mio Tonne billig geförderter Kohle rund 10 Mio Tonnen Öl zu machen. „Die Standorte sind immer da, wo die Kohle ist“, sagt Ratajczak.

Es mache wirtschaftlich keinen Sinn, große Mengen Kohle teuer nach Deutschland zu importieren und diese dann in geringe Mengen Benzin umzuwandeln.

Klar? Das heißt nichts anderes als: In Deutschland wird es auf absehbare Zeit keine neuen Kohle-Öl-Anlagen geben. Entweder wird hochwertige Kohle importiert, die verbrannt wird, oder es wird Öl importiert. Der einzige Ausweg wäre, die heimische Kohle wird saubillig. Und kann ohne Subventionen Hektoliterweise Öl fabrizieren. Die Chancen dazu kann sich jeder selbst ausrechnen.

Republikaner unterstützen Recklinghausener Bürgerliste WiR

“Die Politik, die die WIR in Recklinghausen veranstaltet, macht die NPD in anderen Städten. Ich verstehe nicht warum sich CDU und FDP nicht von diesen Leuten trennen”, Erich Burmeister, Sprecher der Linken in Recklinghausen, ist sauer: “Ich stehe auch Gruppen aus dem islamischen Bereich kritisch gegenüber, die faschistische und demokratie feindliche Positionen vertreten, aber was die Wählergruppe WIR in Recklinghausen macht ist unverantwortlich.” Aus reinem Populismus werfe die Bürgerliste alle Muslime in einen Topf und verschliesse sich jedem Dialog.

Burmeister ist sich sicher: WIR setzt auf die Wähler vom rechten Rand. Heute schon kann sich WIR übermangelnde Unterstützung von Rechtsaußen nicht beklagen: Die Republikaner aus Herne “ermuntern” in einer Pressemitteilung von Anfang Mai WIR, sich nicht angeblichen “Meinungsdikatoren” zu beugen. Das die Rechten in Recklinghausen langsam aber sicher an Boden gewinnen, hat Burmeister längst am eigenen Leib erfahren: Nazigruppen haben Fotos von ihm ins Internet gestellt, die Scheiben des Büros der Linken wurden im März eingeworfen und beschmiert und erst vor wenigen Tagen fanden sich im Eingangsbereich des Büros NPD und Ausländerfeindlichen Aufkleber.

Public Viewing (1): IRgendWO

Gestern startete in Oberhausen der Zugucksommer, das "umsonst & draußen" dieser Zeit. Die Ruhrbarone werden auch hin und wieder zusehen in den nächsten drei Wochen. Heute beginnt unser Streifzug durch Fernsehlandschaften.  

FOTOS: Schurian/ Ruhrbarone

Es war rührend schön, trotz Coca-Cola Oase, trotz Videowand, gestern in Oberhausen. Eigentlich liegt das Kommerzensemble aus Backstein, Flachwasser und Schinkenstraße ja im Nirgendwo auf Gutehoffnungsgebiet. Irgendwo im  Drescherland, in Retorte, Decentro. Draußen gab es jedenfalls zwei Buden mit Bauchfleisch und eine kompakte Menschenmenge, vielleicht 1.000, die zusammen Union Berlin gegen RWO schauten. Es ging um den Zweitligaaufstieg. Wie immer beim Public Viewing war das Bild körnig und blass, von der Sonne überstrahlt. Und der Ton aus der "Alten Försterei" dröhnte, als käme er über Kurzwelle und dann aus den Gitarrenverstärkern einer Punkband. Zuerst trugen nur die Vereins-Vips optimistische T-Shirts, nach dem klaren Dreinullsieg streifte sich der ganze Platz das Aufstiegsmotto: "Maloche lohnt" über. Selten so ein glückliches Fußballvölkchen gesehen. Selten gab es solch einen überraschenden Aufstieg in die zweite Liga. Selten einen erfolgreicheren Abschied vom Traineramt (Hans-Günter Bruns will nicht mehr, wird Sportdirektor und Luginger fortan Trainer). Selten glücklichere Vereinsfrauen (siehe unten,die sich so freut, ist  die Freundin von RWO-Aufsichtsrat Thomas Dietz). Zur Feier also zwei Jubelserien aus Oberhausen, rührend schön trotz Coca-Cola-Oase, trotz Centro.

 

 

 

 

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Großmann will die Ruhrstadt

In einem WAZ-Interview hat sich RWE-Chef Jürgen Großmann dafür ausgeprochen, aus dem Ruhrgebiet eine Stadt zu machen.

Großmann sagte in dem Gespräch das man Konsequenzen daraus ziehen müsse, dass das Ruhrgebiet die einzige Metropole sei die schrumpft. Das Ruhrgebiet müsse auf die internationale Landkarte – allerdings sieht Großmann auch wenig Chancen, dass es noch einmal eine kommunale Gebietsreform wie in den 70er Jahren geben wird, da der Politik heute der Mut für solche Entscheidungen fehle. Ein gutes Interview und mutige Sätze – die vor allem den Kommunalpolitikern aus dem Ruhrgebiet nicht gefallen werden, die ja auch Großmanns Aktionäre sind. Schade, das Großmann nicht Moderator des Inititaivkreises geworden ist .- denn der hält sich bislang mit solchen politischen Aussagen leider zurück. Dabei findet  Großmann Zustimmung für seine Thesen zu Ruhrgebiet  – weniger indes allerdings mit seiner Forderung nach längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke, mit der ich allerdings auch leben könnte.

RWE viertklassig

RWE wird nicht der neuen 3. Liga angehören. Die Mannschaft hat es versemmelt und die RWE-Fans haben Krawall gemacht.

"O Schand und ewge Schande, nichts als Schande", ließ Shakespeare in seinem Köning Henirich der Fünfte den Herzog von Bourbon angesichts der verheerenden Niederlage des französischen Heeres in der Schlacht von Azincourt mit Verzweifelung sagen. "O Schand und ewge Schande, nichts als Schande" –  zu diesem Ausspruch haben auch die Verantwortlichen von Rot Weiss Essen jeden Grund. Der Traditionsverein wird nach einer 0:1 Niederlage gegen den VfB-Lübeck nicht der neuen 3. Liga angehören, sondern viertklassig in einer der drei neuen Regionalligen spielen. Ein neues Stadion soll aber trotzdem gebaut werden. Vielleicht wären ein paar Holzbänke um eine Ascheplatz herum aber auch ausreichend. Ach so – Krawall gab es natürlich auch, aber das ist bei den RWE-Fans ja auch nicht so selten.

Wir bauen uns ein Konzerthäuschen ? und keiner kriegt es mit

Heute Abend findet im Bochumer Bermuda-Dreieck um 20.00 Uhr das traditionelle Open-Air-Konzert der Bochumer Symphoniker statt.

Bochum im Regen. Foto:Ruhrbarone/Görges

Das ist immer unten am KAP, immer gut besucht und lässt bei gutem Wetter ein wenig Last-Night-Of-The-Proms -Stimmung aufkommen. Bei schlechtem Wetter lassen sich gruppendynamische Regenschirm-Phänomene beobachten und Erdkundelehrer, die ihre XXL-Parapluies aufklappen, damit die gute Jack-Wolfskin-Jacke nicht nass wird. Sicher, das Repertoire ist einfallslos, viel Filmmusik, viel Dreivierteltakt, die Akustik lausig und die quietschenden Züge stören. Aber es ist „umsonst und draußen“, und das zieht.
Seitdem in Bochum ein Konzerthaus als feste Spielstätte für die Symphoniker gebaut werden soll, ist das Konzert als Werbemaßnahme wichtiger denn je. Umso unverständlicher ist es, dass das Konzert nicht sichtbar – ich will nicht sagen nirgendwo, aber auf jeden Fall nicht an Bahnhof, Uni, in der Fußgängerzone oder im Bermudadreieck selbst – beworben wurde. Letztes Jahr hing immerhin 2 Tage vorher ein Banner über der Bühne am KAP…
Wenn man schon das ehrgeizige Ziel verfolgt, „10.000 Spender in 10 Wochen “ für das Projekt gewinnen zu wollen, darf man das Open-Air-Konzert nicht so stiefmütterlich bewerben. Die Ruhrbarone empfehlen hiermit das Konzert, die Musiker auf der Bühne und die Wirte am KAP werden sich freuen, und wen der Regen und die lauten Züge stören, kann ja für das neue Haus spenden.

Gutachter: Städte bekommen Planung für das Revier nicht hin

2004 führte die Landesregierung die Möglichkeit ein, dass Städte einen regionalen Flächennutzungsplan aufbauen. Sechs haben es im Ruhrgebiet versucht. Nun schaute das Land nach, ob sich dieses Verfahren bewährt hat.

Haus des Ruhrgebiets. Foto: RVR

Viele Planungsdezernenten sind nicht davon begeistert, dass der Regionalverband Ruhr ab dem kommenden Jahr die Planungshoheit für das Ruhrgebiet erhalten wird. Gerne verweisen sie darauf, dass sie ja seit 2004 an einem gemeinsamen Regionalen Flächennutzungsplan (RFNP) arbeiten. Unter dem Motto "Kooperation und Eigensinn" arbeiten sechs Kommunen an dem Projekt und haben erst einmal "komplexe Organisationsstrukturen" geschaffen – immerhin müssen ja alle Entscheidungen einstimmig fallen. Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen wollten gemeinsam planen – Dortmund und Duisburg kooperieren – und so vor allem zeigen, dass es eine einheitliche Planung für das gesamte Ruhrgebiet nicht braucht – sie können es ja angeblich selbst. Wie bei der  Einführung des RFNPs vorgesehen, hat sich nun eine Gruppe von Gutachtern mit den gesammelten Erfahrungen auseinandergesetzt. PD Dr. Stefan Greiving erstellte in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Carl-Heinz David und Prof. Dr. Hans-Heinrich Blotevogel das Gutachten – alle drei sind Planungsexperten der TU-Dortmund. Das Ergebnis des Gutachtens, das am 30. April der Landesregierung vorgelegt wurde: Die eigensinnige Zusammenarbeit der Städte bringt nichts – das Experiment RFNP sollte nicht verlängert werden.

"Folglich kommt die Evaluierung zu dem eindeutigen Befund, dass das Instrument RFNP unter den nordrhein-westfälischen planungsrechtlichen Bedingungen sowie der gegebenen Raumstruktur die von Bundes- und Landesgesetzgeber mit seiner Einführung beabsichtigten Ziele weitgehend verfehlt. (…) Es findet keine verbesserte regionale Abstimmung der Siedlungsentwicklung statt, sondern diese wird vielmehr über das für regional bedeutsame Entscheidungen fatale Einstimmigkeitsprinzip und die absehbare Unverbindlichkeit vieler Planinhalte gefährdet. (…) Daraus wird die gutachtliche Empfehlung abgeleitet, die landesplanungsgesetzliche Regelung für regionale Flächennutzungsplanung mit Auslaufen der fünfjährigen Experimentierklausel (2009 d.A.) nicht zu verlängern bzw. nicht ins Dauerrecht zu übernehmen."

Die Kritik an dem von den Städten mittlerweile erstellten Vorentwurf eines RFNP ist vernichtend. Neben rechtlichen Mängel stellen die Gutachter fest:

"Der Vorentwurf lässt an vielen Stellen eine regional abgestimmte Steuerung und Vorsorge von Raumnutzungen und Raumfunktionen vermissen, für die ein RFNP potenziell eine gute Grundlage bieten würde. Dies deutet insbesondere die Art und Weise an
• mit der die Umweltprüfung, teilweise unabgestimmt und auf lokale Perspektiven beschränkt, durchgeführt worden ist;
• das Thema großflächiger Einzelhandel angegangen bzw. nicht abschließend geregelt worden ist;
• die abschließende Behandlung raumwirksamer Themen auf informelle, unverbindliche Instrumente verlagert wird;
• sowie dem bestehenden Konflikt um den Flughafen Essen/Mülheim aus dem Weg gegangen worden ist."

Das maue Ergebnis verwundert die Experten indes nicht: "(...) da der Zwang zu einstimmigen Entscheidungen  erfahrungsgemäß zu Konsensbildungen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner führt. Es ist zu befürchten, dass Entscheidungen über wichtige Konfliktentscheidungen unterbleiben oder um des Konsenses willen sachlich fragwürdige Kompromisse gefunden werden."

Die Städte, so die Gutachter, sollten ihre Erfahrungen in die künftigen Diskussionen um eine ruhrgebietsweite Planung mit einbringen, die ab 2009 vom RVR übernommen wird. Nun sollten die Kommunen und das Land den RVR auch personell und finanziell in die Lage versetzen, diese Aufgabe auch zu übernehmen –  die Städte bekommen es ja offensichtlich nicht hin.

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Ranking: Dortmund vor Düsseldorf

In einem Ranking des Manager-Magazins kommt Düsseldorf nur ins Mittelfeld – und liegt hinter Dortmund.

Grund zu Freude: Dortmund OB Gerhard Langemeyer. Foto: Stadt Dortmund

Das Manager-Magazin und das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) haben sich die 30 größten Städte Deutschlands vorgenommen und sie hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit untersucht. Die Kriterien, die das Manager-Magazin allerdings (und im Gegensatz zur Wirtschaftswoche, deren Studie bald folgen müsste) nur teilweise veröffentlicht, waren unter anderem Erreichbarkeit, Bildungsniveau, Internationalität, Produktivität und die demographische Entwicklung. Vorteile haben dabei Städte, die nicht nur ein starkes Wirtschaftswachstum  verzeichnen können, sondern das auch noch vor allem in Branchen nachweisen können, in denen überproportional viele Hochqualifizierte arbeiten – das dürfte den großen Unterschied zwischen Dortmund und Duisburg erklären, über den sich in der WAZ Duisburgs OB Sauerland so aufregt, denn während Dortmund trotz höherer Arbeitslosigkeit als bestplatzierte Ruhrgebietsstadt auf Platz zehn liegt, schafft es Duisburg gerade einmal auf Platz 22: Während in Dortmund die neuen Jobs in Branchen wie IT und Mikrosystemtechnik entstehen, jobben immer mehr Duisburger in der Logistikbranche – dort sind die Qualifikationen eher mau. 
Während Dortmund das Mittelfeld anführt und Essen auf Platz 19 an dessen Ende liegt hat es Bochum und Gelsenkirchen übel erwischt: Mit Platz 28 liegen die Gelsenkirchener fast ganz am Ende des Rankings – dass sind sie gewohnt. Das Bochum allerdings nur einen Platz höher liegt, überrascht – hat doch die Stadt von allen großen Revierstädten noch immer die niedrigste Arbeitslosigkeit.
Offensichtlich hat das HWWI die demographische Entwicklung stark gewichtet – und hier schaut Dortmund in der Tat gut aus – die Stadt schrumpft im Gegensatz zu den anderen Revierstädten nicht mehr. Doch gerade wenn man den demographischen Wandel mit einbezieht, ist im Ruhrgebiet der Blick auf die Städte alleine wenig hilfreich. Blickt man auf die Region als Ganzes, stellt man fest, dass die Bevölkerungsentwicklung in den Kreisen gar nicht so schlecht ist – und die sind vor allen die Wohnvororte des Ballungskerns und werden diese Rolle in den kommenden Jahren wohl auch noch weiter ausbauen – so die Studie der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr GmbH zur Entwicklung des Verkehrs im Revier. So lässt sich der Duisburger Immobilienmarkt ohne das Wissen um den Kreis Wesel und Mülheim kaum verstehen. Allerdings: Die gute Arbeit der Dortmunder Wirtschaftsförderung und die Schaffung neuer attraktiver Wohngebiet in den letzten Jahren hat sich für Dortmund ausgezahlt. Während viele Ruhrgebietsstädte Altenwohnungen ausbauen, setzt die Stadt auf junge Familien – und damit auf die Zukunft.
Aber bevor in Dortmund wieder das Lied von der Unabhängigkeit von der Entwicklung des Reviers gesungen wird: Wiesbadens OB Helmut Müller, dessen Stadt auf Platz vier liegt, betont, das Wiesbaden ja nicht alleine zu sehen wäre sondern als Teil des Rhein-Main-Gebiets mit mehr als vier Millionen Einwohnern – Wiesbaden sei das schönste Altbauviertel diese Region.

Manager-Magazin Ranking:
1.    Frankfurt
2.    München
3.    Stuttgart
4.    Wiesbaden
5.    Dresden
6.    Karlsruhe
7.    Köln
8.    Hamburg
9.    Bonn
10.    Dortmund
11.    Düsseldorf
12.    Augsburg
13.    Mannheim
14.    Aachen
15.    Hannover
16.    Bremen
17.    Nürnberg
18.    Mönchengladbach
19.    Essen
20.    Braunschweig
21.    Münster
22.    Duisburg
23.    Bielefeld
24.    Berlin
25.    Leipzig
26.    Krefeld
27.    Bochum
28.    Gelsenkirchen
29.    Wuppertal
30.    Chemnitz

Schon wieder AGR? Leider…..

Wie ich erfahren habe, will sich der Regionalverband Ruhr (RVR) in seiner kommenden Verbandsversammlung mit der Abfallgesellschaft Ruhr beschäftigen. Dabei soll vor allem meine Berichterstattung über die bilanzielle Überschuldung der Müllfirma thematisiert werden. Der Geschäftsführer der AGR, soll dazu Stellung nehmen und meine "Falschberichterstattung" zurückweisen. Ich nehme an, über die Mülltransorte aus Neapel nach Herten, die die AGR derzeit durchführt, will keiner der Verantwortlichen plaudern – auch nicht darüber, ob unter dem legalen Müll auch die eine oder andere Tonne Giftdreck gepanscht war…

Wie dem auch sei. Damit es einfacher wird, fasse ich hier kurz die Kernpunkte meiner Berichterstattung zusammen, auf die der AGR-Geschäftsführer Stellung nehmen soll.

Aus dem Bundesanzeiger geht hervor, dass die AGR zum 31. Dezember 2006 eine bilanzielle Überschuldung von 80.694.775,98 Euro im Konzern hatte. Die Bilanz 2006 ist die aktuelle Bilanz, da noch keine neue vorgelegt wurde.

Für alle Nicht-Fachleute erklär ich hier nochmal das wesentliche: die bilanzielle Überschuldung steht bei den Aktiva unter dem Punkt "Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag". Der AGR-Geschäftsführer spricht immer nur von der Überschuldung in der Kern-GmbH. Die sieht natürlich nicht so schlimm aus, denn etliche Teile der Überschuldung sind im Konzerngeflecht der AGR versteckt. Die Fachleute wissen das. Deswegen gibt es ja die Konzernbilanz, damit die Aufhübschung einer GmbH-Bilanz über ihre Töchterbilanzen nciht mehr möglich ist. Der Verweis auf die GmbH-Bilanz soll nur die Politik im RVR und die naiven Menschen in der Öffentlichkeit beruhigen.

Dann habe ich noch darüber geschrieben, wie die Rückstellungen für die Deponienachsorge schwinden, weil das Geld, dass zur Sanierung der Deponie gedacht war, für andere Zwecke eingesetzt wird. Das hat mir der Pressesprecher der AGR auch so bestätigt. So wurden erheblich Teile des RZR II mit dem Geld bezahlt und zudem der Vergleich mit dem Brochier-Insolvenzverwalter aus diesem Topf finanziert. Als Begründung hieß es: Das Geld für die Deponien werde ja später wieder mit dem RZR II verdient, so dass der Einsatz der Rückstellungen als Investition in mündelsichere Sachanlagen dargestellt werden kann. Nun ja, wer das glaubt….

Aktuell jedenfalls verfallen die Verbrennungspreise rasend schnell und die AGR hat für das RZR II mit einen Tonnen-Erlös von über 100 E geplant. Derzeit liegt der Preis irgendwo zwischen 60 und 70 E.

Ein Blick in die Bilanz zeigt zudem, wie erhebliche Teile der Rückstellungen schon futsch sind:

Die Rückstellungen finden ihre Entsprechung auf der Aktiva-Seite in der Konzernbilanz vor allem unter den Punkten "Wertpapiere des Anlagevermögens". Hier ist der Betrag von 2005 auf 2006 von rund 129 Mio Euro (genau 129.122.970,25) auf rund 59 Mio Euro (genau 58.649.829,31) gesunken. Im elektronischen Bundesanzeiger ist dieser Punkt um eine Zeile verrutscht. In der Printausgabe der Konzernbilanz steht es aber so wie ich es hier schreibe.

Wenn man die Gelder aus der Position "Wertpapiere des Anlagevermögens" flüssig machen will, um damit irgendwelche Ausgaben zu bezahlen, etwa den Bau des RZR II, müssen die Wertpapiere verkauft werden. In der Bilanz taucht der Cash dann wieder unter dem Punkt "Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten" auf. In der Bilanz ist diese Position von 2005 auf 2006 von rund 32 Mio Euro (genau 32.163.435,28) auf rund 63 Mio Euro (genau 63.024.117,41) angestiegen.

Addiert man die beiden Posten, kann man sagen, das zur Verfügung stehende Geld aus den Rückstellungen ist zumindest von rund 161 Mio Euro auf rund 122 Mio Euro gesunken. Das ist natürlich nur ein ungefährer Wert, da weitere Rückstellungen unter anderen Posten wie "Sachanlagen" auftauchen.

Nach der Definition der AGR-Geschäftsführung stimmt meine Rechnung auch deswegen ncht, weil gesagt wird, das abgeschmolzene Geld sei in das RZR II investiert und damit nur eine Umwandlung der Geldanlagen betrieben worden. Ein Versickern der Rücklagen habe es also nicht gegeben. Nur: Ich glaube nicht, dass das RZR II eine mündelsichere Anlage ist, sondern im Gegenteil eine hochriskante Spekulation.

Statt sich im RVR mit diesen Punkten zu beschäftigen, würde ich mich eher freuen, wenn der AGR-Geschäftsführer die Bilanz von 2007, also die wirklich aktuelle Bilanz, auf den Tisch legt. Wenn der Chef nicht feige ist, tut er es. Vielleicht hat sich ja was getan. Oder will die AGR was verbergen?

Alles andre bringt doch nichts auf den Tisch. Getretener Quark wid breit – nicht hart.