Pappsatt der Propaganda

Dies ist kein Aufruf, die Linke zu wählen. Dies ist ein Aufruf, nach Überzeugungen zu wählen. Die nervtötende Linken-Jagd zu beenden. Und einen kühlen Blick auf Partei-Programme und Personen zu werfen. Eine Polemik

Alles prima im Land?

Wenn ich mit Freunden und Freundinnen über die Wahl rede, werde ich wütend. Bei vielen blinkt nach dem Wahlomat die Linke als Partei mit den größten Übereinstimmungen auf. Wählen wollen sie die junge Partei trotzdem nicht. „Die sind verrückt“, „nicht regierungsfähig“, haben „Flausen im Kopf“ und die DDR-Mauer fanden sie auch noch toll. Für mich sind das gehirngewaschene Äußerungen ganz auf der Propaganda-Linie von CDU und Co. Nach dem Motto „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“.

Wenn immer sich eine neue Partei bildete wird sie verhöhnt und als nicht regierungsfähig abgestempelt. Das ging den Grünen so und das geht jetzt den Linken so. Warum? Weil sie vieles anders machen wollen und die meisten Menschen vor großen Veränderungen zurück schrecken. Weil sie anders aussehen, anders sprechen, und die Wahrheiten der etablierten Parteien anzweifeln.

Und das ist richtig. Ich werde wütend, wenn ich die verblichenen Armen an der Supermarktkasse sehe, und zeitgleich konsequenzlos die Millionen-Gehälter der Banker veröffentlicht werden. Ich werde wütend, wenn ich sehe wie Männerbünde die von unseren Steuern geretteten Konzerne beherrschen und Flüchtlinge rechtlos in Kasernen siechen, bis sie in ihr Elendsland zurücktransportiert werden. Und ich werde wütend, wenn ich die lange Liste der Getöteten im Afghanistan-Krieg sehe. Wer diese grellen Ungerechtigkeiten aushält und von einer neuen Regierung nur ein bisschen mehr Windrad und kleinere Klassen wünscht, der muss blind sein. Oder wohlstandssatt.

Was ist die Linke in NRW? Sie sehen anders aus, ja. Sie tragen keine Maßanzüge und haben meistens auch kein Geld dazu. Sie reden anders, ja. Sie wurden nicht darauf trainiert, immer dieselben belanglosen Phrasen zu dreschen wie die gecoachten Spitzenpolitiker. Es gibt ein paar Seltsame in der Partei, auf die immer wieder die Scheinwerfer der Öffentlichkeit gelenkt werden. Es gibt Ideen, die nie Wirklichkeit werden und auch die Linke hat ihre Kungelrunden und Hinterzimmer. Und es gibt Kotzbrocken und Halb-Verrückte, undurchsichtige Strategen und Machtgeile. Aber ich kenne mindestens zehn Landtagsabgeordnete von SPD, CDU, Grünen und Liberalen, die kriegen keinen geraden Satz raus, sind besoffen im Landtag oder haben Null Ahnung davon, worüber sie gerade abstimmen. Jede größere Gruppe hat unfähige Mitglieder und bei einer neuen Partei sind es halt ein paar mehr. Ihr Einfluss wird schwinden.

Wichtiger ist das Programm. Was wollen die Linken? Sie wollen eine andere Gesellschaft, ja. Sie wollen eine kostenlose Bildung, weiche Drogen legalisieren und Energiekonzerne in die Hände von Kommunen geben, sie wollen den Religionsunterricht abschaffen und eine Frauenquote in der Wirtschaft. Sie wollen eine Vermögenssteuer und höhere Spitzensteuersätze und einen angemessenen Mindestlohn. Das alles ist nur mit einer ängstlichen Brille von Bestandswahrern betrachtet erschreckend. Ihr Bildungsprogramm ist in Teilen übrigens wortgleich mit dem der SPD, die Grünen wollen schon lange den legalen Joint und es ist noch gar nicht so lange her, dass die Kommunen höhere Anteile beim Stromriesen RWE besaßen als jetzt.

Und dann immer diese hohle Formel der SPD: „Wir suchen die Auseinandersetzung, nicht die Zusammenarbeit.“ Klingt gut, ist aber gelogen. Es gibt keine Gespräche zwischen den Parteien, keine Diskussionen, nur eine aggressive Abschottung der SPD gegenüber denen, die mit ihren Positionen mal bei den Genossen zuhause waren.

Politik ist Psychologie – und bei der Linken sehen wir wie die Machthabenden die Hackordnung fest legen, die Neuen sabotieren und runterputzen. Aus Sicht der konkurrierenden Parteien ist das verständlich. Aber wir, die Wählerinnen und Wähler, sollten uns nicht einlullen lassen von Parolen gegen eine angeblich extremistische Partei. Und ruhig mal den Wahlomaten sprechen lassen.

Dir gefällt vielleicht auch:

115 Kommentare

  1. #1 | Lebedjew sagt am 5. Mai 2010 um 12:03 Uhr

    Sehr wohltuend.
    Aufschlusssreich scheint mir hier gerade auch das Platzhirschröhren der Grünen zu sein, die ihren Nimbus als neue, erfrischen Partei verlieren zu glauebn scheinen (und diesen in Wirklichkeit schon längst eingebüßt haben).

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 5. Mai 2010 um 12:15 Uhr

    „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Voltaire 🙂

  3. #3 | Udo sagt am 5. Mai 2010 um 12:26 Uhr

    Very well worded !!!!

  4. #4 | dissenter sagt am 5. Mai 2010 um 12:35 Uhr

    Klasse. Danke!

  5. #5 | David Schraven sagt am 5. Mai 2010 um 12:35 Uhr

    Ich mag den Wahl-O-Maten nicht, weil er so tut, als ließe sich Politik technokratisch auf ein paar Slogans festklopfen. Und gut ist. Er tut so, als müsse ich – wie bei einem Handy-Vertrag – nur die Versprechen vergleichen und dann das Beste wählen.

    So ist das Leben nicht. So ist die Politik nicht.

    Wenn das so wäre, bräuchte eine Neupartei einfach nur sehen, welche Slogans die größte Zustimmung im Wahl-O-Maten erreichen, und die nehmen sie dann in ihr Programm auf. Dann reicht auch eine Din-A-4-Seiten und gut ist. Wozu noch Debatten, es gibt ja den Wahl-O-Maten. Der Sieg ist sicher.

    Personen und Glaubwürdigkeiten gehören zur Politik und sind für eine Wahlentscheidung manchmal wichtiger als das nackte Programm.

    Denn von ihrem reinen Programm bekommt eine Partei sowieso nicht alles durch. Da gibt es Koalitionsverhandlungen und Deals – manche davon schmutzig. Und aus den unterschiedlichen Programmen der Parteien wird ein Regierungsprogramm.

    Es geht in diesen Verhandlungen darum, den Personen, die handeln, zu vertrauen. Machen sie das eine Geschäft, um Gutes zu tun, oder um sich persönlich zu bereichern? Sind die Leute am Gemeinwohl oder an ihrem gemeinen Wohl interessiert.

    In meinen Augen ist die Linkspartei in NRW in keiner Weise mit der Linkspartei in Deutschland auf Bundesebene zu vergleichen.

    Es heißt, in der Linkspartei sei ein Prozess der „normalen Parteiwerdung“ angestoßen worden. So wie bei den Grünen würden die extremistischen Figuren eingegrenzt, integriert und angepasst. Da habe man sich nicht zu fürchten. Die Normalen hätten immer noch die Oberhand. Für die Bundeslinken mag das gelten und für sehr viele Ostverbände sowieso.

    Leider ist dem aber in der Linkspartei NRW nicht so. Hier haben die Trotzkisten und autoritären Kommunisten die absolute Oberhand. Sie kontrollieren die Listenaufstellung. Die Antikapitalistische Linke, diese Strömung der Extremen, hat rund die Hälfte der aussichtsreichen 16 Listenplätze besetzt. Das ist ein Fakt.

    Die Trotzkisten und autoritären Kommunisten grenzen hier in Nordrhein-Westfalen die Normalen ein, bekämpfen sie sogar. Warum, frage ich, ist so eine wie Sarah Wagenknecht nach NRW gekommen? Weil sie hier ihre Machtbasis neu schaffen kann. Nicht in Berlin und im Osten, wo man sie für eine Quartalsirre hält. Deshalb.

    Man kann es auch anders sagen: Die Grünen hatten zu Beginn ihrer Partei Leute um die 30, die zum Teil unbelehrbare Linksradikale waren. Diese Leute wurden ausgeschwitzt, wie das in Parteien üblich ist. Oder angepasst an die wirkliche Welt.

    Die ausgeschwitzten Ewigradikalen sind jetzt um die 60 und bei der Linkspartei NRW aktiv. Siehe Michalowsky. Diese Leute haben sich nicht verändert. Sie haben nicht wie andere Politiker dazu gelernt. Sie sind auf ihrem Stand geblieben. Diese Leute sehen jetzt die Chance gekommen, Geld mit ihrer gespielten oder schlimmer noch geglaubten Überzeugung zu verdienen. Diese Leute können nicht an irgendwas angepasst werden.

    Diesen Altmaoisten, Alttrotzkisten, Altstalinisten und Altautoritären Kommunisten traue ich so weit, wie ich ein Haus werfen kann.

    Wie heißt dieser Spruch, der fälschlicherweise Winston Churchill zugeschrieben wird? Wer mit 25 kein Sozialist ist, hat kein Herz. Wer mit 35 noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.

    Egal, was die Linken in ihrem Programm stehen haben, sie werden sich nicht dran halten, wenn es um ihren persönlichen Vorteil geht. Das Programm ist diesen Leuten scheißegal. Du Annika kennst auch genug von diesen Leuten persönlich. Traust Du denen irgendwie? Ich will jetzt mal keine bekannten Namen nennen.

    Was Du Propaganda nennst, Annika, nenne ich Aufklärung.

    Wer nicht aufgeklärt werden und stattdessen weiter an Märchen glauben will, sollte auf den Wahl-O-Mat setzen.

    Der Rest sollte seinen Verstand und seine Menschenkenntnis gebrauchen – für die richtige Wahlentscheidung.

    P.S. Sollte die Linke Macht bekommen in NRW, wären die kritischen Reporter die ersten, die das merken. Hat nicht der Pressesprecher der Linkspartei Michalowsky willkürlich Leute aus dem Presseverteiler gefeuert, weil ihm Nasen nicht passten? Hat er nicht sogar SZ-Leuten bedroht? Wenn der Mann Verantwortung bekommt, ist der Wichterbrief an den Focus nur noch eine Episode aus dem Kindergarten.

  6. #6 | Christian Spließ sagt am 5. Mai 2010 um 12:45 Uhr

    Polemiken dürfen natürlich spitz sein weil sie in der Regel Dinge aufspießen. Polemiken dürfen aber eines garantiert nicht sein: Eine Ansammlung von reichlich argumentationslosen Gemeinplätzen. Und das ist leider hier der Fall. Zudem offenbart diese Polemik genau das Problem, dass die LINKE in NRW hat.

    Das beginnt schon bei der Formulierung „gehirngewaschene Äußerungen“. Natürlich ist das polemisch gemeint, legt aber den Finger genau auf das, was ich im Umgang mit der LINKEN hier in NRW erlebt habe. Abgrenzung ist in Ordnung, aber das Selbstverständnis der LINKEn ist: „Hier, wir sind die Guten! Und wer nicht für uns ist, der ist gegen uns.“ Ein Denken, dass leider die LINKEN in NRW besonders pflegen – wie man ja unlängst an dem Verhalten eines gewissen Pressesprechers gesehen hat und den Umgang mit der Presse.

    Glauben Sie mir, liebe Autorin: Ich habe in der Vergangenheit den Dialog mit der LINKEN in NRW gesucht. Ich habe nämlich nichts dagegen, dass Leute anders aussehen, anders reden, anders handeln. Ich finde das generell gesehen sogar gut. Nicht gut finde ich, wenn man nicht mal ansatzweise dazu bereit ist den Standpunkt des anderen anzuhören sondern gleich mit Phrasengedresche beginnt. Oder Diskussionen über Videoaufnahmen mit Polizeigriffen beendet…

    Ja, die Ziele der LINKEN sind löblich. Allerdings: Wer in der Opposition sitzt kann bekanntlich fordern was er will ohne dass er konkrete Konzepte vorlegen muss. Ein Allgemeinplatz, der sicherlich auch auf die ach so böse SPD, die Grünen, die Piraten etc. pp. zutrifft. Jedoch: Wer jahrelang versichert, er wolle HartzIV abschaffen und dann doch nur auf einen erhöhten Satz von 500,- Euro abhebt – letzter Stand meiner Infos dazu – der verspricht was er nicht halten kann.

    Sie argumentieren damit, dass es auch vernünftige Leute in der LINKEn gibt. Nun, diese gibts aber in den anderen Parteien auch. Das ist kein Wahlgrund. Schlimmer ist, dass genau diese vernünftigen Leute in der Partei der LINKEN in NRW nicht an der Macht sind. Denn mit denen könnte man ja mal reden. Vernünftig. Und nicht polemisch.

    Ja, ein Blick in die Regierungsprogramme hilft durchaus, da haben Sie recht. Ich bin auch generell gegen eine Abgrenzung, aber Aussagen wer mit wem nach der Wahl koaliert gehören zum generellen Wahlkampfstamtam und letztendlich entscheidet eh der Wähler. So ist das in einer Demokratie. Mit der scheinen die LINKEN hier in NRW aber manchmal noch so ihre Schwierigkeiten zu haben – siehe Parteiprogramm…

    Wissen Sie, mit einem Satz haben Sie sogar ganz Recht: „Politik ist Psychologie – und bei der Linken sehen wir wie die Machthabenden die Hackordnung fest legen, die Neuen sabotieren und runterputzen.“ Ich weiß nicht ob Ihnen bewußt ist, dass die Formulierung sehr nach Herrn Freud riecht. Oder meinten Sie etwa die Machthabenden der anderen Parteien anstatt die Machthabenden innerhalb der LINKEN?

    Ad Astra

  7. #7 | Thorsten sagt am 5. Mai 2010 um 13:07 Uhr

    Erfrischend. Danke.

  8. #8 | Detlef Obens sagt am 5. Mai 2010 um 13:24 Uhr

    Annika Joeres hat Recht, wenn sie meint, bei den Linken nicht den Blick allein aufs Äussere zu konzentrieren. Und damit wäre ich bei meinem Problem mit den NRW-Linken!

    Denn schaue ich ins Innere, und ich hatte zeitweise einen sehr guten Innenblick, kann ich nicht umhin, mich den Worten von Christian Spiess (#6) und David Schraven (#5) anzuschliessen.

    Die Linke in NRW ist sicher nicht die Linke, die wir anderenorts oder auch bundesweit, finden. Speziell der NRW-Verband macht der Gesamtpartei Sorgen. Allerdings steht auch dieser Verband nicht mehr allein. Blicken Sie auf Schleswig-Holstein, auf das Saarland, auf RH-Pfalz und/oder Bayern! Überall Machtkämpfe bis aufs „Blut“. Klar, das gibts auch bei den anderen Parteien. Aber das kann doch nicht die Entschuldigung für die Linken sein!

    Die Linke trat mal an, sich sozialer, auch basisdemokratischer, abzuheben von anderen Parteien, vieles anders zu machen als die etablierten Parteien. Neue Wege zu gehen. Speziell die NRW-Linke hat dies immer propagiert.

    Ja, sie haben vieles anders gemacht! Ja, sind gehen andere Wege! Aber nicht die, die viele Mitglieder bei ihren Eintritten ersehnt hatten.
    Und gerade deswegen werden sie von so vielen, auch Ex-Linken, kritisiert. Und auch gerade aus diesen Gründen wird die Kritik, auch und vor allem, aus der linken politischen Ecke, derzeit nicht leiser.

    Niemals durfte ich bei meinem damaligen Parteieintritt in die Linke erwarten, das ich bei dieser neuen linken Partei all das finde, was ich nicht mehr wollte: Vettern,-und Cliquenwirtschaft, persönliche Vorteilsnahmen, undurchsichtige Führungsstrukturen und deren Mittel, Mitgliederbevormundung bis hin zur Mitgliederbekämpfung bei kritischen GenossenInnen, wenig Selbstkritik bei der Partei“Elite“, Arroganz und Selbstherrlichkeit und sogar schon einen Parteienfinanzierungsskandal (s. Rh.-Pfalz). Allein das Parteiprogramm (welches es ja bislang offiziell noch nicht gibt!), kann mir dies alles nicht aufwiegen.

    Die Ziele der Linken sind gut. Die Parteibasis kämpft auch verbissen dafür.

    Allerdings, die designierten MdL warten nur noch gespannt den 9. Mai ab.Wenn sie den Einzug in den Düsseldorfer Landtag schaffen, werden wir erleben, wie diese Gruppe dann die Umsetzung ihrer politischen Ziele angeht und zu welchem Preis sie so manches über Bord wirft. Wir sehen es heute schon in den vielen kommunalen Stadt-und Kreisräten. Viel von linker Politik kommt da nicht mehr rüber! Insofern haben die RUHRBARONE mit ihrer Berichterstattung über den Zustand der NRW-Linke recht. Leider. Aber es ist nun mal so!

  9. #9 | Bert sagt am 5. Mai 2010 um 13:38 Uhr

    Naja, da ist die PiratenPartei eine sinnvollere Alternative als Die Linke.

  10. #10 | dissenter sagt am 5. Mai 2010 um 13:41 Uhr

    @ Detlef Obens
    „Und auch gerade aus diesen Gründen wird die Kritik, auch und vor allem, aus der linken politischen Ecke, derzeit nicht leiser.“

    Interessanterweise wird sie immer vor wichtigen Wahlen laut und lauter, siehe Hessen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  11. #11 | Patrizia sagt am 5. Mai 2010 um 14:00 Uhr

    Die klassische Rolle rückwärts :-). Also ich glaube ein bisschen die jungen Leute
    in Deutschland, zumindest jene in Süddeutschland, zu kennen; es ist ja auch
    meine Generation. Dass diese junge Generation, bei der vielzitierten „Die Linke“,
    etwas Neues entdeckt hat, ist mir so noch nicht aufgefallen.

    Was ist z.B. an Verstaatlichung neu ? … nichts;
    Was ist an der Erhöhung von Steuern neu ? … auch nichts; erfahrungsgemäss
    werden Steuern immer erhöht, und erfahrungsgemäss hat der Staat trotzdem kein
    Geld 🙂 … etc. etc. …

    In Japan gibt es ein hübsches Sprichwort das da lautet, „Jeder darf einmal einen
    Fehler machen“. Die Deutschen scheinen dieses Sprichwort nicht wirklich zu
    beherzigen. Es wurden zwei furchtbare Kriege vom Zaun gebrochen und die
    staunende Welt, auch kleine Kinder, konnten vor mehr als zwanzig Jahren den
    Fall der Mauer im TV bewundern – das war richtig coooooool :-). Wieso fiel diese
    Mauer ?, weil ein Staat vollkommen heruntergewirtschaftet war – ein klassischer
    Staatsbankrott. Jetzt kommen dieselben Propagandasprüche wieder und deren
    Inhalt soll jetzt als etwas Neues, etwas Zukunftweisendes dem Wählervolk
    verkauft werden. Sozusagen derselbe ökonomische Fusel, fusum (Wein) in neuen
    Schläuchen.

    Ja Annika Joeres, es mag sein, dass Sie eine andere Gesellschaft wollen. Nur diese
    Gesellschaft die Sie und „Die Linke“ haben wollen möchte die junge Generation
    nicht haben; selbst dann nicht, wenn sie auch eine andere, bessere Gesellschaft
    anstreben. Ihre erzieherischen Massnahmen, ihre Gängeleien, ihre Besserwisserei
    und ihr borniertes Oberlehrergetue mag ja noch in einem sozialistischen, deutschen
    Beamtenapparat cooool sein … ist aber für jeden Bürger und für jede Bürgerin,
    welche ihr Leben frei gestalten möchten eine Gräuel – und wir sind die Mehrheit in
    Europa. Das Programm hat nicht immer Recht und die Partei und der von ihr ins
    Leben gerufene Beamtenapparat schon überhaupt nicht.
    Was glauben sie denn, wieso so viele Deutsche, zumeist hochqualifiziert, bei uns
    in der Schweiz arbeiten ? … oder bei uns studieren, trotz Studiengebühren und
    sehr hoher Lebenshaltungskosten ? … und das sind nicht nur Menschen die bei
    Ihnen einen erhöhten Spitzensteuersatz bezahlen würden 🙂

  12. #12 | Arnold Voß sagt am 5. Mai 2010 um 14:11 Uhr

    Ich ziehe meinen Hut, Frau RuhrBaronin, was nicht heißt, dass ich ihrer Meinung bin.

  13. #13 | dissenter sagt am 5. Mai 2010 um 14:17 Uhr

    @Patrizia
    „Was glauben sie denn, wieso so viele Deutsche, zumeist hochqualifiziert, bei uns
    in der Schweiz arbeiten ? … oder bei uns studieren, trotz Studiengebühren und
    sehr hoher Lebenshaltungskosten ?“

    Lassen Sie mich raten: Weil in Deutschland seit 20 Jahren die Linkspartei regiert und, wenn sie schon keine Mauer bauen darf, für sinkende Löhne und schlechte Studienbedingungen gesorgt hat?

  14. #14 | Adrian Borchert sagt am 5. Mai 2010 um 14:25 Uhr

    Ein sehr schöner Artikel. Danke!

  15. #15 | Thomas sagt am 5. Mai 2010 um 14:38 Uhr

    Annika, Wahlentscheidungen vollziehen sich nach Überzeugungen. Soweit, so binsing.

    Aber – auch nach Güterabwägungen.

    Es ist ja tatsächlich so, daß es mit den beiden Neins zu Hartz IV und zu Krieg zwei sehr gute Gründe gibt, die Linkspartei zu wählen.

    Meinentwegen auch in den nordrhein-westfälschen Landtag – die Linken als Repräsentation dieser beiden Haltungen.

    Nur müßte dann dieses Abwägungsgut bei der Wahlentscheidung höher angesiedelt sein als die unabweisbare Einschätzung der NRW-Linkspartei als nicht zukunftsfähiger Haufen von in der Weltsicht der Politsekten der Neuen Linken der 1970er Jahre stehengebliebener Entscheidungsträger.

    Hier stellt sich doch auch die Frage nach der Zukunftsträchtigkeit der Linkspartei überhaupt:

    Will ich eine starke Fraktion dieses Linksparteiflügels mit zweifelhaftem Demokratieverständnis sowie einem lediglich appellatorischen und nicht konzeptionellen Politikverständnis im NRW-Landtag?

    Will ich, daß diese Fraktion, von den Routinen des Parlamentsbetriebes überfordert, vom Landtag aus schrill tönend, das strategische Potential der Gesamtpartei versaut?

    Jetzt, wo sich in der Gesamtpartei eine Trendwende hin zur pragmatisch orientierten Politik abzeichnet mit Erfahrungen von Landesregierungsbeteiligungen im Osten und in der Hauptstadt?

    Zu einem Zeitpunkt, zu dem auf den Bundesparteitagen die realpolitischen Delegierten aus dem Osten endlich ihre Mehrheit haben und also zu erwarten ist, daß die Diskussion des Grundsatzprogramm-Entwurfes der Partei in ruhigem Fahrwasser mit einem an den Realitäten orientierten Ergebnis verlaufen wird.

    In der Linkspartei läuft praktisch gerade das letzte Gefecht hinsichtlich der Realitätsorientierung der linken Partei in Deutschland;

    und da ist es doch möglicherweise strategisch nicht sehr klug, dem nach unseren Rechercheergenissen im Printding sich tendenziell sektoid gebenden NRW-Landesverband vermittels einer starken NRW-Landtagsfraktion eine öffentlichkeitsheischende und infrastrukturelle Option in die Hand zu geben, eben dieses Gefecht, dessen Ergebnis längst feststeht, über Gebühr zu verlängern.

  16. #16 | Arnold Voss sagt am 5. Mai 2010 um 14:46 Uhr

    @ Patrizia

    Patrizia, der schweizerische Beamtenapparat ist nicht anders als jeder andere Beamtenapparat und die Schweiz ein äußerst biederes und, trotz ihrer Dreisprachigkeit, ein tendenziell fremdenfeindliches Ländchen in dem ich nicht dauerhaft wohnen möchte.

    Ich kenne auch junge hochqualifizierte Schweizer und Schweizerinnen die deswegen schon lange das Weite gesucht haben obwohl sie woanders mehr Steuern bezahlen müssen.

    Und wenn erst mal die Nummernkonten nicht mehr nur Nummern haben dürfen, und das wird nicht mehr allzulange dauern, wird aus des Schweiz nicht nur ein biederes sondern auch noch ein eher ärmeres Ländchen werden.

    Aber immerhin ist es dann immer noch ein demokratisches Ländchen mit ganz viel schöner Landschaft und einem perfekten öffentlichen Nahverkehr.

    Verstaatlichung ist auch nicht generell falsch, genauso wie Privatisierung nicht generell richtig ist und umgekehrt. Verstaatlichung und/oder Steuererhöhung sind genauso wie Gesetze/Regulierung und Gerichte auch nicht deswegen eine Rolle rückwärts weil es sie schon lange gibt. Sie sind auch keineswegs immer Gängelung und es gibt immer wieder auch Steuersenkungen.

    Die kommenden Steuererhöhungen sind übrigens zu einem großen Teil durch privatwirtschaftliches Versagen in großem Stil verursacht. Genügend ideen-und verantwortungslose Idioten scheint es also sowohl in der Staastsbürokratie als auch in den Leitungsabteilungen der Marktwirtschaft zu geben. Sind halt überall Menschen am Werk.

    Ach ja, auch in der Schweiz, wenn mich nicht alles täuscht. Oder meinen sie, dass es da auf Grund der guten Luft auch die besseren Hominiden gibt?

    In einem gebe ich ihnen jedoch recht, das Besserwissertum und die Ideenlosigkeit vieler sogenannter Sozialisten und Kommunisten kann einem schon schwer auf die Nerven gehen. Ist bei vielen Umweltschützern allerdings auch nicht viel besser.

    Ach ja, die Schweizer sollen sogar als einziges Volk ein Besserwissergen ihr biologisches Eigen nennen. Aber das halte ich für ein Gerücht.

  17. #17 | Patrizia sagt am 5. Mai 2010 um 14:58 Uhr

    @Dissenter
    … *lacht* … 🙂 🙂 … oder vielleicht deshalb, weil die Lebensarbeitszeiten zu kurz, die Steuern und die Abgaben (Sozialabgaben) zu hoch, also die Nettolöhne
    zu niedrig sind, und die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten fehlen …
    Und ohne Studiengebühren dürfte eine hohe Ausbildungsqualität an deutschen
    Unis ein Traum bleiben … wie auch, wenn die Studierenden z.B. in Zahnmedizin
    den Staat bis zum Abschluss einige hunderttausend € kosten und anschliessend
    vielleicht im Ausland tätig sind, weil sie nur dort leistungsgerecht entlohnt werden.

    Zum Ratespiel 🙂 … eine Partei die glaubt, wahrscheinlich glauben es die
    führenden Köpfe in dieser Partei auch nicht, es geht ja nur um Macht … ein mehr
    an Staatsleistungen den BürgerInnen anbieten zu können, natürlich nur auf Kosten
    anderer BürgerInnen, geht einen, schon lang als falsch erkannten Weg, weiter …
    mit den entsprechenden Konsequenzen für alle.
    Ich meine, es war in der DDR einfacher eine Mauer zu bauen, als für praktikable
    Lösungen der Probleme der BürgerInnen zu sorgen … mit dem bekannten Ergebnis.

  18. #18 | dissenter sagt am 5. Mai 2010 um 15:19 Uhr

    @ Patrizia
    „… oder vielleicht deshalb, weil die Lebensarbeitszeiten zu kurz, die Steuern und die Abgaben (Sozialabgaben) zu hoch, also die Nettolöhne
    zu niedrig sind, und die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten fehlen …“

    Das mit den persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten kann ich nicht beurteilen. Dass man sich in einer staatlichen Jugendorganisation engagieren muss, um es bis zur Regierungschefin zu bringen, gehört entgegen anderslautenden Gerüchten der Vergangenheit an.

  19. #19 | Alexander sagt am 5. Mai 2010 um 15:19 Uhr

    Ich bin immer wieder erschrocken über die Selbstgefälligkeit derer, die es sich in unserer kapitalistischen Gesellschaft anscheinend gemütlicher eingerichtet haben, als es andere können.
    @Schraven: Man kann sich nur freuen, dass Menschen wie Sahra Wagenknecht von Parteien ausgeschwitzt werden, wenn man selber nicht ausgeblichen an der Lidl-Kasse seine aus den Mülltonnen gefischten Colaflaschen einlöst.

    Heute haben die Menschen kein Klassenbewusstsein mehr. Sie finden nichts verwerfliches mehr daran, Mehrwert aus Kapital zu erzielen, was nichts anderes heißt als seinen Arbeitern und Angestellten weniger Lohn zu geben, als sie erarbeitet haben. Wenn man derart „in der Realität angekommen ist“, findet man Verstaatlichungsideen, bei denen Angestellten die von ihnen erschaffenen Werte gehören utopisch, wenn nicht „altautoritär“ oder „uncoool“. Dann fiebert man lieber mit den engagierten und „glaubwürdigen“ Rüttgers und Krafts, wenn sie vor den Opeltoren einen Privatkonzern beeinflussen möchten.
    Die Forderungen der Linken sind in meinen Augen sozial und bewahren hoffentlich den gesellschaftlichen Frieden. Natürlich ist es für diejenigen schwer diese Positionen zu unterstützen, die mehr als das Durchschnittseinkommen verdienen. Sicherlich werden sie in Zukunft einiges davon abgeben müssen.

    Unsere Zeit ist so oberflächlich geworden, dass für viele junge Leute das wichtigste Thema im Leben der uneingeschränke Zugang zum Internet ist. Die ideologiefreien Piraten haben dieses Thema kompetent aufgegriffen. Sicherlich ist dies eine richtige Forderung. Man braucht aber mehr für die Idee einer guten Gesellschaft. Man braucht Ideologie, Theorien und vor allem Mitgefühl. Das finde ich am ehesten im Linkenprogramm.

    Und übrigens: Hat schon mal jemand den Satz „Wer mit 25 kein Sozialist ist, hat kein Herz. Wer mit 35 noch Sozialist ist, hat keinen Verstand“ von einem sympathischen, warmherzigen, sagen wir einfach grundguten Menschen gehört?

    Ich verabschiede mich enttäuscht von den opportunistischen Studierten in diesem Forum.

  20. #20 | Stefan Laurin sagt am 5. Mai 2010 um 15:31 Uhr

    @Alexander: In einer Welt wie sie sich Sarah Wagenknecht vorstellt haben die Menschen sicher ein höheres Klassenbewußtsein, aber ein deutlich niedrigeres Einkommen. Ein Kassiererin in der DDR hat schlechter gelebt als ein Hartz IV Empfänger heute. Nur die Mischung aus Demokratie und Marktwirtschaft hat es bislang geschafft, den Menschen Freiheit und ein hohes Maß an Wohlstand zu gewährleisten. Sozialismus hat bislang immer ins Elend geführt. Armut und Unfreiheit für das Volk waren die Folge. Gut gelebt haben immer nur die Funktionäre. Schon eine harmlose Diskussion wie wir sie hier führen wäre in jedem sozialistischen Staat undenkbar. Und jetzt kommen Sie bitte nicht mit „Es gab noch keinen sozialistischen Staat.“ Es gab genug Versuche und für die haben genung Menschen gelitten.

  21. #21 | Helmut Junge sagt am 5. Mai 2010 um 15:42 Uhr

    @Patrizia,
    wie hoch ist eigentlich der Anteil am schweizerischen Bruttosozialprudukt, der aus den Gewinnen, der von
    @Arnold Voß erwähnten Nummernkonten zustande kommt?
    Das werden Sie naturgemäß nicht wissen können. Aber wieviel übrig bleiben wird,
    wenn diese, aus unserer Sicht, illegalen Gewinne entfallen, werden Sie sicherlich in absehbarer Zeit erfahren.
    Wissen Sie, da ist viel Geld aus Deutschland dabei, das hier erwirtschaftet wurde, und das eigentlich hier für die Schaffung von Arbeitsplätzen eingesetzt werden sollte.
    Da ist Geld aus den Ländern der ganzen Welt dabei. Das läppert sich ganz schön zusammen. Vom Kuckuksuhrenverkauf kommt nicht so viel rein.

  22. #22 | dissenter sagt am 5. Mai 2010 um 15:44 Uhr

    @ Stefan Laurin
    Wie sieht die Welt denn aus, wie Sarah Wagenknecht sie sich vorstellt? Haben Sie schon davon gehört, dass in der realexistierenden Bundesrepublik immer mehr Kassiererinnen Hartz IV beantragen müssen, um über die Runden zu kommen? Wer sind „die“ Menschen, deren Freiheit und Wohlstand gewährleistet wird? „Wir alle“? Wer wird ausgeschlossen, und mit welchem Recht? Was für eine Freiheit ist das, und wer profitiert von ihr, die von Vielen als Angst (vor Arbeitslosigkeit, Abstieg und Exklusion) erlebt wird? Gehört es zu dieser Freiheit dazu, sich von Emporkömmlingen im Ministerrang pauschal Schmarotzertum, Dekadenz und Faulheit vorwerfen lassen zu müssen?
    Und würden Sie mir zustimmen, dass sich auch bei uns der Lebensstandard des Funktionärs, egal ob in Bank- oder Parteivorstand, signifikant von dem des Zeitarbeiters oder „Aufstockers“ unterscheidet?

  23. #23 | beate sagt am 5. Mai 2010 um 16:09 Uhr

    Die Ursache des technischen Fortschritts.

    Japan hat die akademische Freiheit zum Grundrecht erhoben.

    Ich wundere mich, dass Taylor nicht der reichste Mensch der Welt geworden ist oder der Entdecker des Impfstoffes gegen die Kinderlähmung.

    Es ist beschämend, dass sich in Deutschland Wissenschaftler meistbietend verkaufen müssen.

    Das ist kein Reichtum für Alle.

    Besteuert grosse Vermögen und grosse Einkommen.
    Wir brauchen den besten Nahverkehr der Welt , damit alle Kinder sicher zur Schule kommen, und nicht nur einige.

  24. #24 | schuri sagt am 5. Mai 2010 um 16:40 Uhr

    ich habe keine Angst vor der Linkspartei – ich bin eher ein bisschen traurig, welche versprengten in NRW etwas zu sagen haben, und dann nichts als linkspopulismus – und deshalb muss ich auch nicht vor denen warnen. das gehört mittlerweile eh zum guten ton im politischen mainstream. insofern finde ich annikas antiantiagitprop gut und mal was anderes als das ewige „who’s afraid of zimmermann“. andererseits: natürlich sind die recherchen zu machtverhältnissen und machenschaften bei den linken im land nur zu begrüßen. doch langsam wird mir das etwas zu dick, zu meinungsstark aufgetragen, auf den barrikaden, als wenn ein umsturz drohen würde, an den ist ja nun überhaupt nicht zu denken, oder stefan, david? und noch eine anmerkung zu annika: diese sehr freundlichen worte zu den außenseitern, den uneleganten, ohne anzug und redecoach, mag ja alles sein – aber nach der vorletzten bundestagswahl, konnten wir da nicht bemerken, wie schnell sich die neuen abgeordneten aus nrw in schale, maßanzüge, fette altbauwohnungen in mitte geworfen haben?

  25. #25 | Philip sagt am 5. Mai 2010 um 16:51 Uhr

    @Helmut Junge, da vertun Sie sich mal nicht. Die Nummernkonten-Knete macht irgendwas deutlich diesseits der 10% aus, wie man so schätzt. Also der generelle Schwarzgeld-Anteil, nicht nur Nummernkonten (die gibt’s ja auch nicht mehr überall). Ist ja auch nicht so, dass das 100% Steuergelder sind, sondern nur unversteuertes Einkommen, d.h. wenn da 100Mrd liegen, gehört davon nur ca. die Hälfte dem Staat.
    Die Schweiz hat auch noch ein gutgehendes Chemie- und Pharmageschäft, das nicht zu verachten ist. Was man davon hält, ist eine andere Frage.
    Ob man sich so Länder, die sich aus dem Schließmuskel ihrer Nachbarn ernähren (und wenn es nur zu 10% zum Einkommen beiträgt), in seiner Mitte leisten will, steht auf einem anderen Blatt und es scheint ja selbst bei einigen Kofferträgern der CDU angekommen zu sein.
    Ein Liechtensteiner hat mir gegenüber die Zumwinkel-Hausdurchsuchung mit einer (wörtlich) „2. Reichskristallnacht“ verglichen. Daran sieht man eigentlich ganz gut, wie viel voller die die Buxen haben als in der Schweiz, von daher könnten Sie da in Bezug auf Liechteinstein Recht haben (von wegen Licht aus).
    Schlimmer als die schwarze Knete aus den Industriestaaten finde ich aber, dass dort die Diktaturen der sog. 3. Welt ohne Schmerzen den Teil der Entwicklungshilfe parken, den sie nicht für Waffen ausgeben.

  26. #26 | iradex sagt am 5. Mai 2010 um 17:13 Uhr

    Jaja, fordert ihr nur mal den Umsturz dieser Gesellschaft. Ist doch eigentlich gar nicht so schlimm, dieser Scheißkapitalismus macht doch eh nur alles schlimmer als es sowieso schon ist. Statt sich mal vernünftig mit den Folgen dieser industriefeindlichen Politik auseinanderzusetzen, wird lieber wieder der böse Banker herbeigerufen. Der dient mittlerweile schon als Rechtfertigung für so ziemlich alles, was die linken Schreihälse da propagieren. Aber klar, Unternehmen werden hier auch weiter in Arbeitsplätze investieren, wenn sich in 100km Entfernung Staaten und Bundesländer befinden, in denen man sich nicht mit einer solchen wirtschaftsfeindlichen politischen Atmosphäre auseinander setzen müsste, in der man nicht um die Einführung der 30 Stunden Woche kämpft.

    Aber sicher alles wieder nur neoliberale Hasspropaganda, ich weiß.

  27. #27 | Helmut Junge sagt am 5. Mai 2010 um 17:18 Uhr

    @Philip,
    wenn`s 10% sind, die dann, wenn es keinen Sinn für die Anleger macht, nicht mehr dem schweizerischen Bruttosialprodukt zugeführt werden, ist das eine Katastrophe für die Volkswirtschaft der Schweiz. Die Zahl ist höher, als ich dachte, Philip.
    Denken Sie mal, was hier passiert, wenn die Industrieproduktion nur stagniert!
    Industrieproduktion ist nicht Bruttosozialprodukt.
    Wenn also ihre Zahl von 10% letzteres meint, würde das eine wesentlich schlimmere Nummer sein, als umgekehrt.
    Ich hab das Thema nur angeschnitten, weil ich Patrizias Beitrag als Hochnäsigkeit empfunden habe.

  28. #28 | Barbara Underberg sagt am 5. Mai 2010 um 17:21 Uhr

    Was soll ich dazu noch sagen? danke, Annika! Gut auf den Punkt gebracht.

  29. #29 | Stefan Laurin sagt am 5. Mai 2010 um 17:28 Uhr

    @Dissenter: Eine Kassiererin die auf Hartz IV aufstocken muss hat immer noch einen höheren Lebensstandard als sie ihn in der DDR und in jedem anderen sozialistischen Staat jemals gehabt hätte. Dazu kommt, dass sie in einem Land mit hoher Lebensqualität lebt: Man wartet nicht jahrelang auf ein Telefon, die Umwelt ist nicht so verwüstet. Sie lebt in einem Rechtsstaat und kann gegen die ARGE klagen (und gewinnen!), sie kann ihre Meinung sagen, wählen wen sie will und das Land verlassen. Und ich weiß was jetzt kommt: Wagenknecht will keine DDR. Mag sein, aber was Wagenknecht will wird immer wieder auf so etwas wie der DDR hinauslaufen.

  30. #30 | Philip sagt am 5. Mai 2010 um 17:36 Uhr

    @Helmut Junge, ja, da war das etwas missverständlich. Ich meine, dass der Schwarz-Geldmarkt nur 10% dessen ausmacht, was am „Finanzplatz Schweiz“ so angeschafft wird. Und die Finanzbranche ist zwar eine der bekannteren Branchen, aber nicht die größte der Schweiz. Arbeitsplatztechnisch sind es irgendwas um die 3% der Beschäftigten.
    Natürlich kommt auch mehr Geld von den Banken in den restlichen Wirtschaftskreislauf, aber ich glaube nicht, dass die Schweizer sich aufs Ziegenhüten und Käsemachen zurückbesinnen müssten, wenn ihnen auf einmal das Schwarzgeld fehlt. Und das ist manchmal schade, wenn man sich so hochnäsige Beiträge durchlesen muss, da haben Sie Recht.

  31. #31 | Andreas Scholz sagt am 5. Mai 2010 um 17:37 Uhr

    @ Stefan Laurin
    Da haben Sie völlig recht. Die DDR Verkäuferin hatte wirklich keinen Flachbildschirm und auch keine wii. Woran lag es? Gab es einfach im Osten (noch) nicht.

  32. #32 | Stefan Laurin sagt am 5. Mai 2010 um 17:44 Uhr

    @Andreas Scholz: Sie hatte noch nicht einmal Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, eine Rechtstaat. Und auch kein Telefon, Südfrüchte oder eine vernünftige Gemüseauswahl im Laden. Die Bundesrepublik mit der DDR zu vergleichen ist lächerlich. Die DDR war ein Pleitestaat, verhasst bei der eigenen Bevölkerung die ihn durch eine Revolution beiseite gefegt hat und dann der Bundesrepublik beigetreten ist.

  33. #33 | dissenter sagt am 5. Mai 2010 um 17:51 Uhr

    @ Stefan Laurin
    Sie müssen ziemlich ratlos sein, wenn Sie Kritik an den bestehenden Verhältnissen und den sie tragenden Parteien nur entgegenzuhalten wissen, in der DDR wär’s aber schlimmer gewesen.

    Was Frau Wagenknecht angeht: Wenn man sie bei Anne Will & Co. mal ausreden lässt, sagt sie IMHO meist vernünftige Dinge auf ihrem Feld der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die nicht aus der stalinistischen, sondern eher aus der (links-) sozialdemokratischen Ecke kommen und vor zehn, fünfzehn Jahren auch von Sozialdemokraten hätten vertreten werden können. Aber ich weiß schon: Das ist alles nur revolutionäre Taktik.

    Ich geh dann mal nach drüben.

  34. #34 | Andreas Scholz sagt am 5. Mai 2010 um 17:54 Uhr

    @Stefan Laurin
    Ehrlich, es liegt mir fern, die DDR irgendwie schön zu finden.
    Allerdings ist auch hier lange nicht alles Gold, was zudem nie geglänzt hat.
    Das mit dem Pleitestaat könnte durchaus noch eine interessante Betrachtung sein. Wenn ich auch nicht glaube, dass irgendwer da wirklich eine Lösung findet.
    Jährlich steigende Verschuldungsraten als überlegenens System zu verkaufen, hat schon seinen ganz eigenen Reiz.

  35. #35 | Lacki sagt am 5. Mai 2010 um 17:58 Uhr

    @Stefan Laurin:
    „… aber was Wagenknecht will wird immer wieder auf so etwas wie der DDR hinauslaufen.“

    Vielleicht solltest du dein Wagenknecht-Bild mal wieder updaten.
    Hier z.B.:
    https://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=hi&dig=2010/04/30/a0019&cHash=24d993aa52

  36. #36 | Thostra sagt am 5. Mai 2010 um 18:35 Uhr

    Schöner Artikel, nett zu lesen, aber was der so an Tasten bewegt hat, erstaunlich. Eigentlich schade, daß die Mauer weg ist: „Geh doch nach Drüben!“ zieht nicht mehr so richtig …

    Gruß aus dem wahlkampffreien Hamburg

  37. #37 | Patrizia sagt am 5. Mai 2010 um 18:44 Uhr

    @Arnold Voss
    Ich weiss, dass unser Beamtenapparat kleinkariert ist 🙂 … besonders in der
    „tüütschen Schwiiz“; aber er ist auf seine Weise auch liebenswert. Ausserdem
    sind wir nicht dreisprachig, sondern viersprachig, auch wenn das Rätoromanische
    immer mehr an Bedeutung verliert.
    Ihre abwertende Aussage, dass wir „tendenziell fremdenfeindlich“ wären, darf ich
    zurückweisen. Sie werden bei uns auch noch auf der abgelegendsten Alm sehr
    freundlich empfangen 🙂 … und bei fast 2 Mill. AusländerInnen, das sind über
    25% der Gesamtbevölkerung, wir sind also ein klassisches Einwanderungsland, gibt
    es zwar das eine und andere Problem, aber ich meine, wir haben diese bis jetzt
    ganz gut gelöst.
    Und wenn Sie schon von Fremdenfeindlichkeit in anderen Ländern, z.B der Schweiz
    schreiben, würde ich mich an ihrer Stelle zuallererst einmal mit dem Antisemitismus
    in der Partei „Die Linke“ beschäftigen, bevor ich Bevölkerungen in anderen Ländern
    pauschal Fremdenfeindlichkeit unterstelle.
    Was die „Nummerkonten“ betrifft, sie überschätzen deren ökonomische Bedeutung,
    und Sie überschätzen deren ökonomischen Nutzen. Einzig beim Finanzplatz Lugano
    könnte verübergehend, vielleicht auch längerfristig, eine Umstrukturierung
    notwendig werden. Ohne diese ganze Geheimniskrämerei um „illegale Gelder“,
    „unversteuerte Einkommen“, „Geldwäsche“ und Ähnliches mehr … eröffnen sich für
    uns ganz neue Möglichkeiten im internationalen Finanzwesen. Es gibt Studien von
    der UBS und auch von der Credit Swiss, dass eine Anpassung an internationale
    Standards und viel mehr nützt als schadet. Ich sehe dies ganz, ganz genauso :-),

    Sie machen sich Gedanken über ein kleines Land und dessen sehr heterogene
    Bevölkerungstruktur ohne es zu kennen und ohne die geringste Ahnung über
    dessen leistungsfähige Industrie, neben der Finanzindustrie, zu besitzen; aber
    sowas ist auch nicht wirklich neu in deutschen Landen … sie glauben ja auch
    wahrscheinlich, dass da wo sie sitzen und die Linken sich ihre Eierköpfe zerbrechen
    der Nabel der Welt ist.

    @Helmut Junge
    Kuckucksuhren sind ein Produkt aus dem Schwarzwald und der liegt bekanntlich in
    Süddeutschland. Wenn Sie etwas über Schweizer Uhren erfahren wollen bietet sich dafür die alljährliche Schmuckmesse in Basel an. Sie ist die grösste ihre Art
    und hat mit Kuckucksuhren nichts gemein.

  38. #38 | dissenter sagt am 5. Mai 2010 um 18:57 Uhr

    @ Patrizia

    „Und wenn Sie schon von Fremdenfeindlichkeit in anderen Ländern, z.B der Schweiz schreiben, würde ich mich an ihrer Stelle zuallererst einmal mit dem Antisemitismus in der Partei “Die Linke” beschäftigen, bevor ich Bevölkerungen in anderen Ländern pauschal Fremdenfeindlichkeit unterstelle.“

    Keine Ahnung, ob @Arnold Voss irgendwas mit der Partei Die Linke zu tun hat. Ich bin aber gern bereit, mich mit Fremdenfeindlichkeit innerhalb der CDU, um ein Beispiel zu nennen, zu beschäftigen, bevor ich anderen irgendwas unterstelle. Sie verstehen schon. BTW, Fremdenfeindlichkeit macht ja auch vor Schweizer Parteien nicht halt.

    Was Antisemitismus in der Linkspartei oder sonstwo angeht: Werden Sie doch mal konkret, und nennen Sie Ross und Reiter. Alles andere riecht irgendwie nach Kampagne.

  39. #39 | Stefan Laurin sagt am 5. Mai 2010 um 19:20 Uhr

    @Patrizia: Über den Antisemitismus in der Linkspartei haben wir immer wieder intensiv berichtet. Nur ein Beispiel: https://www.ruhrbarone.de/linkenpolitiker-dierkes-das-lappische-existenzrecht-israels/

  40. #40 | Arnold Voß sagt am 5. Mai 2010 um 20:36 Uhr

    @ Patrizia

    Es ist schön, dass sie ihr Land so verteidigen. Würde ich an ihrer Stelle auch tun. Aber ich kenne die Schweiz besser als sie denken, und ich weiß auch, wie sie Einwanderer bei sich auswählen bzw. welche Kriterien sie erfüllen müssen,um ins Land gelassen zu werden. Diesbezüglich ist ihr Beamtenapparat keineswegs liebenswert. Aber das ist andererseits sein gutes Recht.

    Die Schweiz ist auch kein klassisches Einwandererland bzw. sind die beiden größten Einwanderergruppen Italiener und Deutsche, d.h. sie entsprechend dem inneren Sprach-und Kulturspektrum der Schweiz. Und selbst da kippt zur Zeit die Stimmung in ihrem Land.

    Was die von ihnen als gering eingeschätzte Bedeutung der besonderen Geheimhaltung des schweizerischen Bankenwesens für die restliche Finanzwelt betrifft, da lügen sie sich einfach eins in die Tasche bzw. plappern sie -wie die meisten schweizerischen Medien – die offiziellen Verlautbarungen nach. Die wirklichen Zahlen weiß aber niemand außer die Banken selbst.

    Erschließen kann man sich die Sache aber andersherum. Wenn die von ihnen genannte Studie in ihrer Einschätzung richtig liegt, warum tun sich dann ihrer Meinung nach die Regierung und die Banken der Schweiz schon seit vielen Jahren so schwer, den internationalen Anforderungen auf Transparenz zu entsprechen? Ich sags ihnen: Weil die, die darüber zu entscheiden haben, im Gegensatz zu ihnen (und mir) genau wissen, was das finanziell und strukturell für ihr Land bedeutet.

    Ich mache mir übrigens nur deswegen über ihr kleines Land Gedanken, weil sie es hier als die Insel der Seligen darstellen und sehr leichtfertig mit ihren Vergleichen zu anderen Ländern umgehen. Auch ökonomisch argumentieren sie genauso ideologisch in Schwarz/Weiß wie die Linken die sie hier kritisieren.

    Was den Antisemitismus nicht nur bei der deutschen Linken betrifft, habe ich mich damit schon auseinandergesetzt, als sie noch gar nicht wussten wie das Wort geschrieben wird, weil sie schlicht noch nicht schreiben konnten.

    Trotzdem lese ich ihre Comments hier gerne, denn es lohnt sich auf jeden Fall sich mit ihnen auseinaderzusetzen.

    Also nichts für Ungut, was ihr kleines aber feines Land betrifft. Es ist halt auch dort nicht alles Gold was glänzt.

    P.S. Ich habe übrigens mit der Partei „Die Linke“ nichts zu tun. Ich gehöre überhaupt keiner Partei an.

  41. #41 | Dirk Haas sagt am 5. Mai 2010 um 21:34 Uhr

    Huch, doch noch ein unverklemmter Ruhrbarone-Beitrag zum Thema.

    Dass es häufig kaum mehr als drei Comments braucht, bis wieder zwanghaft über den menschlichen Makel von „Quartalsirren“ fabuliert wird – oder über Leute, die gar nicht für den nordrhein-westfälischen Landtag kandidieren (Trotzki, Lenin) – zeigt, dass „Pappsatt der Paranoia“ auch kein ganz unpassender Titel gewesen wäre.

    Tatsächlich ist die Linkspartei eher der kleine Pekinese, der paranoisch-unkritisch als Hund von Baskerville besungen wird:
    https://www.youtube.com/watch?v=JOAzuqngOYo

  42. #42 | Maren sagt am 5. Mai 2010 um 21:46 Uhr

    Konservativ-patriotisches Schweiz-Geseiere, auch das noch.
    Fakt ist, wir brauchen die Linke im Parteien-Spektrum, der Vielfalt wegen, um soziale und grüne Politik durchsetzen zu können, um ArbeitnehmerInnenrechte zu stärken, mehr Koalitionsmöglichkeiten zu haben. Zum Beispiel für die Durchsetzung eines weit weniger restriktiven Einwanderungsgesetzes (wer will schon Schweizer Verhältnisse bzw. die jetzigen). Klar ginge das auch ohne die Linke, aber es tut SPD und Grünen gut, sich messen zu lassen, sich positionieren zu müssen. Und ja, es nervt unermesslich, dass die Linke allüberall* als nicht wählbar, als Schmuddelkind präsentiert wird – was eine wohltuende Brandrede, thänk you so much Annika.

    *Zum Beispiel wird in der kleinen Dattelner Morgenpost unter dem Titel „Alle Parteien im Überblick“ bei der Linken lediglich erwähnt, dass sie vom Verfassungsschutz beobachtet wird, wohingegen alle anderen Parteien bezüglich ihrer Inhalte und Vorhaben besprochen werden.

    Diese Ignoranz /dieser praktizierte Kleingeist, der dürfte ruhig in der Schweiz bleiben.

  43. #43 | Arnold Voss sagt am 5. Mai 2010 um 22:02 Uhr

    @ Dirk Haas
    Das Problem ist, Dirk, dass sich der kleine Pekinese selbst gerne als Hund von Baskerville sieht. Zumindest was seine Wirkung auf andere Hunde betrifft.

    Ansonsten gebe ich dir Recht. Trotzki und Lenin würden sich, wenn sie diese Diskussion hier mitlesen dürften, über die Bedrohung schief lachen die angeblich von denen ausgehen soll, die sich heute nach ihnen benennen.

    Wie stand es mal so schön als Graffiti auf einem Marx-Engels-Denkmal gesprüht: „Das sein verstimmt das Bewußtsein“

    Ach ja, meine Mutter, Gott hab sie selig, hat mal ganz zu Anfang und ausnahmsweise die Grünen gewählt, „weil die anderen immer so auf dieser kleinen Partei rumhacken „. Sie hat das dann allerdings gebeichtet, weil sie ihr Leben lang eine gläubige Katholikin war und sonst immer die CDU gewählt hat.

    Und wo stehen die Grünen jetzt, wo sie im Himmel ist? Fast daneben!

  44. #44 | Barbara Underberg sagt am 5. Mai 2010 um 22:10 Uhr

    Karl Marx ist heute 192 geworden. Zu diesem Anlass und als Bereicherung dieser Diskussion wahrhaft philosophischen Ausmaßes ein Zitat:

    „Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert.“
    Karl Marx

    Wo er recht hat. 🙂

  45. #45 | Stefan Laurin sagt am 5. Mai 2010 um 22:18 Uhr

    @Barbara: Ich glaube nicht das Karl Marx heute 192 geworden ist 🙂

  46. #46 | Thomas sagt am 5. Mai 2010 um 22:31 Uhr

    @Barbara:

    Jaja.

    „Wenn alle innern Bedingungen erfüllt sind, wird der deutsche Auferstehungstag verkündet werden durch das Schmettern des gallischen Hahns.“

    https://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm

    Von Kommunismus ist da interessanterweise nicht die Rede.

    Im Bd. 1 der MEW, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung; [378] ff, von dem Du [381] ansprichst.

    Nur von dieser Druckerhöhung auf die Deutschen, die zur deutschen Auferstehung nach dem Muster der französischen Revolution führe.

    Selbst das hat ja bekanntlich deutlich nicht geklappt. Intermittierende Variablen halt. (-:

  47. #47 | Barbara Underberg sagt am 5. Mai 2010 um 22:55 Uhr

    ach Stefan, ist er nicht lebendiger denn je? 🙂

  48. #48 | Patrizia sagt am 5. Mai 2010 um 23:02 Uhr

    @Dissenter
    Also ich mache bestimmt keine campagne … gegen wen auch; ich war noch nie in
    NRW. Ich bin über eine andere Internetseite auf diese Seite hier gestossen und
    fand einige Beiträge sehr interessant. Mir gefällt die Meinungsvielfalt 🙂 … trotz
    oder auch wegen einiger „Tüpflischisser“.

    Die Judenhasser und Antisemiten, sie bezeichnen sich selber als Antizionisten, sind
    mir zuerst bei den Leserbeiträgen in unserer NZZ aufgefallen. Dort sind es aber, so
    meine Vermutung, offenbar Figuren aus dem rechten Lager und den faschistoiden
    Steinerschulen. In Deutschland sind es offensichtlich linke Gruppierungen … da
    gibt es den biederen Faschisten und Möchtegernschweizliebhaber Ellsässer, der
    hat mich nach zwei Beiträgen, teilweise zensiert, auf seiner HP gesperrt 🙂 …
    dann die antisemitische Gruppe „Arbeiterfotografie“ oder wie das heisst, – die manipulieren und verfälschen gerne Fotos -, … nicht zu vergessen die Antisemiten
    von „Mein Parteibuch“ etc,etc. Sie alle bezeichnen sich als „links“ und unterstützen
    „Die Linke“; zumindest ist es dort so zu lesen. Der Antisemit Dierkes aus Duisburg
    (?) ist doch in dieser Partei oder nicht ? … dann die Ereignisse um Monsieur Peres,
    immerhin Friedensnobelpreisträger, wurde doch von einigen Abgeordneten „der
    Linken“ im Bundestag beleidigt … ganz einfache Frage, wären diese Abgeordneten
    auch sitzengeblieben, wenn der Kurdenschlächter Erdogan oder der
    Tschetschenmassakrierer Putin im deutschen Bundestag gesprochen hätte ??? …
    zugegeben wir wissen es nicht … aber doch wohl eher nicht … und wenn ich von
    dieser zweiten Annahme ausgehe, weil der KGBler Putin bei den alten deutschen
    Stasitypen offenbar ein hohes Ansehen geniesst, ist das Verhalten gegenüber
    Peres von diesen Abgeordneten als reiner, purer Antisemitismus zu werten, nicht
    weniger und nicht mehr. Eine unglaubliche Unverschämheit, wenn frau sich vor
    Augen führt, was in diesem Land in der Vergangenheit alles passiert ist.

    Ich habe unter anderem in Tübingen an der Uni studiert, das ist noch keine zwei
    Jahre her – und ich habe mich dort sehr, sehr wohl gefühlt; diese Bundestag-
    geschichte um Peres hat mich tief enttäuscht. Das ist nicht fair ich weiss … aber
    es sind oft nur Kleinigkeiten, Gesten z.B., welche die Gefühle der Menschen
    bewegen.

  49. #49 | Stefan Laurin sagt am 5. Mai 2010 um 23:08 Uhr

    @Barbara: Nö

  50. #50 | Arnold Voss sagt am 5. Mai 2010 um 23:23 Uhr

    @ Barbara

    Was seine Kapitalismuskritik betrifft wird er wieder lebendiger, was seine Lösungsansätze betrifft, ist er mausetot.

  51. #51 | Dirk Haas sagt am 5. Mai 2010 um 23:38 Uhr

    @Barbara (#47): Klar.
    https://www.youtube.com/watch?v=_vcELAXJDIE&feature=related

    Am Ende, Arnold, erzählen Helge und Kluge IHRE Hundegeschichte (-:

  52. #52 | Martin Böttger sagt am 5. Mai 2010 um 23:49 Uhr

    Gratulation an Annika, zum Kommentar und zu seinem Echo.
    Meine Position will ich mal so beschreiben: ich bin hauptberuflich Grüner. Mein Vater (77) hat mir kürzlich eröffnet, dass er bei der Landtagswahl nun erstmals Grün wählen will, nicht aus Begeisterung, sondern weil die andern alle so scheisse sind.
    Ich habe kürzlich von einer gut informierten Person aus meiner Landespartei erzählt bekommen, wie es zuging, um die Verhandlungsdelegation meiner Partei für die Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl zu bestimmen – nach dem Motto: erst mal das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist. Dieser Bericht muss nun dringend vor meinem Vatter geheim gehalten werden. Denn sonst überlegt er es sich nochmal anders.
    Will sagen: mein Vater hat insofern eine „richtige“ Wahrnehmung, dass er feststellt, dass die Grünen sich wirklich mit den Fragen auseinandersetzen, mit denen man es derzeit tun muss. Er weiss nur nicht, wie sie das tun.
    Das Schlimme bei den größten Teilen der Linken (und auch der SPD) ist es, dass sie viele der aktuellen Fragen (Klima, globale Kommunikation, Kulturelles, Vielfalt der Lebensstile usw.) noch nicht einmal analytisch begreifen, und es daher überhaupt keine theoretische Chance für „rot-rot-grüne“ Strategieentwicklung gibt. Deswegen ist z.B. auch das Marktsegment für ein publizistisches Projekt wie den „Freitag“ offensichtlich zu klein. Und deswegen schmeissen sich immer mehr Grüne der CDU in die Arme, weil das wenigstens Abenteuer verspricht und nicht alles negativ komplett berechenbar ist.
    Das hat relativ wenig mit den Michalowskis und Dierkes dieser Welt zu tun, die uns an dieser Stelle so viel beschäftigt haben – diese Figuren sind furchtbar, aber auch Nebensachen und gesellschaftliche Außenseiter.
    Bei mir in Bonn gibt es z.B. eine Linke im Rat, die sich so dermassen blind an die SPD ranschmeisst, dass sie in der lokalen Diskussion um ein „Weltkongress-Zentrum“, dessen Missmanagement in der Stadtkasse einen Schaden von über 100 Mio. Euro verursacht hat und weswegen der Staatsanwalt wegen „Untreue in besonders schwerem Fall“ gegen die ehemalige SPD-OB ermittelt, vor „überzogener Kritik“ warnt. Ist nicht stalinistisch, ist nicht linksextremistisch, ist komplett ungefährlich für irgendjemanden. Aber auch furchtbar!

  53. #53 | 68er sagt am 6. Mai 2010 um 00:17 Uhr

    Zunächst ist den Ruhrbaronen zugute zu halten, dass sie Frau Joeres haben zu Wort kommen lassen.

    Ihre Wortwahl bei Ihren Kommentaren z.B. das „Ausschwitzen“ befremdet mich ein wenig.

    Auch Ihre Einschätzung, lieber Herr Laurin, dass eine Kassiererin die auf Hartz IV aufstocken muss immer noch einen höheren Lebensstandard hat, als sie ihn in der DDR und in jedem anderen sozialistischen Staat jemals gehabt hätte, zeugt von Ihrem Weltbild. Ich habe viele ehemalige DDR-Bürger kennengelernt, die sich in der DDR wohler gefühlt haben als in der Bundesrepublik. Ich weiss nicht, ob Sie mal in den neuen Bundesländern länger gelebt haben. Aus den 7 Jahren, in denen ich in Sachsen und Ostberlin gelebt habe, weiß ich, dass die Linke sich im Großen und Ganzen nicht wesentlich von den westlichen Parteien unterscheiden. Die Parteibasis ist relativ konservativ, die älteren Semester haben ähnliche Angst vor „Fremden“, wie die CDU-Rentner. Die Menschen wissen dort, was sie an Ihrer BRD haben, erkennen aber auch, dass man hier noch einiges besser machen könnte und wählen deshalb PDS bzw. jezt die LINKE. Da wollen die wenigsten die DDR wieder haben, aber eben auch keinen Selbstbedieunungs-Kapitalismus á la FDP.

    Leider habe ich mich mit den Meinungen des Herrn Michalowsky noch nicht im Einzelnen auseinander gesetzt, der Umstand allein, dass er einmal einer Linken Splittergruppe angehört haben mag, sollte jedoch noch nicht dazu führen, den Stab über ihm zu brechen. Denn bei der „Welt“, für die Sie ja gerne schreiben, sind ja auch einige Alt-Linke an herausgehobener Stelle aktiv.

    Der Spruch:

    „Wer mit 25 kein Sozialist ist, hat kein Herz. Wer mit 35 noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.“

    ist genauso griffig wie der Spruch Helmut Schmidts:

    „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

    Leider sind beide Sprüche griffig aber falsch. Willy Brandt war noch als alter Mann Sozialist und seine Visionen hätte man besser ernster genommen als Herr Schmidt, dann hätten wir vielleicht einige aktuelle Probleme vermeiden können, denn der Schmidtsche Visionen-Spruch stammt aus dem Jahre 1980, als Willy Brandt in seinem Nord-Süd-Bericht für die Vereinten Nationen die Probleme der Globalisierung als Visionär bereits in weiten Teilen vorausgesehen hat.

    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14324399.html

    Auf die „großzügige Schuldenregelungen“ für die 3. Welt ist dann ja später sogar Alfred Herrhausen (auch ein Visionär) zurück gekommen.

    Brandt war in dem Sinne Sozialist, dass er auch global die Solidarität der Menschen und Völker als Grundvoraussetzung einer funktionierenden „besseren Welt“ als unabdingbar erkannte. Ebenso eine Rückvergütung von Globalisierungsgewinnen, die derzeit ja auch wieder diskutiert werden. Und was macht Frau Merkel denn derzeit anderes als Solidarität mit Griechenland üben?

    Genau diese visionäre Politik hat einmal die SPD ausgezeichnet. Mit der Schmidtschen Ideenlosigkeit und der Ausgrenzung kapitalismuskritischer Menschen hat die SPD in den letzen 35 Jahren ihre eigentliche Klientel zu den Grünen und nun zur LINKEN getrieben und dümpelt nun um die 20 Prozent herum Als Visionär hätte man dies vielleicht vorausahnen können.

    Ich würde Ihren Spruch vielleicht so umformulieren wollen:

    „Wer mit 25 an den Kapitalismus glaubt, ist naiv.
    Wer mit 35 noch an den Kapitalismus glaubt, hat kein Herz.“

    Herzliche Grüße

    Ihr 68er

  54. #54 | Thomas sagt am 6. Mai 2010 um 01:01 Uhr

    @68er:

    > Zunächst ist den Ruhrbaronen zugute zu halten, dass sie Frau Joeres haben zu Wort kommen lassen.

    Hä? Warum sollte Annika hier nicht zu Worte kommen?

    https://www.ruhrbarone.de/impressum/

    Es gibt hier drei vier Leute bei uns, die die Linkspartei immer mal wieder und immer wieder ambivalent verteidigen, rechtfertigen, positiv interpretieren bzw der zusprechen. Ebenso: Dialektisch zugewandt sind.

    Die haben sich hier schon immer hier zu Wort gemeldet.

    Sofern sie wollen – in Comments und Sentenzen. Oder angeleierten Gastbeiträgen.

    https://www.ruhrbarone.de/bundeslinke-wirbt-fur-rot-rot-grun/

    Ich nehme mich da nicht aus.

    Ich arbeite mich doch nicht an dieser Partei ab – vergleiche sie mit einem Ideal, indem ich ihre Irrgänge aufweise: Antisemitismus, Demokratiedefizite, Spinnertum, obskure Positionen, gehäuft in NRW bzw in meiner Geburtsstadt DU – ohne Hintergedanken.

    Ich persönlich denke, daß die Linkspartei mit der Eindeutigkeit ihres Bekenntnisses gegen Hartz IV und gegen Krieg und ihrer Fusionsgeschichte und ihrer mittlerweile pragmatischen Generaltendenz das strategische Potential hat, die linke Kraft in D zu werden.

    Ich erhoffe mir das sogar.

    Aber – das heißt natürlich: Spinner raus, die Mühen der Ebenen, Politik ist die Kunst des Bohrens harter Bretter, hallo Weber:

    „Ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß“.

  55. #55 | 68er sagt am 6. Mai 2010 um 01:36 Uhr

    @ Thomas Meiser

    Vielleicht war meine Wortwahl nicht ganz korrekt, aber die meisten von mir wahrgenommenen Einträge zur LINKEN hier im Blog waren eher einseitig. Und Frau Joeres, die bisher ja auch nur einen Artikel hier als Autorin veröffentlicht hat, war mir leider bisher nicht bekannt.

    Was Ihre Einstellung zur Linkspartei angeht, kann ich Ihnen nicht folgen. Max Weber mag zwar recht haben mit den harten Brettern, aber sein so oft gelobter Aufsatz von der „Politik als Beruf“ und der Unsinn mit den Gesinnungs- und Verantwortungsethik hat letztlich dazu geführt, dass wir die Grünen und die Linken haben und eine entsozialdemokratisierte SPD. Denn heutzutage werden Politiker, die politische Ideale haben und danach handeln, als Gutmenschen oder Gesinnungsethiker beschimpft und diejenigen, die vor allem die nächste Wahl und ihre eigenen Pöstchen im Auge haben, als Verantwortungsethiker verklärt.

    Ich weiss auch nicht, was Sie mit „Spinner raus“ meinen. Besser wäre es doch den Spinnern oder Irrenden klar zu machen, wo sie spinnen oder irren. Das hat zwar nur bedingt mit Putzgruppen Joschka bei den Grünen geklappt und auch nicht wirklich bei Herrn Sarrazin oder Herrn Clement bei der SPD, aber ich denke, lieber integrierte Spinner und Irrende als sozusagen „Freischaffende“.

  56. #56 | Stefan Laurin sagt am 6. Mai 2010 um 06:33 Uhr

    @68:
    – Annika Joerres „kommt nicht zu Wort“ sondern schreibt was sie will wann sie will und das in Zukunft sogar häufiger.
    – Zu meiner Einschätzung der DDR: Sogar die Lebenserwartung ist in den neuen Ländern gestiegen: 3Sat:
    „Die Lebenserwartung der Ostdeutschen hat seit der Wende deutlich zugenommen. Wie das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock mitteilte, wurde der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Ost und West von 1989 bis 2002 deutlich kleiner. Bei Frauen im Osten sei sie von 76,3 auf 81,2 Jahre gestiegen, bei Männern dagegen von 69,2 auf 74,7 Jahre. Im Westen fiel der Anstieg schwächer aus: bei Frauen von 79,0 auf 81,4 und bei Männern von 72,7 auf 75,9 Jahre.“
    https://www.3sat.de/page/?source=/nano/bstuecke/81313/index.html
    – Die Linke in NRW unterscheidet sich von den Linken in den neuen Ländern. Dort gibt es aber – Stichwort Stasi-Vergangenheit – andere kritische Punkte.
    – Wir haben nie geschrieben das Herr Michalwosky Mitglied in einer Splittergruppe war. Vor seinem Eintritt in die Linkspartei war er bei SPD und Grünen.

  57. #57 | David Schraven sagt am 6. Mai 2010 um 07:29 Uhr

    Michalowsky Ist noch in der SL-Strömung und war in der WASG

  58. #58 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 08:07 Uhr

    @Stefan Laurin,
    Allein die Frage: „ach Stefan, ist er nicht lebendiger denn je?“
    wäre doch merkwürdig, wenn da kein Anlaß bestünde, so zu fragen.
    Die Frage wäre ja dann ein sogenanntes Paradoxon.

    @Arnold Voss,
    Keynes, der ja Lösungen gesucht hat, und an den sich immer dann alle erinnern, wenn´s schief gelaufen ist, wäre ohne ihn nicht vorstellbar.

  59. #59 | dissenter sagt am 6. Mai 2010 um 08:22 Uhr

    @Patrizia #48
    Sie verwechseln Antisemiten mit Kritikern der israelischen Politik, insbesondere den Palästinensern gegenüber. Muss Sie nicht weiter stören, dieser intellektuelle Kurzschluss ist auch in Deutschland weit verbreitet.

  60. #60 | Stefan Laurin sagt am 6. Mai 2010 um 08:30 Uhr

    @Dissenter: Der linke Antisemitismus nennt sich Antizionismus. Das ist schicker, klingt irgendwie antimiperialistisch und links und ist nicht anderes als brauner Wein in roten Schläuchen. Mit Kritik an Israel hat es nichts zu tun, wenn Leute wie Dierkes das Existenzrecht dieses Landes als „lächerlich“ bezeichnen. Aber ich vergesse ja schon wieder: Mit Beispielen aus der Wirklichkeit haben sie es ja nicht so. Da könnte ja die Diskussion auf die Füße gestellt werden.

  61. #61 | dissenter sagt am 6. Mai 2010 um 08:36 Uhr

    @Laurin
    Und Sie sind sich wirklich sicher, dass sie nicht einen so unscharfen Begriff wie Antisemitismus gegen ihren politischen Gegner instrumentalisieren?

    Im Übrigen ist Dierkes nicht die Linkspartei, wahrscheinlich nicht mal in Duisburg.

  62. #62 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 08:45 Uhr

    @dissenter,
    Da machen Sie es sich aber leicht!
    „Die Palästinenser“ gibt es nicht.
    Es gibt Palästinenser, die in Verhandlungen versuchen ihre Probleme mit Israel zu lösen, dafür steht Abbas, und es gibt Palästinenser, die glauben ihre Probleme durch kriegerische Mittel zu lösen. Dafür steht Hamas.
    So weit ich es beurteilen kann, ist hier im Forum noch nie jemanden als Antisemiten bezeichnet worden, der palestinensiche Interessen über Verhandlungen lösen wollte. Nur einzelne Vertreter der anderen Richtung, also der Vertreter der kriegerischen Lösungsansätze, sind in den Genuß gkommen als Antisemiten bezeichnet zu werden.
    Dissenter, nur einzelne, nicht mal jeder. Diese Leute haben aber immer noch eine zweite Bedingung dafür erfüllt. Sie haben das Recht der Israelis auf das Leben in Israel als jüdischen Staat insgesamt in Frage gestellt.
    Wer so weit geht, dissenter, sollte sich meiner Meinung nach nicht wundern, wenn er dann selbst in die Schußlinie gerät.

  63. #63 | dissenter sagt am 6. Mai 2010 um 09:05 Uhr

    @Helmut Junge
    Ich lese, dass Dierkes Antisemit sei. Ich bilde mir ein, Google bedienen zu können, und finde heraus, dass er Israels Existenzrecht als „läppisch“ bezeichnet hat. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das qualifiziert ihn in meinen Augen als Dummschwätzer, aber nicht als Antisemiten. Wenn Sie oder Herr Laurin den schlagenden Gegenbeweis haben bzw. hat: Bitte, auf den Tisch damit!

  64. #64 | Stefan Laurin sagt am 6. Mai 2010 um 09:30 Uhr

    Dissenter: Wenn das mit Dierkes nicht reicht, kann ich Ihnen nicht helfen. Will ich aber auch gar nicht.

  65. #65 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 09:37 Uhr

    @dissenter
    Wenn das nur zur Bezeichnung Dummschwätzer reicht, nennen Sie mir dann bitte erst einmal die Bedingungen, unter denen Sie jemanden als Antisemiten bezeichnen würden.
    Umgekehrt käme ich mir ja vor, wie ein Schüler, der vom Lehrer immer gesagt kriegt: „das reicht nicht, mach das nochmal“.

  66. #66 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 09:46 Uhr

    @Dissenter,
    Noch eine Ergänzung.
    Ihre Definition ist mir auch deshalb wichtig, weil ich dann entscheiden kann, ob sich für mich die Diskussion mit Ihnen lohnt, oder ob ich sie besser einstellen sollte.
    Ich reagiere nicht gern so rigoros, wie Laurin.

  67. #67 | Thomas sagt am 6. Mai 2010 um 09:55 Uhr

    @Dissenter:

    Der Begriff Antisemitismus ist in internationalen und supranationalen Kontexten mittlerweile ziemlich trennscharf definiert. So seit 2004.

    Und zwar durch die 3-D-Definition von Natan Sharantzky, definiert ist Antisemitismus als – lesen Sie selbst:

    https://www.jcpa.org/phas/phas-sharansky-f04.htm

    https://www.nicht-mit-uns.com/nahost-infos/texte/cantisemit.html

    Natan hat mal auf Hagalil erklärt, wie er auf den Trichter gekommen ist:

    https://www.hagalil.com/antisemitismus/europa/sharansky.htm

    Das ist mittlerweile die Definitionssphäre der UNO, der EU, der OSZE; ich denke, darauf kann man sich einigen. (-:

    >Im übrigen ist Dierkes nicht die Linkspartei, wahrscheinlich nicht mal in Duisburg.

    Die Linkspartei?

    Garantiert nicht. Gysi und Pau haben auf einen entsprechenden Vorhalt des Simon-Wiesenthal-Centers geantwortet: Herr Dierkes spricht nicht für die Linke.

    In Duisburg? Hat dessen antisemitische Attitüde bizzarerweise Mehrheiten.

    In Sachen des linken Kreisverbandes Duisburg kann ich aus Augenschein berichten, daß auf einer Mitgliederversammlung, auf dem Dierkes seine israelboycottzuneigende Haltung dartat, ein der Partei angehörender Kommunalpolitker, im Brotberuf Richter, die einzige Kompetenz, die die Duisburger Linken im Jugendwohlfahrtsausschuß haben, der Versammlung beantragte, man müsse doch zuvörderst beschließen, nicht gegen den Israelboycott zu sein, der Beantragende mit dem Geschäftsordnungstrick der Nichtbefassung des Antrages beschieden wurden.

    Und zwar einstimmig mit dessen Gegenstimme.

    Hier steht’s:

    https://www.ruhrbarone.de/dierkes-comeback/

  68. #68 | dissenter sagt am 6. Mai 2010 um 10:09 Uhr

    @Helmut Junge
    Unter den besonderen deutschen Umständen assoziiere ich mit Antisemitismus den Vernichtungs-Antisemitismus des Dritten Reiches, der nicht dasselbe ist wie Anti-Zionismus oder der religiös grundierte Anti-Judaismus früherer Jahrhunderte.
    Auch wenn wir uns hier nicht in einem historischen Oberseminar, sondern offenbar mitten im Wahlkampf befinden sollten wir uns klar machen, dass der Vorwurf des Antisemitismus in Deutschland tödlich wirkt, und entsprechend sparsam mit ihm umgehen.

    @Laurin
    Das bleibt Ihnen unbenommen. Auch ich bin nicht wegen Ihres Seelenheils hier, sondern weil mir dieser Kampagnenjournalismus hier und anderswo zu sehr zum Hals heraus hängt, als dass ich alles unwidersprochen stehen lassen könnte. Ab Montag nehme ich mich wieder zurück, versprochen.

  69. #69 | 68er sagt am 6. Mai 2010 um 10:49 Uhr

    Sehr geehrter Herr Laurin,

    ich wundere mich manchmal wie dünnhäutig doch Menschen sind, die andere mir nichts dir nichts einem Antisemitismusverdacht aussetzen. Ich habe mir das Video von Herrn Dierkes gestern Nacht auch angeschaut und mir war auch nicht ganz wohl dabei. Einiges was der Herr gesagt hat, können Sie bei oppositionellen Israelis so oder so ähnlich auch lesen. Aber ich kann Sie verstehen, wenn Ihnen bei dem Eifer, den Herr Dierkes an den Tag legt, Zweifel kommen, wie der Herr das meint und dass Sie dann an dem Wort „läppisch“ hängenbleiben.

    Mir stieß aber bei der Lektüre der letzen Artikel hier bei den „Ruhrbaronen“ über die Linkspartei auch ein gewisser Eifer auf, der dazu führte, dass ich an der Formulierung von Herrn Schraven, dass „Leute.. ..-ausgeschwitzt“ worden seien hängen blieb. Hier das Originalzitat von Herrn Schraven:

    „Man kann es auch anders sagen: Die Grünen hatten zu Beginn ihrer Partei Leute um die 30, die zum Teil unbelehrbare Linksradikale waren. Diese Leute wurden ausgeschwitzt, wie das in Parteien üblich ist. Oder angepasst an die wirkliche Welt.

    Die ausgeschwitzten Ewigradikalen sind jetzt um die 60 und bei der Linkspartei NRW aktiv. Siehe Michalowsky. Diese Leute haben sich nicht verändert. Sie haben nicht wie andere Politiker dazu gelernt. Sie sind auf ihrem Stand geblieben. Diese Leute sehen jetzt die Chance gekommen, Geld mit ihrer gespielten oder schlimmer noch geglaubten Überzeugung zu verdienen. Diese Leute können nicht an irgendwas angepasst werden.

    Diesen Altmaoisten, Alttrotzkisten, Altstalinisten und Altautoritären Kommunisten traue ich so weit, wie ich ein Haus werfen kann.“

    Ich hatte in einem Kommentar dann auf diese – meines Erachtens – sehr ungelungene Metapher hingewiesen, worauf Sie in einem Kommentar von 6:33 Uhr schrieben:

    „@68: – Das Wort „Ausschwitzen“ finde ich in keinem Kommentar- wenn sie es finden, zeigen sie es mir, wir löschen dann.“

    Sie fanden natürlich nicht das Wort „Ausschwitzen“ aber dafür sicherlich die zweimal von Ihrem Kollegen Herrn Schraven verwendete Formulierung im Zusamenhang mit Linksradikalen, dass diese „ausgeschwitzt“ worden seien.

    Es wundert mich nicht, dass Sie diese Formulierung nicht gelöscht haben aber dafür Ihren gerade zitierten Kommentarabschnitt zu diesem Topik von 6:33 Uhr.

    Sie mögen sagen, was ich hier betreibe sei „Korinthenkackerei“ und vielleicht hätten Sie damit sogar Recht, wenn einige „Ruhrbarone“ sich nicht vorher in, wie ich finde, (gutsherren-)ähnlicher Weise über Herrn Dierkes echauffiert hätten. Ich werfe keinem Blog vor, wenn es nicht wie z.B. die Süddeutsche Zeitung oder die NZZ klar zwischen Bericht und Meinung trennt, ich denke, die Menschen sollten lernen, Fakten und Meinung in einem Artikel selbst zu unterscheiden, was ich aber gar nicht mag, ist schlechte Propaganda.

    Und wenn Sie mir in Ihrem Kommentar von 6:33 Uhr vorhalten:

    „Wir haben nie geschrieben das Herr Michalwosky Mitglied in einer Splittergruppe war. Vor seinem Eintritt in die Linkspartei war er bei SPD und Grünen.“

    möchte ich auch noch einmal den Kommentar von Herrn Schraven zitieren:

    „Die ausgeschwitzten Ewigradikalen sind jetzt um die 60 und bei der Linkspartei NRW aktiv. Siehe Michalowsky. Diese Leute haben sich nicht verändert. Sie haben nicht wie andere Politiker dazu gelernt. Sie sind auf ihrem Stand geblieben. Diese Leute sehen jetzt die Chance gekommen, Geld mit ihrer gespielten oder schlimmer noch geglaubten Überzeugung zu verdienen. Diese Leute können nicht an irgendwas angepasst werden.

    Diesen Altmaoisten, Alttrotzkisten, Altstalinisten und Altautoritären Kommunisten traue ich so weit, wie ich ein Haus werfen kann.“

    Sie haben Recht, es wurde nie explizit geschrieben, Herr Michalowsky sei in erner „Splittergruppe“ gewesen, dafür müsste ich mich entschuldigen, wenn Herr Schraven nicht Herrn Michalowsky als einzigen in seiner Tirade namentlich genannt hätte, die eben doch mit der Kategorisierung als „Altmaoisten, Alttrotzkisten, Altstalinisten und Altautoritären Kommunisten“ endet.

    Mit freundlichem Gruß

    Ihr 68er

  70. #70 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 11:42 Uhr

    @Dissenter,
    „…den Vernichtungs-Antisemitismus des Dritten Reiches“ gibt es doch heute nicht mehr, weil es dieses Dritte Reich glücklicherweise nicht mehr gibt.
    Dann gibt es nach Ihrer Definition auch keinen Antisemitismus?!
    Denken Sie mal nach.
    Sie unterfordern mich jetzt aber mit dieser Wortblase. Mehr ist das ja nicht.

  71. #71 | Arnold Voß sagt am 6. Mai 2010 um 12:53 Uhr

    @ Alt 68er

    Ich gehöre zu den Ruhrbaronen die Dierkes einen Antisemiten genannt haben, und das nicht mir nichts dir nichts und auch nicht nach Gutsherrenart. Antisemiten sind auch ein Teil seiner Unterstützer mit denen ich hier mehrfach das zweifelhafte Vergnügen hatte zu diskutuieren.

    Begriffe sind wichtig, wie sie hier zu recht immer wieder betonen. Bleiben wir also beim Begriff/Adjektiv läppisch im Zusammenhang mit Existenzrecht. Was würden sie sagen, wenn ich ihr Existenzrecht als „läppisch“ bezeichnen würde? Oder meinetwegen das Existenzrecht aller Alt-68ger, oder einer Kommune von Alt-68gern oder meinetwegen einer ganzen Stadt in der ganz viele von Ihresgleichen wohnen/leben?

    Nun zu dem anderen Begriff bzw. einem Verb auf dessen Bedeutung sie hier allergrößten Wert legen: ausschwitzen. Sie betonen es immer wieder um zu versuchen, David Schraven damit eine Konnotation mit dem Wort Auschwitz anzuhängen.

    Dabei hat dieses Verb mit dem Wort/Begriff Auschwitz, jenseits der auf den zweiten Blick auch erkennbar anderen Schreibweise, absolut nichts zu tun und kann auch logisch nicht mit ihm in Zusammenhang gesetzt werden, weil das eine eine Tätigkeit und das andere ein (ausgesprochen berüchtigter) Ortsname ist.

    Das gilt jedoch nicht für die Verbindung des Adjektives läppisch mit dem Substantiv Existenzrecht, dessen Verbindung sie in ihrer eigenen Argumentation zu Gunsten Herrn Dierkes auf ebenso plumpe Weise verharmlosen wie sie bei David Schraven das Verb/Substantiv a/Ausschwitzen betonen.

    Wie würden sie eine solchen Umgang mit Begriffen nennen?

    Ich nenne ihn demagogisch.

    P.S. Man könnte ihn auch pervers nennen, weil ein so geschichtsbewußter Mensch wie sie mit dem Wort/Namen Auschwitz nach meiner Ansicht auf keinen Fall solche demagogischen Spielchen treiben sollte.

  72. #72 | Patrizia sagt am 6. Mai 2010 um 13:18 Uhr

    @Dessenter
    Zu der Aussage von Herrn Laurin gibt es nichts hinzuzufügen. Sie selber schreiben

    Zitat …
    … dass der Vorwurf des Antisemitismus in Deutschland tödlich wirkt …

    genau deshalb operieren die linken Antisemiten mit dem Begriff „Antizionismus“.
    Unter dem Begriff können sie ihren Judenhass ausleben, – dies gilt insbesondere
    auch für die Islamisten und deren Websites die sich ja mit den linken Judenhassern
    eng verbunden fühlen -, und sich trotzdem einen demokratischen, menschen-
    freundlichen Anstrich bewahren. Aber diese Diskussion ist off-topic … und das tut
    mir sehr leid für die Authorin … auch wenn ich deren Ansichten nicht teile.

    sorry, sorry, sorry … 🙂

  73. #73 | dissenter sagt am 6. Mai 2010 um 13:45 Uhr

    @Helmut Junge
    „Dann gibt es nach Ihrer Definition auch keinen Antisemitismus?!“
    Ist das wirklich das Niveau, auf dem Sie diskutieren wollen?

    Zur Sache:
    Was ich sagen will – und vielleicht zu wenig präzise ausgedrückt habe – ist, dass auf unserem historischen Hintergrund Antisemitismus immer mit dem Holocaust gleichgesetzt wird. Wer des Antisemitismus verdächtigt wird, ist daher politisch tot, denn er kann nur Nazi sein oder bestenfalls den Holocaust verharmlosen wollen. Egal was er gesagt und gemeint hat.
    Man sollte daher – ich wiederhole mich – aus meiner Sicht mit dem Begriff sehr vorsichtig umgehen. Als Kampfbegriff eignet er sich nicht.
    Sagen Sie doch: Dierkes ist ’ne Knallpfeife, die von Außen- und Sicherheitspolitik nichts, aber auch gar nichts versteht! Darauf könnten wir uns vermutlich einigen. Aber Antisemitismus, weil zwei Abgeordnete nach der Peres-Rede nicht aufgestanden sind? Das ist auch eine Art von Gesinnungsdiktatur.

  74. #74 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 14:05 Uhr

    @Patrizia,
    Wenn Dissenter nicht heute 8.22 Uhr dieses Thema so provokant-blöde in die Debatte geworfen hätte, daß ich mich am Kaffee verschluckt habe, wäre die Diskussion tatsächlich mehr in die Richtung gelaufen ,die von Annika Joeres angerissen worden ist.
    Dann aber hätten Sie vielleicht wegen Ihrer konservativ-patriotischen Vorstellung
    (oder wie Maren 42 sagte:konservativ-patriotischem Schweiz-Geseiere) ein paar heftigere Angriffe erlebt.

  75. #75 | Manfred Michael Schwirske sagt am 6. Mai 2010 um 14:45 Uhr

    Noch mal zum Wahlomaten.

    Richtig ist: das Ding simpliziert die politische Wirklichkeit schrecklich.

    Richtig ist aber auch: das Ding hebt die reale durchschnittliche politische Reflexion auf beinahe intellektuelles Niveau.

    Man sollte es auch hier verlinken.

  76. #76 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 15:26 Uhr

    @Dissenter,
    Ich bin immer zurückhaltend mit Bezichtigungen, wie Rassist, oder Antisemit usw. Von mir hat noch keiner den Vorwurf hören müssen, denk ich jedenfalls.
    Ich habe aber geschrieben, daß sich niemand, der sich so äußert, und da ist Dierkes durchaus schon implizit gemeint, sich nicht wundern darf, daß er so unter Beschuß gerät.
    Ich zitiere mich mal selbst:
    (12)“Wer so weit geht, dissenter, sollte sich meiner Meinung nach nicht wundern, wenn er dann selbst in die Schußlinie gerät.“
    Dann haben Sie ihn für bestenfalls einen Dummschwätzer bezeichnet, und erst danach hat mich interessiert, ab wann nach Ihrer Meinung jemand ein Antisemit wäre.
    Stimmt die Chronologie?

    So, Dissenter, jetzt erzähle ich Ihnen mal was aus Duisburg.
    Ich habe in den vergangenen Tagen 2 Mitglieder der Duisburger Linken getroffen. Beiden hab ich gesagt, daß ich nicht verstehen kann, daß der Hermann, (ich kenn Dierkes seit 15 Jahren) sich nicht öffentlich gegen die Vorwürfe, die gegen ihn in den verschiedenen Medien erhoben werden, ebenso öffentlich wehrt. Ich würde die Gegenposition gegen seine, aus meiner Sicht unhaltbare Ansicht vertreten. Ich hätte vor einigen Wochen dazu auch telefonisch von Stefan Laurin die Zusage bekommen, daß die Ruhrbarone ihre Seite für so eine Veranstaltung öffnen würden.
    Die Antwort dieses in Duisburg, recht bekannten Linkenvertreters und Dierkesfreundes war, daß der Hermann das nicht machen würde. (Dazu muß ich noch anmerken, daß Dierkes auf ein ähnliches öffentliches Angebot eines ex-Linken nicht eingegangen ist)
    Dieses obige Mitglied der Duisburger Linkspartei hat mich, übrigens zwei Tage später, am 1.Mai bewußt, wie meine Begleiterin glaubt bemerkt zu haben, übersehen, was zwar nichts bedeuten muß, was ich aber trotzdem bewerte. Dann habe ich noch einem anderen Duisburger Linken, der allerdings meine Position anerkannt hat, gesagt, daß ich, wenn der Hermann eine öffentliche Debatte nicht will, gerne mal die Linke in Duisburg besuchen würde, um dort die Diskussion mit dem Hermann zu führen. Vielleicht krieg ich ja sogar eine Einladung? Ich würde aber lieber eine öffentliche Diskussion führen.
    Mich hat schon Dierkes offener Brief an die hiesige DIG, vor einem guten Jahr genervt. Der bezog sich auf den Polizeieinsatz bei einer Milli Görüs- Demo, bei dem die Polizei ein Israelfahne aus einer Privatwohnung entfernt hat. In diesem Brief griff Dierkes den Vorsitzenden der DIG an, weil der sich über den Polizeieieisatz aufgeregt hat. Dieser Brief ging allen anderen Geschichten voraus, ist aber nicht mehr auf der Homepage der Duisburger Linken zu finden.
    Jetzt kommt noch ein Link, aus dem Sie erkennen können, wie man in Duisburg
    mit unliebsamen Vorstandsmitgliedern innerhalb der Linken umgeht, seit Dierkes das Sagen hat. Da mangelt es nicht an genau den Antisemitismusvorwürfen die Sie in Ihrem Beitrag 23 als besonders schlimm einstufen.

    https://kommunisten-online.de/austritthanna.htm

    Damals, vor 7 Jahren, hatte man in der Duisburger PDS offensichtlich noch eine andere Richtung vertreten. Da hatte Dierkes aber schon das Sagen.

  77. #77 | 68er sagt am 6. Mai 2010 um 15:46 Uhr

    Sehr geehrter Herr Voss,

    es ist sehr interessant, wie schnell man in Deutschland in die antisemitische Ecke rücken kann, wenn man durch Spiegelung der Argumentationsweisen versucht Menschen dazu zu bewegen, über ihre eigene Handlungsweisen nachzudenken.

    Zunächst zitieren Sie und Ihre Kollegen Herrn Dierkes falsch, indem Sie einen halbgenuschelten Satz verkürzen. Zwischen „läppisch“ und „Existenzrecht Israels“ höre ich zumindest noch das Wort „Frage“ und ein Wort ist völlig unverständlich.

    Wenn Herr Dierkes wirklich meint, das „Existenzrecht Israels“ sei „läppisch“, haben Sie sicherlich Recht mit Ihrer Einordnung.

    Da er aber wohl sagt, die „Frage des Existenzrechts Israels“ sei „läppisch“ und dann darauf eingeht, dass auch – und aus seiner Sicht wohl mit allem Nachdruck – auch das Existenzrecht Palästinas dikutiert werden müsse, liegt die Sache nicht mehr so klar auf der Hand wie Sie es darstellen.

    Die Aussage von Herrn Dierkes mag vielleicht von ihm so gemeint sein, wie Sie es unterstellen, vielleicht hat er auch gezielt die Doppeldeutigkeit gewählt, dass er auf der einen Seite sagen kann, die Frage des Existensrechts Israels stehe doch ausser Zweifel, auf der anderen Seite aber auch den Eindruck erweckt, das Existenzrecht Israel sei „läppisch“ und stehe zur Disposition. Vielleicht verstehen alle ihn auch einfach nur völlig falsch. Durch Ihre unkorrekte Zitierweise im Rahmen der hier stattfindenden Wahlkampfdebatte haben Sie der Diskussion aus meiner Sicht aber eher geschadet. Besser wäre es vielleicht gewesen, Sie hätten den Filmausschnitt ohne Kommentar auf Ihre Seite gestellt. Dann hätte es natürlich auch nicht diesen Skandal gegeben.

    Vielleicht wäre es ja auch erhellend, den Aufsatz in dem vorgestellten Buch zu lesen, auf den Herr Dierkes sich in dem Video bezieht, um zu schauen, was dort zum Existenzrecht Israels steht. Wäre das nicht eine journalistische Herausforderung für Sie?

    Wie bereits in meinem ersten Beitrag geschrieben, hatte auch ich den Eindruck, dass Herr Dierkes sich vielleicht einige Aussagen machte, die er anders meinte, so dass ich Ihr Unebhagen durchaus nachvollziehen kann.

    Ich habe dann Herrn Schraven sicherlich nicht sauber zitiert, was Ihren berechtigten und von mir auch erwünschten Kommentar verursacht hat.

    Tatsächlich war es aber so, dass ich in einem Zweischritt beim Kommentar von Herrn Schraven ein unwohles Gefühl hatte. Das sprachliche Bild, eine Gesellschaft, Partei, oder andere Gruppe könne unangenehme Menschen „ausschwitzen“ ist mir extrem unangenehm und zwar nicht wegen der sprachlichen Konnotation zum Vernichtungslager sondern wegen des Vorgangs des Ausschlusses von Menschen aus einer Gruppe durch ein biologisches Bild. Erst beim Schreiben meines Kommentars bemerkte ich dann die Interpretationsmöglichkeit, die auch Sie gesehen haben.

    Ich habe auch mal im Internet gegoogelt und eigentlich keine seriöse Quelle gefunden, die die Formulierung „ausgeschwitzt“ im Zusammenhang mit menschlichen Gemeinschaften braucht, wie es Herr Schraven tut. Darauf wollte ich im Sinne der LIT Victor Klemperers hinweisen.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass Herr Schraven in irgend einer Weise antisemitisch ist, finde jedoch die Ausdrucksweise extrem unangenehm, da sie mich sehr an den „gesunden Volkskörper“ erinnert und ähnliche „unsägliche“ Metaphern.

    Und zunächst hatte ich den von Ihnen gerügten Begriff nur einmal in meinem ursprünglichen Kommentar von 00:17 Uhr verwendet. Erst als die Reaktion von Herrn Laurin kam, und seine spätere Löschung seiner Bemerkung habe ich für alle den Verlauf noch einmal dargestellt und dabei vor allem Herrn Laurin und Herrn Schraven zitiert.

    Wenn Sie meinen Kommentar von 00:17 Uhr gelesen haben, werden Sie hoffentlich auch gemerkt haben, dass mir jegliche Art von Minderheitenausgrenzung zuwider ist. Wenn bei Ihnen gleichwohl der falsche Eindruck entstanden sein sollte, ich sei selbst Antisemit oder würde Antisemiten wegen ihrer antisemitischen Haltung in Schutz nehmen, würde ich das bedauern.

    Mit freundlichem Gruß

    Ihr Neu-68er

    P.S.: Sie sagen ich betreibe Demagogie, wenn ich Herrn Schraven eine geschmacklose Metapher vorhalte, deren Geschmacklosigkeit er selbst hätte bemerken können, wenn er ein wenig geschichts- und sprachbewusster gewesen wäre (was man von einem Journalisten ja eigentlich erwarten könnte).

  78. #78 | Thomas sagt am 6. Mai 2010 um 16:01 Uhr

    @Helmut Junge:

    >Ich hätte vor einigen Wochen dazu auch telefonisch von Stefan Laurin die Zusage bekommen, daß die Ruhrbarone ihre Seite für so eine Veranstaltung öffnen würden.

    Völlig selbstverständlich: Wir teilen aus, die Angegangenen können hier dazu und dagegen reden.

    Dierkes, Zimmermann, Wagenknecht, Lafontaine, Michalowsky usf kriegen hier gern ein Interwiev.

    Ein Interview nach amerikanischen Regeln.

    Das heißt: Aufgeschrieben wird das gesprochene Wort, Autorisierungen im nachhinein gipps nicht.

    Kinderkappes dergestalt wie mir der PR-Mann des linken Wahlquartieres, ein Kollege namens David Staercke, der von sich in der Fahne führt, daß er für RTL-Regionalfernsehen tätig war, mitteilte:

    Die Fragen müssen vorher vorgelegt werden – gipps natürlich auch nicht.

    Wir haben diesen ehrlichsten Modus von allen übrigens schon längst angeboten.

    Bislang hat niemand der Angesprochenen gewollt.

  79. #79 | Stefan Laurin sagt am 6. Mai 2010 um 16:04 Uhr

    @Hemut@Thomas: Die von mir hier veröffentlichten Interviews sind alle freigegeben worden.

  80. #80 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 16:20 Uhr

    Stefan,
    dann sollte das auch so bleiben.
    Also gilt das Angebot?

  81. #81 | Stefan Laurin sagt am 6. Mai 2010 um 16:30 Uhr

    @Helmut: Natürlich gilt das Angebot. Wir sehen uns als ein Diskursmedium. Wir wollen Raum für politische und kulturelle (Letzteres kommt im Augenblick leider zu kurz…) Auseinandersetzungen bieten. Wir legen Wert darauf, dass das in einer ordentlichen Form ohne Beleidigungen passiert. Allerdings sollten solche Gespräche einen aktuellen Aufhänger haben, denn eines wollen wir nicht: Unsere Leser langweilen. Wir behalten uns natürlich vor, ob wie ein Interview führen oder einen Gastkommentar ermöglichen. Auf jeden Fall werden wir fair sein. Und im Einzelfall werden wir auch Gesprächsangebote ablehnen – davon wird das was wir besprochen haben allerdings nicht berührt.

  82. #82 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 16:39 Uhr

    Also dann Hermann Dierkes, mich kennst Du ja.
    Ich bin kein Ruhrbaron, sondern mußte erst fragen.
    Die Antwort ist:
    Du kannst also Deine Position hier offen darstellen.

  83. #83 | dissenter sagt am 6. Mai 2010 um 16:49 Uhr

    @Helmut Junge

    Sie haben Einblick in die Verhältnisse in der Duisburger Linkspartei, kennen Hermann Dierkes persönlich, dieser ist nicht zu einer Debatte mit Ihnen bereit und hat vor acht Jahren in gewisser Weise noch auf der anderen Seite der Barrikade gestanden.

    Ok. Und?

  84. #84 | Patrizia sagt am 6. Mai 2010 um 16:59 Uhr

    @Alexander
    Also ich will Ihnen keinesfalls an Schienbein treten, wirklich nicht … und ich will
    auch keineswegs hochnäsig sein, meine Nase schaut auch nach unten 🙂 … aber,
    aber das mit dem „Klassenbewusstsein“ gefällt mir überhaupt nicht …

    Der „feudale Staat“ benötigt ein „Standesbewusstsein“, die bigotten Religiösen ein
    „Glaubensbewusstsein“, die Nazis ein „Rassenbewusstsein“, die Bürokraten in Indien
    ein „Kastenbewusstesein“ und der Arbeiterfunktionär ein „Klassenbewusstsein“.
    Solche „Bewusstseinsdefinitionen“ haben alle einen grossen Nachteil … sie trennen
    Menschen, spalten Gesellschaften, schaffen ein „Oben“ und „Unten“ ohne mögliche
    Osmose und dies führt genau zu diesem Unfrieden, welchen Sie sich angeblich so
    wenig wünschen.

    Seien Sie doch froh, dass es die „depperte Arbeiterklasse“, ich meine der Begriff ist
    aus dem Bayrischen, des 19. Jahrhunderts nicht mehr gibt. Es gibt nicht mehr den
    Funktionärskader, welcher nach eigenem Gutdünken über wohl und wehe von
    Millionen entscheidet. In einer pluralistischen Gesellschaft kann sich jede/r nach
    seinen Möglichkeiten einbringen. Sie können ihr Leben so gestalten wie Sie es
    möchten. Sie können gehen oder Sie können bleiben. Sie können arbeiten oder
    Sie können es sein lassen … verhungern werden Sie trotzdem nicht. Selbst für
    die wirklich Benachteiligten, z.B. Behinderte, gibt es inzwischen viele Möglichkeiten
    der individuellen Lebensgestaltung. Natürlich ist nichts perfekt, weil Gesellschaften
    auch permanenten Veränderungen unterworfen sind; aber um die schwierigen
    Herausforderungen, welche die Globalisierung und die europäischen Alters-
    gesellschaften mit sich bringen,benötigt doch niemand ein „Klassenbewusstsein“ …
    was ist denn das für eine antiquierte Vorstellung. Sie lösen die gegenwärtigen und
    zukünftigen Probleme doch nicht mit den inzwischen versteinerten Ideologien von
    vorgestern.

  85. #85 | dissenter sagt am 6. Mai 2010 um 17:13 Uhr

    @Patrizia

    Bewundernswert, wie ideologiefrei Sie sind mit Ihrer Ideologie vom bewusstseinslosen Individuum! Ist Ihnen noch nie der Gedanke gekommen, dass Oben und Unten ganz real existieren, ganz ohne Ideologie?

  86. #86 | Patrizia sagt am 6. Mai 2010 um 19:12 Uhr

    @Helmut Junge
    Also ich meine liberal zu sein und zähle mich nicht zu den Konservativen, wenn ich
    jetzt unser Parteienspektrum zugrunde lege … Könnte ich in Deutschland wählen,
    wäre ich wahrscheinlich eine „Wechselwählerin“ … irgendwo zwischen FDP, Grünen
    und CDU – eben eine Entscheidung von Fall zu Fall, keinesfalls aber Parteigängerin.
    Und an der Liebe zu „usere Schwiiz“ ändert auch ein Schuuurnii mit schwarzem
    Farbkübel und grossem Pinsel namens Arnold Voss nichts.

    Noch etwas zu dem Text der Authorin und Ihrer Rolle rückwärts …

    Sie schreibt z.B., dass „Die Linke“ vieles anders machen wolle und Menschen vor
    grossen Veränderungen zurückschrecken … als sichtbarer optischer Katalysator
    dieses „Neuen“ erwähnt sie dann die Klamotten „der Erneuerer“, wobei jenseits
    der deutschen Grenzen es Allgemeinwissen ist, dass der deutsche Intellektuelle,
    und jene die sich dafür halten, gerne ihre Kartoffelsackkleidung zur Schau stellen
    und überhaupt nichts von „la bella figura“ halten. Was hat das bitteschön mit
    politischer Erneuerung zu tun ? … das ist ein hübsches, kleines Geheimnis der
    Authorin …
    … und weiter im Text … Zitat „Wichtiger ist das Programm“ … unter anderem
    steht da zu lesen „kostenlose Bildung“ … ich meine das ist doch nicht neu. Eine
    Zeit ohne Studiengebühren gab es schon einmal in Deutschland. Jetzt müsste die
    Authorin mir nur noch erklären, wieso eine priviligierte Schicht studieren darf, eben
    die Intelligenteren … kostenlos … anschliessend wesentlich mehr verdient, also
    zur Elite zählt … und die Verkäuferin um die Ecke, welche sich tagtäglich die Beine
    in den Bauch steht und das ganze Jahr von ihrem Urlaub träumt, mit ihren Steuer-
    abgaben diese Studienplätze mit finanzieren soll ?
    Dann schreibt die Authorin, das entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass die
    Übereinstimmung laut Wahlomat mit „der Linken“ am grössten wäre.
    Tja, wenn ich mich in einer Aula hinstelle, hübsch mit den Wimpern klimpere und
    frage, „wollt ihr wieder die Studiengebühren loswerden … ?“ … was bekomme ich
    dann als Antwort von den Bestandswahrern mit ihren ängstlichen Brille, um jetzt
    einmal bei dem Vokabular der Authorin zu bleiben … genau jene Antwort, welche
    Politiker mit solchen Versprechen in ihren Wahlprogrammen erreichen wollen 🙂

  87. #87 | Helmut Junge sagt am 6. Mai 2010 um 19:25 Uhr

    @Patrzia,
    sorry, ich verfolge grad die Schachweltmeisterschaft,
    vielleicht morgen mehr

  88. #88 | Arnold Voß sagt am 6. Mai 2010 um 21:50 Uhr

    Patricia, ich hatte gar nicht die Absicht an ihrer Liebe zu ihrer Schweiz was zu ändern. Liebende können sich nur selbst heilen.

  89. #89 | Maren sagt am 6. Mai 2010 um 22:02 Uhr

    Die (Au-)Thorin sind in diesem Falle Sie, Patrizia, wenn Sie davon ausgehen, dass sich Intellektualität per se an der Grobkörnigkeit des darüber geworfenen Kartoffelsacks erkennen lässt. (Und das widerlegen Sie ja aber auch selbst, fröhlich mit den Wimpern klimpernd, scheint die Binsenweisheit „wenig Jutesack = wenig Hirn“ bei Ihnen ja nicht aufzugehen) Hier sind Sie in einem Maße engstirnig und schubladenbemühend wie Annika Joeres weltoffen – also sehr.
    Die Kinder der hart arbeitenden Verkäuferin würden die Möglichkeit eines gebührenfreien Studiums sicher begrüßen. Sie suggerieren, die politische Forderung nach selbigem sei lediglich ein Stimmenfang – es ist wohl nicht die Optik ihrer Mitglieder, die eine neue Partei wie die Linke von den Alteingesessenen unterscheidet, es sind vielmehr die Ideale, die sie so attraktiv macht.

  90. #90 | Patrizia sagt am 7. Mai 2010 um 05:52 Uhr

    @Dissenter
    Wer lesen kann ist klar im Vorteil … habe ich von bewusstseinslosen Individuen
    geschrieben ? … nein … sondern von Bewusstseinsdefinitionen, welche Menschen
    trennen, Gesellschaften spalten und Unfrieden stiften. Bewusstseinsdefinitionen
    schaffen Feindbilder z.B. den Klassenfeind, dürfte Ihnen ja bestens bekannt sein.

    Habe ich bestritten, dass ein „Oben“ und „Unten“ nicht existiert ? … oder wollen
    Sie mir jetzt ernsthaft erzählen, dass in einer sozialistischen Gesellschaft kein
    „Oben“ und „Unten“ existiert ?
    Ich habe von der Durchlässigkeit geschrieben, also der Möglichkeit von „Unten“
    nach „Oben“ zu gelangen. Wer ein Klassenbewusstsein, Rassenbewusstsein,
    Kastenbewusstsein etc. propagiert, schliesst eben den Klassenfeind oder die
    Andersartigen oder die nicht zur Kaste Gehörenden aus … die Ausgeschlossenen
    werden benachteiligt, bekämpft, verfolgt … im schlimmsten Fall ermordet; auch
    dies dürfte Ihnen bekannt sein oder nicht ?

  91. #91 | Patrizia sagt am 7. Mai 2010 um 06:29 Uhr

    @Arnold Voss
    Liebe teilt frau mit Anderen … z.B. Hermann Hesse

    „Hier ist die Sonne intensiver und wärmer, die Berge sind röter, hier wachsen Kastanien, Trauben, Mandeln und Feigen. Die Menschen sind gut, wohlerzogen und freundlich…“. So beschrieb Hermann Hesse einmal seine neue Heimat.

    https://www.hessemontagnola.ch/

    Es gibt auch von Eichendorff eine schöne Umschreibung von der Liebe zur
    Heimat …

    …Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

    Aber der typische deutsche Finsterling aus der Linken, Dierkes und Konsorten,
    dürften ihre Landsleute nie begreifen. Ein Blockwart bleibt ein Blockwart …
    spätestens dann für die Umgebung erkennbar, wenn die aufgesetzte Maske
    verrutscht.

  92. #92 | dissenter sagt am 7. Mai 2010 um 09:36 Uhr

    @Patrizia

    Mit Verlaub: Es fällt mir wirklich schwer, Sie ernst zu nehmen. Alle Welt diskutiert darüber, dass Schüler nach der Grundschule nicht nach Begabung und Leistungsfähigkeit, sondern nach Herkunft sortiert werden und dass der Zugang zur Hochschule immer mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt, und Sie fabulieren hier über mangelnde „soziale Durchlässigkeit in einer sozialistischen Gesellschaft“.

    Aber kämpfen Sie ruhig weiter gegen Ihre Windmühlen…

  93. #93 | Arnold Voß sagt am 7. Mai 2010 um 10:54 Uhr

    @ Alt/Neu 68ger #27

    Wollen sie mich veräppeln? Sie bauen einen Popanz auf um dann drauf einzuschlagen und nennen das, nachdem sie dabei erwischt wurden, eine Spiegelung? Sie sind der Demagoge und nicht Schraven.

  94. #94 | Helmut Junge sagt am 7. Mai 2010 um 11:02 Uhr

    @Patrizia,
    Sie schneiden viele Themen gleichzeitig an. Ich werde, soweit ich kann, auf alle eingehen. Allerdings in mehreren Anläufen. Schließlich gibt es außer den Ruhrbaronen noch ein reales Leben.
    Das Thema Klassenbewußtsein will ich sachlich und ohne Polemik diskutieren.
    Sie schreiben“..aber das mit dem “Klassenbewusstsein” gefällt mir überhaupt nicht …“
    Da hab ich deshalb mal bei Wikipedia nachgeguckt, woher das Wort kommt.
    Da steht:
    ( Klassenbewusstsein ist die spezifische Vorstellung einer Klasse über ihre grundlegenden Interessen und ihre Rolle in der Gesellschaft sowie ihre materiellen Existenzbedingungen. Anknüpfend an eine Formulierung Karl Marx wurde in der Rezension seines Werkes oftmals zwischen der „Klasse an sich“ und der „Klasse für sich“ unterschieden, und dieses Konzept mit Hegels Denken in Verbindung gebracht. Eine durch ihre Stellung in den gegebenen Produktionsverhältnissen „an sich“ gegebene Klasse könne nur zur politisch „für sich“ handelnden Klasse werden, wenn sie gemeinsam lernt, kämpft und Erfahrungen sammelt. Friedrich Engels definierte den Begriff „klassenbewußt“ als ein Bewusstsein des Einzelnen von seiner eigenen Klassenlage.)
    Der letzte Satz ist eine Zusammenfassung, die ich auch hier anwenden will.
    Jetzt zu Ihnen.
    Wenn Sie der Auffassung sind, daß es heute in der Welt keine Klassen mehr gibt, daß wir also in einer klassenlosen Gesellschaft leben, dann hat sich der Klasenbegriff für Sie natürlich historisch erledigt.
    Wenn Sie aber zu dem Gefühl kommen, daß Sie nicht zu denen gehören, die zur Zeit über soviel Kapital verfügen, daß sie die internationalen Finanzmärkte beherrschen, so, daß ganze Staaten am Rande des finanziellen Kollapses stehen,
    Zocker, oder wie Müntefehring sie nannte „Heuschrecken“, die in der Lage sind, Länder, wie Griechenland, Island, Portugal und Spanien sind da auch im Gespräch, durch ihre Finanztransaktionen zum Spielball zu machen, wenn Sie sogar das Gefühl haben, daß Sie persönlich davon sogar betroffen sein könnten, oder sind,
    dann akzeptieren Sie die Existenz einer gesellschaftlichen Schicht, die als Klasse bezeichnet wird. Auch wenn Sie hoffen oder träumen, eines Tages dazu zu gehören, ändert sich daran erst einmal nichts.
    Die überwiegende Mehrheit der Menschen gehört jedenfalls nicht dazu.
    Wenn Ihnen bewußt wird, daß Sie nicht dazu gehören, erfüllen Sie die Rahmenbedingungen des letzten Satzes der Wikipediadefinition.
    Sie haben dann Klassenbewußtsein.
    Der vielzitierten, sogenannten Arbeiterklasse gehören Sie aber deshalb nicht an.
    Aber das ist ein kompliziertes Thema. Darauf werd ich nicht eingehen.

  95. #95 | ileymicha sagt am 7. Mai 2010 um 11:10 Uhr

    Am Umgang mit der Partei Die Linke wird die Arroganz vieler „Wessis“ gegenüber den „Ossis“ deutlich. Der Einzug der Linken in das Düsseldorfer Parlament wäre 20 Jahre nach der „Wende“ ein Stück „Wiedervereinigung“.

  96. #96 | 68er sagt am 7. Mai 2010 um 11:20 Uhr

    @ Dr. Voß

    Sehr geehrter Herr Voß,

    ich glaube eher, Sie wollen mich „veräppeln“.

    Ich habe gar keinen „Popanz“ aufgebaut. In meiner ersten Mail hatte ich nur mein Befremden über die Formulierung von Herrn Schraven geäußert, die ich hier lieber nicht wiederhole, da Sie mir das dann wieder als popanz-building auslegen.

    Mein späterer Eintrag sollte vor allem auf die seltsame (sicherlich nicht einer gutsherrenähnlichen Haltung entspringenden) Unsitte hinweisen, dass die Herren „Ruhrbarone“ für sich di Möglichkeit bereithalten, ihre eigenen Kommentare nachträglich zu ändern, wenn Sie merken, dass sie nicht ganz ins Schwarze getroffen haben, wohingegen das „Ruhrvolk“ eben mitmarschieren darf.

    Ich habe mir mittlerweile hier die Finger wundgeschrieben, und offenbar stört sich in diesem Blog sonst niemand an der Formulierung von Herrn Schraven. Wenn das so ist, werde ich daran wohl auch nichts mehr ändern.

    Wie hieß es so schön bei „Jetzt oder Nie“:

    „Wascht Ihr nur Eure Autos!“

  97. #97 | Helmut Junge sagt am 7. Mai 2010 um 11:38 Uhr

    @68er,

    Meine Mutter hat mir früher immer gesagt, daß ich meine Grippe „ausschwitzen“ soll.
    Wie interpretieren Sie das? Böse Mutter?

  98. #98 | Arnold Voss sagt am 7. Mai 2010 um 11:47 Uhr

    @ 68 ger

    Hier wird kein Comment von den Ruhrbaronen verändert, wenn er schon beantwortet wurde, und einzig allein dafür ist die Kategorie nachträglich korrekt. Auch sie können hier ihren Comment verändern nach dem sie ihn geschrieben haben, indem sie ein weiteren danach schreiben um den davor zu ergänzen, zu korregieren oder für nichtig zu erklären. Das Privileg der Ruhrberone ist also rein technischer Natur. Wir haben es nur einfacher als unere Leser, aber prinzipiell nicht besser.

    Sie haben also schon wieder einen Popanz aufgebaut um ihn dann zur „Gutsherrenart“ zu erklären!

    Auch habe ich sie hier nicht des Antsemitismus verdächtigt, wie sie mir unterstellt haben. Lesen sie einfach nur das was ich schreibe, bevor sie antworten, ok!

  99. #99 | Arnold Voss sagt am 7. Mai 2010 um 11:53 Uhr

    @ Patrizia #42

    Nichts gegen Heimatliebe, auch wenn sie immer wieder von Blut-und-Boden-Demagogen missbraucht wird.

    Ich neige dazu eher Menschen als Länder/Nationen oder Orte zu lieben. Aber ich muss zugeben, ich mag das Ruhrgebiet nicht nur weil ich da geboren wurde. Ich schätze aber auch andere Städte und Gegenden dieser Welt.

    Liebe ist jedoch, wenn man sie ernst nimmt, eine schwierige Sache und da bin ich schon bei der Menschenliebe partiell überfordert. Eine ganzes Land mit samt seinen Bewohnern zu lieben, das lass ich dann doch lieber.

  100. #100 | 68er sagt am 7. Mai 2010 um 11:56 Uhr

    @ Helmut Junge

    Ich interpretiere das so, dass da eine Krankheit in Ihrem Körper war, vielleicht Bazillen, Viren, Bakterien, die eben ausgeschwitzt werden musste(n).

    Wenn ich aber lese, dass ein soziales Gefüge Menschen „ausgeschwitzt“ hat, überlege ich mir, ob da in den Augen des Schreibers die Menschen auch eine Krankheit sind, Viren? Bakterien? oder um ein anderes altes Schimpfwort einmal wieder aus der Mottenkiste zu holen:

    Linke Bazillen ?

    Erst danach stieß mir dann auf, dass in dem Wortstamm auch das Vernichtungslager enthalten war. Wenn ich da, mit Herrn Laurin, dem das ja auch aufgefallen ist, alleine bin, ist es ja gut, die Reaktion von Herrn Dr. Voß und auch die Ihrige scheinen mir aber zu bestätigen, dass die Assoziation im Zusammenhang mit einem sozialen Gefüge von Menschen nicht ganz fernliegend und daher aus meiner Sicht geschmacklos ist.

    Hätte Herr Laurin oder Herr Schraven kurz gesagt, die Formulierung sei im Nachhinein gesehen, unglücklich gewählt worden, oder irgend jemand anderes, hätte ich mir hier auch viel Zeit erspart, und wir hätten uns der spannden Frage zuwenden können, was denn in dem Buch von Herrn Dierkes drinsteht, das ich auch nicht kenne, aber langsam bekomme ich hier den Eindruck es mit Sturköpfen zu tun zu haben, denen an einer wirklichen inhaltlichen Diskussion nicht gelegen ist.

  101. #101 | 68er sagt am 7. Mai 2010 um 12:14 Uhr

    @ Arnold Voss

    Im Gegensatz zu den „Ruhrbaronen“ kann ich einen Eintrag oder einen Teil davon nicht löschen , wenn er noch nicht beantwortet ist.

    Ich habe nicht behauptet, Sie hätten mich des Antisemitismus verdächtigt, vielmehr habe ich geschrieben:

    es ist sehr interessant, wie schnell man in Deutschland in die antisemitische Ecke rücken kann,…

    weil Sie geschrieben hatten:

    Antisemiten sind auch ein Teil seiner Unterstützer mit denen ich hier mehrfach das zweifelhafte Vergnügen hatte zu diskutuieren.

    Sie, lieber Herr Dr. Arnold Voß, geben sich nicht einmal die Mühe meine Empörung über die Formulierung von Herrn Schraven zu verstehen aber beschimpfen mich als „Demagogen“ und meine Argumentationsweise als „pervers“ und ich habe das ruhig über mich ergehen lassen .

    Lassen wir es dabei.

  102. #102 | Helmut Junge sagt am 7. Mai 2010 um 12:17 Uhr

    @68er,
    Ich finde von David Schraven auch nur die Artikel gut, in denen meine Gedankenwelt sehr schön gespiegelt und die Welt, die ich nicht mag,
    schlecht dargestellt wird.
    Ehrlich.
    Aber beides ist schon sehr häufig vorgekommen.
    Und jedesmal regte sich die Seite, die schlecht dastand auf!
    Das Schlimmste ist, daß der Schraven sich von mir nicht sagen lassen würde, was er zu schreiben hat.
    Da muß ich dann einen Kommentar schreiben, den der dann alllerdings auch nicht
    diktieren darf.

  103. #103 | Arnold Voß sagt am 7. Mai 2010 um 12:41 Uhr

    @ 68ger

    Wozu jetzt auf einmal hier mein Dr.Titel? Der ist hier völlig irrelevant.

    1. Ja, sie können ihren Beitrag zwar nicht löschen, aber sie können ihnen mit einem weiteren Beitrag für nichtig und damit für nicht geschrieben erklären und niemand nimmt ihnen das hier übel.

    2. Ja verdammt nochmal, warum schreiben sie dann an m i c h „es ist sehr interessant, wie schnell man in Deutschland in die antisemitische Ecke rücken kann,…“ wenn i c h eben genau das nicht getan habe? Sie nämlich in eine antisemitische Ecke zu rücken.

    Sie zitieren mich dann selbst mit „Antisemiten sind auch ein Teil seiner Unterstützer mit denen ich hier mehrfach das zweifelhafte Vergnügen hatte zu diskutuieren.“

    Lesen sie sich dieses Zitat bitte nochmal ganz laut zu Hause selbst vor. Da werden sie es automatisch merken. Da steht hatte und nicht habe. Sie können also mit den Unterstützern, geschweige mit denen die ich davon für antisemitisch halte, nicht gemeint sein, oder?

    Also nochmal, lesen sie bitte bitte erst mal genau ehe sie gleich wieder losschreiben. Oder machen sie das absichtlich nicht?

    Dann sind nicht nur ein Demagoge sondern auch noch eine schlechter dazu!

    P.S. Und tun sie mir und sich selbst den Gefallen und verwechseln sie nicht schlechter absichtlich mit Schlächter, denn dann können wir die ganze Sache wieder von vorne Anfangen.

  104. #104 | Stefan Laurin sagt am 7. Mai 2010 um 12:47 Uhr

    @68er: Jeder Kommentator kann sich an uns wenden und seine Kommentare korrigieren lassen. Was wir in der Regel nicht tun, aber das betrifft Sie nicht, ist die Änderung von wichtigen Aussagen die ganze Diskussionen nach sich ziehen. Aber wie gesagt: Korrekturen gehen immer. Einfach eine Mail schicken. z.B. an info komisches-Zeichen ruhrbarone . de

  105. #105 | 68er sagt am 7. Mai 2010 um 13:15 Uhr

    Liebe Ruhrbarone,

    was mich hier wirklich stört, ist dass mein „Befremden“, das ich anfangs lediglich in einer Bemerkung hinsichtlich der biologischen Metapher geäußert hatte, hier von Herrn Voß, der auf seinen Titel hier ja keinen wert legt, gleich als „pervers“ bezeichnet wird. Und keiner von Ihnen versucht wenigstens zu verstehen, wieso ich dieses „Befremden“ habe.

    Mir stoßen solche biologischen Metaphern sehr auf, besonders bei Menschen, die mit Schreiben ihr Geld verdienen. Hier auf Ihren Seiten bekomme ich aber das Gefühl vermittelt, ich sei krank bzw. meine Argumentationsweise sei „pervers“.

    Wenn hier alle weiterhin meine Argumentationsweise unwidersprochen als „pervers“ gelten lassen, muss ich damit leben. Aber vielleicht versucht ja jemand zu verstehen, was ich gemeint haben könnte, wenn er folgenden Link anschaut:

    https://www.annefrankprojekt.vielfalttutgut-plauen.de/geschichtliches/sprache/index.html

    Bevor jetzt alle wieder auf mich einschlagen, möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, dass ich Herrn Schraven niemals unterstellen würde in irgendeiner weise antisemitisch zu denken oder zu sein, aber es ist leider so, dass es – auch mir – immer wieder passiert, dass sich solch ungute Wortwahl in die Sprache schleicht. Und ich denke, bei dem Thema, dass in dem Ausgangsartikel behandelt wurde, auf den ich mich bezog, sollte man besonders vorsichtig sein.

    Letzlich wäre es wirklich gut, mit ein paar mehr Fakten in der Sache zu arbeiten, zum Beispiel habe ich folgenden Link über Herrn Dierkes gefunden, der Ihre und auch meine Bauchschmerzen mit dem Herrn sehr verstärkt haben.

    https://www.muslim-markt.de/interview/2009/dierkes.htm

    Ich finde die Argumente des Herrn Dierkes dort sehr geschmacklos, würde mir aber anhand dieser Äusserungen noch nicht erlauben, ihn als Antisemiten zu bezeichnen.
    Mit freundlichem Gruß

    Ihr 68er

  106. #106 | Patrizia sagt am 7. Mai 2010 um 13:38 Uhr

    @Mahen
    Ich verstehe nicht so ganz, wieso Sie mich anzicken … und wenn Sie meinen es
    doch tun zu müssen, dann halten Sie sich wenigstens an die Originaltexte.
    Sie dürften mit mir übereinstimmen, dass da zuerst der Artikel von Annika Joeres
    war und dann der Beitrag von mir und nicht umgekehrt.

    Die „Klamottengeschichte“ … Aussehen, Erscheinungsbild etc…. und diese zu
    verknüpfen mit einer politischen Gesinnung, einem neuen politischen Denken, ist
    nicht meine Geschichte. Das ist Original Annika Joeres.
    Auch ihre Schlussfolgerung Annika Joeres ist weltoffen, – was ich keinewegs bestreiten will, ich kenne Sie überhaupt nicht -, und ich wäre „closed minded“, mir
    fällt kein passendes deutsches Wort ein, kann ich so aus dem Geschriebenen nicht
    erkennen – es sei denn, Sie verknüpfen die Meinung zu einer Sachfrage mit einer
    bestimmten Charaktereigenschaft der Diskutantin.

    Reichlich vermessen, finden Sie nicht ? … aber Sie als Kosmopolitin …

    Noch etwas zu den Studierenden und den Studiengebühren …

    Sie werden doch nicht ernsthaft abstreiten wollen, dass
    a.) ein Studienplatz für die Allgemeinheit sehr teuer ist, dass
    b.) Studiengebühren keinesfalls die Kosten eines Studienplatzes abdecken, dass
    c.) Universitätsabsolventen, unabhängig mit welchem Titel sie abschliessen,
    erheblich bessere Einkommensmöglichkeiten haben, dass
    d.) ein Studium zuallererst einmal Privatsache ist und die Vorteile, welche mit
    einem akademischen Titel verbunden sind, zuallererst einmal den Absolventen und
    nicht der Allgemeinheit zugute kommen und dass
    d.) der Staat, die BürgerInnen, welche erhebliche finanzielle Vorleistungen
    erbringen, um die akademischen Einrichtungen zu finanzieren, sich keinesfalls
    sicher sein können, – weil in freien Gesellschaften auch die freie Arbeitsplatzwahl
    gilt -, diese finanziellen Vorleistungen über ein höheres Einkommenssteuer-
    aufkommen der Absolventen wieder zurückerstattet zu bekommen.

    Deshalb sind Studiengebühren, welche z.B. über Stipendien und besonders niedrig
    verzinste Darlehen, finanziert werden, allemal die gerechtere Lösung. Mit diesem
    Dogma, „keine Studiengebühren – kostenlose Bildung“, – das ist sowas von coool,
    sooooo weltoffen, soooooo eine fortschrittliche Kreation aus noch viel, viel
    fortschrittlicheren Köpfen und dabei so jungfräulich neu, dass einer die Tränchen
    kommen -, werden praktisch die Privilegien aller zukünftiger AkademikerInnen
    zementiert.

    Naja, zurück zu meiner fiktiven Verkäuferin … wer sagt denn Ihnen, dass deren
    Kinder studieren werden ? Wenn ja, würde sich die Verkäuferin natürlich über die
    kostenlose Bildung an den Hochschulen freuen; wenn nein, werden sie und ihre
    Kinder immer zu jenen BürgerInnen zählen, welche über ihre Steuern die
    privilegierte Gruppe der AkademikerInnen mitfinanziert. Es gibt Familien, auch in
    Deutschland, da hat noch kein einziges Mitglied je die Innenräume einer Uni
    gesehen. Es fragt sich, wieso solche Gesellschaftsgruppen die Freiräume und
    Verwirklichungswünsche von angehenden AkademikerInnen finanzieren sollen …
    die dahinter stehende Logik erschliesst sich mir nicht …

    Ich wollte den Stimmenfang eigentlich nicht suggerieren, sondern feststellen 🙂
    da habe ich mich offenbar in der Wortwahl vergriffen.

  107. #107 | Patrizia sagt am 7. Mai 2010 um 14:08 Uhr

    @Dissenter
    Sie meinen ganz sicher „ihre Welt“ ist „alle Welt“;
    und fühlen Sie sich denn ernst genommen 😉 ?

  108. #108 | Helmut Junge sagt am 7. Mai 2010 um 14:11 Uhr

    @Patrizia,
    Weil das schnell geht, jetzt erst mal zu Ihrer politischen Positionierung,
    obwohl die mich ja gar nichts angeht. Aber dazu paßt zufällig eine Geschichte.

    „Also ich meine liberal zu sein und zähle mich nicht zu den Konservativen, wenn ich jetzt unser Parteienspektrum zugrunde lege … Könnte ich in Deutschland wählen, wäre ich wahrscheinlich eine “Wechselwählerin” … irgendwo zwischen FDP, Grünen und CDU – eben eine Entscheidung von Fall zu Fall, keinesfalls aber Parteigängerin.“
    Vom hiesigen Direktkandidaten der Grünen war gestern folgendes Zitat zu lesen:

    „Es gibt Grüne, die funktionieren wie Bananen, erst sind sie grün, dann gelb und dann schwarz.“

    Vielleicht läuft es bei Ihnen ja anders rum?

  109. #109 | Helmut Junge sagt am 7. Mai 2010 um 15:10 Uhr

    @Patrizia,
    Studiengebühren.
    Die Studienplätze werden von Steuergeldern finanziert.
    Da zahlen alle, die Steuern zahlen. Auch die von Ihnen ins Spiel gebrachte Verkäuferin, obwohl die nie einen Studienplatz in Anspruch genommen hat.
    Ein solcher Studienplatz hat im Jahr 2008 für Mathematik oder Physik 6810 Euro pro Jahr, für Ingenieurwissenschaften 7420, und für Medizin sogar 27 920 Euro pro Jahr gekostet. Dagegen sind die Studiengebühren deulich kleiner.
    Jetzt können Sie natürlich mit ähnlichen Worten, wie gestern Dissenter in einer anderen Sache, sagen: ok. Und?
    Ja, Patrizia, jetzt das „Und“
    Ihnen liegt ja am Herzen, daß die fiktive Verkäuferin für die Akademiker die Ausbildung bezahlen soll. Da stört es Sie merkwürdigerweise nicht, wenn diese Frau den Grundbetrag von einigen tausend Euro finanziert? Bei dem vergleichsweise geringen Betrag für die Studiengebühren schlägt aber Ihr mitfühlendes Herz?
    Faktisch sagen Sie ja, daß es für Sie kein Problem ist, wenn die Frau 80-85% der Eliteausbildung trägt, aber 100% wäre nicht zu verantworten, weil sie ja selbst nicht studieren würde, wobei die Frau bei 100% Beteiligung auch ihre Kinder dorthin schicken könnte.
    Patrizia, was ist das für eine moralische Position?

  110. #110 | Dr. Stalin sagt am 7. Mai 2010 um 16:11 Uhr

    Die linken sind einfach nichts…
    nur weil die linken ein paar gute Dinge vor haben legitimiert das noch lange nicht den anderen Schwachsinn.

  111. #111 | ruelfig sagt am 7. Mai 2010 um 23:42 Uhr

    Warum sollte ich eine Partei wählen, deren erklärtes Ziel es ist, meine Stimme verstummen zu lassen im Konzert des größeren Guten? Die rückwärtsgewandt ist zu einem Staatsterrorismus, dessen Ausmaße nie aufgearbeitet wurden und dessen Anhänger heute noch in China, Kuba und Nordkorea mordwerken? Und die Mitglieder hat wie Hermann of Arabia, dessen läppisches Werken ich das Missvergnügen hatte, erleben zu dürfen? https://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_wumfortsatz_des_sozialismus/
    Sozialismus ist eine tolle Sache, solange alle freiwillig teilnehmen. Sollen doch die, die Sozialismus für eine tolle Sache halten, die Sache unter sich regeln. Auf dem Friedhof die Blumen ausgewogen zu verteilen ist sicher eine gerechte Idee.

  112. #112 | Patrizia sagt am 8. Mai 2010 um 14:50 Uhr

    @Helmut Jung

    Zitat …
    >>>Faktisch sagen Sie ja, daß es für Sie kein Problem ist, wenn die Frau 80-85% der Eliteausbildung trägt, aber 100% wäre nicht zu verantworten, weil sie ja selbst nicht studieren würde, wobei die Frau bei 100% Beteiligung auch ihre Kinder dorthin schicken könnte.
    Patrizia, was ist das für eine moralische Position?<<<

    Es geht nicht um (m)eine moralische Position, sondern um mehr Gerechtigkeit bei
    der Verwendung von finanziellen Mitteln in einem "Gemeinwesen".
    Wenn ein "Gemeinwesen" von seinen BürgerInnen Steuern und Abgaben verlangt,
    ist dies nur dann gerechtfertigt, wenn die eingesammelten finanziellen Mittel so verwendet werden, dass eine Mehrheit der BürgerInnen direkt oder indirekt einen
    Nutzen davon hat bzw. es im Sinne der Allgemeinheit ist, – die Grundlagen und
    Ziele sind meistens in einer Verfassung niedergeschrieben -, für bestimmte Dinge
    finanzielle Mittel aufzuwenden.

    Wenn also VerkäuferInnen, InvesmentbankerInnen, BusfahrerInnen, PolizistInnen,
    ÄrztInnen etc.,etc … alle in einen gemeinsamen Topf einbezahlen, um daraus
    Aufgaben von allgemeinem Interesse ganz oder teilweise zu finanzieren, ist doch
    die Frage erlaubt …

    … ob es gerechtfertigt ist, angesichts steigender Kosten und fehlender
    finanzieller Mittel an den Hochschulen, den angehenden AkademikerInnen, – eine
    absolute Minderheit in der Bevölkerung -, ihr Studium vollständig aus der
    "Staatskasse" zu finanzieren. Auch unter dem Aspekt, dass

    – Weiterbildung eine Privatsache ist, auch SenioerInnen studieren wieder, und
    davon in erster Linie der Einzelne und nicht die Allgemeinheit profitert.

    Beispiel … Es war nicht im Interesse der deutschen StaatsbürgerInnen mir an der
    Uni in Tübingen, unter anderem, einen Abschluss in Japanologie zu finanzieren,
    dabei spielt die Staatsangehörigkeit keine Rolle,genauso, wie es nicht im Interesse
    der schweizer StaatsbürgerInnen ist auf ihren teuren Universitäten, sowohl
    Einheimische, als auch AusländerInnen, kostenlos studieren zu lassen.

    Angehende AkademikerInnen sind eine absolut priviligierte Schicht. Ihre Einkommen
    sind, selbst wenn sie später in Berufen tätig sind in denen keine Spitzengehälter
    bezahlt werden, deutlich höher als jene bei NichtakademikerInnen. Es stellt sich
    also doch die berechtigte Frage, wieso NichtakademikerInnen finanziell zum
    Lebensglück, und dies vielleicht unter Einschränkung des eigenen Wohls, von zukünftigen Gut(Best-)verdienerInnen beitragen sollen ? …

    An der Finanzierung eines Studiums für Ärmere kann es nicht liegen, – dafür gibt
    es genügend Finanzierungsmodelle -, die allerdings den Nachteil haben, dass der
    angehende Akademiker, ähnlich einem Kleinunternehmer, beim Scheitern seiner
    Aktivitäten, seine Schulden trotzdem begleichen muss – ausgenommen den
    Sonderfall der privaten Insolvenz. Für die Hochbegabten gibt es entsprechende
    Stipendien; also am Geldbeutel seiner Eltern scheitert niemand.

  113. #113 | Helmut Junge sagt am 8. Mai 2010 um 19:32 Uhr

    @Patrizia,
    Ihr Studienplatz kostet etwa 7ooo Euro pro Jahr.
    In Tübingen, wo Sie Japanistik studiert haben, werden seit Sommersemester 2007
    500 Euro pro Semester an Studiengebühren erhoben, also im Jahr 1000 Euro.
    Der Bachelorstudiengang für Japanistik ist auf 6 Semester angelegt.
    Das sind 3 Jahre, also cirka 21 000 Euro, die der deutsche Steuerzahler bzw. die deutsche Steuerzahlerin in Ihren Studiengang gesteckt hat. Die von Ihnen erwähnte Verkäuferin ist über die von ihr gezahlten Steuern an diesen 21 000 Euro beteiligt. Diese Frau hat Ihr also Studium mitfinanziert!
    Sie selber haben nur seit 2007 Sommersemester 6 Semester lang 500 Euro bezahlt!
    Das sind also ganze 3000 Euro, die sie in den Topf geworfen haben, mehr nicht!
    Der übergroße Anteil der Kosten Ihres Studiums ist also von Leuten bezahlt worden, die selber nie studiert haben!
    Wie können Sie da behaupten, daß Studieren Privatsache ist?
    Es ist nur so, daß die Verkäuferin nicht das Geld hat, diese Gebühren von 3000 Euro, die für Sie vielleicht peanuts sind, auch noch zu bezahlen, denn sie muß ja auch noch den Lebensunterhalt für ihre Kinder während des Studiums finanzieren. Das grenzt aber die Kinder einkommensschwacher Eltern aus!
    Und wenn die paar wenigen, die aus diesen unteren Einkommensschichten entstammen, mal stören, werden die Gebühren eben angehoben, bis man ganz unter sich ist. Die, die dann noch studieren, nennen sich dann Elite.
    Bezahlen tun die anderen, über die man sich dann hochnäsig ausläßt, weil sie ja dumm sind, über ihre Steuern. Jedenfalls 80% der Gesamtkosten.
    So ist das gedacht.
    Es sind übrigens fast immer die Eltern, die das Studium ihrer Kinder finanzieren.
    Oder haben Sie während Ihres Studiums von selber verdientem Geld gelebt?
    Ich meine jetzt Miete, Essen, Kleidung, Studiengebühren, Fahrtkosten usw.

  114. #114 | Helmut Junge sagt am 8. Mai 2010 um 20:11 Uhr

    @Patrizia,
    es muß heißen „Japanologie“ statt Japanistik

  115. #115 | Patrizia sagt am 12. Mai 2010 um 09:35 Uhr

    Zitat …
    >>>Und wenn die paar wenigen, die aus diesen unteren Einkommensschichten entstammen, mal stören, werden die Gebühren eben angehoben, bis man ganz unter sich ist. Die, die dann noch studieren, nennen sich dann Elite.<<<

    Ich glaube, sie sollten diese Form der Propaganda und Simplifizierung unterlassen. So eine Argumentation hilft niemanden, geht am Problem vorbei und entspricht auch nicht der Realität. Wenn es Orte gibt, an welchem Menschen am wenigsten nach ihrem "materiellen Wohlstand" bewertet werden, dann sind es die Universitäten; so zumindest meine Erfahrung. Man kann den PolitikerInnen nicht einerseits vorwerfen mit Stereotypen zu arbeiten, andererseits aber bei jeder Gelegenheit sich selber solcher Worthülsen bedienen. Ausserdem kann ich Sie beruhigen, was das Ausschliessen "unterer Einkommensschichten" von den Universitäten betrifft; die Hochschulen, zumindest die Mehrzahl dieser Einrichtungen, werden sich in wenigen Jahren, und dies fast überall in Europa, um die StudentInnen reissen, ganz ähnlich, wie es heute schon die Kindergärten um Kinder und die Grundschulen um SchülerInnen tun. So gesehen widerlegt allein die demografische Entwicklung, neben vielen anderen Faktoren, Ihre geäusserte Vermutung.

    Sie argumentieren unter anderem, … BürgerInnen bezahlen Steuern, z.B. meine
    Verkäuferin und viele mehr die selber nie eine Hochschule besucht hätten, -was
    nachweislich der Fall ist-, und daraus folgern Sie, dass das Studieren keine
    Privatsache wäre. Das kann ja wohl nicht sein. Solche Assoziationen würden
    schlussendlich dazu führen, dass der Staat über mein Leben bestimmt, abhängig
    davon, welche staatlichen Einrichtungen ich benütze. Ein "Gemeindewesen" ist
    aber für die BürgerInnen da und nicht umgekehrt.Nur weil es eine Autobahn gibt
    kann man mir nicht vorschreiben ein Auto zu kaufen und diese zu benützen,
    genausowenig,wie ich gegenüber dem Staat, gegenüber den SteuerzahlerInnen,
    den Anspruch geltend machen kann, mir ein Auto zu kaufen damit ich auf dieser
    Autobahn hin- und herfahren kann, weil dies andere StaatsbürgerInnen tun.

    Sie argumentieren weiter, dass es der Verkäuferin nicht möglich wäre, die
    Studienkosten ihrer Kinder, gleichgültig welcher Grössenordnung, tragen zu
    können. Das bestreite ich überhaupt nicht. Ihre Kinder sind nach dem Abitur
    bzw. der Matura erwachsen und voll geschäftsfähig. Sie entscheiden selber,
    wie sie ihr Leben gestalten möchten. Natürlich ist es superbequem betuchte
    Eltern zu haben, welche einem ein Studium finanzieren können. Nur dies trifft
    auch auf alle anderen Lebensentwürfe zu und hat ganz und garnichts mit der
    Allgemeinheit zu tun. Um die Möglichkeiten von Hochschulen und die daraus
    entstehenden persönlichen Perspektiven trotzdem voll nutzen zu können, muss
    den Interessierten der Zugang zu finanziellen Ressourcen gewährleistet sein,
    welche ihnen die Finanzierung eines Studiums über Stipendien, zinsgünstige
    Darlehen etc. in eigenverantwortung ermöglichen.

    Natürlich gibt es auch Härtefalle denen so ein Finanzierungsmodell nicht gerecht
    wird. Z.B gab es bei uns eine an MS erkrankte Kommilitonin. Für so einen Fall ist
    es mit einer Vorfinanzierung des Studiums nicht getan, weil aufgrund der
    Unberechenbarkeit des Kankheitsverlaufs, eine spätere Berufsaufnahme nicht
    gewährleistet ist. Solche Ausnahmefälle erfordern Ausnahmeregelungen.

    Was mich betrifft … ohne die Möglichkeit des Zugriffs auf die finanziellen
    Ressourcen meiner Eltern wäre mein Studienverlauf anders verlaufen. Ich hätte
    mir nicht den "Luxus" gegönnt ein Hauptfach plus Nebenfach in der Fakultät
    Kulturwissenschaften zu belegen; ich hätte mich nur auf ein Studienfach WiWi
    konzentriert und ich wäre in der Schweiz geblieben. Nach einem Abschluss wäre
    ich sofort ins Berufsleben eingestiegen und würde jetzt nicht an einer
    Schweizer Universität versuchen mich weiterzubilden. Dafür bin ich aber selber
    zuständig und nicht ein Staat.
    Es bleibt zu hoffen, dass es auch nach einem Regierungswechsel bei Euch, die eine oder andere, zukünftig in Regierungsverantwortung stehende PolitikerIn, zweimal darüber nachdenkt, in einer Zeit des knappen Geldes,die beschlossenen
    Studiengebühren wieder zu kippen. Das wäre fatal und jenseits des europ.
    Konsens in Sachen Hochschulbildung. Viel sinnvoller wäre es das Geld in einem
    Kindergartenpflichtjahr anzulegen. Das funktioniert bei uns im Katon Basel ganz
    gut 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.